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Samstag, 13. Dezember 2014

Zärtlichkeit

"Zärtlichkeit" - "La tendresse" ist ein Film von Marion Hänsel (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013.

Der junge Belgier Jack (Adrien Jolivet) arbeitet als Skilehrer in den französischen Alpen. Als er sich bei einem Skiunfall das Bein bricht und keine Versicherung seinen Rücktransport nach Belgien übernimmt, machen sich seine geschiedenen Eltern auf den Weg, ihren Sohn abzuholen.

Lise (Marilyne Canto) und Frans (Olivier Gourmet) sind seit fünfzehn Jahren getrennt, aber einander immer noch in Freundschaft verbunden. Es fällt kein böses Wort zwischen ihnen, im Gegenteil, sie können über ihre kleinen Macken und Fehler lachen. Der stets überlegt handelnde Frans und die leicht chaotische Lise scheinen zwar sehr unterschiedlich zu sein, aber sie eint die Liebe zu ihrem Sohn Jack und die Erinnerung an ihre gemeinsame Vergangenheit.

Von Belgien aus führt sie der Weg auf einer neunstündigen Autofahrt nach Frankreich, wo Jack bereits aus dem Krankenhaus entlassen wurde und zusammen mit seiner Freundin Alison (Margaux Châtelier) wieder in seiner Unterkunft angekommen ist. Die Wege von Jack und Alison werden sich nun trennen und beide genießen noch die Zeit, die ihnen bleibt.

Nach einem letzten gemeinsamen Abend zu viert, geht es am nächsten Morgen zurück nach Frankreich. Jack macht es sich so gut es geht im Geländewagen seines Vaters bequem, während Lise mit dem Auto ihres Sohnes den beiden nachfährt. Unterwegs nimmt sie den Anhalter Léo (Sergi López) mit, einen Seemann, der auf dem Weg nach Norwegen ist. Léo übernimmt auch für einige Zeit das Steuer, damit Lise schlafen kann und verabschiedet sich bei einem Halt, um weiter per Anhalter Richtung Norden zu kommen.

Am späten Abend erreicht die Familie ihr Ziel, alle sind müde, aber glücklich über den Verlauf der Reise.

Mehr passiert nicht und das muss es auch nicht. Es gibt keine Dramen zu erleben, sondern einfach eine kleine, wenn auch getrennte Familie, die sich gegenseitig hilft und füreinander da ist. Das ist total unspektakulär und wunderschön. Wer auf Action steht, der ist hier definitiv im falschen Film. Mir hat dieser großartige kleine Film, der gerade mal rund 75 Minuten dauert, allerdings ausgesprochen gut gefallen. Wie erholsam, auch mal so eine leise Geschichte erleben zu können, in der praktisch kaum etwas geschieht und die doch von Anfang bis Ende fesselt, wenn man sich darauf einlassen kann.

Die Schauspieler sind ein Traum, allein schon wegen Marilyne Canto und Olivier Gourmet muss man diesen Film lieben. Und auch der immer wunderbare Sergi López verleiht seiner kleinen Rolle einen besonderen Zauber.

Die DVD ist bei Salzgeber erschienen, was ich sehr begrüße, denn sonst wäre dieser fabelhafte kleine Film wohl völlig untergegangen. Ganz große Empfehlung von mir.

 

Montag, 26. Dezember 2011

On the run

"On the run" - "La proie" ist ein Film von Eric Valette aus dem Jahr 2011. Das Drehbuch stammt von Laurent Turner und Luc Bossi.

Der Bankräuber Franck Adrien (Albert Dupontel) sitzt im Gefängnis und wartet auf seine Entlassung. Die Beute des letzten Überfalls, immerhin zwei  Millionen, hat er in Sicherheit gebracht, aber diverse Mitwissende wollen sie ihm zu gerne abjagen. Franck jedoch ist sehr verschlossen, will mit niemandem Ärger haben und seine Zeit im Gefängnis in Ruhe absitzen. Er will so schnell wie möglich wieder nach Hause zu seiner Frau Anna (Caterina Murino) und seiner kleinen Tochter Amelie.

Seine Zelle teilt Franck mit Jean-Louis Maurel (Stéphane Debac), einem angeblichen Kinderschänder, der immer wieder seine Unschuld beteuert. Als die anderen Gefangenen auf ihn losgehen, greift Franck ein und verteidigt Jean-Louis. Wenig später wird Franck selbst Opfer der Gewalt der anderen und landet in der Krankenstation. Jean-Louis kommt frei, weil sein angebliches Opfer die Aussage widerruft. Franck bittet ihn derweil, seiner Frau Anna eine Nachricht zukommen zu lassen.

Nach der Entlassung von Jean-Louis bekommt Franck Besuch von Manuel Carrega (Sergi López), einem ehemaligen Polizisten, der ihn über die wahren Taten des anscheinend so unschuldigen Jean-Louis aufklärt. Dieser ist ein Serienkiller, der bereits seit Jahren junge Frauen umbringt, ohne bisher dafür zur Rechenschaft gezogen worden zu sein. Als Franck begreift, dass seine Familie in höchster Gefahr ist, bricht er aus dem Gefängnis aus.

Was nun folgt, ist eine actiongeladene Handlung, die ich hier nicht im Einzelnen wiedergeben will, das sollte sich jeder selbst anschauen. Franck gelingt eine halsbrecherische Flucht aus dem Gefängnis und vor der Polizei, während ihm die Häscher immer auf der Spur sind. Währenddessen kommt die wirkliche und grausame Identität von Jean-Louis heraus, der inzwischen weiter mordet. Zusammen mit seiner Frau Christine (Natacha Régnier), die ihm blind gehorcht, hat er Francks kleine Tochter in seiner Gewalt.

Die Polizistin Claire (Alice Taglioni) zweifelt indessen an der Schuld Francks und will ihm helfen, aber die Zeit wird immer knapper und die Beweise sprechen alle gegen ihn. Es kommt zu einem gewalttätigen Showdown, der scheinbar alles beendet.

Warum scheinbar? Na ganz einfach, Storys dieser Art haben einfach kein glückliches Ende, oder etwa doch?

Dieser Film ist ganz großartig, gar keine Frage. Mag auch einiges eher fragwürdig erscheinen, egal, spannend ist er auf jeden Fall. Aufgeteilt ist er eigentlich in drei Teile, zuerst der harte Knastalltag, dann die Flucht und der Kontakt zu dem ehemaligen Polizisten und schließlich die Verfolgung des Mörders, der das Kind von Franck bei sich hat.

Die Darsteller sind durchgehend überzeugend und glaubwürdig, ob nun Albert Dupontel, Stéphane Debac oder der wie immer wunderbare Sergi López, hier ist jeder bestens besetzt. Große Empfehlung für einen sehr sehenswerten Film.

Sonntag, 31. Juli 2011

Pans Labyrinth

"Pans Labyrinth" - "El laberinto del fauno" ist ein Film von Guillermo del Toro (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2006.

Die Geschichte spielt in Spanien, im Jahr 1944. Der Bürgerkrieg ist lange vorbei, aber noch immer kämpfen vereinzelte Rebellengruppen gegen das Militär. Die zwölfjährige Ofelia (Ivana Baquero) ist mit ihrer hochschwangeren Mutter Carmen (Ariadna Gil) auf dem Weg in die Berge Nordspaniens, wo Carmens neuer Ehemann Hauptmann Vidal (Sergi López) auf ihre Ankunft wartet. Er ist mit seiner Einheit dort stationiert und macht Jagd auf die Rebellen, die sich in den Bergen verschanzen.

Für Ofelias Mutter ist die Reise eigentlich viel zu anstrengend, aber Vidal besteht darauf, dass sein Sohn bei ihm zur Welt kommen soll. Ihn interessiert sowieso nur sein zukünftiger Stammhalter, um Carmen sorgt er sich nicht und Ofelia ist ihm eher lästig. Vidal ist ein grausamer und menschenverachtender Hauptmann, der lustvoll Gefangene foltert und auch Unschuldige ohne jede Gefühlsregung tötet.

Vor dem Schrecken und der Brutalität die um sie herum herrschen, flüchtet sich Ofelia in eine Fantasiewelt, die aber gleichfalls von grausamen Wesen bevölkert ist. Ein merkwürdiges Insekt, das sich als kleine Fee entpuppt, führt Ofelia in ein nahe gelegenes Labyrinth und über eine Treppe hinab in ein unterirdisches Reich. Hier lernt Ofelia den Faun Pan kennen, der ihr erzählt, dass sie die Prinzessin des geheimen Reiches sei, aber vor vielen Jahren aus Neugier zu den Menschen an die Oberfläche gegangen sei und ihre Erinnerung an ihr früheres Leben verloren hat. Um wieder zu ihrem Vater und ihrem Volk zurückkehren zu können, muss sie allerdings drei Prüfungen bestehen, bevor der nächste Vollmond erscheint. Pan übergibt Ofelia ein altes Buch mit leeren Seiten, in dem nach und nach die Aufgaben erscheinen, die sie bestehen muss.

In der wirklichen Welt erkrankt ihre Mutter immer mehr und stirbt schließlich bei der Geburt ihres Sohnes. Ofelias einzige Vertraute ist das Hausmädchen Mercedes (Maribel Verdú), die heimlich mit den Rebellen sympathisiert, unter denen sich auch ihr Bruder Pedro (Roger Casamajor) befindet. Ofelias Lage wird immer aussichtsloser, ihr verhasster Stiefvater hat nur Verachtung für sie übrig und es gelingt ihr nicht, die ihr gestellten Aufgaben zu bestehen. Wird es eine Erlösung für sie geben, in welcher Welt auch immer?

Dieser Film geht definitiv an die Nieren, das lässt sich nicht leugnen. Guillermo del Toro präsentiert hier ein Märchen für Erwachsene, das die grausame Realität mit Bildern einer Fantasiewelt und seltsamen Fabelwesen mischt. Dabei scheut er sich auch nicht vor drastischen Darstellungen, die zwar nicht besonders angenehm sind, aber hier einfach dazu gehören. Ich fühlte mich am Ende ein wenig erschlagen, aber der Film ist trotzdem sehr beeindruckend und bewegend. Das Schicksal der kleinen Ofelia geht unter die Haut und bleibt im Gedächtnis, das hat del Toro großartig erzählt.

Die Bilder sind düster, auch die Fantasiewelt ist nicht bunt, sondern eher grau gehalten und die Darsteller sind allesamt wunderbar. Neben der jungen Ivana Baquero, die hier eine fantastische Leistung zeigt, überzeugen besonders Sergi López als fieser Capitan und Maribel Verdú.

Insgesamt gesehen ein sehr außergewöhnlicher Film, der absolut sehenswert ist, aber auch viele dramatische Momente hat, die nicht immer leicht zu ertragen sind. Für einen netten Abend also eher nicht geeignet. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch noch Guillermo del Toros Film "The Devil's Backbone" aus dem Jahr 2001, der eine ähnliche Thematik behandelt. Beide Filme sind sehr empfehlenswert, aber sicher nicht für jeden Geschmack.

Sonntag, 15. August 2010

Ricky

"Ricky" ist ein Film von Francois Ozon (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2009.

Der Film handelt von der Fabrikarbeiterin Katie (Alexandra Lamy), die als alleinerziehende Mutter mit ihrer siebenjährigen Tochter Lisa (Mélusine Mayance) zusammenlebt. Lisa ist ein kleines Mädchen, das viel zu ernst und zu erwachsen für ihr Alter ist. Wir sehen, wie sie sich um ihre Mutter kümmert und schnell wird klar, hier sind die Rollen etwas vertauscht. In der Fabrik lernt Katie Paco (Sergi López) kennen, die beiden verlieben sich, Paco zieht bei Katie und Lisa ein und bald darauf wird das Baby Ricky geboren. Das neugewonnene Familienglück hält jedoch nicht lange, Ricky schreit viel, die Stimmung ist gereizt. Als Katie auf Rickys Rücken Verletzungen findet, verdächtigt sie Paco, den Jungen misshandelt zu haben. Paco verlässt daraufhin die Familie. Kurze Zeit später wird klar, dass Ricky Flügel wachsen und bald schon unternimmt der Kleine erste Flugversuche...

Trotz der Entwicklung um Ricky und seine Flügel gleitet der Film nie in Albernheit ab, sondern erzählt die Geschichte einfach weiter, als wäre es das Normalste überhaupt. Herausgekommen ist ein berührendes und wunderschönes Märchen, in einer Umgebung, die man sonst nicht in solchen Geschichten vorfindet.

Francois Ozon legt mit "Ricky" sein neuestes Werk vor und schon vor dem Kinostart war klar, der Film spaltet wieder einmal sowohl Kritiker als auch Zuschauer. Wer etwas Altbekanntes bei Ozon erwartet, der wird genau das nicht bekommen. Ozon will mit jedem Film etwas Neues erschaffen und sich selbst und den Zuschauer überraschen. Das gelingt ihm nebenbei bemerkt ganz hervorragend. Bei "Ricky" geht das Gezeter gleich weiter. Die Kritiker fragen sich was das sein soll. Sozialdrama, Märchen, Fantasy? Bei uns muss ja immer alles schön in eine Schublade passen. Diesem Diktat unterwirft sich Ozon jedoch nicht im Geringsten und das ist auch gut so. Wie in seinen anderen Filmen überlässt er es auch hier wieder dem Zuschauer, seinen eigenen Blick auf die Dinge zu finden und eigene Schlüsse zu ziehen. Seine Filme wirken noch lange nach und Ozon verzichtet dankenswerterweise darauf, ihnen einen Stempel aufzudrücken, wie man sie zu verstehen hat. Massenkompatibel sind seine Filme sowieso nicht und das ist durchaus als Kompliment gemeint. Schön zu sehen, dass es Regisseure wie Ozon gibt, die sich trauen, fest getrampelte Pfade zu verlassen und eigene Wege zu gehen.

Hier kommt er uns mit einem herzigen Baby und macht deutlich, wer sein großes Vorbild ist: Rainer Werner Fassbinder. Genau wie Fassbinder hat auch Ozon einen Blick für das Wesentliche. Es geht um die alltäglichen Probleme des Zusammenlebens. Ein neues Familienmitglied kommt hinzu, sei es nun der neue Partner oder auch das Kind. Alles gerät durcheinander und muss sich erst wieder neu finden. Ebenso kann man "Ricky" nach "Unter dem Sand" und "Die Zeit die bleibt" als Abschluss einer Trilogie der Trauer bezeichnen. Geht es um den Tod eines Kindes, das Loslassen können? Es gibt viele Möglichkeiten der Deutung dieses Filmes. Ich empfehle deshalb, einen eigenen Blick zu wagen und eine eigene Meinung zu bilden, es lohnt sich.

Donnerstag, 12. August 2010

Die Affäre


"Die Affäre" ist ein Film von Catherine Corsini (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2009. Der französische Originaltitel lautet "Partir".

Suzanne (Kristin Scott Thomas) lebt in Südfrankreich, ist die Ehefrau des Arztes Samuel (Yvan Attal), Mutter zweier Kinder und möchte nach fünfzehn Jahren wieder in ihrem Beruf als Physiotherapeutin arbeiten. Zu diesem Zweck will ihr Mann ihr eine Praxis in einem kleinen Häuschen auf dem eigenen Grundstück einrichten lassen. Da er den Preis des örtlichen Bauunternehmers drücken will, beschließt dieser den spanischen Handwerker Ivan (Sergi López) die Arbeit machen zu lassen. Ivan muss nun erst einmal das Häuschen leer räumen und Suzanne hilft ihm spontan dabei. Die beiden freunden sich an. Als Ivan durch Suzannes Schuld einen Unfall hat und sich am Fuß verletzt, bietet sie ihm an, ihn nach Spanien zu fahren, damit er seine kleine Tochter sehen kann. Auf der Fahrt dorthin erzählt Ivan, dass er im Gefängnis war und seine Tochter nur selten sehen kann. Da Suzanne Ivan mit seinem verletzten Fuß nicht alleine lassen will, beschließt sie den Tag dort zu verbringen und in einem kleinen Hotel zu übernachten. Sie genießt den freien Tag und fühlt seit Jahren zum ersten Mal wieder so etwas wie Glück und Freiheit. Den Abend verbringt sie mit Ivan in einem Restaurant und die beiden verstehen sich immer besser. Es knistert deutlich zwischen ihnen.

Die Arbeiten auf dem Grundstück übernimmt ein anderer Handwerker, da Ivan immer noch krank ist. Suzanne besucht Ivan zu Hause in seiner kleinen und kargen Wohnung und die Leidenschaft zwischen ihnen entbrennt. Suzanne ist nervös wie ein Teenager, aber sie kann sich nicht gegen ihr Verlangen wehren. Ihr Ehemann ist meistens nur kühl und desinteressiert und hier erlebt sie endlich wieder echte Gefühle. Zu Hause wartet ein kaltes und durchgestyltes Haus und ein eben solches Leben auf sie.

In einem schwachen Moment gesteht Suzanne ihrem Mann die Affäre, woraufhin dieser in Tränen ausbricht. Sie verspricht ihm, Ivan nicht wiederzusehen, aber sie schafft es nicht. Als sie ihren Mann verlassen will, kann dieser nur mit Gewalt reagieren und Suzanne hat nur noch Verachtung für ihn übrig. "Ohne mich bist Du nichts" ist alles, was er vorbringen kann und er setzt alle Hebel in Bewegung um Suzanne und Ivan das Leben schwer zu machen. Als Mann mit Einfluss sorgt er dafür, dass beide ihre Arbeit verlieren und entzieht ihnen damit ihren Lebensunterhalt. Samuel will Suzanne erpressen, zu ihm zurückzukommen. Sie weigert sich jedoch und bricht in ihr eigenes Haus ein, um sich ein paar Wertsachen und Gemälde zu holen. Bei dem Versuch diese Sachen zu Geld zu machen, wird Ivan verhaftet. Samuel setzt Suzanne unter Druck, wenn sie wieder nach Hause kommt, wird Ivan frei gelassen. Sie willigt schließlich ein, bricht aber anschließend zusammen. Ihr Mann hat sie gedemütigt und erniedrigt und sie entschließt sich zu einer folgenschweren Tat.

Suzanne und Ivan treffen sich vor einem kleinen Haus, das sie zusammen bewohnen wollten und schließen sich in die Arme, während im Hintergrund Polizeisirenen zu hören sind. Dieses Bild und die Musik während des Abspanns brechen einem förmlich das Herz.

Das ist ein ganz wunderbarer Film, der vor allen Dingen von der fantastischen Darstellung von Kristin Scott Thomas lebt. Sie ist eine der wenigen Schauspielerinnen, die zu ihrem "Alter" steht und nicht an sich herumpfuschen lässt und das ist ganz einfach toll anzusehen. Sie kann mit ihrem Gesicht tatsächlich noch arbeiten und sämtliche Gefühlsregungen darstellen und trotz allem immer wunderschön sein. Allein dafür muss man sie einfach lieben. In der Rolle der Suzanne verkörpert sie eine Frau, die bereit ist ihr bisheriges Leben und ihre gesicherte Existenz von einem Moment auf den nächsten aufzugeben, für eine neue Liebe. Kristin Scott Thomas spielt das absolut glaubhaft. Die beiden Männerrollen werden da schon fast nebensächlich, obwohl auch diese mit Sergi López und Yvan Attal sehr gut besetzt sind.

Neben dem wunderbaren Film fallen die Extras etwas ab, das so genannte "Making-Of" besteht leider nur aus ziemlich einschläferndem Geschwafel und dauert 17 Minuten, aber der Film ist einfach zu gut und spricht auch für sich, da kann man sich die Extras auch sparen. Wirklich interessantes erfährt man hier nicht.

Ich kann nicht anders, als eine ganz große Empfehlung für diesen Film auszusprechen. Hier werden Emotionen gezeigt, denen man sich nicht entziehen kann und der deutsche Titel "Die Affäre" ist leider, wie so oft, nicht ganz passend.

Harry meint es gut mit Dir

"Harry meint es gut mit Dir" ist ein Film von Dominik Moll aus dem Jahr 2000. Das Drehbuch schrieb Moll zusammen mit Gilles Marchand.

Michel (Laurent Lucas) und seine Frau Claire (Mathilde Seigner) sind zusammen mit ihren drei kleinen Töchtern auf dem Weg in ihr Ferienhaus auf dem Land. Es ist unerträglich heiß, das Auto hat keine Klimaanlage und die Kinder quengeln und nerven auf dem Rücksitz. Die Nerven der Eltern liegen bald blank. Bei einem Zwischenstopp an einer Autobahnraststätte triftt Michel im Waschraum auf Harry (Sergi López), der sich ihm als früherer Schulkamerad vorstellt. Michel kann sich zwar nicht mehr an ihn erinnern, aber Harry dafür um so mehr. Harry, der mit seiner hübschen, aber naiv-doofen Freundin Prune eigentlich auf dem Weg in die Schweiz ist, lädt sich irgendwie selbst ins Ferienhaus von Michel und Claire ein. Die Mädchen und Claire können bei ihm im klimatisierten Wagen mitfahren und ab geht die Fahrt.

Das "Ferienhaus" entpuppt sich als baufällige Ruine, da Michel und Claire nur in den Ferien dort sind und das Haus selbst instandsetzen wollen, was nun schon einige Jahre dauert und natürlich nicht wirklich vorangeht. Michels Eltern haben ohne zu fragen das Badezimmer herrichten lassen und zwar in schreiendem Rosa, pardon, Fuchsia. Michel und Claire sind entsetzt, einerseits wegen der Farbe und andererseits wegen der ständigen Einmischungen und Bevormundungen von Michels Eltern, denen Michel nichts entgegenzusetzen hat.

Harry und Prune bleiben über Nacht und beim gemeinsamen Abendessen erzählt Harry Anekdoten aus der Schulzeit. Unter anderem berichtet er, dass Michel früher in der Schulzeitung Gedichte und den Anfang eines Romans veröffentlicht hat. Zur Verblüffung aller Anwesenden, Claire wusste von den frühen schriftstellerischen Ausflügen ihres Mannes gar nichts, kann Harry ein Gedicht auswendig vortragen, weil es ihm so gut gefällt und er es nie vergessen hat. Harry ist von nun an ganz besessen von dem Gedanken, Michel wieder zum Schreiben zu bewegen, koste es was es wolle und das ist wörtlich gemeint.

Um Michel den Rücken freizuhalten und ihm die nötige Ruhe zum Schreiben zu verschaffen, macht Harry sich in seiner scheinbar so freundlichen Art langsam unentbehrlich. Das alte Auto wird schnell gegen einen flotten und klimatisierten Geländewagen ausgetauscht, auch wenn Michel und Claire sich sehr sträuben, das anzunehmen. Nichts soll Michel ablenken und beeinflussen, Harry hat für jedes Problem eine Lösung. Tja, und ein Problem sind eben auch Michels Eltern, da muss Harry aktiv werden und das "Übel" aus der Welt schaffen.

Nach der Beerdigung nimmt Harry Michels chaotischen Bruder im Auto mit, der sich über das Gedicht von Michel nur lustig macht. Das hätte er besser nicht tun sollen und so verschwindet er leider spurlos. Michel fängt tatsächlich wieder an zu schreiben und zwar heimlich im Badezimmer. In seiner Naivität erkennt er nicht, was für ein teuflisches Spiel Harry treibt, bis er auch Prune beseitigt und Michel ihm dabei helfen soll. Und das ist noch nicht der letzte Plan von Harry...

Das ist ein großartiger und spannender Film, sehr makaber und böse, aber extrem gut gemacht und gespielt. Man könnte meinen, Hitchcock selbst hätte dem Regisseur hier über die Schulter geschaut. Der Film ist zwar nur in der deutschen Synchronfassung zu haben, aber die ist hier wirklich sehr gut gelungen, die Stimmen sind passend und glaubwürdig, so etwas würde ich mir öfter wünschen. Von Dominik Moll kann ich noch den Film "Lemming" aus dem Jahr 2005 empfehlen, der ist ebenfalls sehr sehenswert.