"Saint Laurent" ist ein Film von Bertrand Bonello aus dem Jahr 2014. Das Drehbuch schrieb Bonello zusammen mit Thomas Bidegain. Der Film beschäftigt sich mit dem Leben des französischen Modeschöpfers Yves Saint Laurent, konzentriert sich hierbei aber auf die Zeit zwischen 1967 und 1977. Insgesamt geht der Regisseur aber offensichtlich davon aus, dass der Zuschauer mit dem Leben und Werk des Designers vertraut ist, denn erklärt wird hier nichts. Im Gegenteil, er springt in die Geschichte hinein und auch wieder hinaus, manchmal auch hin und her, aber das war es dann auch schon.
Klingt das irgendwie so, als wäre ich mit dem Ergebnis unzufrieden? Ja, leider und ich bin durchaus mit der Geschichte vertraut, was sicher nicht für alle Zuschauer gilt. Dabei klang das alles doch so verlockend. Allein schon die Besetzung versprach ein wundervolles Filmerlebnis: Gaspard Ulliel, Jérémie Renier, Louis Garrel, Léa Seydoux, Valeria Bruni Tedeschi. Monatelang freute ich mich auf den Erscheinungstermin der DVD und dann? Ernüchterung und Enttäuschung. Mehr nicht. Und natürlich die Frage, wie man aus diesem Thema und mit dieser Besetzung so einen Quark erschaffen kann. Ich bin immer noch fassungslos.
Nun gut, die Schauspieler sind tadellos, die Ausstattung ist exquisit, die Kostüme sowieso. Allein, es fehlt das Herzblut, um aus einem Biopic einen interessanten Film zu machen. Nur schöne Bilder aneinanderzureihen reicht da leider nicht. Gezeigt werden Bilder von Yves Saint Laurent bei der Arbeit in seinem Atelier, von seinen Modeschauen, in seinen luxuriösen Appartements und in schicken Nachtclubs, das alles scheinbar endlos. Ebenso beim Feiern mit seinen Freunden und Musen, immer exzessiverer Drogen- und Alkoholkonsum inklusive, oder auch bei geschäftlichen Verhandlungen. Das alles ist in etwa so aufregend, als würde man Farbe beim Trocknen zusehen und über die unglaubliche Laufzeit von fast 135 Minuten besser als jedes Schlafmittel.
Für den Menschen Yves Saint Laurent oder auch für die Beziehung zu seinem jahrzehntelangen Lebensgefährten Pierre Bergé interessiert sich der Film dabei überhaupt nicht. Die Rolle des alternden Designers wird dann von Helmut Berger verkörpert, der zwar nur wenige Szenen hat, aber dessen Besetzung eigentlich ganz amüsant anmutet, wenn die Idee nicht sofort wieder in sich zusammenfallen würde. Warum nur liegt Helmut Berger als Yves Saint Laurent auf dem Bett und sieht sich einen Film mit dem jungen Helmut Berger an? Jede Wette, an der Stelle hat sich der Regisseur selbst für seinen tollen Einfall applaudiert. Ich habe jedenfalls nur mit den Augen gerollt.
Die DVD bietet den Film in der deutschen Synchronisation und in der französischen Originalfassung an, jedoch ohne deutsche Untertitel. Das ist ein weiterer Minuspunkt. Gut, interessante Dialoge gibt es im ganzen Film nicht, aber ich finde das Fehlen der Untertitel trotzdem sehr ärgerlich.
Schade, für mich ist "Saint Laurent" die größte Enttäuschung des letzten Jahres. Das Projekt klang so vielversprechend, wurde aber leider komplett gegen die Wand gefahren. Kann man gerne verpassen.
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Montag, 4. Januar 2016
Montag, 28. Mai 2012
Die Prinzessin von Montpensier
"Die Prinzessin von Montpensier" - "La princesse de Montpensier" ist ein Film von Bertrand Tavernier aus dem Jahr 2010. Das Drehbuch schrieb Tavernier zusammen mit Jean Cosmos und Francois-Olivier Rousseau und basiert auf dem Roman von Madame de Lafayette aus dem Jahr 1662.
Frankreich, im 16. Jahrhundert. Der Krieg zwischen den Katholiken und den Hugenotten dauert an. Die junge Marie (Mélanie Thierry) ist dem jungen Henri de Guise (Gaspard Ulliel) versprochen und diesem auch sehr zugetan. Doch ihr Vater entscheidet sich plötzlich für den Grafen Philippe de Montpensier (Grégoire Leprince-Ringuet) als Ehemann für seine Tochter. Marie muss sich fügen, kann Henri aber nicht vergessen.
Nach der Hochzeit lebt sie abgeschieden auf einem Landsitz, wo der ältere Comte Francois de Chabannes (Lambert Wilson) ihr Lehrer wird. Auch er verfällt dem Liebreiz der jungen Frau, die sich ihrer Gefühle nie ganz sicher ist und zwischen ihrem Ehemann Philippe, ihrer alten Liebe Henri und dem Duc d'Anjou (Raphael Personnez) aufgerieben wird.
Am Pariser Hof schließlich kann Philippe seine Eifersucht nicht mehr zügeln und fordert von Marie eine Entscheidung. Als sie sich endlich zu Henri bekennt, hat dieser schon längst andere Pläne für sein Leben gemacht. Marie entsagt der Liebe daraufhin für immer.
Hm, was haben wir denn hier? Einen schönen Kostümschinken (das ist nicht böse gemeint), der eine hübsche Geschichte erzählt, mit wunderbaren Darstellern besetzt ist, aber mit 134 Minuten Laufzeit viel zu lang geworden ist. Die Geschichte ist nett und zu Herzen gehend, aber auch nicht besonders herausragend.
Die Schauspieler sind allerdings sehr sehenswert, Mélanie Thierry ist entzückend, Gaspard Ulliel wie üblich wunderschön, Grégoire Leprince-Ringuet ebenso talentiert wie schön und Lambert Wilson einfach eine Klasse für sich. Da spielen auch die Längen in der Erzählung keine Rolle mehr.
Ich schwanke in der Bewertung, weil hier so viel funktioniert, aber einiges auch nicht. Insgesamt gesehen gebe ich aber doch eine Empfehlung, weil der Film mit so viel Liebe gemacht ist.
Frankreich, im 16. Jahrhundert. Der Krieg zwischen den Katholiken und den Hugenotten dauert an. Die junge Marie (Mélanie Thierry) ist dem jungen Henri de Guise (Gaspard Ulliel) versprochen und diesem auch sehr zugetan. Doch ihr Vater entscheidet sich plötzlich für den Grafen Philippe de Montpensier (Grégoire Leprince-Ringuet) als Ehemann für seine Tochter. Marie muss sich fügen, kann Henri aber nicht vergessen.
Nach der Hochzeit lebt sie abgeschieden auf einem Landsitz, wo der ältere Comte Francois de Chabannes (Lambert Wilson) ihr Lehrer wird. Auch er verfällt dem Liebreiz der jungen Frau, die sich ihrer Gefühle nie ganz sicher ist und zwischen ihrem Ehemann Philippe, ihrer alten Liebe Henri und dem Duc d'Anjou (Raphael Personnez) aufgerieben wird.
Am Pariser Hof schließlich kann Philippe seine Eifersucht nicht mehr zügeln und fordert von Marie eine Entscheidung. Als sie sich endlich zu Henri bekennt, hat dieser schon längst andere Pläne für sein Leben gemacht. Marie entsagt der Liebe daraufhin für immer.
Hm, was haben wir denn hier? Einen schönen Kostümschinken (das ist nicht böse gemeint), der eine hübsche Geschichte erzählt, mit wunderbaren Darstellern besetzt ist, aber mit 134 Minuten Laufzeit viel zu lang geworden ist. Die Geschichte ist nett und zu Herzen gehend, aber auch nicht besonders herausragend.
Die Schauspieler sind allerdings sehr sehenswert, Mélanie Thierry ist entzückend, Gaspard Ulliel wie üblich wunderschön, Grégoire Leprince-Ringuet ebenso talentiert wie schön und Lambert Wilson einfach eine Klasse für sich. Da spielen auch die Längen in der Erzählung keine Rolle mehr.
Ich schwanke in der Bewertung, weil hier so viel funktioniert, aber einiges auch nicht. Insgesamt gesehen gebe ich aber doch eine Empfehlung, weil der Film mit so viel Liebe gemacht ist.
Sonntag, 8. April 2012
Un Barrage contre le Pacifique
"Un Barrage contre le Pacifique" ist ein Film von Rithy Panh aus dem Jahr 2008. Das Drehbuch schrieb Panh zusammen mit Michel Fessler und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Marguerite Duras.
Indochina, 1931. Eine Französin (Isabelle Huppert) lebt zusammen mit ihrem zwanzigjährigen Sohn Joseph (Gaspard Ulliel) und ihrer sechzehnjährigen Tochter Suzanne (Astrid Bergès-Frisbey) auf einer Farm. Ständige Geldsorgen und die Krankheit der Mutter plagen die kleine Familie. Außerdem werden die Reisfelder immer wieder vom Salzwasser überschwemmt, das die Ernte vernichtet.
Die Mutter will zusammen mit den Bauern einen Wall errichten, der das Meerwasser abhalten soll. Gleichzeitig kämpft sie verzweifelt darum, ihr Land behalten zu können. Diese Kämpfe und ihre angeschlagene Gesundheit machen sie oft mürrisch und gereizt. Joseph und Suzanne wollen die Farm am liebsten verlassen, aber eine Gelegenheit hat sich noch nicht ergeben.
Ein reicher Chinese verliebt sich in die hübsche junge Suzanne, macht ihr den Hof und schenkt ihr einen Diamantring, den Joseph sofort zu Geld macht. Während die Mutter und auch Joseph hoffen, Suzanne würde den Chinesen heiraten, zieht diese sich zurück. Das Leben geht wie gewohnt weiter, aber die Mutter wird immer schwächer und Joseph will schließlich in die Stadt ziehen.
Hm, dieser Film ist ziemlich schwer zu beschreiben, denn alle Beteiligten sind permanent immer nur unglücklich und gereizt, was eine Annäherung an sie schwierig macht. Die Klischeekiste wird auch ordentlich geplündert und einzelne Figuren, wie z. B. der reiche Chinese sind ziemlich übertrieben gezeichnet. Der wunderbare Stéphane Rideau wird hier übrigens in einer klitzekleinen Nebenrolle völlig verschenkt, was für ein Jammer. Er hat insgesamt drei ganz kurze Szenen, die aber total unwichtig sind. Sehr schade.
Der Film hat aber auch seine Vorzüge, so ist das ja nicht. Da wären natürlich in erster Linie die fabelhafte Isabelle Huppert, deren Schauspiel immer ein Genuss ist und außerdem gibt es sehr schöne Landschaftsaufnahmen zu sehen, die wirklich gut gelungen sind. Wem das nicht reicht, der kann sich an der Schönheit von Gaspard Ulliel erfreuen, der große Teile des Films mit nacktem Oberkörper absolviert, zum Verlieben aussieht, wahnsinnig sexy ist und ein ausreichender Grund dafür, den Film bis zum Schluss anzuschauen. Wenn das nichts ist...
Trotz allem ist der Film mit knapp zwei Stunden viel zu lang geraten, weil eigentlich kaum etwas passiert. Also von mir nur eine eingeschränkte Empfehlung für den Film an sich, aber für Fans von Isabelle Huppert und Gaspard Ulliel ohnehin Pflichtprogramm. Die DVD ist als UK-Version in französischer Sprache mit zuschaltbaren englischen Untertiteln erhältlich.
Indochina, 1931. Eine Französin (Isabelle Huppert) lebt zusammen mit ihrem zwanzigjährigen Sohn Joseph (Gaspard Ulliel) und ihrer sechzehnjährigen Tochter Suzanne (Astrid Bergès-Frisbey) auf einer Farm. Ständige Geldsorgen und die Krankheit der Mutter plagen die kleine Familie. Außerdem werden die Reisfelder immer wieder vom Salzwasser überschwemmt, das die Ernte vernichtet.
Die Mutter will zusammen mit den Bauern einen Wall errichten, der das Meerwasser abhalten soll. Gleichzeitig kämpft sie verzweifelt darum, ihr Land behalten zu können. Diese Kämpfe und ihre angeschlagene Gesundheit machen sie oft mürrisch und gereizt. Joseph und Suzanne wollen die Farm am liebsten verlassen, aber eine Gelegenheit hat sich noch nicht ergeben.
Ein reicher Chinese verliebt sich in die hübsche junge Suzanne, macht ihr den Hof und schenkt ihr einen Diamantring, den Joseph sofort zu Geld macht. Während die Mutter und auch Joseph hoffen, Suzanne würde den Chinesen heiraten, zieht diese sich zurück. Das Leben geht wie gewohnt weiter, aber die Mutter wird immer schwächer und Joseph will schließlich in die Stadt ziehen.
Hm, dieser Film ist ziemlich schwer zu beschreiben, denn alle Beteiligten sind permanent immer nur unglücklich und gereizt, was eine Annäherung an sie schwierig macht. Die Klischeekiste wird auch ordentlich geplündert und einzelne Figuren, wie z. B. der reiche Chinese sind ziemlich übertrieben gezeichnet. Der wunderbare Stéphane Rideau wird hier übrigens in einer klitzekleinen Nebenrolle völlig verschenkt, was für ein Jammer. Er hat insgesamt drei ganz kurze Szenen, die aber total unwichtig sind. Sehr schade.
Der Film hat aber auch seine Vorzüge, so ist das ja nicht. Da wären natürlich in erster Linie die fabelhafte Isabelle Huppert, deren Schauspiel immer ein Genuss ist und außerdem gibt es sehr schöne Landschaftsaufnahmen zu sehen, die wirklich gut gelungen sind. Wem das nicht reicht, der kann sich an der Schönheit von Gaspard Ulliel erfreuen, der große Teile des Films mit nacktem Oberkörper absolviert, zum Verlieben aussieht, wahnsinnig sexy ist und ein ausreichender Grund dafür, den Film bis zum Schluss anzuschauen. Wenn das nichts ist...
Trotz allem ist der Film mit knapp zwei Stunden viel zu lang geraten, weil eigentlich kaum etwas passiert. Also von mir nur eine eingeschränkte Empfehlung für den Film an sich, aber für Fans von Isabelle Huppert und Gaspard Ulliel ohnehin Pflichtprogramm. Die DVD ist als UK-Version in französischer Sprache mit zuschaltbaren englischen Untertiteln erhältlich.
Samstag, 17. März 2012
Der Engel mit den dunklen Flügeln
"Der Engel mit den dunklen Flügeln" - "The Vintner's Luck" ist ein Film von Niki Caro aus dem Jahr 2009. Das Drehbuch schrieb Caro zusammen mit Joan Scheckel und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Elizabeth Knox.
Frankreich im 19. Jahrhundert. Der junge Weinbauer Sobran (Jérémie Renier) will einen besseren Wein schaffen, als seine Mitstreiter auf dem benachbarten Chateau. Er steckt voller Pläne und Visionen, aber niemand nimmt den jungen Mann ernst. Als er eines Abends frustriert und betrunken durch die Weinberge läuft, begegnet ihm ein Engel (Gaspard Ulliel), der ihn auffängt. Sobran redet sich seinen Frust von der Seele und bekommt im Gegenzug noch Tipps von dem Engel, wo er seine Weinstöcke einpflanzen soll. Zudem rät der Engel ihm, seiner heimlichen Liebe Celeste (Keisha Castle-Hughes) einen Brief zu schreiben und ihr seine Liebe zu gestehen. Die beiden vereinbaren zum Schluss, sich von nun an jedes Jahr, zur gleichen Zeit, am gleichen Ort zu treffen.
Der Wein von Sobran entwickelt sich sehr gut, er hat Celeste geheiratet und Kinder bekommen und berichtet dem Engel davon jedes Jahr. Die Baronin Aurora (Vera Farmiga) hat das Chateau von ihrem verstorbenen Onkel übernommen und stellt Sobran in leitender Tätigkeit an. Doch Sobrans Glück ist nicht von Dauer, denn eine seiner kleinen Töchter stirbt und er fühlt sich von seinem Engel nicht genug beschützt. Beide gehen im Streit auseinander, doch Aurora rät Sobran später, den Engel zur Rückkehr zu bewegen. "Du bist nicht Du selbst ohne ihn."
Celeste ist zunehmend eifersüchtiger auf Aurora und verliert anscheinend langsam den Verstand, wie auch einst ihr Vater. Doch zwischen Aurora und Sobran kommt es erst nach vielen Jahren zu einer Affäre. Der Engel hat sich inzwischen von Sobran die Flügel entfernen und begraben lassen und hilft nun beim Weinanbau mit. Das Leben geht weiter mit all seinen Höhen und Tiefen...
Was haben wir denn hier? Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie und wo ich diesen Film einordnen soll. Zunächst stört es mich, dass hier Englisch gesprochen wird und nicht Französisch. Es werden übrigens auch englische Bücher gelesen, aber das sei nur am Rande erwähnt. Ich kenne den Roman nicht und ich habe auch keine Lust, mich damit zu befassen. Hier geht es nur um den Film und der ist, vorsichtig ausgedrückt, sterbenslangweilig.
Die homoerotische Beziehung zwischen Sobran und dem Engel, die im Roman sehr viel deutlicher sein soll, wie im Making-Of zu erfahren ist, wird hier hübsch ausgeblendet und höchstens zaghaft angedeutet. Das hätte aber auch nichts mehr gerettet, denn mit zwei Stunden Laufzeit ist der Film viel zu lang und zu uninteressant geworden.
Nun zu den Darstellern: Jérémie Renier ist wie üblich wunderbar anzuschauen und der eigentliche Grund, dieses Werk nicht gleich wieder auszuschalten. Egal welche Rollen er auch spielt, er ist immer authentisch und er ist einer der Besten. An seiner Seite glänzt ein großartiger Gaspard Ulliel als überirdisch schöner Engel mit einem Traumkörper. Er ist der zweite Grund, diesen Film anzuschauen. Vera Farmiga als Baronin Aurora hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, ihre Rolle verkörpert sie wirklich gut und glaubhaft. Gar nichts anfangen konnte ich allerdings mit Keisha Castle-Hughes, die ich einfach nur schlimm und fehlbesetzt fand.
Insgesamt gesehen nur eine eingeschränkte Empfehlung für diesen Film, den man eigentlich auch gerne verpassen kann. Nur für Fans von Jérémie Renier erträglich, wie in meinem Fall. Ansonsten verspricht die Story leider mehr, als sie letztendlich halten kann. Schade.
Frankreich im 19. Jahrhundert. Der junge Weinbauer Sobran (Jérémie Renier) will einen besseren Wein schaffen, als seine Mitstreiter auf dem benachbarten Chateau. Er steckt voller Pläne und Visionen, aber niemand nimmt den jungen Mann ernst. Als er eines Abends frustriert und betrunken durch die Weinberge läuft, begegnet ihm ein Engel (Gaspard Ulliel), der ihn auffängt. Sobran redet sich seinen Frust von der Seele und bekommt im Gegenzug noch Tipps von dem Engel, wo er seine Weinstöcke einpflanzen soll. Zudem rät der Engel ihm, seiner heimlichen Liebe Celeste (Keisha Castle-Hughes) einen Brief zu schreiben und ihr seine Liebe zu gestehen. Die beiden vereinbaren zum Schluss, sich von nun an jedes Jahr, zur gleichen Zeit, am gleichen Ort zu treffen.
Der Wein von Sobran entwickelt sich sehr gut, er hat Celeste geheiratet und Kinder bekommen und berichtet dem Engel davon jedes Jahr. Die Baronin Aurora (Vera Farmiga) hat das Chateau von ihrem verstorbenen Onkel übernommen und stellt Sobran in leitender Tätigkeit an. Doch Sobrans Glück ist nicht von Dauer, denn eine seiner kleinen Töchter stirbt und er fühlt sich von seinem Engel nicht genug beschützt. Beide gehen im Streit auseinander, doch Aurora rät Sobran später, den Engel zur Rückkehr zu bewegen. "Du bist nicht Du selbst ohne ihn."
Celeste ist zunehmend eifersüchtiger auf Aurora und verliert anscheinend langsam den Verstand, wie auch einst ihr Vater. Doch zwischen Aurora und Sobran kommt es erst nach vielen Jahren zu einer Affäre. Der Engel hat sich inzwischen von Sobran die Flügel entfernen und begraben lassen und hilft nun beim Weinanbau mit. Das Leben geht weiter mit all seinen Höhen und Tiefen...
Was haben wir denn hier? Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie und wo ich diesen Film einordnen soll. Zunächst stört es mich, dass hier Englisch gesprochen wird und nicht Französisch. Es werden übrigens auch englische Bücher gelesen, aber das sei nur am Rande erwähnt. Ich kenne den Roman nicht und ich habe auch keine Lust, mich damit zu befassen. Hier geht es nur um den Film und der ist, vorsichtig ausgedrückt, sterbenslangweilig.
Die homoerotische Beziehung zwischen Sobran und dem Engel, die im Roman sehr viel deutlicher sein soll, wie im Making-Of zu erfahren ist, wird hier hübsch ausgeblendet und höchstens zaghaft angedeutet. Das hätte aber auch nichts mehr gerettet, denn mit zwei Stunden Laufzeit ist der Film viel zu lang und zu uninteressant geworden.
Nun zu den Darstellern: Jérémie Renier ist wie üblich wunderbar anzuschauen und der eigentliche Grund, dieses Werk nicht gleich wieder auszuschalten. Egal welche Rollen er auch spielt, er ist immer authentisch und er ist einer der Besten. An seiner Seite glänzt ein großartiger Gaspard Ulliel als überirdisch schöner Engel mit einem Traumkörper. Er ist der zweite Grund, diesen Film anzuschauen. Vera Farmiga als Baronin Aurora hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, ihre Rolle verkörpert sie wirklich gut und glaubhaft. Gar nichts anfangen konnte ich allerdings mit Keisha Castle-Hughes, die ich einfach nur schlimm und fehlbesetzt fand.
Insgesamt gesehen nur eine eingeschränkte Empfehlung für diesen Film, den man eigentlich auch gerne verpassen kann. Nur für Fans von Jérémie Renier erträglich, wie in meinem Fall. Ansonsten verspricht die Story leider mehr, als sie letztendlich halten kann. Schade.
Sonntag, 21. August 2011
Les égarés
"Les égarés" - "Strayed" (so der englische Titel) ist ein Film von André Téchiné aus dem Jahr 2003 und beruht auf einem Roman von Gilles Perrault. Das Drehbuch stammt von Gilles Taurand.
Frankreich, im Sommer 1940. Die junge Witwe Odile (Emmanuelle Béart) verlässt das besetzte Paris zusammen mit ihren beiden Kindern Philippe (Grégoire Leprince-Ringuet) und Cathy (Clémence Meyer) in Richtung Süden. Die Landstraße ist voll mit Menschen, die ebenfalls auf der Flucht sind und ihr ganzes Hab und Gut bei sich haben. Plötzlich tauchen deutsche Flugzeuge am Himmel auf und werfen Bomben auf die Flüchtenden ab. Im allgemeinen Tumult hilft der junge Yvan (Gaspard Ulliel) Odile und ihre Kinder in Sicherheit zu bringen.
Der junge Mann ist allein unterwegs und ziemlich verschlossen. Odile misstraut ihm instinktiv, aber ihre Kinder sorgen dafür, dass sie ihren Weg gemeinsam fortsetzen. Yvan findet ein verlassenes großes Haus im Wald, in dem die vier sich erstmal ausruhen können. Es widerstrebt Odile, ein fremdes Haus zu bewohnen, aber Yvan und ihre Kinder können sie zum Bleiben überreden. Odile, die eigentlich Lehrerin ist, bemerkt, dass der siebzehnjährige Yvan nicht Schreiben kann. Sie unterrichtet ihn und beide freunden sich zaghaft an. Yvan ist tagsüber unterwegs und jagt Kaninchen, angelt Fische oder besorgt irgendwo anders etwas zu Essen. Er übernimmt ganz selbstverständlich die Rolle des Mannes in der Familie.
Von den Kindern wird Yvan als Freund akzeptiert, während Odile nicht so recht weiß, was sie von ihm halten soll. Da er sich aber liebevoll um die Familie kümmert, vertraut sie ihm immer mehr. So leben die vier in dieser scheinbaren Idylle und ohne große Sorgen, während der Krieg weit weg zu sein scheint. Doch eines Tages holt die Realität sie auch hier wieder ein und alles verändert sich...
Das ist ein sehr ruhiger Film, für den man auch ein wenig Muße braucht. Die wunderbare Kamerafrau Agnès Godard hat sehr schöne Bilder eingefangen und zeigt unter anderem fantastische Landschaftsaufnahmen. Die Geschichte an sich hat mich nicht so wirklich überzeugt, was aber auch daran liegen mag, dass ich mit Emmanuelle Béart irgendwie so gar nichts anfangen kann. Sorry, aber mir wird einfach nur übel, wenn ich die ganze Zeit auf diese grauenvoll aufgespritzten Lippen schauen muss. Meiner Meinung nach hält sich aber auch ihr darstellerisches Talent eher in Grenzen, denn über mehr als zwei verschiedene Gesichtsausdrücke kommt sie hier nicht hinaus und dabei habe ich schon ganz großzügig zu ihren Gunsten aufgerundet. Mit einer anderen Hauptdarstellerin, gerade Frankreich hat so wunderbare Schauspielerinnen, hätte mich der Film mehr begeistern können. Die männlichen Rollen sind jedoch sehr gut besetzt mit dem noch sehr jungen Grégoire Leprince-Ringuet und dem fabelhaften Gaspard Ulliel, die beide sehr überzeugend sind.
Der Film ist hierzulande mal wieder nicht erhältlich, was schon einigermaßen ärgerlich ist. Ich habe mir deswegen die DVD als UK-Import besorgt, da hat man die französische Fassung mit englischen Untertiteln, das funktioniert ganz gut. Es ist aber nach wie vor sehr schade, dass die meisten Filme von André Téchiné bei uns nur als Import zu haben sind.
Insgesamt gesehen schon empfehlenswert, wenn auch natürlich wieder nur für ein überschaubares Publikum. Schade, denn die Filme von Téchiné sind eigentlich zu gut, um sie zu übersehen.
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| (Cover der englischen DVD) |
Frankreich, im Sommer 1940. Die junge Witwe Odile (Emmanuelle Béart) verlässt das besetzte Paris zusammen mit ihren beiden Kindern Philippe (Grégoire Leprince-Ringuet) und Cathy (Clémence Meyer) in Richtung Süden. Die Landstraße ist voll mit Menschen, die ebenfalls auf der Flucht sind und ihr ganzes Hab und Gut bei sich haben. Plötzlich tauchen deutsche Flugzeuge am Himmel auf und werfen Bomben auf die Flüchtenden ab. Im allgemeinen Tumult hilft der junge Yvan (Gaspard Ulliel) Odile und ihre Kinder in Sicherheit zu bringen.
Der junge Mann ist allein unterwegs und ziemlich verschlossen. Odile misstraut ihm instinktiv, aber ihre Kinder sorgen dafür, dass sie ihren Weg gemeinsam fortsetzen. Yvan findet ein verlassenes großes Haus im Wald, in dem die vier sich erstmal ausruhen können. Es widerstrebt Odile, ein fremdes Haus zu bewohnen, aber Yvan und ihre Kinder können sie zum Bleiben überreden. Odile, die eigentlich Lehrerin ist, bemerkt, dass der siebzehnjährige Yvan nicht Schreiben kann. Sie unterrichtet ihn und beide freunden sich zaghaft an. Yvan ist tagsüber unterwegs und jagt Kaninchen, angelt Fische oder besorgt irgendwo anders etwas zu Essen. Er übernimmt ganz selbstverständlich die Rolle des Mannes in der Familie.
Von den Kindern wird Yvan als Freund akzeptiert, während Odile nicht so recht weiß, was sie von ihm halten soll. Da er sich aber liebevoll um die Familie kümmert, vertraut sie ihm immer mehr. So leben die vier in dieser scheinbaren Idylle und ohne große Sorgen, während der Krieg weit weg zu sein scheint. Doch eines Tages holt die Realität sie auch hier wieder ein und alles verändert sich...
Das ist ein sehr ruhiger Film, für den man auch ein wenig Muße braucht. Die wunderbare Kamerafrau Agnès Godard hat sehr schöne Bilder eingefangen und zeigt unter anderem fantastische Landschaftsaufnahmen. Die Geschichte an sich hat mich nicht so wirklich überzeugt, was aber auch daran liegen mag, dass ich mit Emmanuelle Béart irgendwie so gar nichts anfangen kann. Sorry, aber mir wird einfach nur übel, wenn ich die ganze Zeit auf diese grauenvoll aufgespritzten Lippen schauen muss. Meiner Meinung nach hält sich aber auch ihr darstellerisches Talent eher in Grenzen, denn über mehr als zwei verschiedene Gesichtsausdrücke kommt sie hier nicht hinaus und dabei habe ich schon ganz großzügig zu ihren Gunsten aufgerundet. Mit einer anderen Hauptdarstellerin, gerade Frankreich hat so wunderbare Schauspielerinnen, hätte mich der Film mehr begeistern können. Die männlichen Rollen sind jedoch sehr gut besetzt mit dem noch sehr jungen Grégoire Leprince-Ringuet und dem fabelhaften Gaspard Ulliel, die beide sehr überzeugend sind.
Der Film ist hierzulande mal wieder nicht erhältlich, was schon einigermaßen ärgerlich ist. Ich habe mir deswegen die DVD als UK-Import besorgt, da hat man die französische Fassung mit englischen Untertiteln, das funktioniert ganz gut. Es ist aber nach wie vor sehr schade, dass die meisten Filme von André Téchiné bei uns nur als Import zu haben sind.
Insgesamt gesehen schon empfehlenswert, wenn auch natürlich wieder nur für ein überschaubares Publikum. Schade, denn die Filme von Téchiné sind eigentlich zu gut, um sie zu übersehen.
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