Sonntag, 8. Juni 2014

Il Futuro - Eine Lumpengeschichte in Rom

"Il Futuro - Eine Lumpengeschichte in Rom" ist ein Film von Alicia Scherson (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013 und beruht auf dem Roman "Lumpenroman" von Roberto Bolaño.

Die beiden Teenager Bianca (Manuela Martelli) und Tomas (Luigi Ciardo) sind nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Eltern auf sich allein gestellt. Sie leben weiterhin zusammen in der elterlichen Wohnung in Rom, wo gelegentlich eine Sozialarbeiterin nach ihnen sieht. Die wirtschaftliche Lage ist schlecht, das Geld wird immer knapper, also suchen sich die Geschwister eine Arbeit, die sie nach der Schule ausüben. Bianca jobbt als Aushilfe in einem Friseursalon, während ihr jüngerer Bruder Tomas in einem Fitness-Studio putzt.

Bianca kann nicht mehr schlafen, denn seit dem Unfall ihrer Eltern erscheinen ihr auch die Nächte hell wie am Tag. Die Wohnung versinkt immer mehr im Chaos, bis Tomas eines Tages zwei undurchsichtige junge Männer aus dem Fitness-Studio mit nach Hause bringt, die sich dort einnisten und den Haushalt wieder auf Vordermann bringen. Libio (Nicolas Vaporidis) und Boloñes (Alessandro Giallocosta), die beide mit Bianca schlafen, was aber nicht weiter thematisiert wird, haben einen Plan entwickelt, wie sie zu Geld kommen können. Dazu brauchen sie Biancas Hilfe, denn sie soll ihnen den Weg bereiten, um einen Tresor ausrauben zu können.

Die Zielperson ist der alternde Maciste (Rutger Hauer), ein früherer B-Movie-Star und Bodybuilder, der nach einem Unfall erblindet ist und nun allein in einer großen Villa lebt. Bianca wird als Prostituierte zu Maciste geschickt, doch nebenbei soll sie das Haus erkunden und den Tresor finden, in dem eine Menge Bargeld vermutet wird. Das gestaltet sich allerdings schwieriger als gedacht, denn zwischen Bianca und Maciste entwickelt sich eine zarte Liebesbeziehung und auch bei ihren Erkundungen des Hauses ist ihr der blinde Maciste scheinbar immer einen Schritt voraus.

Bianca lässt Maciste aus seinem Leben erzählen, taucht ein in eine Welt, die sie bisher nicht kannte und verliert ihr ursprüngliches Ziel immer mehr aus den Augen. Sie kümmert sich um den alten Mann, der seinerseits dem Leben wieder mehr abgewinnen kann. Beide profitieren voneinander, auch wenn es keine gemeinsame Zukunft geben wird. Am Ende ist Bianca reifer geworden und kann ihr Leben nun selbst in die Hände nehmen. Libio und Boloñes müssen die Wohnung verlassen, weil Bianca und Tomas nun allein zurechtkommen und keine krummen Geschäfte machen wollen. Sie haben eine Zukunft, auch wenn diese jetzt noch unklar erscheint.

Was für ein wunderbarer kleiner Film, der einem hier geboten wird. Toll und sehr sehenswert, aber wahrscheinlich nur für ein überschaubares Publikum. Ich finde ihn großartig, auch wenn gar nicht so viel passiert, aber die fabelhaften Bilder von Kameramann Ricardo DeAngelis sprechen für sich. Wenn dann noch beim Abspann der Song "Wing" von Patti Smith ertönt, dann lacht das Herz. Hier wurde alles richtig gemacht.

Neben der schönen jungen Manuela Martelli, die wirklich großartig spielt, ist es vor allen Dingen Rutger Hauer, der dem Film Nachdruck verleiht. Seine Darstellung des blinden alten Mannes und seine imposante Erscheinung passen hier einfach perfekt. Die Zärtlichkeit die er ausstrahlt, hätte man ihm gar nicht zugetraut, aber das macht für mich den Reiz dieser Rolle aus. Ganz toll gespielt.

Wie üblich eine große Empfehlung, wenn man auf Mainstream verzichten kann und Lust auf einen anderen Film hat, der nichts erklärt und das auch nicht muss.


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