"Wilde Herzen" - "Les roseaux sauvages" von André Téchiné aus dem Jahr 1994 ist nun auch hierzulande endlich auf DVD erschienen und zwar bei Salzgeber. Zu sehen ist der Film in der französischen Originalfassung und in der deutschen Synchronfassung. Leider jedoch ohne deutsche Untertitel, was ich sehr bedaure. Ich persönlich mag keine französischen Filme mit deutscher Synchronisation, weil meistens die Stimmen etwas unglücklich gewählt sind, aber das ist nur meine Meinung und Meckern auf hohem Niveau. Freuen kann man sich über diese längst fällige Veröffentlichung und einen der schönsten Filme von André Téchiné aber in jedem Fall.
Zur Filmkritik geht es hier, damals noch mit der französischen Fassung: "Les roseaux sauvages"
Große Empfehlung von mir für einen ganz zauberhaften Film mit sensationellen Darstellern, die noch ganz am Anfang ihrer Karrieren standen. Man erlebt mit ihnen einen Sommer, den man nie wieder vergisst. Unbedingt anschauen.
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Sonntag, 14. Dezember 2014
Sonntag, 19. Januar 2014
Die Zeugen
"Die Zeugen" - "Les témoins" ist ein Film von André Téchiné aus dem Jahr 2007. Das Drehbuch schrieb Téchiné zusammen mit Laurent Guyot und Viviane Zingg.
Der hübsche junge Manu (Johan Libéreau) kommt im Sommer 1984 nach Paris, um seine ältere Schwester Julie (Julie Depardieu) zu besuchen, die angehende Opernsängerin ist und ein Zimmer in einem Stundenhotel bewohnt. Im Gegensatz zu seiner Schwester, die eher schüchtern und zurückhaltend ist, steckt Manu voller Leben und stürzt sich sogleich ins Nachtleben der Stadt und besucht die einschlägigen Cruising-Plätze. In einem Park lernt er den älteren Arzt Adrien (Michel Blanc) kennen, der auf der Suche nach hübschen jungen Männern ist. Zwischen ihnen entwickelt sich gleich eine besondere Freundschaft, die allerdings rein platonisch bleibt, sehr zu Adriens Bedauern.
Adrien verliebt sich auf der Stelle in Manu und beide verbringen viel Zeit miteinander. Zusammen besuchen sie Freunde von Adrien in ihrem Ferienhaus am Meer. Sarah (Emmanuelle Béart), eine Kinderbuchautorin, und ihr Mann Mehdi (Sami Bouajila), ein Inspektor bei der Sittenpolizei in Paris, sind gerade Eltern eines kleinen Jungen geworden und besonders Sarah kommt mit der neuen Situation nicht klar. Sie fühlt sich überfordert mit dem Kind, kann keine Beziehung zu ihm aufbauen und leidet zudem noch unter einer Schreibblockade.
Sarah und Mehdi führen eine offene Ehe. Sie lieben sich, aber sie gestatten sich gegenseitig Affären, um ihre Liebe am Leben zu erhalten. Völlig unerwartet beginnen Manu und Mehdi eine leidenschaftliche Affäre miteinander, die den anderen Beteiligten aber zunächst verborgen bleibt. Manu nimmt einen Job auf einem Campingplatz an, der außerhalb von Paris liegt. Hier wird er regelmäßig von Mehdi besucht, während Adrien sich in Paris in seine Arbeit stürzt, um über den Verlust von Manus Gesellschaft hinwegzukommen.
Adrien versucht sich mit anderen Bekanntschaften zu trösten, aber es klappt nicht. Als er Manu besucht, erzählt ihm dieser, sich mit Mehdi zu treffen. Adrien ist außer sich vor Wut, doch dann entdeckt er an Manus Oberkörper merkwürdige Flecken und lässt ihn untersuchen. Manu hat Aids, diese neue und noch weitgehend unbekannte Krankheit, die bereits zahlreiche Tote gefordert hat. Der immer schwächer werdende Manu zieht sich zurück und trifft Mehdi nicht mehr.
Als Mehdi von Manus Zustand erfährt überkommt ihn Panik. Er und Sarah lassen sich testen, doch erst durch Adrien erfährt Sarah die Wahrheit über Manu und Mehdi. Manu stirbt schließlich und Sarah verarbeitet seine Lebensgeschichte in einem Roman.
Adrien hat einen neuen jungen Freund, den Amerikaner Steve (Lorenzo Balducci), der ihn wieder zurück ins Leben holt. Julie wird Paris verlassen, um nach München zu gehen, wo gerade französische Sänger gesucht werden. Zum ersten Geburtstag von Sarahs und Mehdis Sohn besuchen Adrien und Steve die kleine Familie wieder in ihrem Haus am Meer. Vieles ist passiert im letzten Jahr, aber das Leben geht weiter...
Der Film ist in drei Kapitel aufgeteilt: "Die schöne Zeit - Sommer 1984", "Krieg - Winter 1984/1985" und "Wieder Sommer - 1985". In wirklich wunderschönen Bildern von Kameramann Julien Hirsch erzählt André Téchiné hier eine zu Herzen gehende Geschichte, die sehr berührend ist, aber nie kitschig oder deprimierend wird. Auch wenn der Tod und besonders die damals noch tödliche Krankheit im Mittelpunkt stehen, hier wird das Leben gefeiert. Das ist dem Regisseur extrem gut gelungen. Er verharmlost nichts, er zeigt vielmehr auf, wie Aids in das Leben der Menschen Einzug gehalten hat. Einige Kritiker könnten das ein bisschen zu seicht finden, aber das ist es ganz und gar nicht.
Bei der Besetzung hat André Téchiné ebenfalls ein sehr gutes Händchen gehabt, denn schon allein der junge Johan Libéreau ist eine wahre Offenbarung. Er ist absolut hinreißend und gewinnt mit seinem unglaublichen Lächeln sofort alle Herzen. An seiner Seite können aber Michel Blanc und Sami Bouajila ebenso überzeugen, die fabelhaft in ihren Rollen sind. Bei den weiblichen Darstellerinnen ist besonders Julie Depardieu zu erwähnen, die Manus Schwester verkörpert. Eine kleine, aber feine Rolle. Zu Emmanuelle Béart möchte ich mich hier nicht weiter äußern, ihre Schlauchbootlippen machen es mir unmöglich, sie als Schauspielerin ernst zu nehmen.
Insgesamt gesehen ein absolut empfehlenswerter Film, der gerade neu auf DVD erschienen ist und den man nicht verpassen sollte. Nur im Original mit deutschen Untertiteln, so wie es sein soll.
Der hübsche junge Manu (Johan Libéreau) kommt im Sommer 1984 nach Paris, um seine ältere Schwester Julie (Julie Depardieu) zu besuchen, die angehende Opernsängerin ist und ein Zimmer in einem Stundenhotel bewohnt. Im Gegensatz zu seiner Schwester, die eher schüchtern und zurückhaltend ist, steckt Manu voller Leben und stürzt sich sogleich ins Nachtleben der Stadt und besucht die einschlägigen Cruising-Plätze. In einem Park lernt er den älteren Arzt Adrien (Michel Blanc) kennen, der auf der Suche nach hübschen jungen Männern ist. Zwischen ihnen entwickelt sich gleich eine besondere Freundschaft, die allerdings rein platonisch bleibt, sehr zu Adriens Bedauern.
Adrien verliebt sich auf der Stelle in Manu und beide verbringen viel Zeit miteinander. Zusammen besuchen sie Freunde von Adrien in ihrem Ferienhaus am Meer. Sarah (Emmanuelle Béart), eine Kinderbuchautorin, und ihr Mann Mehdi (Sami Bouajila), ein Inspektor bei der Sittenpolizei in Paris, sind gerade Eltern eines kleinen Jungen geworden und besonders Sarah kommt mit der neuen Situation nicht klar. Sie fühlt sich überfordert mit dem Kind, kann keine Beziehung zu ihm aufbauen und leidet zudem noch unter einer Schreibblockade.
Sarah und Mehdi führen eine offene Ehe. Sie lieben sich, aber sie gestatten sich gegenseitig Affären, um ihre Liebe am Leben zu erhalten. Völlig unerwartet beginnen Manu und Mehdi eine leidenschaftliche Affäre miteinander, die den anderen Beteiligten aber zunächst verborgen bleibt. Manu nimmt einen Job auf einem Campingplatz an, der außerhalb von Paris liegt. Hier wird er regelmäßig von Mehdi besucht, während Adrien sich in Paris in seine Arbeit stürzt, um über den Verlust von Manus Gesellschaft hinwegzukommen.
Adrien versucht sich mit anderen Bekanntschaften zu trösten, aber es klappt nicht. Als er Manu besucht, erzählt ihm dieser, sich mit Mehdi zu treffen. Adrien ist außer sich vor Wut, doch dann entdeckt er an Manus Oberkörper merkwürdige Flecken und lässt ihn untersuchen. Manu hat Aids, diese neue und noch weitgehend unbekannte Krankheit, die bereits zahlreiche Tote gefordert hat. Der immer schwächer werdende Manu zieht sich zurück und trifft Mehdi nicht mehr.
Als Mehdi von Manus Zustand erfährt überkommt ihn Panik. Er und Sarah lassen sich testen, doch erst durch Adrien erfährt Sarah die Wahrheit über Manu und Mehdi. Manu stirbt schließlich und Sarah verarbeitet seine Lebensgeschichte in einem Roman.
Adrien hat einen neuen jungen Freund, den Amerikaner Steve (Lorenzo Balducci), der ihn wieder zurück ins Leben holt. Julie wird Paris verlassen, um nach München zu gehen, wo gerade französische Sänger gesucht werden. Zum ersten Geburtstag von Sarahs und Mehdis Sohn besuchen Adrien und Steve die kleine Familie wieder in ihrem Haus am Meer. Vieles ist passiert im letzten Jahr, aber das Leben geht weiter...
Der Film ist in drei Kapitel aufgeteilt: "Die schöne Zeit - Sommer 1984", "Krieg - Winter 1984/1985" und "Wieder Sommer - 1985". In wirklich wunderschönen Bildern von Kameramann Julien Hirsch erzählt André Téchiné hier eine zu Herzen gehende Geschichte, die sehr berührend ist, aber nie kitschig oder deprimierend wird. Auch wenn der Tod und besonders die damals noch tödliche Krankheit im Mittelpunkt stehen, hier wird das Leben gefeiert. Das ist dem Regisseur extrem gut gelungen. Er verharmlost nichts, er zeigt vielmehr auf, wie Aids in das Leben der Menschen Einzug gehalten hat. Einige Kritiker könnten das ein bisschen zu seicht finden, aber das ist es ganz und gar nicht.
Bei der Besetzung hat André Téchiné ebenfalls ein sehr gutes Händchen gehabt, denn schon allein der junge Johan Libéreau ist eine wahre Offenbarung. Er ist absolut hinreißend und gewinnt mit seinem unglaublichen Lächeln sofort alle Herzen. An seiner Seite können aber Michel Blanc und Sami Bouajila ebenso überzeugen, die fabelhaft in ihren Rollen sind. Bei den weiblichen Darstellerinnen ist besonders Julie Depardieu zu erwähnen, die Manus Schwester verkörpert. Eine kleine, aber feine Rolle. Zu Emmanuelle Béart möchte ich mich hier nicht weiter äußern, ihre Schlauchbootlippen machen es mir unmöglich, sie als Schauspielerin ernst zu nehmen.
Insgesamt gesehen ein absolut empfehlenswerter Film, der gerade neu auf DVD erschienen ist und den man nicht verpassen sollte. Nur im Original mit deutschen Untertiteln, so wie es sein soll.
Montag, 22. August 2011
Alice et Martin
"Alice et Martin" ist ein Film von André Téchiné aus dem Jahr 1998. Das Drehbuch schrieb Téchiné zusammen mit Olivier Assayas und Gilles Taurand.
Der Film erzählt die Geschichte des jungen Martin (Alexis Loret), der im Alter von zehn Jahren von seiner alleinerziehenden Mutter Jeanine (Carmen Maura) bei seinem leiblichen Vater Victor (Pierre Maguelon) abgeliefert wird, den er bis dahin noch nicht kennengelernt hatte. Jeanine denkt an die Zukunft ihres Sohnes und will ihm eine gesicherte Existenz ermöglichen, aber sein Vater, der eine Fabrik besitzt und noch drei ältere Söhne hat, kann mit dem Jungen nichts anfangen und so wächst Martin in einer Umgebung voller Kälte und Lieblosigkeit heran.
Zehn Jahre später stirbt Victor bei einem Treppensturz und Martin verlässt fluchtartig das Haus. Einige Wochen später landet Martin in Paris und sucht seinen dort lebenden schwulen Halbbruder Benjamin (Mathieu Amalric) auf, der sich eine kleine Wohnung mit der Musikerin Alice (Juliette Binoche) teilt. Benjamin verdient als Schauspieler kaum Geld und auch Alice ist nicht besonders erfolgreich, doch sie nehmen Martin sofort in ihrer Wohnung auf.
Eher zufällig wird Martin als Model engagiert und bekommt einige lukrative Aufträge. Er bemüht sich um Alice, die seinem hartnäckigen Werben schließlich nachgibt und sich auch in ihn verliebt. Während einer gemeinsamen Reise eröffnet ihm Alice, dass sie ein Kind erwartet. Daraufhin fällt Martin in einen Schockzustand, weil die Vorstellung selbst Vater eines Kindes zu werden bei ihm ein traumatisches Erlebnis wieder zu Tage fördert. Er verschließt sich immer mehr und lässt sich sogar freiwillig in eine Anstalt einweisen. Nun ist es an Alice, Martins Familiengeheimnis zu lüften und um ihre gemeinsame Liebe zu kämpfen.
André Téchiné erzählt hier eine sehr eigenwillige Liebesgeschichte, die zum Teil etwas sperrig wirkt und an einigen Stellen auch ein bisschen abgehoben ist. Das wird aber durch die großartigen Schauspieler sofort wieder wettgemacht, denn sowohl Alexis Loret, als auch in den Nebenrollen Mathieu Amalric und Carmen Maura machen ihre Sache sehr gut. Letztendlich gehört der Film aber allein der wunderbaren Juliette Binoche, die ihre Rolle wie üblich mit viel Wärme und Liebe erfüllt. Es ist wie immer ein Vergnügen, sie spielen zu sehen.
Die Kamerafrau Caroline Champetier hält das alles in beeindruckenden Bildern fest und auch die Musikuntermalung kann überzeugen. Mit fast zwei Stunden Laufzeit ist der Film aber insgesamt ein bisschen zu lang geworden, ein paar Kürzungen hätten hier nicht geschadet. Macht aber auch nichts, weil der Film an sich durchaus überzeugen kann, wenn man sich auf die ruhige Erzählweise und die Handlung einlassen kann.
Auch dieser Film ist allerdings wieder nur als UK-Import zu haben, wie gehabt, französische Fassung mit englischen Untertiteln. Das ist eben die einzige Alternative, wenn man Filme von André Téchiné sehen will. Es ist aber schade, dass dieser fabelhafte Regisseur hierzulande so vernachlässigt wird.
Der Film erzählt die Geschichte des jungen Martin (Alexis Loret), der im Alter von zehn Jahren von seiner alleinerziehenden Mutter Jeanine (Carmen Maura) bei seinem leiblichen Vater Victor (Pierre Maguelon) abgeliefert wird, den er bis dahin noch nicht kennengelernt hatte. Jeanine denkt an die Zukunft ihres Sohnes und will ihm eine gesicherte Existenz ermöglichen, aber sein Vater, der eine Fabrik besitzt und noch drei ältere Söhne hat, kann mit dem Jungen nichts anfangen und so wächst Martin in einer Umgebung voller Kälte und Lieblosigkeit heran.
Zehn Jahre später stirbt Victor bei einem Treppensturz und Martin verlässt fluchtartig das Haus. Einige Wochen später landet Martin in Paris und sucht seinen dort lebenden schwulen Halbbruder Benjamin (Mathieu Amalric) auf, der sich eine kleine Wohnung mit der Musikerin Alice (Juliette Binoche) teilt. Benjamin verdient als Schauspieler kaum Geld und auch Alice ist nicht besonders erfolgreich, doch sie nehmen Martin sofort in ihrer Wohnung auf.
Eher zufällig wird Martin als Model engagiert und bekommt einige lukrative Aufträge. Er bemüht sich um Alice, die seinem hartnäckigen Werben schließlich nachgibt und sich auch in ihn verliebt. Während einer gemeinsamen Reise eröffnet ihm Alice, dass sie ein Kind erwartet. Daraufhin fällt Martin in einen Schockzustand, weil die Vorstellung selbst Vater eines Kindes zu werden bei ihm ein traumatisches Erlebnis wieder zu Tage fördert. Er verschließt sich immer mehr und lässt sich sogar freiwillig in eine Anstalt einweisen. Nun ist es an Alice, Martins Familiengeheimnis zu lüften und um ihre gemeinsame Liebe zu kämpfen.
André Téchiné erzählt hier eine sehr eigenwillige Liebesgeschichte, die zum Teil etwas sperrig wirkt und an einigen Stellen auch ein bisschen abgehoben ist. Das wird aber durch die großartigen Schauspieler sofort wieder wettgemacht, denn sowohl Alexis Loret, als auch in den Nebenrollen Mathieu Amalric und Carmen Maura machen ihre Sache sehr gut. Letztendlich gehört der Film aber allein der wunderbaren Juliette Binoche, die ihre Rolle wie üblich mit viel Wärme und Liebe erfüllt. Es ist wie immer ein Vergnügen, sie spielen zu sehen.
Die Kamerafrau Caroline Champetier hält das alles in beeindruckenden Bildern fest und auch die Musikuntermalung kann überzeugen. Mit fast zwei Stunden Laufzeit ist der Film aber insgesamt ein bisschen zu lang geworden, ein paar Kürzungen hätten hier nicht geschadet. Macht aber auch nichts, weil der Film an sich durchaus überzeugen kann, wenn man sich auf die ruhige Erzählweise und die Handlung einlassen kann.
Auch dieser Film ist allerdings wieder nur als UK-Import zu haben, wie gehabt, französische Fassung mit englischen Untertiteln. Das ist eben die einzige Alternative, wenn man Filme von André Téchiné sehen will. Es ist aber schade, dass dieser fabelhafte Regisseur hierzulande so vernachlässigt wird.
Sonntag, 21. August 2011
Les égarés
"Les égarés" - "Strayed" (so der englische Titel) ist ein Film von André Téchiné aus dem Jahr 2003 und beruht auf einem Roman von Gilles Perrault. Das Drehbuch stammt von Gilles Taurand.
Frankreich, im Sommer 1940. Die junge Witwe Odile (Emmanuelle Béart) verlässt das besetzte Paris zusammen mit ihren beiden Kindern Philippe (Grégoire Leprince-Ringuet) und Cathy (Clémence Meyer) in Richtung Süden. Die Landstraße ist voll mit Menschen, die ebenfalls auf der Flucht sind und ihr ganzes Hab und Gut bei sich haben. Plötzlich tauchen deutsche Flugzeuge am Himmel auf und werfen Bomben auf die Flüchtenden ab. Im allgemeinen Tumult hilft der junge Yvan (Gaspard Ulliel) Odile und ihre Kinder in Sicherheit zu bringen.
Der junge Mann ist allein unterwegs und ziemlich verschlossen. Odile misstraut ihm instinktiv, aber ihre Kinder sorgen dafür, dass sie ihren Weg gemeinsam fortsetzen. Yvan findet ein verlassenes großes Haus im Wald, in dem die vier sich erstmal ausruhen können. Es widerstrebt Odile, ein fremdes Haus zu bewohnen, aber Yvan und ihre Kinder können sie zum Bleiben überreden. Odile, die eigentlich Lehrerin ist, bemerkt, dass der siebzehnjährige Yvan nicht Schreiben kann. Sie unterrichtet ihn und beide freunden sich zaghaft an. Yvan ist tagsüber unterwegs und jagt Kaninchen, angelt Fische oder besorgt irgendwo anders etwas zu Essen. Er übernimmt ganz selbstverständlich die Rolle des Mannes in der Familie.
Von den Kindern wird Yvan als Freund akzeptiert, während Odile nicht so recht weiß, was sie von ihm halten soll. Da er sich aber liebevoll um die Familie kümmert, vertraut sie ihm immer mehr. So leben die vier in dieser scheinbaren Idylle und ohne große Sorgen, während der Krieg weit weg zu sein scheint. Doch eines Tages holt die Realität sie auch hier wieder ein und alles verändert sich...
Das ist ein sehr ruhiger Film, für den man auch ein wenig Muße braucht. Die wunderbare Kamerafrau Agnès Godard hat sehr schöne Bilder eingefangen und zeigt unter anderem fantastische Landschaftsaufnahmen. Die Geschichte an sich hat mich nicht so wirklich überzeugt, was aber auch daran liegen mag, dass ich mit Emmanuelle Béart irgendwie so gar nichts anfangen kann. Sorry, aber mir wird einfach nur übel, wenn ich die ganze Zeit auf diese grauenvoll aufgespritzten Lippen schauen muss. Meiner Meinung nach hält sich aber auch ihr darstellerisches Talent eher in Grenzen, denn über mehr als zwei verschiedene Gesichtsausdrücke kommt sie hier nicht hinaus und dabei habe ich schon ganz großzügig zu ihren Gunsten aufgerundet. Mit einer anderen Hauptdarstellerin, gerade Frankreich hat so wunderbare Schauspielerinnen, hätte mich der Film mehr begeistern können. Die männlichen Rollen sind jedoch sehr gut besetzt mit dem noch sehr jungen Grégoire Leprince-Ringuet und dem fabelhaften Gaspard Ulliel, die beide sehr überzeugend sind.
Der Film ist hierzulande mal wieder nicht erhältlich, was schon einigermaßen ärgerlich ist. Ich habe mir deswegen die DVD als UK-Import besorgt, da hat man die französische Fassung mit englischen Untertiteln, das funktioniert ganz gut. Es ist aber nach wie vor sehr schade, dass die meisten Filme von André Téchiné bei uns nur als Import zu haben sind.
Insgesamt gesehen schon empfehlenswert, wenn auch natürlich wieder nur für ein überschaubares Publikum. Schade, denn die Filme von Téchiné sind eigentlich zu gut, um sie zu übersehen.
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| (Cover der englischen DVD) |
Frankreich, im Sommer 1940. Die junge Witwe Odile (Emmanuelle Béart) verlässt das besetzte Paris zusammen mit ihren beiden Kindern Philippe (Grégoire Leprince-Ringuet) und Cathy (Clémence Meyer) in Richtung Süden. Die Landstraße ist voll mit Menschen, die ebenfalls auf der Flucht sind und ihr ganzes Hab und Gut bei sich haben. Plötzlich tauchen deutsche Flugzeuge am Himmel auf und werfen Bomben auf die Flüchtenden ab. Im allgemeinen Tumult hilft der junge Yvan (Gaspard Ulliel) Odile und ihre Kinder in Sicherheit zu bringen.
Der junge Mann ist allein unterwegs und ziemlich verschlossen. Odile misstraut ihm instinktiv, aber ihre Kinder sorgen dafür, dass sie ihren Weg gemeinsam fortsetzen. Yvan findet ein verlassenes großes Haus im Wald, in dem die vier sich erstmal ausruhen können. Es widerstrebt Odile, ein fremdes Haus zu bewohnen, aber Yvan und ihre Kinder können sie zum Bleiben überreden. Odile, die eigentlich Lehrerin ist, bemerkt, dass der siebzehnjährige Yvan nicht Schreiben kann. Sie unterrichtet ihn und beide freunden sich zaghaft an. Yvan ist tagsüber unterwegs und jagt Kaninchen, angelt Fische oder besorgt irgendwo anders etwas zu Essen. Er übernimmt ganz selbstverständlich die Rolle des Mannes in der Familie.
Von den Kindern wird Yvan als Freund akzeptiert, während Odile nicht so recht weiß, was sie von ihm halten soll. Da er sich aber liebevoll um die Familie kümmert, vertraut sie ihm immer mehr. So leben die vier in dieser scheinbaren Idylle und ohne große Sorgen, während der Krieg weit weg zu sein scheint. Doch eines Tages holt die Realität sie auch hier wieder ein und alles verändert sich...
Das ist ein sehr ruhiger Film, für den man auch ein wenig Muße braucht. Die wunderbare Kamerafrau Agnès Godard hat sehr schöne Bilder eingefangen und zeigt unter anderem fantastische Landschaftsaufnahmen. Die Geschichte an sich hat mich nicht so wirklich überzeugt, was aber auch daran liegen mag, dass ich mit Emmanuelle Béart irgendwie so gar nichts anfangen kann. Sorry, aber mir wird einfach nur übel, wenn ich die ganze Zeit auf diese grauenvoll aufgespritzten Lippen schauen muss. Meiner Meinung nach hält sich aber auch ihr darstellerisches Talent eher in Grenzen, denn über mehr als zwei verschiedene Gesichtsausdrücke kommt sie hier nicht hinaus und dabei habe ich schon ganz großzügig zu ihren Gunsten aufgerundet. Mit einer anderen Hauptdarstellerin, gerade Frankreich hat so wunderbare Schauspielerinnen, hätte mich der Film mehr begeistern können. Die männlichen Rollen sind jedoch sehr gut besetzt mit dem noch sehr jungen Grégoire Leprince-Ringuet und dem fabelhaften Gaspard Ulliel, die beide sehr überzeugend sind.
Der Film ist hierzulande mal wieder nicht erhältlich, was schon einigermaßen ärgerlich ist. Ich habe mir deswegen die DVD als UK-Import besorgt, da hat man die französische Fassung mit englischen Untertiteln, das funktioniert ganz gut. Es ist aber nach wie vor sehr schade, dass die meisten Filme von André Téchiné bei uns nur als Import zu haben sind.
Insgesamt gesehen schon empfehlenswert, wenn auch natürlich wieder nur für ein überschaubares Publikum. Schade, denn die Filme von Téchiné sind eigentlich zu gut, um sie zu übersehen.
Dienstag, 2. August 2011
Les roseaux sauvages
"Les roseaux sauvages" ist ein Film von André Téchiné aus dem Jahr 1994. Das Drehbuch schrieb Téchiné zusammen mit Olivier Massart und Gilles Taurand.
Der Film spielt 1962 in einem kleinen Dorf im Süden Frankreichs. Die vier Schüler Maite (Élodie Bouchez), Francois (Gaël Morel), Serge (Stéphane Rideau) und Henri (Frédéric Gorny) durchleben eine Zeit, in der sie sich selbst, ihren Körper und ihre Sexualität kennenlernen. Neben den persönlichen Irrungen und Wirrungen dieser Tage, beschäftigt sie auch die politische Lage ihres Landes und ihre jeweilige Meinung dazu. Der immer noch andauernde Algerien-Krieg fordert Opfer, so unter anderem auch den Bruder von Serge.
Francois verliebt sich in Serge, hat aber Probleme, zu seinen Gefühlen und seiner Homosexualität zu stehen. Maite liebt Francois, genau wie er sie liebt, aber die Liebe von Francois zu Serge ist stärker. Maite hat ein Problem damit, ihren nackten Körper zu zeigen. Erst der Außenseiter Henri kann ihr helfen, diese Scheu zu überwinden, obwohl beide ganz verschiedene Ansichten haben, was die politische Lage der Nation betrifft. Im persönlichen und körperlichen Bereich spielt aber keine Rolle, was der andere denkt. So kommen sie sich alle näher, auch wenn sie eben nicht einer Meinung sind.
An dieser Stelle muss ich einmal etwas klarstellen. Ich habe über diesen Film und seine Handlung sehr viel gelesen und weiß, worum es geht. Ich wollte diesen Film unbedingt sehen, konnte aber leider nur eine französische DVD auftreiben und meine französischen Sprachkenntnisse sind eher lausig. So muss ich leider zugeben, dass mir viele Dialoge unverständlich geblieben sind, was ich sehr schade finde. Ich hoffe daher darauf, irgendwann einmal eine Fassung mit deutschen Untertiteln sehen zu können, die es aber anscheinend noch nicht gibt.
Trotz allem möchte ich aber eine große Empfehlung für diesen Film aussprechen, der mit wunderschönen Bildern absolut begeistern kann. Zudem sind die fabelhaften jungen Darsteller allesamt sehr talentiert und sehenswert. Angefangen bei der zauberhaften Élodie Bouchez, die einfach ganz reizend ist, ebenso wie der süße Gaël Morel, der später als Regisseur gearbeitet hat. Frédéric Gorny als Henri ist sicher die Person, die hier sehr polarisiert, aber auch er ist wunderbar anzuschauen. Am meisten beeindruckt hat mich aber der wie üblich hinreißende Stéphane Rideau, hier übrigens in seiner ersten Rolle, den ich aus späteren Filmen von Sébastien Lifshitz und Francois Ozon kenne und schätze.
Insgesamt gesehen ein Film, der absolut sehenswert ist und über wundervolle Bilder verfügt. Die Geschichte ist schön erzählt und begleitet ihre Protagonisten in diesem Sommer auf ihrem Weg zu sich selbst, mit all den Problemen, die ihnen beim Erwachsenwerden begegnen. Man ist ihnen dabei jederzeit ganz nah und verliebt sich fast ein bisschen in die einzelnen Figuren, so bezaubernd sind sie.
Wünschenswert wäre hier endlich eine Fassung mit deutschen Untertiteln. Es stellt sich mir sowieso die Frage, warum so viele Filme von André Téchiné hierzulande nicht auf DVD erhältlich sind. Ich würde da gerne noch mehr von sehen. Es muss ja keine deutsche Synchronisation sein, Untertitel würden schon vollkommen reichen.
Nachtrag 14.12.2014: Bei Salzgeber ist der Film "Wilde Herzen" jetzt auf DVD erschienen und zwar in der französischen Originalfassung und in der deutschen Synchronfassung, aber leider ohne Untertitel. Empfehlenswert ist er aber natürlich trotzdem. Wer ihn bisher noch nicht kennt, der sollte spätestens jetzt zugreifen.
Der Film spielt 1962 in einem kleinen Dorf im Süden Frankreichs. Die vier Schüler Maite (Élodie Bouchez), Francois (Gaël Morel), Serge (Stéphane Rideau) und Henri (Frédéric Gorny) durchleben eine Zeit, in der sie sich selbst, ihren Körper und ihre Sexualität kennenlernen. Neben den persönlichen Irrungen und Wirrungen dieser Tage, beschäftigt sie auch die politische Lage ihres Landes und ihre jeweilige Meinung dazu. Der immer noch andauernde Algerien-Krieg fordert Opfer, so unter anderem auch den Bruder von Serge.
Francois verliebt sich in Serge, hat aber Probleme, zu seinen Gefühlen und seiner Homosexualität zu stehen. Maite liebt Francois, genau wie er sie liebt, aber die Liebe von Francois zu Serge ist stärker. Maite hat ein Problem damit, ihren nackten Körper zu zeigen. Erst der Außenseiter Henri kann ihr helfen, diese Scheu zu überwinden, obwohl beide ganz verschiedene Ansichten haben, was die politische Lage der Nation betrifft. Im persönlichen und körperlichen Bereich spielt aber keine Rolle, was der andere denkt. So kommen sie sich alle näher, auch wenn sie eben nicht einer Meinung sind.
An dieser Stelle muss ich einmal etwas klarstellen. Ich habe über diesen Film und seine Handlung sehr viel gelesen und weiß, worum es geht. Ich wollte diesen Film unbedingt sehen, konnte aber leider nur eine französische DVD auftreiben und meine französischen Sprachkenntnisse sind eher lausig. So muss ich leider zugeben, dass mir viele Dialoge unverständlich geblieben sind, was ich sehr schade finde. Ich hoffe daher darauf, irgendwann einmal eine Fassung mit deutschen Untertiteln sehen zu können, die es aber anscheinend noch nicht gibt.
Trotz allem möchte ich aber eine große Empfehlung für diesen Film aussprechen, der mit wunderschönen Bildern absolut begeistern kann. Zudem sind die fabelhaften jungen Darsteller allesamt sehr talentiert und sehenswert. Angefangen bei der zauberhaften Élodie Bouchez, die einfach ganz reizend ist, ebenso wie der süße Gaël Morel, der später als Regisseur gearbeitet hat. Frédéric Gorny als Henri ist sicher die Person, die hier sehr polarisiert, aber auch er ist wunderbar anzuschauen. Am meisten beeindruckt hat mich aber der wie üblich hinreißende Stéphane Rideau, hier übrigens in seiner ersten Rolle, den ich aus späteren Filmen von Sébastien Lifshitz und Francois Ozon kenne und schätze.
Insgesamt gesehen ein Film, der absolut sehenswert ist und über wundervolle Bilder verfügt. Die Geschichte ist schön erzählt und begleitet ihre Protagonisten in diesem Sommer auf ihrem Weg zu sich selbst, mit all den Problemen, die ihnen beim Erwachsenwerden begegnen. Man ist ihnen dabei jederzeit ganz nah und verliebt sich fast ein bisschen in die einzelnen Figuren, so bezaubernd sind sie.
Wünschenswert wäre hier endlich eine Fassung mit deutschen Untertiteln. Es stellt sich mir sowieso die Frage, warum so viele Filme von André Téchiné hierzulande nicht auf DVD erhältlich sind. Ich würde da gerne noch mehr von sehen. Es muss ja keine deutsche Synchronisation sein, Untertitel würden schon vollkommen reichen.
Nachtrag 14.12.2014: Bei Salzgeber ist der Film "Wilde Herzen" jetzt auf DVD erschienen und zwar in der französischen Originalfassung und in der deutschen Synchronfassung, aber leider ohne Untertitel. Empfehlenswert ist er aber natürlich trotzdem. Wer ihn bisher noch nicht kennt, der sollte spätestens jetzt zugreifen.
Sonntag, 24. Juli 2011
Diebe der Nacht
"Diebe der Nacht" - "Les Voleurs" ist ein Film von André Téchiné aus dem Jahr 1996. Das Drehbuch schrieb Téchiné zusammen mit Gilles Taurand.
Der kleine Justin (Julien Rivière) wird durch den Schrei seiner Mutter Mireille (Fabienne Babe) geweckt. Als er sich nach unten schleicht, erfährt er von seinem Großvater (Ivan Desny) das Ungeheuerliche: sein Vater Ivan (Didier Bezace) ist tot, es gab einen Unfall. Das ist der Beginn eines außergewöhnlichen Films, der seine Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt und sich auch Zeitsprünge erlaubt, ohne dabei aber verwirrend zu sein.
Ivan war ein Krimineller, das liegt hier offenbar in der Familie, denn auch sein Vater gehört der Truppe an und auch der kleine Justin zeigt bereits Interesse an der Arbeit der Männer. Ivans Bruder Alex (Daniel Auteuil) ist das schwarze Schaf der Familie, denn er ist Polizist geworden, weil er mit den Machenschaften seiner Familie nichts zu tun haben wollte. Das hat ihn zu einem Außenseiter gemacht, der nach einer gescheiterten Ehe in Lyon lebt und des Lebens überdrüssig ist.
Alex fängt ein rein sexuelles Verhältnis mit der jungen Juliette (Laurence Côte) an, die er kurz zuvor wegen eines Ladendiebstahls vernommen hatte. Juliette war auch einst die Geliebte von Ivan und ihr Bruder Jimmy (Benoît Magimel) ist Mitglied in Ivans Bande und Teilhaber seines Nachtclubs. Juliette hat ein wildes und selbstzerstörerisches Wesen, sie lässt niemanden wirklich an sich heran. Ruhe und Geborgenheit findet sie bei der älteren Philosophiedozentin Marie (Catherine Deneuve), mit der sie ebenfalls eine Affäre hat.
Nach Ivans Tod verschwindet Juliette aus der Stadt. Marie und Alex lernen sich in der Zwischenzeit ein wenig kennen und reden über Juliette. Dabei sind beide jedoch sehr zurückhaltend und wollen nicht zu viel von sich preisgeben. Diebe sind sie aber alle, Alex, Marie und auch Juliette, denn obwohl keiner von ihnen wirkliche Nähe zulassen kann, haben sie sich immer wieder kurze Momente des Glücks gestohlen. Mehr war ihnen nicht vergönnt.
Das ist ein sehr ruhiger und melancholischer Film, auf den man sich in jedem Fall einlassen muss. Mit knapp zwei Stunden Laufzeit gibt es trotzdem keine Längen, was natürlich vor allen Dingen an den absolut fantastischen Schauspielern liegt. Hier irgendeinen extra hervorzuheben wäre fatal, sie sind allesamt wunderbar. Die Geschichte ist wie ein Puzzle, das sich erst nach und nach zusammenfügt und am Schluss ein vollständiges Bild ergibt. Sehr beeindruckend und sehr sehenswert.
Der kleine Justin (Julien Rivière) wird durch den Schrei seiner Mutter Mireille (Fabienne Babe) geweckt. Als er sich nach unten schleicht, erfährt er von seinem Großvater (Ivan Desny) das Ungeheuerliche: sein Vater Ivan (Didier Bezace) ist tot, es gab einen Unfall. Das ist der Beginn eines außergewöhnlichen Films, der seine Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt und sich auch Zeitsprünge erlaubt, ohne dabei aber verwirrend zu sein.
Ivan war ein Krimineller, das liegt hier offenbar in der Familie, denn auch sein Vater gehört der Truppe an und auch der kleine Justin zeigt bereits Interesse an der Arbeit der Männer. Ivans Bruder Alex (Daniel Auteuil) ist das schwarze Schaf der Familie, denn er ist Polizist geworden, weil er mit den Machenschaften seiner Familie nichts zu tun haben wollte. Das hat ihn zu einem Außenseiter gemacht, der nach einer gescheiterten Ehe in Lyon lebt und des Lebens überdrüssig ist.
Alex fängt ein rein sexuelles Verhältnis mit der jungen Juliette (Laurence Côte) an, die er kurz zuvor wegen eines Ladendiebstahls vernommen hatte. Juliette war auch einst die Geliebte von Ivan und ihr Bruder Jimmy (Benoît Magimel) ist Mitglied in Ivans Bande und Teilhaber seines Nachtclubs. Juliette hat ein wildes und selbstzerstörerisches Wesen, sie lässt niemanden wirklich an sich heran. Ruhe und Geborgenheit findet sie bei der älteren Philosophiedozentin Marie (Catherine Deneuve), mit der sie ebenfalls eine Affäre hat.
Nach Ivans Tod verschwindet Juliette aus der Stadt. Marie und Alex lernen sich in der Zwischenzeit ein wenig kennen und reden über Juliette. Dabei sind beide jedoch sehr zurückhaltend und wollen nicht zu viel von sich preisgeben. Diebe sind sie aber alle, Alex, Marie und auch Juliette, denn obwohl keiner von ihnen wirkliche Nähe zulassen kann, haben sie sich immer wieder kurze Momente des Glücks gestohlen. Mehr war ihnen nicht vergönnt.
Das ist ein sehr ruhiger und melancholischer Film, auf den man sich in jedem Fall einlassen muss. Mit knapp zwei Stunden Laufzeit gibt es trotzdem keine Längen, was natürlich vor allen Dingen an den absolut fantastischen Schauspielern liegt. Hier irgendeinen extra hervorzuheben wäre fatal, sie sind allesamt wunderbar. Die Geschichte ist wie ein Puzzle, das sich erst nach und nach zusammenfügt und am Schluss ein vollständiges Bild ergibt. Sehr beeindruckend und sehr sehenswert.
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