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Sonntag, 14. Dezember 2014

DVD-Veröffentlichung: Wilde Herzen

"Wilde Herzen" - "Les roseaux sauvages" von André Téchiné aus dem Jahr 1994 ist nun auch hierzulande endlich auf DVD erschienen und zwar bei Salzgeber. Zu sehen ist der Film in der französischen Originalfassung und in der deutschen Synchronfassung. Leider jedoch ohne deutsche Untertitel, was ich sehr bedaure. Ich persönlich mag keine französischen Filme mit deutscher Synchronisation, weil meistens die Stimmen etwas unglücklich gewählt sind, aber das ist nur meine Meinung und Meckern auf hohem Niveau. Freuen kann man sich über diese längst fällige Veröffentlichung und einen der schönsten Filme von André Téchiné aber in jedem Fall.

Zur Filmkritik geht es hier, damals noch mit der französischen Fassung: "Les roseaux sauvages"

Große Empfehlung von mir für einen ganz zauberhaften Film mit sensationellen Darstellern, die noch ganz am Anfang ihrer Karrieren standen. Man erlebt mit ihnen einen Sommer, den man nie wieder vergisst. Unbedingt anschauen.


Sonntag, 15. Juli 2012

Unser Paradies

"Unser Paradies" - "Notre Paradis" ist ein Film von Gaël Morel (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2011.

Vassili (Stéphane Rideau) ist ein Stricher, der vor über fünfzehn Jahren aus der Provinz nach Paris gekommen ist. Damals war er jung und schön und damit der King auf der Straße. Inzwischen ist er Mitte Dreißig, der Lack ist ab und auch die Figur ist etwas aus der Form geraten. Im Internet und in seinen Inseraten macht er sich jünger, um überhaupt noch an Kunden zu geraten. Doch seine Freier, die meist noch erheblich älter sind, lassen ihn spüren, dass seine beste Zeit hinter ihm liegt.

Im Laufe der Jahre hat Vassili seine Kunden zu hassen gelernt. Ihre Demütigungen müssen sie allerdings mit dem Leben bezahlen. Ohne mit der Wimper zu zucken, tötet Vassili die Männer, die sich über ihn lustig machen. Auf der Straße wird er von den jüngeren Strichern verjagt, weil er ihnen das Geschäft verderben könnte.

Eines Nachts findet Vassili im Bois de Boulogne einen bewusstlosen Jungen (Dimitri Durdaine), den er mit nach Hause nimmt. Der wunderschöne Junge hat keinen Namen und keine Erinnerungen und erhält von Vassili den Namen Angelo. Die beiden Männer verlieben sich augenblicklich und gehören von nun an zusammen. Sie arbeiten auch zusammen und der schöne junge Angelo zieht viele Kunden an. Nach dem Sex rauben sie ihre Freier aus und Vassili tötet weiter.

Als die Lage in Paris für die beiden zu heiß wird, flüchten sie nach Lyon zu Anna (Béatrice Dalle), einer Jugendfreundin von Vassili. Anna arbeitet als Kellnerin in einer Bar und lebt zusammen mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Sohn (Mathis Morisset), der ebenfalls Vassili heißt. Vassili und Angelo wollen weiter in die Berge, zu einem reichen Freund und ehemaligen Freier von Vassili. Zusammen mit dem kleinen Vassili machen sie sich auf zu Victor (Didier Flamand), der in einem abgelegenen Haus mit großem Pool lebt. Victors junger Freund Kamel (Malik Issolah) ist über den Besuch aber gar nicht begeistert und möchte die Eindringlinge so schnell wie möglich wieder los werden.

Es kommt zu Spannungen zwischen den Männern und der gutmütige Victor gibt schließlich dem Drängen Kamels nach und bittet Vassili und Angelo darum, wieder abzureisen. Doch Vassili lässt sich von niemandem mehr abweisen und so nimmt das Drama seinen Lauf...

Gaël Morels neuer Film ist ein böses und blutiges Märchen und eine einzige Liebeserklärung an seinen Hauptdarsteller, den wunderbaren Stéphane Rideau. Morel erzählt hier eine Liebesgeschichte, wie sie schöner nicht sein könnte, zeigt zwei einsame Seelen, die sich finden und nicht mehr voneinander lassen können. Dieser Liebe kann niemand etwas anhaben, selbst die Morde finden nur am Rande statt und trüben die Geschichte nicht. Als Zuschauer fiebert man mit und wünscht diesen beiden Liebenden ein Happy-End, das es so natürlich nicht geben wird. Sie werden ihr Paradies nicht finden.

Über Stéphane Rideau muss man nicht mehr viel sagen, er verleiht seinen Rollen immer etwas ganz Besonderes. Auch hier gibt und zeigt er wieder alles, ohne jede Scheu und wie immer ist er dabei wunderschön anzuschauen. Allein seinetwegen muss man diesen Film sehen und lieben. Der junge Dimitri Durdaine ist allerdings ein würdiger Partner an seiner Seite. Er ist der Engel, der vom Himmel gefallen zu sein scheint. Auch die älteren Freier sind durchgehend gut besetzt und sehr glaubhaft, auch wenn ihre Auftritte oft nur sehr kurz sind.

Gar nichts anfangen konnte ich mal wieder mit Béatrice Dalle, deren Darstellung ich einfach nur entsetzlich finde. Leider wird dieser Teil der Geschichte ein bisschen zu lang erzählt, hier hätte gerne gekürzt werden können. Macht aber nichts, denn der Gesamteindruck zählt und der ist schlicht und einfach überwältigend.

Eine großartige Geschichte, gleichzeitig rührend, traurig und dramatisch. Diese erneute Zusammenarbeit von Gaël Morel und Stéphane Rideau ist ein wahres Fest für die Sinne und ein absolutes Muss für Fans dieser beiden Künstler und des French Queer Cinema. Bitte nicht verpassen.

Sonntag, 8. April 2012

Un Barrage contre le Pacifique

"Un Barrage contre le Pacifique" ist ein Film von Rithy Panh aus dem Jahr 2008. Das Drehbuch schrieb Panh zusammen mit Michel Fessler und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Marguerite Duras.

Indochina, 1931. Eine Französin (Isabelle Huppert) lebt zusammen mit ihrem zwanzigjährigen Sohn Joseph (Gaspard Ulliel) und ihrer sechzehnjährigen Tochter Suzanne (Astrid Bergès-Frisbey) auf einer Farm. Ständige Geldsorgen und die Krankheit der Mutter plagen die kleine Familie. Außerdem werden die Reisfelder immer wieder vom Salzwasser überschwemmt, das die Ernte vernichtet.

Die Mutter will zusammen mit den Bauern einen Wall errichten, der das Meerwasser abhalten soll. Gleichzeitig kämpft sie verzweifelt darum, ihr Land behalten zu können. Diese Kämpfe und ihre angeschlagene Gesundheit machen sie oft mürrisch und gereizt. Joseph und Suzanne wollen die Farm am liebsten verlassen, aber eine Gelegenheit hat sich noch nicht ergeben.

Ein reicher Chinese verliebt sich in die hübsche junge Suzanne, macht ihr den Hof und schenkt ihr einen Diamantring, den Joseph sofort zu Geld macht. Während die Mutter und auch Joseph hoffen, Suzanne würde den Chinesen heiraten, zieht diese sich zurück. Das Leben geht wie gewohnt weiter, aber die Mutter wird immer schwächer und Joseph will schließlich in die Stadt ziehen.

Hm, dieser Film ist ziemlich schwer zu beschreiben, denn alle Beteiligten sind permanent immer nur unglücklich und gereizt, was eine Annäherung an sie schwierig macht. Die Klischeekiste wird auch ordentlich geplündert und einzelne Figuren, wie z. B. der reiche Chinese sind ziemlich übertrieben gezeichnet. Der wunderbare Stéphane Rideau wird hier übrigens in einer klitzekleinen Nebenrolle völlig verschenkt, was für ein Jammer. Er hat insgesamt drei ganz kurze Szenen, die aber total unwichtig sind. Sehr schade.

Der Film hat aber auch seine Vorzüge, so ist das ja nicht. Da wären natürlich in erster Linie die fabelhafte Isabelle Huppert, deren Schauspiel immer ein Genuss ist und außerdem gibt es sehr schöne Landschaftsaufnahmen zu sehen, die wirklich gut gelungen sind. Wem das nicht reicht, der kann sich an der Schönheit von Gaspard Ulliel erfreuen, der große Teile des Films mit nacktem Oberkörper absolviert, zum Verlieben aussieht, wahnsinnig sexy ist und ein ausreichender Grund dafür, den Film bis zum Schluss anzuschauen. Wenn das nichts ist...

Trotz allem ist der Film mit knapp zwei Stunden viel zu lang geraten, weil eigentlich kaum etwas passiert. Also von mir nur eine eingeschränkte Empfehlung für den Film an sich, aber für Fans von Isabelle Huppert und Gaspard Ulliel ohnehin Pflichtprogramm. Die DVD ist als UK-Version in französischer Sprache mit zuschaltbaren englischen Untertiteln erhältlich.

Sonntag, 7. August 2011

Brüderliebe

"Brüderliebe" - "Le Clan" ist ein Film von Gaël Morel aus dem Jahr 2004. Das Drehbuch schrieb Morel zusammen mit Christophe Honoré.

Der Film handelt von den drei Brüdern Christophe (Stéphane Rideau), Marc (Nicolas Cazalé) und Olivier (Thomas Dumerchez), die mit ihrem Vater (Bruno Lochet) in einer kleinen Stadt in Frankreich leben. Die Mutter ist gestorben und hat eine schmerzhafte Lücke hinterlassen. Besonders Olivier, der jüngste der Familie, vermisst sie sehr und sitzt oft vor ihrem Foto, um sich seine Sorgen von der Seele zu reden. Ansonsten gibt es innerhalb der Familie kaum vernünftige Kommunikation. Der Vater ist überfordert und eher desinteressiert, Christophe sitzt im Gefängnis und Marc ist mit seiner Gang unterwegs.

Marc lässt sich ziellos treiben, nimmt Drogen und handelt auch damit. Er präsentiert sich als harter Kerl, gibt vor, alles im Griff zu haben, aber man ahnt schnell, dass er irgendwann gewaltig auf die Schnauze fallen wird. Als Christophe wieder aus dem Gefängnis kommt, will er sein Leben ändern, nicht mehr so wie Marc mit den anderen abhängen, sondern der Gewalt abschwören und ein normales Leben führen. Er findet Arbeit in einer Fleischfabrik und wird tatsächlich sesshaft.

Olivier verliebt sich in den jungen Araber Hicham (Salim Kechiouche), einen Freund von Christophe und Marc. Bei ihm findet er die Geborgenheit und Liebe, die ihm zu Hause fehlt. Doch Olivier glaubt, sich zwischen Hicham und seinen Brüdern entscheiden zu müssen.

Der Film kommt ohne viele Worte aus, was in der Sprachlosigkeit der einzelnen Personen begründet ist. Niemand von ihnen kann über seine Gefühle, seine Trauer und seinen Schmerz reden. Statt Antworten gibt es dann eher mal Schläge und trotzdem ist den Brüdern der Zusammenhalt untereinander wichtig. Das mag vielleicht manchmal ein bisschen sperrig erscheinen, ist aber in der Gesamtheit sehr glaubwürdig eingefangen.

Gael Morel wurde teilweise vorgeworfen, die Darstellung und den Körperkult der Männer zu sehr in den Vordergrund gerückt zu haben. Die Bilder waren vielen zu ästhetisch und würden von der eigentlichen Handlung ablenken. Nun, ob das wirklich ablenkt, das liegt natürlich im Auge des Betrachters. Nur zur Erinnerung, Claire Denis hat 1999 mit "Beau Travail" einen ganzen Film damit ausgefüllt, Männer und ihre Körper zu präsentieren, da war die Handlung tatsächlich dünn, aber auch das hat funktioniert.

Aber zurück zu Morel und seinem Film über Männer und Männlichkeit. Es gibt durchaus homoerotische Ansätze, mal abgesehen von der Liebe zwischen Olivier und Hicham, beispielsweise eine Szene in der die drei Brüder nackt und schlafend in einem Bett liegen und sich in den Armen halten. Und doch ist das kein schwuler Film im üblichen Sinn, gerade weil es hier nicht um irgendeine Form von Sexualität geht, sondern um den Zusammenhalt der Brüder als Familie.

Insgesamt gesehen ein sehenswerter Film, den Gaël Morel wunderbar inszeniert hat und der von den drei Hauptdarstellern lebt, die sehr authentisch sind. Neben dem jungen Thomas Dumerchez in seiner ersten Rolle, sind es besonders Stéphane Rideau und Nicolas Cazalé, die hier überzeugen können. Absolut empfehlenswert, aber wie üblich nur für Liebhaber kleiner Filme, in denen das Wort "Mainstream" keinen Platz findet.

Mittwoch, 3. August 2011

À Toute Vitesse

"À Toute Vitesse" - "Full Speed" ist ein Film von Gaël Morel (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1996 und gleichzeitig sein sehr überzeugendes Debüt als Regisseur.

Der junge Quentin (Pascal Cervo) hat einen Schreibwettbewerb gewonnen und wird quasi über Nacht zum neuen und leuchtenden Stern am Himmel der Jungschriftsteller. Sein lebensnahes Buch über die Situation der Jugendlichen in den Vorstädten wird überall wohlwollend zur Kenntnis genommen und der junge Autor wird schnell zum Liebling der Medien. Doch der plötzliche Rummel um seine Person steigt Quentin zu Kopf und entfremdet ihn von seinen Freunden, was er aber gar nicht weiter bemerkt.

Sein bester Freund Jimmy (Stéphane Rideau) hält immer zu ihm, auch wenn er immer öfter nur am Rand steht. Quentins Freundin Julie (Élodie Bouchez) verliebt sich mit der Zeit in Jimmy, der aber seinen Freund nicht betrügen will und Quentin gegenüber immer noch loyal ist, selbst als dieser später schon in Paris lebt und sich nicht mehr bei ihm meldet.

Der junge Algerier Samir (Mezziane Bardadi) verliebt sich in Quentin und erzählt ihm die traurige Geschichte seiner verstorbenen Jugendliebe Rick (Romain Auger). Quentin wittert in dieser Story einen Stoff für seinen nächsten Roman und lässt Samir vorerst in dem Glauben, an ihm interessiert zu sein. Doch als Samir mehr von ihm will, bricht Quentin das Verhältnis rigoros ab. Die Geschichte will er trotzdem verwenden, was Samir enttäuscht und wütend zur Kenntnis nimmt.

Als Samir Jimmy aufsuchen will, um mit ihm über Quentin zu reden, wird er von ein paar brutalen Schlägern verprügelt, ehe Jimmy dazwischen gehen kann und dabei selbst einiges einstecken muss. Die Verletzungen, die Jimmy erst nicht weiter ernst nimmt, erweisen sich jedoch als ziemlich schwerwiegend, was er aber für sich behält. Er versucht vergebens, Quentin telefonisch zu erreichen, aber der ruft ihn nicht zurück.

Am Ende dieser doch ziemlich traurigen Geschichte erkennt Quentin, dass er ganz allein dasteht. Er hat sowohl Jimmy, als auch Julie und Samir auf verschiedene Arten verloren und kann die Zeit nicht zurückdrehen. Sein Traum von einer Zukunft als erfolgreicher Schriftsteller war so groß, dass er ohne mit der Wimper zu zucken seine Freunde dafür geopfert hat und nicht bemerkt hat, wie diese selbst in ihr Unglück laufen.

Das ist ein ganz großartiger Film von Gaël Morel, der sein Debüt als Schauspieler in André Téchinés Film "Les roseaux sauvages" (1994) gegeben hat und hier eine tolle erste Leistung als Regisseur und Autor abliefert. An seiner Seite hat er aus Téchinés Film gleich die wunderbaren Schauspieler Élodie Bouchez und Stéphane Rideau übernommen, die auch hier wieder glänzen können. Besonders der fabelhafte Stéphane Rideau, der hier eigentlich der heimliche Hauptdarsteller ist, kann wie immer überzeugen und ist zudem sehr sexy.

Insgesamt gesehen ein wirklich sehenswerter kleiner Film, der sehr berührt und absolut glaubhaft präsentiert wird. Die Geschichte ist gut erzählt und geht zu Herzen, die Bilder sind gelungen und die Darsteller sind grandios. Hier gibt es aber auch gar nichts zu meckern, sehr schön. Ganz große Empfehlung von mir für dieses kleine und feine Meisterwerk.

Dienstag, 2. August 2011

Les roseaux sauvages

"Les roseaux sauvages" ist ein Film von André Téchiné aus dem Jahr 1994. Das Drehbuch schrieb Téchiné zusammen mit Olivier Massart und Gilles Taurand.

Der Film spielt 1962 in einem kleinen Dorf im Süden Frankreichs. Die vier Schüler Maite (Élodie Bouchez), Francois (Gaël Morel), Serge (Stéphane Rideau) und Henri (Frédéric Gorny) durchleben eine Zeit, in der sie sich selbst, ihren Körper und ihre Sexualität kennenlernen. Neben den persönlichen Irrungen und Wirrungen dieser Tage, beschäftigt sie auch die politische Lage ihres Landes und ihre jeweilige Meinung dazu. Der immer noch andauernde Algerien-Krieg fordert Opfer, so unter anderem auch den Bruder von Serge.

Francois verliebt sich in Serge, hat aber Probleme, zu seinen Gefühlen und seiner Homosexualität zu stehen. Maite liebt Francois, genau wie er sie liebt, aber die Liebe von Francois zu Serge ist stärker. Maite hat ein Problem damit, ihren nackten Körper zu zeigen. Erst der Außenseiter Henri kann ihr helfen, diese Scheu zu überwinden, obwohl beide ganz verschiedene Ansichten haben, was die politische Lage der Nation betrifft. Im persönlichen und körperlichen Bereich spielt aber keine Rolle, was der andere denkt. So kommen sie sich alle näher, auch wenn sie eben nicht einer Meinung sind.

An dieser Stelle muss ich einmal etwas klarstellen. Ich habe über diesen Film und seine Handlung sehr viel gelesen und weiß, worum es geht. Ich wollte diesen Film unbedingt sehen, konnte aber leider nur eine französische DVD auftreiben und meine französischen Sprachkenntnisse sind eher lausig. So muss ich leider zugeben, dass mir viele Dialoge unverständlich geblieben sind, was ich sehr schade finde. Ich hoffe daher darauf, irgendwann einmal eine Fassung mit deutschen Untertiteln sehen zu können, die es aber anscheinend noch nicht gibt.

Trotz allem möchte ich aber eine große Empfehlung für diesen Film aussprechen, der mit wunderschönen Bildern absolut begeistern kann. Zudem sind die fabelhaften jungen Darsteller allesamt sehr talentiert und sehenswert. Angefangen bei der zauberhaften Élodie Bouchez, die einfach ganz reizend ist, ebenso wie der süße Gaël Morel, der später als Regisseur gearbeitet hat. Frédéric Gorny als Henri ist sicher die Person, die hier sehr polarisiert, aber auch er ist wunderbar anzuschauen. Am meisten beeindruckt hat mich aber der wie üblich hinreißende Stéphane Rideau, hier übrigens in seiner ersten Rolle, den ich aus späteren Filmen von Sébastien Lifshitz und Francois Ozon kenne und schätze.

Insgesamt gesehen ein Film, der absolut sehenswert ist und über wundervolle Bilder verfügt. Die Geschichte ist schön erzählt und begleitet ihre Protagonisten in diesem Sommer auf ihrem Weg zu sich selbst, mit all den Problemen, die ihnen beim Erwachsenwerden begegnen. Man ist ihnen dabei jederzeit ganz nah und verliebt sich fast ein bisschen in die einzelnen Figuren, so bezaubernd sind sie.

Wünschenswert wäre hier endlich eine Fassung mit deutschen Untertiteln. Es stellt sich mir sowieso die Frage, warum so viele Filme von André Téchiné hierzulande nicht auf DVD erhältlich sind. Ich würde da gerne noch mehr von sehen. Es muss ja keine deutsche Synchronisation sein, Untertitel würden schon vollkommen reichen.

Nachtrag 14.12.2014: Bei Salzgeber ist der Film "Wilde Herzen" jetzt auf DVD erschienen und zwar in der französischen Originalfassung und in der deutschen Synchronfassung, aber leider ohne Untertitel. Empfehlenswert ist er aber natürlich trotzdem. Wer ihn bisher noch nicht kennt, der sollte spätestens jetzt zugreifen.

Sonntag, 12. Juni 2011

Sommer wie Winter

"Sommer wie Winter" - "Presque Rien" ist ein Film von Sébastien Lifshitz aus dem Jahr 2000 und gleichzeitig der erste lange Spielfilm von Lifshitz, der hier zusammen mit Stéphane Bouquet auch das Drehbuch schrieb.

Der achtzehnjährige Mathieu (Jérémie Elkaim) verbringt die Sommerferien mit seiner Mutter, seiner jüngeren Schwester und einer Tante in einem Haus am Meer. Die Situation innerhalb der Familie ist angespannt, denn erst kürzlich starb das jüngste Kind mit nur drei Jahren an Krebs. Die Mutter, die sich drei Jahre lang nur um das kranke Kind gekümmert hat, während die beiden älteren auf sich allein gestellt waren, hat den Verlust noch nicht verkraftet und verbringt die meiste Zeit im Bett, benebelt von Medikamenten. Der Vater lässt sich erst gar nicht sehen und schiebt seine Arbeit vor.

Mathieu und seine Schwester verbringen ihre Tage am Strand, wo Mathieu eines Tages den jungen Cédric (Stéphane Rideau) kennenlernt. Zwischen den beiden hübschen jungen Männern entwickelt sich schnell eine heftige Affäre, auch wenn Mathieu erst noch Probleme damit hat, seiner Familie gegenüber seine Gefühle für Cédric einzugestehen. Doch am Ende der Ferien beschließt er, nicht zurück nach Paris zu fahren, sondern zu Cédric nach Nantes zu ziehen und dort zu studieren.

Die schönen sommerlichen Bilder werden unterbrochen von Aufnahmen aus dem kalten Winter. Anderthalb Jahre sind vergangen, Mathieu hat gerade einen Selbstmordversuch hinter sich und er hat sich von Cédric getrennt. Die Psychiaterin im Krankenhaus rät ihm, an den Ort der ersten Begegnung mit Cédric zu fahren, um dort eventuell mehr über sich zu erfahren. Mathieu kehrt also zurück in das Haus am Meer. Jetzt, im Winter, ist alles verlassen, kalt und einsam. Er sucht Kontakt zu einem früheren Freund von Cédric, als würde er Antworten erwarten, ohne aber die Fragen zu kennen. Was immer auch in diesen anderthalb Jahren passiert ist, eines ist ganz klar, Mathieu ist erwachsener und reifer geworden.

Warum sich Mathieu und Cédric getrennt haben und weshalb Mathieu sich das Leben nehmen wollte, darüber kann man nur spekulieren. Von einer Depression ist kurz die Rede und das wäre eine mögliche Erklärung, aber manchmal sind die Dinge eben so, wie sie sind und Menschen handeln auch nicht immer rational.

Dadurch dass Sébastien Lifshitz den Figuren ihr Geheimnis lässt, bleibt der Film angenehm in der Schwebe. Die beiden jungen Darsteller sind ganz bezaubernd, besonders Jérémie Elkaim, der eine enorme Entwicklung durchmacht. Sehr gelungen. Man sollte sich für diesen Film viel Zeit und Muße nehmen, denn der Anfang ist etwas spröde und es dauert ein bisschen, bis es wirklich interessant wird. Hat man sich aber einmal darauf eingelassen, dann funktioniert der Film sehr gut. Ich persönlich habe aber auch zwei Anläufe gebraucht, bis ich in der richtigen Stimmung dazu war. Nun kann ich aber definitiv eine Empfehlung aussprechen, es lohnt sich wirklich.

Insgesamt gesehen ein Film mit schönen Bildern und sehr gelungener Musikuntermalung. Viele Fragen bleiben unbeantwortet, was ich aber überhaupt nicht schlimm finde.

Als Extra befindet sich auf der DVD noch der Kurzfilm "Une Robe d'Été" von Francois Ozon aus dem Jahr 1996, den ich ebenfalls sehr empfehlen kann.

Eine Warnung noch am Ende: Bitte den Film unbedingt im Original mit Untertiteln anschauen. Ich habe lediglich den Trailer in der deutschen Synchronisation gesehen und war entsetzt. Die Synchronstimmen machen hier wirklich - mal wieder - alles kaputt und ruinieren die ganze Atmosphäre des Films.

Freitag, 13. August 2010

Sitcom

"Sitcom" ist der erste Spielfilm von Francois Ozon (Regie und Drehbuch) und stammt aus dem Jahr 1998.

Ozon widmet sich hier, wie auch in späteren Filmen immer mal wieder, dem Thema Familie, allerdings ist diese in "Sitcom" schon sehr skurril. Er seziert hier eine ach so liebe großbürgerliche Familie auf sehr humorvolle Art und Weise, zugleich wunderbar und schrill.

Der Vater (Francois Marthouret) bringt eine Laborratte mit nach Hause und plötzlich ist nichts mehr wie zuvor. Der Sohn (Adrien de Van) outet sich als schwul und hält fortan in seinem Zimmer Gruppensitzungen ab. Die Tochter (Marina de Van) springt aus dem Fenster und sitzt von da an im Rollstuhl, von wo aus sie ihren Freund (Stéphane Rideau) zu sadomasochistischen Praktiken zwingt. Dann gibt es da noch das Hausmädchen (Lucia Sanchez) und ihren Mann (Jules-Emmanuel Eyoum Deido), die sich beide auf sehr spezielle Weise ins Familienleben integrieren. Die Mutter (Évelyne Dandry) versucht auf sehr eigene Art, den Sohn von seiner Homosexualität zu "heilen", das ist sehr spaßig anzuschauen. Einzig der Vater bleibt von dem ganzen Treiben seltsam unberührt. Er träumt sogar davon, seine Familie zu erschießen. Die Mutter und die Kinder begeben sich schließlich in Therapie.

Am Ende lautet die Lösung: Die Ratte muss weg. Nachdem das erledigt ist (unbedingt ansehen), kommt die Familie zur Ruhe und es ergeben sich ganz neue Konstellationen und keiner wundert sich...

Das ist ein toller und sehr sehenswerter Film voll von schwarzem Humor für Leute, die sich auf absurde Geschichten einlassen können und daran ihren Spaß haben. Ich liebe ihn und die Filme von Francois Ozon überhaupt. Sehr empfehlenswert.