"The Passenger" ist ein Film von Tor Iben (Regie, Drehbuch und Produktion) aus dem Jahr 2013. Der Film erscheint aktuell in Frankreich, USA, UK und in den Benelux-Staaten. In Deutschland fand sich leider kein Vertrieb, was sehr schade ist, aber man kann den Film eben z. B. über Amazon UK ordern, was kein Problem sein sollte.
Der junge Nick (Niklas Peters) kommt nach Berlin, um für seinen Vater eine Wohnung zu kaufen. Nick ist bildschön und sehr verführerisch, aber von ihm geht auch eine gewisse Bedrohung aus. Bereits in den ersten Filmminuten sieht man ihn mit blutverschmierten Händen und das wird noch mehrfach passieren. Nick zieht bei dem Fotografen Phillip (Urs Stämpfli) ein, der einen Mitbewohner sucht. Beide verstehen sich sofort und sind sich sympathisch. Phillips beste Freundin Lilli (Lynn Femme) komplettiert das Trio und fühlt sich ebenfalls gleich zu Nick hingezogen.
Lilli ist Schauspielschülerin und probt aktuell ein Theaterstück mit ihrem Kollegen Stefan (Sinan Hancili), aber es gibt immer wieder Differenzen mit dem Regisseur des Stückes (Peter Beck). Diese Szenen und ganz besonders die mit Peter Beck gehören zu den humorvollsten Stellen des Films, der ansonsten auf ein eher tragisches Ende hinausläuft.
Doch noch sind Phillip, Lilli und Nick eine eingeschworene Gemeinschaft, die ihr Leben und ihre Freundschaft genießen. Phillip und Lilli haben keine Ahnung, was wirklich mit Nick los ist und geraten immer stärker in Gefahr, je näher sie ihm kommen. In der Zwischenzeit hat Nick immer wieder Begegnungen mit anderen Personen und lebt seinen Drang aus, sie zu töten. Ein unschuldiger Tourist oder auch eine Ladendiebin, für Nick macht das keinen Unterschied.
"Each man kills the thing he loves", so lautet das Zitat aus Oscar Wildes "The Ballad of Reading Gaol" aus dem Jahr 1898, das hier in Lillis Theaterstück erwähnt wird. Wer mit Fassbinder vertraut ist, kennt das natürlich aus "Querelle". Nick tötet die Menschen die er liebt, weil sie ihm zu nahe kommen. Er badet in ihrem Blut und wäscht es wieder ab. Er kann nicht aus seiner Haut, weil er keine Nähe zulassen kann.
Ja, der Film endet tragisch, Nick zieht weiter, einem ungewissen Schicksal entgegen, aber Phillip und Lilli mussten ihr Leben lassen.
Der neue Film von Tor Iben ist absolut sehenswert. Warum bekommt so ein Film hier in Deutschland keinen Vertrieb? Die Geschichte ist gut, die Darsteller sind sehr sehenswert und es gibt keinen Grund, diesen Film nur im Ausland erscheinen zu lassen.
Schade, denn Tor Iben erzählt hier eine großartige Geschichte, die das Queer-Cinema durchaus bereichert, weil er sich hier eben nicht auf konventionelle Rollenverteilungen einlässt, sondern diese mit Freude durchbricht. Wer hier wirklich homo- oder heterosexuell ist, wen interessiert das überhaupt?
Die Darsteller sind jedenfalls perfekt ausgewählt, Lynn Femme, Niklas Peters und Urs Stämpfli verkörpern ihre Rollen jederzeit glaubwürdig. Insgesamt gesehen ein toller Film, den man nicht verpassen sollte.
Posts mit dem Label Tor Iben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tor Iben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Montag, 10. Februar 2014
Sonntag, 22. Mai 2011
Love Kills
"Love Kills" ist eine Sammlung von drei Kurzfilmen von Tor Iben aus dem Jahr 2008. Tor Iben ist hier jeweils für Regie und Drehbuch und gleichzeitig auch noch für Kamera und Schnitt zuständig.
Die drei Filme sind jeweils ca. 30 Minuten lang und handeln von verschiedenen Liebesbeziehungen in Berlin, wobei die Stadt wieder einmal in sehr schönen sommerlichen Bildern eingefangen wurde.
"2, 3 Leben" (2005) offenbart einen Blick in das Leben von Diar (Carsten Bauhaus), der sich in den jungen Thami (Yarin Bylica) verguckt, aber diesen nur aus der Ferne beobachten kann.
"Blondie" (2006) handelt von einem jungen Mann (Michel Jung), der Blondie genannt wird und seinem Freund Alex (Florian Schmiemann) nach Berlin folgt. Sie teilen sich die Wohnung mit dem Russen Kyrill (Ivola Petrov), der sich schließlich in Blondie verliebt, aber der ist noch auf der Suche nach sich selbst.
"Love Kills" (2007) erzählt die Geschichte von Tim (Felix Isenbügel), der auf der Suche nach seiner sexuellen Identität ist. Er hat eine etwas überdrehte Mutter, eine Therapeutin und einen älteren Freund (Ingmar Skrinjar), aber helfen können sie ihm alle nicht. Eines Tages lernt er den Kleinkriminellen Bosi (Pedro Stirner) kennen und entwickelt eine merkwürdige Obsession für ihn. Doch Bosi will nichts von Tim und so ist dieser weiter im Park unterwegs, auf der Suche nach Sex und Antworten auf die ungestellten Fragen in seinem Leben.
Nachdem ich erst kürzlich den wunderbaren Film "Cibrâil" von Tor Iben sehen konnte, habe ich mich nun an diese Kurzfilme gemacht und bin ausgesprochen positiv überrascht. Das sind drei kleine Filmperlen, die wirklich Lust auf mehr machen. Mein absoluter Favorit ist dabei der Titel gebende Film "Love Kills", den ich schon mal in einer anderen Kurzfilmsammlung sehen konnte. Der geht direkt ins Herz und hat mit Felix Isenbügel einen hervorragenden Hauptdarsteller, der gleichzeitig verträumt und absolut hinreißend ist. Überhaupt hat Tor Iben bei der Auswahl seiner Darsteller ein gutes Händchen, denn hier passt jeder genau in seine Rolle. Sehr empfehlenswert.
Die drei Filme sind jeweils ca. 30 Minuten lang und handeln von verschiedenen Liebesbeziehungen in Berlin, wobei die Stadt wieder einmal in sehr schönen sommerlichen Bildern eingefangen wurde.
"2, 3 Leben" (2005) offenbart einen Blick in das Leben von Diar (Carsten Bauhaus), der sich in den jungen Thami (Yarin Bylica) verguckt, aber diesen nur aus der Ferne beobachten kann.
"Blondie" (2006) handelt von einem jungen Mann (Michel Jung), der Blondie genannt wird und seinem Freund Alex (Florian Schmiemann) nach Berlin folgt. Sie teilen sich die Wohnung mit dem Russen Kyrill (Ivola Petrov), der sich schließlich in Blondie verliebt, aber der ist noch auf der Suche nach sich selbst.
"Love Kills" (2007) erzählt die Geschichte von Tim (Felix Isenbügel), der auf der Suche nach seiner sexuellen Identität ist. Er hat eine etwas überdrehte Mutter, eine Therapeutin und einen älteren Freund (Ingmar Skrinjar), aber helfen können sie ihm alle nicht. Eines Tages lernt er den Kleinkriminellen Bosi (Pedro Stirner) kennen und entwickelt eine merkwürdige Obsession für ihn. Doch Bosi will nichts von Tim und so ist dieser weiter im Park unterwegs, auf der Suche nach Sex und Antworten auf die ungestellten Fragen in seinem Leben.
Nachdem ich erst kürzlich den wunderbaren Film "Cibrâil" von Tor Iben sehen konnte, habe ich mich nun an diese Kurzfilme gemacht und bin ausgesprochen positiv überrascht. Das sind drei kleine Filmperlen, die wirklich Lust auf mehr machen. Mein absoluter Favorit ist dabei der Titel gebende Film "Love Kills", den ich schon mal in einer anderen Kurzfilmsammlung sehen konnte. Der geht direkt ins Herz und hat mit Felix Isenbügel einen hervorragenden Hauptdarsteller, der gleichzeitig verträumt und absolut hinreißend ist. Überhaupt hat Tor Iben bei der Auswahl seiner Darsteller ein gutes Händchen, denn hier passt jeder genau in seine Rolle. Sehr empfehlenswert.
Sonntag, 15. Mai 2011
Cibrâil
"Cibrâil - Eine Liebe in Berlin" ist ein Film von Tor Iben (Regie, Drehbuch und Schnitt) aus dem Jahr 2011.
Cibrâil (Sinan Hancili) ist ein junger türkischstämmiger Streifenpolizist in Berlin. Er lebt mit seiner Freundin, der Galeristin Christine (Martina Hesse), in einer schönen großen Altbauwohnung. Die beiden sind ein scheinbar glückliches und harmonisches Paar, aber Cibrâil kann nicht schlafen und geht stattdessen laufen. Er trainiert für den Berlin-Marathon, aber als Zuschauer ahnt man schon bald, er läuft vor irgendetwas davon und kommt offensichtlich nicht zur Ruhe.
Eines Tages kündigt sich Christines Cousin Marco (Engin Sert), der in Rom lebt, zu Besuch an. Er will für ein paar Tage nach Berlin kommen und wird in der Zeit bei Cibrâil und Christine wohnen. Da die beiden jedoch arbeiten müssen, zieht Marco allein durch die Stadt und erkundet Berlin auf eigene Faust. Marco und Cibrâil sind sich gleich sympathisch, doch Cibrâil merkt, dass da noch mehr ist, als nur Freundschaft. Der offen schwule Marco weckt Cibrâils geheimste Begierden und es dauert nicht lange, bis beide diesen nachgeben. Kurz bevor Marco wieder abreisen will, werden sie allerdings von Christine überrascht, die daraufhin ihren Freund verlässt. Cibrâil bleibt allein zurück, verwirrt und ratlos und irgendwie verloren in der großen, nun fast leeren Wohnung. Doch dann klingelt es an der Tür...
Ich gerate mal wieder ins Schwärmen, denn das ist ein kleiner experimenteller Low Budget-Film, der wirklich sehr berührend ist. Bekannterweise habe ich ja eine Schwäche für diese kleinen Filme, wenn sie denn gut gemacht sind und eine Geschichte zu erzählen haben. In diesem Fall stimmt einfach alles, die Story ist gut, die Darsteller sind authentisch und überzeugend, ich habe ausnahmsweise mal gar nichts zu meckern. Kleiner Scherz, natürlich habe ich was zu meckern und das betrifft den Polizistenkollegen Stefan (Peter Beck), der ist wirklich ganz schlimm geraten. Ich hoffe doch sehr, das sollte nur eine Karikatur sein und ist nicht ernst gemeint, oder?
Insgesamt gesehen ist hier ein hübscher kleiner Berlin-Film entstanden, der wirklich sehr gut gelungen ist. Wie Tor Iben in einem Interview gesagt hat, ist das ein Coming-Out Drama, ohne Coming-Out, auch wenn ich ihm da widersprechen möchte, weil ich das etwas anders sehe. Die Figur des Cibrâil macht aus meiner Sicht schon eine entscheidende Wendung durch. Dass er anfangs keine Gefühle zeigen oder auch nur zulassen kann, obwohl die Leidenschaft doch in ihm brennt, sieht am Ende des Films schon ganz anders aus, auch wenn ihm sicher noch etwas der Mut fehlt, ganz zu seinem Gefühlsleben zu stehen. Wie auch immer, der Film hat mich durchaus überzeugt und ist es definitiv wert, angeschaut zu werden. Die knapp 70 Minuten Laufzeit reichen aus, eine glaubhafte Geschichte zu erzählen. Ganz großes Lob an den Regisseur und an die Darsteller, die wirklich tolle Arbeit geleistet haben. Ein schöner kleiner und absolut sehenswerter Film, dem ich viele Zuschauer wünsche.
Cibrâil (Sinan Hancili) ist ein junger türkischstämmiger Streifenpolizist in Berlin. Er lebt mit seiner Freundin, der Galeristin Christine (Martina Hesse), in einer schönen großen Altbauwohnung. Die beiden sind ein scheinbar glückliches und harmonisches Paar, aber Cibrâil kann nicht schlafen und geht stattdessen laufen. Er trainiert für den Berlin-Marathon, aber als Zuschauer ahnt man schon bald, er läuft vor irgendetwas davon und kommt offensichtlich nicht zur Ruhe.
Eines Tages kündigt sich Christines Cousin Marco (Engin Sert), der in Rom lebt, zu Besuch an. Er will für ein paar Tage nach Berlin kommen und wird in der Zeit bei Cibrâil und Christine wohnen. Da die beiden jedoch arbeiten müssen, zieht Marco allein durch die Stadt und erkundet Berlin auf eigene Faust. Marco und Cibrâil sind sich gleich sympathisch, doch Cibrâil merkt, dass da noch mehr ist, als nur Freundschaft. Der offen schwule Marco weckt Cibrâils geheimste Begierden und es dauert nicht lange, bis beide diesen nachgeben. Kurz bevor Marco wieder abreisen will, werden sie allerdings von Christine überrascht, die daraufhin ihren Freund verlässt. Cibrâil bleibt allein zurück, verwirrt und ratlos und irgendwie verloren in der großen, nun fast leeren Wohnung. Doch dann klingelt es an der Tür...
Ich gerate mal wieder ins Schwärmen, denn das ist ein kleiner experimenteller Low Budget-Film, der wirklich sehr berührend ist. Bekannterweise habe ich ja eine Schwäche für diese kleinen Filme, wenn sie denn gut gemacht sind und eine Geschichte zu erzählen haben. In diesem Fall stimmt einfach alles, die Story ist gut, die Darsteller sind authentisch und überzeugend, ich habe ausnahmsweise mal gar nichts zu meckern. Kleiner Scherz, natürlich habe ich was zu meckern und das betrifft den Polizistenkollegen Stefan (Peter Beck), der ist wirklich ganz schlimm geraten. Ich hoffe doch sehr, das sollte nur eine Karikatur sein und ist nicht ernst gemeint, oder?
Insgesamt gesehen ist hier ein hübscher kleiner Berlin-Film entstanden, der wirklich sehr gut gelungen ist. Wie Tor Iben in einem Interview gesagt hat, ist das ein Coming-Out Drama, ohne Coming-Out, auch wenn ich ihm da widersprechen möchte, weil ich das etwas anders sehe. Die Figur des Cibrâil macht aus meiner Sicht schon eine entscheidende Wendung durch. Dass er anfangs keine Gefühle zeigen oder auch nur zulassen kann, obwohl die Leidenschaft doch in ihm brennt, sieht am Ende des Films schon ganz anders aus, auch wenn ihm sicher noch etwas der Mut fehlt, ganz zu seinem Gefühlsleben zu stehen. Wie auch immer, der Film hat mich durchaus überzeugt und ist es definitiv wert, angeschaut zu werden. Die knapp 70 Minuten Laufzeit reichen aus, eine glaubhafte Geschichte zu erzählen. Ganz großes Lob an den Regisseur und an die Darsteller, die wirklich tolle Arbeit geleistet haben. Ein schöner kleiner und absolut sehenswerter Film, dem ich viele Zuschauer wünsche.
Abonnieren
Posts (Atom)



