"Zärtlichkeit" - "La tendresse" ist ein Film von Marion Hänsel (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013.
Der junge Belgier Jack (Adrien Jolivet) arbeitet als Skilehrer in den französischen Alpen. Als er sich bei einem Skiunfall das Bein bricht und keine Versicherung seinen Rücktransport nach Belgien übernimmt, machen sich seine geschiedenen Eltern auf den Weg, ihren Sohn abzuholen.
Lise (Marilyne Canto) und Frans (Olivier Gourmet) sind seit fünfzehn Jahren getrennt, aber einander immer noch in Freundschaft verbunden. Es fällt kein böses Wort zwischen ihnen, im Gegenteil, sie können über ihre kleinen Macken und Fehler lachen. Der stets überlegt handelnde Frans und die leicht chaotische Lise scheinen zwar sehr unterschiedlich zu sein, aber sie eint die Liebe zu ihrem Sohn Jack und die Erinnerung an ihre gemeinsame Vergangenheit.
Von Belgien aus führt sie der Weg auf einer neunstündigen Autofahrt nach Frankreich, wo Jack bereits aus dem Krankenhaus entlassen wurde und zusammen mit seiner Freundin Alison (Margaux Châtelier) wieder in seiner Unterkunft angekommen ist. Die Wege von Jack und Alison werden sich nun trennen und beide genießen noch die Zeit, die ihnen bleibt.
Nach einem letzten gemeinsamen Abend zu viert, geht es am nächsten Morgen zurück nach Frankreich. Jack macht es sich so gut es geht im Geländewagen seines Vaters bequem, während Lise mit dem Auto ihres Sohnes den beiden nachfährt. Unterwegs nimmt sie den Anhalter Léo (Sergi López) mit, einen Seemann, der auf dem Weg nach Norwegen ist. Léo übernimmt auch für einige Zeit das Steuer, damit Lise schlafen kann und verabschiedet sich bei einem Halt, um weiter per Anhalter Richtung Norden zu kommen.
Am späten Abend erreicht die Familie ihr Ziel, alle sind müde, aber glücklich über den Verlauf der Reise.
Mehr passiert nicht und das muss es auch nicht. Es gibt keine Dramen zu erleben, sondern einfach eine kleine, wenn auch getrennte Familie, die sich gegenseitig hilft und füreinander da ist. Das ist total unspektakulär und wunderschön. Wer auf Action steht, der ist hier definitiv im falschen Film. Mir hat dieser großartige kleine Film, der gerade mal rund 75 Minuten dauert, allerdings ausgesprochen gut gefallen. Wie erholsam, auch mal so eine leise Geschichte erleben zu können, in der praktisch kaum etwas geschieht und die doch von Anfang bis Ende fesselt, wenn man sich darauf einlassen kann.
Die Schauspieler sind ein Traum, allein schon wegen Marilyne Canto und Olivier Gourmet muss man diesen Film lieben. Und auch der immer wunderbare Sergi López verleiht seiner kleinen Rolle einen besonderen Zauber.
Die DVD ist bei Salzgeber erschienen, was ich sehr begrüße, denn sonst wäre dieser fabelhafte kleine Film wohl völlig untergegangen. Ganz große Empfehlung von mir.
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Samstag, 13. Dezember 2014
Dienstag, 19. März 2013
Der Aufsteiger
"Der Aufsteiger" - "L'exercice de l'État" ist ein Film von Pierre Schoeller (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2011. Produziert wurde der Film unter anderem auch von den Brüdern Jean-Pierre und Luc Dardenne.
Bertrand Saint-Jean (Olivier Gourmet) ist Verkehrsminister in Frankreich und noch ziemlich neu in seinem Amt. Politisch hat er noch keine größeren Spuren hinterlassen, er ist noch der Aufsteiger, der aber aus kleinen Verhältnissen kommt und dem die Karriere nicht in die Wiege gelegt wurde. Das unterscheidet ihn von vielen seiner Kollegen.
Eines Nachts, nach einem mit diversen Symbolen aufgeladenen Traum von Macht und Sex, erhält er einen Anruf. In den Ardennen ist ein Reisebus mit Jugendlichen in eine Schlucht gestürzt und es gibt zahlreiche Opfer zu beklagen. Saint-Jean fährt mit seiner PR-Frau Pauline (Zabou Breitman) an die Unglücksstelle, um sein Mitgefühl auszudrücken. Die Kameras laufen und er soll Vertrauen und Engagement ausstrahlen.
Kurze Zeit später wird man Saint-Jean mit der Privatisierung der Bahnhöfe beauftragen, ein Projekt, das er bisher immer abgelehnt hat und für das er sich nun stark machen soll. Saint-Jean erhält Unterstützung von seinem treuen Stabchef Gilles (Michel Blanc), der im Hintergrund die Fäden zieht und über jeden nur möglichen Kontakt verfügt. Er ist ein alter Hase, der weiß wie das Spiel läuft.
Saint-Jeans Fahrer geht in die Elternzeit, also muss ein neuer Fahrer her. Seine Mitarbeiter engagieren den Langzeitarbeitslosen Martin Kuypers (Sylvain Deblé) als Ersatz. Auch das soll Saint-Jean Sympathien einbringen. Für seine Frau Séverine (Arly Jover) hat Saint-Jean kaum Zeit, sein Alltag besteht aus Meetings, Telefonaten und langen Autofahrten. Ständig hängt er am Telefon, berät sich mit Gilles oder Pauline, während höhere Kreise schon wieder über seine eigentlichen Aufgaben Entscheidungen treffen.
Dann passiert das nächste Unglück und dieses Mal trifft es Saint-Jean selbst. Auf einer neuen, jedoch noch nicht freigegebenen Autobahn verunglückt das Auto des Ministers. Während er und ein Mitarbeiter verletzt werden, stirbt Martin Kuypers, der Fahrer. Durch den Unfall und das Interesse der Medien gewinnt Saint-Jean Sympathien, die auch von höherer Stelle wahrgenommen werden. Man bietet ihm einen neuen Posten an, die ungeliebte Privatisierung der Bahnhöfe ist er damit los, dafür muss ein neues Bauernopfer gefunden werden.
Saint-Jean hat das Spiel der Mächtigen, die Intrigen und vor allen Dingen den Kampf um den eigenen Machterhalt inzwischen begriffen. Dumm nur, dass dafür auch ein guter Freund auf der Strecke bleiben muss, aber so ist eben das Geschäft...
Ja, eigentlich ein trockenes Thema, aber dieser Film ist über seine Laufzeit von ca. 115 Minuten wirklich durchgehend sehenswert und interessant. Dass Politiker gute und engagierte Menschen sind, die sich für das gemeine Volk einsetzten, glaubt ja wohl niemand mehr und dass dieser Film nur die französische Politik aufs Korn nimmt, glaube ich schon gar nicht. Die Beschreibung der Verhältnisse ist wohl schon sehr universell.
Die Schauspieler sind hervorragend ausgewählt, allen voran der wunderbare Olivier Gourmet, den ich gar nicht genug loben kann. Er ist die perfekte Besetzung für diese Rolle. An seiner Seite glänzt Michel Blanc in seiner Rolle als Vertrauter und Stabchef, der immer den Überblick behält. Großartig gespielt.
Insgesamt gesehen ein sehr sehenswerter Film, der vermutlich nicht viele Zuschauer haben wird, was ausgesprochen schade ist. Verdient hätte er es in jedem Fall.
Bertrand Saint-Jean (Olivier Gourmet) ist Verkehrsminister in Frankreich und noch ziemlich neu in seinem Amt. Politisch hat er noch keine größeren Spuren hinterlassen, er ist noch der Aufsteiger, der aber aus kleinen Verhältnissen kommt und dem die Karriere nicht in die Wiege gelegt wurde. Das unterscheidet ihn von vielen seiner Kollegen.
Eines Nachts, nach einem mit diversen Symbolen aufgeladenen Traum von Macht und Sex, erhält er einen Anruf. In den Ardennen ist ein Reisebus mit Jugendlichen in eine Schlucht gestürzt und es gibt zahlreiche Opfer zu beklagen. Saint-Jean fährt mit seiner PR-Frau Pauline (Zabou Breitman) an die Unglücksstelle, um sein Mitgefühl auszudrücken. Die Kameras laufen und er soll Vertrauen und Engagement ausstrahlen.
Kurze Zeit später wird man Saint-Jean mit der Privatisierung der Bahnhöfe beauftragen, ein Projekt, das er bisher immer abgelehnt hat und für das er sich nun stark machen soll. Saint-Jean erhält Unterstützung von seinem treuen Stabchef Gilles (Michel Blanc), der im Hintergrund die Fäden zieht und über jeden nur möglichen Kontakt verfügt. Er ist ein alter Hase, der weiß wie das Spiel läuft.
Saint-Jeans Fahrer geht in die Elternzeit, also muss ein neuer Fahrer her. Seine Mitarbeiter engagieren den Langzeitarbeitslosen Martin Kuypers (Sylvain Deblé) als Ersatz. Auch das soll Saint-Jean Sympathien einbringen. Für seine Frau Séverine (Arly Jover) hat Saint-Jean kaum Zeit, sein Alltag besteht aus Meetings, Telefonaten und langen Autofahrten. Ständig hängt er am Telefon, berät sich mit Gilles oder Pauline, während höhere Kreise schon wieder über seine eigentlichen Aufgaben Entscheidungen treffen.
Dann passiert das nächste Unglück und dieses Mal trifft es Saint-Jean selbst. Auf einer neuen, jedoch noch nicht freigegebenen Autobahn verunglückt das Auto des Ministers. Während er und ein Mitarbeiter verletzt werden, stirbt Martin Kuypers, der Fahrer. Durch den Unfall und das Interesse der Medien gewinnt Saint-Jean Sympathien, die auch von höherer Stelle wahrgenommen werden. Man bietet ihm einen neuen Posten an, die ungeliebte Privatisierung der Bahnhöfe ist er damit los, dafür muss ein neues Bauernopfer gefunden werden.
Saint-Jean hat das Spiel der Mächtigen, die Intrigen und vor allen Dingen den Kampf um den eigenen Machterhalt inzwischen begriffen. Dumm nur, dass dafür auch ein guter Freund auf der Strecke bleiben muss, aber so ist eben das Geschäft...
Ja, eigentlich ein trockenes Thema, aber dieser Film ist über seine Laufzeit von ca. 115 Minuten wirklich durchgehend sehenswert und interessant. Dass Politiker gute und engagierte Menschen sind, die sich für das gemeine Volk einsetzten, glaubt ja wohl niemand mehr und dass dieser Film nur die französische Politik aufs Korn nimmt, glaube ich schon gar nicht. Die Beschreibung der Verhältnisse ist wohl schon sehr universell.
Die Schauspieler sind hervorragend ausgewählt, allen voran der wunderbare Olivier Gourmet, den ich gar nicht genug loben kann. Er ist die perfekte Besetzung für diese Rolle. An seiner Seite glänzt Michel Blanc in seiner Rolle als Vertrauter und Stabchef, der immer den Überblick behält. Großartig gespielt.
Insgesamt gesehen ein sehr sehenswerter Film, der vermutlich nicht viele Zuschauer haben wird, was ausgesprochen schade ist. Verdient hätte er es in jedem Fall.
Montag, 11. Februar 2013
Saat des Todes
"Saat des Todes" - "Pars vite et reviens tard" ist ein Film von Régis Wargnier aus dem Jahr 2007 und beruht auf einem Roman der französischen Schriftstellerin Fred Vargas.
In der Innenstadt von Paris werden in einigen Häusern die Wohnungstüren mit dem Symbol einer umgekehrten Vier beschmiert. Die Polizei ist zunächst ratlos, nimmt das aber auch nicht allzu ernst. Dann verteilt ein Unbekannter Nachrichten, die von der Rückkehr der Pest sprechen und eine Warnung sein sollen. Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg (José Garcia) und sein Mitarbeiter Danglard (Lucas Belvaux) nehmen sich der Sache an und beginnen mit ihren Ermittlungen.
Sie lernen den älteren Hervé Decambrais (Michel Serrault) kennen, der in dem Viertel lebt und sich dort auskennt. Er identifiziert die Vier als eine Art Schutzsymbol, das im Mittelalter verwendet wurde, um die Pest abzuwenden. Als dann die ersten Toten gefunden werden, deren Körper mit schwarzen Flecken versehen sind, bricht langsam Panik aus. Ist das wirklich die Pest oder spielt hier jemand ein ganz böses Spiel?
Kommissar Adamsberg kann sich sonst ganz auf seine Intuition verlassen, aber da sich gerade seine Geliebte Camille (Linh Dan Pham) von ihm getrennt hat, ist es Essig mit seiner Gabe. Er stochert im Dunkeln und kommt nur langsam voran, ehe er die Zusammenhänge begreift. Das eigentliche Unglück liegt weit in der Vergangenheit und der oder die Täter müssen endlich aufgehalten werden.
Die eigentliche Auflösung ist vielleicht ein bisschen weit hergeholt und um mindestens fünf Ecken gedacht, aber trotzdem durchaus spannend, wie auch der ganze Film. Der ist mit fast zwei Stunden Laufzeit zwar lang, aber niemals langweilig, auch wenn wenig passiert. Mir hat er sehr gut gefallen, weil er so schön unaufgeregt ist und durch seine guten Schauspieler überzeugen kann. Neben José Garcia und Lucas Belvaux können besonders noch Michel Serrault, Olivier Gourmet und Nicolas Cazalé in ihren Rollen begeistern.
Insgesamt gesehen ein durchaus empfehlenswerter Film, der sich wohltuend vom Mainstream abhebt und allein wegen seiner Geschichte und Darsteller extrem sehenswert ist. Nicht für jeden Geschmack geeignet, denn Action-Liebhaber werden sich hier nur langweilen. Alle anderen sollten einen Blick riskieren.
In der Innenstadt von Paris werden in einigen Häusern die Wohnungstüren mit dem Symbol einer umgekehrten Vier beschmiert. Die Polizei ist zunächst ratlos, nimmt das aber auch nicht allzu ernst. Dann verteilt ein Unbekannter Nachrichten, die von der Rückkehr der Pest sprechen und eine Warnung sein sollen. Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg (José Garcia) und sein Mitarbeiter Danglard (Lucas Belvaux) nehmen sich der Sache an und beginnen mit ihren Ermittlungen.
Sie lernen den älteren Hervé Decambrais (Michel Serrault) kennen, der in dem Viertel lebt und sich dort auskennt. Er identifiziert die Vier als eine Art Schutzsymbol, das im Mittelalter verwendet wurde, um die Pest abzuwenden. Als dann die ersten Toten gefunden werden, deren Körper mit schwarzen Flecken versehen sind, bricht langsam Panik aus. Ist das wirklich die Pest oder spielt hier jemand ein ganz böses Spiel?
Kommissar Adamsberg kann sich sonst ganz auf seine Intuition verlassen, aber da sich gerade seine Geliebte Camille (Linh Dan Pham) von ihm getrennt hat, ist es Essig mit seiner Gabe. Er stochert im Dunkeln und kommt nur langsam voran, ehe er die Zusammenhänge begreift. Das eigentliche Unglück liegt weit in der Vergangenheit und der oder die Täter müssen endlich aufgehalten werden.
Die eigentliche Auflösung ist vielleicht ein bisschen weit hergeholt und um mindestens fünf Ecken gedacht, aber trotzdem durchaus spannend, wie auch der ganze Film. Der ist mit fast zwei Stunden Laufzeit zwar lang, aber niemals langweilig, auch wenn wenig passiert. Mir hat er sehr gut gefallen, weil er so schön unaufgeregt ist und durch seine guten Schauspieler überzeugen kann. Neben José Garcia und Lucas Belvaux können besonders noch Michel Serrault, Olivier Gourmet und Nicolas Cazalé in ihren Rollen begeistern.
Insgesamt gesehen ein durchaus empfehlenswerter Film, der sich wohltuend vom Mainstream abhebt und allein wegen seiner Geschichte und Darsteller extrem sehenswert ist. Nicht für jeden Geschmack geeignet, denn Action-Liebhaber werden sich hier nur langweilen. Alle anderen sollten einen Blick riskieren.
Montag, 21. Januar 2013
Der Sohn
"Der Sohn" - "Le Fils" ist ein Film von Jean-Pierre und Luc Dardenne (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2002.
Olivier (Olivier Gourmet), ein Mann um die Vierzig, arbeitet als Lehrmeister in einer Schreinerei, in der unter anderem jugendliche Straftäter ausgebildet werden. Eines Tages bekommt er eine neue Bewerbung vorgelegt. Francis (Morgan Marinne) wurde gerade aus der Jugendstrafanstalt Fraipont entlassen und möchte nun eine Ausbildung beginnen. Olivier lehnt die Bewerbung ab und schickt die Akte in eine andere Abteilung. Aufgewühlt geht er seiner Arbeit nach und versucht heimlich, einen Blick auf den Jungen werfen zu können.
Am Abend ist Olivier allein in seiner kleinen und kargen Wohnung und bekommt überraschend Besuch von einer Frau. Seine Ex-Frau Magali (Isabella Soupart) teilt ihm mit, wieder heiraten zu wollen und schwanger zu sein. Er lässt sie fast wortlos wieder gehen, zu sehr haben ihn die Ereignisse des Tages beschäftigt.
Olivier nimmt Francis doch als Auszubildenden auf, weil dieser bei den Schweißern nicht gut aufgehoben ist. Er ist wie besessen von dem Jungen, dem er auf Schritt und Tritt folgt, um etwas über ihn zu erfahren. Heimlich folgt er ihm nach Hause und wird dabei von Francis ertappt, der sich in der fremden Gegend verlaufen hat und den Weg zu seiner kleinen Wohnung nicht kennt.
Am nächsten Tag besorgt sich Olivier die Schlüssel zu der Wohnung von Francis und sieht sich dort um. Es gibt nur einen Raum mit einer kleinen Kochzeile und einem Bett. Neben dem Bett steht ein Stuhl mit einem Radio-Recorder darauf und ein paar Tabletten. Nach Feierabend fragt Olivier Francis, ob er ihn am nächsten Tag zum Sägewerk seines Bruders begleiten will, um Holz auszusuchen. Gemeinsam machen sich beide am nächsten Morgen auf den Weg, der noch einige Überraschungen bereithält.
Olivier fragt Francis aus, warum er in Fraipont war, obwohl er die Antwort längst weiß. Francis hat als Elfjähriger ein Autoradio gestohlen und wurde dabei von dem kleinen Sohn von Olivier und Magali überrascht, den er vor lauter Panik erwürgt hat. Als Francis von Olivier erfährt, dass dieser der Vater des toten Jungen ist, läuft er panisch davon. Olivier holt ihn ein und es kommt zu einem kurzen Kampf, bevor Olivier von seinem Opfer ablässt. Am Ende laden beide das Holz auf den Anhänger, wie geplant.
Erneut ein grandioser Film der Dardenne-Brüder, der sehr zu Herzen geht und bewegt. Ein stiller Film, in dem es keine Musik gibt und die wird auch gar nicht vermisst. Hier geht es nur um Emotionen und die kann man nur erkennen, wenn man dem Geschehen aufmerksam folgt. Wer das langweilig findet, der ist im falschen Film. Jean-Pierre und Luc Dardenne gehören zweifellos zu den besten Filmemachern überhaupt und auch dieser Film ist wieder ein echtes Erlebnis.
Wie üblich überzeugt der großartige Olivier Gourmet auf ganzer Linie und auch der junge Morgan Marinne kann in seiner Rolle glänzen. Kein leichtes Vergnügen, aber ein sehr empfehlenswerter Film, der stark im Gedächtnis bleibt.
Olivier (Olivier Gourmet), ein Mann um die Vierzig, arbeitet als Lehrmeister in einer Schreinerei, in der unter anderem jugendliche Straftäter ausgebildet werden. Eines Tages bekommt er eine neue Bewerbung vorgelegt. Francis (Morgan Marinne) wurde gerade aus der Jugendstrafanstalt Fraipont entlassen und möchte nun eine Ausbildung beginnen. Olivier lehnt die Bewerbung ab und schickt die Akte in eine andere Abteilung. Aufgewühlt geht er seiner Arbeit nach und versucht heimlich, einen Blick auf den Jungen werfen zu können.
Am Abend ist Olivier allein in seiner kleinen und kargen Wohnung und bekommt überraschend Besuch von einer Frau. Seine Ex-Frau Magali (Isabella Soupart) teilt ihm mit, wieder heiraten zu wollen und schwanger zu sein. Er lässt sie fast wortlos wieder gehen, zu sehr haben ihn die Ereignisse des Tages beschäftigt.
Olivier nimmt Francis doch als Auszubildenden auf, weil dieser bei den Schweißern nicht gut aufgehoben ist. Er ist wie besessen von dem Jungen, dem er auf Schritt und Tritt folgt, um etwas über ihn zu erfahren. Heimlich folgt er ihm nach Hause und wird dabei von Francis ertappt, der sich in der fremden Gegend verlaufen hat und den Weg zu seiner kleinen Wohnung nicht kennt.
Am nächsten Tag besorgt sich Olivier die Schlüssel zu der Wohnung von Francis und sieht sich dort um. Es gibt nur einen Raum mit einer kleinen Kochzeile und einem Bett. Neben dem Bett steht ein Stuhl mit einem Radio-Recorder darauf und ein paar Tabletten. Nach Feierabend fragt Olivier Francis, ob er ihn am nächsten Tag zum Sägewerk seines Bruders begleiten will, um Holz auszusuchen. Gemeinsam machen sich beide am nächsten Morgen auf den Weg, der noch einige Überraschungen bereithält.
Olivier fragt Francis aus, warum er in Fraipont war, obwohl er die Antwort längst weiß. Francis hat als Elfjähriger ein Autoradio gestohlen und wurde dabei von dem kleinen Sohn von Olivier und Magali überrascht, den er vor lauter Panik erwürgt hat. Als Francis von Olivier erfährt, dass dieser der Vater des toten Jungen ist, läuft er panisch davon. Olivier holt ihn ein und es kommt zu einem kurzen Kampf, bevor Olivier von seinem Opfer ablässt. Am Ende laden beide das Holz auf den Anhänger, wie geplant.
Erneut ein grandioser Film der Dardenne-Brüder, der sehr zu Herzen geht und bewegt. Ein stiller Film, in dem es keine Musik gibt und die wird auch gar nicht vermisst. Hier geht es nur um Emotionen und die kann man nur erkennen, wenn man dem Geschehen aufmerksam folgt. Wer das langweilig findet, der ist im falschen Film. Jean-Pierre und Luc Dardenne gehören zweifellos zu den besten Filmemachern überhaupt und auch dieser Film ist wieder ein echtes Erlebnis.
Wie üblich überzeugt der großartige Olivier Gourmet auf ganzer Linie und auch der junge Morgan Marinne kann in seiner Rolle glänzen. Kein leichtes Vergnügen, aber ein sehr empfehlenswerter Film, der stark im Gedächtnis bleibt.
Sonntag, 13. Januar 2013
Rosetta
"Rosetta" ist ein Film von Jean-Pierre und Luc Dardenne (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1999.
Die junge Rosetta (Émilie Dequenne) lebt zusammen mit ihrer alkoholabhängigen Mutter (Anne Yernaux) in einer schäbigen Wohnwagensiedlung. Schon früh muss sie sich um alles selbst kümmern, weil die Mutter meistens zu nichts zu gebrauchen ist. Verzweifelt versucht Rosetta eine Arbeit zu bekommen, um Geld zu verdienen und dem tristen Umfeld zu entkommen.
Als Rosetta den Job in der Fabrik nach Ende der Probezeit verliert, greift sie ihren Vorgesetzten an, bis der den Wachdienst ruft und sie vor die Tür setzt. An einem Imbiss kauft sie sich wie üblich eine Waffel, der einzige Luxus, den sie sich gönnt. Dort arbeitet der junge Riquet (Fabrizio Rongione), der spürt, wie verloren Rosetta ist. Er verschafft ihr einen neuen Job, weil sein Chef (Olivier Gourmet) eine Hilfe in der Backstube braucht.
Rosetta freundet sich mit Riquet an, endlich versteht sie jemand und akzeptiert sie so, wie sie ist. Sie schläft glücklich ein, denn sie hat Arbeit, einen Freund und sie wird nicht abstürzen. Am nächsten Tag setzt ihr Chef sie vor die Tür, er hat eine andere Kraft gefunden. Völlig fassungslos und enttäuscht über diesen Fehlschlag, wird Rosetta zur Verräterin und schreckt in ihrer Verzweiflung nicht davor zurück, ihren einzigen Freund Riquet bei seinem Chef anzuschwärzen, um an seinen Job zu kommen. Das gelingt ihr zwar, aber glücklich wird sie damit nicht. Auch wenn das Leben es nicht gut mit ihr meint, so grausam kann sie einfach nicht sein.
Dieser Film der Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne ist ebenfalls wieder ein Schlag in den Magen der Zuschauer, das sollte man wissen, denn das ist ihre Spezialität. Auch die Art der Kameraführung ist hier sehr speziell, denn man folgt Rosetta auf Schritt und Tritt und das ist manchmal ganz schön wackelig. Sie rennt ständig, sie kämpft unablässig gegen alles, nur um nie in Stillstand zu verfallen, um nicht aufzugeben. Rosetta arbeitet nach Plan, sie will Ordnung halten, den Überblick behalten, sonst wird sie nur wie ihre eigene Mutter enden.
Sie will eine Arbeit haben, um akzeptiert zu werden, um ein Mensch zu sein, der etwas wert ist. Wenn man ihr das nimmt, dann nimmt man ihr alles. Nur so lässt sich erklären, wie sie so eiskalt handeln konnte.
Schön ist das alles nicht, aber trotzdem sehr sehenswert, wie üblich bei den Dardennes. Ihr genauer Blick auf das menschliche Elend ist zwar schmerzhaft, aber eben auch ehrlich. Nach neunzig Minuten ist man dann auch ziemlich erledigt, aber Rosetta geht einem nicht so schnell aus dem Kopf. Die junge Émilie Dequenne ist fabelhaft in ihrer Rolle und der Film ist sehr empfehlenswert. Leider ist auch "Rosetta" nur als Import zu haben, eine deutsche Veröffentlichung gibt es nicht.
Die junge Rosetta (Émilie Dequenne) lebt zusammen mit ihrer alkoholabhängigen Mutter (Anne Yernaux) in einer schäbigen Wohnwagensiedlung. Schon früh muss sie sich um alles selbst kümmern, weil die Mutter meistens zu nichts zu gebrauchen ist. Verzweifelt versucht Rosetta eine Arbeit zu bekommen, um Geld zu verdienen und dem tristen Umfeld zu entkommen.
Als Rosetta den Job in der Fabrik nach Ende der Probezeit verliert, greift sie ihren Vorgesetzten an, bis der den Wachdienst ruft und sie vor die Tür setzt. An einem Imbiss kauft sie sich wie üblich eine Waffel, der einzige Luxus, den sie sich gönnt. Dort arbeitet der junge Riquet (Fabrizio Rongione), der spürt, wie verloren Rosetta ist. Er verschafft ihr einen neuen Job, weil sein Chef (Olivier Gourmet) eine Hilfe in der Backstube braucht.
Rosetta freundet sich mit Riquet an, endlich versteht sie jemand und akzeptiert sie so, wie sie ist. Sie schläft glücklich ein, denn sie hat Arbeit, einen Freund und sie wird nicht abstürzen. Am nächsten Tag setzt ihr Chef sie vor die Tür, er hat eine andere Kraft gefunden. Völlig fassungslos und enttäuscht über diesen Fehlschlag, wird Rosetta zur Verräterin und schreckt in ihrer Verzweiflung nicht davor zurück, ihren einzigen Freund Riquet bei seinem Chef anzuschwärzen, um an seinen Job zu kommen. Das gelingt ihr zwar, aber glücklich wird sie damit nicht. Auch wenn das Leben es nicht gut mit ihr meint, so grausam kann sie einfach nicht sein.
Dieser Film der Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne ist ebenfalls wieder ein Schlag in den Magen der Zuschauer, das sollte man wissen, denn das ist ihre Spezialität. Auch die Art der Kameraführung ist hier sehr speziell, denn man folgt Rosetta auf Schritt und Tritt und das ist manchmal ganz schön wackelig. Sie rennt ständig, sie kämpft unablässig gegen alles, nur um nie in Stillstand zu verfallen, um nicht aufzugeben. Rosetta arbeitet nach Plan, sie will Ordnung halten, den Überblick behalten, sonst wird sie nur wie ihre eigene Mutter enden.
Sie will eine Arbeit haben, um akzeptiert zu werden, um ein Mensch zu sein, der etwas wert ist. Wenn man ihr das nimmt, dann nimmt man ihr alles. Nur so lässt sich erklären, wie sie so eiskalt handeln konnte.
Schön ist das alles nicht, aber trotzdem sehr sehenswert, wie üblich bei den Dardennes. Ihr genauer Blick auf das menschliche Elend ist zwar schmerzhaft, aber eben auch ehrlich. Nach neunzig Minuten ist man dann auch ziemlich erledigt, aber Rosetta geht einem nicht so schnell aus dem Kopf. Die junge Émilie Dequenne ist fabelhaft in ihrer Rolle und der Film ist sehr empfehlenswert. Leider ist auch "Rosetta" nur als Import zu haben, eine deutsche Veröffentlichung gibt es nicht.
Montag, 7. Januar 2013
La Promesse
"La Promesse" - "Das Versprechen" ist ein Film von Jean-Pierre und Luc Dardenne (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1996.
In Seraing, einer kleinen Stadt in Belgien, lebt der junge Igor (Jérémie Renier) zusammen mit seinem Vater Roger (Olivier Gourmet). Roger schleust Migranten ins Land, überlässt ihnen schlechte Unterkünfte zu Wuchermieten und beschäftigt sie illegal auf Baustellen. Igor macht eigentlich eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, aber weil sein Vater ihn stets braucht, bricht er die Ausbildung ab.
Von Roger lernt Igor, wie man mit fremden Menschen Geld verdient und er ist ein gelehriger Schüler. Schon früh wird ihm viel Verantwortung übertragen, er macht seine Sache gut und ohne Fragen zu stellen. Eine Kindheit hat er allerdings nicht. Roger verlässt sich auf seinen Sohn, ohne sich je Gedanken darüber zu machen, ob er ihm vielleicht zu viel zumutet.
Dann gibt es einen Unfall auf einer privaten Baustelle. Der Afrikaner Amidou (Rasmane Ouedraogo) stürzt vom Gerüst und bleibt bewegungslos liegen. Igor bleibt bei ihm und verspricht ihm, sich um seine Frau Assita (Assita Ouedraogo) und seinen kleinen Sohn zu kümmern, die erst kürzlich ins Land gekommen sind. Igor will Amidou ins Krankenhaus schaffen, aber Roger will davon nichts wissen. Der schwerverletzte Mann wird auf der Baustelle begraben, wo niemand ihn finden kann.
Roger geht ungerührt zur Tagesordnung über, aber Igor quälen Gewissensbisse und er kann Assita nicht mehr unbefangen begegnen. Diese macht sich Sorgen um ihren Mann und wird mit Ausflüchten hingehalten, bis auch noch ihr kleiner Sohn krank wird und Igor etwas unternehmen muss. Nach einem heftigen Streit mit seinem Vater macht sich Igor auf, Assita zu helfen und ihr die Wahrheit über Amidous Tod zu sagen.
Filme der Dardenne-Brüder zu loben fällt leicht, weil sie so gut sind und in ihnen so viel Wahrheit steckt. Die Filme zu mögen fällt nicht immer leicht, aber man sollte sich auf sie einlassen können, wenn man etwas sehen möchte, dass absolut nichts mit Mainstream zu tun hat.
Der Blick auf das Belgien von Jean-Pierre und Luc Dardenne ist wie üblich trist, traurig und beklemmend. Er zeigt ungeschönt eine Realität, die man eigentlich nicht sehen möchte. Bei den Schauspielern machen die Dardennes immer alles richtig, da gibt es keine Diskussionen. Olivier Gourmet ist grandios und der junge Jérémie Renier, hier in seiner ersten Filmrolle, ist absolut herausragend. Beide finden sich auch in weiteren Arbeiten der Dardenne-Brüder und besonders Jérémie Renier hat mehrfach bewiesen, was für ein großartiger Schauspieler er ist.
Insgesamt gesehen eine große Empfehlung von mir für diesen Film, der leider noch nicht in einer deutschen DVD-Veröffentlichung zu haben ist, was ausgesprochen schade ist.
In Seraing, einer kleinen Stadt in Belgien, lebt der junge Igor (Jérémie Renier) zusammen mit seinem Vater Roger (Olivier Gourmet). Roger schleust Migranten ins Land, überlässt ihnen schlechte Unterkünfte zu Wuchermieten und beschäftigt sie illegal auf Baustellen. Igor macht eigentlich eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker, aber weil sein Vater ihn stets braucht, bricht er die Ausbildung ab.
Von Roger lernt Igor, wie man mit fremden Menschen Geld verdient und er ist ein gelehriger Schüler. Schon früh wird ihm viel Verantwortung übertragen, er macht seine Sache gut und ohne Fragen zu stellen. Eine Kindheit hat er allerdings nicht. Roger verlässt sich auf seinen Sohn, ohne sich je Gedanken darüber zu machen, ob er ihm vielleicht zu viel zumutet.
Dann gibt es einen Unfall auf einer privaten Baustelle. Der Afrikaner Amidou (Rasmane Ouedraogo) stürzt vom Gerüst und bleibt bewegungslos liegen. Igor bleibt bei ihm und verspricht ihm, sich um seine Frau Assita (Assita Ouedraogo) und seinen kleinen Sohn zu kümmern, die erst kürzlich ins Land gekommen sind. Igor will Amidou ins Krankenhaus schaffen, aber Roger will davon nichts wissen. Der schwerverletzte Mann wird auf der Baustelle begraben, wo niemand ihn finden kann.
Roger geht ungerührt zur Tagesordnung über, aber Igor quälen Gewissensbisse und er kann Assita nicht mehr unbefangen begegnen. Diese macht sich Sorgen um ihren Mann und wird mit Ausflüchten hingehalten, bis auch noch ihr kleiner Sohn krank wird und Igor etwas unternehmen muss. Nach einem heftigen Streit mit seinem Vater macht sich Igor auf, Assita zu helfen und ihr die Wahrheit über Amidous Tod zu sagen.
Filme der Dardenne-Brüder zu loben fällt leicht, weil sie so gut sind und in ihnen so viel Wahrheit steckt. Die Filme zu mögen fällt nicht immer leicht, aber man sollte sich auf sie einlassen können, wenn man etwas sehen möchte, dass absolut nichts mit Mainstream zu tun hat.
Der Blick auf das Belgien von Jean-Pierre und Luc Dardenne ist wie üblich trist, traurig und beklemmend. Er zeigt ungeschönt eine Realität, die man eigentlich nicht sehen möchte. Bei den Schauspielern machen die Dardennes immer alles richtig, da gibt es keine Diskussionen. Olivier Gourmet ist grandios und der junge Jérémie Renier, hier in seiner ersten Filmrolle, ist absolut herausragend. Beide finden sich auch in weiteren Arbeiten der Dardenne-Brüder und besonders Jérémie Renier hat mehrfach bewiesen, was für ein großartiger Schauspieler er ist.
Insgesamt gesehen eine große Empfehlung von mir für diesen Film, der leider noch nicht in einer deutschen DVD-Veröffentlichung zu haben ist, was ausgesprochen schade ist.
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