"Auf Wiedersehen, Kinder" - "Au revoir, les enfants" ist ein Film von Louis Malle (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1987.
Nach den Weihnachtsferien im Dezember 1943 kehrt der zwölfjährige Julien (Gaspard Manesse) zusammen mit seinem älteren Bruder Francois (Stanislas Carré de Malberg) zurück in das katholische Internat, weit außerhalb von Paris. Er mag sich kaum von seiner Mutter (Francine Racette) trennen, doch sie verspricht ihm, ihn bald schon zu besuchen.
Ein neuer Schüler ist angekommen, der junge Jean (Raphael Fejtö), der sofort Opfer von Hänseleien wird. Auch Julien beteiligt sich daran, bis er langsam dahinterkommt, dass Jean ein Geheimnis umgibt. Zuerst kann er den Jungen nicht leiden, dann ist er eifersüchtig auf ihn, der in Mathe so gut ist und auch noch perfekt Klavier spielt. Doch beide lesen gerne und tauschen ihre Bücher aus, eine zarte Freundschaft entsteht und Julien wird Jeans wahre Herkunft, die er durch einige Hinweise erraten hat, für sich bewahren.
Julien hat Lebensmittel von Zuhause mitgebracht, die er dem Küchenjungen Joseph (Francois Négret), einem kleinen Schwarzhändler, verkauft. Als Joseph wegen Diebstahls gefeuert wird, rächt er sich, in dem er die Miliz informiert, dass das Internat Juden beherbergt. An einem kalten Januarmorgen des Jahres 1944 erscheinen daraufhin deutsche Soldaten und nehmen drei Schüler, darunter auch Jean, sowie Pater Jean (Philippe Morier-Genoud) mit sich. Die Kamera fängt dabei das Gesicht von Julien ein, der seinem Freund nachblickt.
Die Stimme von Louis Malle erklärt im Off, dass die drei Jungen in Auschwitz getötet wurden, während Pater Jean in Mauthausen starb. Und auch wenn seitdem über vierzig Jahre vergangen seien, diesen Tag würde er nie mehr vergessen.
Louis Malle kehrte für diesen Film nach zehn Jahren in den USA wieder nach Frankreich zurück, weil er diese Geschichte, die autobiografische Züge hat, unbedingt verfilmen wollte. Es war für ihn ein Herzenswunsch und das spürt man auch ganz deutlich. Die große Stärke dieses Films liegt in seiner Schlichtheit, denn er wird nie rührselig oder sentimental, geschweige denn sensationsheischend, sondern zeigt das Leben der Kinder dort eben durch ihre Augen.
Es ist Krieg, die Lebensmittel sind knapp, die Heizung fällt aus und es gibt Bombenalarm. Die Jungen arrangieren sich damit, nehmen das alles nicht so ernst und spielen trotzdem ausgelassen im Hof. Warum man die Juden so sehr hasst, das wissen sie nicht und verstehen kann man das sowieso nicht. Und doch wird ihnen durch diese Ereignisse ein Teil ihrer Kindheit genommen, etwas das nie wieder gutzumachen ist. Louis Malle hat nach der Premiere seines Films geweint, wir sollten mit ihm weinen und ihm danken für dieses ganz wunderbare Werk, das einen Teil einer Geschichte aufzeigt, die niemals vergessen werden sollte.
Ganz große Empfehlung für diesen sehr packenden Film, der zudem noch außergewöhnlich gut gespielt ist.
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Dienstag, 20. Dezember 2011
Mittwoch, 26. Oktober 2011
Das Irrlicht
"Das Irrlicht" - "Le feu follet" ist ein Film von Louis Malle (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1963. Die Handlung beruht auf dem gleichnamigen Roman von Pierre Drieu La Rochelle, der 1931 veröffentlicht wurde.
Alain (Maurice Ronet) ist ein Mensch, der nichts mehr spürt. Er ist ein Verzweifelter, der keine Ziele mehr im Leben hat und auch den Glauben an Glück, Freundschaft und Liebe verloren hat. In einer noblen Entzugsklinik in Versailles soll er von seiner Alkoholsucht geheilt werden. Seine amerikanische Ehefrau Dorothy ist längst wieder in ihrem Land, sie hat Alain wegen seiner Trunksucht verlassen.
Sein behandelnder Arzt teilt ihm mit, er wäre nun geheilt und könne die Klinik wieder verlassen, doch genau das will Alain gar nicht. Zu behaglich ist das Leben dort, er muss sich um nichts kümmern und wird umsorgt. "Das Leben ist schön" sagt ihm sein Arzt, eine überflüssige Floskel, die bei Alain nur Abscheu hervorruft. Für ihn ist längst alles vorbei, er plant seinen ganz eigenen Abschied von der Welt.
"Morgen bringe ich mich um", mit diesen Worten geht Alain zu Bett und man weiß, er wird seinen Plan auch in die Tat umsetzen, die Pistole liegt bereit. Am nächsten Tag fährt er nach Paris und besucht seine Freunde von früher. Es wird ein Tag des Abschieds und der Erkenntnis, dass seine Freunde längst ihre Träume geopfert haben. Sie sind selbstgefällig geworden, verstehen nicht mehr, worum es Alain überhaupt geht oder auch nur einmal gegangen ist.
Natürlich fängt Alain wieder zu Trinken an, das ist alles, was ihm noch bleibt. Wenigstens für einen Moment den Ekel herunterspülen. Den Ekel vor sich selbst und vor den anderen, die ihn anscheinend alle verraten haben. Seine Ziele, seine Träume, alles ist weg und niemand versteht ihn. Er wird höchstens bemitleidet und man tuschelt hinter seinem Rücken über ihn.
Am Abend ist Alain wieder in seinem Zimmer und ordnet seine Sachen. Er legt sich ins Bett und richtet die Pistole auf sein Herz. "Ich bringe mich um, weil ihr mich nicht geliebt habt und ich euch auch nicht."
Dieser Film von Louis Malle geht definitiv an die Nieren, weil er so schonungslos in seiner Aussage ist. Unterlegt ist das mit der wundervollen Musik von Eric Satie und in stimmungsvollen Schwarzweißbildern eingefangen. Der wirklich fabelhafte und sehr schöne Maurice Ronet verkörpert den verzweifelten Alain so glaubhaft, dass man schon Angst um ihn haben muss. Eine beeindruckende und sensationelle Darstellung eines fantastischen Schauspielers. Da fehlen mir schon fast die Worte, besonders angesichts der immer gleichen nichtssagenden Gesichter, die heutzutage so im Kino zu sehen sind.
Insgesamt gesehen ein Film, den man sich wirklich nicht anschauen sollte, wenn man sich gerade mit Selbstmordabsichten oder Depressionen herumschlägt, denn dazu ist er zu bedrückend und deprimierend. Ansonsten kann ich nur eine ganz große Empfehlung aussprechen, denn das ist ein so bemerkenswerter Film, wie man ihn leider nur sehr selten zu sehen bekommt.
Alain (Maurice Ronet) ist ein Mensch, der nichts mehr spürt. Er ist ein Verzweifelter, der keine Ziele mehr im Leben hat und auch den Glauben an Glück, Freundschaft und Liebe verloren hat. In einer noblen Entzugsklinik in Versailles soll er von seiner Alkoholsucht geheilt werden. Seine amerikanische Ehefrau Dorothy ist längst wieder in ihrem Land, sie hat Alain wegen seiner Trunksucht verlassen.
Sein behandelnder Arzt teilt ihm mit, er wäre nun geheilt und könne die Klinik wieder verlassen, doch genau das will Alain gar nicht. Zu behaglich ist das Leben dort, er muss sich um nichts kümmern und wird umsorgt. "Das Leben ist schön" sagt ihm sein Arzt, eine überflüssige Floskel, die bei Alain nur Abscheu hervorruft. Für ihn ist längst alles vorbei, er plant seinen ganz eigenen Abschied von der Welt.
"Morgen bringe ich mich um", mit diesen Worten geht Alain zu Bett und man weiß, er wird seinen Plan auch in die Tat umsetzen, die Pistole liegt bereit. Am nächsten Tag fährt er nach Paris und besucht seine Freunde von früher. Es wird ein Tag des Abschieds und der Erkenntnis, dass seine Freunde längst ihre Träume geopfert haben. Sie sind selbstgefällig geworden, verstehen nicht mehr, worum es Alain überhaupt geht oder auch nur einmal gegangen ist.
Natürlich fängt Alain wieder zu Trinken an, das ist alles, was ihm noch bleibt. Wenigstens für einen Moment den Ekel herunterspülen. Den Ekel vor sich selbst und vor den anderen, die ihn anscheinend alle verraten haben. Seine Ziele, seine Träume, alles ist weg und niemand versteht ihn. Er wird höchstens bemitleidet und man tuschelt hinter seinem Rücken über ihn.
Am Abend ist Alain wieder in seinem Zimmer und ordnet seine Sachen. Er legt sich ins Bett und richtet die Pistole auf sein Herz. "Ich bringe mich um, weil ihr mich nicht geliebt habt und ich euch auch nicht."
Dieser Film von Louis Malle geht definitiv an die Nieren, weil er so schonungslos in seiner Aussage ist. Unterlegt ist das mit der wundervollen Musik von Eric Satie und in stimmungsvollen Schwarzweißbildern eingefangen. Der wirklich fabelhafte und sehr schöne Maurice Ronet verkörpert den verzweifelten Alain so glaubhaft, dass man schon Angst um ihn haben muss. Eine beeindruckende und sensationelle Darstellung eines fantastischen Schauspielers. Da fehlen mir schon fast die Worte, besonders angesichts der immer gleichen nichtssagenden Gesichter, die heutzutage so im Kino zu sehen sind.
Insgesamt gesehen ein Film, den man sich wirklich nicht anschauen sollte, wenn man sich gerade mit Selbstmordabsichten oder Depressionen herumschlägt, denn dazu ist er zu bedrückend und deprimierend. Ansonsten kann ich nur eine ganz große Empfehlung aussprechen, denn das ist ein so bemerkenswerter Film, wie man ihn leider nur sehr selten zu sehen bekommt.
Sonntag, 9. Oktober 2011
Die Liebenden - Les amants
"Die Liebenden" - "Les amants" ist der zweite Spielfilm von Louis Malle und stammt aus dem Jahr 1958. Das Drehbuch schrieb Malle zusammen mit Louise de Vilmorin.
Jeanne (Jeanne Moreau) lebt mit ihrem Mann Henri (Alain Cuny), einem Zeitungsverleger, in Dijon. Ihr Leben langweilt sie, ihr Mann hat kaum Zeit und Interesse für sie, also besucht Jeanne regelmäßig ihre Freundin Maggy (Judith Magre) in Paris. Dort lernt sie auch den attraktiven Polospieler Raoul (José Luis de Vilallonga) kennen, mit dem sie eine Affäre beginnt. Sie verbringt immer mehr Zeit in Paris, bis Henri langsam eifersüchtig reagiert.
Henri überredet Jeanne, ihre Freunde Maggy und Raoul übers Wochenende nach Dijon einzuladen, was Jeanne gar nicht gefällt. Auf dem Weg von Paris nach Hause hat Jeanne eine Autopanne und bleibt mit dem Wagen am Straßenrand liegen. Der Student Bernard (Jean-Marc Bory) kommt ihr zu Hilfe und nimmt sie in seinem kleinen Auto mit. Er will allerdings vorher noch einen alten Lehrer besuchen, ehe er Jeanne nach Dijon fährt. Es herrscht eine gereizte Atmosphäre zwischen den beiden, die sich aber langsam entspannt.
Als sie endlich in Dijon ankommen, sind Maggy und Raoul schon längst da und unterhalten sich mit Henri. Die Stimmung ist eher unterkühlt und Henri bittet schließlich auch noch Bernard, sich ihnen anzuschließen und die Nacht im Haus zu verbringen. Das Abendessen wird eine Katastrophe, Henri spielt den verliebten Ehemann und Jeanne, die sich zunehmend unwohler fühlt, bemerkt mit Schrecken, wie oberflächlich Maggy und Raoul im Grunde sind. Die Gespräche bei Tisch sind geistlos und hohl.
Alle gehen früh zu Bett, weil man am nächsten Morgen zum Angeln aufbrechen will. Jeanne geht nachts in den Park, um Abkühlung zu finden und trifft dort auf Bernard. Nach kurzem Zögern erkennen sie in dem jeweils anderen einen Seelenverwandten und verlieben sich leidenschaftlich. Sie verbringen die Nacht zusammen, gestehen sich ihre Liebe und beschließen, am nächsten Morgen gemeinsam wegzufahren, in eine unbestimmte Zukunft, frei von allen Zwängen.
Der Film erzählt von einer Liebe auf den ersten Blick, an die man so gerne glauben möchte, auch wenn man hier nicht weiß, wie alles für das junge Paar ausgehen wird. Eingefangen ist das von Kameramann Henri Decae in betörend schönen Bildern und stimmungsvoll unterlegt mit der Musik von Johannes Brahms. Es ist der Beginn einer wahrhaftigen Liebe, so bleibt es jedenfalls zu hoffen.
Francois Truffaut beschrieb "Les amants" als aufregenden Film, völlig zu Recht. Seinerzeit galt er jedoch als Skandalfilm, weil eine Frau hier ihren Mann und ihr Kind wegen eines jüngeren Mannes verlässt. Es gab sogar diverse Kürzungen deswegen. Das alles ist aus heutiger Sicht natürlich absurd. Auf der DVD-Hülle steht übrigens FSK 16 und auf der DVD selber FSK 0. Ja was denn nun? Nicht, dass das irgendwie von Belang wäre, es ist wie üblich nur lächerlich.
Insgesamt gesehen ein wunderschöner Film, der zum Schwärmen und Verlieben einlädt und mit Jeanne Moreau eine der schönsten Schauspielerinnen überhaupt bieten kann. Ganz große Empfehlung.
Jeanne (Jeanne Moreau) lebt mit ihrem Mann Henri (Alain Cuny), einem Zeitungsverleger, in Dijon. Ihr Leben langweilt sie, ihr Mann hat kaum Zeit und Interesse für sie, also besucht Jeanne regelmäßig ihre Freundin Maggy (Judith Magre) in Paris. Dort lernt sie auch den attraktiven Polospieler Raoul (José Luis de Vilallonga) kennen, mit dem sie eine Affäre beginnt. Sie verbringt immer mehr Zeit in Paris, bis Henri langsam eifersüchtig reagiert.
Henri überredet Jeanne, ihre Freunde Maggy und Raoul übers Wochenende nach Dijon einzuladen, was Jeanne gar nicht gefällt. Auf dem Weg von Paris nach Hause hat Jeanne eine Autopanne und bleibt mit dem Wagen am Straßenrand liegen. Der Student Bernard (Jean-Marc Bory) kommt ihr zu Hilfe und nimmt sie in seinem kleinen Auto mit. Er will allerdings vorher noch einen alten Lehrer besuchen, ehe er Jeanne nach Dijon fährt. Es herrscht eine gereizte Atmosphäre zwischen den beiden, die sich aber langsam entspannt.
Als sie endlich in Dijon ankommen, sind Maggy und Raoul schon längst da und unterhalten sich mit Henri. Die Stimmung ist eher unterkühlt und Henri bittet schließlich auch noch Bernard, sich ihnen anzuschließen und die Nacht im Haus zu verbringen. Das Abendessen wird eine Katastrophe, Henri spielt den verliebten Ehemann und Jeanne, die sich zunehmend unwohler fühlt, bemerkt mit Schrecken, wie oberflächlich Maggy und Raoul im Grunde sind. Die Gespräche bei Tisch sind geistlos und hohl.
Alle gehen früh zu Bett, weil man am nächsten Morgen zum Angeln aufbrechen will. Jeanne geht nachts in den Park, um Abkühlung zu finden und trifft dort auf Bernard. Nach kurzem Zögern erkennen sie in dem jeweils anderen einen Seelenverwandten und verlieben sich leidenschaftlich. Sie verbringen die Nacht zusammen, gestehen sich ihre Liebe und beschließen, am nächsten Morgen gemeinsam wegzufahren, in eine unbestimmte Zukunft, frei von allen Zwängen.
Der Film erzählt von einer Liebe auf den ersten Blick, an die man so gerne glauben möchte, auch wenn man hier nicht weiß, wie alles für das junge Paar ausgehen wird. Eingefangen ist das von Kameramann Henri Decae in betörend schönen Bildern und stimmungsvoll unterlegt mit der Musik von Johannes Brahms. Es ist der Beginn einer wahrhaftigen Liebe, so bleibt es jedenfalls zu hoffen.
Francois Truffaut beschrieb "Les amants" als aufregenden Film, völlig zu Recht. Seinerzeit galt er jedoch als Skandalfilm, weil eine Frau hier ihren Mann und ihr Kind wegen eines jüngeren Mannes verlässt. Es gab sogar diverse Kürzungen deswegen. Das alles ist aus heutiger Sicht natürlich absurd. Auf der DVD-Hülle steht übrigens FSK 16 und auf der DVD selber FSK 0. Ja was denn nun? Nicht, dass das irgendwie von Belang wäre, es ist wie üblich nur lächerlich.
Insgesamt gesehen ein wunderschöner Film, der zum Schwärmen und Verlieben einlädt und mit Jeanne Moreau eine der schönsten Schauspielerinnen überhaupt bieten kann. Ganz große Empfehlung.
Dienstag, 27. September 2011
Fahrstuhl zum Schafott
"Fahrstuhl zum Schafott" - "Ascenseur pour l'échafaud" ist ein Film von Louis Malle aus dem Jahr 1958 und sein erster Spielfilm. Das Drehbuch schrieb Malle zusammen mit Roger Nimier, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Noel Calef.
Die Geschichte handelt von einem fast perfekten Mord, der aber letztlich doch gründlich schiefgeht. Der ehemalige Fremdenlegionär Julien Tavernier (Maurice Ronet) arbeitet für den Waffenhändler Simon Carala (Jean Wall). Julien hat ein Verhältnis mit Florence (Jeanne Moreau), Caralas Ehefrau, die ihn zum Mord an Carala anstiftet. Der Mord, den Julien wie einen Selbstmord aussehen lässt, geht wie geplant über die Bühne, alles funktioniert so wie gedacht. Aber dann muss Julien feststellen, dass er ein Beweisstück am Tatort vergessen hat und so macht er sich erneut auf in das Bürogebäude seines, inzwischen toten, Arbeitgebers. Als er im Aufzug unterwegs ist, schaltet der Hausmeister den Strom ab und Julien sitzt fest.
Florence wartet am Abend beim vereinbarten Treffpunkt, doch Julien erscheint nicht. Stattdessen sieht sie Juliens Cabrio an sich vorbeifahren, mit einer jungen Frau auf dem Beifahrersitz. Was sie nicht weiß, der Fahrer des Wagens ist der junge Louis (Georges Poujouly), der den Wagen geklaut hat und mit seiner Freundin Veronique (Yori Bertin) eine Spritztour unternimmt. Das junge und naive Paar hat noch keine Ahnung, was am Ende dieser verhängnisvollen Nacht auf sie warten wird und Florence zweifelt immer mehr an ihrem Geliebten, während Julien weiterhin im Fahrstuhl festsitzt.
Louis und Veronique sind auf der Autobahn unterwegs und liefern sich ein Rennen mit einem Mercedes, dessen Fahrer und seine Frau aus Deutschland kommen und in einem Motel übernachten wollen. Die beiden jungen Leute mieten sich als Ehepaar Tavernier ebenfalls in dem Motel ein und verbringen den Abend mit den Deutschen. Mitten in der Nacht will Louis aber das Motel verlassen und den Mercedes stehlen, als er von dem Fahrer des Wagens dabei erwischt wird. Louis erschießt die beiden Touristen mit der Waffe von Tavernier, die im Handschuhfach des Cabrios lag.
Unterdessen irrt Florence durch das nächtliche Paris, auf der Suche nach einer Spur von Julien. Hat er ihren Ehemann getötet oder hat er sie einfach nur verlassen? Verzweifelt sucht sie die Orte auf, wo sie Julien getroffen hat und hofft vergeblich darauf, etwas über ihn zu erfahren. Als sie spät nachts auf einem Polizeirevier landet, von der Sittenpolizei aufgegriffen, teilt ihr der ermittelnde Inspektor Cherier (Lino Ventura) mit, dass Tavernier wegen Doppelmordes gesucht wird.
Am nächsten Morgen tauchen Polizisten in dem Bürogebäude auf, um Ermittlungen über Tavernier anzustellen. Julien kann endlich aus dem Fahrstuhl entkommen, während die Leiche seines Chefs gefunden wird. Julien geht ahnungslos ins nächste Bistro um zu frühstücken, als auch schon die Polizei erscheint.
Dieser beeindruckende Film des damals erst vierundzwanzigjährigen Louis Malle zählt mit zu den Werken der Nouvelle Vague und ist auch eine Anlehnung an den Film Noir. In fantastischen Schwarzweiß-Aufnahmen hat hier der Kameramann Henri Decae ein Bild geschaffen, das damals wie heute sensationell wirkt. Gezeigt wird ein modernes Paris, das Bürogebäude, die Autobahn, das Motel (das sich gar nicht in Paris befand) und das Gesicht von Jeanne Moreau, kaum geschminkt und ohne jedes künstliche Licht. Und was für ein Gesicht das ist, man kann gar nicht aufhören zu schwärmen.
Louis Malle hat hier in seinem Erstling alles richtig gemacht. Er und sein Co-Autor Nimier haben die Rolle von Florence wesentlich erweitert und Jeanne Moreau dankt es ihnen mit einer absolut großartigen Darstellung. Sie ist eine wunderbare Femme Fatale, ihr Gesicht spricht Bände und ihre Verzweiflung ist ihr anzusehen. Genau wie sie glänzen auch Maurice Ronet und Lino Ventura mit einer fabelhaften und sehr zurückgenommenen Leistung, die jederzeit glaubhaft ist, ohne irgendwelche Mätzchen machen zu müssen.
Insgesamt gesehen ein Film, der einfach ein Ereignis ist und den man nicht verpassen sollte. Der Soundtrack von Miles Davis unterstreicht die Handlung ganz wunderbar. Absolut empfehlenswert.
Die Geschichte handelt von einem fast perfekten Mord, der aber letztlich doch gründlich schiefgeht. Der ehemalige Fremdenlegionär Julien Tavernier (Maurice Ronet) arbeitet für den Waffenhändler Simon Carala (Jean Wall). Julien hat ein Verhältnis mit Florence (Jeanne Moreau), Caralas Ehefrau, die ihn zum Mord an Carala anstiftet. Der Mord, den Julien wie einen Selbstmord aussehen lässt, geht wie geplant über die Bühne, alles funktioniert so wie gedacht. Aber dann muss Julien feststellen, dass er ein Beweisstück am Tatort vergessen hat und so macht er sich erneut auf in das Bürogebäude seines, inzwischen toten, Arbeitgebers. Als er im Aufzug unterwegs ist, schaltet der Hausmeister den Strom ab und Julien sitzt fest.
Florence wartet am Abend beim vereinbarten Treffpunkt, doch Julien erscheint nicht. Stattdessen sieht sie Juliens Cabrio an sich vorbeifahren, mit einer jungen Frau auf dem Beifahrersitz. Was sie nicht weiß, der Fahrer des Wagens ist der junge Louis (Georges Poujouly), der den Wagen geklaut hat und mit seiner Freundin Veronique (Yori Bertin) eine Spritztour unternimmt. Das junge und naive Paar hat noch keine Ahnung, was am Ende dieser verhängnisvollen Nacht auf sie warten wird und Florence zweifelt immer mehr an ihrem Geliebten, während Julien weiterhin im Fahrstuhl festsitzt.
Louis und Veronique sind auf der Autobahn unterwegs und liefern sich ein Rennen mit einem Mercedes, dessen Fahrer und seine Frau aus Deutschland kommen und in einem Motel übernachten wollen. Die beiden jungen Leute mieten sich als Ehepaar Tavernier ebenfalls in dem Motel ein und verbringen den Abend mit den Deutschen. Mitten in der Nacht will Louis aber das Motel verlassen und den Mercedes stehlen, als er von dem Fahrer des Wagens dabei erwischt wird. Louis erschießt die beiden Touristen mit der Waffe von Tavernier, die im Handschuhfach des Cabrios lag.
Unterdessen irrt Florence durch das nächtliche Paris, auf der Suche nach einer Spur von Julien. Hat er ihren Ehemann getötet oder hat er sie einfach nur verlassen? Verzweifelt sucht sie die Orte auf, wo sie Julien getroffen hat und hofft vergeblich darauf, etwas über ihn zu erfahren. Als sie spät nachts auf einem Polizeirevier landet, von der Sittenpolizei aufgegriffen, teilt ihr der ermittelnde Inspektor Cherier (Lino Ventura) mit, dass Tavernier wegen Doppelmordes gesucht wird.
Am nächsten Morgen tauchen Polizisten in dem Bürogebäude auf, um Ermittlungen über Tavernier anzustellen. Julien kann endlich aus dem Fahrstuhl entkommen, während die Leiche seines Chefs gefunden wird. Julien geht ahnungslos ins nächste Bistro um zu frühstücken, als auch schon die Polizei erscheint.
Dieser beeindruckende Film des damals erst vierundzwanzigjährigen Louis Malle zählt mit zu den Werken der Nouvelle Vague und ist auch eine Anlehnung an den Film Noir. In fantastischen Schwarzweiß-Aufnahmen hat hier der Kameramann Henri Decae ein Bild geschaffen, das damals wie heute sensationell wirkt. Gezeigt wird ein modernes Paris, das Bürogebäude, die Autobahn, das Motel (das sich gar nicht in Paris befand) und das Gesicht von Jeanne Moreau, kaum geschminkt und ohne jedes künstliche Licht. Und was für ein Gesicht das ist, man kann gar nicht aufhören zu schwärmen.
Louis Malle hat hier in seinem Erstling alles richtig gemacht. Er und sein Co-Autor Nimier haben die Rolle von Florence wesentlich erweitert und Jeanne Moreau dankt es ihnen mit einer absolut großartigen Darstellung. Sie ist eine wunderbare Femme Fatale, ihr Gesicht spricht Bände und ihre Verzweiflung ist ihr anzusehen. Genau wie sie glänzen auch Maurice Ronet und Lino Ventura mit einer fabelhaften und sehr zurückgenommenen Leistung, die jederzeit glaubhaft ist, ohne irgendwelche Mätzchen machen zu müssen.
Insgesamt gesehen ein Film, der einfach ein Ereignis ist und den man nicht verpassen sollte. Der Soundtrack von Miles Davis unterstreicht die Handlung ganz wunderbar. Absolut empfehlenswert.
Freitag, 23. September 2011
Verhängnis
"Verhängnis" - "Damage" ist ein Film von Louis Malle aus dem Jahr 1992. Das Drehbuch stammt von David Hare und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Josephine Hart.
Stephen Fleming (Jeremy Irons) ist ein Mann mittleren Alters, er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der ehemalige Arzt ist auf Wunsch seiner Ehefrau Ingrid (Miranda Richardson) und seines Schwiegervaters Edward (Ian Bannen) in die Politik gewechselt und ist inzwischen erfolgreicher Staatssekretär. Er hat scheinbar alles, was ein Mensch sich nur wünschen kann, gutes Aussehen, eine wunderbare Familie, einigen Reichtum und eine angesehene Stellung. Und doch wirkt er irgendwie unglücklich, vielleicht sogar gelangweilt. Sein Blick schweift emotionslos über seinen Besitz, als würde ihm das alles gar nichts bedeuten.
Als Stephen die junge Anna (Juliette Binoche) kennenlernt, die neue Freundin seines Sohnes Martyn (Rupert Graves), ändert sich für ihn schlagartig das ganze Leben. Als wären Anna und Stephen Seelenverwandte, entwickelt sich zwischen ihnen sofort eine heftige Leidenschaft, die beide in ausuferndem Sex ausleben. Gesprochen wird allerdings kaum, lediglich die Körper kommunizieren miteinander.
Ingrid steht der verschlossenen jungen Frau skeptisch gegenüber, weil diese kaum etwas von sich preisgibt. Erst nach und nach erzählt sie aus ihrem Leben und spricht auch über ihren geliebten Bruder, der aber Selbstmord beging. Der verliebte Martyn bekommt von den Zweifeln und Obsessionen in seinem Umfeld gar nichts mit und macht Anna einen Heiratsantrag, den diese auch annimmt. Als Annas Mutter Elizabeth (Leslie Caron) zu einem Familienessen eingeladen wird, bemerkt sie die merkwürdige Spannung zwischen Anna und Stephen und fordert diesen auf, die Geschichte zu beenden.
Stephen versucht zwar sich daran zu halten, aber er schafft es nicht und setzt seine verbotene Affäre mit Anna fort. Er riskiert alles was er hat für diese Liebe und zahlt einen hohen Preis, denn Martyn wird zufällig Zeuge eines Treffens und Stephens Lebenslüge bricht in sich zusammen, mit schmerzhaften Folgen für alle Beteiligten.
Das ist ein Film, der einen packt und nicht mehr loslässt, einfach wunderbar. Die grandiose Besetzung und die exzellente Ausstattung machen den vorletzten Film von Louis Malle zu einem sehr sinnlichen Erlebnis. Man fiebert mit, erlebt die Leidenschaft zwischen Stephen und Anna und man ahnt, dass etwas Furchtbares geschehen wird. Am Ende ist Stephen ganz allein irgendwo in der Fremde, er hat ein neues Leben angefangen, einzig ein Foto ist ihm geblieben, das er überlebensgroß an der Wand hängen hat. Es zeigt ihn zusammen mit Anna und Martyn, ein Bild aus einem anderen Leben, das für ihn nur eine schmerzliche Erinnerung ist und für die Ewigkeit sein wird.
Insgesamt gesehen ein absolut empfehlenswerter Film, der ganz schonungslos zeigt, was Leidenschaft bewirken kann. Die Darsteller sind allesamt sensationell und in ihren Rollen perfekt besetzt. Packend, zu Herzen gehend und erschütternd, wenn ein Film das schafft, dann kann er nur großartig sein, mehr geht nicht. Unbedingt anschauen.
Stephen Fleming (Jeremy Irons) ist ein Mann mittleren Alters, er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der ehemalige Arzt ist auf Wunsch seiner Ehefrau Ingrid (Miranda Richardson) und seines Schwiegervaters Edward (Ian Bannen) in die Politik gewechselt und ist inzwischen erfolgreicher Staatssekretär. Er hat scheinbar alles, was ein Mensch sich nur wünschen kann, gutes Aussehen, eine wunderbare Familie, einigen Reichtum und eine angesehene Stellung. Und doch wirkt er irgendwie unglücklich, vielleicht sogar gelangweilt. Sein Blick schweift emotionslos über seinen Besitz, als würde ihm das alles gar nichts bedeuten.
Als Stephen die junge Anna (Juliette Binoche) kennenlernt, die neue Freundin seines Sohnes Martyn (Rupert Graves), ändert sich für ihn schlagartig das ganze Leben. Als wären Anna und Stephen Seelenverwandte, entwickelt sich zwischen ihnen sofort eine heftige Leidenschaft, die beide in ausuferndem Sex ausleben. Gesprochen wird allerdings kaum, lediglich die Körper kommunizieren miteinander.
Ingrid steht der verschlossenen jungen Frau skeptisch gegenüber, weil diese kaum etwas von sich preisgibt. Erst nach und nach erzählt sie aus ihrem Leben und spricht auch über ihren geliebten Bruder, der aber Selbstmord beging. Der verliebte Martyn bekommt von den Zweifeln und Obsessionen in seinem Umfeld gar nichts mit und macht Anna einen Heiratsantrag, den diese auch annimmt. Als Annas Mutter Elizabeth (Leslie Caron) zu einem Familienessen eingeladen wird, bemerkt sie die merkwürdige Spannung zwischen Anna und Stephen und fordert diesen auf, die Geschichte zu beenden.
Stephen versucht zwar sich daran zu halten, aber er schafft es nicht und setzt seine verbotene Affäre mit Anna fort. Er riskiert alles was er hat für diese Liebe und zahlt einen hohen Preis, denn Martyn wird zufällig Zeuge eines Treffens und Stephens Lebenslüge bricht in sich zusammen, mit schmerzhaften Folgen für alle Beteiligten.
Das ist ein Film, der einen packt und nicht mehr loslässt, einfach wunderbar. Die grandiose Besetzung und die exzellente Ausstattung machen den vorletzten Film von Louis Malle zu einem sehr sinnlichen Erlebnis. Man fiebert mit, erlebt die Leidenschaft zwischen Stephen und Anna und man ahnt, dass etwas Furchtbares geschehen wird. Am Ende ist Stephen ganz allein irgendwo in der Fremde, er hat ein neues Leben angefangen, einzig ein Foto ist ihm geblieben, das er überlebensgroß an der Wand hängen hat. Es zeigt ihn zusammen mit Anna und Martyn, ein Bild aus einem anderen Leben, das für ihn nur eine schmerzliche Erinnerung ist und für die Ewigkeit sein wird.
Insgesamt gesehen ein absolut empfehlenswerter Film, der ganz schonungslos zeigt, was Leidenschaft bewirken kann. Die Darsteller sind allesamt sensationell und in ihren Rollen perfekt besetzt. Packend, zu Herzen gehend und erschütternd, wenn ein Film das schafft, dann kann er nur großartig sein, mehr geht nicht. Unbedingt anschauen.
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