Sonntag, 4. November 2012

Snow White

"Snow White" ist ein Film des Schweizers Samir aus dem Jahr 2005. Das Drehbuch schrieb Samir zusammen mit Michael Sauter.

Nico (Julie Fournier) ist gerade zwanzig Jahre alt und das Kind reicher, aber geschiedener Eltern. Sie lebt zusammen mit ihrem Vater (Benedict Freitag) in einer Villa am See, während ihre neurotische Mutter (Sunnyi Melles) im Haus nebenan wohnt und ihre eingebildeten Leiden pflegt. Der Vater ist kaum zu Hause und lebt nur für seine Arbeit. Lediglich wenn Nico mal wieder zu viel Geld ausgegeben hat, kommt es zu einem kurzen Gespräch, mehr aber auch nicht.

Da sich niemand wirklich um Nico kümmert, lebt diese in einem ständigen Rausch aus Partys, Drogen und wilden Nächten. Zudem hat sie eine Affäre mit dem deutlich älteren Clubbesitzer Boris (Stefan Gubser), der sie mit Koks versorgt. Nicos beste Freundin Wanda (Zoé Mikuleczky) stammt zwar aus einfachen Verhältnissen, finanziert sich ihren Lebensstil aber durch "Sponsoren", also durch Prostitution. Nico beneidet Wanda um ihre Eltern, die sich liebevoll um sie kümmern und auch Nico wie eine Tochter behandeln.

Bei dem Auftritt einer Hip Hop-Gruppe im Club lernt Nico deren Sänger Paco (Carlos Leal) kennen und beide verlieben sich ineinander. Pacos Eltern sind einst aus Spanien nach Genf gezogen und Paco ist stolz darauf, mit seiner Musik etwas erreicht zu haben. Nico traut sich nicht, Paco die Wahrheit über ihr Leben und den Reichtum ihrer Eltern zu erzählen. Sie hat Angst, deswegen von ihm verlassen zu werden. So baut sich eine Lügengeschichte auf, die irgendwann nicht mehr zu halten ist.

Paco geht mit seiner Band auf Tournee, doch auch er hat Probleme. Er will sich von der Gruppe lösen, was bei den anderen Mitgliedern auf Kritik und Unverständnis stößt. Außerdem hat er Probleme mit seinem kranken Vater, der ihm den Drogentod seines jüngeren Sohnes zum Vorwurf macht. Paco nimmt sich eine kleine Wohnung in Paris und träumt von einer Zukunft mit Nico, während diese in Zürich immer mehr unter die Räder kommt.

Nachdem Boris nicht mehr ihr Koks bezahlt, fordert der Dealer Bobby (Xaver Hutter) einen großen Geldbetrag von Nico, den diese nicht auftreiben kann. Bobby wird gewalttätig und Nico sucht Unterschlupf bei Wanda, die Nico daraufhin mit zu ihren Kunden nimmt. Ein gefährlicher Mix aus Drogen, Alkohol und Tabletten fordert aber bald ein Opfer und Nico steht mittellos auf der Straße, während Paco weit weg ist und an ihrer Liebe zweifelt.

"Sex, Drugs, Hip Hop und verlorene Träume" ist der Untertitel für diesen Film und vereint damit alle Themen in einem Satz. Leider berührt die Geschichte um die junge und hübsche Nico aber so gar nicht, weil sie einerseits darstellerisch überhaupt nichts zu bieten hat und man andererseits ihre "Probleme" nicht so ganz nachvollziehen kann. Das arme reiche Mädchen, das doch nur geliebt werden will, ja schon klar.

Julie Fournier und Zoé Mikuleczky sind mit ihren Rollen definitiv überfordert und überzeugen leider zu keinem Zeitpunkt, was auf Dauer schon recht anstrengend anzuschauen ist. In den Nebenrollen können gute Darsteller wie Stefan Kurt, Sunnyi Melles und Benedict Freitag nur kleine Akzente setzen, mehr Zeit ist ihnen nicht vergönnt. Sehenswert ist der Film eigentlich nur wegen Carlos Leal, der nicht nur sehr gut aussieht, sondern seiner Rolle auch wirkliche Tiefe verleihen kann. Er ist eine echte Entdeckung.

Ansonsten gibt es viele Klischees, teilweise sehr dünne Dialoge, ein merkwürdiges Ende und die Frage, ob man diesen Film wohl überhaupt gesehen haben muss, der mit 110 Minuten Laufzeit auch viel zu lang geraten ist. Schwierig zu beurteilen, weil er ansatzweise gut ist, aber leider auch viel versemmelt. Ich gebe jedenfalls nur eine eingeschränkte Empfehlung, aber wie gesagt, Carlos Leal ist äußerst sehenswert und macht den Film dadurch insgesamt viel besser, als er eigentlich ist.

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