Sonntag, 7. September 2014

Das finstere Tal

"Das finstere Tal" ist ein Film von Andreas Prochaska aus dem Jahr 2014. Das Drehbuch schrieb Prochaska zusammen mit Martin Ambrosch und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Willmann. Kameramann war hier Thomas W. Kiennast.

Ort der Handlung ist ein abgelegenes Tal in Südtirol, Ende des 19. Jahrhunderts. Im Spätherbst taucht ein Fremder (Sam Riley) wie aus dem Nichts im Dorf auf und bittet um Quartier für den Winter. Er ist nicht willkommen, aber mit einem kleinen Beutel voller Goldmünzen erkauft er sich die Zustimmung von Hans Brenner (Tobias Moretti), dem ältesten Sohn des Brenner-Bauern (Hans-Michael Rehberg). Der Fremde, der sich als Greider vorstellt, kommt aus Amerika und ist Fotograf. Er wird bei der Witwe Gader (Carmen Gratl) und ihrer jungen Tochter Luzi (Paula Beer) untergebracht.

Der alte Brenner ist inzwischen bettlägerig, hält aber noch alle Zügel in der Hand. Er bestimmt die Geschicke des Dorfes und seiner Bewohner und niemand wagt es, ihm oder seinen sechs erwachsenen Söhnen zu widersprechen, die vom Charakter her zwischen böse, gemeingefährlich und debil schwanken. Es herrscht eine bedrohliche Atmosphäre in diesem Tal, voller Furcht vor den Brenners.

Greider lebt sich bei den beiden Frauen ein und macht sich nützlich. Luzi wird schon bald den jungen Lukas (Thomas Schubert) heiraten und obwohl sich die beiden lieben, haben sie aus guten Gründen Angst vor der Hochzeit und dem was danach kommt. Die Braut gehört in der Hochzeitsnacht nämlich immer dem alten Brenner, schon seit Jahrzehnten. Eine alte Tradition, vom Brenner selbst eingebracht, der sich niemand widersetzen darf. Nur einmal soll sich ein junges Paar dagegen aufgelehnt haben, mit fürchterlichen Konsequenzen. Seitdem herrscht eisige Stille im Dorf und jeder nimmt das als gegebenes Schicksal hin.

Inzwischen ist der Winter eingezogen und das Tal ist abgeschnitten von der Außenwelt. Kurz hintereinander kommen zwei der Brenner-Söhne bei scheinbaren Unfällen ums Leben, aber Hans Brenner ahnt, dass Greider etwas damit zu tun hatte. Dann steht die Hochzeit von Luzi und Lukas an und Greider befreit das Mädchen aus der Gewalt der Brenner-Brüder, als sie auf dem Weg zum Hof des Alten sind. Nun sind die Fronten geklärt, die Brüder machen Jagd auf Greider und der hat nur noch seine lange geplante Rache im Kopf. Es kommt zu einem atemberaubenden Shoot-Out.

Wow, was für ein Film. Ich muss zugeben, dass ich schon ein wenig skeptisch war wegen der Besetzung mit Sam Riley und Tobias Moretti, denen ich bisher irgendwie nichts abgewinnen konnte, die hier aber beide wirklich gut besetzt sind und perfekt in ihre Rollen passen. Auch die anderen Schauspieler überzeugen sehr, allen voran die junge Paula Beer, die wirklich toll spielt, oder auch Erwin Steinhauer als Pfarrer, Hans-Michael Rehberg als Brenner und viele andere, die auch in den kleinsten Rollen sehenswert sind.

Gesprochen wird insgesamt nur wenig, viel wichtiger sind hier Blicke und Körpersprache. Und dann diese geniale Atmosphäre, die Bilder, die gedeckten Farben, die gesamte Ausstattung, einfach nur grandios. Mehr darüber erfährt man in einem sehr informativen Making-Of auf der DVD, das rund vierzig Minuten dauert und viele Eindrücke von den Dreharbeiten und der Entstehung des Films liefert. Kann ich nur empfehlen, ebenso wie den Audio-Kommentar von Andreas Prochaska, der sehr gelungen ist.

Ein Thema muss ich noch erwähnen und das ist die Musik. Da habe ich in vielen Kritiken gelesen, die würde nicht passen, die Zuschauer würden durch die modernen Songs aus dem Film gerissen und ähnliches. Das kann ich überhaupt nicht unterschreiben, ich finde die Musik extrem gut und gerade auch in der großen Shoot-Out-Szene hervorragend gewählt. Mir ging das gerade in dieser Szene sehr unter die Haut und hat sich zusammen mit den Bildern ins Gedächtnis eingebrannt. Sehr mutige Entscheidung, aber auf jeden Fall geglückt.

Andreas Prochaska hat erneut bewiesen, dass er ein großartiger Regisseur ist und einen ungemein packenden Film hingelegt, der mich schlicht und einfach begeistert hat. Bitte nicht verpassen.


Sonntag, 31. August 2014

The Wolves of Kromer

"The Wolves of Kromer" ist ein Film von Will Gould aus dem Jahr 1998. Das Drehbuch stammt von Charles Lambert und Matthew Read und basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Charles Lambert.

Die Stimme eines Erzählers (Boy George) führt in die Geschichte ein: In den Wäldern rund um das kleine Dorf Kromer lebten einst zwei junge Wölfe namens Gabriel (James Layton) und Seth (Lee Williams), die sich ineinander verliebt hatten. Der junge Seth haderte noch mit seinem Wolfsein, für ihn war das alles noch neu und er hatte sich gerade erst vor seiner Familie geoutet. Der erfahrenere Gabriel nahm Seth unter seine Fittiche und sorgte für ihn. Beide hatten keinen Kontakt mehr zu ihren Familien, sie lebten als Ausgestoßene im Wald und die Menschen fürchteten sich vor ihnen, obwohl von ihnen keine Gefahr ausging.

Die alte und biestige Jungfer Fanny (Rita Davies) plante derweil, ihre kranke und vermögende Herrin Mrs. Drax (Rosemarie Dunham) zu vergiften, um sich ihr Erbe unter den Nagel zu reißen. Ihre ebenso verschlagene alte Freundin Doreen (Margaret Towner) half ihr dabei. Wenn sie nicht gerade Gemeinheiten austauschten, sabberten die beiden alten Schachteln dem örtlichen Priester (Kevin Moore) hinterher, der allerdings auch so seine Geheimnisse hatte.

Als es Mrs. Drax schlechter ging, erschien ihr Sohn Mark (David Prescott) zusammen mit seiner Frau Mary (Angharad Rees) und seinen beiden Kindern Polly (Leila Lloyd-Evelyn) und Kester (Mathew Dean), die überhaupt nicht davon angetan waren, in dieser Einöde gestrandet zu sein. Fanny und Doreen holten nun zum finalen Schlag aus und sorgten für das Ableben von Mrs. Drax, aber sie stellten es so dar, dass man die Wölfe für die Täter hielt.

Während Gabriel und Seth gerade einen Streit hatten und Seth ihre Beziehung überdenken musste, tat sich die Dorfgemeinschaft zusammen, um gemeinsam auf Wolfsjagd zu gehen, angeführt vom scheinheiligen Priester, der jedoch viel lieber an dem jungen Kester herumgeknabbert hätte. Kester konnte sich immer wieder den Übergriffen entziehen, er haderte auch mit der Entscheidung, Jagd auf die Wölfe zu machen. Er konnte nichts Böses an ihnen erkennen, aber die Bewohner des Dorfes waren nicht mehr aufzuhalten.

In einer verlassenen Kirche kommt es zum Showdown zwischen Gabriel, Seth und dem heuchlerischen Priester. Aber ist das schon das Ende der Geschichte? Nein, denn im Himmel kann man ja auch tanzen und so läuft dann auch "Spirit in the Sky" zum Abspann.

Natürlich wird die Botschaft dieses Films hier so ein bisschen mit der Keule verteilt, aber es gibt ja immer noch genug Holzköpfe, die auch das nicht kapieren. Es heißt, man müsse sich vor den "Wölfen" schützen und sie würden Krankheiten verbreiten, das darf dann jeder gerne für sich interpretieren. Ich mag diesen Film sehr, er ist toll gespielt, wenn auch leider viel zu unbekannt. Die beiden "Wölfe" James Layton und Lee Williams sind jedenfalls hübsch anzuschauen in ihren kuscheligen Felljacken und machen ihre Sache trotz fehlender Schauspielerfahrung sehr gut.

Insgesamt gesehen ein kleiner, aber feiner Film, den ich nur absolut empfehlen kann. Es lohnt sich.


Samstag, 30. August 2014

Vendredi soir

"Vendredi soir" ist ein Film von Claire Denis aus dem Jahr 2002. Das Drehbuch schrieb Denis zusammen mit Emmanuèle Bernheim. Kamerafrau war hier erneut Agnès Godard.

Ein Freitagabend in Paris. Laure (Valérie Lemercier) löst ihre Wohnung auf und packt alle ihre Sachen in Umzugskartons. Am nächsten Tag wird sie zu ihrem Freund und in dessen Wohnung ziehen. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt und man fühlt, dass Laure etwas unsicher ist. Der Abschied von ihrer Wohnung und dem Mietshaus fällt ihr schwer. Ist die Entscheidung für ein neues Leben wirklich richtig, gibt es eventuell einen Weg zurück?

Nachdem die Kartons gepackt sind, macht sich Laure auf zu einem Abendessen bei Freunden. Doch an diesem Abend herrscht in Paris ein Verkehrschaos, weil der öffentliche Personen-Nahverkehr streikt. Die Straßen sind überfüllt mit Autos und es geht höchstens schrittweise voran. Die Nachrichten im Radio wiederholen sich immer wieder und es wird empfohlen Anhalter mitzunehmen, die sonst in der Kälte nur zu Fuß unterwegs wären.

Da klopft Jean (Vincent Lindon) an die Seitenscheibe von Laures Auto und bittet darum, einsteigen zu dürfen. Sie lässt ihn herein und das ist der Beginn einer außergewöhnlichen Nacht, mit der keiner von ihnen gerechnet hat. Lange Zeit noch werden sie im Stau stehen, bevor sich endlich wieder etwas bewegt. Laure ruft von einer Telefonzelle aus ihre Freundin an und teilt ihr mit, nicht zum Abendessen erscheinen zu können. Nun hat sie kein festes Ziel mehr für diese Nacht, aber mit Jean einen Mann an ihrer Seite, der sie immer mehr elektrisiert.

Laure und Jean lassen sich fast wortlos durch die Nacht treiben und nehmen sich schließlich ein Hotelzimmer. Es wird kaum geredet, aber die Anziehung zwischen ihnen ist spürbar. Noch einmal werden sie das Zimmer verlassen, um etwas zu essen, aber dann verbringen sie eine leidenschaftliche Nacht zusammen. Am nächsten Morgen verlässt Laure das Hotel und den schlafenden Jean und läuft durch die Straßen von Paris. Wohin ihr Weg sie führen mag? Wer weiß das schon...

Mal wieder ein wunderbarer Film von Claire Denis, den es hierzulande nicht gibt und den ich mir deswegen im französischen Original mit englischen Untertiteln besorgt habe. Immerhin besser als nichts. Ist das deutsche Publikum aber wirklich nicht bereit für die Filme dieser herausragenden Regisseurin? Gut, in diesem Fall will ich mal nachsichtig sein, der ist wirklich nichts für jeden Geschmack, weil sich die meisten Zuschauer hier wohl tatsächlich langweilen dürften. Muss aber gar nicht sein, denn Claire Denis und Agnès Godard liefern hier wunderbare Bilder einer verzauberten Nacht, in der eigentlich sehr viel passiert, wenn man seine Augen und Sinne offen hat und auch Kleinigkeiten erkennen kann.

Auf jeden Fall sind Valérie Lemercier und Vincent Lindon toll besetzt und fesseln den Zuschauer von Beginn an mit ihrer Darstellung. Man ist ihnen ganz nahe und das in wirklich jeder Szene. Hervorragend gespielt. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich ein größeres Publikum für die Filme von Claire Denis begeistern könnte.

Mittwoch, 27. August 2014

Tom à la ferme

"Tom à la ferme" ist ein Film von Xavier Dolan aus dem Jahr 2013. Das Drehbuch schrieb Dolan zusammen mit Michel Marc Bouchard, dem Autor des gleichnamigen Theaterstücks. Xavier Dolan selbst ist hier nicht nur als Regisseur und Drehbuchautor tätig, sondern auch als Produzent und Hauptdarsteller und zuständig für den Schnitt und die Kostüme. Dies ist sein vierter Spielfilm und wie man aus der Vergangenheit weiß, meistert er diese Aufgaben perfekt. Die Musik stammt von Gabriel Yared, der Kameramann war André Turpin.

Der Mittzwanziger Tom (Xavier Dolan) kommt aus Montreal nach Québec aufs Land, um an der Beerdigung seines Lebensgefährten Guillaume teilzunehmen. Auf dem Hof von Guillaumes Familie trifft er zunächst auf dessen Mutter Agathe (Lise Roy), die nichts von Tom weiß und anscheinend noch nicht einmal etwas von der Homosexualität ihres Sohnes wusste. Agathe lebt dort zusammen mit ihrem anderen Sohn Francis (Pierre-Yves Cardinal), dem älteren Bruder von Guillaume, den dieser aber nie erwähnt hat. Tom gibt sich Agathe gegenüber lediglich als Freund und Kollege Guillaumes aus und wird noch in der ersten Nacht von Francis brutal dazu genötigt, auch bei dieser Version zu bleiben.

Der Mutter wird weiter vorgelogen, Guillaume hätte eine feste Freundin gehabt, seine Kollegin Sarah (Evelyne Brochu), die aber natürlich nicht zur Trauerfeier erscheint. Agathe ist deswegen außer sich. Aus gutem Grund kann Tom seine geplante Trauerrede nicht halten, um sich nicht zu verraten. Agathe erweist sich als sehr verständnisvoll, während Francis zunehmend die Nerven verliert. Die Fassade soll erhalten werden und Tom wird gezwungen, seinen Aufenthalt auf der abgelegenen Farm zu verlängern. Er schlüpft sozusagen in die Rolle seines verstorbenen Geliebten und nimmt dessen Platz in der Familie ein. Doch unter der Oberfläche brodelt es gewaltig, denn Francis erweist sich immer mehr als brutaler Zeitgenosse, dessen Verhältnis zu Tom zwischen Ablehnung und Zuneigung schwankt.

Tom muss einiges einstecken, doch eine Flucht kommt für ihn zunächst noch nicht in Frage. Er findet Gefallen an dem Familien- und Landleben und scheinbar auch an den Erniedrigungen durch Francis. Die beiden Männer kommen sich gefährlich nahe, es entwickelt sich ein perfides Spiel zwischen ihnen. Doch dann erscheint die ahnungslose Sarah, von Tom herbeigerufen, und die Situation wird explosiv.

Francis hat inzwischen das Auto von Tom zerlegt, Agathe reagiert gereizt auf die gefühllose Freundin ihres verstorbenen Sohnes und Tom erfährt im Ort, warum Francis überall ausgegrenzt wird. Nun wird es höchste Zeit, die Farm zu verlassen.

Xavier Dolan hat diesen Film nach seinem vorherigen Drama "Laurence Anyways" als leichte Fingerübung für zwischendurch und in sehr kurzer Zeit gedreht. Herausgekommen ist erneut ein ausgesprochen sehenswerter und sehr spezieller Film, der den Zuschauer von Beginn an packt. Die Atmosphäre ist perfekt eingefangen, die Bilder der Landschaft um den Hof der Familie sind grandios. Bei aller Beschaulichkeit spürt man die latente Bedrohung in jedem Bild, auch wenn sie sich nicht wirklich fassen lässt.

Die Schauspieler sind exzellent, neben Xavier Dolan, der hier erneut sein Können zeigt, sind es vor allen Dingen Lise Roy als verzweifelte Mutter, die wohl mehr weiß, als sie zugibt, als auch Pierre-Yves Cardinal als brutaler und grobschlächtiger Bruder, die vollkommen überzeugen können. Sie alle sind wunderbar anzuschauen und verleihen ihren Rollen echtes Leben.

Die Bilder sind ebenfalls wunderbar, die Weite des Landes, die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Tom und Francis, sowie ein Tango der beiden Männer in einer leeren Scheune. Mitunter reine Poesie, aber auch immer kraftvoll und irgendwie bedrohlich. Muss man selbst sehen, das kann man nicht in Worte fassen.

"Tom à la ferme" ist ein Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Noch ein Wort zum Titel, überall wird der Film unter diesem auch vertrieben, sei es dann auch in der jeweiligen Landessprache, wie z. B. als "Tom at the Farm". In Deutschland läuft er aber als "Sag nicht, wer du bist!". Wieso eigentlich?  Soll das mehr Zuschauer anlocken? Ich finde diese Entscheidung ziemlich albern, den Film aber nicht, der ist sensationell. Ganz große Empfehlung.


Montag, 18. August 2014

Nordsee ist Mordsee

"Nordsee ist Mordsee" ist ein Film von Hark Bohm (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1976.

In Hamburg-Wilhelmsburg lebt der 14-jährige Uwe (Uwe Bohm, damals noch Uwe Enkelmann) zusammen mit seinen Eltern in einer Hochhaussiedlung. Seine Mutter (Herma Koehn) ist Kassiererin in einem Supermarkt und sein Vater (Marquard Bohm) arbeitet im Hafen, ist meistens betrunken und dann auch gewalttätig. Die meisten Prügel muss Uwe einstecken, aber auch seine Mutter bleibt nicht davon verschont. Stark fühlt sich Uwe nur in seiner Clique, deren Anführer er ist. Hier verschafft er sich Respekt, knackt Automaten und gibt den großen Boss.

Die kleine Gruppe von großmäuligen Jungs und Mädchen hat Spaß daran, andere zu schikanieren, wie z. B. den gleichaltrigen Asiaten Dschingis (Dschingis Bowakow), der zusammen mit seiner Mutter (Katja Bowakow) ebenfalls in der Siedlung wohnt und nur als "Schlitzauge" bezeichnet wird. Er ist für die Gang ein willkommenes Opfer und wird ständig von ihnen drangsaliert.

Nachdem die Gruppe erfolgreich einen Geldspielautomaten geknackt hat, verschwindet Uwe mit den erbeuteten Münzen, um sich davon ein Springmesser zu kaufen. Den anderen erzählt er später, sein Vater hätte das Geld bei ihm entdeckt und einkassiert. Zur gleichen Zeit findet Uwe heraus, dass sich Dschingis ein Floß gebaut hat. Um von sich selbst abzulenken, lenkt er die Aufmerksamkeit der Bande auf das Floß, das von diesen daraufhin zerstört wird. Als Dschingis das bemerkt, geht er auf die Gruppe los, die schnell das Weite sucht. Uwe unterliegt Dschingis bei einem Zweikampf und wird von ihm gezwungen, das Floß zu reparieren.

Am nächsten Tag muss Uwe vor seiner Gang unbedingt wieder den starken Macker markieren, um seine Stellung nicht zu gefährden und klaut ein Auto. Die kurze Spritztour endet allerdings äußerst unsanft, da ihn die Polizei einsammelt und zu seinem Vater nach Hause bringt, der ihn gleich wieder verprügelt. Daraufhin verbündet sich Uwe mit Dschingis und beide wollen von zu Hause abhauen. Sie lassen das Floß zu Wasser, aber damit kommen sie nicht weit. Erst mit einem gestohlenen Segelboot schaffen sie es, auf der Elbe zu bestehen. Doch das ist noch nicht das Ende ihrer Reise, sondern erst der Anfang. Wie es weitergeht? Wer weiß das schon...

Was für ein toller Film, auch heute noch. Ganz ehrlich, der hat die Zeit sehr gut überdauert und fesselt immer noch. Eine schöne Geschichte über Freundschaft und Abenteuer, aber auch über die Kraft, Gegensätze zu überwinden und Freundschaften zu schließen, die man so nicht erwartet hätte. Davon kann man gerade in der heutigen Zeit oft nur träumen, leider.

Für Uwe Bohm war das der erste Film und der Beginn einer großartigen Karriere, sowohl beim Film, als auch beim Theater. Ich sehe ihn immer gerne, solche guten Darsteller wie ihn gibt es leider viel zu selten. Neben ihm glänzen vor allen Dingen der junge Dschingis Bowakow und Marquard Bohm, der Bruder von Hark Bohm, als brutaler Vater. Auf ihn werde ich demnächst noch näher eingehen. Hier ist er extrem fies dargestellt, was perfekt zur Rolle passt, aber da gab es noch andere Rollen, die ihn in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.

"Nordsee ist Mordsee" ist auf jeden Fall ein Film, der auch heute noch sehr gut funktioniert, egal wie alt er ist. Meine Empfehlung: Unbedingt anschauen!

Samstag, 16. August 2014

Nordstrand

"Nordstrand" ist ein Film von Florian Eichinger (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013.

Nach langer Zeit treffen sich die beiden Brüder Marten (Martin Schleiß) und Volker (Daniel Michel) im Haus ihrer Eltern an der Nordsee wieder. Viele Jahre lang hatten sie kaum Kontakt, doch nun verbringen sie ein Wochenende zusammen, auf Wunsch von Marten. Der ist auch die treibende Kraft, denn Volker ist nicht wirklich gerne hier. Das Haus ist seit vielen Jahren unbewohnt, die alten Möbel sind aber immer noch da.

Marten fängt erstmal an zu putzen, hat aber eigentlich ein anderes Anliegen an Volker. Sie sollen wieder eine Familie sein, das ist sein Wunsch. In ein paar Wochen wird ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen, dann soll das Familienleben wieder aufgenommen werden. In kurzen Rückblenden wird nur angedeutet, was damals passiert ist. Der Vater von Marten und Volker war ein gewalttätiger Mann und hat besonders den jüngeren Volker drangsaliert. Marten hat immer noch Schuldgefühle, weil er seinem kleinen Bruder nicht helfen konnte. Die Mutter hat lange Zeit weggesehen, bis sie ihren Mann eines Tages umgebracht hat.

Der gesundheitlich angeschlagene Marten will sich mit seinem Bruder versöhnen, der jedoch will nur sein Elternhaus möglichst schnell verkaufen und alles hinter sich lassen. Er trifft auf seine Jugendliebe Enna (Luise Berndt), die inzwischen verheiratet und Mutter ist. Wären die Dinge früher anders gelaufen, dann hätte aus ihnen ein Paar werden können, so aber bleibt nur die Erinnerung an alte Zeiten.

Das Wochenende vergeht und Marten bemüht sich nach Kräften, einen Kontakt zu Volker herstellen zu können, aber der igelt sich ein und gibt sich spröde. Werden die Brüder sich wieder näher kommen, trotz aller Konflikte?

Das Ende ist offen und es werden praktisch keine Fragen geklärt. Das ist ja nicht weiter schlimm, ich persönlich finde es gut, als Zuschauer auch gefordert zu werden und mir eigene Gedanken zu machen. Hier wird das allerdings schon zu sehr ausgereizt, weil einfach zu viele Dinge gar nicht erst erwähnt werden. Was genau ist denn damals geschehen und warum? Wie lange ist das alles her? Das ist mir alles viel zu schwammig.

Hinzu kommt, und das ist mein größter Kritikpunkt, dass man außer dem Geschnaufe und Gerotze der Hauptdarsteller kaum etwas von den Dialogen versteht, die die beiden vor sich hin murmeln. Soll das jetzt irgendwie authentisch wirken? Sorry, aber mich hat das nur extrem genervt. Die Geschichte an sich klingt ja durchaus interessant, sonst hätte ich mir den Film nicht ausgeliehen, aber die Umsetzung war gar nicht mein Fall.

Schade, die Thematik ist schon gut, denn fast jeder von uns trägt irgendwelche Narben aus der Kindheit mit sich, ob nun sichtbar oder unsichtbar, aber sie sind für immer da. Aus den oben genannten Gründen gebe ich hier aber nur eine eingeschränkte Empfehlung, so leid mir das auch tut.

Samstag, 2. August 2014

Magic Magic

"Magic Magic" ist ein Film von Sebastián Silva (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013. Kameramann war hier der grandiose Christopher Doyle.

Die junge und schüchterne Alicia (Juno Temple) besucht ihre Cousine Sara (Emily Browning), die in Chile studiert. Zusammen mit Saras Freund Agustin (Agustin Silva), dessen Schwester Bárbara (Catalina Sandino Moreno) und Agustins Freund Brink (Michael Cera) ist ein kleiner Urlaub auf einer Insel im Süden Chiles geplant. Doch während der Fahrt dorthin erhält Sara einen wichtigen Anruf und muss nach Santiago zurück. Alicia bleibt allein mit Saras Freunden zurück, die sie nicht kennt und die ihr nicht gerade das Gefühl vermitteln, besonders willkommen zu sein.

Auf der Insel und in dem rustikalen Ferienhaus angekommen, verstärkt sich bei Alicia das Unwohlsein. Sie kann Sara nicht erreichen, denn hier gibt es keinen Empfang. Bárbara zieht sich gleich zurück, sie interessiert sich allein für ihr Studium und will von den anderen nicht gestört werden. Agustin und Brink treiben derbe Späße und Alicia fühlt sich immer verlorener. Besonders der undurchschaubare Brink hat es auf sie abgesehen, weshalb Alicia sich zunehmend bedroht fühlt. Sie kann nicht schlafen, hat merkwürdige Visionen und kann schon bald nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden, ebenso wie der Zuschauer.

Als Sara zwei Tage später auf der Insel eintrifft, findet sie eine verstörte Alicia vor, deren Ängsten und Erzählungen sie keinen Glauben schenken kann, zumal Agustin und auch Brink sich scheinbar aufmerksam um Alicia zu kümmern scheinen. Die Situation eskaliert, als Agustin Alicia in Hypnose versetzt, was keiner der Anwesenden wirklich ernst nimmt, und Bárbara Alicia noch mit Tabletten versorgt, damit sie endlich schlafen kann.

Was dann passiert, das erzähle ich hier nicht. Zugegeben, das Ende ist schlimm, aber auch voller Rätsel. Regisseur Sebastián Silva erzählt seine Geschichte nicht bis zum Schluss, er lässt vieles offen. Das muss man als Zuschauer nicht mögen, ist aber künstlerische Freiheit des Autors und funktioniert hier eigentlich ganz gut.

Was bei diesem ungewöhnlichen Psychothriller überzeugt, sind vor allen Dingen die abgelegene Umgebung, die irgendwie latent bedrohliche Atmosphäre und die sehr guten Darsteller. Juno Temple ist hier die ideale Besetzung als Alicia, denn man merkt als Zuschauer schon schnell, dass sie nicht nur einfach labil ist, sondern wahrscheinlich ernste psychische Probleme hat. Mit Michael Cera als Brink hat sie einen fantastischen Gegenpart, der sich nie entschlüsseln lässt. Ob er nun tatsächlich schwul und heimlich in seinen Freund Agustin verliebt ist, wer weiß das schon.

Als Extra gibt es noch ein kleines Making-Of, das ich sehr empfehlen kann. Für den Film an sich gilt wie so oft bei mir, nichts für die große Masse, eher was für Freunde ungewöhnlicher Filme, die es auch aushalten können, wenn mal nichts passiert. Die sind dann hier aber genau richtig. Es lohnt sich.

Mittwoch, 30. Juli 2014

Eine fatale Entscheidung

"Eine fatale Entscheidung" - "Le petit lieutenant" ist ein Film von Xavier Beauvois aus dem Jahr 2005. Das Drehbuch schrieb Beauvois zusammen mit Guillaume Bréaud, Jean-Eric Troubat und Cédric Anger. Kamerafrau war hier Caroline Champetier.

Der junge Leutnant Antoine Derouère (Jalil Lespert) kommt gerade frisch von der Polizeischule und hat sich ohne Wissen seiner jungen Ehefrau Julie, die als Lehrerin in Le Havre arbeitet, bei der Mordkommission in Paris beworben und auch eine Stelle erhalten. In Le Havre wolle er nicht versauern, ein Mordfall im Jahr wäre ihm zu wenig.

In Paris kommt Antoine in die Abteilung von Caroline Vaudieu (Nathalie Baye), die nach zwei Jahren Pause und der Arbeit in anderen Abteilungen nun wieder ihren Dienst in der Mordkommission antritt. Caroline hatte ein Alkoholproblem, geht immer noch zu den Anonymen Alkoholikern, fühlt sich aber bereit, ihren alten Job wieder aufzunehmen. Den jungen Antoine schließt sie gleich in ihr Herz, denn er erinnert sie an ihren Sohn, der zwar schon als Kind gestorben ist, aber jetzt ungefähr im gleichen Alter wäre.

Ein erster Fall steht an, ein polnischer Obdachloser wird aus der Seine gefischt. Antoine erkennt den Mann wieder, er verbrachte die Nacht zuvor in der Ausnüchterungszelle der Polizei. Die Kommissare der Abteilung ermitteln nun unter den polnischen Obdachlosen und erhalten Hinweise auf zwei Russen, die mit dem Verstorbenen Kontakt hatten. Die Ermittlungen laufen unspektakulär ab, es werden mögliche Zeugen befragt und verschiedene Wohnheime nach den Russen abgesucht.

Antoine lässt sich von der eintönigen Arbeit nicht abschrecken, für ihn ist das alles spannend, eben wie in den Filmen die er gesehen hat. Deswegen ist er zur Mordkommission gekommen, doch genau das wird ihn das Leben kosten. Sein Kollege, der längst ermüdet und desillusioniert ist, geht lieber in ein Café, als noch ein Wohnheim zu durchsuchen. So trifft Antoine mehr durch Zufall allein auf einen der Verdächtigen, der allerdings kurzen Prozess macht. Antoines Kollege kommt viel zu spät, um noch irgendetwas bewirken zu können.

Der schwerverletzte Antoine kommt auf die Intensivstation eines Krankenhauses und ringt mit dem Tod. Caroline fühlt sich für ihn verantwortlich und betrinkt sich an diesem Abend. Sie landet schließlich betrunken bei einem alten Freund, dem Richter Serge Clermont (Jacques Perrin). Kurze Zeit später verstirbt Antoine an seinen schweren Verletzungen, doch der Mordfall kann noch gelöst werden. Caroline verzweifelt darüber und blickt einer ungewissen Zukunft entgegen.

Wer hier auf platte Action aus ist, von dem möchten wir uns an dieser Stelle gleich verabschieden. Nein, dieser französische Polizeifilm ist etwas ganz anderes, als man es von amerikanischen Filmen gewohnt ist. Hier geht es um die Polizeiarbeit an sich, die eben auch ganz unspektakulär ist, wo einfach mal nichts passiert, wo einfach Menschen gezeigt werden, die ihren Job machen und dabei eigene Probleme haben, die sie mit sich herumtragen. Das ist dem Regisseur Xavier Beauvois besonders gut gelungen.

Was wären aber alle diese guten Drehbücher und Regieanweisungen ohne die entsprechenden Darsteller und da hat der Film ja einiges vorzuweisen. Hier muss man besonders Nathalie Baye, Jalil Lespert und Roschdy Zem erwähnen, die nur die prominenteren Namen sind. Der Rest des Casts macht seine Sache aber ebenso gut.

Der Film an sich ist wohl leider ziemlich unbekannt, was wirklich sehr schade ist. Mich hat er jedenfalls sehr fasziniert, auch beim wiederholten Anschauen. Wer also auf Action verzichten kann und sich auf eine ruhig erzählte Geschichte mit exzellenten Schauspielern einlassen möchte, dem kann ich diesen Film hier nur sehr empfehlen.

Montag, 28. Juli 2014

Wer mich liebt, nimmt den Zug

"Wer mich liebt, nimmt den Zug" - "Ceux qui m'aiment prendront le train" ist ein Film von Patrice Chéreau aus dem Jahr 1998. Das Drehbuch schrieb Chéreau zusammen mit Danièle Thompson und Pierre Trividic. Für die wunderbaren Bilder sorgte Kameramann Éric Gautier.

Der Pariser Maler Jean-Baptiste Emmerich (Jean-Louis Trintignant) ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Begraben werden möchte er in seiner ungeliebten Heimatstadt Limoges und alle seine Freunde, Bekannten und Verwandten machen sich deshalb mit dem Zug auf den Weg, so wie es der Verstorbene gewünscht hat. Der Sarg mit seinen sterblichen Überresten wird von seinem ehemaligen Pfleger Thierry (Roschdy Zem) mit dem Auto dorthin überführt.

Während der Zugfahrt brechen zwischen den Reisenden diverse Konflikte auf, die teilweise schon jahrelang unter der Oberfläche schwelten und nun in der Enge des Zuges verstärkt ans Licht kommen. Es gibt Eifersüchteleien, Neid, Missgunst, Liebe und Hass, alles ganz nah beieinander, denn hier kann keiner dem anderen wirklich entkommen. Jean-Baptiste selbst hat durch seine exzentrische Art schon zu Lebzeiten für Unruhe und Unfrieden gesorgt, das scheint sich über seinen Tod hinaus zu bewahren. Nach der Beerdigung auf dem Friedhof von Limoges, der mehr "Einwohner" haben soll, als die Stadt selbst, treffen sich alle im Haus von Lucien (Jean-Louis Trintignant), dem Zwillingsbruder des Verstorbenen wieder und die verbalen Kämpfe gehen unvermittelt weiter.

Das Aufeinandertreffen dieser Menschen bringt viele Probleme ans Tageslicht. Beleidigungen und Verleumdungen werden ausgesprochen, es geht aber auch um unausgesprochene Liebe, Lügen, Enttäuschungen und Hoffnungen.

Da gibt es unter anderem das frisch getrennte Paar Claire (Valeria Bruni Tedeschi) und Jean-Marie (Charles Berling), das noch nicht endgültig miteinander fertig ist, sowie Francois (Pascal Greggory), der mit seinem jüngeren Geliebten Louis (Bruno Todeschini) anreist, welcher sich noch im Zug in den jungen Bruno (Sylvain Jacques) verguckt, der allerdings auch ein Geheimnis in sich trägt, bis hin zur geheimnisvollen Viviane (Vincent Perez), die im Haus auftaucht und für eine Überraschung sorgt.

Der Film ist mit großartiger Musik unterlegt und lebt vor allen Dingen von den fabelhaften Schauspielern, die diese rund 120 Minuten Film mit Leben erfüllen und dem Zuschauer ein intimes Kammerspiel der besonderen Art präsentieren. Der erste Teil spielt im Zug, dann ein Zwischenspiel auf dem Friedhof, bis zum letzten großen Akt im Familiensitz der Familie Emmerich. Trotz dieser zwei Stunden Laufzeit treten keine wirklichen Längen auf, wenn man sich auf den Film einlassen kann. Das ist aber wie üblich die Grundvoraussetzung, sonst wird das nichts. Hier wird eben hauptsächlich geredet, Action gibt es nicht. Ich vermute allerdings, es gibt genug Zuschauer, die das verstehen und auch zu schätzen wissen.

Ein wirklich großartiger Film von Patrice Chéreau, der sowohl beim Film, wie auch am Theater zu Hause war und der leider am 7. Oktober 2013 verstorben ist. Seine Filme sind brillant, wenn auch oft speziell, aber immer faszinierend. Sein früher Tod ist ein großer Verlust. Es wäre schön, wenn seine Werke auch hier in Deutschland einfacher zu bekommen wären, als immer nur über Importe. Dieser Film verfügt nur über die deutsche Synchronisation und die französische Originalfassung. Ich hätte den so gerne mit deutschen Untertiteln...

Wie auch immer, ganz große Empfehlung für einen grandiosen Film mit hinreißenden Schauspielern.


Sonntag, 27. Juli 2014

Wer hat Angst vor Vagina Wolf?

"Wer hat Angst vor Vagina Wolf?" - "Who's Afraid of Vagina Wolf?" ist ein Film von Anna Margarita Albelo aus dem Jahr 2013. Das Drehbuch schrieb Albelo zusammen mit Michael Urban.

Anna (Anna Margarita Albelo) ist gerade Vierzig geworden und steckt in einer Krise. Ihre Karriere als Filmemacherin ist eher überschaubar, sie hat keine feste Freundin und lebt aus Geldmangel in der Garage ihrer Freundin Charlie (Celeste Pechous) in Los Angeles. Nachdem sie auch noch den Abgabetermin für die Beantragung einer Filmförderung verpasst hat, verliert sie nahezu jede Hoffnung auf Glück.

Doch dann begegnet ihr die schöne junge Katia (Janina Gavankar), die Annas Arbeit bewundert, was von Anna aber als Zeichen der Zuneigung verstanden wird. Endlich hat sie eine Muse. Der Plan steht, ein neues Filmprojekt muss her, Katia bekommt eine Hauptrolle und Anna endlich eine Geliebte. Doch so einfach ist das alles nicht...

Anna macht sich an die Arbeit, der Film soll eine lesbische Version von "Wer hat Angst vor Virginia Wolff?" sein. Ihre beiden besten Freundinnen Penelope (Guinevere Turner) und Chloe (Carrie Preston) spielen ebenso mit wie Anna selbst. Auch die Crew ist schnell zusammen, wenn auch ohne Bezahlung. Gedreht wird in Charlies Haus, die das zähneknirschend über sich ergehen lässt.

Kamerafrau wird die schöne Julia (Agnes Olech), die ein ehrliches Interesse an Anna hat, was diese aber in ihrer Verliebtheit zu Katia einfach nicht bemerkt. Schnell wird Julia klar, dass Katia nur mit Annas Gefühlen spielt, aber Anna überhört jeden Hinweis darauf. Während der chaotischen Dreharbeiten kochen dann die Emotionen hoch. Vor und hinter der Kamera kommt es zu Kränkungen und Eifersüchteleien, verschmähter Liebe und Enttäuschungen. Es endet mit einem großen Knall und Anna sitzt mal wieder vor den Scherben ihres Lebens. Und dann taucht auch noch ihre Mutter auf und will sie mit nach Miami nehmen. Wird Anna es schaffen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen und wird sie erkennen, dass Julia es ernst mit ihr meint?

Diese wunderbare Komödie geht direkt ins Herz und schafft es locker, auch ernste Töne unterzubringen, ohne zu schwer zu werden. Die Geschichte ist zum Teil autobiografisch und Regisseurin und Hauptdarstellerin Anna Margarita Albelo weiß scheinbar genau, wovon sie erzählt. Mit geringen Mitteln ist hier ein kleiner Independent-Film entstanden, der wirklich gut unterhält und zudem noch über einen fabelhaften Soundtrack verfügt.

Die Schauspielerinnen sind mit vollem Herzen bei der Sache und besonders Guinevere Turner und Agnes Olech überzeugen hier in ihrer Darstellung und sind dabei wunderbar anzuschauen. Toll und sehr gelungen. Also ran an den Film, von mir gibt es jedenfalls eine große Empfehlung.