Sonntag, 24. Juli 2011

Black Heaven

"Black Heaven" - "L'autre monde" ist ein Film von Gilles Marchand aus dem Jahr 2010. Das Drehbuch schrieb Marchand zusammen mit Dominik Moll.

Der junge Gaspard (Grégoire Leprince-Ringuet) und seine Freundin Marion (Pauline Etienne) finden am Strand ein fremdes Handy. Als sie darin herumschnüffeln, entdecken sie Bilder von einer blonden Frau (Louise Bourgoin) und einige Nachrichten. Es gelingt ihnen sogar, den Besitzer des Handys ausfindig zu machen, als er sich mit der Frau, die auf den Bildern zu sehen war, trifft. Gaspard und Marion verfolgen die beiden, verlieren sie dann aber aus den Augen. Nur durch Zufall treffen sie später noch einmal auf das Paar, das anscheinend gemeinsam Selbstmord begehen wollte. Für den Mann kommt jede Hilfe zu spät, aber die blonde Frau kann gerettet werden.

Wenige Tage später begegnet Gaspard der unbekannten Frau erneut. Ihr Name ist Audrey und Gaspard ist von ihr immer mehr fasziniert. Doch er macht auch Bekanntschaft mit Audreys Bruder Vincent (Melvil Poupaud), der eifersüchtig über seine Schwester wacht und Gaspard schnell in seine Schranken weist.

Durch Audrey erfährt Gaspard von einem Internet-Spiel namens "Black Hole", einer virtuellen Welt, in der Audrey als "Sam" unterwegs ist. Um ihr nahe zu sein, legt sich Gaspard ein Pseudonym zu und folgt ihr in diese Welt. Sam zeigt ihm den schwarzen Strand, einen Ort den man nur erreichen kann, wenn man stirbt. Das ist ihr Ziel, auch im wirklichen Leben und Gaspard ahnt noch nicht, in welcher Gefahr er sich befindet.

So, was haben wir hier? In erster Linie einen hübschen jungen Burschen, der blind in sein Verderben rennt. Warum er das tut? Tja, das wissen die Götter oder zumindest der Autor dieser kruden Story, das hoffe ich doch zumindest. Ich habe jedenfalls nicht verstanden, warum diese "Femme Fatale für Arme" so eine Anziehungskraft besitzen soll. Die ganze Geschichte ist von vorne bis hinten einfach nur unglaubwürdig und albern. Die unzähligen Szenen in der virtuellen Welt sind dabei nicht nur überflüssig, sondern auch völlig absurd. Zudem tauchen Personen auf, die für den Verlauf der Geschichte eigentlich total unwichtig sind, wie z. B. die Auftritte von Marions Vater.

"Black Heaven" ist und bleibt ein merkwürdiger Film, dessen Sinn sich mir nicht erschlossen hat. Kann man sich anschauen, wenn man keine großen Erwartungen hat, aber wirklich sehenswert ist er nicht. Ein bisschen was retten die beiden männlichen Hauptdarsteller hier noch, denn sowohl Grégoire Leprince-Ringuet als auch Melvil Poupaud sind wie immer sehenswert, auch wenn beide hier leider weit hinter ihren Möglichkeiten bleiben.

Gilles Marchand und Dominik Moll haben schon mehrfach erfolgreich zusammen gearbeitet, besonders erwähnenswert finde ich die Filme "Harry meint es gut mit Dir" (2000) und "Lemming" (2005). "Black Heaven" kann da leider nicht mithalten, der ist insgesamt zu konfus und letztlich einfach nur unwichtig, schade.

Donnerstag, 21. Juli 2011

Howl

"Howl" ist ein Projekt der Dokumentarfilmer Rob Epstein und Jeffrey Friedman (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2010. Der Film ist eine Mischung aus Spielfilm und Dokumentation und beschäftigt sich mit dem Gedicht "Howl", das Allen Ginsberg 1955 geschrieben hat.

Der Film ist in verschiedene Sequenzen aufgeteilt. Ein Teil stellt die legendäre erste Lesung des Gedichts durch Allen Ginsberg, der hier von James Franco verkörpert wird, in der Six Gallery in San Francisco nach. Ein weiterer Teil ist ein ebenfalls nachgestelltes Interview, das Ginsberg 1957 gegeben hat. Einen wichtigen Raum nimmt die Gerichtsverhandlung aus dem Jahr 1957 ein, in der Ginsbergs Verleger Lawrence Ferlinghetti wegen Obszönität im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Gedichts angeklagt wurde. Das Gedicht selbst wird im Film mit bunten Animationen von Eric Drooker unterlegt, die aber insgesamt eher nervtötend sind.

"Poesie lässt sich nicht in Prosa übersetzen, sonst wäre sie keine Poesie". Diese Aussage macht einer der Experten in der Gerichtsverhandlung und da stimmen wir wohl alle überein. Dass diese ganze Anklage ein schlechter Witz war und am Ende die Meinungsfreiheit verdient gesiegt hat, ist nur ein Punkt dieses Films. Aus heutiger Sicht kann man darüber eigentlich nur lachen, aber damals war das tatsächlich ein wichtiges Ereignis. Das Gedicht hat Ginsberg ursprünglich Carl Solomon gewidmet, den er in der Psychiatrie kennengelernt hat. Er selbst hat sich mit diesem Text sozusagen befreit und einfach alles geschrieben, was ihm so in den Sinn kam, beispielsweise über seine eigene Homosexualität, weil er davon ausgehen musste, es würde sowieso niemals veröffentlicht werden. Doch als es dann wider Erwarten doch veröffentlicht wurde, rief es natürlich gleich alle Moralapostel auf den Plan, sich über die "schmutzigen Wörter" darin zu mokieren.

Im Mittelpunkt dieses Films steht tatsächlich nur das Gedicht und nicht das Leben von Allen Ginsberg. Er tritt hier nur in den Schatten und sein Privatleben wird lediglich kurz angerissen, aber nicht weiter vertieft. So erfährt man auch nur wenig von seinen Bekanntschaften mit Jack Kerouac, Neal Cassady und William S. Burroughs, den anderen Vertretern der "Beat-Generation", und von seinem Lebensgefährten Peter Orlovsky.

Die Nebenrollen sind gut und prominent besetzt mit David Strathairn, Bob Balaban, Mary-Louise Parker, Treat Williams, Alessandro Nivola, Jeff Daniels und Jon Hamm, auch wenn sie alle weit unter ihren Möglichkeiten bleiben und hier eigentlich nicht weiter als bessere Statisten sind, was wirklich schade ist.

Die Idee zu diesem Film ist schon gut, aber die Umsetzung ist meiner Meinung nach nicht wirklich gelungen, denn es ist größtenteils einfach zu langweilig und öde geworden. Mit ca. 75 Minuten Filmlaufzeit ist dann auch schon die Grenze erreicht, mehr wäre in der Tat fatal gewesen. Dass Epstein und Friedman ansonsten ihr Metier beherrschen, das haben sie in anderen wunderbaren Dokumentationen bereits bewiesen. Ich möchte an dieser Stelle besonders auf die Filme "The Celluloid Closet" (1995) und "The Times of Harvey Milk" (1984) hinweisen, die sehr sehenswert sind.

Insgesamt gesehen kann ich hier nur eine eingeschränkte Empfehlung aussprechen, mir war das alles viel zu ermüdend. James Franco ist ganz nett als Allen Ginsberg, aber er reißt es auch nicht wirklich raus. Schade, das hätte besser sein können.

Dienstag, 19. Juli 2011

Happy Together

"Happy Together" ist ein Film von Wong Kar-Wai (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1997. Kameramann war hier Christopher Doyle.

Ho Po-Wing (Leslie Cheung) und Lai Yiu-Fai (Tony Leung Chiu Wai) sind ein schwules Paar und zusammen aus Hongkong nach Argentinien gekommen, um dort ihr Glück zu finden. Diese Hoffnung wird sich nicht erfüllen, weder beruflich noch privat, denn die Zeiten sind hart und es ist schwer, Arbeit zu bekommen. Zudem entfremden sich die beiden Männer immer mehr, es gibt ständig Streit und kommt bald zur endgültigen Trennung.

Lai findet einen Job als Portier in einer Tango-Bar, während Ho sein Geld als Stricher verdient. Als Ho zusammengeschlagen wird, nimmt Lai ihn mit in sein kleines schäbiges Zimmer und pflegt ihn gesund. Er lässt sich aber nicht wieder auf Ho ein und wehrt sämtliche Versuche einer erneuten Annäherung ab. Gefangen in einer Art Hassliebe leben Lai und Ho nun auf engstem Raum nebeneinander her. Im täglichen Alltagstrott ist alles, was einmal zwischen ihnen war, irgendwie verlorengegangen, geblieben ist nur noch Gleichgültigkeit.

Als Lai einen neuen Job als Koch antritt, lernt er den jungen Chang (Chen Chang) kennen und freundet sich mit ihm an. Durch die Begegnung mit Chang lebt Lai merklich auf und kann sich endlich aus seiner Lethargie befreien. Er erreicht auch tatsächlich den gewaltigen Wasserfall, den er und Ho zusammen nicht finden konnten.

Für mich ist das der erste Film von Wong Kar-Wai, den ich gesehen habe und ich bin ziemlich beeindruckt davon. Man könnte es fast als Kammerspiel bezeichnen, auch wenn die Handlung sich nicht nur auf einen Ort beschränkt. Hier werden zwei Menschen gezeigt, die sehr unterschiedlich sind und doch aus Gewohnheit zusammen bleiben, obwohl sie nichts mehr verbindet. Wenn die Liebe sich verabschiedet hat, dann bleibt nur eine große Leere. Um die Traurigkeit nicht fühlen zu müssen, fallen verletzende Worte, jeder legt einen unsichtbaren Schutzpanzer an. "Happy Together" ist hier niemand, bitte nicht vom Titel in die Irre führen lassen, aber selten wurde eine verlorene Liebe so ästhetisch in Szene gesetzt.

Eingefangen ist das von Kameragenie Christopher Doyle in betörend schönen Bildern und einem stimmungsvollen Mix aus Farbe und Schwarz-Weiß, unterlegt mit wundervoller Musik. Bilder voller Schönheit und Tristesse, die für sich sprechen und keinerlei Erklärungen brauchen. Das ist reinste Poesie und atemberaubend schön anzuschauen.

Insgesamt gesehen ein kleines Kunstwerk, das man durchaus mehrfach sehen kann und das immer wieder aufs Neue zu begeistern weiß. Garantiert nicht für jeden Geschmack geeignet, aber das spricht eher für den Film. Sehr empfehlenswert.

Sonntag, 17. Juli 2011

The First Time - Bedingungslose Liebe

"The First Time - Bedingungslose Liebe" ist ein Film von Timmy Ehegötz (Regisseur, Drehbuchautor und Produzent) aus dem Jahr 2011.

Der Film erzählt die Geschichte von Billy (Timmy Ehegötz) und Nick (Björn Suchla), zwei jungen Männern, die sich heftig ineinander verliebt haben. Während es für den siebzehnjährigen Billy die erste große Liebe ist, hat der zwei Jahre ältere Nick bereits eine Beziehung hinter sich und auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Billy möchte nun ständig mit Nick zusammen sein, aber dieser geht ein bisschen auf Abstand, obwohl er Billy auch liebt.

Als Billy erfährt, dass Nick mit einem anderen Jungen geflirtet hat, kommt es zwischen den beiden zu einem heftigen Streit, der in einer Prügelei endet. Das ist dann auch das Ende ihrer Beziehung. Beide müssen nun lernen, ohne den anderen zu leben und nicht an ihrer Traurigkeit zu zerbrechen. Die übliche Floskel "Das Leben geht weiter" will in so einer Situation niemand hören, gerade wenn der Schmerz am größten ist und man nicht weiß, wie man den nächsten Tag überleben soll. Billy und Nick haben gute Freunde, die sich um sie kümmern und für sie da sind. Das ist eine große Hilfe, aber die Trauerarbeit nimmt einem niemand ab, da muss man ganz allein durch.

Die Beziehung zwischen Billy und Nick hatte eigentlich von Anfang keine Chance, auch wenn beide sehr verliebt waren. Zu unterschiedlich waren ihre Vorstellungen und sie konnten auch nicht wirklich miteinander darüber reden. Auch die Angst, den anderen zu verlieren, kann vieles kaputt machen. Wie schnell aus Liebe auch Hass werden kann, das zeigt dieser Film ebenfalls und zwar ganz schonungslos. Um wieder zurück ins Leben zu finden, muss man loslassen können und das ist immer der schwerste Teil daran.

Was für ein toller und zu Herzen gehender Film, ich bin absolut begeistert. Kleine und engagierte Filmprojekte haben bei mir ja immer einen Stein im Brett, aber hier passt einfach alles sehr gut zusammen. Das fängt bei der guten Story an, die glaubhaft und ehrlich erzählt wird. Die Darsteller sind allesamt sehr sympathisch und mit großem Spaß dabei, das merkt man ganz deutlich. Unterlegt ist das alles mit einem sehr gelungenen Soundtrack von Marc Bradley, der wunderbar zum Film passt.

Die drei Hauptdarsteller, ich zähle neben Timmy Ehegötz und Björn Suchla auch noch Billys beste Freundin Kathrin (Denise Ilktac) dazu, sind sehr authentisch und ausgesprochen liebenswert. Die beiden Jungs sind zudem sehr süß und Denise Ilktac ist einfach wunderbar, so eine beste Freundin wünscht sich wirklich jeder. Die Lockerheit, die die jungen Darsteller hier so problemlos vor der Kamera zeigen, fehlt bei den Erwachsenen leider völlig. Das ist aber nicht weiter schlimm, weil deren Auftritte sowieso eher begrenzt sind.

Was haben wir noch? Auf jeden Fall intelligente Dialoge und eine rundum gelungene Optik. Besonders schön finde ich, dass hier ganz selbstverständlich eine schwule Beziehung in den Mittelpunkt gestellt wird, ohne das groß zu thematisieren. Mich hat der Film jedenfalls mitten ins Herz getroffen, auch wenn ich definitiv nicht mehr der Zielgruppe angehöre. Egal, ich war zu Tränen gerührt und kann nur sagen, dass es immer schmerzvoll ist, wenn eine Liebe zerbricht, egal wie alt man ist, die Gefühle bleiben die gleichen.

Dieses Jugendprojekt, das nun schon bald zehn Jahre Vorbereitung auf dem Buckel hat, ist nun endlich auf DVD erschienen. Meine Hochachtung für Timmy Ehegötz und sein Team für diesen langen Atem, ich hätte diese Geduld nicht gehabt. Nun aber liegt der Film endlich vor und ich wünsche ihm von ganzem Herzen jede Menge Zuschauer, die Arbeit soll sich schließlich doch auch gelohnt haben. Insgesamt muss ich sagen, dass momentan so einige junge Filmemacher auf sich aufmerksam machen und das sogar sehr vielversprechend. Ganz große Empfehlung auf jeden Fall von mir für diesen wunderschönen Film, den man nicht verpassen sollte.

Dienstag, 12. Juli 2011

Kuss der Spinnenfrau

"Kuss der Spinnenfrau" - "Kiss of the Spider Woman" ist ein Film von Hector Babenco aus dem Jahr 1985. Das Drehbuch stammt von Leonard Schrader (dem Bruder von Paul Schrader) und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Manuel Puig.

Irgendwo in einem Gefängnis in Lateinamerika sitzen der politische Gefangene Valentin Arregui (Raul Julia) und der homosexuelle Luis Molina (William Hurt) zusammen in einer Zelle. Valentin ist mehrfach gefoltert worden und leidet stark unter den Folgen der Misshandlungen. Molina will ihn ablenken und erzählt ihm den Inhalt seiner Lieblingsfilme. Besonders die Diva Leni Lamaison (Sonia Braga) hat es ihm angetan und er schlüpft sozusagen in ihre Rolle und imitiert ihre Bewegungen, weil er gerne so wäre wie sie.

Valentin ist zuerst eher belustigt über die Erzählungen Molinas, aber nach und nach findet er doch Gefallen daran, auch wenn er Kritik daran übt, dass Molina von einem Nazi-Propagandafilm berichtet. Die beiden so grundverschiedenen Männer freunden sich sogar langsam an. Molina wurde allerdings vom Gefängnisdirektor auf Valentin angesetzt und soll versuchen, diesen auszuhorchen. Im Gegenzug wurde ihm dafür ein Straferlass in Aussicht gestellt.

Molina gibt aber nichts von seinen Gesprächen weiter, sondern versucht nur, die Haftbedingungen für sich und Valentin zu verbessern, indem er Lebensmittel ordert, die dann angeblich von seiner Mutter stammen sollen. Als Valentin vergiftet wird, kümmert sich Molina aufopfernd um ihn, doch das Schicksal bzw. in diesem Fall die Geheimpolizei hat mit beiden kein Erbarmen. Sie werden Opfer ihrer Träume von einer besseren Welt.

Es ist einfach wunderbar, dass dieses fabelhafte Werk nun endlich auf DVD erhältlich ist, das wurde aber auch Zeit. Was für ein Film, was für eine Leistung der Schauspieler, ich komme aus dem Schwärmen nicht heraus. Wer den Film schon kennt, der wird sich über die Veröffentlichung sicher ebenso freuen wie ich, wer ihn noch nicht kennt, dem sei er wärmstens ans Herz gelegt. Hier erlebt man Schauspielkunst, wie es sie leider nur viel zu selten zu sehen gibt. Neben den großartigen Darbietungen von Raul Julia und Sonia Braga, ist es besonders William Hurt der mich hier einfach sprachlos macht. Für diese Rolle hat er völlig zu Recht diverse Preise gewonnen, darunter auch den Oscar als bester Hauptdarsteller. Seine Darstellung des Molina ist jederzeit absolut würdevoll und niemals lächerlich, besser geht es nicht.

Besonders erwähnenswert ist noch das ausführliche Making-Of des Films, in dem der lange und steinige Entstehungsprozess geschildert wird. Regisseur Hector Babenco hatte den Romanautor Manuel Puig monatelang belagert, weil dieser ihm die Rechte an der Story nicht verkaufen wollte. Erst als es hieß, Burt Lancaster wolle die Rolle des Molina spielen, ließ er sich umstimmen. Das wurde allerdings später wieder verworfen, weil Lancaster sein eigenes Drehbuch geschrieben hat, was nicht mehr zu der eigentlichen Geschichte passte. Er musste das Projekt dann aber auch aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Hector Babenco musste außerdem für seine erste Arbeit in Amerika erst die Sprache lernen. Der Film ist gleichzeitig einer der ersten Independent-Filme, da er nur mit einem äußerst geringen Budget entstanden ist. William Hurt, der damals schon am Beginn einer großen Karriere stand, und sein Kollege Raul Julia erklärten Babenco am Abend vor Drehbeginn, ihre Rollen tauschen zu wollen, was diesen fast verzweifeln ließ, aber am nächsten Tag ging alles wie geplant über die Bühne.

Nach Abschluss der Dreharbeiten zogen sich die Schneidearbeiten noch endlos hin, bis der Film 1985 in Cannes erstmals aufgeführt und gefeiert wurde. Obwohl niemand je wirklich an einen großen Erfolg geglaubt hatte, hat der Film sein Publikum erreicht. Für mich ist das einer der besten Filme, die ich je gesehen habe und deshalb möchte ich auch eine ganz große Empfehlung aussprechen. Nur wenige Filme haben diese spezielle Magie, die von ihnen ausgeht - dieser ist einer davon.

Freitag, 8. Juli 2011

The Other Woman

"The Other Woman" - "Love and Other Impossible Pursuits" ist ein Film von Don Roos, der hier zusammen mit Ayelet Waldman auch das Drehbuch schrieb, aus dem Jahr 2009.

Der Film erzählt die Geschichte von Emilia (Natalie Portman), die als junge Anwältin in einer großen Kanzlei anfängt. Sie verliebt sich in Jack (Scott Cohen), einen der Senior-Partner, und beginnt eine heftige Affäre mit ihm. Jack führt eine lieblose Ehe mit der Ärztin Carolyne (Lisa Kudrow) und hat einen achtjährigen Sohn, William (Charlie Tahan). Als Emilia schwanger wird, lässt sich Jack von Carolyne scheiden und heiratet Emilia.

Alles scheint perfekt zu sein, denn Emilia und Jack lieben sich und freuen sich auf ihr Baby. Doch dann stirbt die kleine Isabel nach nur drei Tagen an plötzlichem Kindstot und alles läuft aus dem Ruder. Emilia muss den Tod ihres Kindes verkraften, aber jeder Versuch sie zu trösten, wird von ihr harsch abgelehnt, weil sie sich insgeheim selbst die Schuld an Isabels Tod gibt. Zudem macht ihr William, angestachelt von seiner Mutter, das Leben schwer und bringt sie an ihre Grenzen.

Emilia zieht aus dem gemeinsamen Zuhause aus und will zu sich selbst finden, doch es gibt noch einige schmerzliche Erfahrungen zu meistern.

Das ist zweifellos ein trauriges Thema, gar keine Frage, und der Film schrammt an einigen Stellen nur haarscharf am Kitsch vorbei, aber letztlich kann er doch einigermaßen überzeugen. Das liegt jedoch einzig und allein an der wunderbaren Darstellung von Natalie Portman, die hier alles rettet, was sonst nur übel hätte enden können. Ihre Leistung ist in diesem Film auch die einzig erwähnenswerte, denn die anderen Schauspieler können nur mehr oder weniger am Rand stehen. Scott Cohen bleibt die ganze Zeit über blass, was Emilia an ihm findet, erschließt sich nicht wirklich. Lisa Kudrow spielt die hysterische und überkandidelte Mutter und Ex-Frau, na jedenfalls versucht sie das. Tut mir leid, aber eine ernste Rolle kaufe ich ihr einfach nicht ab. Sie wirkt die ganze Zeit so, als würde sie gleich in albernes Gelächter ausbrechen, so wie sie es jahrelang in der Serie "Friends" getan hat. In meinen Augen ist sie hier eine krasse Fehlbesetzung.

Insgesamt gesehen bleibt es eine schwierige Entscheidung, hier ein Urteil zu fällen. Mein Geschmack war es nicht unbedingt, aber trotz allem habe ich mitgefühlt und war traurig. Geschichten wie diese sind aber heute keine Seltenheit, mal abgesehen von dem toten Kind, denn Eltern lassen sich nun mal scheiden und gründen neue Familien. Diese Situation verlangt von allen Opfer, von den Kindern und auch von den Erwachsenen. Sich neu zurechtzufinden ist immer eine große Aufgabe, das ist im Grunde auch die Aussage dieses Films.

Donnerstag, 7. Juli 2011

9 Dead Gay Guys

"9 Dead Gay Guys" ist ein Film von Lab Ky Mo (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2002. Der Film ist jetzt auf DVD (OmU) erschienen.

Byron (Brendan Mackey) und Kenny (Glen Mulhern) stammen aus Irland und wollen in London zu Geld kommen. Byron ist schon länger in London und hat seinem Kumpel Kenny geschrieben, dass die Straßen dort mit Gold gepflastert sind. Als Kenny dann tatsächlich bei Byron aufkreuzt, muss er schnell feststellen, dass nicht alles so ist, wie Byron es beschrieben hat, denn dieser hat keinen Job und lebt in einer Bruchbude. Außerdem treibt er sich in Schwulenbars herum und lebt von dem Geld, das er für sexuelle Gefälligkeiten bekommt. Kenny ist geschockt.

Um über die Runden zu kommen, lässt sich Kenny darauf ein, dem Beispiel Byrons zu folgen, auch wenn sich beide immer wieder versichern, auf gar keinen Fall schwul zu sein. Kenny findet schnell Gefallen an seinem neuen Leben, doch dummerweise gibt es ein paar Unglücksfälle und plötzlich eben die besagten "9 Dead Gay Guys".

Damit wäre dann auch eigentlich schon alles gesagt. Zwischendurch sind Kenny und Byron noch hinter dem Geld von Golders Green (Simon Godley) her, einem orthodoxen Juden, der nach dem Ableben seines Lovers "The Queen" (Michael Praed, göttlich), einen Ersatz sucht und angeblich große Mengen Geld in seinem Bett versteckt haben soll. Doch diesen Schatz wollen auch noch ein paar andere finden.

Mit knapp achtzig Minuten Laufzeit schafft es der Film so gerade noch, den Zuschauer nicht zu langweilen. Ich mag schwarze Komödien, aber hier halten sich die Witze eher in Grenzen und bedienen lieber etliche schwule Klischees, gähn. Die Darsteller können allerdings überzeugen und es gibt einige skurrile Figuren, die gut zu unterhalten wissen, aber leider trotzdem den eher mäßigen Gesamteindruck nicht wirklich verbessern können. Insgesamt gesehen ganz nett, wenn man nicht besonders viel erwartet und eh nichts Besseres zu tun hat, aber wirklich sehenswert ist der Film meiner Meinung nach nicht. Schade, das hörte sich von der Beschreibung her ganz gut an, aber mir war es ganz einfach zu platt.

Einen kleinen Lichtblick habe ich aber doch noch entdecken können, denn in einer winzigen Nebenrolle ist Derek William Dick zu sehen. Dick, Künstlername "Fish", war in den achtziger Jahren der Sänger von "Marillion", die unter anderem das Album "Misplaced Childhood" (1985) herausbrachten, das noch heute zu meinen absoluten Lieblingsalben gehört. Habe ich gleich mal wieder herausgekramt und somit dem Film doch noch etwas abgewinnen können.

Sonntag, 3. Juli 2011

Blood Simple

"Blood Simple" ist der erste Film der Brüder Joel und Ethan Coen (Regie und Drehbuch) und stammt aus dem Jahr 1984. Fünfzehn Jahre später wurde ein technisch verbesserter Directors Cut des Films erneut ins Kino gebracht.

Marty (Dan Hedaya) ist ein eher unangenehmer Zeitgenosse und Tyrann. Er besitzt eine Bar irgendwo in Texas und hat mit Abby (Frances McDormand) eine junge Frau an seiner Seite, die nicht wirklich glücklich ist. Abby verliebt sich in Ray (John Getz), einen Angestellten von Marty, was diesem nicht lange verborgen bleibt. Marty beauftragt den Privatdetektiv Visser (M. Emmet Walsh), die beiden zu beobachten und schließlich sogar, die beiden für 10.000 Dollar zu töten.

Doch Visser spielt ein falsches Spiel und legt Marty ein manipuliertes Foto vor, das angeblich die beiden Toten zeigt, nur um anschließend sein Geld zu kassieren und Marty zu erschießen. Das ist erst der Anfang einer langen und blutigen Geschichte, in deren Verlauf nichts wirklich so ist, wie es scheint. Hier traut keiner dem anderen über den Weg und jeder versteht die Beweggründe des anderen falsch.

Willkommen bei den Coens. Hier weiter auf die Handlung einzugehen wäre gemein, denn das muss man selbst gesehen haben. Der Film ist schlicht perfekt, denn hier passt alles zusammen. Kameramann Barry Sonnenfeld hat großartige Bilder eingefangen und die Besetzung ist fantastisch, allen voran eine zauberhafte junge Frances McDormand in ihrer ersten Rolle. Einige Bilder erinnern sogar an Filme von David Lynch und das ist durchaus positiv gemeint.

Der Film an sich ist genial, ist er doch gleichzeitig fies und doch unterhaltsam. Die Coens erzählen hier eine kleine und gemeine, absolut mörderische Geschichte, bei der man nicht weiß, ob und wann man lachen darf. Zum Durchatmen kommt man hier kaum, man könnte ja etwas verpassen. Der Humor ist zwar spärlich eingesetzt, anders als z. B. in "Fargo", einem späteren Meisterwerk der Brüder, aber er ist doch existent, was mitunter ganz hilfreich ist. Insgesamt gesehen ein unglaublich guter Film und ein tolles Debüt der Coens. Absolut empfehlenswert.

Five Dollars a Day

"Five Dollars a Day" ist ein Film von Nigel Cole aus dem Jahr 2008. Das Drehbuch stammt von Neal und Tippi Dobrofsky.

Vier Jahre lang hatten Flynn (Alessandro Nivola) und sein Vater Nat (Christopher Walken) keinen Kontakt. Flynns Leben läuft gerade nicht so rund, seine Freundin hat ihn verlassen und seinen Job im Gesundheitsamt hat er verloren, weil man dort herausgefunden hat, dass Flynn elf Monate im Gefängnis verbracht hat. Den Gefängnisaufenthalt verdankt er seinem Vater, dem er diese Strapazen nicht zumuten wollte und die Schuld in diesem Fall auf sich genommen hat. Nun meldet sich Nat also bei Flynn. Er sei schwer krank, habe einen Gehirntumor und nicht mehr lange zu leben.

Flynn glaubt seinem Vater kein Wort, fährt aber trotzdem zu ihm nach Atlantic City. Nat bittet ihn darum, ihn nach New Mexiko zu fahren, weil er sich dort einer neuen alternativen Behandlungsmethode unterziehen will. In einem pinkfarbigen Werbefahrzeug geht es auf die Reise. Nat hat es perfektioniert, mit einem Minimum an Geld durchs Leben zu kommen, eben die titelgebenden "5 Dollars a Day". Den Rest finanziert er sich durch kleine Gaunereien, Werbegewinne und ähnlichen Nonsens. Skrupel kennt er nicht und auch seinen Sohn hat er schon früh mit diesem Leben bekannt gemacht.

Auf ihrem gemeinsamen Weg kommen sich Vater und Sohn wieder näher, aber auch die Vergangenheit ist stets präsent. Was wird sie am Ende ihrer Reise erwarten?

Das ist ein netter kleiner, aber leider auch etwas belangloser Film, der eigentlich ein Zwei-Personen-Stück ist und trotz einiger Mängel allein schon wegen Christopher Walken und Alessandro Nivola sehenswert ist. Die beiden sind wunderbar und spielen ihre Vater/Sohn-Geschichte schlichtweg großartig. In kleinen Nebenrollen tauchen Sharon Stone, Dean Caine, Peter Coyote und Amanda Peet auf, die aber kaum genug Zeit und Raum bekommen, um ihre Rollen mit Leben zu füllen. Ich mag Sharon Stone eigentlich sehr gern, aber so langsam wird es peinlich ihr zuzuschauen. Hier ist sie jedenfalls nichts weiter als eine dauergrinsende und viel zu gebräunte Sexbombe, die nicht mit Würde älter werden kann. Sehr schade.

Insgesamt gesehen ist diese kleine Produktion, die in nur 23 Tagen gedreht wurde, ein Film den man sich ansehen kann, aber bestimmt nicht muss. Christopher Walken allerdings ist eine lebende Legende, der Mann adelt wirklich jeden Film, und Alessandro Nivola ist sehr schnuckelig, das dürfte dann auch schon als Empfehlung reichen.

I Killed My Mother

"I Killed My Mother" - " J'ai tué ma mère" ist ein Film von Xavier Dolan (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2009.

Der Film erzählt die Geschichte von Hubert (Xavier Dolan), der mit seiner Mutter (Anne Dorval) zusammenlebt, seit seine Eltern sich vor vielen Jahren scheiden ließen. Seinen Vater sieht er nur selten. Das Verhältnis zwischen Hubert und seiner Mutter ist angespannt, man kann von einer Art Hassliebe sprechen. Beide liefern sich heftige Wortgefechte, weil der eine den anderen nicht versteht oder auch gar nicht erst verstehen will.

Hubert ist von seiner Mutter nur noch genervt, von ihrem schlechten Geschmack, von ihrem schlechten Benehmen bei Tisch und davon, dass sie ihm nie zuhört. Die Streitereien zwischen ihnen nehmen kein Ende. "Du bist wie Dein Vater" knallt sie ihm an den Kopf, wenn sie nicht weiter weiß. Hubert führt ein Videotagebuch und darin sagt er ganz offen, sie sei eben nicht zur Mutter geschaffen. Was seine Mutter aber noch nicht weiß, ist die Tatsache, dass Hubert schwul ist und bereits seit fast zwei Monaten einen festen Freund hat. Bei Antonin (Francois Arnaud) kann er seinen Stress vergessen und auch mit Antonins Mutter (Patricia Tulasne) versteht er sich gut. Überhaupt geht es dort sehr locker zu, was Hubert sehr genießt.

Als die Streitereien eskalieren und Huberts Mutter durch Zufall von der Homosexualität ihres Sohnes erfährt, beschließen die Eltern, (da taucht dann auch mal der Vater auf, wenn auch nur widerwillig) ihren Sohn in ein Internat zu stecken. Hubert tobt, muss sich aber fügen. Das Verhältnis zu seiner Mutter scheint endgültig zerrüttet zu sein. Als er eines Abends zusammengeschlagen wird und aus dem Internat flieht, weiß seine Mutter aber, wo sie ihn suchen muss. Vielleicht können sie sich wieder ein wenig annähern, das Schlussbild ist jedenfalls sehr vielversprechend.

Xavier Dolan hat das Drehbuch zu diesem Film, der zum Teil autobiografisch ist, bereits mit siebzehn Jahren geschrieben. Als er neunzehn war, ist der Film entstanden, der in Cannes seine Premiere hatte und mehrfach ausgezeichnet wurde. "Das kanadische Wunderkind" wird er oft genannt, was einen natürlich neugierig macht. Kann Dolan mit diesem fulminanten Debüt wirklich überzeugen? Hält der Film, was er verspricht? Beide Fragen kann man nur mit einem lauten: Ja, und wie! beantworten. Ganz ehrlich, Xavier Dolan zeigt sowohl vor, als auch hinter der Kamera sein grandioses Talent und hat einfach einen brillanten Film geschaffen.

Neben den gelungenen Dialogen überzeugt noch ganz besonders die tolle Ausstattung. Der krasse Gegensatz zwischen dem Zuhause von Antonin, wo alles offen und hell ist, und dem Zuhause von Hubert, das bedrückend und dunkel ist, wurde wunderbar eingefangen. Hier passt jedes kitschige Detail, herrlich.

Der Film ist ehrlich, direkt und schmerzhaft, aber auch nachvollziehbar, humorvoll und intelligent. Besser geht es nicht. Und ganz nebenbei ist Xavier Dolan nicht nur sehr talentiert, immerhin ist er hier gleichzeitig Autor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller in einer Person, sondern er ist dazu auch noch absolut hinreißend. Ganz große Empfehlung von mir für diesen großartigen Film, es lohnt sich auf jeden Fall. Den Namen Xavier Dolan wird man sich merken müssen.

Nachtrag: Auch der zweite Spielfilm von Xavier Dolan "Herzensbrecher" aus dem Jahr 2010 ist ein Erlebnis. Unbedingt anschauen.