"Die Verlobung des Monsieur Hire" - "Monsieur Hire" ist ein Film von Patrice Leconte aus dem Jahr 1989. Das Drehbuch stammt von Patrice Leconte und Patrick Dewolf und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Georges Simenon, der 1933 erschienen ist. Die Musik stammt von Michael Nyman.
Monsieur Hire (Michel Blanc) ist ein Eigenbrötler und hat nur wenige soziale Kontakte. Der Schneider arbeitet allein in seinem kleinen Atelier, wo er sich ein paar weiße Mäuse hält, um die er sich liebevoll kümmert. Die Menschen in seiner Umgebung meiden den Außenseiter weitestgehend und die Kinder spielen ihm Streiche. Gelegentlich besucht Monsieur Hire ein Bordell, aber daran hat er nun auch kein Vergnügen mehr.
Seit einiger Zeit lebt die junge Alice (Sandrine Bonnaire) im Haus gegenüber und Monsieur Hire kann von seiner Wohnung aus das Leben der hübschen Frau, die ihn immer mehr fasziniert, beobachten. Da er nie das Licht einschaltet, dauert es lange, bis Alice ihn am Fenster bemerkt. Während eines Gewitters sieht sie das bleiche Gesicht des Mannes und erschrickt. Mit einer Mischung aus Neugier und Misstrauen versucht Alice nun, die Bekanntschaft von Monsieur Hire zu machen. Will sie ihn nur kennenlernen oder will sie wissen, was er in ihrer Wohnung gesehen hat?
Eine junge Frau aus der Nachbarschaft wurde ermordet aufgefunden, im gleichen Alter wie Alice. Es war ein Raubmord und das Opfer hat sich gewehrt, so dass der Täter sie im Affekt getötet hat. Der ermittelnde Inspektor (André Wilms) verdächtigt Monsieur Hire, genau wie die Nachbarn, denen der Sonderling schon immer suspekt war, mit dem musste ja etwas nicht stimmen. Wer so zurückgezogen und ohne Freunde lebt, dem ist schließlich alles zuzutrauen, so die Meinung der Leute. Monsieur Hire jedoch weiß, wer für den Mord verantwortlich ist. Emile (Luc Thullier), Alices Freund, ein junger Mann mit zweifelhaftem Charakter, hat die Handtasche der ermordeten jungen Frau in der Wohnung seiner Freundin versteckt.
Monsieur Hire bietet Alice an, mit ihm zusammen in die Schweiz zu ziehen. Dort hat er ein kleines Haus und sie wären in Sicherheit. Er schenkt ihr eine Fahrkarte und wartet am Bahnhof auf sie, leider vergeblich. Alice hat sich anders entschieden und setzt damit eine Kette von Reaktionen in Gang, die sich nicht mehr aufhalten lässt. Die einzige Liebe im Leben von Monsieur Hire stürzt ihn ins Verderben.
Was für ein wunderbarer kleiner und stiller Film, gerade mal gut 80 Minuten lang. Für mich wirkte das alles ein bisschen aus der Zeit gefallen, der Film hätte auch gut in den sechziger Jahren spielen können. Im Mittelpunkt stehen die sensationellen Darstellerleistungen von Michel Blanc und Sandrine Bonnaire, die absolut authentisch und berührend sind. Besonders Michel Blanc muss hier erwähnt werden, der seinen Part unglaublich gut spielt, fast immer undurchsichtig bleibt und seinen Monsieur Hire mit einer Strenge und Zärtlichkeit ausstattet, dass einem die Worte fehlen. Die wenigen Begegnungen mit Alice sind voll von unterdrückten Gefühlen, die in seinem Inneren brodeln und dabei fast greifbar werden. Fast meint man, auch Alice würde sich zu ihm hingezogen fühlen und vielleicht tut sie das insgeheim auch. Aber leider will die Geschichte ihren handelnden Personen einfach kein Glück gönnen.
Was bleibt, ist eine tragische Lebens- und Liebesgeschichte, die unter die Haut geht, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen. Ich kann nur eine ganz große Empfehlung aussprechen, es lohnt sich definitiv, diesem Film eine Chance zu geben.
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Montag, 21. September 2015
Sonntag, 19. Januar 2014
Die Zeugen
"Die Zeugen" - "Les témoins" ist ein Film von André Téchiné aus dem Jahr 2007. Das Drehbuch schrieb Téchiné zusammen mit Laurent Guyot und Viviane Zingg.
Der hübsche junge Manu (Johan Libéreau) kommt im Sommer 1984 nach Paris, um seine ältere Schwester Julie (Julie Depardieu) zu besuchen, die angehende Opernsängerin ist und ein Zimmer in einem Stundenhotel bewohnt. Im Gegensatz zu seiner Schwester, die eher schüchtern und zurückhaltend ist, steckt Manu voller Leben und stürzt sich sogleich ins Nachtleben der Stadt und besucht die einschlägigen Cruising-Plätze. In einem Park lernt er den älteren Arzt Adrien (Michel Blanc) kennen, der auf der Suche nach hübschen jungen Männern ist. Zwischen ihnen entwickelt sich gleich eine besondere Freundschaft, die allerdings rein platonisch bleibt, sehr zu Adriens Bedauern.
Adrien verliebt sich auf der Stelle in Manu und beide verbringen viel Zeit miteinander. Zusammen besuchen sie Freunde von Adrien in ihrem Ferienhaus am Meer. Sarah (Emmanuelle Béart), eine Kinderbuchautorin, und ihr Mann Mehdi (Sami Bouajila), ein Inspektor bei der Sittenpolizei in Paris, sind gerade Eltern eines kleinen Jungen geworden und besonders Sarah kommt mit der neuen Situation nicht klar. Sie fühlt sich überfordert mit dem Kind, kann keine Beziehung zu ihm aufbauen und leidet zudem noch unter einer Schreibblockade.
Sarah und Mehdi führen eine offene Ehe. Sie lieben sich, aber sie gestatten sich gegenseitig Affären, um ihre Liebe am Leben zu erhalten. Völlig unerwartet beginnen Manu und Mehdi eine leidenschaftliche Affäre miteinander, die den anderen Beteiligten aber zunächst verborgen bleibt. Manu nimmt einen Job auf einem Campingplatz an, der außerhalb von Paris liegt. Hier wird er regelmäßig von Mehdi besucht, während Adrien sich in Paris in seine Arbeit stürzt, um über den Verlust von Manus Gesellschaft hinwegzukommen.
Adrien versucht sich mit anderen Bekanntschaften zu trösten, aber es klappt nicht. Als er Manu besucht, erzählt ihm dieser, sich mit Mehdi zu treffen. Adrien ist außer sich vor Wut, doch dann entdeckt er an Manus Oberkörper merkwürdige Flecken und lässt ihn untersuchen. Manu hat Aids, diese neue und noch weitgehend unbekannte Krankheit, die bereits zahlreiche Tote gefordert hat. Der immer schwächer werdende Manu zieht sich zurück und trifft Mehdi nicht mehr.
Als Mehdi von Manus Zustand erfährt überkommt ihn Panik. Er und Sarah lassen sich testen, doch erst durch Adrien erfährt Sarah die Wahrheit über Manu und Mehdi. Manu stirbt schließlich und Sarah verarbeitet seine Lebensgeschichte in einem Roman.
Adrien hat einen neuen jungen Freund, den Amerikaner Steve (Lorenzo Balducci), der ihn wieder zurück ins Leben holt. Julie wird Paris verlassen, um nach München zu gehen, wo gerade französische Sänger gesucht werden. Zum ersten Geburtstag von Sarahs und Mehdis Sohn besuchen Adrien und Steve die kleine Familie wieder in ihrem Haus am Meer. Vieles ist passiert im letzten Jahr, aber das Leben geht weiter...
Der Film ist in drei Kapitel aufgeteilt: "Die schöne Zeit - Sommer 1984", "Krieg - Winter 1984/1985" und "Wieder Sommer - 1985". In wirklich wunderschönen Bildern von Kameramann Julien Hirsch erzählt André Téchiné hier eine zu Herzen gehende Geschichte, die sehr berührend ist, aber nie kitschig oder deprimierend wird. Auch wenn der Tod und besonders die damals noch tödliche Krankheit im Mittelpunkt stehen, hier wird das Leben gefeiert. Das ist dem Regisseur extrem gut gelungen. Er verharmlost nichts, er zeigt vielmehr auf, wie Aids in das Leben der Menschen Einzug gehalten hat. Einige Kritiker könnten das ein bisschen zu seicht finden, aber das ist es ganz und gar nicht.
Bei der Besetzung hat André Téchiné ebenfalls ein sehr gutes Händchen gehabt, denn schon allein der junge Johan Libéreau ist eine wahre Offenbarung. Er ist absolut hinreißend und gewinnt mit seinem unglaublichen Lächeln sofort alle Herzen. An seiner Seite können aber Michel Blanc und Sami Bouajila ebenso überzeugen, die fabelhaft in ihren Rollen sind. Bei den weiblichen Darstellerinnen ist besonders Julie Depardieu zu erwähnen, die Manus Schwester verkörpert. Eine kleine, aber feine Rolle. Zu Emmanuelle Béart möchte ich mich hier nicht weiter äußern, ihre Schlauchbootlippen machen es mir unmöglich, sie als Schauspielerin ernst zu nehmen.
Insgesamt gesehen ein absolut empfehlenswerter Film, der gerade neu auf DVD erschienen ist und den man nicht verpassen sollte. Nur im Original mit deutschen Untertiteln, so wie es sein soll.
Der hübsche junge Manu (Johan Libéreau) kommt im Sommer 1984 nach Paris, um seine ältere Schwester Julie (Julie Depardieu) zu besuchen, die angehende Opernsängerin ist und ein Zimmer in einem Stundenhotel bewohnt. Im Gegensatz zu seiner Schwester, die eher schüchtern und zurückhaltend ist, steckt Manu voller Leben und stürzt sich sogleich ins Nachtleben der Stadt und besucht die einschlägigen Cruising-Plätze. In einem Park lernt er den älteren Arzt Adrien (Michel Blanc) kennen, der auf der Suche nach hübschen jungen Männern ist. Zwischen ihnen entwickelt sich gleich eine besondere Freundschaft, die allerdings rein platonisch bleibt, sehr zu Adriens Bedauern.
Adrien verliebt sich auf der Stelle in Manu und beide verbringen viel Zeit miteinander. Zusammen besuchen sie Freunde von Adrien in ihrem Ferienhaus am Meer. Sarah (Emmanuelle Béart), eine Kinderbuchautorin, und ihr Mann Mehdi (Sami Bouajila), ein Inspektor bei der Sittenpolizei in Paris, sind gerade Eltern eines kleinen Jungen geworden und besonders Sarah kommt mit der neuen Situation nicht klar. Sie fühlt sich überfordert mit dem Kind, kann keine Beziehung zu ihm aufbauen und leidet zudem noch unter einer Schreibblockade.
Sarah und Mehdi führen eine offene Ehe. Sie lieben sich, aber sie gestatten sich gegenseitig Affären, um ihre Liebe am Leben zu erhalten. Völlig unerwartet beginnen Manu und Mehdi eine leidenschaftliche Affäre miteinander, die den anderen Beteiligten aber zunächst verborgen bleibt. Manu nimmt einen Job auf einem Campingplatz an, der außerhalb von Paris liegt. Hier wird er regelmäßig von Mehdi besucht, während Adrien sich in Paris in seine Arbeit stürzt, um über den Verlust von Manus Gesellschaft hinwegzukommen.
Adrien versucht sich mit anderen Bekanntschaften zu trösten, aber es klappt nicht. Als er Manu besucht, erzählt ihm dieser, sich mit Mehdi zu treffen. Adrien ist außer sich vor Wut, doch dann entdeckt er an Manus Oberkörper merkwürdige Flecken und lässt ihn untersuchen. Manu hat Aids, diese neue und noch weitgehend unbekannte Krankheit, die bereits zahlreiche Tote gefordert hat. Der immer schwächer werdende Manu zieht sich zurück und trifft Mehdi nicht mehr.
Als Mehdi von Manus Zustand erfährt überkommt ihn Panik. Er und Sarah lassen sich testen, doch erst durch Adrien erfährt Sarah die Wahrheit über Manu und Mehdi. Manu stirbt schließlich und Sarah verarbeitet seine Lebensgeschichte in einem Roman.
Adrien hat einen neuen jungen Freund, den Amerikaner Steve (Lorenzo Balducci), der ihn wieder zurück ins Leben holt. Julie wird Paris verlassen, um nach München zu gehen, wo gerade französische Sänger gesucht werden. Zum ersten Geburtstag von Sarahs und Mehdis Sohn besuchen Adrien und Steve die kleine Familie wieder in ihrem Haus am Meer. Vieles ist passiert im letzten Jahr, aber das Leben geht weiter...
Der Film ist in drei Kapitel aufgeteilt: "Die schöne Zeit - Sommer 1984", "Krieg - Winter 1984/1985" und "Wieder Sommer - 1985". In wirklich wunderschönen Bildern von Kameramann Julien Hirsch erzählt André Téchiné hier eine zu Herzen gehende Geschichte, die sehr berührend ist, aber nie kitschig oder deprimierend wird. Auch wenn der Tod und besonders die damals noch tödliche Krankheit im Mittelpunkt stehen, hier wird das Leben gefeiert. Das ist dem Regisseur extrem gut gelungen. Er verharmlost nichts, er zeigt vielmehr auf, wie Aids in das Leben der Menschen Einzug gehalten hat. Einige Kritiker könnten das ein bisschen zu seicht finden, aber das ist es ganz und gar nicht.
Bei der Besetzung hat André Téchiné ebenfalls ein sehr gutes Händchen gehabt, denn schon allein der junge Johan Libéreau ist eine wahre Offenbarung. Er ist absolut hinreißend und gewinnt mit seinem unglaublichen Lächeln sofort alle Herzen. An seiner Seite können aber Michel Blanc und Sami Bouajila ebenso überzeugen, die fabelhaft in ihren Rollen sind. Bei den weiblichen Darstellerinnen ist besonders Julie Depardieu zu erwähnen, die Manus Schwester verkörpert. Eine kleine, aber feine Rolle. Zu Emmanuelle Béart möchte ich mich hier nicht weiter äußern, ihre Schlauchbootlippen machen es mir unmöglich, sie als Schauspielerin ernst zu nehmen.
Insgesamt gesehen ein absolut empfehlenswerter Film, der gerade neu auf DVD erschienen ist und den man nicht verpassen sollte. Nur im Original mit deutschen Untertiteln, so wie es sein soll.
Dienstag, 19. März 2013
Der Aufsteiger
"Der Aufsteiger" - "L'exercice de l'État" ist ein Film von Pierre Schoeller (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2011. Produziert wurde der Film unter anderem auch von den Brüdern Jean-Pierre und Luc Dardenne.
Bertrand Saint-Jean (Olivier Gourmet) ist Verkehrsminister in Frankreich und noch ziemlich neu in seinem Amt. Politisch hat er noch keine größeren Spuren hinterlassen, er ist noch der Aufsteiger, der aber aus kleinen Verhältnissen kommt und dem die Karriere nicht in die Wiege gelegt wurde. Das unterscheidet ihn von vielen seiner Kollegen.
Eines Nachts, nach einem mit diversen Symbolen aufgeladenen Traum von Macht und Sex, erhält er einen Anruf. In den Ardennen ist ein Reisebus mit Jugendlichen in eine Schlucht gestürzt und es gibt zahlreiche Opfer zu beklagen. Saint-Jean fährt mit seiner PR-Frau Pauline (Zabou Breitman) an die Unglücksstelle, um sein Mitgefühl auszudrücken. Die Kameras laufen und er soll Vertrauen und Engagement ausstrahlen.
Kurze Zeit später wird man Saint-Jean mit der Privatisierung der Bahnhöfe beauftragen, ein Projekt, das er bisher immer abgelehnt hat und für das er sich nun stark machen soll. Saint-Jean erhält Unterstützung von seinem treuen Stabchef Gilles (Michel Blanc), der im Hintergrund die Fäden zieht und über jeden nur möglichen Kontakt verfügt. Er ist ein alter Hase, der weiß wie das Spiel läuft.
Saint-Jeans Fahrer geht in die Elternzeit, also muss ein neuer Fahrer her. Seine Mitarbeiter engagieren den Langzeitarbeitslosen Martin Kuypers (Sylvain Deblé) als Ersatz. Auch das soll Saint-Jean Sympathien einbringen. Für seine Frau Séverine (Arly Jover) hat Saint-Jean kaum Zeit, sein Alltag besteht aus Meetings, Telefonaten und langen Autofahrten. Ständig hängt er am Telefon, berät sich mit Gilles oder Pauline, während höhere Kreise schon wieder über seine eigentlichen Aufgaben Entscheidungen treffen.
Dann passiert das nächste Unglück und dieses Mal trifft es Saint-Jean selbst. Auf einer neuen, jedoch noch nicht freigegebenen Autobahn verunglückt das Auto des Ministers. Während er und ein Mitarbeiter verletzt werden, stirbt Martin Kuypers, der Fahrer. Durch den Unfall und das Interesse der Medien gewinnt Saint-Jean Sympathien, die auch von höherer Stelle wahrgenommen werden. Man bietet ihm einen neuen Posten an, die ungeliebte Privatisierung der Bahnhöfe ist er damit los, dafür muss ein neues Bauernopfer gefunden werden.
Saint-Jean hat das Spiel der Mächtigen, die Intrigen und vor allen Dingen den Kampf um den eigenen Machterhalt inzwischen begriffen. Dumm nur, dass dafür auch ein guter Freund auf der Strecke bleiben muss, aber so ist eben das Geschäft...
Ja, eigentlich ein trockenes Thema, aber dieser Film ist über seine Laufzeit von ca. 115 Minuten wirklich durchgehend sehenswert und interessant. Dass Politiker gute und engagierte Menschen sind, die sich für das gemeine Volk einsetzten, glaubt ja wohl niemand mehr und dass dieser Film nur die französische Politik aufs Korn nimmt, glaube ich schon gar nicht. Die Beschreibung der Verhältnisse ist wohl schon sehr universell.
Die Schauspieler sind hervorragend ausgewählt, allen voran der wunderbare Olivier Gourmet, den ich gar nicht genug loben kann. Er ist die perfekte Besetzung für diese Rolle. An seiner Seite glänzt Michel Blanc in seiner Rolle als Vertrauter und Stabchef, der immer den Überblick behält. Großartig gespielt.
Insgesamt gesehen ein sehr sehenswerter Film, der vermutlich nicht viele Zuschauer haben wird, was ausgesprochen schade ist. Verdient hätte er es in jedem Fall.
Bertrand Saint-Jean (Olivier Gourmet) ist Verkehrsminister in Frankreich und noch ziemlich neu in seinem Amt. Politisch hat er noch keine größeren Spuren hinterlassen, er ist noch der Aufsteiger, der aber aus kleinen Verhältnissen kommt und dem die Karriere nicht in die Wiege gelegt wurde. Das unterscheidet ihn von vielen seiner Kollegen.
Eines Nachts, nach einem mit diversen Symbolen aufgeladenen Traum von Macht und Sex, erhält er einen Anruf. In den Ardennen ist ein Reisebus mit Jugendlichen in eine Schlucht gestürzt und es gibt zahlreiche Opfer zu beklagen. Saint-Jean fährt mit seiner PR-Frau Pauline (Zabou Breitman) an die Unglücksstelle, um sein Mitgefühl auszudrücken. Die Kameras laufen und er soll Vertrauen und Engagement ausstrahlen.
Kurze Zeit später wird man Saint-Jean mit der Privatisierung der Bahnhöfe beauftragen, ein Projekt, das er bisher immer abgelehnt hat und für das er sich nun stark machen soll. Saint-Jean erhält Unterstützung von seinem treuen Stabchef Gilles (Michel Blanc), der im Hintergrund die Fäden zieht und über jeden nur möglichen Kontakt verfügt. Er ist ein alter Hase, der weiß wie das Spiel läuft.
Saint-Jeans Fahrer geht in die Elternzeit, also muss ein neuer Fahrer her. Seine Mitarbeiter engagieren den Langzeitarbeitslosen Martin Kuypers (Sylvain Deblé) als Ersatz. Auch das soll Saint-Jean Sympathien einbringen. Für seine Frau Séverine (Arly Jover) hat Saint-Jean kaum Zeit, sein Alltag besteht aus Meetings, Telefonaten und langen Autofahrten. Ständig hängt er am Telefon, berät sich mit Gilles oder Pauline, während höhere Kreise schon wieder über seine eigentlichen Aufgaben Entscheidungen treffen.
Dann passiert das nächste Unglück und dieses Mal trifft es Saint-Jean selbst. Auf einer neuen, jedoch noch nicht freigegebenen Autobahn verunglückt das Auto des Ministers. Während er und ein Mitarbeiter verletzt werden, stirbt Martin Kuypers, der Fahrer. Durch den Unfall und das Interesse der Medien gewinnt Saint-Jean Sympathien, die auch von höherer Stelle wahrgenommen werden. Man bietet ihm einen neuen Posten an, die ungeliebte Privatisierung der Bahnhöfe ist er damit los, dafür muss ein neues Bauernopfer gefunden werden.
Saint-Jean hat das Spiel der Mächtigen, die Intrigen und vor allen Dingen den Kampf um den eigenen Machterhalt inzwischen begriffen. Dumm nur, dass dafür auch ein guter Freund auf der Strecke bleiben muss, aber so ist eben das Geschäft...
Ja, eigentlich ein trockenes Thema, aber dieser Film ist über seine Laufzeit von ca. 115 Minuten wirklich durchgehend sehenswert und interessant. Dass Politiker gute und engagierte Menschen sind, die sich für das gemeine Volk einsetzten, glaubt ja wohl niemand mehr und dass dieser Film nur die französische Politik aufs Korn nimmt, glaube ich schon gar nicht. Die Beschreibung der Verhältnisse ist wohl schon sehr universell.
Die Schauspieler sind hervorragend ausgewählt, allen voran der wunderbare Olivier Gourmet, den ich gar nicht genug loben kann. Er ist die perfekte Besetzung für diese Rolle. An seiner Seite glänzt Michel Blanc in seiner Rolle als Vertrauter und Stabchef, der immer den Überblick behält. Großartig gespielt.
Insgesamt gesehen ein sehr sehenswerter Film, der vermutlich nicht viele Zuschauer haben wird, was ausgesprochen schade ist. Verdient hätte er es in jedem Fall.
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