"Jesus, Du weißt" ist ein Dokumentarfilm von Ulrich Seidl aus dem Jahr 2003.
Ulrich Seidl zeigt in diesem Film Menschen bei ihrem Gespräch mit Gott bzw. Jesus in der Kirche. Ohne Scheu reden sich die Gläubigen ihre Probleme von der Seele und blicken dabei direkt in die Kamera, als wären sie ganz allein. Sie reden über ihre Schwierigkeiten im Leben, ihre Probleme im Zusammenleben mit anderen und über alles, was ihnen auf der Seele liegt. Gott wird für sie zu einem Beichtvater, einem Psychiater, einem Lebensberater, auch wenn er keine Antwort geben kann.
Die Menschen ziehen Gott ins Vertrauen, machen ihn zu ihrem Komplizen, wenn ihr Handeln mal nicht so wirklich in Ordnung ist und besprechen sich mit ihm, wie mit einem guten Freund. Es herrscht eine große Intimität bei diesen Gesprächen, die wie selbstverständlich vorausgesetzt wird.
Es werden Dinge erzählt, die man vielleicht nur seinem besten Freund unter der Hand anvertrauen würde, aber da diese Menschen offensichtlich niemanden sonst haben, dem sie sich offenbaren können, wird Gott hier zum Vertrauten, der sich wortlos alles anhört, ohne zu urteilen.
Die einzelnen Schicksale werden hier nicht vorgeführt, sondern bleiben einfach so für sich stehen. Ulrich Seidl vermeidet jede Wertung, er zeigt die Dinge einfach so, wie sie sind. Der Zuschauer kann für sich entscheiden, was er davon hält, aber verurteilt werden muss hier niemand. Die Menschen leben ihren Glauben und erhoffen sich Verständnis für ihr Leben und ihre Entscheidungen, ganz egal wie diese auch ausfallen.
Ein ehrlicher Film, der zwar absurde Züge hat, aber den Menschen ihren Stolz lässt. Man muss sie nicht mögen, aber man spürt ihre Einsamkeit und Verzweiflung. Wenn sie im Gespräch mit Gott eine Linderung ihrer Qualen spüren, dann muss man das akzeptieren. So einen Film kann jedenfalls nur Ulrich Seidl schaffen. Das Filmland Österreich ist für seine begnadeten Filmemacher zu beneiden.
Posts mit dem Label Ulrich Seidl werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ulrich Seidl werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Dienstag, 12. Februar 2013
Sonntag, 10. Oktober 2010
Good News
"Good News" ist ein Dokumentarfilm von Ulrich Seidl aus dem Jahr 1990 und beschäftigt sich mit der Welt der ausländischen Zeitungsverkäufer auf den Strassen Wiens auf der einen Seite und der Welt der Zeitungsleser auf der anderen. Der passende Untertitel lautet auch dementsprechend: Von Kolporteuren, toten Hunden und anderen Wienern.
Die meist jungen Männer, Asylbewerber aus Ägypten, Pakistan, Indien, der Türkei und noch vielen weiteren Ländern, sind Tag und Nacht in ihren gelb-roten Jacken unterwegs, um die größten Tageszeitungen zu verkaufen. Die Vertriebsfirma schult die Mitarbeiter per Videoaufzeichnung, wodurch sie in ihre Arbeit eingewiesen werden. Immer freundlich sein, die Zeitungen ordentlich präsentieren, am zugewiesenen Platz bleiben usw. Auf der Strasse wird das von Kontrolleuren überprüft und wer sich nicht daran hält, muss mit Lohnkürzungen und Arbeitsplatzverlust rechnen. Das Motto lautet: Keep Smiling - Keep Selling.
Daneben zeigt der Film auch die private Seite der Kolporteure und die Behausungen, in denen diese untergebracht sind. Diese Bilder sind erwartungsgemäß schwer erträglich, weil die Lebensumstände dieser Männer wirklich erbärmlich sind.
Einzelne Verkäufer werden bei ihrer tagtäglichen Arbeit mit der Kamera verfolgt. So z. B. beim Zeitungsverkauf in einem Krankenhaus, das eher an den Wartesaal des Todes erinnert. Andere wieder werden beim Gespräch mit ihren Stammkunden gezeigt, meist ältere Menschen, die ein wenig Zuspruch suchen. Ein Verkäufer wird von einer Frau gefragt, ob man als Zeitungsverkäufer reich wird. Ich habe wirklich selten so eine dämliche Frage gehört.
Aber Ulrich Seidl hatte mit seinem Film nicht vor, den Zeitungskonzern anzuprangern, das passiert schon von alleine beim Anschauen. Er zeigt auf der anderen Seite die Österreicher in ihrem privaten Umfeld und ihren ganz normalen alltäglichen Wansinn. Und hier tut sich mal wieder die Hölle auf. Wie bekommen einen Blick in die Spießigkeit der Wohnzimmer und Schrebergärten, den Umgang mit den Haustieren, Menschen in ihrer Stammkneipe, im Solarium und so weiter. Das ist gleichzeitig erschreckend und bizarr. Ohne jede Scheu stellen sich die Menschen vor Seidls Kamera und erzählen aus ihrem Leben, da traut man weder seinen Augen noch seinen Ohren.
Wie üblich kann ich diesen Film nur sehr empfehlen, die Arbeiten von Ulrich Seidl sind einfach zu gut, um sie zu übersehen. Eine Warnung ist aber auch hier wieder angebracht, denn die Bilder sind teilweise nur schwer zu ertragen. Aber das ist das wahre Leben eben auch manchmal.
Die meist jungen Männer, Asylbewerber aus Ägypten, Pakistan, Indien, der Türkei und noch vielen weiteren Ländern, sind Tag und Nacht in ihren gelb-roten Jacken unterwegs, um die größten Tageszeitungen zu verkaufen. Die Vertriebsfirma schult die Mitarbeiter per Videoaufzeichnung, wodurch sie in ihre Arbeit eingewiesen werden. Immer freundlich sein, die Zeitungen ordentlich präsentieren, am zugewiesenen Platz bleiben usw. Auf der Strasse wird das von Kontrolleuren überprüft und wer sich nicht daran hält, muss mit Lohnkürzungen und Arbeitsplatzverlust rechnen. Das Motto lautet: Keep Smiling - Keep Selling.
Daneben zeigt der Film auch die private Seite der Kolporteure und die Behausungen, in denen diese untergebracht sind. Diese Bilder sind erwartungsgemäß schwer erträglich, weil die Lebensumstände dieser Männer wirklich erbärmlich sind.
Einzelne Verkäufer werden bei ihrer tagtäglichen Arbeit mit der Kamera verfolgt. So z. B. beim Zeitungsverkauf in einem Krankenhaus, das eher an den Wartesaal des Todes erinnert. Andere wieder werden beim Gespräch mit ihren Stammkunden gezeigt, meist ältere Menschen, die ein wenig Zuspruch suchen. Ein Verkäufer wird von einer Frau gefragt, ob man als Zeitungsverkäufer reich wird. Ich habe wirklich selten so eine dämliche Frage gehört.
Aber Ulrich Seidl hatte mit seinem Film nicht vor, den Zeitungskonzern anzuprangern, das passiert schon von alleine beim Anschauen. Er zeigt auf der anderen Seite die Österreicher in ihrem privaten Umfeld und ihren ganz normalen alltäglichen Wansinn. Und hier tut sich mal wieder die Hölle auf. Wie bekommen einen Blick in die Spießigkeit der Wohnzimmer und Schrebergärten, den Umgang mit den Haustieren, Menschen in ihrer Stammkneipe, im Solarium und so weiter. Das ist gleichzeitig erschreckend und bizarr. Ohne jede Scheu stellen sich die Menschen vor Seidls Kamera und erzählen aus ihrem Leben, da traut man weder seinen Augen noch seinen Ohren.
Wie üblich kann ich diesen Film nur sehr empfehlen, die Arbeiten von Ulrich Seidl sind einfach zu gut, um sie zu übersehen. Eine Warnung ist aber auch hier wieder angebracht, denn die Bilder sind teilweise nur schwer zu ertragen. Aber das ist das wahre Leben eben auch manchmal.
Freitag, 8. Oktober 2010
Mit Verlust ist zu rechnen
"Mit Verlust ist zu rechnen" ist ein Film von Ulrich Seidl aus dem Jahr 1992. Das Drehbuch schrieb Seidl zusammen mit Michael Glawogger. Die Dokumentation behandelt die Gegenüberstellung von Wohlstand und Armut und gleichzeitig die Themen Alter und Einsamkeit.
In einem kleinen Dorf in Österreich lebt der Witwer Sepp, der auf der Suche nach einer neuen Frau ist, hauptsächlich um für ihn zu Kochen und den Haushalt zu führen. Dafür hat er sich die Witwe Paula auserkoren, die er aus Kindertagen kennt und die ganz in der Nähe in einem Dorf in Tschechien lebt. Mit seinem Fernglas beobachtet er sie und will sie für sich gewinnen.
Sie besuchen sich gegenseitig, darüber erstaunt wie der jeweils andere lebt, obwohl die räumliche Entfernung zwischen ihnen nicht besonders groß ist und doch scheinen Welten dazwischen zu liegen. Auf der einen Seite ist alles sauber und ordentlich und auf der anderen Seite sind Straßen und Häuser in einem schlimmen Zustand. Die Menschen werden in ihrem normalen Alltag gezeigt, es wirkt alles trist und grau und wenig einladend.
Paula ist eine patente Frau, die sich mit ihrem Leben arrangiert hat und einigermaßen zufrieden zu sein scheint. Sepp kann hingegen nicht verstehen, weshalb sie nicht sofort auf sein Angebot eingeht, wo er ihr doch so viel zu bieten hat.
Die Bilder bleiben wie üblich unkommentiert und zeigen wirklich alles, auch das, was man eigentlich lieber nicht sehen möchte. Auch die Gespräche (mit Untertiteln) möchte man manchmal eher nicht mit anhören. Ein Besuch von Sepp und Paula auf einem Rummelplatz und ein anschließender Rundgang durch einen Sex-Shop ("Das sind ja lauter Ersatzteile") sind daneben sowohl rührend und komisch zugleich.
Eine richtige Kommunikation findet allerdings nicht statt, weil meistens alle gleichzeitig reden und immer am anderen vorbei. Es ist nicht angenehm, diesen Film anzuschauen, aber Ulrich Seidl beweist auch hier wieder seinen genauen Blick auf die Menschen und ihre Lebensumstände. Er ist dabei nicht gnadenlos, sondern ehrlich und behandelt seine Protagonisten mit dem größten Respekt. Genau das macht seine Arbeiten so wertvoll und sehenswert. Hier geht es nicht um billige Effekte, hier geht es um die Menschen. Sehr empfehlenswert.
In einem kleinen Dorf in Österreich lebt der Witwer Sepp, der auf der Suche nach einer neuen Frau ist, hauptsächlich um für ihn zu Kochen und den Haushalt zu führen. Dafür hat er sich die Witwe Paula auserkoren, die er aus Kindertagen kennt und die ganz in der Nähe in einem Dorf in Tschechien lebt. Mit seinem Fernglas beobachtet er sie und will sie für sich gewinnen.
Sie besuchen sich gegenseitig, darüber erstaunt wie der jeweils andere lebt, obwohl die räumliche Entfernung zwischen ihnen nicht besonders groß ist und doch scheinen Welten dazwischen zu liegen. Auf der einen Seite ist alles sauber und ordentlich und auf der anderen Seite sind Straßen und Häuser in einem schlimmen Zustand. Die Menschen werden in ihrem normalen Alltag gezeigt, es wirkt alles trist und grau und wenig einladend.
Paula ist eine patente Frau, die sich mit ihrem Leben arrangiert hat und einigermaßen zufrieden zu sein scheint. Sepp kann hingegen nicht verstehen, weshalb sie nicht sofort auf sein Angebot eingeht, wo er ihr doch so viel zu bieten hat.
Die Bilder bleiben wie üblich unkommentiert und zeigen wirklich alles, auch das, was man eigentlich lieber nicht sehen möchte. Auch die Gespräche (mit Untertiteln) möchte man manchmal eher nicht mit anhören. Ein Besuch von Sepp und Paula auf einem Rummelplatz und ein anschließender Rundgang durch einen Sex-Shop ("Das sind ja lauter Ersatzteile") sind daneben sowohl rührend und komisch zugleich.
Eine richtige Kommunikation findet allerdings nicht statt, weil meistens alle gleichzeitig reden und immer am anderen vorbei. Es ist nicht angenehm, diesen Film anzuschauen, aber Ulrich Seidl beweist auch hier wieder seinen genauen Blick auf die Menschen und ihre Lebensumstände. Er ist dabei nicht gnadenlos, sondern ehrlich und behandelt seine Protagonisten mit dem größten Respekt. Genau das macht seine Arbeiten so wertvoll und sehenswert. Hier geht es nicht um billige Effekte, hier geht es um die Menschen. Sehr empfehlenswert.
Donnerstag, 30. September 2010
Ulrich Seidl Edition
Wer die Filme von Ulrich Seidl kennt und mag, der wird sich bestimmt über diese Box freuen, die insgesamt sechs Filme beinhaltet: "Mit Verlust ist zu rechnen", "Tierische Liebe", "Der Busenfreund", "Models", "Hundstage" und "Import Export".
Das ist eine großartige Zusammenstellung der Werke von Ulrich Seidl, die meistens eine Mischung aus Spielfilm und Dokumentation sind. Seidls Blick auf die Menschen und ihre Lebensumstände scheint oft schonungslos zu sein, entspricht aber eigentlich nur der Wahrheit. Das ist manchmal schmerzlich anzuschauen, aber eben auch ehrlich. Die handelnden Personen werden von Seidl niemals bloßgestellt oder vorgeführt, das zeichnet seine Arbeit aus.
Ich kann die Filme von Ulrich Seidl nur empfehlen. Für einen netten DVD-Abend sind die meisten zwar eher nicht geeignet, aber wer abseits des Mainstreams mal etwas Außergewöhnliches sehen möchte, dem kann ich die Filme nur sehr ans Herz legen. Einfach mal ausprobieren.
Das ist eine großartige Zusammenstellung der Werke von Ulrich Seidl, die meistens eine Mischung aus Spielfilm und Dokumentation sind. Seidls Blick auf die Menschen und ihre Lebensumstände scheint oft schonungslos zu sein, entspricht aber eigentlich nur der Wahrheit. Das ist manchmal schmerzlich anzuschauen, aber eben auch ehrlich. Die handelnden Personen werden von Seidl niemals bloßgestellt oder vorgeführt, das zeichnet seine Arbeit aus.
Ich kann die Filme von Ulrich Seidl nur empfehlen. Für einen netten DVD-Abend sind die meisten zwar eher nicht geeignet, aber wer abseits des Mainstreams mal etwas Außergewöhnliches sehen möchte, dem kann ich die Filme nur sehr ans Herz legen. Einfach mal ausprobieren.
Samstag, 25. September 2010
Der Busenfreund
"Der Busenfreund" ist ein Film von Ulrich Seidl (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1997, ursprünglich für das Fernsehen entstanden und nun erstmalig auf DVD erhältlich.Wer sich einen Film von Ulrich Seidl anschaut, der muss auf einiges gefasst sein, denn hier blickt man oft direkt in die Hölle. Genau das macht seine Filme aber so einzigartig und empfehlenswert. Auch "Der Busenfreund" ist wieder mehr Dokumentation als Spielfilm, auch wenn sich das bei Seidl nicht immer genau trennen lässt. Hier geht es um den Wiener Mathematiklehrer René Rupnik, ein Mann um die Fünfzig, der mit seiner alten Mutter zusammen lebt. Sechzig Minuten lang bekommen wir einen Einblick in das Leben dieses Menschen, der dabei fortwährend redet. Sein bevorzugtes Thema ist die Anatomie der Frau, die von ihm ausführlich beschrieben wird. Man fragt sich unwillkürlich, woher er diese Kenntnisse wohl hat, von echten Frauen wohl eher nicht.
Rupnik ist pedantisch in seinen Handlungen, das Fußabtreten vor der Tür wirkt schon sehr befremdlich, ist aber noch relativ harmlos, wie man im Laufe der Zeit merken wird. Die Wohnung ist zugemüllt mit Bergen von Zeitungen und Papier, die sich überall in die Höhe stapeln, während Rupnik tagtäglich die Altpapiertonnen in der Umgebung plündert und weiteren Unrat nach Hause schleppt. Um seine Mutter kümmert er sich kaum, sie wird von ihm größtenteils ignoriert und bevormundet.
Die ausführlichen und unendlichen Schilderungen des weiblichen Körpers lassen einen schließlich recht fassungslos zurück. Das wichtigste an einer Frau ist für ihn der Busen, von dem er besonders besessen ist. Dazu gibt er dann noch so faszinierende Erkenntnisse von sich, wie z. B. etwa so: Mit einem richtigen Busen kann Frau ja Karriere machen, als Sekretärin, Ehefrau oder Geliebte etwa. Wer keinen richtigen, sondern einen schwachen Busen hat, ist ja eh nur deprimiert und hat überhaupt keine Chancen im Leben. Den perfekten Busen, so Rupnik, hat übrigens Senta Berger, für die er eine Obsession entwickelt hat, die teilweise schon bedrohliche Züge angenommen hat.
Besonders schön ist auch seine Definition des Wortes "Weib", aber da möchte ich an dieser Stelle nicht näher drauf eingehen. Dieser René Rupnik ist ein Außenseiter, der aus der Gesellschaft gefallen ist und fast könnte er einem leid tun, wenn er nur nicht pausenlos so einen Unsinn reden würde.
Wie üblich bei Ulrich Seidl sieht man auch hier wieder mehr, als man eigentlich sehen möchte, aber das echte Leben ist eben manchmal gnadenlos und genau das zeigt Seidl in seinen Arbeiten. Er stellt seine Protagonisten niemals bloß, auch hier nicht. Aber er zeigt uns eine Wahrheit, die unangenehm ist und die wir gerne verdrängen wollen.
Insgesamt gesehen sehr sehenswert, wie auch die anderen Filme von Ulrich Seidl, aber nicht für jeden Geschmack.
Sonntag, 15. August 2010
Models
"Models" ist ein Film von Ulrich Seidl (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1998. Wie so oft in seinen Filmen, arbeitet Ulrich Seidl auch hier mit Laiendarstellern und verleiht dem Film dadurch den Anschein einer echten Dokumentation.
Drei junge Frauen (Vivian, Tanja und Lisa), alle Mitte Zwanzig und zweitklassige Models, auf der Suche nach Erfolg, Liebe und etwas Glück. Wir begleiten sie ein paar Tage und bekommen einen Einblick in ihr Leben. Und wir sehen Dinge, die wir nicht wirklich sehen wollen.
Das einzige Kapital, das diese Frauen mitbringen, ist ihr gutes Aussehen und das liegt jeweils im Auge des Betrachters. Ihren Körpern verlangen sie so einiges ab, da wird trainiert, auf die Sonnenbank gegangen, aber auch gesoffen, gekokst und gekotzt. Sie alle haben Probleme mit ihren Jobs, mit den Männern und mit ihrem Leben. Sie müssen Erniedrigungen über sich ergehen lassen, sich von alten, sexistischen Fotografen betatschen lassen und dabei noch freundlich und nett sein. Wenn sie unter sich sind, dann werden die üblichen Themen abgehandelt, wie z.B. Gespräche über Brüste, Lippen, Typen aufreissen und Kondome.
Wie immer bei Ulrich Seidl sieht man auch hier mehr, als man eigentlich sehen möchte. Und obwohl er auch hier wieder einen schonungslosen und auch schmerzhaften Blick auf eine ganz eigene Welt zeigt, macht er sich zu keiner Sekunde über seine Protagonistinnen lustig, sondern zeigt sie ganz einfach in ihrer Menschlichkeit. Man muss sie nicht mögen, aber man kann sie vielleicht verstehen, denn auf der Suche nach irgendetwas sind wir doch alle, oder? Sehr empfehlenswert.
Drei junge Frauen (Vivian, Tanja und Lisa), alle Mitte Zwanzig und zweitklassige Models, auf der Suche nach Erfolg, Liebe und etwas Glück. Wir begleiten sie ein paar Tage und bekommen einen Einblick in ihr Leben. Und wir sehen Dinge, die wir nicht wirklich sehen wollen.
Das einzige Kapital, das diese Frauen mitbringen, ist ihr gutes Aussehen und das liegt jeweils im Auge des Betrachters. Ihren Körpern verlangen sie so einiges ab, da wird trainiert, auf die Sonnenbank gegangen, aber auch gesoffen, gekokst und gekotzt. Sie alle haben Probleme mit ihren Jobs, mit den Männern und mit ihrem Leben. Sie müssen Erniedrigungen über sich ergehen lassen, sich von alten, sexistischen Fotografen betatschen lassen und dabei noch freundlich und nett sein. Wenn sie unter sich sind, dann werden die üblichen Themen abgehandelt, wie z.B. Gespräche über Brüste, Lippen, Typen aufreissen und Kondome.
Wie immer bei Ulrich Seidl sieht man auch hier mehr, als man eigentlich sehen möchte. Und obwohl er auch hier wieder einen schonungslosen und auch schmerzhaften Blick auf eine ganz eigene Welt zeigt, macht er sich zu keiner Sekunde über seine Protagonistinnen lustig, sondern zeigt sie ganz einfach in ihrer Menschlichkeit. Man muss sie nicht mögen, aber man kann sie vielleicht verstehen, denn auf der Suche nach irgendetwas sind wir doch alle, oder? Sehr empfehlenswert.
Samstag, 14. August 2010
Import Export
"Import Export" ist ein Film des österreichischen Regisseurs Ulrich Seidel, der hier auch das Drehbuch geschrieben hat, aus dem Jahr 2007.
Der Film behandelt zwei Geschichten von Menschen, die ihre Heimat verlassen, um woanders ihr Glück zu finden und doch tragisch dabei scheitern. Auf der einen Seite ist die junge ukrainische Krankenschwester Olga, die ihr kleines Kind bei ihrer Mutter zurücklässt, um in Wien Arbeit zu finden. Auf der anderen Seite ist der junge Wiener Pauli, der gerade seinen Job bei einer Security-Firma verloren hat und überall Schulden hat. Zusammen mit seinem Stiefvater macht er sich auf in den Osten Europas, um dort alte und ausrangierte Spiel- und Kaugummiautomaten aufzustellen.
Olga landet als Haushaltshilfe in einer wohlhabenden Familie, verliert aber diesen Job sehr schnell, weil sie sich mit den Kindern zu gut versteht, was der Mutter gegen den Strich geht. Schließlich erhält sie einen Job als Putzfrau in der Geriatrie. Aber auch dort hat sie es nicht leicht, weil sie sich um die alten Menschen kümmern möchte, was vom Klinikpersonal nicht geduldet wird.
Pauli und sein Stiefvater kommen bei ihrer Tätigkeit oft in die Armutsviertel Osteuropas und Pauli gerät schnell an seine Grenzen, während sein Stiefvater immer nur auf neue Eroberungen und Sex aus ist.
Wie schon in "Hundstage" hat auch dieser Film, in dem hauptsächlich Laiendarsteller mitwirken, fast schon dokumentarischen Charakter. Fast alles was wir zu sehen bekommen, ist irgendwie unangenehm. Die Umgebung ist trist, trostlos und deprimierend. Die Bilder sind schonungslos und kalt, gesprochen wird auch nur wenig. Ulrich Seidl zeigt hier einen schmerzhaften und ungeschönten Blick auf menschliches Dasein jenseits der Glamourwelt. Humor blitzt nur selten auf, z. B. in einem absurden Bewerbungstraining für einen Putzfrauenjob oder beim Fasching im Altenheim, aber auch hier bleibt einem das Lachen eher im Halse stecken.
"Import Export" ist kein angenehmer Film, eher ein Film, der weh tut, aber den man nicht so schnell wieder aus dem Kopf bekommt. Von mir deshalb eine ganz große Empfehlung.
Der Film behandelt zwei Geschichten von Menschen, die ihre Heimat verlassen, um woanders ihr Glück zu finden und doch tragisch dabei scheitern. Auf der einen Seite ist die junge ukrainische Krankenschwester Olga, die ihr kleines Kind bei ihrer Mutter zurücklässt, um in Wien Arbeit zu finden. Auf der anderen Seite ist der junge Wiener Pauli, der gerade seinen Job bei einer Security-Firma verloren hat und überall Schulden hat. Zusammen mit seinem Stiefvater macht er sich auf in den Osten Europas, um dort alte und ausrangierte Spiel- und Kaugummiautomaten aufzustellen.
Olga landet als Haushaltshilfe in einer wohlhabenden Familie, verliert aber diesen Job sehr schnell, weil sie sich mit den Kindern zu gut versteht, was der Mutter gegen den Strich geht. Schließlich erhält sie einen Job als Putzfrau in der Geriatrie. Aber auch dort hat sie es nicht leicht, weil sie sich um die alten Menschen kümmern möchte, was vom Klinikpersonal nicht geduldet wird.
Pauli und sein Stiefvater kommen bei ihrer Tätigkeit oft in die Armutsviertel Osteuropas und Pauli gerät schnell an seine Grenzen, während sein Stiefvater immer nur auf neue Eroberungen und Sex aus ist.
Wie schon in "Hundstage" hat auch dieser Film, in dem hauptsächlich Laiendarsteller mitwirken, fast schon dokumentarischen Charakter. Fast alles was wir zu sehen bekommen, ist irgendwie unangenehm. Die Umgebung ist trist, trostlos und deprimierend. Die Bilder sind schonungslos und kalt, gesprochen wird auch nur wenig. Ulrich Seidl zeigt hier einen schmerzhaften und ungeschönten Blick auf menschliches Dasein jenseits der Glamourwelt. Humor blitzt nur selten auf, z. B. in einem absurden Bewerbungstraining für einen Putzfrauenjob oder beim Fasching im Altenheim, aber auch hier bleibt einem das Lachen eher im Halse stecken.
"Import Export" ist kein angenehmer Film, eher ein Film, der weh tut, aber den man nicht so schnell wieder aus dem Kopf bekommt. Von mir deshalb eine ganz große Empfehlung.
Hundstage
"Hundstage" ist der erste Spielfilm des österreichischen Regisseurs Ulrich Seidl aus dem Jahr 2001.
Zu sehen sind sechs verschiedene Episoden, die sich im Hochsommer in einer Vorortsiedlung von Wien abspielen. Die flirrende Hitze überträgt sich auf den Zuschauer, man hat das Gefühl, selbst zu schwitzen. Die einzelnen Geschichten laufen zum Teil ineinander über, so eine Art "Short Cuts", aber mit fast dokumentarischem Charakter. Hier erfahren Sie alles, was Sie wirklich nie über Ihre Mitmenschen wissen wollten. Das ist ein Film, der weh tut und der Dinge zeigt, die man lieber nicht gesehen hätte. Genau das macht ihn aber so besonders, denn gekuschelt wird woanders. Eines haben alle Geschichten gemeinsam, die fehlende Kommunikation der handelnden Personen. Es wird, wenn überhaupt, nur aneinander vorbei geredet, aber niemals miteinander. Der Frust entlädt sich in Aggressionen.
Wer sich diesen Film anschaut, sollte sich auf ein schmerzhaftes Erlebnis gefasst machen. Empfehlen möchte ich ihn trotzdem, denn so etwas sieht man nicht alle Tage. Großes Lob auch an die vielen Laiendarsteller, die allesamt sehr viel Mut bewiesen haben.
Zu sehen sind sechs verschiedene Episoden, die sich im Hochsommer in einer Vorortsiedlung von Wien abspielen. Die flirrende Hitze überträgt sich auf den Zuschauer, man hat das Gefühl, selbst zu schwitzen. Die einzelnen Geschichten laufen zum Teil ineinander über, so eine Art "Short Cuts", aber mit fast dokumentarischem Charakter. Hier erfahren Sie alles, was Sie wirklich nie über Ihre Mitmenschen wissen wollten. Das ist ein Film, der weh tut und der Dinge zeigt, die man lieber nicht gesehen hätte. Genau das macht ihn aber so besonders, denn gekuschelt wird woanders. Eines haben alle Geschichten gemeinsam, die fehlende Kommunikation der handelnden Personen. Es wird, wenn überhaupt, nur aneinander vorbei geredet, aber niemals miteinander. Der Frust entlädt sich in Aggressionen.
Wer sich diesen Film anschaut, sollte sich auf ein schmerzhaftes Erlebnis gefasst machen. Empfehlen möchte ich ihn trotzdem, denn so etwas sieht man nicht alle Tage. Großes Lob auch an die vielen Laiendarsteller, die allesamt sehr viel Mut bewiesen haben.
Donnerstag, 12. August 2010
Tierische Liebe
"Tierische Liebe" ist ein Film von Ulrich Seidl aus dem Jahr 1995. Es geht um einsame Menschen in der Großstadt (Wien) und ihre Beziehungen zu ihren Haustieren. Durch alle Bevölkerungsschichten hindurch wird hier ein sehr skurriles Bild dieser merkwürdigen Verhältnisse zwischen Mensch und Tier gezeigt. Die Bilder sind teilweise schwer zu ertragen und verharren in langen und schmerzhaften Einstellungen.
Wir sehen Menschen bei der "Erziehung" ihrer Hunde und die Frage drängt sich auf, wer die Erziehung nötiger hat. Der Hund oder doch eher der Mensch? Scheinbar braucht der Mensch jemanden, dem er Befehle geben kann, der von ihm abhängig ist und den er erziehen kann, gleichgültig wie das Resultat auch aussehen mag.
Gezeigt werden hier Menschen, die ihre Tiere zum Betteln gebrauchen ("A little Money for my Hasi") oder sie als Partner- bzw. Kinderersatz ansehen. Da wird gedrückt, geherzt und geknutscht. So ein Tier kann jedenfalls keine Widerworte geben. Menschen, die Angst vor dem Alleinsein haben, eine Ansprechperson in ihrem Tier haben, der sie alles erzählen können und ihr Tier verzweifelt fragen "Hast Du mich noch lieb?". Das grenzt schon an pure Verzweiflung. Wenn der Mensch ganz unten angekommen ist, dann braucht er anscheinend jemanden, der noch weiter unten angesiedelt ist und dem er sich überlegen fühlen kann.
Dazwischen gibt es auch immer wieder teils groteske Aufnahmen wie z. B. eine Hundetrauerfeier oder einen Windhund auf dem Laufband.
Ulrich Seidl ist ein außergewöhnlicher Filmemacher, der ganz besondere Filme dreht, die zwar oft nicht angenehm sind, aber die einem nicht so schnell aus dem Kopf gehen. Auch für diesen unbequemen Film möchte ich eine ganz große Empfehlung aussprechen, aber zartbesaitete Zuschauer sollten doch eher Abstand davon nehmen.
Wir sehen Menschen bei der "Erziehung" ihrer Hunde und die Frage drängt sich auf, wer die Erziehung nötiger hat. Der Hund oder doch eher der Mensch? Scheinbar braucht der Mensch jemanden, dem er Befehle geben kann, der von ihm abhängig ist und den er erziehen kann, gleichgültig wie das Resultat auch aussehen mag.
Gezeigt werden hier Menschen, die ihre Tiere zum Betteln gebrauchen ("A little Money for my Hasi") oder sie als Partner- bzw. Kinderersatz ansehen. Da wird gedrückt, geherzt und geknutscht. So ein Tier kann jedenfalls keine Widerworte geben. Menschen, die Angst vor dem Alleinsein haben, eine Ansprechperson in ihrem Tier haben, der sie alles erzählen können und ihr Tier verzweifelt fragen "Hast Du mich noch lieb?". Das grenzt schon an pure Verzweiflung. Wenn der Mensch ganz unten angekommen ist, dann braucht er anscheinend jemanden, der noch weiter unten angesiedelt ist und dem er sich überlegen fühlen kann.
Dazwischen gibt es auch immer wieder teils groteske Aufnahmen wie z. B. eine Hundetrauerfeier oder einen Windhund auf dem Laufband.
Ulrich Seidl ist ein außergewöhnlicher Filmemacher, der ganz besondere Filme dreht, die zwar oft nicht angenehm sind, aber die einem nicht so schnell aus dem Kopf gehen. Auch für diesen unbequemen Film möchte ich eine ganz große Empfehlung aussprechen, aber zartbesaitete Zuschauer sollten doch eher Abstand davon nehmen.
Abonnieren
Posts (Atom)







