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Sonntag, 11. Mai 2014

Cupcakes

"Cupcakes" ist ein Film von Eytan Fox aus dem Jahr 2013. Das Drehbuch schrieb Fox zusammen mit Eli Bijaoui. Und auch wenn Israel im Jahr 2014 nicht am Song-Contest teilnehmen konnte, Eytan Fox liefert hiermit seinen eigenen Beitrag, der genau ins Konzept passt. Viel Spaß dabei.

Der jährliche Song-Contest steht an und wie üblich versammeln sich die sechs Bewohner eines Hauses in Tel Aviv, um das Fest gemeinsam zu feiern. Efrat Dor, Dana Ivgy, Keren Berger, Ofer Shechter, Yael Bar-Zohar und Anat Waxman verkörpern diese Gruppe, die sich vor dem Fernseher versammelt, um den UniverSong zu verfolgen.

Der Abend ist bunt und gemütlich, nur Anat ist traurig. Ihr Mann hat sie gerade verlassen, woraufhin die anderen ihr spontan ein Lied widmen, um sie wieder aufzubauen. Der schwule Ofer nimmt das alles mit seiner Handy-Kamera auf und zeigt es später seinem Freund, der sofort begeistert davon ist. So gelangt das Video an das Auswahl-Komitee für den nächsten UniverSong und soll Israel dabei offiziell vertreten.

Doch erst einmal sollen der Song und die Gruppe optisch aufgepeppt werden, um sich besser verkaufen zu können. Nach einem ersten Auftritt mit Perücken und Kostümen, der ihnen fremd erscheint, beschließt die kleine Gruppe, ihren ursprünglichen Stil beizubehalten, doch dafür stehen sie nun ohne Sponsoren da. Die ehemalige Schönheitskönigin Yael greift auf ihr Erspartes zurück, damit die Gruppe trotzdem zum Song-Contest nach Paris reisen kann.

Die Reise wird ein voller Erfolg, Anat verbringt einen schönen Abend mit dem französischen Moderator (Edouard Baer) und auch die israelische Kulturministerin steht der Gruppe bei. Wieder zurück in Tel Aviv wird fröhlich gefeiert. Sämtliche Beziehungsprobleme lösen sich auf und es wird gesungen und getanzt. Ist das oberflächlich? Nein, das ist gute Laune pur und ein Grund zum Mitsingen.

Eytan Fox hat ein gutes Händchen für unterhaltsame und packende Filme und auch bei der Auswahl seiner Darsteller erweist er sich als Genie. Hier stimmt einfach alles, man kann es nicht anders sagen. Der "Song für Anat" stammt übrigens ursprünglich aus der Feder der "Scissor Sisters", die diesen jedoch nie verwendet haben. Hier passt er perfekt und macht diesen kleinen und feinen Film ganz groß.

In den Extras gibt es noch ein sehr schönes Making-Of, das ich sehr empfehlen kann. Hier erfährt man z. B., dass die Aufnahmen aus Paris eigentlich in Tel Aviv entstanden sind. Sehr gelungen.



Ein paar Worte noch zum ESC in Kopenhagen vom letzten Abend. Eigentlich interessiert mich dieser Zirkus gar nicht, doch dieses Mal habe auch ich eingeschaltet, zumindest teilweise. Ganz große Gratulation von mir an Conchita Wurst, die mit ihrem wunderbaren Song "Rise like a Phoenix" einen tollen Auftritt hingelegt und sehr verdient gewonnen hat. Das war Gänsehaut pur und ein voller Erfolg. Peinlich waren lediglich die mickrigen sieben Punkte der deutschen Jury und die gehässigen Kommentare überall.



Samstag, 20. Juli 2013

Walk on Water

"Walk on Water" ist ein Film von Eytan Fox aus dem Jahr 2004. Das Drehbuch stammt von Gal Uchovsky.

Eyal (Lior Ashkenazi) arbeitet als Agent für den israelischen Geheimdienst Mossad. Er erledigt seine Aufträge eiskalt und präzise, Gefühle zeigt er dabei nicht. Als er eines Tages nach Hause kommt, hat seine Frau Selbstmord begangen, sie konnte seine Kälte nicht mehr ertragen. Eyals Vorgesetzter und väterlicher Freund Menachem (Gideon Shemer) betreut ihn mit einer neuen Aufgabe, die ihn von seinem Schmerz ablenken soll.

Der Alt-Nazi Alfred Himmelman (Ernest Lenart), der jahrelang versteckt im Exil gelebt hat, ist nicht mehr auffindbar. Es ist zu vermuten, dass sich der alte und kranke Mann bei seiner Familie in Berlin aufhält, nur gibt es dafür keine Beweise. Himmelmans Enkelin Pia (Caroline Peters) lebt in einem Kibbuz in Israel und ihr jüngerer Bruder Axel (Knut Berger) wird sie in Kürze besuchen. Eyal soll sich als Fremdenführer ausgeben und sich mit den Geschwistern anfreunden, um so eventuell etwas über deren Großvater zu erfahren.

Nur widerwillig nimmt Eyal diesen Auftrag an, ist aber schon bald von der Herzlichkeit und offenen Art der beiden Deutschen gefangen. Während Pia im Kibbuz ihrer Arbeit nachgeht, verbringt Eyal viel Zeit mit Axel und zeigt ihm das Land. Der machohafte Eyal hat allerdings ein Problem, als er Axels offen ausgelebte Homosexualität bemerkt. Erst langsam kann Eyal sich an diesen Gedanken gewöhnen und Axel als Freund akzeptieren, bevor dieser wieder abreist.

Bei der Auswertung der Gespräche zwischen Pia und Axel, die von Eyal abgehört wurden, gibt es einen Hinweis auf deren Großvater. Pia wusste schon seit längerer Zeit, dass ihre Eltern (Hanns Zischler und Carola Regnier) Kontakt zu Alfred Himmelman hatten. Daraufhin hatte sie sich mit ihren Eltern überworfen und das Land verlassen. Axel war die Existenz seines Großvaters aber unbekannt.

Eyal reist nach Berlin und trifft dort auf Axel, der ihn spontan zum siebzigsten Geburtstag seines Vaters in die Familienvilla am Wannsee einlädt. Dort erscheint dann tatsächlich der schwerkranke Großvater als Geburtstagsüberraschung, was Axel in Rage bringt. Er macht seiner Mutter schwere Vorwürfe, die diese aber von sich weist. Eyal wendet sich in der Zwischenzeit an Menachem, der ihm den Auftrag gibt, Alfred Himmelman zu töten.

Axel erkennt schließlich, dass Eyal ein Mossad-Agent ist, als er dessen Sachen durchsucht. Wird Eyal seinen Auftrag ausführen oder kommt alles noch ganz anders? Lassen Sie sich überraschen.

Von Eytan Fox kenne ich bereits die Filme "Yossi & Jagger", "Yossi" und "The Bubble", die mir alle sehr gut gefallen haben. "Walk on Water" ist erneut ein packender und berührender Film, der mich sehr begeistert hat und den ich nur empfehlen kann. Gute Story, fabelhafte Darsteller und schöne Bilder, wie immer mit toller Musik unterlegt. Dafür hat Eytan Fox einfach ein gutes Händchen. Auch schafft er es erneut, ernste Themen nie zu deprimierend zu präsentieren und mit Herz und auch etwas Humor zu mischen, ohne ins Lächerliche abzudriften. Sehr gelungen.

Der Film wird dabei von der großartigen Darstellung Lior Ashkenazis getragen, einem ganz wunderbaren Schauspieler, der total in seiner Rolle aufgeht. Mir hat er damit schlicht den Atem geraubt und schon allein seinetwegen muss man diesen Film gesehen haben. Neben ihm können sich aber Caroline Peters und Knut Berger ebenso sehen lassen, wie auch Carola Regnier und Hanns Zischler, wenn auch in kleineren Rollen.

Insgesamt gesehen ein wunderbarer Film, der zu Herzen geht und zum Nachdenken anregt. Den darf man auf gar keinen Fall verpassen.

Dienstag, 1. Januar 2013

Yossi

"Yossi" - "Ha-Sippur Shel Yossi" ist ein Film von Eytan Fox aus dem Jahr 2012. Das Drehbuch stammt von Itay Segal.

Zehn Jahre sind vergangen, seit Yossi (Ohad Knoller) seinen Geliebten Jagger bei einem Einsatz verloren hat. Nach seiner Armeezeit hat er ein Studium aufgenommen und arbeitet jetzt als Kardiologe an einem Krankenhaus in Tel Aviv. Hier kümmert er sich als Dr. Guttman um die Herzen der Patienten, nur nicht um sein eigenes. Yossi hat kein Privatleben, er geht nie aus und kennt keinen Spaß mehr, er lebt nur für seine Arbeit.

Er hat zugenommen, sich einen Panzer um seinen Körper gelegt, damit er nicht auffällt und sich niemand für ihn interessiert. Dass die Welt um ihn herum sich inzwischen verändert hat, das hat Yossi nicht mitbekommen. Eigentlich hat auch er vor zehn Jahren aufgehört zu leben. Auch die zaghaften Annäherungsversuche der Krankenschwester Nina (Ola Schur Selektar) nimmt er nicht wahr.

Eines Tages erscheint Jaggers Mutter Varda (Orly Silberschatz Banai) zu einer Untersuchung im Krankenhaus. Sie erkennt Yossi nicht, aber ihm wird klar, dass er etwas zu Ende bringen muss. Ein paar Tage später besucht er Jaggers Eltern und erklärt ihnen, dass er und Jagger fast zwei Jahre lang ein Paar waren und dass Jagger ihnen immer die Wahrheit sagen wollte. Seine Mutter reagiert verstört, aber sein Vater zeigt Yossi das ehemalige Zimmer von Jagger, das seit damals unverändert ist. Yossi beschließt, endlich die Reise zu unternehmen, die Jagger zehn Jahre zuvor mit ihm gemeinsam machen wollte. Er nimmt Urlaub und fährt nach Eilat.

Unterwegs trifft Yossi auf vier junge Soldaten, die das gleiche Ziel haben und gerade ihren Bus verpasst haben. Er nimmt sie in seinem Auto mit und besonders der auffallend hübsche Tom (Oz Zehavi) hat es ihm gleich angetan. Am Urlaubsort angekommen, mietet sich Yossi in dem Hotel ein, wo auch die Soldaten wohnen. Aus der Ferne beobachtet er Tom, von dem seine Kollegen wissen, dass er offen schwul ist, was für niemanden ein Problem darstellt.

Tom findet immer wieder einen Grund, in Yossis Nähe zu sein, auch wenn dieser nicht glauben kann, dass Tom sich ernsthaft für ihn interessieren könnte. So bleibt Yossi auch weiter bis obenhin zugeknöpft, was gleichzeitig für seine Kleidung, als auch für seine Gefühle gilt. Doch Tom bleibt hartnäckig und will Yossis Panzer knacken, was gar nicht so einfach ist.

Zehn Jahre nach seinem enorm erfolgreichen Film "Yossi & Jagger" erzählt Regisseur Eytan Fox die Geschichte nun weiter und schafft damit erneut einen wunderschönen und bewegenden Film, der zu Herzen geht. Ohad Knoller spielt wieder den Yossi und ist damit die perfekte Besetzung. Sein Yossi ist der traurigste Mensch, den man sich nur vorstellen kann und es dauert lange, bis er wieder zurück ins Leben findet. Oz Zehavi als Tom ist ein schöner und lebensfroher junger Mann, der sich in Yossi verliebt, auch wenn dieser das erst nicht glauben kann.

Ebenso wie im Vorgänger ist auch hier wieder die Musik sehr wichtig und ausgesprochen gut gelungen, denn die Songs bleiben im Ohr. Diesen wunderbaren Film sollte man nicht verpassen, ganz große Empfehlung von mir.

Yossi & Jagger

"Yossi & Jagger" ist ein Film von Eytan Fox aus dem Jahr 2002. Das Drehbuch stammt von Avner Bernheimer.

Ort der Handlung ist ein Außenposten der israelischen Armee an der Grenze zum Libanon. Die Gegend ist schneebedeckt. Ein Grab wird ausgehoben und es soll tief sein. Aber was wird hier vergraben? Keine Angst, es sind nur Lebensmittel, denn während eines Einsatzes fiel der Kühlschrank aus und die Sachen sind verdorben.

Die Soldaten sind müde, ihr Einsatz war körperlich anstrengend, nun brauchen sie ein bisschen Freizeit, aber erst müssen noch die verfaulten Lebensmittel unter die Erde gebracht werden. Wir sehen Yossi (Ohad Knoller), den Kommandanten der Truppe, der einen ruhigen und zuverlässigen Eindruck macht. Er will erneut die Gegend inspizieren und bittet den Soldaten Lior (Yehuda Levi), den alle nur Jagger nennen, ihn zu begleiten.

Zusammen machen sich die beiden auf den Weg, doch sobald sie aus dem Sichtfeld des Lagers sind, fällt jede Schwere von ihnen ab. Wie Kinder tollen sie im Schnee herum und fallen leidenschaftlich übereinander her. Yossi und Jagger sind ein Paar, was aber niemand wissen darf. Einige Soldaten ahnen vielleicht etwas, aber niemand spricht es offen aus. Yossi will die Beziehung zu Jagger unbedingt geheimhalten, aber Jagger träumt von einer gemeinsamen Zukunft. Er will ganz offen leben und Yossi auch seinen Eltern vorstellen.

Wieder zurück im Lager gehen Yossi und Jagger getrennte Wege und es ist hoher Besuch eingetroffen. Ein Vorgesetzter ist in Begleitung von zwei weiblichen Funkerinnen angekommen. Die hübsche Yaeli (Aya Steinovitz) ist heimlich in Jagger verliebt und will ihm das nun endlich auch sagen. Ihr Versuch scheitert aber an den fehlenden Möglichkeiten, denn sie muss wieder abfahren.

Yossi muss derweil seine Männer auf einen gefährlichen Nachteinsatz vorbereiten, den sein Vorgesetzter angeordnet hat. Außerdem hat er noch einen Streit mit Jagger, weil er nicht offen zu ihm stehen kann und ihm nie gesagt hat, dass er ihn liebt. Unter denkbar schlechten Voraussetzungen gehen die jungen Männer in diese Nacht, die alles verändern wird.

Gegen Morgen scheint der Einsatz bereits ausgestanden, als das Lager der Soldaten doch noch angegriffen und Jagger tödlich getroffen wird. Yossi bleibt bei seinem sterbenden Freund und gesteht ihm seine Liebe, aber er kann sich nicht sicher sein, ob Jagger das noch vor seinem Tod gehört hat.

Bei der Trauerfeier in Jaggers Elternhaus kommen die Soldaten wieder zusammen. Jaggers Mutter erklärt, eigentlich gar nichts über ihren Sohn zu wissen und die junge Yaeli gibt sich als dessen Freundin aus, da sie in ihn verliebt war. Nur Jaggers Lieblingslied kann sie nicht nennen, denn das kennt nur Yossi und das hat Jagger nur für ihn gesungen.

Regisseur Eytan Fox ist mit diesem Werk ein kleines Wunder gelungen, denn dieser Low-Budget-Film hat weltweit viele Preise gewonnen und Fans gefunden. Zu Recht, denn die Geschichte ist toll erzählt und geht direkt ins Herz. Obwohl der Film mit nur 65 Minuten recht kurz gehalten ist, vermisst man hier gar nichts. Die Liebesgeschichte zwischen Yossi und Jagger könnte nicht besser erzählt werden, selbst wenn der Film länger dauern würde.

Die Hauptdarsteller Ohad Knoller und Yehuda Levi sind absolut wunderbar und glaubhaft und sehr schön anzuschauen. Ein weiterer Pluspunkt ist auch noch die fabelhafte Musik, die grandios zum Film passt. Wer hier nicht heult, der hat kein Herz. Ganz große Empfehlung für diesen wunderschönen Film.

Und es gibt jetzt, zehn Jahre danach, eine Fortsetzung, nämlich "Yossi". Hier erfährt man, was aus Yossi geworden ist und wie sein Leben verläuft. Ebenfalls sehr empfehlenswert.