Dienstag, 16. August 2011

Das Verhör / Under Suspicion

(Original)
"Das Verhör" - "Garde à vue" ist ein Film von Claude Miller (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1981. Das Drehbuch schrieb Miller zusammen mit Jean Herman und Michel Audiard.








(Remake)
 "Under Suspicion" ist ein Film von Stephen Hopkins aus dem Jahr 2000 und das amerikanische Remake des französischen Films. Das Drehbuch schrieben Tom Provost und W. Peter Iliff.







Beide Filme basieren auf dem Roman "Brainwash" von John William Wainwright aus dem Jahr 1979. Da die Handlung in beiden Werken fast identisch ist, fasse ich die Rezensionen hier einfach zusammen, beginnend mit der besseren Originalversion.

Der Notar Martinaud (Michel Serrault) wird zu einer Zeugenaussage auf das Polizeirevier geladen. Die Befragung führen Inspektor Gallien (Lino Ventura) und sein jüngerer Kollege Belmont (Guy Marchand), der alles protokolliert. Zwei junge Mädchen wurden vergewaltigt und ermordet, eines von ihnen hat Martinaud tot aufgefunden. Im Zuge der Befragung, die immer mehr zu einem Verhör wird, verstrickt sich der Notar in Widersprüche und wird für die beiden Polizisten zum Verdächtigen.

Hinter der scheinbar untadeligen Fassade des angesehen Notars erscheint nach und nach ein unglücklicher und verzweifelter Mann, der von seiner kaputten Ehe erzählt. Seine jüngere und schöne Frau Chantal (Romy Schneider) und er hätten schon seit Jahren getrennte Schlafzimmer, zwischen denen ein fünfzehn Meter langer Flur liegt. Schließlich erscheint auch Chantal auf dem Revier und spricht mit Gallien. Sie erklärt ihm, warum sie das Schlafzimmer nicht mehr mit ihrem Ehemann teilen kann und hat sogar einen angeblichen Beweis für die Schuld ihres Mannes am Tod des jungen Mädchens. Als Martinaud davon erfährt, bricht er zusammen und gesteht die Taten, aber ist das wirklich alles so passiert? Das Ende des Films ist jedenfalls sehr überraschend.

So viel zur französischen Originalfassung, die ich nur sehr empfehlen kann. Das ganze funktioniert eigentlich als Kammerspiel der besonderen Art, mit fantastischen Darstellern und sehr guten Dialogen. Wenn man diesen wunderbaren Film gesehen hat, dann weiß man auch, wozu gute Schauspieler in der Lage sind, nämlich einen packenden Film zu schaffen, ohne jeden Schnickschnack und das einfach und allein durch ihre Schauspielkunst. Die Darsteller sind anbetungswürdig und die Story ist sensationell und außerdem noch intelligent erzählt. Besser geht es eigentlich nicht. Ganz große Empfehlung für dieses Meisterwerk.

Kommen wir aber nun zum amerikanischen Remake. Das spielt in Puerto Rico, aus dem Notar ist hier ein Rechtsanwalt geworden und die Hauptrollen sind mit Gene Hackman und Morgan Freeman besetzt. Die Dialoge sind zum Teil wortwörtlich übernommen, Änderungen sind kaum spürbar. Ach ja, der Flur, der die entfremdeten Eheleute hier trennt, ist in dieser Fassung nicht fünfzehn, sondern zwanzig Meter lang, man beachte bitte die Feinheiten.

Nun gibt es an Gene Hackman und Morgan Freeman gar nichts auszusetzen, die beiden sind hervorragende Darsteller, die ihr Geschäft verstehen. Die Rolle der Chantal, ja der Name wurde auch übernommen, wird hier allerdings von Monica Bellucci gespielt. Nur zur Erinnerung, das war die Rolle von Romy Schneider im Original. Natürlich ist Monica Bellucci eine schöne Frau, aber ihre darstellerischen Qualitäten sind doch wohl eher, ähem, begrenzt, jedenfalls kommt sie nicht über einen Gesichtsausdruck hinaus und ganz sicher nicht an die Klasse einer Romy Schneider heran, was dem Film dann auch eher schadet, als nützt.

Wie auch immer, empfehlenswert ist auf jeden Fall das Original, das einfach grandios ist. Das Remake ist zwar kein so übler Film an sich, aber im Vergleich eben doch nur höchstens Mittelmaß. Hollywood kann es aber einfach nicht lassen, gute europäische Filme neu und schlechter zu verfilmen.

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