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Donnerstag, 21. Juni 2012

Stunde der Wahrheit

"Stunde der Wahrheit" - "The Immortal Story" ist ein Film von Orson Welles (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1967 und beruht auf einer Erzählung von Tania Blixen. Die Musik stammt von Erik Satie.

Die Geschichte spielt in Macao im 19. Jahrhundert. Der alte und schwerreiche Kaufmann Clay (Orson Welles) kann nachts nicht schlafen und lässt sich von seinem Buchhalter Levinsky (Roger Coggio) aus seinen Geschäftsbüchern vorlesen. Als ihnen der Lesestoff ausgeht, erinnert sich Clay an eine Geschichte, die unter Seemännern erzählt wird und die er selbst als junger Mann gehört hat.

Ein alter reicher Mann, der keine Kinder hatte, bot einem jungen Seemann Gold an, um die Nacht mit seiner jungen Frau zu verbringen und einen Sohn zu zeugen, als Erben für den Reichtum des alten Mannes. Clay ist fasziniert von dieser Geschichte und will sie wahr werden lassen, damit ein Seemann endlich einmal die ganze Geschichte erzählen kann.

Er schickt Levinsky los, eine junge Frau zu finden, während er sich um den Seemann selbst kümmern will. Levinsky geht zu Virginie Ducrot (Jeanne Moreau), der nicht mehr ganz jungen Tochter eines ehemaligen Geschäftspartners von Clay, den dieser in den Ruin und Selbstmord getrieben hat. Virginie willigt nur widerstrebend in den Handel ein, will sie doch dem Todfeind ihres Vaters nicht ins Gesicht blicken müssen.

Clay gabelt mit seiner Kutsche den jungen Seemann Paul (Norman Eshley) auf, der ahnungslos zu sein scheint und sich auf das Spiel einlässt. Doch am Ende dieser Nacht erscheint alles in einem anderen Licht.

Das ist ein seltsamer und skurriler kleiner Film, der gerade mal 60 Minuten dauert und nun bei Arthaus erstmals auf DVD veröffentlicht wurde. Zu sehen ist er in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln und in der deutschen Synchronisation. Im Menü unter "Film" auszuwählen, sonst geht gleich die Synchronfassung los.

Trotz der gerade mal 60 Minuten Laufzeit zieht sich der Film ganz schön in die Länge, was mich schon verblüfft hat. Er ist nicht wirklich schlecht, er ist nur... irgendwie seltsam und aus der Zeit gefallen. Zu Bestaunen gibt es so einiges, das schlimme Alters-Make-Up von Orson Welles, die schleppende Erzählweise dieses kurzen Films, den jungen blonden Norman Eshley und die wie immer wunderbare Jeanne Moreau. Ich habe gelesen, das sei der erste Farbfilm von Orson Welles gewesen. Komisch, mir kommt es vor, als hätte ich gerade einen Schwarzweißfilm gesehen. So kann man sich täuschen.

Kann ich den Film empfehlen? Ja, irgendwie schon, aber man sollte nicht zu viel erwarten. Es ist halt alles etwas merkwürdig, aber schon sehenswert.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Die Liebenden - Les amants

"Die Liebenden" - "Les amants" ist der zweite Spielfilm von Louis Malle und stammt aus dem Jahr 1958. Das Drehbuch schrieb Malle zusammen mit Louise de Vilmorin.

Jeanne (Jeanne Moreau) lebt mit ihrem Mann Henri (Alain Cuny), einem Zeitungsverleger, in Dijon. Ihr Leben langweilt sie, ihr Mann hat kaum Zeit und Interesse für sie, also besucht Jeanne regelmäßig ihre Freundin Maggy (Judith Magre) in Paris. Dort lernt sie auch den attraktiven Polospieler Raoul (José Luis de Vilallonga) kennen, mit dem sie eine Affäre beginnt. Sie verbringt immer mehr Zeit in Paris, bis Henri langsam eifersüchtig reagiert.

Henri überredet Jeanne, ihre Freunde Maggy und Raoul übers Wochenende nach Dijon einzuladen, was Jeanne gar nicht gefällt. Auf dem Weg von Paris nach Hause hat Jeanne eine Autopanne und bleibt mit dem Wagen am Straßenrand liegen. Der Student Bernard (Jean-Marc Bory) kommt ihr zu Hilfe und nimmt sie in seinem kleinen Auto mit. Er will allerdings vorher noch einen alten Lehrer besuchen, ehe er Jeanne nach Dijon fährt. Es herrscht eine gereizte Atmosphäre zwischen den beiden, die sich aber langsam entspannt.

Als sie endlich in Dijon ankommen, sind Maggy und Raoul schon längst da und unterhalten sich mit Henri. Die Stimmung ist eher unterkühlt und Henri bittet schließlich auch noch Bernard, sich ihnen anzuschließen und die Nacht im Haus zu verbringen. Das Abendessen wird eine Katastrophe, Henri spielt den verliebten Ehemann und Jeanne, die sich zunehmend unwohler fühlt, bemerkt mit Schrecken, wie oberflächlich Maggy und Raoul im Grunde sind. Die Gespräche bei Tisch sind geistlos und hohl.

Alle gehen früh zu Bett, weil man am nächsten Morgen zum Angeln aufbrechen will. Jeanne geht nachts in den Park, um Abkühlung zu finden und trifft dort auf Bernard. Nach kurzem Zögern erkennen sie in dem jeweils anderen einen Seelenverwandten und verlieben sich leidenschaftlich. Sie verbringen die Nacht zusammen, gestehen sich ihre Liebe und beschließen, am nächsten Morgen gemeinsam wegzufahren, in eine unbestimmte Zukunft, frei von allen Zwängen.

Der Film erzählt von einer Liebe auf den ersten Blick, an die man so gerne glauben möchte, auch wenn man hier nicht weiß, wie alles für das junge Paar ausgehen wird. Eingefangen ist das von Kameramann Henri Decae in betörend schönen Bildern und stimmungsvoll unterlegt mit der Musik von Johannes Brahms. Es ist der Beginn einer wahrhaftigen Liebe, so bleibt es jedenfalls zu hoffen.

Francois Truffaut beschrieb "Les amants" als aufregenden Film, völlig zu Recht. Seinerzeit galt er jedoch als Skandalfilm, weil eine Frau hier ihren Mann und ihr Kind wegen eines jüngeren Mannes verlässt. Es gab sogar diverse Kürzungen deswegen. Das alles ist aus heutiger Sicht natürlich absurd. Auf der DVD-Hülle steht übrigens FSK 16 und auf der DVD selber FSK 0. Ja was denn nun? Nicht, dass das irgendwie von Belang wäre, es ist wie üblich nur lächerlich.

Insgesamt gesehen ein wunderschöner Film, der zum Schwärmen und Verlieben einlädt und mit Jeanne Moreau eine der schönsten Schauspielerinnen überhaupt bieten kann. Ganz große Empfehlung.

Samstag, 8. Oktober 2011

Gefährliche Liebschaften

"Gefährliche Liebschaften" - "Les Liaisons dangereuses" ist ein Film von Roger Vadim aus dem Jahr 1959. Das Drehbuch stammt von Claude Brulé und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Choderlos de Laclos aus dem Jahr 1782.

Der Film verlegt die Handlung ins Paris der 1950er Jahre. Juliette (Jeanne Moreau) und Valmont (Gérard Philipe) sind verheiratet, sie sind wohlhabend und unkonventionell. Beide erlauben sich Liebschaften außerhalb ihrer Ehe und lieben es, sich gegenseitig von ihren Eroberungen zu berichten. Das Unglück anderer Menschen interessiert sie nicht, sie leben nur für sich und ihr Vergnügen.

Der aktuelle Liebhaber von Juliette will die junge Cécile (Jeanne Valérie) heiraten und Juliette, die auf Rache sinnt, setzt Valmont auf Cécile an. Er soll sie noch vor der Hochzeit verführen. Während Valmont bei einem Skiurlaub in der Schweiz an der Umsetzung des Plans arbeitet, lernt er die äußerst tugendhafte Marianne (Annette Vadim) kennen, eine verheiratete Frau, die seinem Charme zu widerstehen scheint.

Valmont macht es sich zur Aufgabe, den Widerstand von Marianne zu brechen und sie für sich zu gewinnen. Doch als er sie endlich erobert hat, muss er feststellen, sich tatsächlich auch in sie verliebt zu haben. Das war nie geplant und sorgt für Zündstoff zwischen Valmont und Juliette, weil damit ihre Regeln verletzt wurden. Cécile ist inzwischen schwanger und drängt ihren heimlichen Geliebten Danceny (Jean-Louis Trintignant), sie so schnell wie möglich zu heiraten, doch da hat Juliette schon eine Intrige gesponnen.

Das Ende ist selbstverständlich tragisch, wie wohl auch allgemein bekannt ist. Dieses Werk ist übrigens die erste Verfilmung des Romans von Choderlos de Laclos und es folgten seitdem noch weitere. Am bekanntesten sind hier sicher die Filme "Gefährliche Liebschaften" (1988) von Stephen Frears mit John Malkovich, Glenn Close, Michelle Pfeiffer und Uma Thurman sowie "Valmont" (1989) von Milos Forman mit Colin Firth, Annette Bening und Meg Tilly. ("Gefährliche Liebschaften" / "Valmont")

Diese relativ unbekannte Verfilmung von Roger Vadim ist gerade neu auf DVD veröffentlicht worden und lohnt sich in jedem Fall. Die Umsetzung ist sehr gut gelungen, das Stück funktioniert auch in dieser Zeit absolut. Jeanne Moreau ist eine hinreißende Juliette und wie üblich anbetungswürdig. An ihrer Seite glänzt ein sehr attraktiver Gérard Philip, der leider noch im selben Jahr verstarb. Annette Vadim bleibt ein bisschen blass und man fragt sich automatisch, wie ein Mann ihr so verfallen kann, der eine Jeanne Moreau zu Hause hat.

Insgesamt gesehen eine schöne Neuentdeckung und ein sehr empfehlenswerter Film für alle Liebenden, Liebhaber und Intriganten. Für alle anderen aber auch.

Samstag, 1. Oktober 2011

Jules und Jim

"Jules und Jim" - "Jules et Jim" ist ein Film von Francois Truffaut (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1962 und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Henri-Pierre Roché.

Der Film beginnt 1912 in Paris, als sich die beiden jungen Männer Jules (Oskar Werner) und Jim (Henri Serre) kennenlernen und begleitet ihre Freundschaft über einen Zeitraum von ungefähr 20 Jahren. Beide teilen die gleichen Interessen, sie lieben das Leben, die Kunst, die Literatur und die Frauen. Als sie eines Tages auf die unkonventionelle Catherine (Jeanne Moreau) treffen, verlieben sich beide Männer gleichzeitig in die junge und ausgelassene Frau.

Als der erste Weltkrieg ausbricht, heiraten Jules und Catherine und ziehen nach Deutschland und die Freunde werden getrennt. Erst nach Kriegsende sehen sie sich wieder. Jules und Catherine haben inzwischen eine kleine Tochter bekommen, aber um ihre Ehe steht es schlecht. Catherine hat Affären mit anderen Männern, unter anderem mit Albert (Boris Bassiak), einem gemeinsamen Freund von früher.

Jules vertraut Jim an, dass er Angst hat, Catherine zu verlieren, aber auch weiß, dass er sie nicht halten kann. Als Catherine sich Jim annähert, bittet Jules seinen Freund darum, Catherine zu heiraten und auf sie aufzupassen. Jim und Catherine wollen unbedingt ein Kind bekommen, aber als das nicht klappt, geht auch die Liebe zwischen ihnen verloren. Zudem ist es Jim auch nicht gelungen, sich von seiner langjährigen Geliebten zu trennen.

So bleibt Catherine bei Jules, der seine Frau über alles liebt und genau weiß, dass er sie nie ganz besitzen wird, weil sie sich nicht auf das Leben mit nur einem Mann einlassen kann. Das Leben der Drei geht weiter, bis Catherine eine Entscheidung trifft, die alles verändern soll.

Dieser wunderschöne Film von Francois Truffaut ist eine Geschichte über Freundschaft und Liebe. Jules und Jim finden in Catherine ihre Königin, die Frau die ihnen alles bedeutet und die doch ihrer tiefen Freundschaft nie etwas anhaben kann. Oskar Werner und Henri Serre verkörpern ihre Charaktere sehr glaubhaft, aber der Film gehört eigentlich ganz allein der wunderbaren Jeanne Moreau, in die sich wohl jeder einfach verlieben muss. Was für eine Frau, sie ist absolut hinreißend.

Insgesamt gesehen ein schöner Klassiker und sehr sehenswert. Ganz große Empfehlung.

Dienstag, 27. September 2011

Fahrstuhl zum Schafott

"Fahrstuhl zum Schafott" - "Ascenseur pour l'échafaud" ist ein Film von Louis Malle aus dem Jahr 1958 und sein erster Spielfilm. Das Drehbuch schrieb Malle zusammen mit Roger Nimier, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Noel Calef.

Die Geschichte handelt von einem fast perfekten Mord, der aber letztlich doch gründlich schiefgeht. Der ehemalige Fremdenlegionär Julien Tavernier (Maurice Ronet) arbeitet für den Waffenhändler Simon Carala (Jean Wall). Julien hat ein Verhältnis mit Florence (Jeanne Moreau), Caralas Ehefrau, die ihn zum Mord an Carala anstiftet. Der Mord, den Julien wie einen Selbstmord aussehen lässt, geht wie geplant über die Bühne, alles funktioniert so wie gedacht. Aber dann muss Julien feststellen, dass er ein Beweisstück am Tatort vergessen hat und so macht er sich erneut auf in das Bürogebäude seines, inzwischen toten, Arbeitgebers. Als er im Aufzug unterwegs ist, schaltet der Hausmeister den Strom ab und Julien sitzt fest.

Florence wartet am Abend beim vereinbarten Treffpunkt, doch Julien erscheint nicht. Stattdessen sieht sie Juliens Cabrio an sich vorbeifahren, mit einer jungen Frau auf dem Beifahrersitz. Was sie nicht weiß, der Fahrer des Wagens ist der junge Louis (Georges Poujouly), der den Wagen geklaut hat und mit seiner Freundin Veronique (Yori Bertin) eine Spritztour unternimmt. Das junge und naive Paar hat noch keine Ahnung, was am Ende dieser verhängnisvollen Nacht auf sie warten wird und Florence zweifelt immer mehr an ihrem Geliebten, während Julien weiterhin im Fahrstuhl festsitzt.

Louis und Veronique sind auf der Autobahn unterwegs und liefern sich ein Rennen mit einem Mercedes, dessen Fahrer und seine Frau aus Deutschland kommen und in einem Motel übernachten wollen. Die beiden jungen Leute mieten sich als Ehepaar Tavernier ebenfalls in dem Motel ein und verbringen den Abend mit den Deutschen. Mitten in der Nacht will Louis aber das Motel verlassen und den Mercedes stehlen, als er von dem Fahrer des Wagens dabei erwischt wird. Louis erschießt die beiden Touristen mit der Waffe von Tavernier, die im Handschuhfach des Cabrios lag.

Unterdessen irrt Florence durch das nächtliche Paris, auf der Suche nach einer Spur von Julien. Hat er ihren Ehemann getötet oder hat er sie einfach nur verlassen? Verzweifelt sucht sie die Orte auf, wo sie Julien getroffen hat und hofft vergeblich darauf, etwas über ihn zu erfahren. Als sie spät nachts auf einem Polizeirevier landet, von der Sittenpolizei aufgegriffen, teilt ihr der ermittelnde Inspektor Cherier (Lino Ventura) mit, dass Tavernier wegen Doppelmordes gesucht wird.

Am nächsten Morgen tauchen Polizisten in dem Bürogebäude auf, um Ermittlungen über Tavernier anzustellen. Julien kann endlich aus dem Fahrstuhl entkommen, während die Leiche seines Chefs gefunden wird. Julien geht ahnungslos ins nächste Bistro um zu frühstücken, als auch schon die Polizei erscheint.

Dieser beeindruckende Film des damals erst vierundzwanzigjährigen Louis Malle zählt mit zu den Werken der Nouvelle Vague und ist auch eine Anlehnung an den Film Noir. In fantastischen Schwarzweiß-Aufnahmen hat hier der Kameramann Henri Decae ein Bild geschaffen, das damals wie heute sensationell wirkt. Gezeigt wird ein modernes Paris, das Bürogebäude, die Autobahn, das Motel (das sich gar nicht in Paris befand) und das Gesicht von Jeanne Moreau, kaum geschminkt und ohne jedes künstliche Licht. Und was für ein Gesicht das ist, man kann gar nicht aufhören zu schwärmen.

Louis Malle hat hier in seinem Erstling alles richtig gemacht. Er und sein Co-Autor Nimier haben die Rolle von Florence wesentlich erweitert und Jeanne Moreau dankt es ihnen mit einer absolut großartigen Darstellung. Sie ist eine wunderbare Femme Fatale, ihr Gesicht spricht Bände und ihre Verzweiflung ist ihr anzusehen. Genau wie sie glänzen auch Maurice Ronet und Lino Ventura mit einer fabelhaften und sehr zurückgenommenen Leistung, die jederzeit glaubhaft ist, ohne irgendwelche Mätzchen machen zu müssen.

Insgesamt gesehen ein Film, der einfach ein Ereignis ist und den man nicht verpassen sollte. Der Soundtrack von Miles Davis unterstreicht die Handlung ganz wunderbar. Absolut empfehlenswert.

Freitag, 27. August 2010

Die Zeit die bleibt

"Die Zeit die bleibt" ist ein Film von Francois Ozon (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2005.

Es geht um den Modefotografen Romain (Melvil Poupaud), einen jungen Mann Anfang Dreißig, der während eines Shootings zusammenbricht und schließlich erfährt, unheilbar an Krebs erkrankt zu sein. Da eine Behandlung in seinem Fall kaum eine Hoffnung auf Heilung bietet, entschließt sich Romain, sein Leben zunächst unverändert fortzuführen und sich auf seine eigene Art und Weise auf seinen Tod vorzubereiten.

Hatte er eigentlich vor, seinen Eltern und seiner Schwester von seinem Schicksal zu berichten, verwirft er diesen Gedanken jedoch bald, wohl auch um sie zu schützen. Er trennt sich von seinem jungen Freund Sasha (Christian Sengewald), indem er behauptet ihn nicht mehr zu lieben, gefolgt von einem unhörbaren "Es tut mir leid". Einzig seiner Großmutter Laura (Jeanne Moreau) vertraut er sich an. "Du bist wie ich - Du stirbst auch bald". Bei ihr lässt er auch seine Traurigkeit und seine Tränen zu.

So vergehen die letzten Wochen im Leben von Romain. Er ist allein mit sich und begegnet immer wieder dem kleinen Jungen, der er einmal war. Er zieht sich in sich selbst zurück und es scheint, als würde er genau dort seinen Frieden finden. Als ihn eine Kellnerin (Valeria Bruni-Tedeschi) unvermutet anspricht, ob er vielleicht bereit sei, mit ihr zusammen ein Kind zu zeugen, da ihr Mann unfruchtbar sei, sich aber beide so sehr ein Kind wünschten, lehnt Romain zunächst ab mit den Worten: "Nein, ich mag keine Kinder." Etwas später geht er aber dann doch darauf ein und verhilft somit dem Paar zu einem Kind.

Zum Schluß fährt er an den Strand seiner Kindheit und verbringt dort seinen letzten Tag, ausgesöhnt mit sich und seinem Leben und bereit für seinen Tod.

Ich finde diesen Film einfach wunderschön, trotz des traurigen Themas und er fasziniert und bewegt mich bei jedem Anschauen wieder. Besonders die Entschlossenheit von Romain, einem Menschen der von sich selbst sagt "Ich bin nicht jemand der nett ist", sein Leben und Sterben allein und selbstbestimmt in die Hand zu nehmen, ist bewundernswert und glaubhaft, auch wenn viele Zuschauer das sicher nicht verstehen können. Francois Ozon verzichtet auch aus gutem Grund darauf, hier gefühlsduselige Familienbilder zu zeigen, in denen der arme Kranke dann noch von allen in den Arm genommen wird. Seine Hauptfigur Romain passt nicht in dieses Schema, gottseidank. Er ist kein Familienmensch, nicht im Leben und auch nicht im Sterben. Alles andere wäre nur verlogen.

Hauptdarsteller Melvil Poupaud ist eine wahre Offenbarung als Romain, zum Ende des Films hat er für die Rolle enorm an Gewicht verloren, um den körperlichen Zustand Romains darzustellen. Sein Romain ist ein junger und gutaussehender Mann, der Mitten im Leben steht, ein bisschen arrogant wirkt und sich anscheinend nicht sehr um andere Menschen sorgt. Melvil Poupaud schafft es aber, einen anderen Blickwinkel auf Romain zu werfen und die Verletzlichkeit unter der nur scheinbar harten Schale zu zeigen. Das zeichnet diesen Film aus, denn Francois Ozon weiß genau, was er hier erzählen wollte.

In den Nebenrollen glänzen Jeanne Moreau und Valeria Bruni-Tedeschi, die beide ganz wundervoll sind und den Film mit ihrer Anwesenheit nur noch zusätzlich veredeln. Klitzekleiner Kritikpunkt von mir ist die Besetzung des Freundes Sasha. Francois Ozon wollte kein typisches schwules Paar zeigen und suchte deshalb nach einer etwas anderen Besetzung für die Rolle von Romains Freund. Leider funktioniert Christian Sengewald aber meiner Meinung nach hier überhaupt nicht. Zwischen den beiden Männern gibt es so gar keine Übereinstimmung, ihr Verhältnis ist unklar und völlig rätselhaft und die Naivität von Sasha nervt gewaltig. Das ist aber auch schon alles, was ich hier auszusetzen habe, der Film an sich ist absolut großartig und überaus empfehlenswert. Unbedingt anschauen!

Francois Ozon selbst bezeichnet diesen Film als zweiten Teil seiner "Trilogie der Trauer", nach dem wunderbaren "Unter dem Sand", der vom Tod eines geliebten Menschen handelt. Der Abschluss der Trilogie sollte möglicherweise ein Film über den Tod eines Kindes sein, weshalb ich persönlich "Ricky" als solchen einstufen würde. Ozon hat jedoch in jüngsten Interviews seinen neuen Film "Rückkehr ans Meer" - "Le Refuge" als Ende der Trilogie bezeichnet.

Sonntag, 15. August 2010

Die Braut trug schwarz

"Die Braut trug schwarz" - "La Mariée était en noir" ist ein Film von Francois Truffaut aus dem Jahr 1968. Das Drehbuch schrieb Truffaut zusammen mit Jean-Louis Richard.

Ein frisch verheiratetes Paar verlässt die Kirche, da fällt überraschend ein Schuss und der getroffene Bräutigam stirbt in den Armen seiner Frau. Die junge Julie (Jeanne Moreau), die soeben ihre Jugendliebe David geheiratet hat, wird bereits am Tag ihrer Hochzeit zur Witwe. Die Braut ist verzweifelt und will sich selbst umbringen, wird aber daran gehindert. Sie sinnt auf Rache.

Jahre später hat sie die fünf Männer, die für das Unglück verantwortlich sind (der Schuss ging nur aus einem Gerangel heraus los), ausgemacht. Sie sucht einen nach dem anderen auf, macht ihre Bekanntschaft und tötet sie. Sie ist ein Racheengel ohne Skrupel, einzig von dem Gedanken besessen, den Mann zu rächen, den sie immer geliebt hat und den sie immer lieben wird. Die fünf Männer waren einst Junggesellen, die sich gelegentlich trafen. Ihre Hobbys waren Jagen und Frauen. Nun, beides beherrschten sie nicht, denn sie sind überheblich, geschwätzig und/oder verzweifelt. Mitleid mit ihnen zu haben fällt schwer. Auch wenn man die Taten der Julie hier nicht gutheißen kann, so ist sie doch die tragischste Figur von allen.

Die Musik zu diesem Film stammt von Bernard Herrmann, der oft für Alfred Hitchcock gearbeitet hat, an dessen Werken sich dieser Film auch orientiert.

Was soll man zu diesem Film noch sagen, was nicht längst gesagt wurde? Unbedingt ansehen, allein schon Jeanne Moreau ist absolut sehenswert und großartig. Ganz große Empfehlung.

Samstag, 14. August 2010

Querelle

"Querelle" ist ein Film von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1982, basierend auf dem Roman von Jean Genet, und war zugleich Fassbinders letzter Film. Das Drehbuch stammt von Rainer Werner Fassbinder und Burkhard Driest.

Die Hauptfigur ist der Matrose Querelle (Brad Davis), ein Mörder, Verführer und Verführter, auf der Suche nach seiner eigenen Identität, dem scheinbar alle verfallen. Es ist eine reine Männerwelt, die hier gezeigt wird. Die einzige Frau, Lysiane (Jeanne Moreau), ist quasi nur ein Ausstellungsstück.

Querelle sucht sich selbst, will sein Spiegelbild in seinem Bruder Robert (Hanno Pöschl) finden und schafft sich dann ein anderes, nämlich Gil (ebenfalls Hanno Pöschl), ein Mörder wie Querelle selbst, den er wie seinen Bruder ausstaffiert, nur um ihn dann am Ende aus Liebe zu opfern. Weiterhin erwähnenswert sind der Leutnant Seblon (Franco Nero), der Querelle begehrt, sowie der Kneipenwirt Nono (Günther Kaufmann) und der Polizist Mario (Burkhard Driest) und deren Beziehungen zu Querelle.

Der Film erzählt noch so viel mehr, das sollte man sich wirklich selbst anschauen. Leider gibt es keine deutsche Fassung, (Der Film wurde seinerzeit wegen der Besetzung auf englisch gedreht.) was angesichts des letzten Films von Fassbinder eigentlich eine Frechheit ist. Ist der Film ein Skandal? Nun, inzwischen sind einige Jahre ins Land gegangen, ich denke doch das Thema Homosexualität sollte heutzutage mal etwas enspannter betrachtet werden. Immerhin stammt die literarische Vorlage von Jean Genet auch schon aus dem Jahr 1947.

Die Kulisse ist genial. Die imaginäre Hafenstadt Brest mit dem Anleger, an dem der Zerstörer "Vengeur" ankert, die Bar "Feria" und die schmalen Gassen der Stadt. Mehr braucht es auch nicht, um die Geschichte zu erzählen und in wunderbare Bilder einzufangen. Diese künstliche Welt ist in warmes, ebenfalls künstliches Licht getaucht und wird abwechselnd, je nach entsprechender Szenerie, beleuchtet. Auch die Bewegungen der einzelnen Figuren wirken gekünstelt und einstudiert, wie in einem Tanz. Es ist ein Genuß, dass zu sehen. Einziger kleiner Kritikpunkt von mir ist das grauenvolle Lied, das von Jeanne Moreau vorgetragen wird (Each man kills the thing he loves), ein wirklich furchtbarer Song, der sich aber leider ziemlich im Ohr festsetzt, zumindest bei mir.

Ich finde diesen Film absolut sehenswert und überhaupt nicht schockierend. Fassbinder hat es verdient, dass auch sein letztes Werk endlich einem größeren Publikum zugänglich gemacht wird.