Montag, 28. Mai 2012

Die Prinzessin von Montpensier

"Die Prinzessin von Montpensier" - "La princesse de Montpensier" ist ein Film von Bertrand Tavernier aus dem Jahr 2010. Das Drehbuch schrieb Tavernier zusammen mit Jean Cosmos und Francois-Olivier Rousseau und basiert auf dem Roman von Madame de Lafayette aus dem Jahr 1662.

Frankreich, im 16. Jahrhundert. Der Krieg zwischen den Katholiken und den Hugenotten dauert an. Die junge Marie (Mélanie Thierry) ist dem jungen Henri de Guise (Gaspard Ulliel) versprochen und diesem auch sehr zugetan. Doch ihr Vater entscheidet sich plötzlich für den Grafen Philippe de Montpensier (Grégoire Leprince-Ringuet) als Ehemann für seine Tochter. Marie muss sich fügen, kann Henri aber nicht vergessen.

Nach der Hochzeit lebt sie abgeschieden auf einem Landsitz, wo der ältere Comte Francois de Chabannes (Lambert Wilson) ihr Lehrer wird. Auch er verfällt dem Liebreiz der jungen Frau, die sich ihrer Gefühle nie ganz sicher ist und zwischen ihrem Ehemann Philippe, ihrer alten Liebe Henri und dem Duc d'Anjou (Raphael Personnez) aufgerieben wird.

Am Pariser Hof schließlich kann Philippe seine Eifersucht nicht mehr zügeln und fordert von Marie eine Entscheidung. Als sie sich endlich zu Henri bekennt, hat dieser schon längst andere Pläne für sein Leben gemacht. Marie entsagt der Liebe daraufhin für immer.

Hm, was haben wir denn hier? Einen schönen Kostümschinken (das ist nicht böse gemeint), der eine hübsche Geschichte erzählt, mit wunderbaren Darstellern besetzt ist, aber mit 134 Minuten Laufzeit viel zu lang geworden ist. Die Geschichte ist nett und zu Herzen gehend, aber auch nicht besonders herausragend.

Die Schauspieler sind allerdings sehr sehenswert, Mélanie Thierry ist entzückend, Gaspard Ulliel wie üblich wunderschön, Grégoire Leprince-Ringuet ebenso talentiert wie schön und Lambert Wilson einfach eine Klasse für sich. Da spielen auch die Längen in der Erzählung keine Rolle mehr.

Ich schwanke in der Bewertung, weil hier so viel funktioniert, aber einiges auch nicht. Insgesamt gesehen gebe ich aber doch eine Empfehlung, weil der Film mit so viel Liebe gemacht ist.

Sing! Inge, sing!

"Sing! Inge, sing!" ist eine Dokumentation von Marc Boettcher aus dem Jahr 2011 über das Leben von Inge Brandenburg und ihre gescheiterte Karriere in Deutschland.

Inge Brandenburg (1929 - 1999) war eine deutsche Jazzsängerin, die mit einer wunderbaren Stimme und sehr viel Talent gesegnet war. Genützt hat ihr das Rückblickend wenig, weil die Zeit damals anscheinend nicht reif für sie war. Oder sollte man vielmehr sagen, das Publikum im Nachkriegsdeutschland konnte mit so einer selbstbewussten Künstlerin einfach nichts anfangen?

Unter schwierigen Umständen groß geworden, beide Eltern starben während des Krieges, Inge und ihre Geschwister wurden in Heime für schwer erziehbare Kinder gesteckt, kam Inge durch Zufall an die Musik, entdeckte den Jazz für sich und hatte dafür die perfekte Stimme. Im Ausland hatte sie große Erfolge, gewann Preise und wurde gewürdigt. Aber in Deutschland? Fehlanzeige. Man zwingt ihr Schlager auf, weil das Publikum die hören will. Inge weigert sich, dieses falsche Spiel mitzuspielen.

Die Engagements bleiben aus, Inge lebt von der Sozialhilfe. Sie trinkt, sie schimpft, sie will sich nicht anpassen. Ein Talent geht vor die Hunde, weil niemand da ist, der das entsprechend zu würdigen weiß und sich auf ihre Launen einlassen kann und will.

Das hier nur in der Kurzfassung, das ganze Schicksal der Inge Brandenburg erfährt man in dieser ausgesprochen gründlichen und auch sehr liebevollen Dokumentation von Marc Boettcher, dem man hierfür ausgesprochen dankbar sein muss. Zwei Stunden vollgepackt mit ihren großen Songs, mit Interviews von Weggefährten und großartigem Bildmaterial. Einfach sensationell.

Insgesamt gesehen eine Dokumentation, die man nicht verpassen sollte und eine Stimme, die nicht verklingen darf. Ich persönlich habe mit Jazz eher nichts am Hut, hatte aber trotzdem Gänsehaut. Sehr empfehlenswert.

Go Go Crazy

"Go Go Crazy" ist ein Film von Fred M. Caruso (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2011.

In einem kleinen Club in Philadelphia steht die Wahl zum "Stripper des Jahres" an. Die fünf Finalisten strotzen vor Selbstbewusstsein, fahren aber trotzdem ihre Krallen aus, wenn es darum geht, den Sieg zu erringen. Fünf völlig unterschiedliche Typen, die sich von dem Sieg nicht nur die 1.000 Dollar Prämie erwarten, sondern noch so viel mehr. Kann das gut gehen?

Die Jury besteht aus dem älteren und schmierigen Barbesitzer, der sich gerne hinter der Bar näher mit den Jungs beschäftigt, einer ständig betrunkenen "Celine Dion-Imitatorin" und dem Sieger des Vorjahres, der inzwischen in der Porno-Branche tätig ist. Die wunderbare Hedda Lettuce moderiert den Abend.

Hinter der Bühne werden so langsam aber sicher die Messer gewetzt, soll heißen, es werden Gummi-Penisse geklaut, Gleitgel an die Pole-Dance-Stange geschmiert und Juckpulver in fremde Slips gestreut. Ach ja, das Leben kann ja so gemein sein...

Kurz gesagt, eine herrliche Mockumentary, die von Anfang bis Ende sehr viel Spaß macht und gut unterhält. Kann ich nur empfehlen.
  

Sonntag, 27. Mai 2012

Haywire

"Haywire" ist ein Film von Steven Soderbergh aus dem Jahr 2012. Das Drehbuch stammt von Lem Dobbs.

Es geht um die Geheimagentin Mallory Kane (Gina Carano), die für eine private Firma Aufträge ausführt. Ihr Vorgesetzter ist Kenneth (Ewan McGregor), mit dem sie einst ein Verhältnis hatte und der sie nun anscheinend loswerden will. Ich bitte vorab schon mal um Entschuldigung, aber im Eifer des Gefechts habe ich den Überblick verloren, wer zu wem gehört und wer hier eigentlich gegen wen kämpft.

Egal, bei einem Einsatz in Barcelona soll der Chinese Jiang gerettet werden. Zusammen mit Aaron (Channing Tatum) zieht Mallory diesen Auftrag durch. Danach schickt Kenneth sie nach Dublin, wo sie auf den Agenten Paul (Michael Fassbender) trifft. Eine undurchsichtige Rolle spielt hier Studer (Mathieu Kassovitz) und Mallory findet plötzlich die Leiche von Jiang. Ihr wird klar, dass sie selbst zur Zielscheibe geworden ist und das Paul sie töten soll.

Nachdem Mallory den finalen Kampf mit Paul gewinnen konnte, versucht sie herauszufinden, wer hinter dem Anschlag stecken könnte. Entweder Kenneth, vielleicht auch Coblenz (Michael Douglas) oder Rodrigo (Antonio Banderas). Bei ihrem Vater (Bill Paxton) will sie unterschlüpfen, aber auch da erwartet man sie schon.

Hier wird ganz schön viel gekämpft, das muss man schon mögen. Die Kämpfe sind gut in Szene gesetzt, ohne Frage. Mein Ding ist das ja nicht, aber ich habe mir den Film auch nur wegen der illustren Besetzung angesehen.

Gina Carano ist eine Mixed-Martial-Arts-Kämpferin, auch wenn ich keine Ahnung habe, was das heißt. Sie ist natürlich keine Schauspielerin, macht ihre Sache aber gar nicht so schlecht. Gut, gegen die großen Namen kommt sie hier eh nicht an, aber die Verantwortlichen geben ihr mit Channing Tatum jemanden an die Seite, der noch weniger agieren kann, als sie selbst. Da passt dann auch wieder alles zusammen.

Insgesamt gesehen ein zweifelhaftes Vergnügen, das man sich nicht unbedingt antun muss, es könnte allerdings auch schlimmer sein. Die Herren McGregor, Fassbender, Douglas und Banderas sind jedenfalls in bester Spiellaune und das Ende des Films ist besonders gut gelungen. Allein dafür lohnt sich der Quatsch irgendwie schon...

Samstag, 19. Mai 2012

Intruders

"Intruders" ist ein Film von Juan Carlos Fresnadillo aus dem Jahr 2011. Das Drehbuch stammt von Nicolás Casariego und Jaime Marques.

Der kleine Juan wird nachts von einem Monster ohne Gesicht heimgesucht, der ihm sein Gesicht stehlen will. Seine Mutter (Pilar López de Ayala) schleppt ihn daraufhin zu Pater Antonio (Daniel Brühl), der dem Spuk ein Ende machen soll, aber ohne Ergebnis.

Viele Jahre später... Die zwölfjährige Mia (Ella Purnell) lebt mit ihren Eltern John und Susanna (Clive Owen und Carice van Houten) in England. Durch Zufall stößt sie eines Tages auf die Geschichte des gesichtslosen Monsters und wird von da an auch von diesem verfolgt. Während ihre Mutter recht teilnahmslos reagiert, versucht ihr Vater mit allen Mitteln, dem Monster den Garaus zu machen. Denn schließlich kommt ihm die Geschichte mehr als bekannt vor...

Mal wieder ein "Horrorfilm". Gut, die haben auf meinem Blog eigentlich nichts verloren, weil ich damit kaum etwas anfangen kann. Den hier habe ich mir auch nur widerwillig angeschaut. Interessanterweise beantwortet dieser Film allerdings Fragen, die ich mir niemals wirklich gestellt hätte. Ein paar der Einsichten, die mir hier vermittelt wurden, gebe ich an dieser Stelle auch gerne weiter: 1. Clive Owen hat offensichtlich kein Gespür mehr für gute Rollen. 2. Daniel Brühl ist eine Lachnummer. 3. Carice van Houtens Rolle ist total überflüssig. Warum sie in einer Szene nackt auf dem Boden hocken muss, wissen auch nur die Götter. 4. Die arme Kerry Fox sieht viel älter aus, als sie eigentlich ist.

Nun, das will man auch eigentlich alles gar nicht wissen. Die Story um das gesichtslose Monster reißt aber auch nicht vom Hocker. Schwankt insgesamt irgendwo zwischen lächerlich und doof. Keine Empfehlung für diesen Mist, den man besser verpassen sollte.

Die Geliebte des Anderen

"Die Geliebte des Anderen" - "Qui" ist ein französisch-italienischer Film von Léonard Keigel aus dem Jahr 1970. Das Drehbuch schrieb Keigel zusammen mit Paul Gégauff.

Claude (Gabriele Tinti) und Marina (Romy Schneider) sind mit dem Auto in der Bretagne unterwegs. Es kommt zu einem heftigen Streit zwischen den beiden, bei dem Claude die Gewalt über das Auto verliert und der Wagen über eine Klippe ins Meer stürzt. Marina kann sich in letzter Sekunde retten, während Claude den Unfall scheinbar nicht überlebt hat und verschwunden bleibt.

Claudes älterer Bruder Serge (Maurice Ronet) kommt an die Unfallstelle und kümmert sich um Marina. Die junge Frau verhält sich merkwürdig, ist verängstigt und zieht schließlich vorübergehend zu Serge, der sich in sie verliebt. Serge wird jedoch misstrauisch, als er bei Marina Patronen findet und nur ausweichende Antworten auf seine Fragen erhält. Hat Marina Claude etwa ermordet? Serge wird wieder in die Bretagne gerufen, denn man hat dort eine Leiche gefunden. In der Zwischenzeit hat Marina eine sehr unangenehme Begegnung, die heftig endet.

So, das reicht dann auch, der Rest rettet hier auch nichts mehr. Was sich auf dem Papier noch ganz interessant anhört, ist als fertiger Film kaum zu ertragen. Das soll wohl ein Psychothriller sein, ist aber leider nur ein sehr durchwachsener Film geworden. An den Darstellern liegt das nicht, die sind auch der einzige Grund, nicht vorzeitig abzuschalten. Romy Schneider und Maurice Ronet sind wie üblich wunderbar anzuschauen, werden aber sträflich unterfordert.

Die handelnden Figuren bleiben durchweg unsympathisch und fremd, weil man so gar nichts über sie erfährt. Was hatten Marina und Claude für eine Beziehung? Was für Menschen sind das überhaupt? Da verliert der Zuschauer dann leicht das Interesse. Außerdem ist die Handlung viel zu überkonstruiert, um wirklich glaubhaft zu sein.

Insgesamt gesehen nur eine eingeschränkte Empfehlung, weil hier so viel nicht funktioniert. Die Filmmusik ist hier noch das beste, die fand ich gar nicht schlecht. Der Film ist mit ca. 75 Minuten relativ kurz gehalten, länger hätte er aber auch nicht sein sollen. Kann man gerne verpassen.

Sonntag, 13. Mai 2012

Wild Tigers I have known

"Wild Tigers I have known" ist ein Film von Cam Archer aus dem Jahr 2006. In seinem Spielfilmdebüt ist Cam Archer gleichzeitig Regisseur, Drehbuchautor und Produzent gewesen. Als weiterer ausführender Produzent ist hier unter anderem Gus Van Sant zu erwähnen.

Der dreizehnjährige Logan (Malcolm Stumpf) ist ein Außenseiter an der Junior-High-School. Er ist anders als die anderen Jungs in seinem Alter und lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter (Fairuza Balk) zusammen. Sein bester Freund Joey (Max Paradise) gehört auch nicht gerade zu den angesagten Mitschülern.

Logan lernt den älteren Schüler Rodeo (Patrick White) kennen, der ebenfalls ein Außenseiter ist und der für Logan zu einer sexuellen Obsession wird. Auf der Suche nach den Berglöwen, die manchmal in die Nähe der Stadt kommen, versucht Logan auch Rodeo näher zu kommen, wenn auch auf merkwürdige Weise. In seinen Tagträumen gelingt ihm das mühelos, aber in der Wirklichkeit funktioniert das eben nicht immer.

Also leicht macht es einem der Regisseur hier nicht, das kann ich schon mal sagen. Das ist ein ziemlich sperriger, aber auch schöner kleiner Film, der sehr experimentell ist und auf den man sich schon einlassen muss, damit er funktioniert. Das tut er dann aber auf ganzer Linie und zeigt Bilder von außergewöhnlicher Schönheit, die mehr erzählen, als es jeder Dialog je könnte.

Insgesamt gesehen eine tolle Coming of Age-Geschichte, die noch nebenbei das Coming Out verarbeitet, ohne das groß zu thematisieren. Sehr gelungen.

Wer mehr von Cam Archer sehen will, dem sei noch der Film "Shit Year" empfohlen, der zwar ebenfalls sperrig, aber auch ebenso schön ist.


Das Messer im Wasser

"Das Messer im Wasser" ist ein Film von Roman Polanski aus dem Jahr 1962. Das Drehbuch schrieb Polanski zusammen mit Jakub Goldberg und Jerzy Skolimowski. Der in Polen entstandene Film war gleichzeitig das Spielfilmdebüt Polanskis.

Ein Ehepaar ist mit dem Auto auf dem Weg zu einem Ausflug auf ihrem Segelboot. Der erfolgreiche Sportjournalist Andrzej (Leon Niemczyk) und seine jüngere Frau Krystyna (Jolanta Umecka) nehmen unterwegs einen jungen Anhalter (Zygmunt Malanowicz) mit, den sie auch spontan auf ihr Boot einladen. Innerhalb der nun folgenden vierundzwanzig Stunden wird einiges passieren, was die Beziehungen untereinander in Frage stellen wird und neue Einblicke in die jeweiligen Persönlichkeiten offenbart.

Zwischen Andrzej und dem Jungen kommt es immer wieder zu Streitereien und Machtspielchen. Jeder verurteilt den Lebensstil des anderen, jedoch nicht ohne Neid. Andrzej protzt mit seinen Besitztümern, beneidet den Jungen aber insgeheim um dessen Jugend und Freiheit, während der Junge zwar scheinbar alle Freiheiten hat, aber damit gar nichts anzufangen weiß. Sein einziger und wohl auch wertvollster Besitz ist ein Messer, mit dem er ständig spielt. Krystyna sieht den Reibereien derweil regungslos zu. Sie erkennt in dem Jungen schließlich nur eine jüngere Ausgabe Andrzejs.

Bei einer Auseinandersetzung zwischen den Männern fällt des Messer ins Wasser und der Junge springt hinterher, obwohl er angeblich nicht schwimmen kann. Als er nicht wieder auftaucht, suchen Andrzej und Krystyna im Wasser nach ihm, können ihn aber nicht finden. Andrzej will an Land schwimmen, um die Polizei zu informieren. Als er weg ist, taucht der Junge überraschend wieder auf und hat Sex mit Krystyna. Die lässt ihn anschließend an Land, bevor sie zum Anleger zurückkehrt. Andrzej ist jedoch aus Angst vor den Folgen nicht bei der Polizei gewesen. Als Krystyna ihm auf der Rückfahrt im Auto allerdings von dem Vorfall an Bord berichtet, glaubt er ihr nicht. Am Ende der Landstraße angekommen, müssen sich beide für eine Richtung entscheiden, der Wagen bleibt stehen...

Ein psychologisches Kammerspiel auf einem Segelboot, sehr intim und spannend. Es ist ein großes Vergnügen, diesen ersten Spielfilm von Roman Polanski sehen zu können, der seinerzeit in Polen völlig verrissen wurde, aber im Ausland große Erfolge feiern konnte. Unter anderem war er 1964 als bester fremdsprachiger Film für einen Oscar nominiert, den aber schließlich Fellini für seinen Film "8 1/2" bekommen hat.

Als Extra befindet sich auf der aktuellen DVD noch die überaus sehenswerte Dokumentation "A Ticket to the West" aus dem Jahr 2003, die über die schwierigen Dreharbeiten und die komplizierte Entstehungsgeschichte des Films berichtet. Neben Roman Polanski selbst kommen noch viele der damals Beteiligten zu Wort. Da die Zensur für viele Schwierigkeiten gesorgt hat und der Film in Polen nicht angenommen wurde, verließ Polanski daraufhin das Land und drehte fortan in anderen Ländern, in denen sein Talent auch wahrgenommen wurde.

Insgesamt gesehen eine kleine, wohl vielfach unbekannte Perle, die es zu entdecken gilt. Sehr empfehlenswert.

Romeos

"Romeos" ist ein Film von Sabine Bernardi (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2011 und gleichzeitig ihr Spielfilmdebüt.

Die Hauptfigur in diesem Film ist der junge Lukas (Rick Okon), der gerade nach Köln gezogen ist, um dort ein Soziales Jahr zu absolvieren. Im Zivi-Wohnheim wird er zu seinem Ärger bei den Mädchen untergebracht und nicht bei den Jungs. Lukas ist ein Transmann, also auf dem Weg von einer Frau zu einem Mann. Geboren in einem falschen Körper, setzt er alles daran, endlich zum Mann zu werden. Seit einiger Zeit schon bekommt er Testosteron-Spritzen, die bereits für Veränderungen an seinem Erscheinen sorgen und bald kommen auch die ungeliebten Brüste ab.

Doch im Augenblick sitzt Lukas zwischen zwei Stühlen, will keine Frau sein und ist sich unsicher, wie er als Mann akzeptiert wird. Er trainiert seinen Körper, kontrolliert regelmäßig seinen Muskelaufbau und freut sich über jede kleine Veränderung, wie z. B. den Bartwuchs. Im Wohnheim trifft er auf seine alte Schulfreundin Ine (Liv Lisa Fries), die sich über das Wiedersehen mit ihrer früheren "besten Freundin Miri" freut und dafür sorgt, dass Lukas unter Menschen kommt.

Schon am ersten Abend lernt Lukas den Draufgänger Fabio (Maximilian Befort) kennen, in den er sich spontan verknallt. Fabio ist schwul, sehr selbstbewusst und lässt nichts anbrennen, nur darf seine Familie davon nichts wissen. Zur Tarnung zieht er deshalb auch gelegentlich mit diversen Blondinen durch die Gegend. Lukas und Fabio kommen sich näher, auch wenn Lukas natürlich die Notbremse ziehen muss, aus bekannten Gründen.

Es kommt, wie es kommen muss, durch einen dummen Zufall erfährt Fabio die Wahrheit über Lukas. Nun sind beide gefordert, entweder um ihre Liebe zu kämpfen oder sich zu entziehen. Kann Fabio Lukas so akzeptieren, wie er ist und wird Lukas endlich zu sich selbst stehen können?

Das Thema Transsexualität hat Sabine Bernardi hier ganz selbstverständlich und leicht in einen ganz wunderbaren und fast schon beschwingten Film gepackt. An der Entscheidung von Lukas gibt es von Anfang an nichts zu rütteln, das wird als Tatsache dargestellt. Es liegt an der Umwelt, wie sie darauf reagiert. Bezeichnenderweise begrüßt ihn sein Vater mit "Lukas", während die Mutter noch "Miri" sagt. Auch Ine hat teilweise noch Schwierigkeiten mit dem neuen Lukas, weil sie ihre beste Freundin von früher vermisst, vor allem dann, wenn sie selbst Liebeskummer hat.

Getragen wird der Film von der großartigen Darstellung des jungen Rick Okon, der als Lukas einfach perfekt besetzt ist. Mit dem überaus hübschen Maximilian Befort und Liv Lisa Fries an seiner Seite wird "Romeos" zu einem Erlebnis, das man nicht verpassen sollte. Ganz große Empfehlung.

Unbedingt anhören sollte man sich auch den sehr informativen Audiokommentar von Sabine Bernardi, der nicht nur sehr gut gesprochen, sondern auch wirklich interessant ist.


Sonntag, 6. Mai 2012

Die Liebenden - Les bien-aimés


"Die Liebenden" - "Les bien-aimés" ist ein Film von Christophe Honoré (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2011.

Der Film erzählt die Geschichte der Französin Madeleine über einen Zeitraum von fünfzig Jahren. Verkörpert wird die Rolle in jungen Jahren von der bezaubernden Ludivine Sagnier und später von der wie immer großartigen Catherine Deneuve.

Die junge Madeleine arbeitet als Schuhverkäuferin und stiehlt eines Tages ein Paar rote Pumps, in denen sie stolz auf der Straße herumläuft. Dabei wird sie von einem Mann angesprochen, der sie für eine Prostituierte hält. Er bietet ihr Geld an, dass sie nach kurzem Zögern annimmt. Von da an arbeitet sie weiterhin gelegentlich als Hure, um sich ihren Lebensstil erhalten zu können. Sie verliebt sich jedoch in einen ihrer Kunden, den tschechischen Arzt Jaromil (Rasha Bukvic), den sie heiratet und mit dem sie nach Prag zieht. Bald darauf kommt ihre Tochter Vera zur Welt.

Das Leben in Prag macht Madeleine aber unglücklich, die politischen Verhältnisse verschärfen sich und Jaromil ist untreu. Sie zieht mit Vera wieder nach Paris und heiratet Francois (Guillaume Denaiffe, später Michel Delpech). Ihre Liebe aber gilt weiterhin Jaromil, mit dem sie viele Jahre später eine Affäre haben wird und der als älterer Mann von Milos Forman gespielt wird. Madeleine kommt von Jaromil nicht los, weil sie zwar ohne ihn leben kann, aber nicht leben kann, ohne ihn zu lieben.

Die erwachsene Vera wird von Chiara Mastroianni verkörpert, der wirklichen Tochter von Catherine Deneuve. Sie hat eine lockere Beziehung mit Clément (Louis Garrel), verliebt sich aber unglücklich in den amerikanischen Musiker Henderson (Paul Schneider), der allerdings schwul ist. Trotzdem kommen beide nicht voneinander los und fühlen sich sehr miteinander verbunden. Am 11. September 2001 treffen sich beide in Montreal, statt wie geplant in New York, zusammen mit Hendersons jungem Freund Mathieu (Dustin Segura-Suarez).

Vera weiß inzwischen, dass Henderson HIV-Positiv ist und dass er sich nie wirklich zu seiner Liebe ihr gegenüber bekennen wird, aber sie will unbedingt ein Kind von ihm. Die gemeinsame Liebesnacht zu Dritt endet allerdings anders als erwartet.

Mehr verrate ich hier aber nicht, denn diesen wunderschönen Film muss man einfach selbst gesehen und erfahren haben. Wie schon in "Les chansons d'amour" wird auch hier wieder gesungen und das so schön, dass einem das Herz aufgeht. Die Chansons von Alex Beaupain sind großartig und unterstreichen die Handlung perfekt.

Die Geschichte von Madeleine und ihrer Tochter Vera ist gleichzeitig schön und tragisch. Beide glauben fest an die Liebe und beide scheitern auch daran. Christophe Honoré hat hier einen wunderbaren Film geschaffen, der schöner fast nicht sein kann. Allein schon die Besetzung ist ein Traum, Ludivine Sagnier, Catherine Deneuve, Chiara Mastroianni, Louis Garrel und Milos Forman. Besser geht es nicht.

Insgesamt gesehen ein wirklich wunderschöner Film, den man nicht verpassen darf. Die 135 Minuten vergehen wie im Flug und langweilig wird es nie. Ganz, ganz große Empfehlung für ein kleines Meisterwerk dieses bemerkenswerten Regisseurs.



Beauty

"Beauty" - "Skoonheid" ist ein Film von Oliver Hermanus (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2011 und spielt in Südafrika.

Francois (Deon Lotz) ist ein verheirateter Familienvater, Mitte Vierzig, und lebt in Blomfontein. Bei der Hochzeit seiner ältesten Tochter trifft er auf den jungen und hübschen Christian (Charlie Keegan), den Sohn eines befreundeten Ehepaares aus Kapstadt. Christian studiert Jura und arbeitet gelegentlich als Model. Die beiden kommen ins Gespräch und Francois kann von da an seine Augen nicht mehr von Christian lassen.

Der scheinbar so ruhige und gelassen wirkende Francois hat ein Geheimnis, das er sich selbst kaum eingestehen kann. Er ist schwul, kann das aber in der bürgerlichen Existenz, in der er mit seiner Familie lebt, nicht wahrhaben. Mit anderen gleichgesinnten verheirateten Männern, die alle die selbe Lüge leben, trifft er sich gelegentlich an geheimen Orten zu Sexpartys, bei denen Gefühle keinen Platz haben. Hier gilt die Regel: keine Schwuchteln und keine Farbigen.

Francois entwickelt eine starke Obsession Christian gegenüber. Er verfolgt und beobachtet den jungen Mann bald auf Schritt und Tritt. Immer wieder sucht er seine Nähe, versucht Anzeichen einer gegenseitigen Annäherung zu finden und tritt doch auf der Stelle. Mit dem Blick eines gefährlichen Raubtieres ist er stets auf Christians Spuren und man ahnt bald, dass diese Sache nur übel enden kann.

Bei einem angeblichen Geschäftsbesuch in Kapstadt betrinkt sich Francois in einer Schwulen-Bar und lässt sich anschließend von Christian auf der Straße auflesen und ins Hotel fahren. Dort reden beide Männer aneinander vorbei, mit verhängnisvollen Folgen.

Schonungslos hält die Kamera den brutalen Angriff von Francois auf den hilflosen Christian fest. Dem Zuschauer stockt fast der Atem, angesichts dieser Bilder. Francois' lang angestaute Begierde weiß sich keinen anderen Weg zu bahnen, als den jungen Mann zu misshandeln. Danach kehrt er wieder in sein gewohntes, gewöhnliches und verlogenes Leben zurück.

Dieser Film verlangt dem Zuschauer einiges ab, ohne Frage. Die beiden Hauptdarsteller Deon Lotz und Charlie Keegan sind großartig in ihren Rollen, besonders aber Deon Lotz, vor dem man sich wirklich fürchtet. Er füllt seinen Part mit einer Intensität aus, die Gänsehaut verursacht.

Insgesamt gesehen ein außergewöhnlicher Film, den ich sehr empfehlenswert finde. Nicht verpassen.


Bavo Defurne Kurzfilme

"Bavo Defurne Kurzfilme" ist eine Sammlung von vier Kurzfilmen des belgischen Regisseurs aus den Jahren 1995 bis 2000.

Bevor demnächst Bavo Defurnes erster Spielfilm "Noordzee, Texas" erhältlich sein wird, werfe ich einen Blick auf diese kleine, aber feine Sammlung von kurzen Filmen, die durchaus Lust auf mehr macht.

Mit "Am Lagerfeuer" (2000), "Gerade jetzt im Frühling" (1995), "Matrosen" (1998) und "Der Heilige" (1996) gibt Defurne einen Einblick in sein Filmschaffen, das außergewöhnlich und spannend ist. Es gibt fast keine Dialoge, kaum eine richtige Handlung, wenig Musik, aber es berauscht die Sinne, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen und das sollte man auch.

Defurne zeigt fast überirdisch schöne junge Männer und Bilder die so unglaublich schön sind, dass man es kaum aushält. Alles ist höchst artifiziell und sehr ästhetisch, einfach ein Fest für die Augen. Mit geringen Mitteln schafft er es, die einzelnen Bilder wie Gemälde darzustellen, sehr eigenwillig, aber wunderbar. Die Aufnahmen sind zum Teil in Farbe und zum Teil in Schwarz-Weiß, was ihre Wirkung insgesamt noch unterstreicht.

Insgesamt gesehen eine sehr empfehlenswerte Sammlung, mal wieder nicht für jeden Geschmack, aber sehr lohnenswert. Sollte man nicht verpassen.