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Montag, 18. November 2013

Only God Forgives

"Only God Forgives" ist ein Film von Nicolas Winding Refn (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013. Für die musikalische Untermalung war erneut Cliff Martinez zuständig.

Der Amerikaner Julian (Ryan Gosling) betreibt zusammen mit seinem Bruder Billy (Tom Burke) in Bangkok einen Boxclub. Genau genommen dient der Boxclub aber nur als Fassade für den erfolgreichen Drogenhandel, der hier stattfindet. Billy hat ein krankes Verhältnis zu Frauen und eines Tages vergewaltigt und tötet er im Drogenrausch eine minderjährige Prostituierte. Der ermittelnde Polizist Lt. Chan (Vithaya Pansringarm) bringt den Vater des toten Mädchens dazu, Billy zu töten. Das setzt eine Gewaltspirale in Bewegung, die noch viele Opfer fordern wird.

Crystal (Kristin Scott Thomas), die Mutter von Billy und Julian, die sich daheim um den Drogenhandel kümmert, kommt nach Bangkok, um von Julian Rache für ihren toten Sohn zu fordern. Der zeigt sich nicht sonderlich begeistert von Mutters Plänen, also sucht Crystal sich andere Männer, die für sie töten sollen. Alles läuft aus dem Ruder, denn Chan ist ihnen immer überlegen und schneller als seine Verfolger. Julian fordert Chan zu einem Kampf heraus, bei dem er klein beigeben muss, weil Chan zu stark für ihn ist. Er verliert den Kampf, das hübsche Gesicht ist zu Brei geschlagen und Julian muss erkennen, nichts weiter ausrichten zu können. Doch Chan ist mit seiner Arbeit noch nicht fertig...

Mein lieber Schwan, was für ein Film. Nach seinem großen Erfolg mit "Drive" unterläuft Regisseur Nicolas Winding Refn hier sämtliche Erwartungen, die das Publikum wohl an einen Nachfolgefilm hatte und lässt die Zuschauer verstört zurück. Wirklich ein genialer Schachzug. Die Handlung ist hier eigentlich nur Nebensache, im Mittelpunkt stehen die Bilder, die wie aus einem schlimmen Fiebertraum wirken und direkt in die Magengrube hauen. Knallige rote Farben dominieren das Geschehen, ein Spiel mit Licht und Schatten, dazu der hypnotische Soundtrack und immer wieder Blut. Was ist hier Traum und was ist Wirklichkeit?

Es wird insgesamt nur wenig gesprochen, wer damit Probleme hat, der ist im falschen Film. Auf dieses Werk muss man sich einlassen können, dann funktioniert es fabelhaft. Die Brutalität könnte ebenfalls viele Zuschauer verschrecken, denn dieser Alptraum aus Sex, Gewalt und Tod ist nichts für schwache Nerven. Im Vergleich zu anderen Filmen finde ich hier die FSK16 teilweise doch sehr großzügig.

Die erneute Zusammenarbeit mit Ryan Gosling war so ursprünglich gar nicht geplant, Gosling sprang kurzfristig für einen anderen Schauspieler ein. Viel Text hatte er jedenfalls nicht zu lernen, denn seine Rolle ist eher still gehalten. Ich mag ja Ryan Gosling und halte ihn auch für sehr talentiert, aber er sollte künftig darauf achten, nicht immer wieder in das gleiche Schema gepresst zu werden. Er spielt diese wortlosen und nachdenklichen Typen wirklich gut, aber jetzt reicht es damit auch erst mal.

Ganz anders dagegen die wundervolle Kristin Scott Thomas, hier als Mutter aus der Hölle, mit viel Mut zur Hässlichkeit. So hat man sie noch nie gesehen und sie ist definitiv atemberaubend und beängstigend zugleich. Die heimlich Hauptrolle hat hier aber der gnadenlose Lt. Chan, der von Vithaya Pansringarm perfekt verkörpert wird. Er wirkt so sanft, sein Kragen ist immer blütenweiß und er liebt Karaoke, aber niemand im ganzen Film ist so gefährlich wie er.

Also wer sich auf diesen irren Trip einlassen kann, dem könnte der Film gefallen. Wer aber auf Mainstream steht, der sollte lieber die Finger davon lassen. Von mir gibt es jedenfalls eine klare Empfehlung.

Samstag, 25. Mai 2013

Gangster Squad

"Gangster Squad" ist ein Film von Ruben Fleischer aus dem Jahr 2013. Das Drehbuch stammt von Will Beall.

"Beruht auf einer wahren Begebenheit", so steht es am Anfang des Films geschrieben, aber mal ehrlich, bei welchem Film steht das heutzutage eigentlich nicht? Gut, die Person Mickey Cohen hat es tatsächlich gegeben, er war ein Gangster, aber die Handlung dieses Films ist ja wohl doch eher Fiktion. Egal, der Film will unterhalten und genau das tut er auch, nicht mehr und auch nicht weniger.

Los Angeles, im Jahr 1949. Die Stadt ist in der Hand des ehemaligen Boxers Mickey Cohen (Sean Penn), der die Unterwelt kontrolliert und sich um Drogenhandel, Prostitution und Glücksspiel kümmert. Er ist dabei nicht zimperlich und wer sich ihm in den Weg stellt, der lebt meist nicht mehr lange. Cohen will sein Gebiet ausweiten, was ihm Ärger mit anderen Banden einbringt, aber auch hier hat er meistens die Oberhand. Niemand traut sich an ihn heran, besonders nicht die Polizei von Los Angeles.

Chief Bill Parker (Nick Nolte) will das ändern und lässt seinen besten Mitarbeiter Sergeant John O'Mara (Josh Brolin) ein kleines Team zusammenstellen, das den Kampf gegen Cohen aufnehmen soll, jedoch ohne einen offiziellen Auftrag. O'Mara bekommt dabei Unterstützung von seiner hochschwangeren und sehr patenten Frau Connie (Mireille Enos), die ihm hilft, die richtigen Männer für diese schwierige Aufgabe auszuwählen.

Einer dieser Männer ist der junge Jerry Wooters (Ryan Gosling), der gerade ein Verhältnis mit der schönen Grace (Emma Stone) angefangen hat, der aktuellen Geliebten von Mickey Cohen. Für beide wird das ein Spiel mit dem Feuer.

Die kleine Truppe von tatkräftigen Männern will Cohens Geschäfte torpedieren und ihn da verletzen, wo es ihn am meisten trifft, bei seinem Geld. Sie überfallen seine Casinos und verbrennen das Geld. Cohen schäumt vor Wut und macht Jagd auf den möglichen Verräter in den eigenen Reihen.

Ja und dann geht das Geballer erst richtig los, bevor es am Ende dann zu einem handfesten Kampf zwischen Cohen und O'Mara kommt. In der Zwischenzeit wird viel Blut vergossen und es bleiben einige Opfer auf der Strecke, aber das gehört wohl dazu.

Irgendwie hatte ich mich schon auf einen Verriss vorbereitet, als ich die vielen negativen Kritiken zu diesem Film gelesen habe, aber ganz so schlecht finde ich ihn dann doch nicht. Positiv anzumerken wären schon mal die sehr schöne Ausstattung und die gelungene Musikuntermalung. Also rein optisch funktioniert der Film ziemlich gut.

Kommen wir zu den Darstellern: Josh Brolin passt großartig in diese Zeit und in seine Rolle, hier gibt es absolut nichts zu meckern. Emma Stone ist zauberhaft und sehr schön, sie ist ebenfalls sehr gut besetzt. Bei Ryan Gosling gerate ich mal wieder ins Schwärmen, der sieht einfach zum Anbeißen gut aus und spielt auch noch gut. Sean Penn ist ein exzellenter Schauspieler, der niemandem mehr etwas beweisen muss. Warum man ihn hier unter einer bizarren Maske versteckt hat, die ihn eher zu einer Karikatur werden lässt, das verstehe ich wirklich nicht. Ein so versierter Darsteller wie er hätte das nicht nötig gehabt.

In den Nebenrollen tummeln sich unter anderem noch Anthony Mackie, Michael Pena, Robert Patrick, Holt McCallany und viele andere.

Der Film ist alles andere als perfekt, aber teilweise recht unterhaltsam, wenn auch insgesamt eher enttäuschend. Die guten Schauspieler retten mit ihrer Darstellung das eher schwache Drehbuch und sorgen so für einen gerade noch sehenswerten Film, den man aber trotzdem schnell vergessen hat.

Sonntag, 18. März 2012

The Ides of March

"The Ides of March" ist ein Film von George Clooney aus dem Jahr 2011. Das Drehbuch schrieb Clooney zusammen mit Grant Heslov und basiert auf dem Theaterstück "Farragut North" von Beau Willimon.

Der junge und äußerst engagierte Stephen Meyers (Ryan Gosling) arbeitet als Pressesprecher im Wahlkampfteam von Mike Morris (George Clooney), einem der beiden Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Er liebt seinen Job, er glaubt an Morris und an die gute Sache. Doch plötzlich läuft für ihn alles aus dem Ruder und nichts wird mehr so sein wie bisher. Aber der Reihe nach...

Der Wahlkampf der Demokraten läuft auf Hochtouren, die Vorwahlen sind im Gang und es stehen wichtige Entscheidungen an, bei denen jede Stimme zählt. Eines Tages erhält Stephen einen Anruf von Tom Duffy (Paul Giamatti), dem Wahlkampfmanager des Gegenkandidaten. Duffy bittet um ein Treffen und bietet Stephen einen Job in seinem Team an. Stephen lehnt empört ab, schließlich sei Mike Morris sein Freund, worauf Duffy ihn fragt, ob er lieber für seinen Freund oder für den Präsidenten arbeiten will.

Stephen berichtet schließlich seinem Chef, dem Wahlkampfmanager Paul Zara (Philip Seymour Hoffman) von diesem Treffen und von Duffys Angebot. Zara, der Loyalität über alles stellt, lässt die Sache nicht auf sich beruhen und unternimmt hinter Stephens Rücken einige Schritte, die Stephen fast zu Fall bringen werden und ihn bald darauf um seinen Job bringen.

In der Zwischenzeit beginnt Stephen eine heimliche Affäre mit der jungen Praktikantin Molly (Evan Rachel Wood). Bald schon muss er aber erkennen, dass Molly auch mit Morris etwas hatte und nun schwanger ist. Stephen ist von seinem Idol Morris enttäuscht, besorgt Molly aber das Geld für eine Abtreibung. Als Molly erfährt, dass Stephen gefeuert wurde und sie ihn nicht erreichen kann, nimmt sie sich in ihrer Verzweiflung das Leben.

Nun werden die Karten neu gemischt, denn Stephen erkennt, das Opfer einer Intrige geworden zu sein. Aber er holt zum Gegenschlag aus und erpresst Morris mit seinem Wissen um dessen Affäre mit Molly. Er fordert Morris auf, Zara zu feuern und ihm selbst dessen Job zu geben. Morris bleibt nichts anderes übrig, als auf die Erpressung einzugehen und schließlich auch einen Deal mit dem ungeliebten Senator Thompson (Jeffrey Wright) zu schließen, der ihm die nötigen Stimmen in den verbleibenden Vorwahlen sichern kann. Damit ist sein Einzug ins Weiße Haus besiegelt.

Stephen Meyers allerdings ist nicht mehr der junge Idealist, der er noch kurz zuvor gewesen ist. Er musste innerhalb weniger Tage erkennen, wie das Spiel hinter den Kulissen läuft und ist zum eiskalten Zyniker geworden.

Nun, so ganz neu ist das was uns Regisseur George Clooney hier erzählt natürlich nicht, aber es ist trotzdem spannend und vor allen Dingen glänzend besetzt und gespielt. Clooney selbst nimmt sich in seiner Rolle als Morris sehr zurück und überlässt die große Bühne seinem fantastischen Cast. Und mal ganz ehrlich, wenn Schauspielgrößen wie Philip Seymour Hoffman, Paul Giamatti, Marisa Tomei und Jeffrey Wright aufeinandertreffen, was soll da noch schiefgehen? Da wird auch ein eher schwaches Drehbuch zur Nebensache, das regeln die unter sich.

Der größte Trumpf des Films ist aber, mal wieder, Darling Ryan Gosling, der ganz allein dafür sorgt, dass der Film funktioniert. Mit ihm beginnt und endet der Film und dazwischen zeigt er erneut, was ein guter Schauspieler wie er leisten kann. Wieder einmal demonstriert er sein Können mit kleinen Gesten, wenigen Worten und nur sein Gesicht drückt aus, was in ihm vorgeht. Es brodelt in ihm wie in einem Vulkan, der jederzeit explodieren kann. Einen besseren und talentierteren Jungschauspieler gibt es derzeit nicht, mal abgesehen von Michael Fassbender, denn die spielen beide in derselben Liga. Ich bin auf weitere Filme von den Beiden sehr gespannt und hoffe nur, dass sie nicht verheizt werden.

Insgesamt gesehen ein empfehlenswerter Film, der allein wegen der grandiosen Besetzung ein Genuss ist.

Lars und die Frauen

"Lars und die Frauen" - "Lars and the Real Girl" ist ein Film von Craig Gillespie aus dem Jahr 2007. Das Drehbuch stammt von Nancy Oliver.

Lars (Ryan Gosling) ist ein Sonderling, er meidet den Kontakt zu anderen Menschen und kann es nicht ertragen, wenn man ihn berührt. Zusammen mit seinem älteren Bruder Gus (Paul Schneider) und dessen Frau Karin (Emily Mortimer) lebt er in einer kleinen Stadt im Norden Amerikas. Genauer gesagt leben Gus und Karin im ehemaligen Haus der Eltern und Lars wohnt in der umgebauten Garage.

Karin ist schwanger und wird bald ihr erstes Kind bekommen. Vergeblich versucht sie immer wieder, Lars zum Essen einzuladen, doch der blockt jedes Mal ab. Gus und Karin machen sich zwar Sorgen um Lars, lassen ihm aber weitgehend sein eigenes Leben. Eines Tages steht Lars dann vor ihrer Tür und verkündet, Besuch zu haben. Eine junge Frau namens Bianca, die er im Internet kennengelernt hat und die er nun Gus und Karin vorstellen will. Die beiden sind begeistert und bitten Lars und Bianca zum Essen, nicht ahnend, was ihnen nun bevorsteht.

Bianca ist eine lebensgroße Silikonpuppe, die Lars sich bestellt hat. Er redet mit ihr und tut so, als sei sie ein wirklicher Mensch. Er hat ihr auch eine Vergangenheit konstruiert, denn Bianca stammt angeblich aus Brasilien, sei sehr religiös und hätte als Missionarin gearbeitet. In Biancas Gegenwart taut der sonst so zurückhaltende Lars merklich auf, während Gus und Karin sprachlos sind.

Am nächsten Tag fahren sie alle gemeinsam zur Ärztin Dagmar (Patricia Clarkson), die Bianca untersuchen soll. Dagmar rät Gus und Karin dazu, das Spiel mitzuspielen, um Lars zu helfen, über ein Trauma hinwegzukommen. Lars und Bianca sollen von nun an jede Woche zu ihr kommen, weil Bianca behandelt werden muss. Dagmar nutzt diese Zeit, um mehr über Lars und seine Ängste zu erfahren. Seine Mutter ist bei seiner Geburt gestorben und nun hat Lars große Angst davor, dass auch Karin etwas passieren könnte.

Die anderen Bewohner der Stadt reagieren erst verblüfft auf Lars und Bianca, spielen dann aber ebenfalls mit und nehmen Bianca in die Gemeinde auf. Jeder freundet sich mit ihr an und niemand macht sich über Lars lustig. Lars genießt die Zuneigung der Menschen und öffnet sich immer mehr. Er nähert sich sogar vorsichtig seiner jungen Kollegin Margo (Kelli Garner) an, die ebenfalls Interesse an ihm zeigt.

Als die Gefühle für Margo stärker werden, gibt es nur noch ein Problem: Bianca. Doch die kommt nicht einfach in den Müll, sondern wird richtig verabschiedet. Soll heißen, Bianca erkrankt schwer und stirbt schließlich. Selbstverständlich gibt es auch eine Trauerfeier und eine Beerdigung, bevor Lars sein neues Leben beginnen kann.

Dieser Film ist einfach nur schön und zu Herzen gehend. Hier gibt es keinen Klamauk und keine derben Späße wegen der Puppe, wie man vielleicht erwarten könnte. Nein, hier wird die Geschichte eines jungen Mannes erzählt, der erst lernen muss, zu lieben und geliebt zu werden. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Die Schauspieler sind fabelhaft und sehr überzeugend. Besonders Emily Mortimer, Paul Schneider und Patricia Clarkson begeistern auf ganzer Linie. Die größte Leistung zeigt aber wieder einmal Ryan Gosling, bei dem mir langsam die Worte ausgehen. Der Mann ist einfach unglaublich, ich bin jedes Mal wieder sprachlos. Er spielt Lars mit so viel Liebe und macht seine Figur nie lächerlich. Mit kleinen Gesten versteht er es immer wieder, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Hier möchte ich nur als Beispiel die Szene erwähnen, in der er eine Mund-zu-Mund-Beatmung bei Margos Teddy durchführt. Das muss man gesehen haben. Sensationell.

Insgesamt gesehen eine kleine Perle, die man nicht verpassen sollte. Solche Filme gibt es viel zu selten und der knuffige Hauptdarsteller ist sowieso extrem sehenswert. Unbedingt anschauen.


Sonntag, 11. März 2012

Stay

"Stay" ist ein Film von Marc Forster aus dem Jahr 2005. Das Drehbuch stammt von David Benioff.

Der Psychiater Sam (Ewan McGregor) übernimmt einen neuen Patienten, den jungen Henry (Ryan Gosling). Henry eröffnet Sam, sich in Kürze umbringen zu wollen, Ort und Zeitpunkt würden schon feststehen. Sam versucht nun verzweifelt, mehr über Henry in Erfahrung zu bringen und ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Dabei häufen sich merkwürdige Begebenheiten, die Sam immer mehr verwirren, den Zuschauer aber auch...

"Mindfuck" nennt sich dieses Genre, das hat wohl auch Marc Forster mal aufgeschnappt und sich anscheinend spontan dazu entschieden, das einfach mal auszuprobieren. Normalerweise sollte der Zuschauer mit kleinen Hinweisen darauf gebracht werden, dass an der Handlung etwas nicht stimmt und es noch mindestens einen Twist zum Schluss gibt. Im Fall von "Stay" sind diese Hinweise aber eher wenig subtil, im letzten Drittel des Films sogar sehr plakativ. Forster winkt mit dem Zaunpfahl, dass den Zuschauer noch eine "große" Überraschung erwartet, sogar eine "sehr große".

Das Aha-Erlebnis bleibt dann allerdings aus und die Geschichte ist mit einem leisen Pöff vorbei. Sozusagen mehr gewollt als tatsächlich gekonnt, denn die Story ist zu dünn und schlicht uninteressant. Der Film selbst nimmt sich sehr wichtig, ist aber letztlich vollkommen belanglos.

Die gute Besetzung reißt hier leider auch nichts mehr raus, auch wenn Ewan McGregor und Ryan Gosling ihre Rollen sehr gut spielen, keine Frage. Naomi Watts als Sams Freundin hat eigentlich gar nichts zu tun, ihre Rolle bleibt unklar. Bob Hoskins hat ein paar nette Auftritte, die den Film zwischendurch auflockern.

Insgesamt gesehen ein Film, den man gerne verpassen darf. Marc Forster hat bei mir spätestens mit "Ein Quantum Trost", dem schlechtesten Bond-Film aller Zeiten, sämtliche Sympathien verspielt. Um seine Filme werde ich künftig einen großen Bogen machen.

Samstag, 10. März 2012

Blue Valentine

"Blue Valentine" ist ein Film von Derek Cianfrance aus dem Jahr 2010. Das Drehbuch schrieb Cianfrance zusammen mit Joey Curtis und Cam Delavigne.

Der Film handelt von Cindy (Michelle Williams) und Dean (Ryan Gosling) und zeigt den Beginn und das Ende ihrer Liebe. Beide Handlungsebenen wechseln sich immer wieder ab, man sieht also z. B. eine traurige Szene vom Ende der Beziehung und springt dann wieder zum Anfang, als das Paar einfach glücklich und verliebt war. Dazwischen liegt ein Zeitraum von sechs Jahren, den Regisseur Derek Cianfrance komplett ausblendet. Das ist allerdings ein genialer Schachzug, denn dadurch wird der Zuschauer aufgefordert, selbst darüber nachzudenken, was in der Zwischenzeit alles passiert ist, bzw. passiert sein könnte.

Erklärungen liefert Cianfrance hier keine, aber wer aufmerksam genug ist, der kann viele kleine Details erkennen und heraushören. Die erste Begegnung zwischen Cindy und Dean findet in einem Altenheim statt. Er sieht sie und verliebt sich sofort, gibt Cindy seine Karte mit der Telefonnummer seines Arbeitgebers, doch er hört nichts mehr von ihr. Durch Zufall treffen sie sich in einem Bus wieder, verbringen Zeit miteinander und verlieben sich. Dann stellt Cindy fest, von ihrem Ex-Freund schwanger zu sein und will eine Abtreibung, die sie aber in letzter Sekunde abbricht. Sie flüchtet sich in Deans Arme und beide beschließen, es als Familie zu versuchen.

Sechs Jahre später ist von der einstigen romantischen Liebe nichts mehr übrig. Die kleine Tochter Frankie (Faith Wladyka) wird von Dean wie sein eigenes Kind geliebt, aber Dean und Cindy haben sich verändert. Cindy hat ihr Medizinstudium aufgegeben und arbeitet als Krankenschwester. Glücklich ist sie damit nicht, denn ihre Träume sahen anders aus. Dean arbeitet als Maler, ist Kettenraucher, trinkt morgens schon das erste Bier und hat jeglichen Ehrgeiz verloren.

Um ihrer Beziehung wieder eine neue Chance zu geben, mietet Dean für eine Nacht ein Motelzimmer im futuristischen Stil. Es soll etwas ganz Besonderes sein und geht so schief, wie es nur schief gehen kann. Am Tiefpunkt angelangt, gehen Cindy und Dean im Streit auseinander und kurz darauf ihre Ehe ganz in die Brüche. Am 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag, den die Menschen mit Feuerwerk feiern, verlässt Dean seine Familie, weil Cindy ihnen keine Chance mehr gibt. Frankie bleibt traurig zurück.

Das ist ein zutiefst trauriger Film, der von geplatzten Lebensträumen erzählt und der aufzeigt, wie sehr der Alltag eine Liebe zerstören kann. Wo und wann die Liebe abhanden gekommen ist, wird nicht erklärt, vielleicht war die Beziehung schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Vielleicht waren auch schon die Voraussetzungen nicht perfekt, denn beide kamen aus einem nicht funktionierenden Elternhaus und hatten somit auch keine guten Vorbilder. Wer hat die aber heute auch schon?

Michelle Williams und Ryan Gosling liefern hier eine großartige Leistung ab, denn beide sind zu jeder Zeit absolut authentisch. Sind sie zu Beginn noch voller Leben und Liebe, wandelt sich das Bild ganz stark zum Ende hin. Da sind beide nur noch leer und traurig, wobei Cindy sich dagegen noch verzweifelt aufzulehnen versucht, während Dean sich dem Stillstand bereits völlig ergeben hat. Seine körperliche und optische Verwandlung ist dabei extrem gut gelungen und erschreckend echt geraten. Ryan Gosling verkörpert seine Rollen stets besonnen und ohne je zu übertreiben. Er spielt insgesamt eher minimalistisch und bleibt dadurch umso glaubhafter.

Insgesamt gesehen ein schmerzhafter, aber sehr empfehlenswerter Film, der unter die Haut geht. Sollte man nicht verpassen, allein schon wegen der beiden herausragenden Hauptdarsteller.



Donnerstag, 8. März 2012

Crazy, Stupid, Love

"Crazy, Stupid, Love" ist ein Film von Glenn Ficarra und John Requa aus dem Jahr 2011. Das Drehbuch stammt von Dan Fogelman. Die Namen muss man sich nicht merken, denn nach dieser vollkommen witzlosen Komödie bleibt zu hoffen, dass einem weitere Werke dieser Art erspart bleiben.

Kurz zur Handlung: Cal (Steve Carell) und seine Frau Emily (Julianne Moore) trennen sich, weil sie es so will und eine Affäre mit ihrem Kollegen David (Kevin Bacon) hat. Eigentlich war es nur ein One-Night-Stand, aber Emily ist fest entschlossen, etwas in ihrem Leben zu ändern. Cal ist verzweifelt und landet in einer Bar, in der er von nun an jeden Tag sitzt und die anderen Gäste mit seinem Unglück belästigt.

In dieser Bar verkehrt auch der junge Womanizer Jacob (Ryan Gosling), der ständig Frauen aufreißt und dem Cal in seiner Verzweiflung auffällt. Jacob nimmt Cal unter seine Fittiche, kleidet ihn neu ein und gibt ihm Flirttipps. Er versucht Cals Männlichkeit wiederherzustellen, was nicht ganz einfach ist, da der sich als harter Brocken erweist. Cal hat schließlich einen One-Night-Stand mit Kate (Marisa Tomei), die sich aber später als Lehrerin seines Sohnes herausstellen wird, was noch zu einigen Komplikationen führt.

Cals dreizehnjähriger Sohn ist in die Babysitterin seiner kleinen Schwester verliebt, die vier Jahre älter als er ist und die ihrerseits in Cal verliebt ist. Jacob verliebt sich gegen seinen Willen in die junge Hannah (Emma Stone), die einzige Frau, die seinem Charme widersteht. Hannah entpuppt sich später auch noch als Cals Tochter, was für erneuten Sprengstoff sorgt.

Den Rest spare ich mir hier, so interessant ist das auch alles nicht. Nach einer großen Klopperei im Garten der Familie, hält der Sohn von Cal und Emily bei einer Schulfeier eine derart sülzige Rede, die einem glatt die Schuhe auszieht. Danach gibt es, wie in amerikanischen Wohlfühl-Filmen so üblich, Friede, Freude und Eierkuchen, bis einem übel wird, falls das bis dahin nicht schon längst geschehen ist.

Nein, mir hat dieser Film nicht gefallen und da gibt es auch gar keine Diskussionen darüber. Als Komödie kann ich den auch nicht durchgehen lassen, weil er einfach nicht komisch ist. Das liegt in erster Linie an Steve Carell, der mich nur nervt und dessen "Humor" mir verschlossen bleibt. Genauso nervt mich die "Botschaft" dieses grauenvollen Films, man muss einfach für seine Liebe kämpfen, dann wird schon alles gut. Wo sind wir denn hier? Im Mickey-Mouse-Club? Also bitte!

Die deutschen Untertitel sind mitunter etwas merkwürdig und weichen von den tatsächlichen Dialogen ab, warum auch immer. So spricht z. B. Hannah am Anfang davon, für Conan O'Brien zu schwärmen, der in den Untertiteln aber durch Bill Clinton ersetzt wird. Warum?

Kommen wir zu den Darstellern. Wie gesagt, ich finde Steve Carell nicht komisch, sondern eher anstrengend. Julianne Moore, Kevin Bacon und Marisa Tomei kommen kaum zum Zug und werden einfach verschenkt. Der Star des Films ist eindeutig Ryan Gosling, der so unverschämt gut aussieht und sexy ist, dass man es kaum glauben kann. Er ist selbstverständlich viel zu gut für diese Rolle, das ist wie Perlen vor die Säue werfen, aber auch andererseits der einzige Grund, sich dieses sinnlose Spektakel anzuschauen.

Die Szenen zwischen ihm und der zauberhaften Emma Stone sind wirklich sehenswert. Wenn er bei sich zu Hause aufwendig zwei Drinks mixt, die Hannah total nervös blitzschnell herunterkippt und die beiden dann die "Dirty Dancing"-Hebefigur nachahmen, dann erreicht der Film eine Qualität, die er sonst leider nicht hat.

Eine Empfehlung kann ich leider nicht geben, weil hier so viel nicht funktioniert. Schade, das hätte wirklich besser sein können. Als Trost gibt es aber noch ein Highlight zum Schluss, das konnte ich mir einfach nicht verkneifen.

Sonntag, 4. März 2012

Drive

"Drive" ist ein Film von Nicolas Winding Refn aus dem Jahr 2011. Das Drehbuch stammt von Hossein Amini und beruht auf dem gleichnamigen Roman von James Sallis.

Der Driver (Ryan Gosling), seinen Namen erfährt man nicht, arbeitet tagsüber als Automechaniker für seinen Freund Shannon (Bryan Cranston) und als Stuntfahrer, während er nachts als Fahrer von Fluchtfahrzeugen bei Überfällen tätig ist. Er hat strenge Regeln, er wartet genau fünf Minuten, dann ist er weg, er trägt keine Waffen und er beteiligt sich nicht an den Raubzügen. Er ist der Fahrer und er ist der Beste. Selbst wenn die Polizei hinter ihm her ist, deren Funk er abhört, gelingt ihm immer die Flucht.

Ein Privatleben hat der schweigsame Mann nicht, er ist immer allein und kehrt in seine sparsam möblierte Wohnung zurück. Eines Tages lernt er seine neue Nachbarin, die hübsche Irene (Carey Mulligan) kennen, die mit ihrem kleinen Sohn nebenan eingezogen ist. Sie freunden sich an und verbringen viel Zeit miteinander. Irenes Mann Standard (Oscar Isaac) sitzt im Gefängnis, kommt aber bald darauf wieder nach Hause. Er wird allerdings von ein paar schrägen Typen unter Druck gesetzt und zusammengeschlagen, weil er ihnen Geld schuldet. In ihrem Auftrag soll er ein Pfandhaus überfallen, sonst würden die Typen sich an seiner Frau und seinem Sohn vergreifen.

Driver bietet seine Hilfe als Fahrer an, um Irene und ihre Familie zu schützen. Der Coup geht schief und entpuppt sich als falsches Spiel, denn Driver und Blanche (Christina Hendricks) können zwar mit dem Geld entkommen, aber Standard wird noch vor Ort erschossen. Sie erbeuten insgesamt eine Million Dollar, mehr als eigentlich geplant war. Das Geld gehört der Ostküsten-Mafia. Bernie Rose (Albert Brooks) und sein Partner Nino (Ron Perlman) müssen nun versuchen, die Wogen zu glätten.

Die Aktion läuft völlig aus dem Ruder, weil jeder nur noch seine eigenen Interessen verfolgt. Kurz zusammengefasst, es gibt viele Tote, während Driver weiterhin alles daran setzt, Irene und ihren Sohn zu beschützen, um jeden Preis.

Mehr will ich hier nicht verraten, denn der Film ist zu gut, um ihn zu verpassen. Ein toller Soundtrack und wunderbare Bilder machen dieses Werk zu einem der besten Filme der letzten Zeit. Mit dem Begriff "Meisterwerk" sollte man sparsam umgehen, aber hier passt er sehr gut. Mich hat der Film total begeistert und ich muss sagen, sämtliche positiven Rezensionen sind gerechtfertigt. Man wird ein bisschen an die Filme von Michael Mann erinnert, auch wenn "Drive" selbstverständlich ein ganz eigenständiger Film ist. Er ist nervenzerfetzend, erzeugt Gänsehaut und hat auch ganz viele ruhige Momente, die sehr sensibel und sanft sind. Die Fahrten durch das nächtliche Los Angeles haben zudem einen ganz besonderen Reiz und lassen sich nicht in Worte fassen. Die Bilder muss man einfach auf sich wirken lassen, das ist sensationell.

Kommen wir zu Ryan Gosling, dem Mann der Stunde. Mit diesem Film wird er wahrscheinlich Kultstatus erringen. Er spricht wenig, hat immer alles im Blick, ist knallhart in seinem Job und beinahe liebevoll in seinem knappen Privatleben. Die Kamera ist immer auf ihn gerichtet, fängt jede Emotion in Großaufnahme ein. Er ist charismatisch und zum Verlieben, kann aber im nächsten Moment unglaublich brutal werden. Kein anderer Darsteller kann ihm hier das Wasser reichen, diesen Spagat schafft derzeit nur er allein.

Von den vielen großartigen Bildern muss ich hier eine Szene besonders erwähnen. Als Driver und Irene im Fahrstuhl zusammen mit einem Killer sind, wendet sich Driver zu Irene und küsst sie zärtlich. Dabei verändert sich das Licht und wird gedimmt, bevor sich Driver an den Killer wendet und das Licht wieder erstrahlt. Das ist ganz hervorragend gemacht. Erwähnenswert ist ebenfalls die Jacke mit dem großen Skorpion auf dem Rücken, die der Driver trägt. Nachdem Irene den Fahrstuhl verlassen hat und der Killer sehr brutal ermordet wurde, bleibt das Bild auf dem Skorpion hängen, der fast lebendig erscheint. Ganz große Klasse und ein Bild, das definitiv im Gedächtnis bleibt.

Was soll ich hier noch sagen, der Film ist einfach unglaublich gut, die Musik bleibt im Ohr und Ryan Gosling ist einer der besten Schauspieler, die es derzeit gibt. Besser geht es nicht. Ganz große Empfehlung, auch wegen der sehr guten Nebendarsteller, die man hier nicht vergessen sollte. Der Film selbst hat ohne Frage Kultpotential.

Samstag, 3. März 2012

Half Nelson

"Half Nelson" ist ein Film von Ryan Fleck aus dem Jahr 2006. Das Drehbuch schrieb Fleck zusammen mit Anna Boden.

An einer Highschool in Brooklyn unterrichtet der junge Lehrer Dan Dunne (Ryan Gosling) seine Schüler in Geschichte. Nebenbei ist er auch noch als Basketballtrainer tätig. Dan ist ein unkonventioneller Typ, dem das Wohl seiner hauptsächlich farbigen Schüler am Herzen liegt. Sie sollen etwas aus ihrem Leben machen und nicht auf die schiefe Bahn geraten.

Sein eigenes Leben hat Dan allerdings so gar nicht im Griff, denn außerhalb der Schule bestimmen die Drogen seinen Alltag. Mit Koks und Crack übersteht er die einsamen Abende und die langen Wochenenden. Eines Nachmittags findet ihn seine dreizehnjährige Schülerin Drey (Shareeka Epps) völlig zugedröhnt in der Toilette der Sporthalle. Sie bleibt bei ihm und hilft ihm auf die Füße, ohne ein Wort darüber zu verlieren. Das ist der Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen der beinahe erwachsen wirkenden Drey und ihrem Lehrer Dan, der drauf und dran ist im Drogensumpf zu versinken.

Dan will sich um Drey kümmern, muss aber erkennen, dass sie Kontakt zu Frank (Anthony Mackie) hat, der ausgerechnet Dans Drogendealer ist. Schon bald findet sich Drey in der unangenehmen Situation wieder, zwischen Dan und Frank zu agieren.

Dan trifft seine Ex-Freundin Rachel (Tina Holmes), die er anscheinend immer noch liebt, die aber einen anderen heiraten wird. Rachel bezeichnet Dan als ein großes Baby, während er sich selbst für ein Arschloch hält. Ein Abend bei seiner Familie gibt ihm dann den Rest, da seine oberflächlichen Eltern nur mit sich selbst beschäftigt sind und ihren Sohn nur mit den üblichen Floskeln abfertigen, ohne je ein echtes Gespräch zu führen. Über das wahre Leben ihres Sohnes wissen sie nicht das Geringste.

Am Ende ist es Drey, die sich ganz selbstverständlich um Dan kümmert, ohne eine Frage zu stellen. Der Anfang ist gemacht, ob Dan sein Leben ändern wird, das ist offen...

Das ist ein sehr berührender kleiner Independent-Film, der von einem verzweifelten Menschen erzählt, der auf der Suche nach dem Sinn in seinem Leben ist. Seine Einsamkeit und die Trauer um seine verlorenen Ideale bekämpft er mit Drogen, die ihn aber immer mehr hinunterziehen. Seinen Traum, Schriftsteller zu werden, musste er schon begraben, weil er gar nicht erst anfangen kann zu schreiben. Sein ständiger Kampf mit seinen inneren Dämonen macht ihn kaputt und handlungsunfähig. Vielleicht ist Drey ja sein rettender Anker, zu wünschen wäre es ihm.

Ryan Gosling ist ein Schauspieler an dem man derzeit einfach nicht vorbei kommt. Möchte man aber auch gar nicht, denn er ist wirklich großartig, auch in dieser Rolle. Er zeigt hier eine äußerst beeindruckende Leistung als menschliches Wrack, als drogensüchtiger Lehrer mit Idealen, die ihn auffressen, und dabei bleibt er einem doch immer sympathisch, egal was er tut und wie zugedröhnt er auch ist. Man möchte ihn in den Arm nehmen und vor der bösen Welt beschützen, dieses Gefühl vermittelt er mit nur einem einzigen Blick. Grandios. Mich erinnert er fast ein bisschen an den jungen Gary Oldman, der seit Jahren zu meinen erklärten Lieblingsschauspielern gehört. Ryan Gosling gehört nun auch dazu, denn von ihm gibt es noch viel zu sehen.

Insgesamt gesehen ein sehr schöner Film, der fantastisch gespielt ist, gerade auch von der jungen Shareeka Epps. Ganz große Empfehlung.



Samstag, 25. Februar 2012

All Beauty Must Die

"All Beauty Must Die" - "All Good Things" ist ein Film von Andrew Jarecki aus dem Jahr 2010. Das Drehbuch stammt von Marcus Hinchey und Marc Smerling und beruht auf einer wahren Begebenheit.

New York City, Anfang der Siebziger Jahre. Sanford Marks (Frank Langella) gehören große Teile des Times Square, die er von seinem Vater geerbt hat. Er selbst ist inzwischen ein millionenschwerer Immobilienmogul, der nur für seine Arbeit lebt. Ganz selbstverständlich erwartet er von seinen beiden Söhnen, ebenfalls in die Firma einzusteigen. Doch David (Ryan Gosling), der ältere Sohn, hat andere Pläne und will mit dem Familienunternehmen nichts zu tun haben.

David lernt die junge und hübsche Katie (Kirsten Dunst) kennen, in die er sich verliebt. Katie stammt aus einer Familie aus der Mittelschicht, was für Sanford Marks unerträglich ist. Doch David und Katie leben ihre Liebe, sie heiraten und ziehen nach Vermont, um dort einen Bioladen zu eröffnen, ein Traum, den sich beide damit erfüllen. Davids Vater setzt seinen Sohn aber immer mehr unter Druck, bis der schließlich nachgibt und das junge Paar zurück nach New York zieht. David steigt gegen seinen eigentlichen Willen in die Firma seines Vaters ein und beginnt sich immer mehr zu verändern.

Zunächst läuft noch alles ganz gut, Katie richtet die Wohnung ein, es fehlt an nichts. Bald legen sich die Beiden ein Wochenendhaus auf dem Land zu, sie geben Partys und scheinen glücklich zu sein. Katie wird schwanger und sie wünscht sich das Kind, aber David lehnt Kinder ab, weil er nicht so werden will wie sein Vater. Er zwingt Katie zu einer Abtreibung, was zu einem ersten Bruch in ihrer Beziehung führt.

Katie flüchtet sich in Drogen, geht wieder zur Schule und will Medizin studieren. David wird immer verschlossener, vermeidet Kontakte mit anderen und neigt zur Gewalttätigkeit. Die Ehe wird zur Hölle. Eines Tages dann, im Jahr 1982, verschwand Katie plötzlich spurlos und wurde nie wieder gesehen...

Der Film geht noch weiter, aber um nicht zu viel zu verraten, höre ich hier lieber auf. Die Handlung konzentriert sich ganz auf das Leben und den Charakter von David, der als kleiner Junge den Selbstmord seiner Mutter mit ansehen musste, was ihn schwer traumatisiert hat. Von seinem Vater hatte er keine Liebe zu erwarten, im Gegenteil, dieser schrieb ihm sogar vor, wie er sein Leben zu führen hat. Derart seelisch verbogen wurde aus David ein Soziopath, den selbst Katies Liebe nicht retten konnte.

Die Besetzung lässt keine Wünsche offen, hier passt alles zusammen. Ryan Gosling ist überragend als David, der immer mehr dem Wahnsinn verfällt. Kirsten Dunst verleiht ihrer Rolle eine gewisse Zartheit und Verletzlichkeit und Frank Langella ist wie üblich der Teufel in Person, gleichzeitig großartig und widerlich. In einer Nebenrolle taucht später noch der wunderbare Philip Baker Hall auf, der den guten Cast vervollständigt.

Insgesamt gesehen ein Film, der sich nicht wirklich einordnen lässt und dessen Handlung sich über mehr als dreißig Jahre erstreckt. Angefangen als Liebesgeschichte, wird daraus ein Thriller und das Psychogramm eines verzweifelten Menschen. Kein einfacher und angenehmer Film, aber durchaus empfehlenswert.