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Samstag, 27. September 2014

Longtime Companion

"Longtime Companion" - "Freundschaft fürs Leben" ist ein Film von Norman René aus dem Jahr 1989. Das Drehbuch stammt von Craig Lucas. Es geht um eine Gruppe von schwulen Freunden und um ihr Leben in den Jahren von 1981 bis 1989. Die Handlung spielt in New York und auf Fire Island.

Am 3. Juli 1981 erscheint in der New York Times ein Artikel, der sich mit einer neuen Krankheit befasst, dem sogenannten Schwulen-Krebs (Gay Cancer). Jeder in der Clique erfährt von diesem Bericht und man tauscht sich untereinander darüber aus. Ein gewisses Unbehagen macht sich breit, der eigene Körper wird misstrauisch beobachtet, ob sich eventuell irgendwelche Symptome der noch weitgehend unbekannten Krankheit bereits zeigen. Die offizielle Bezeichnung "Aids" kam erst später.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht der junge Fitness-Trainer Willy (Campbell Scott). Zusammen mit seinem besten Freund John (Dermot Mulroney) ist er zu Besuch auf Fire Island bei ihren Freunden David (Bruce Davison) und Sean (Mark Lamos). Hier lernt Willy den Medienanwalt Fuzzy (Stephen Caffrey) kennen und die beiden werden ein Liebespaar.

Im Jahr darauf ist John schwer erkrankt und liegt mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Er wird das erste Opfer, das die Clique an Aids verliert, aber das ist nur der Anfang. Es trifft immer mehr Männer aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Bis hin zum Jahr 1989 zeigt der Film aus jedem Jahr einen Tag und was in der Zwischenzeit passiert ist. Trauer und Verzweiflung werden gezeigt, aber auch die Wut und der Wille, etwas zu unternehmen.

Alles hat sich geändert, der Sex, das Lebensgefühl, aber die Freundschaft bleibt bestehen. Wer nicht erkrankt ist, der kümmert sich um kranke Freunde oder engagiert sich in Hilfsprojekten. Leicht ist es für keinen von ihnen, denn das Sterben geht weiter. Im letzten Teil, der 1989 spielt, sind es nur noch Willy und Fuzzy, die übrig geblieben sind und am Strand von Fire Island um ihre Freunde trauern.

Regisseur Norman René, der 1996 im Alter von 45 Jahren selbst an Aids verstarb, hat hier einen wunderbaren und sehr emotionalen Film geschaffen, den ich nur sehr empfehlen kann. Ja, er ist traurig, aber auch berührend und vor allen Dingen toll gespielt. Neben den oben schon genannten Schauspielern wirken unter anderem auch noch Patrick Cassidy, John Dossett, Brian Cousins und Mary-Louise Parker mit und sie alle sind fantastisch in ihren Rollen.

Filme wie dieser, die sich mit dem Thema Aids befassen, haben es immer schwer ein Publikum zu finden. Umso wichtiger ist es, auf solche Perlen aufmerksam zu machen, denn die werden gerne ignoriert. Vito Russo hat in seinem Buch "The Celluloid Closet" von 1987 auf einen Artikel der New York Times aus dem Jahr 1986 verwiesen, in dem es hieß, man solle "nicht in Panik geraten wegen Aids", weil es ja immer noch nur Risikogruppen betreffe. Das lasse ich jetzt mal so stehen. Ich hoffe jedoch, dass man sich dieses Statement mal durch den Kopf gehen lässt. Wie ignorant und dumm können Menschen nur sein?

Große Empfehlung aber für diesen Film, der es verdient hat angeschaut zu werden.


Sonntag, 21. September 2014

Parting Glances

"Parting Glances" - "Abschiedsblicke" ist ein Film von Bill Sherwood (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1986. Das unabhängig produzierte Low-Budget-Werk blieb leider der einzige Film von Bill Sherwood, der am 10.02.1990 im Alter von nur 37 Jahren an den Folgen von Aids starb.

Die Handlung spielt in New York, Mitte der Achtziger Jahre und umfasst einen Zeitraum von 24 Stunden. Michael (Richard Ganoung) und Robert (John Bolger) sind beide Ende Zwanzig und seit sechs Jahren ein Paar. Robert hat sich entschlossen, für längere Zeit beruflich nach Afrika zu gehen, was die Stimmung zwischen ihnen trübt, weil seine Abreise kurz bevor steht.

An diesem Abend steht noch ein Abendessen bei Roberts Boss an und später eine Abschiedsparty für Robert, die von ihrer gemeinsamen Freundin Joan (Kathy Kinney) in deren Loft veranstaltet wird. Außerdem kümmert sich Michael wie immer um seinen Ex-Lover, den Rock-Musiker Nick (Steve Buscemi), der an Aids erkrankt ist. Michael liebt Nick immer noch und das weiß auch Robert, zumindest ahnt er es. Das ist auch einer der Gründe, warum er sich entschlossen hat, für längere Zeit abwesend zu sein, wie er Michael später noch gestehen wird. Nick wird sterben und Robert fühlt sich nicht stark genug, Michael dabei zur Seite zu stehen und ihn aufzufangen.

In seinem bevorzugten Plattenladen lernt Michael den jungen Peter (Adam Nathan) kennen, der heimlich in ihn verliebt ist und später auch auf der Party bei Joan erscheint. Im Laufe des Abends ergeben sich viele Gespräche unter den Freunden, Erinnerungen kommen hoch und Träume und Wünsche für die Zukunft. Sogar Nick besucht die Party und Michael denkt an ihre gemeinsame Vergangenheit und Nicks verrückte Einfälle, wie z. B. damals auf Fire Island.

Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen, aber es ist zu viel passiert in dieser Nacht. Wird Robert tatsächlich abreisen und was ist mit Nick? Der hat schon wieder so einen verrückten Plan.

Bill Sherwood ging es in seinem Film um Freundschaft und Liebe. Zudem war es einer der ersten Filme, der schwules Leben in den Mittelpunkt stellte, ohne es besonders zu thematisieren. Hier hat keiner der Beteiligten ein Problem damit, schwul zu sein (warum auch), es ist einfach so. Ebenso wird auch auf die Aids-Erkrankung von Nick nicht weiter eingegangen. Das war eben die damalige Zeit, auch wenn sich bis dahin kein Film getraut hatte, das offen auszusprechen.

Dabei ist "Parting Glances" aber kein trauriges Drama geworden, sondern ein offener und lebensbejahender Film, der durchaus auch seine komischen Momente hat. Die Musikuntermalung ist sehr gelungen und reicht von klassischer Musik bis hin zu Bronski Beat. Perfekt.

Die Schauspieler sind alle sehr sehenswert, hier ist es aber vor allen Dingen Steve Buscemi, der den Film dominiert und eine tolle Darstellung zeigt. Wer sich für die Thematik interessiert und mal wieder in die Achtziger abtauchen will, bitte sehr. Von mir gibt es jedenfalls eine große Empfehlung, nur leider ist der Film sehr schwierig zu finden. Es lohnt sich aber, danach zu suchen.


Sonntag, 1. Juni 2014

Test

"Test" ist ein Film von Chris Mason Johnson (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013.

San Francisco, 1985. Der junge Frankie (Scott Marlowe) ist Mitglied einer erfolgreichen Modern Dance Company, auch wenn er hier vorerst nur als Ersatz fungiert. Es drängt ihn auf die Bühne und bald schon wird sein Traum wahr werden. Bis es soweit ist, muss er allerdings noch lernen, "wie ein Mann zu tanzen", so die Aussage seines Trainers Jerry (Chris Mason Johnson).

Frankies neueste und wichtigste Errungenschaft ist sein Walkman, der ihn überall hin begleitet. Durch ihn kann er abschalten und die Probleme um ihn herum für kurze Zeit vergessen. Aids hat Einzug in das Leben der Menschen gehalten und die Angst davor ist groß, ebenso wie die Unwissenheit über die Krankheit. Frankie fühlt sich zu seinem Kollegen Todd (Matthew Risch) hingezogen, der einen lockeren Lebensstil führt und nichts wirklich ernst nimmt. Bevor die beiden Freunde sich allerdings näher kommen, hat Frankie eine kurze Affäre mit dem etwas älteren Walt (Kristoffer Cusick), der jedoch wenig später positiv getestet wird und die Stadt verlässt.

Auch Frankie unterzieht sich diesem neuen Bluttest, dessen Ergebnis zwei lange Wochen auf sich warten lässt. In den Zeitungen wird darüber diskutiert, ob Schwule unter Quarantäne gestellt werden sollen, keine besonders angenehme Vorstellung und ein Zeichen dafür, wie viel Angst zu dieser Zeit in der Gesellschaft herrscht. Ein bisschen Humor gibt es aber auch, etwa wenn das erste Mal Kondome benutzt werden, die bis dahin eher keine Rolle beim Sex zwischen schwulen Männern gespielt haben.

Der gelernte Ballett-Tänzer Chris Mason Johnson erzählt in seinem kleinen und berührenden Film, der übrigens durch Crowdfunding finanziert wurde, eine Geschichte, die er wohl so oder ähnlich selbst erlebt haben könnte. Auf mich macht die Story jedenfalls den Eindruck, sehr persönlich zu sein. Wie auch immer, der Film ist sehr charmant, die Tänzer und ihre Choreographien sind ausgesprochen erotisch und der Soundtrack ist einfach genial.

Ein schöner Film, der den Zuschauer auf eine Zeitreise dreißig Jahre zurück in die Vergangenheit entführt. Sehr empfehlenswert und toll gespielt.



Sonntag, 19. Januar 2014

Die Zeugen

"Die Zeugen" - "Les témoins" ist ein Film von André Téchiné aus dem Jahr 2007. Das Drehbuch schrieb Téchiné zusammen mit Laurent Guyot und Viviane Zingg.

Der hübsche junge Manu (Johan Libéreau) kommt im Sommer 1984 nach Paris, um seine ältere Schwester Julie (Julie Depardieu) zu besuchen, die angehende Opernsängerin ist und ein Zimmer in einem Stundenhotel bewohnt. Im Gegensatz zu seiner Schwester, die eher schüchtern und zurückhaltend ist, steckt Manu voller Leben und stürzt sich sogleich ins Nachtleben der Stadt und besucht die einschlägigen Cruising-Plätze. In einem Park lernt er den älteren Arzt Adrien (Michel Blanc) kennen, der auf der Suche nach hübschen jungen Männern ist. Zwischen ihnen entwickelt sich gleich eine besondere Freundschaft, die allerdings rein platonisch bleibt, sehr zu Adriens Bedauern.

Adrien verliebt sich auf der Stelle in Manu und beide verbringen viel Zeit miteinander. Zusammen besuchen sie Freunde von Adrien in ihrem Ferienhaus am Meer. Sarah (Emmanuelle Béart), eine Kinderbuchautorin, und ihr Mann Mehdi (Sami Bouajila), ein Inspektor bei der Sittenpolizei in Paris, sind gerade Eltern eines kleinen Jungen geworden und besonders Sarah kommt mit der neuen Situation nicht klar. Sie fühlt sich überfordert mit dem Kind, kann keine Beziehung zu ihm aufbauen und leidet zudem noch unter einer Schreibblockade.

Sarah und Mehdi führen eine offene Ehe. Sie lieben sich, aber sie gestatten sich gegenseitig Affären, um ihre Liebe am Leben zu erhalten. Völlig unerwartet beginnen Manu und Mehdi eine leidenschaftliche Affäre miteinander, die den anderen Beteiligten aber zunächst verborgen bleibt. Manu nimmt einen Job auf einem Campingplatz an, der außerhalb von Paris liegt. Hier wird er regelmäßig von Mehdi besucht, während Adrien sich in Paris in seine Arbeit stürzt, um über den Verlust von Manus Gesellschaft hinwegzukommen.

Adrien versucht sich mit anderen Bekanntschaften zu trösten, aber es klappt nicht. Als er Manu besucht, erzählt ihm dieser, sich mit Mehdi zu treffen. Adrien ist außer sich vor Wut, doch dann entdeckt er an Manus Oberkörper merkwürdige Flecken und lässt ihn untersuchen. Manu hat Aids, diese neue und noch weitgehend unbekannte Krankheit, die bereits zahlreiche Tote gefordert hat. Der immer schwächer werdende Manu zieht sich zurück und trifft Mehdi nicht mehr.

Als Mehdi von Manus Zustand erfährt überkommt ihn Panik. Er und Sarah lassen sich testen, doch erst durch Adrien erfährt Sarah die Wahrheit über Manu und Mehdi. Manu stirbt schließlich und Sarah verarbeitet seine Lebensgeschichte in einem Roman.

Adrien hat einen neuen jungen Freund, den Amerikaner Steve (Lorenzo Balducci), der ihn wieder zurück ins Leben holt. Julie wird Paris verlassen, um nach München zu gehen, wo gerade französische Sänger gesucht werden. Zum ersten Geburtstag von Sarahs und Mehdis Sohn besuchen Adrien und Steve die kleine Familie wieder in ihrem Haus am Meer. Vieles ist passiert im letzten Jahr, aber das Leben geht weiter...

Der Film ist in drei Kapitel aufgeteilt: "Die schöne Zeit - Sommer 1984", "Krieg - Winter 1984/1985" und "Wieder Sommer - 1985". In wirklich wunderschönen Bildern von Kameramann Julien Hirsch erzählt André Téchiné hier eine zu Herzen gehende Geschichte, die sehr berührend ist, aber nie kitschig oder deprimierend wird. Auch wenn der Tod und besonders die damals noch tödliche Krankheit im Mittelpunkt stehen, hier wird das Leben gefeiert. Das ist dem Regisseur extrem gut gelungen. Er verharmlost nichts, er zeigt vielmehr auf, wie Aids in das Leben der Menschen Einzug gehalten hat. Einige Kritiker könnten das ein bisschen zu seicht finden, aber das ist es ganz und gar nicht.

Bei der Besetzung hat André Téchiné ebenfalls ein sehr gutes Händchen gehabt, denn schon allein der junge Johan Libéreau ist eine wahre Offenbarung. Er ist absolut hinreißend und gewinnt mit seinem unglaublichen Lächeln sofort alle Herzen. An seiner Seite können aber Michel Blanc und Sami Bouajila ebenso überzeugen, die fabelhaft in ihren Rollen sind. Bei den weiblichen Darstellerinnen ist besonders Julie Depardieu zu erwähnen, die Manus Schwester verkörpert. Eine kleine, aber feine Rolle. Zu Emmanuelle Béart möchte ich mich hier nicht weiter äußern, ihre Schlauchbootlippen machen es mir unmöglich, sie als Schauspielerin ernst zu nehmen.

Insgesamt gesehen ein absolut empfehlenswerter Film, der gerade neu auf DVD erschienen ist und den man nicht verpassen sollte. Nur im Original mit deutschen Untertiteln, so wie es sein soll.


Dienstag, 5. März 2013

Positive Pictures - A Gay History

"Positive Pictures - A Gay History" ist ein Buch von Paul Schulz und Christian Lütjens und befasst sich mit der Geschichte von Aids über einen Zeitraum von inzwischen dreißig Jahren.

Also heute mal kein Filmtipp, sondern eine Empfehlung für ein besonders interessantes Buch, das gerade neu erschienen ist und, wie ich finde, hier sehr gut zur Thematik meines Blogs passt.

"Positive Pictures" ist ein äußerst ansprechendes, großformatiges Buch, das über dreißig Jahre Leben mit Aids berichtet, mit wunderbaren Bildern ausgestattet ist und die Texte jeweils in englischer und deutscher Sprache präsentiert. Da Bücher und Filme zu diesem Thema gerne totgeschwiegen werden, möchte ich dieses Buch umso mehr empfehlen.

Im Buchumschlag steht ein Satz von Larry Kramer, den ich hier gerne zitieren möchte: "We must never let anyone forget that no one wanted to help dying faggots." Larry Kramer weiß, wovon er hier spricht und er ist eine der Stimmen, die sich traut, das auch laut auszusprechen. Homophobie ist immer noch ein Problem, nicht mehr überall, aber sie existiert oft auch noch im Verborgenen.

Es folgen Bilder und Statements von Künstlern, die diese Zeit erlebt haben oder auch an Aids gestorben sind. Und es sind so viele daran gestorben, eine Aufzählung ist gar nicht möglich. Wir alle kennen und lieben Künstler wie Keith Haring, Klaus Nomi, Freddie Mercury, Brad Davis und so viele andere.

Chi Chi LaRue kommt hier zu Wort und berichtet darüber, dass in ihren Pornos nur Safer Sex praktiziert wird. Es wird aber auch über Pornodarsteller berichtet, die HIV-Positiv waren und inzwischen gestorben sind. Positiv zu sein ist zwar längst kein Todesurteil mehr und auch die Medikamente sind heute besser als früher, aber das Bewusstsein für Aids hat sich verändert.

Auch die Darstellung von Aids in Literatur, Film und Fotografie wird erwähnt, hier möchte ich besonders Larry Kramer, Vito Russo und auch Rosa von Praunheim hervorheben.

Ich möchte auch noch mal auf den Satz von Larry Kramer hinweisen, denn vieles ist damals Anfang der Achtziger Jahre falsch gelaufen, vieles wurde totgeschwiegen, bevor endlich die Erforschung dieser Krankheit begonnen hat. Zu viele Menschen waren zu diesem Zeitpunkt schon gestorben und niemanden hat es interessiert, weil es ja "nur" Schwule und Junkies betraf. Wie viele Menschen sind umsonst gestorben und hätten gerettet werden können, wenn man sich nur rechtzeitig um sie gekümmert hätte. Eine ganze Generation musste ihr Leben lassen, weil niemand da war, sie zu schützen. Die Act Up-Bewegung wurde 1987 in New York gegründet, um speziell auf diese Zustände hinzuweisen und die Öffentlichkeit darüber zu informieren.

"Positive Pictures" ist ein wunderbares Buch, das jede Aufmerksamkeit verdient hat. Sehr empfehlenswert.

Sonntag, 3. März 2013

Vito

"Vito" ist ein Dokumentarfilm von Jeffrey Schwarz aus dem Jahr 2011 und beschäftigt sich mit dem Leben des Schwulen- und Aids-Aktivisten Vito Russo.

Vito Russo wurde am 11. Juli 1946 in New York geboren und starb am 7. November 1990 an den Folgen von Aids. Schon früh war er sich seiner Homosexualität bewusst, was weder für ihn, noch für seine Familie ein Problem darstellte. Doch die Zeiten waren damals für Schwule und Lesben noch schwierig, ein öffentliches Leben gab es für sie kaum. Homosexualität war immer noch geächtet. Schwule waren der Willkür der Polizei ausgesetzt, die in den einschlägigen Clubs nach Belieben Razzien durchführten und Schwule verhafteten. Ein erstes Aufbegehren gegen diese Schikane fand am 28. Juni 1969 in New York statt, der sogenannte Stonewall-Aufstand, den Vito Russo aus einiger Entfernung beobachtete.

Vito war klar, dass er sich für die Rechte der Schwulen einsetzten musste, denn schon lange empörte er sich über deren Behandlung in der Öffentlichkeit. Er wurde aktives und sehr geachtetes Mitglied der Schwulenbewegung, engagierte sich bei Demonstrationen und Kundgebungen. Seine Familie stand immer hinter ihm und unterstützte ihn. Er war ein brillanter Redner, eine charismatische Persönlichkeit und bald auch als Autor für schwule Themen und Filmkritiker beschäftigt.

Filme waren Vitos große Leidenschaft und besonders die Darstellung schwuler und lesbischer Charaktere im Film wurde sein Steckenpferd. Fast zehn Jahre arbeitete er an dem Buch "The Celluloid Closet", in dem er akribisch genau die Szenen heraussuchte, die Schwule und Lesben in hundert Jahren Filmgeschichte spielten, oft nur sehr verdeckt zu erkennen. Im Laufe der Jahre hielt er unzählige Vorträge zu diesem Thema, unterlegt mit den entsprechenden Filmausschnitten. Das fertige Buch wurde zunächst von vielen Verlagen abgelehnt, bis es schließlich im Jahr 1981 veröffentlicht wurde und auf Anhieb zu einem Bestseller wurde. Noch heute ist das Buch einzigartig und sehr zu empfehlen.

In San Francisco lernte Vito den eher schüchternen Jeffrey kennen, der die Liebe seines Lebens wurde. Beide waren sehr verliebt, konnten sich jedoch nie auf einen gemeinsamen Wohnsitz einigen, da Jeffrey New York nicht mochte. So pendelten sie über mehrere Jahre zwischen New York und San Francisco hin und her.

Und dann fing das große Sterben an, Aids kam auf und die zunächst noch unbekannte Krankheit forderte zahlreiche Opfer, wie allgemein bekannt ist. Da die Reagan-Administration das Thema lange Zeit totschwieg und kaum Mittel für die Erforschung der Krankheit zur Verfügung stellte, engagierte sich Vito auch hier wieder sehr stark, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu bekommen. Im März 1987 entstand daraus die Act Up-Bewegung, zu der neben Vito Russo auch der Schriftsteller Larry Kramer gehörte.

Doch Aids betraf Vito auch privat, denn Jeffrey erkrankte daran und starb schließlich und auch Vito selbst war erkrankt. Nach Jeffreys Tod gab Vito aber nicht auf, sondern setzte seinen Kampf mit aller Kraft fort. Bis zu seinem Tod war er in der Sache aktiv, so weit es seine Kräfte zuließen.

Vito Russo war eine beeindruckende Persönlichkeit und dieser wunderbare Dokumentarfilm setzt ihm ein verdientes Denkmal. Ohne Menschen wie ihn wäre die Welt sehr viel ärmer. Bitte nicht verpassen.

Neben Mitgliedern von Vitos Familie kommen auch noch Freunde und Weggefährten zu Wort, wie z. B. Larry Kramer, Armistead Maupin und Lily Tomlin, sowie auch Rob Epstein und Jeffrey Friedman, die Vitos Buch "The Celluloid Closet" 1995 als Film herausgebracht haben, siehe auch "The Celluloid Closet". Ebenfalls sehr empfehlenswert.

Dienstag, 28. August 2012

Pedro

"Pedro" ist ein Film von Nick Oceano aus dem Jahr 2008. Das Drehbuch stammt von Dustin Lance Black und basiert auf der wahren Geschichte von Pedro Zamora.

Am 29. Februar 1972 wurde Pedro Zamora als jüngstes Kind der Familie in Kuba geboren. Im Jahr 1980 gelang einem Teil der Familie die Ausreise nach Miami, darunter der achtjährige Pedro, seine Schwester Mily und seine Eltern. Die übrigen älteren Geschwister mussten in Kuba bleiben.

Die Familie richtete sich in Miami ein, aber als Pedro dreizehn Jahre alt war, starb seine Mutter an Krebs. Pedro verdrängte seine Trauer, lebte seine Jugendzeit aus und hatte diverse sexuelle Kontakte mit Männern. Mit siebzehn Jahren erfuhr er von seiner HIV-Infektion und änderte daraufhin sein Leben. Er wurde Aids-Aktivist und klärte andere Menschen, besonders junge Leute, über die Gefahr von Aids auf und wie man sich davor schützen kann. Bei einer Veranstaltung in Washington lernte er 1993 Sean Sasser kennen, seinen späteren Partner.

1994 wurde Pedro (Alex Loynaz) ausgewählt, bei der MTV Reality-Show "The Real World" in San Francisco mitzumachen. Als einer von sieben Beteiligten zog er in das Haus ein und wurde damit über Nacht bekannt. Noch nie zuvor hatte das US-Publikum einen jungen und bekennenden Homosexuellen gesehen, der gleichzeitig auch noch HIV-Positiv war. Er gab dieser Krankheit ein Gesicht und änderte das Bild, das viele Menschen von Aids-Kranken hatten.

Mit Judd (Hale Appleman) und Pam (Jenn Liu) freundete sich Pedro schnell an, ebenso mit den anderen Bewohnern des Hauses, bis auf Puck (Matt Barr), der ihn offen anfeindete und schließlich das Haus verlassen musste. In dieser Zeit verliebte sich Pedro in Sean Sasser (DaJuan Johnson), der ebenfalls in San Francisco lebte. Die beiden machten ihre Liebe auch öffentlich und tauschten sogar Ringe vor den Kameras.

Kurz darauf wurde Pedro schwer krank und seine Schwester Mily (Justina Machado) kümmerte sich um ihn. Es wurde klar, dass Pedro nur noch wenig Zeit blieb und Sean wollte unbedingt an seiner Seite sein, aber Pedros Vater wollte den Kontakt unterbinden. Pedro musste in seinem äußerst geschwächten Zustand auch noch mit der Homophobie innerhalb der eigenen Familie leben. Das änderte sich erst, als der damalige Präsident Bill Clinton durch einen persönlichen Anruf Pedros Arbeit würdigte und lobte. Pedro konnte den Anruf allerdings nicht mehr selbst entgegennehmen.

Am 11. November 1994, dem Tag der Ausstrahlung der letzten Folge von "The Real World", starb Pedro Zamora im Alter von nur zweiundzwanzig Jahren.

Viel mehr muss ich hier nicht sagen, denn der Film spricht für sich. Bitte unbedingt anschauen und an Pedro denken, das hat er auf jeden Fall verdient. Taschentücher sollten griffbereit sein, denn die braucht man hier schon. Ein schöner Film, großartig gespielt und absolut sehenswert. Ein mutiger junger Mensch ist viel zu früh gestorben, dabei wollte er andere nur wachrütteln und aufmerksam machen. Seine Arbeit soll nicht umsonst gewesen sein.

Mittwoch, 4. Juli 2012

We were here

"We were here" - "We were here: Voices from the Aids-Years in San Francisco" ist ein Film von David Weissman (Regisseur und Produzent) und Bill Weber (Co-Regisseur) aus dem Jahr 2011 und beschäftigt sich mit dem Leben der Gay-Community in San Francisco in den Jahren zwischen 1976 und 1997.

Im Jahr 1976 ist die Welt in San Francisco noch in Ordnung, die Gay-Community wächst, hier geht es wesentlich liberaler zu, als an anderen Orten. Und doch, so langsam fallen erste Schatten auf dieses scheinbare Paradies. Eine merkwürdige Krankheit taucht auf und lässt sich bald schon nicht mehr ignorieren. Der "offizielle" Ausbruch von Aids ist dann erst 1981, vorher hat die Krankheit keinen Namen und da sie anscheinend hauptsächlich Homosexuelle trifft, wird sie von den Politikern und dem größten Teil der Bevölkerung sträflich vernachlässigt. Wohin das geführt hat, das ist allgemein bekannt bzw. sollte es sein. Schlimm genug.

David Weissman lässt in seinem Film vier Männer und eine Frau zu Wort kommen, die diese Zeit miterlebt haben und ausführlich darüber berichten können. Über ihr eigenes Leben, das ihrer Freunde und die Zeit an sich. Jeder von ihnen hatte mit Aids zu tun, ob nun als Freund, als Erkrankter oder als Krankenschwester. Sie wissen, wovon sie reden und das geht sehr zu Herzen. Innerhalb der Community gab es einen enormen Rückhalt für die Kranken, der so wohl nur in San Francisco sein konnte. Hier hat man sich gekümmert und sich nicht abgewendet. Lesbische Frauen haben zu Blutspenden aufgerufen, um ihren "Brüdern" zu helfen.

Die unglaubliche Ignoranz seitens der Regierung kann nicht oft genug angeprangert werden, hier ist alles schiefgelaufen. Religiöse Eiferer verdammten das schwule Leben, wünschten allen Homosexuellen den Tod an den Hals und fühlten sich durch Aids auch noch bestätigt. Das gemeine Volk war nicht weniger drastisch in seinen Bekundungen und verlangte oft genug die Kennzeichnung von Schwulen und Aids-Patienten. Wem sich hier nicht der Magen umdreht, der hat keinen.

Man sollte den Erzählungen der fünf Menschen genau zuhören und alles auf sich wirken lassen. Sie sind durch die Hölle gegangen und haben trotz allem ihren Lebensmut nicht verloren. Sie haben eine Zeit erlebt, die man kaum in Worte fassen kann und unzählige Freunde an diese Krankheit verloren. Eine ganze Generation ist hier gestorben und es wurde einfach zur Kenntnis genommen und kaum gehandelt. Wo bleibt hier die Menschlichkeit? Wie konnte das geschehen, wie konnten so viele ihren Blick abwenden?

Diesen wunderbaren und schmerzlichen Dokumentarfilm kann ich nur sehr empfehlen, gar keine Frage. Bleibt zu hoffen, dass er etwas bewirken kann, verdient hat er es. Tolles Projekt, unbedingt anschauen.

Sonntag, 26. Juni 2011

House of Boys

"House of Boys" ist ein Film von Jean-Claude Schlim (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2009.

Es ist das Jahr 1984, der achtzehnjährige Frank (Layke Anderson) kehrt seinem spießigen Elternhaus und der Kleinstadt den Rücken und zieht nach Amsterdam. Er ist jung, schwul und will verdammt noch mal seinen Spaß haben. Über Umwege landet er im "House of Boys", einem kleinen schwulen Nachtclub, der von Madame (Udo Kier) geleitet wird. Bevor er allerdings zum Tanzen auf die Bühne darf, muss er sich erstmal an der Bar beweisen. Das Zimmer teilt sich Frank mit Jake (Benn Northover), dem einzigen Hetero im Haus, in den er sich prompt verliebt. Jake hat aber eine Freundin und außer ein paar Stammkunden sonst keine weiteren sexuellen Kontakte zu Männern.

Bald kommt es jedoch zum Bruch zwischen Jake und seiner Freundin und die Bahn ist frei für Frank. Die beiden jungen Männer kommen sich näher und Jake verliebt sich auch in Frank. Ab jetzt könnte also alles schön und glücklich sein, denn beruflich läuft es ebenfalls sehr gut, doch da taucht ein gnadenloser Feind auf - Aids. Jake erkrankt und schon bald wird klar, dass er an dieser neuen und mysteriösen Krankheit leidet, über die man bisher kaum etwas weiß. Zwar hat er mit Dr. Marsh (Stephen Fry) einen verständnisvollen und engagierten Arzt an seiner Seite, dem aber weitestgehend die Hände gebunden sind, weil die Krankheit eben noch zu unbekannt und unerforscht ist.

Nach dem Rausschmiss aus dem "House of Boys" finden Frank und Jake Unterkunft bei Emma (Eleanor David), der guten Seele des Hauses, die sich wie eine mütterliche Freundin um die Beiden kümmert. Und auch die anderen Jungs stehen Frank und Jake zur Seite, bis zum bitteren Ende.

Ich gebe zu, dass ich innerlich etwas zerrissen bin. Einerseits möchte ich diesen Film mögen und ihn auch empfehlen, aber andererseits hat er auch einige unübersehbare Schwächen. Die Geschichte über Freundschaft und Liebe ist ja sehr schön, trägt aber mitunter ein bisschen zu dick auf und dann wird es schon manchmal sehr schmalzig und kitschig. Die Schauspieler retten das aber mit ihrer durchaus glaubhaften Darstellung und auch die Nebenrollen können sich sehen lassen, wie z. B. Steven Webb als Angelo. Die Bühnenauftritte von Udo Kier kann man getrost als etwas bizarr bezeichnen, aber ein Udo Kier hat eben Narrenfreiheit und darf das.

Positiv hervorzuheben ist noch der Soundtrack, der sehr passend ist, negativ dagegen sind einige Dialoge, die eigentlich nur zum Weghören sind. Die Schauwerte halten sich in Grenzen, denn die Auftritte der Boys sind doch insgesamt sehr züchtig. Jean-Claude Schlim, der hier als Snowwhite auch selbst noch eine kleine Rolle spielt, hat jahrelang für dieses Projekt gekämpft, was ich ihm hoch anrechne, aber leider lässt er kaum ein Klischee aus und packt gerade gegen Ende des Films noch ein Problem nach dem anderen obendrauf. Von Jakes schwieriger Kindheit, über Emmas Kind, Madames Feigheit bis hin zu Angelos geschlechtsangleichender Operation. Das ist alles viel zu viel und eigentlich auch total überflüssig. So traurig der Film auch ist, richtig berührt hat er mich merkwürdigerweise nicht. Und das Ende ist leider absolut kitschig geworden, das hätte viel besser sein müssen.

Insgesamt gesehen ein Film mit diversen kleinen Schwächen, über die ich aber hinwegsehen kann, weil mir der Grundgedanke und die Besetzung gut gefallen. Bitte möglichst im englischen Original anschauen, wenn auch leider keine Untertitel verfügbar sind.

Samstag, 23. April 2011

Kids

"Kids" ist ein Film von Larry Clark aus dem Jahr 1995 und gleichzeitig sein Spielfilmdebüt. Das Drehbuch stammt von Harmony Korine.

Der Film beschreibt das Leben von Jugendlichen die in den Neunziger Jahren aufwachsen, hier im speziellen eine kleine Gruppe von Kids in New York. Der junge Telly (Leo Fitzpatrick) hat ein schräges Hobby, er liebt es junge Mädchen zu entjungfern. "Bei denen holt man sich nichts", so erklärt er es seinem Freund Casper (Justin Pierce). Was Telly nicht weiß, er ist HIV-Positiv und da der Sex generell ungeschützt stattfindet, wird er zu einer tickenden Zeitbombe.

Jenny (Chloe Sevigny) hatte bisher nur einmal Sex und zwar mit Telly. Sie begleitet ihre Freundin Ruby (Rosario Dawson) zu einem HIV-Test und bekommt das überraschende Testergebnis, Positiv zu sein. Da nur Telly sie angesteckt haben kann, macht sie sich auf, ihn zu warnen, aber Telly hat bereits ein neues Opfer im Visier und bald auch im Bett.

Ich hatte schon länger vor mir diesen Film anzuschauen, aber irgendwie kam immer etwas dazwischen. Nun, da ich ihn endlich gesehen habe, muss ich sagen: ich bin zu alt für diesen Film, gottseidank. Das Bild, das Larry Clark hier von den Jugendlichen zeichnet, halte ich schon für gerechtfertigt. Es ist eine Generation ohne Ziele, alles was zählt sind Drogen, Alkohol, Partys und Sex. Aids wird ignoriert, wie so vieles andere auch. Schön anzuschauen ist das nicht und die kleinen Scheißerchen können einem mit ihrem leeren und hohlen Gequassel auch schon gewaltig auf den Keks gehen. Allein die wunderbare Chloe Sevigny, hier in ihrer ersten Filmrolle zu sehen, hat mich davor bewahrt, vorzeitig abzuschalten.

Es ist ein unangenehmer Film den Larry Clark uns da vorsetzt, der zwar einige Wahrheiten erzählt, insgesamt aber vielleicht auch ein wenig zu pessimistisch ist. Empfehlenswert ist er schon, aber Spaß macht er nicht, das muss gesagt werden. Über zwei Dinge bin ich aber rückblickend sehr froh. Erstens, wie bereits erwähnt, ich bin zu alt für diesen Film und zweitens, ich habe keine Kinder. Was ist mir da nicht alles erspart geblieben.

Sonntag, 6. März 2011

Before Night Falls

"Before Night Falls" ist ein Film von Julian Schnabel aus dem Jahr 2000 und basiert auf dem gleichnamigen autobiografischem Roman des kubanischen Schriftstellers Reinaldo Arenas. Das Drehbuch schrieb Schnabel zusammen mit Cunningham O'Keefe und Lázaro Gómez Carriles, einem guten Freund von Arenas.

Reinaldo Arenas ist 1943 auf Kuba geboren und 1990 im Exil in New York gestorben. Der Film erzählt von seiner Kindheit in einem kleinen Dorf, als Sohn einer unverheirateten Mutter. Eine Lehrerin erkennt schon früh sein Talent zum Schreiben, was seiner Familie aber gar nicht recht ist. Als junger Mann gewinnt er einen Preis bei einem Schreibwettbewerb und sein erstes Buch wird veröffentlicht. Es sollte aber das einzige Buch bleiben, das in Kuba publiziert wurde, sämtliche Nachfolger wurden nur im Ausland veröffentlicht.

Arenas Werk wurde verboten und er selbst als Regime-Kritiker verfolgt. Seine offen ausgelebte Homosexualität, die seinerzeit noch strafbar war, sorgte dafür, dass er mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geriet und schließlich sogar zwei Jahre im Gefängnis verbrachte. Im Jahr 1980 gelingt ihm durch eine Änderung seines Namens in seinem Ausweis dann die Ausreise. Er landet in Miami und später dann in New York, wo er in bescheidenen Verhältnissen lebte.

Nachdem er an Aids erkrankt ist, nimmt er sich 1990 im Alter von 47 Jahren das Leben, mit Hilfe seines Freundes Lázaro. Sein Roman "Before Night Falls" erscheint erst nach seinem Tod.

Julian Schnabel hat hier das zweite Mal Regie geführt, nach seinem 1996 entstandenen Film "Basquiat" über den Maler Jean-Michel Basquiat, der ebenfalls sehr empfehlenswert ist. "Before Night Falls" ist ein bewegendes Werk geworden, grandios gefilmt und hervorragend besetzt. Besonders Javier Bardem in der Rolle des Reinaldo Arenas ist eine wahre Offenbarung. Hier zeigt sich ganz deutlich, was für ein großartiger Schauspieler in ihm steckt. In den Nebenrollen können unter anderem Olivier Martinez und besonders Johnny Depp noch sehr gefallen, auch wenn ihre Auftritte eher begrenzt sind.

Insgesamt gesehen ein Film für den man sich Zeit nehmen sollte. Die Geschichte entwickelt sich eher langsam, aber das soll keine Kritik sein. Auch wenn es zwischendurch scheinbar ein paar Längen gibt, so ist die Handlung an sich immer fesselnd. Von mir gibt es jedenfalls eine klare Empfehlung für diesen Film, er ist es auf jeden Fall wert.

Freitag, 21. Januar 2011

... und das Leben geht weiter

"... und das Leben geht weiter" - "And the Band played on" ist ein Fernsehfilm von Roger Spottiswoode aus dem Jahr 1993 und beruht auf dem gleichnamigen Buch von Randy Shilts, das 1987 veröffentlicht wurde.

Der Film beschäftigt sich mit den Anfängen der Erforschung von Aids, jener mysteriösen Krankheit, die zu Beginn der achtziger Jahre aufkam und lange Zeit noch keinen Namen hatte, aber schon viele Opfer beklagen konnte. Eine Krankheit, die totgeschwiegen wurde und für deren Erforschung keine Mittel bereitgestellt wurden. Im Abspann ist zu lesen, dass zu dem Zeitpunkt, als Reagan erstmals in einer Rede Aids erwähnte, bereits 25.000 Menschen daran gestorben waren.

Der Film, der teils dokumentarisch ist, zeigt die immensen Schwierigkeiten der forschenden Mediziner, die mit veralteten Apparaten arbeiten mussten, weil kein Geld zur Verfügung stand, um angemessene Geräte zu beschaffen. Da zuerst hauptsächlich Schwule von der Krankheit befallen wurden, war das Interesse aller zuständigen Behörden gering, was allein schon eine Unglaublichkeit ist. Aber auch als die Krankheit sich weiter ausbreitete und sämtliche Bevölkerungsgruppen erreichte, zum Teil auch durch ungeprüfte Bluttransfusionen, reagierte man hier nicht.

Der Film ist gleichzeitig traurig, bewegend, schockierend und macht unglaublich wütend. Zudem werden dann noch die Machtspielchen aufgezeigt zwischen dem amerikanischen und dem französischen Ärzteteam, die von Eitelkeiten und Profilierungssucht geprägt sind. Spätestens da dreht sich einem der Magen um.

Die Liste der Schauspieler ist sehr erlesen und die Gagen wurden für die Aids-Forschung gespendet. Unter anderem waren dabei: Matthew Modine, Alan Alda, Patrick Bauchau, Nathalie Baye, Phil Collins, Richard Gere, Anjelica Huston, Lily Tomlin, Ian McKellen, Richard Jenkins, Steve Martin, Swoosie Kurtz, Richard Masur, Saul Rubinek.

Richard Gere, der hier in einer kleinen Rolle einen schwulen Choreographen spielt, sieht in einer Szene aus dem Fenster auf die gerade stattfindende Gay-Halloween-Parade und spricht den entscheidenden Satz aus: "Die Party ist vorbei." Damit ist eigentlich alles gesagt.

Insgesamt gesehen ein überaus empfehlenswerter Film, der nicht nur nachdenklich, sondern auch wütend macht. Das Thema Aids darf nicht einfach abgehakt und übergangen werden, es muss präsent sein und besonders die Jugendlichen müssen weiter informiert werden, denn die Krankheit ist auch heute noch immer nicht heilbar.

Sonntag, 5. Dezember 2010

Zero Patience

"Zero Patience" ist ein Film von John Greyson (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1993.

Sir Richard Francis Burton, ein bekannter Forscher aus dem 19. Jahrhundert, ist durch die Begegnung mit einem Jungbrunnen noch immer in erstaunlich guter Verfassung und arbeitet als Präparator am Natural History Museum in Toronto. Hier bereitet er gerade eine neue Ausstellung vor, die sich mit verschiedenen Seuchen und Krankheiten sowie deren Ursprung befasst. Bei seinen Recherchen stößt er auf Zero, den schwulen Flugbegleiter, der Anfang der Achtziger Jahre angeblich derjenige war, der Aids nach Nordamerika brachte. Bald darauf begegnet ihm auch Zeros Geist, den allerdings nur Burton sehen kann. Zero ist über Burtons Arbeit an dem Projekt aber wenig begeistert, denn der verdreht die Dinge so, wie er sie haben will.

Im Laufe der Geschichte wird Burton Zeros Geliebter und damit sozusagen bekehrt. Aber auch die an Aids Erkrankten erheben ihre Stimme und prangern deutlich die Pharma-Konzerne und die Politik an. Zero war natürlich nicht der Erste, der das Virus in sich trug, es war nur so bequem das zu behaupten. Es ist an der Zeit, die Geschichte neu zu erzählen und einige Vorurteile zu überdenken.

John Greyson setzt das hervorragend um mit vielen schönen und schrägen Einfällen, tollen Musiknummern, viel nackter Haut und sehr hübschen Darstellern. Das ganze ist definitiv gelungen und bei aller Leichtigkeit regt es auch zum Nachdenken an. Besser geht es nicht. Sehr empfehlenswert.

Donnerstag, 12. August 2010

Der Mann meines Herzens

"Der Mann meines Herzens" ist ein Film von Stéphane Giusti, der hier sein Regiedebüt feiert und auch das Drehbuch schrieb, aus dem Jahr 1997.

Es geht um den schwulen Martin, der eine Stelle als Hausmeister in einem Schwimmbad in Marseille antritt. Dort lernt er den attraktiven Bademeister Lucas kennen, in den er sich sofort verguckt, auch wenn ihre erste Begegnung eher kühl und unfreundlich verläuft. Lucas scheint heterosexuell zu sein, aber Martin hat sich sehr schnell zum Ziel gesetzt, Lucas zu erobern, was ihm auch so nach und nach gelingt. Lucas lebt mit Lise (Mathilde Seigner, die Schwester von Emmanuelle Seigner) zusammen, die Martin auch sympathisch findet.

Martin hat Aids, er lehnt eine Behandlung ab und hat nicht mehr lange zu leben. Lucas verliebt sich schließlich in Martin und will ihm zur Seite stehen. Martins Mutter ist froh, dass ihr geliebter Sohn jemanden gefunden hat, der bei ihm ist und ihn liebt, bis zum bitteren Ende.

Der Film ist eigentlich sehr schön und liebevoll, hat aber meiner Meinung nach auch ein paar Schwächen. Die Wandlung von Lucas wirkt zum Teil etwas unglaubwürdig, da er sich eher hölzern verhält. Der Krankheitsverlauf von Martin ist ebenso etwas zu glatt und unproblematisch inszeniert, da merkt man dem Film doch an, dass er schon einige Jahre alt ist. Trotz allem möchte ich eine Empfehlung aussprechen, da es sich hier um einen sehr sehenswerten Film handelt. Leider ist er nur in der Synchronfassung zu sehen, ich hätte ihn aber lieber im Original mit deutschen Untertiteln gesehen.

Was Liebe heißt

"Was Liebe heißt" - "Sa raison d' être" - ist ein französischer Film von Renaud Bertrand aus dem Jahr 2008.

Genauer gesagt handelt es sich hier um einen zweiteiligen Fernsehfilm, der eine Familiengeschichte in den Jahren von 1980 bis 2008 verfolgt. Zu einer Familienfeier im Jahr 1980 bringt Isabelle ihren neuen Freund Bruno mit nach Hause. Isabelle ist von ihrem Ex-Freund schwanger, was Bruno aber nicht stört. Isabelles Mutter Hélène ist mit dem "gewöhnlichen" Tischler Bruno als Freund ihrer Tochter nicht einverstanden. Trotzdem bleiben die beiden zusammen und Bruno kümmert sich liebevoll um Isabelles kleinen Sohn Jérémy. Als Isabelle zwei Jahre später auf tragische Weise bei einem Attentat stirbt, bei dem Bruno schwer verwundet wird, kümmern sich von da an Bruno und Nicolas, Isabelles schwuler Bruder, um das Kind. Nicolas hatte sich schnell in Bruno verliebt, aber dieser machte ihm nie Hoffnungen. Sie bilden aber eine gut funktionierende Zweckgemeinschaft.

Anfang der achtziger Jahre hielt Aids Einzug in das Leben der Menschen und viele Jahre wussten die meisten Leute nicht mit der Krankheit und den Kranken umzugehen. Im Freundeskreis von Nicolas häufen sich die Erkrankungen. Die Ärztin Nadia, die eine gute Freundin der Familie wurde, findet schließlich heraus, dass Bruno bei einer Bluttransfusion mit dem HIV-Virus infiziert wurde. Als das bekannt wird, verliert er seinen Job. Familie und Freunde sind aber immer eine Stütze für ihn und halten über die Jahre zusammen und kämpfen gemeinsam gegen Vorurteile.

Die gut 200 Minuten Film sind vollgepackt mit diversen Schicksalsschlägen, glücklichen und traurigen Momenten, aber niemals deprimierend oder hoffnungslos. Die Darsteller sind allesamt sehr glaubwürdig und exzellent in ihren Rollen. Der Film ist im Original mit Untertiteln zu sehen, wobei mich eine Szene etwas erheitert hat. Als Nicolas seinem kleinen "Sohn" Jérémy seinen Freund vorstellt sagt er "C'est mon amour", in der Übersetzung steht dann "Das ist mein Verliebter", ähem.

Der Film ist auf jeden Fall sehenswert, auch wenn ich die Geschichte hier nicht weiter im Detail erzählen will, das sollte sich jeder selbst anschauen. Toll gemacht und wundervoll gespielt, von mir deshalb eine klare Empfehlung.

Indian Summer


"Indian Summer" ist ein Film von Nancy Meckler aus dem Jahr 1996. Das Drehbuch stammt von Martin Sherman. Der Film lief Ende der Neunziger Jahre kurze Zeit unter dem Titel "Alive & Kicking" in einigen deutschen Kinos.

Die Handlung spielt in London im Jahr 1995. Der junge Tonio (Jason Flemyng) ist Tänzer in Lunas Tanzkompanie. Er ist HIV-positiv, sein Partner Drew ist vor einem Jahr gestorben und sein bester Freund Ramon liegt gerade im Sterben. Tonio lehnt eine Behandlung seiner Krankheit ab, das Tanzen ist ihm wichtiger als alles andere. Da Luna an Alzheimer erkrankt ist und die Truppe sich bald auflösen wird, soll noch einmal das Erfolgsstück "Indian Summer" aufgeführt werden. Tonio soll eine der beiden Hauptrollen tanzen, die Rolle, die vor Jahren sein bester Freund Ramon getanzt hat, der inzwischen verstorben ist.

Eines Abends lernt er in einer Bar Jack (Antony Sher) kennen, einen ruhigen knuddeligen Mann mit Bart und leichtem Übergewicht, älter als Tonio, und die beiden flirten miteinander, obwohl sie doch scheinbar so verschieden sind. Sie landen in Jacks Wohnung und wissen nicht so recht, was sie eigentlich voneinander wollen, aber nach einer ziemlichen Rangelei mit Vanille-, Schoko- und Erdbeereis ergibt sich alles von allein.

Die beiden kommen nicht mehr voneinander los, verbringen sogar einen Urlaub in Griechenland zusammen, und bald kann der eine nicht mehr ohne den anderen sein, auch wenn es immer wieder Konflikte zwischen ihnen gibt. Jack arbeitet als Therapeut in einer Beratungsstelle für Aids-Kranke und hat mit bürokratischen Zwängen und Einsparungen zu kämpfen, während Tonio nur über seine Rolle und das Tanzen spricht. Kurz vor der Premiere des neuen Stückes befällt ihn eine Lähmung und so läuft die Vorstellung dank der Mitarbeit der anderen Tänzer etwas anders ab, als ursprünglich geplant.

Ich gebe es zu, der Film ist mitunter hart an der Grenze zum Kitsch, hat aber auch viele wundervolle und komische Momente. Neben der schon erwähnten Eiskrem-Schlacht gibt es auch noch eine wunderbare Szene, in der Tonio mit seiner besten und lesbischen Freundin Sex haben will und beide an diversen Schwierigkeiten scheitern, herrlich. Die Botschaft des Films lautet natürlich, dass Liebe das Wichtigste im Leben ist, als hätte man das nicht schon tausend Mal gehört, schnarch...

Alles in allem ist das aber trotzdem ein schöner Film, manchmal etwas überdreht und aufdringlich, aber immer noch schön anzuschauen. Mir hat er gut gefallen.