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Sonntag, 22. September 2013

Heaven's Gate

"Heaven's Gate" ist ein Film von Michael Cimino (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1980. Über diesen Film ist viel geschrieben und geredet worden, denn bekanntlich ist das einer der größten Flops aller Zeiten, doch dazu später mehr.

Die Handlung spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Wyoming und beruht auf einer wahren Begebenheit. Seit einigen Jahren kommen vermehrt arme Einwanderer aus Osteuropa nach Johnson County, die sich ein kleines Stück Land kaufen und dieses bestellen, aber nicht davon leben können. Um ihre Familien ernähren zu können, wird gewildert, was den reichen Rinderbaronen gewaltig gegen den Strich geht. Sie setzen Kopfgeldjäger auf die Wilderer an, doch das ist nur der Anfang.

Der Viehzüchterverband hat eine Todesliste mit insgesamt 125 Namen erstellt, die es auszulöschen gilt. Auf dieser Liste befinden sich fast alle Einwanderer der Gegend. Sheriff James Averill (Kris Kristofferson) erfährt von dieser geheimen Liste und versucht verzweifelt, aber leider vergeblich, ein Unglück zu verhindern. Averill liebt Ella Watson (Isabelle Huppert), die ein Bordell betreibt. Auch Ellas Name steht auf der Todesliste.

Nate Champion (Christopher Walken) ist ebenfalls in Ella verliebt und somit ein Rivale von Averill, aber er steht auf der anderen Seite, denn er ist einer der bezahlten Schützen, die Jagd auf die Einwanderer machen. Erst als er erkennt, was die reichen Viehzüchter unter der Leitung des skrupellosen Frank Canton (Sam Waterston) vorhaben, schlägt er sich auf die Gegenseite. Nate will Ella heiraten und sie beschützen, wird aber nun selbst zum Gejagten.

Ella ist zwischen Nate und Averill hin- und hergerissen, weil sie beide Männer liebt und sich nicht für einen entscheiden kann. Averill bittet sie, die Gegend zu verlassen, aber da ist es bereits zu spät, denn das Bordell wird überfallen, die Huren getötet und Ella vergewaltigt. Averill kann sie zwar retten, aber der Viehzüchterverband ist bereits mit einer großen Armee auf dem Weg nach Johnson County, ohne dass die Nationalgarde eingreift. Es kommt zu einer langen und blutigen Schlacht mit vielen Toten auf beiden Seiten.

Puh, Schwerstarbeit am Sonntag. Ich habe mich durch dreieinhalb Stunden "Heaven's Gate" gekämpft, was nicht immer ganz leicht war. Was bleibt am Ende? Auf jeden Fall ein unvergleichliches Epos, dem man sich schon ganz ausliefern muss, um es zu überstehen. Man kann dem Film auch seine Schönheit nicht absprechen, denn Kameramann Vilmos Zsigmond hat großartige Bilder eingefangen, die für vieles entschädigen. Optisch ist dieser Film ein echtes Highlight.

Neben Kris Kristofferson, Isabelle Huppert und Christopher Walken in den Hauptrollen, die alle fabelhaft spielen, sind die Nebenrollen ebenso stark besetzt. Hier überzeugen unter anderem Jeff Bridges, John Hurt, Sam Waterston, Mickey Rourke, Joseph Cotton und Richard Masur, um nur einige zu nennen.

Wie also kam es zu diesem Flop? Michael Cimino hatte einen Riesenerfolg mit seinem Film "The Deer Hunter" gelandet, der fünf "Oscars" erhalten hat. Also ließ ihm das Filmstudio bei seinem nächsten Projekt völlig freie Hand und das Drama nahm seinen Lauf. Kurz zusammengefasst, die Produktionskosten gingen durch die Decke und der fertige Film hatte eine Laufzeit von über fünf Stunden. Das Studio tobte und kürzte, aber auch die reduzierte und immer noch lange Fassung fiel im Kino und bei den Kritikern komplett durch. Sämtliche Kritiker überboten sich mit Häme und Verrissen, das Einspielergebnis war mehr als bescheiden. Einzig in Europa erkannte man die Qualität des Films, hier wurde er auch gewürdigt.

"Heaven's Gate" wurde zum letzten Sargnagel für das "New Hollywood", denn nun nahmen die Studios wieder mehr Einfluss auf ihre Regisseure und sämtliche Freiheiten der letzten Jahre waren dahin. Erfolge mussten produziert werden, ohne Wenn und Aber. Der Autorenfilm war Geschichte.

Kann ich "Heaven's Gate" trotzdem empfehlen? Auf jeden Fall, man muss nur Zeit und Geduld mitbringen, denn viele Einstellungen sind tatsächlich quälend lang und der Begriff "Langsamkeit" wird hier ganz neu definiert. Es gibt auch diverse Szenen, die eigentlich völlig unnötig sind und den Film nicht weiterbringen, was bei einer Laufzeit von 209 Minuten aber auch kein Wunder ist. Michael Cimino und Vilmos Zsigmond verlieren sich in traumhaft schönen Bildern und üppigen Darstellungen mit unzähligen Statisten. Das wird schon am Anfang deutlich, wenn man einer Harvard-Abschlussfeier beiwohnt, die zwanzig Jahre vor den eigentlichen Ereignissen stattfindet und scheinbar kein Ende findet, obwohl sie im Grunde keine Bedeutung für die Handlung hat, außer dass hier Kris Kristofferson und John Hurt als Personen vorgestellt werden. Danach gibt es einen Zeitsprung ins Jahr 1890 und die eigentliche Geschichte beginnt.

Insgesamt gesehen ist "Heaven's Gate" ein Film, den man schon mal ausprobieren sollte, um sich eine eigene Meinung darüber bilden zu können. Leicht ist es nicht, das gebe ich zu, aber es lohnt sich irgendwie doch. Ich bin jedenfalls ganz froh, ihn mir angeschaut zu haben. Es gibt viel Schönes zu entdecken und hervorragende Schauspieler zu bewundern.

Sonntag, 24. Februar 2013

Liebe

"Liebe" - "Amour" ist ein Film von Michael Haneke (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2012.

Der Film erzählt die Geschichte von Georges (Jean-Louis Trintignant) und Anne (Emmanuelle Riva), beide über achtzig Jahre alt, ehemalige Musikprofessoren, die in Paris in einer großzügigen Altbauwohnung leben. Sie gehen liebevoll miteinander um, schätzen die gleichen Dinge und sind sich selbst genug. Die gemeinsame Tochter Eva (Isabelle Huppert) lebt mit ihrer Familie im Ausland und lässt sich nur sporadisch sehen.

Georges und Anne besuchen am Abend ein Konzert von Alexandre (Alexandre Tharaud), ein ehemaliger Schüler von Anne und nun erfolgreicher Pianist. Am nächsten Morgen frühstückt das Paar wie gewohnt zusammen, als Anne plötzlich geistesabwesend wirkt und nicht mehr ansprechbar ist. Obwohl sie bereits kurze Zeit später wieder zu sich kommt, sich aber an nichts mehr erinnern kann, lässt Georges sie von ihrem Arzt untersuchen.

Es gibt ein Problem an der Halsschlagader, welches durch eine Operation behoben werden soll. Die Operation allerdings missglückt, Anne erleidet einen Schlaganfall und ist fortan rechtsseitig gelähmt. Georges übernimmt zu Hause ihre Pflege und kümmert sich liebevoll um seine Frau, auch wenn seine eigenen Kräfte nicht mehr die besten sind. Doch Annes Zustand verschlechtert sich, ein zweiter Schlaganfall folgt und Georges muss Pflegerinnen einstellen, die ihn unterstützen.

Georges musste seiner Frau versprechen, sie nicht wieder ins Krankenhaus zu bringen und so tut er sein möglichtes, sie zu Hause zu pflegen, was aber immer schwieriger wird. Eva stattet ihren Eltern einen ihrer seltenen Besuche ab und macht ihrem Vater Vorwürfe, mit der Betreuung ihrer Mutter überfordert zu sein. Doch so schnell wie sie kam, ist sie auch schon wieder weg und mit ihrem eigenen Leben beschäftigt.

Georges muss feststellen, dass Anne immer mehr verfällt und schon früh, als sie sich noch verständlich machen konnte, den Wunsch verspürte ihrem Leben ein Ende zu setzen. Aus Liebe zu seiner Frau kommt Georges diesem Wunsch nach, auch wenn es ihn viel Überwindung kostet. In seinen Tagträumen lebt Anne weiter an seiner Seite, spielt für ihn Klavier und ist stets bei ihm.

Was für ein Film, den muss man erstmal sacken lassen. Von Michael Haneke ist man ja schon einiges gewöhnt, aber dieser Stoff geht direkt ins Herz und an die Nieren. Schon seit vielen Jahren war Haneke mit diesem Projekt beschäftigt und besonders die Zusammenarbeit mit Jean-Louis Trintignant lag ihm am Herzen, für den er diese Rolle geschaffen hat.

Herausgekommen ist ein Kammerspiel mit drei herausragenden Darstellern, Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva und Isabelle Huppert. Besser geht es nicht. Die Handlung spielt fast ausschließlich in der Wohnung, was sehr gut funktioniert. Es gibt keine Krankenhausszenen oder ähnliches, die müssen hier auch nicht sein.

Der Film ist großartig so wie er ist und äußerst empfehlenswert, aber bestimmt nicht für jeden Geschmack geeignet. Wer nur nett unterhalten werden will, der ist hier falsch. Allen anderen möchte ich dieses besondere Werk sehr ans Herz legen, es lohnt sich. Allein die Darsteller sind eine Klasse für sich und der Regisseur sowieso. Nicht umsonst hat dieser Film bisher bereits zahlreiche Preise gewonnen und jeder einzelne davon ist auch verdient. Michael Haneke macht einfach großartige Filme und wird dafür endlich auch entsprechend ausgezeichnet.

Sonntag, 16. September 2012

Privatbesitz

"Privatbesitz" - "Nue propriété" ist ein Film von Joachim Lafosse aus dem Jahr 2006. Das Drehbuch schrieb Lafosse zusammen mit Francois Pirot.

Worum geht es? Auf einem abgelegenen Gutshof in Belgien lebt die geschiedene Pascale (Isabelle Huppert) mit ihren inzwischen fast erwachsenen Söhnen, den Zwillingen Thierry (Jérémie Renier) und Francois (Yannick Renier). Der Umgang miteinander ist liebevoll, nur die gelegentlichen Besuche ihres Ex-Mannes Luc (Patrick Descamps) bringen Pascale auf die Palme. Ein Gespräch zwischen ihnen ist ohne Streit nicht möglich.

Pascale kümmert sich aufopfernd um ihre Söhne, was von diesen als selbstverständlich hingenommen wird. Doch insgeheim will sie eine Veränderung in ihrem Leben. Sie möchte das Haus verkaufen und zusammen mit ihrem heimlichen Geliebten Jan (Kris Cuppens) eine Pension eröffnen. Als sie das vorsichtig zur Sprache bringt, reagieren Thierry und Francois nur mit Unverständnis und Ärger auf die Pläne ihrer Mutter. Besonders der Hitzkopf Thierry macht ihr schwere Vorwürfe. Als die Streitereien darüber immer heftiger werden, packt Pascale ihre Sachen und taucht bei einer Freundin unter.

Die Brüder sind nun auf sich allein gestellt und müssen ihren Frust bewältigen. Der daraus wachsende Konflikt zwischen ihnen gipfelt in einem Unglück.

Regisseur Joachim Lafosse lässt das Ende des Films offen und verzichtet dankenswerter Weise auch auf ein "Wir haben uns doch alle furchtbar lieb". Er zeigt hier eine sehr intime Familiengeschichte in schönen und ruhigen Bildern, auf die man sich einlassen muss. Nichts für Ungeduldige. Das Drama lässt sich Zeit und baut langsam seine Spannung auf. Trotz des scheinbar riesigen Anwesens sieht man die drei Hauptdarsteller fast immer zusammen, beim Essen oder beim Fernsehen, selbst im Badezimmer.

Thierry und Francois sind zwar eigentlich schon erwachsen, aber trotzdem noch große Kinder, die manchmal albern und unreif erscheinen. Dass ihre Mutter nun ein eigenständiges Leben führen will und sie damit einiger Annehmlichkeiten beraubt werden sollen, überfordert die Jungs. Besonders Thierry beschimpft seine Mutter, die darauf nur kalt erwidert "Du wirst immer mehr wie Dein Vater". Der ruhige Francois versucht zu vermitteln und Verständnis für seine Mutter aufzubringen, was aber von Thierry als Verrat angesehen wird. Die Situation eskaliert, weil niemand einlenken will.

Der Film ist mit Isabelle Huppert und Jérémie Renier absolut hochklassig besetzt und schon deshalb sehr sehenswert. Aber auch Yannick Renier, der Bruder von Jérémie, überzeugt in seiner Rolle. Insgesamt gesehen ein großartiger Film, der sehr authentisch wirkt. Leider viel zu unbekannt und nur als französische Fassung mit englischen Untertiteln zu haben (Titel der UK-DVD "Private Property"). Trotzdem eine große Empfehlung, es lohnt sich.

Sonntag, 8. April 2012

Un Barrage contre le Pacifique

"Un Barrage contre le Pacifique" ist ein Film von Rithy Panh aus dem Jahr 2008. Das Drehbuch schrieb Panh zusammen mit Michel Fessler und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Marguerite Duras.

Indochina, 1931. Eine Französin (Isabelle Huppert) lebt zusammen mit ihrem zwanzigjährigen Sohn Joseph (Gaspard Ulliel) und ihrer sechzehnjährigen Tochter Suzanne (Astrid Bergès-Frisbey) auf einer Farm. Ständige Geldsorgen und die Krankheit der Mutter plagen die kleine Familie. Außerdem werden die Reisfelder immer wieder vom Salzwasser überschwemmt, das die Ernte vernichtet.

Die Mutter will zusammen mit den Bauern einen Wall errichten, der das Meerwasser abhalten soll. Gleichzeitig kämpft sie verzweifelt darum, ihr Land behalten zu können. Diese Kämpfe und ihre angeschlagene Gesundheit machen sie oft mürrisch und gereizt. Joseph und Suzanne wollen die Farm am liebsten verlassen, aber eine Gelegenheit hat sich noch nicht ergeben.

Ein reicher Chinese verliebt sich in die hübsche junge Suzanne, macht ihr den Hof und schenkt ihr einen Diamantring, den Joseph sofort zu Geld macht. Während die Mutter und auch Joseph hoffen, Suzanne würde den Chinesen heiraten, zieht diese sich zurück. Das Leben geht wie gewohnt weiter, aber die Mutter wird immer schwächer und Joseph will schließlich in die Stadt ziehen.

Hm, dieser Film ist ziemlich schwer zu beschreiben, denn alle Beteiligten sind permanent immer nur unglücklich und gereizt, was eine Annäherung an sie schwierig macht. Die Klischeekiste wird auch ordentlich geplündert und einzelne Figuren, wie z. B. der reiche Chinese sind ziemlich übertrieben gezeichnet. Der wunderbare Stéphane Rideau wird hier übrigens in einer klitzekleinen Nebenrolle völlig verschenkt, was für ein Jammer. Er hat insgesamt drei ganz kurze Szenen, die aber total unwichtig sind. Sehr schade.

Der Film hat aber auch seine Vorzüge, so ist das ja nicht. Da wären natürlich in erster Linie die fabelhafte Isabelle Huppert, deren Schauspiel immer ein Genuss ist und außerdem gibt es sehr schöne Landschaftsaufnahmen zu sehen, die wirklich gut gelungen sind. Wem das nicht reicht, der kann sich an der Schönheit von Gaspard Ulliel erfreuen, der große Teile des Films mit nacktem Oberkörper absolviert, zum Verlieben aussieht, wahnsinnig sexy ist und ein ausreichender Grund dafür, den Film bis zum Schluss anzuschauen. Wenn das nichts ist...

Trotz allem ist der Film mit knapp zwei Stunden viel zu lang geraten, weil eigentlich kaum etwas passiert. Also von mir nur eine eingeschränkte Empfehlung für den Film an sich, aber für Fans von Isabelle Huppert und Gaspard Ulliel ohnehin Pflichtprogramm. Die DVD ist als UK-Version in französischer Sprache mit zuschaltbaren englischen Untertiteln erhältlich.

Samstag, 31. Dezember 2011

Ma Mère

"Ma Mère" ist ein Film von Christophe Honoré (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2004 und beruht auf einem Roman des Philosophen Georges Bataille.

Der junge Pierre (Louis Garrel) ist bei seiner Großmutter in Frankreich aufgewachsen und nun zu Besuch bei seinen Eltern auf den Kanarischen Inseln. Das Verhältnis zu seinem Vater ist gespannt, aber seine Mutter Hélène (Isabelle Huppert) liebt Pierre abgöttisch. Als der Vater kurz darauf bei einem Unfall stirbt, hält sich die Traurigkeit beider sehr in Grenzen, denn auch Hélène hatte nur Verachtung für ihren Mann übrig.

Hélène beschließt, ihren Sohn in ihr Nacht- und Sexleben mit einzubeziehen, offenbart sich ihm als Hure und macht ihn mit ihrer Freundin und Kollegin Réa (Joana Preiss) bekannt, die dann den lieben Pierre erst einmal vernascht, während Mutti zuschaut. Doch das ist erst der Anfang der sexuellen Ausschweifungen, in die Hélène ihren Sohn zieht. Pierre lässt alles widerspruchslos über sich ergehen, ist ein aufmerksamer Schüler und seiner Mutter immer mehr zugetan.

Als Hélène die Insel verlässt, um mit Réa auswärtig zu arbeiten, hinterlässt sie Pierre die junge Hansi (Emma de Caunes), die sich um ihn kümmern soll, in jeder Beziehung. Die beiden verlieben sich, doch Pierres neu erwachter Drang nach immer neuen sexuellen Herausforderungen, wird bald zum Problem. Eines Tages taucht Hélène wieder auf und das Mutter-Sohn-Verhältnis wird intensiv wie nie zuvor, endet aber in einer Tragödie.

Sex, Begierde, Leidenschaft, Inzest, Tabubruch, Christophe Honoré fährt hier so einiges auf, aber packend oder prickelnd ist das leider gar nicht, daran ändert auch ein nackter Louis Garrel nichts. Der Film ist definitiv zu lang, hat keine durchgehende Handlung, die einen fesseln könnte und zwischendurch wird es manchmal sehr langatmig, um nicht gar zu sagen langweilig. Aufgeklärte Zuschauer bekommen hier auch nichts zu sehen, was einen irgendwie vom Hocker hauen könnte. Das war allerdings auch nicht geplant, wie es scheint. Was Christophe Honoré nun aber eigentlich mit seinem Film sagen will, ich weiß es nicht.

Lohnt sich der Film trotzdem? Meiner Meinung nach schon, wenn man seine Erwartungen etwas herunterschraubt und sich ganz auf die Darsteller konzentriert, denn die sind hervorragend. Zu Isabelle Huppert muss ich nichts mehr sagen, sie ist einfach ein Traum, auch in dieser Rolle. Louis Garrel ist wie üblich anbetungswürdig, die schöne Joana Preiss und die junge und hübsche Emma de Caunes runden das Bild ab. Allein wegen dieser vier Personen sollte man sich den Film anschauen.

Natürlich aber nur in der Originalfassung mit Untertiteln und bitte auf gar keinen Fall mit der deutschen Synchronisation, die wie üblich die ganze Atmosphäre des Films ruiniert. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber die falschen Stimmen können wirklich das Filmvergnügen trüben, wenn nicht gar vernichten, das muss doch nicht sein.

Von mir gibt es eine Empfehlung, wenn auch etwas eingeschränkt, denn vielen wird der Film zu sperrig und zu wenig zugänglich sein. Hat man sich aber erst einmal darauf eingelassen, dann kann man ihn durchaus anschauen, auch wenn er deutliche Längen hat. Einfach mal ausprobieren.

Donnerstag, 24. November 2011

Madame Bovary

"Madame Bovary" ist ein Film von Claude Chabrol (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1991 und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Gustave Flaubert aus dem Jahr 1856.

Emma (Isabelle Huppert) ist die Tochter eines begüterten Bauern und führt ein langweiliges Leben in der Provinz. Sie lernt den verwitweten Arzt Charles Bovary (Jean-Francois Balmer) kennen, der sich in sie verliebt und heiratet ihn in der Hoffnung auf ein besseres und interessanteres Leben. Diese Hoffnung erfüllt sich jedoch nicht. Charles bemerkt aber bald die Unzufriedenheit seiner Frau und beide ziehen in die nächst größere Stadt.

Emma träumt von einem anderen Leben, von prachtvollen Veranstaltungen, schönen Kleidern und Luxus. Der örtliche Stoffhändler Lheureux (Jean-Louis Maury) erkennt das und gibt ihr großzügig Kredit, den Emma nur zu gern in Anspruch nimmt und sich neu einkleidet. Für ihren Mann und ihre kleine Tochter interessiert sie sich kaum noch.

Der wohlhabende Rodolphe (Christophe Malavoy) ist auf der Suche nach einem Abenteuer und beginnt eine Affäre mit Emma, die von ihr als wahre Liebe interpretiert wird. Als sie zusammen mit Rodolphe ihrer Ehe entfliehen will, verschwindet dieser spurlos. Emma bricht angesichts dieser Tatsache zusammen und kommt nur mühsam wieder zur Besinnung. Charles will seiner Frau helfen und fährt mit ihr in die Oper, wo Emma den Anwalt Léon (Lucas Belvaux) wieder trifft, einen Verehrer von früher.

Zwischen Emma und Léon entwickelt sich ein Liebesverhältnis, das allerdings auch nicht von Dauer ist. Emmas Schulden, die sie bis dahin immer vor ihrem Mann verheimlichen konnte, wachsen ihr in der Zwischenzeit über den Kopf und plötzlich steht die gesamte Existenz der Familie auf dem Spiel. Von den falschen Männern hinters Licht geführt, versucht Emma verzweifelt Geld aufzutreiben, doch weder Rodolphe noch Léon können oder wollen ihr helfen. In ihrer Verzweiflung bleibt ihr nur das Arsen des Apothekers, um mit ihrem Leben abzuschließen, den finanziellen Ruin ihrer Familie kann sie damit aber nicht aufhalten.

Das ist ein starker Stoff, den Claude Chabrol hier wunderbar in Szene gesetzt hat. Seine Emma wirkt spröde, das hat man ihm oft angekreidet, aber Isabelle Huppert verkörpert diese Figur mit der ihr eigenen Ausdruckskraft und gewohnt genial. Man muss sie nicht mögen, aber man kann sie verstehen. In der von Männern dominierten Welt kann eine Emma Bovary nur verlieren, egal was sie tut. Chabrol zeigt sie deshalb gleichzeitig als verletzliche Seele und als starke Frau, ihr Scheitern inbegriffen.

Die Bilder und die Ausstattung sind sehr gelungen, doch vor allem fasziniert hier wieder einmal Isabelle Huppert, während die anderen Darsteller mehr oder weniger zu Statisten degradiert werden. Daran ist aber nichts auszusetzen.

Insgesamt gesehen eine schöne Literaturverfilmung, ein weiterer großartiger Film von Claude Chabrol und eine verdiente Liebeserklärung an Isabelle Huppert, eine der Königinnen des französischen Films. Sehr empfehlenswert.

Mittwoch, 23. November 2011

Die Spitzenklöpplerin

"Die Spitzenklöpplerin" - "La dentellière" ist ein Film von Claude Goretta (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1977 und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Pascal Lainé.

Die achtzehnjährige Béatrice (Isabelle Huppert) arbeitet als Auszubildende in einem Pariser Friseursalon und wohnt noch bei ihrer Mutter (Annemarie Düringer). Sie ist meistens still und in sich gekehrt. Ihre einzige Freundin ist ihre etwas ältere und lebenslustige Kollegin Marylène (Florence Giorgetti), die ein Verhältnis mit einem verheirateten Mann hat. Als dieser sich plötzlich von ihr trennt, sucht Marylène Abwechslung und fährt zusammen mit Béatrice nach Cabourg ans Meer.

Die beiden ungleichen Frauen verleben ein paar schöne Tage, bis Marylène einen neuen Verehrer findet und Béatrice allein zurücklässt. Während Béatrice allein durch Cabourg läuft, lernt sie den jungen Studenten Francois (Yves Beneyton) kennen, der sich für die schüchterne junge Frau interessiert. Nach kurzer Zeit werden die beiden auch ein Liebespaar und wieder zurück in Paris zieht Béatrice bei Francois ein. Für Béatrice beginnt ein völlig neues Leben, sie wird erstmals geliebt und möchte für sich und Francois ein gemütliches Heim schaffen.

Francois hat Schwierigkeiten damit, seinen wohlhabenden Eltern und seinen intellektuellen Freunden gegenüber die bürgerliche Herkunft von Béatrice zu erklären, mit der er allerdings selbst die größten Probleme hat. Immer wieder versucht er Béatrice dazu zu bewegen, etwas aus ihrem Leben zu machen, aber er begreift nicht, dass sie mit ihrem Leben eigentlich glücklich ist.

Als sich Francois schließlich von Béatrice trennt, bricht für die junge Frau die Welt zusammen. Alle ihre Träume sind dahin und sie landet letztendlich in einer Nervenheilanstalt. Nach einigen Monaten erhält sie Besuch von Francois, der nur noch eine gespenstische Version von Béatrice vorfinden kann. Dass er an ihrem Zustand Schuld sein könnte, das erkennt er nicht wirklich.

Das ist ein sehr beeindruckender und auch ziemlich deprimierender Film, der aber mit einer großartigen und sehr jungen Isabelle Huppert aufwarten kann. Ich möchte behaupten, dass diese Frau wirklich jede Rolle spielen kann, sie hat es inzwischen bewiesen. Auch hier ist sie bereits in jungen Jahren schon eine Klasse für sich und über jeden Zweifel erhaben. Was diese Frau allein mit ihren Blicken ausdrücken kann, davon können andere Schauspielerinnen nur träumen.

Insgesamt gesehen ein Film für stille Stunden, der sehr bewegend und emotional ist. Ganz großes Kino für Liebhaber besonderer Stoffe. Sehr empfehlenswert.

Samstag, 19. November 2011

Malina

"Malina" ist ein Film von Werner Schroeter aus dem Jahr 1991. Das Drehbuch stammt von Elfriede Jelinek und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Ingeborg Bachmann (1926 - 1973) aus dem Jahr 1971.

Es geht um eine namenlose Schriftstellerin (Isabelle Huppert), die in Wien lebt. Stets an ihrer Seite ist Malina (Mathieu Carrière), mit dem sie sich die Wohnung teilt, der sich um sie kümmert und sich schon bald als ihr männliches Alter Ego entpuppt.

Die Frau verliebt sich in den schönen Ivan (Can Togay), der aber der Macht ihrer Gefühle nichts entgegensetzen kann. An dieser Liebe wird sie letztendlich scheitern und im Nichts verschwinden.

Mehr ist über "Malina" fast nicht zu sagen. Wer sich auf dieses Wagnis einlässt, der bekommt einen Kunstfilm zu sehen, der eigentlich nicht in Worte zu fassen ist und trotzdem fasziniert. Warum? Vor allem wegen der exzellenten Besetzung und der fantastischen Bilder, die Elfi Mikesch eingefangen hat.

Isabelle Huppert (wer sonst?) gibt dieser namenlosen Person ein Gesicht und was für eins. Man sieht sie inmitten ihrer Arbeit, ihrer Verzweiflung, ihrer Träume und ihres Scheiterns an der Welt. Es ist die von Männern dominierte Welt, die sie nicht atmen lässt und an der sie schließlich zerbricht. Da helfen auch die unzähligen Zigaretten, der Alkohol und die Tabletten nichts.

Die Liebe zu Ivan war ihr letzter Versuch, mit der Welt zu kommunizieren, er ist gescheitert. Danach bleibt nichts mehr, ihr Untergang ist nicht aufzuhalten.

"Ich habe in Ivan gelebt und ich sterbe in Malina" und "Es war Mord". Das sind ihre letzten Worte, bevor sie sich endgültig auflöst.

Dieser Film ist schon eine Zumutung, aber im besten Sinne. Zwei Stunden Laufzeit fordern dem Zuschauer auch einiges ab, doch die Schauspieler retten hier wirklich alles, denn sowohl die wunderbare Isabelle Huppert, als auch der großartige Mathieu Carrière machen diesen sehr speziellen Film zu einem Ereignis, das man nicht verpassen sollte.

Empfehlen kann ich auch noch das Filmbuch dazu, das es noch teilweise neu oder auch gebraucht zu kaufen gibt. Insgesamt gesehen ist das ein Film, der wirklich sehr empfehlenswert ist, aber nur für Filmliebhaber, die auch mit etwas unzugänglichen Filmen etwas anfangen können.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Süßes Gift

"Süßes Gift" - "Merci pour le chocolat" ist ein Film von Claude Chabrol aus dem Jahr 2000. Das Drehbuch schrieb Chabrol auch hier wieder gemeinsam mit Caroline Eliacheff und beruht auf dem Roman "The Chocolate Cobweb" von Charlotte Armstrong.

In Lausanne leitet Marie-Claire Muller (Isabelle Huppert), genannt Mika, die Schokoladenfabrik, die sie von ihrem Vater geerbt hat. Gerade hat sie zum zweiten Mal den erfolgreichen Pianisten André Polonski (Jacques Dutronc) geheiratet und lebt mit ihm und seinem Sohn Guillaume (Rodolphe Pauly) glücklich zusammen. Guillaumes Mutter Lisbeth ist Jahre zuvor bei einem tragischen Unfall gestorben, sie war am Steuer ihres Autos eingeschlafen.

Die junge Jeanne (Anna Mouglalis), die am gleichen Tag wie Guillaume geboren ist, erfährt durch Zufall, dass man sie damals im Krankenhaus kurz mit dem Kind von Polonski verwechselt hat. Auch wenn ihre Mutter diese Angelegenheit herunterspielt, will Jeanne doch wissen, ob sie nicht vielleicht doch Polonskis Tochter ist, immerhin will auch sie Pianistin werden. Also stattet sie André und Mika einen Besuch ab.

André findet Gefallen an der jungen Frau und will sie unterrichten, während Guillaume eifersüchtig reagiert, denn er kann mit der Liebe seines Vaters zur Musik nichts anfangen. Mika kümmert sich liebevoll um Jeanne und lädt sie für ein paar Tage ins Haus ein. Doch Jeanne findet schon bald heraus, dass sich hinter der heilen Fassade des Familienlebens einige Abgründe auftun. So ist z. B. immer Rohypnol im Haus, ohne das André nicht einschlafen kann. Doch das findet sich auch im berühmten Kakao, den Mika ihrer Familie jeden Abend serviert und auch bei Lisbeth wurde nach ihrem Tod Rohypnol im Körper gefunden.

Eines Abends jedoch ist das Medikament ausgegangen und Mika hat angeblich vergessen, es zu besorgen. Sie schickt Jeanne und Guillaume mit dem Auto los, um zur Apotheke im Ort zu fahren. Während der Fahrt wird Jeanne, die am Steuer sitzt, plötzlich schläfrig.

Das ist auch wieder so ein feiner kleiner Film von Claude Chabrol, der völlig unspektakulär daherkommt und einen doch in seinen Bann zieht. Es gibt kaum Hintergrundinformationen, die braucht es aber auch gar nicht. Erst spät dämmert es dem etwas weltfremden Pianisten, was in seiner Umgebung vor sich geht. Mika, die perfekte Frau an seiner Seite, möchte sich um alle Personen in ihrem Umfeld kümmern, sie umsorgen und unter Kontrolle haben. Es soll ihnen gut gehen, denn dann geht es ihr auch gut. Dass sie dabei Grenzen überschreitet, das ist ihr nicht bewusst. Sie kann nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden.

Der Film lebt von seinen starken Darstellern, besonders Jacques Dutronc ist perfekt besetzt als André. Ihn umgibt immer eine spezielle Aura, die hier besonders gut passt. Die Rolle der Mika konnte nur von Isabelle Huppert gespielt werden, nur sie hat dieses gewisse Etwas, das Unergründliche hinter ihrer Fassade, das man höchstens erahnen kann. Was diese Frau allein mit ihrem Gesicht ausdrücken kann, macht mich immer wieder sprachlos. Das ist ganz große Schauspielkunst und so etwas sieht man leider viel zu selten. Gebt dieser Frau jeden Preis, den es zu verleihen gibt, sie hat sie alle verdient.

Insgesamt gesehen ein großartiger Film, mit tollen Darstellern, exzellent ausgestattet und überaus sehenswert. Ganz große Empfehlung.
 

Biester

"Biester" - "La cérémonie" ist ein Film von Claude Chabrol aus dem Jahr 1995. Das Drehbuch schrieb Chabrol zusammen mit Caroline Eliacheff und basiert auf dem Roman "A Judgement in Stone" von Ruth Rendell.

Die stille Sophie (Sandrine Bonnaire) tritt eine neue Stelle als Dienstmädchen bei der Familie Lelievre an. Georges (Jean-Pierre Cassel), seine Frau Catherine (Jacqueline Bisset) und die beiden Kinder Melinda (Virginie Ledoyen) und Gilles (Valentin Merlet) leben in einem großen und herrschaftlichen Haus in der Bretagne. Sophie erweist sich als wahre Perle, sie kocht, hält das Haus in Ordnung und ist immer zur Stelle. Dass sie dabei kaum ein Wort verliert, stört die Herrschaften nicht.

Die in sich gekehrte junge Frau freundet sich langsam mit der neugierigen Postbotin Jeanne (Isabelle Huppert) an, die ständig nur über die Familie Lelievre schimpft. Die beiden Frauen verstehen sich gut und stellen bald fest, so einige Gemeinsamkeiten zu haben. So gibt es in beider Leben dunkle Punkte in der Vergangenheit, die ihre Freundschaft nur noch verstärken. Jeanne stachelt Sophie an, sich nicht alles von den Lelievres gefallen zu lassen.

Als die Familie mitbekommt, dass Sophie Jeanne mit ins Haus gebracht hat, gibt es Ärger, denn Georges verdächtigt die Postbotin, heimlich seine Post zu öffnen. Durch Zufall bemerkt Melinda eines Tages, dass Sophie Analphabetin ist, eine Tatsache, die sie bisher gut verstecken konnte. Aus Angst aufzufliegen, erpresst Sophie Melinda daraufhin mit dem Wissen von ihrer noch verborgenen Schwangerschaft. Als Georges davon erfährt, entlässt er Sophie, die sich nun eine andere Stelle suchen muss. Zusammen mit Jeanne kommt sie ein letztes Mal ins Haus, um ihre Sachen zu holen. Da eskaliert die Situation und die beiden Frauen laufen Amok.

Das ist ein wirklich bitterböser Film, der so ruhig und unaufgeregt anfängt, sich dann aber langsam immer mehr steigert, bis hin zum unglaublichen Finale, welches man dann erst einmal verdauen muss. Hier tun sich Abgründe auf, die einem den Atem rauben. Chabrol gelingt es wunderbar, eine subtile Spannung zu erzeugen und dabei hat er exzellente Schauspieler zur Verfügung. Vor allen Dingen Sandrine Bonnaire und Isabelle Huppert zeigen herausragende Leistungen, ihnen zuzuschauen ist ein Genuss.

Insgesamt gesehen ein eher böses Vergnügen, aber ein beeindruckender Film, den man nicht so schnell vergisst. Sehr empfehlenswert.

Samstag, 4. Juni 2011

Villa Amalia

"Villa Amalia" ist ein Film von Benoit Jacquot (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2009 und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Pascal Quignard.

Die erfolgreiche Pianistin Ann (Isabelle Huppert) verfolgt heimlich ihren Mann Thomas (Xavier Beauvois) bis in einen Vorort, wo er sich mit einer anderen Frau trifft. Während sie die beiden beobachtet, wird sie selbst von einem alten Freund überrascht. Georges (Jean-Hugues Anglade) lädt sie in sein Haus ein und wird von nun an zu ihrem Vertrauten.

Ab jetzt überstürzen sich die Ereignisse, denn Ann löst ihr bisheriges Leben auf, mit allem was dazu gehört. Sie trennt sich nach fünfzehn Jahren von ihrem Mann, verbrennt ihre Noten, Fotos und persönliche Erinnerungen. Das Fremdgehen des Ehemannes ist nicht das ausschlaggebende dabei, das merkt man schnell, wenn auch der tatsächliche Grund für ihre Flucht im Dunkeln bleibt. Sie ist unberechenbar wie ein Vulkan, der gerade ausgebrochen ist, sprunghaft und doch bestimmt. Nachdem sie ihre Wohnung verkauft hat, ihr Konto gekündigt und ihr Telefon abgemeldet hat, reist sie durch Europa, bis sie schließlich in Italien verweilt und eine kleine heruntergekommene Behausung hoch oben über dem Meer, die "Villa Amalia" bezieht. Hier kommt sie erstmals seit langer Zeit zur Ruhe und verliebt sich ganz spontan in die junge Giulia (Maya Sansa).

Bei der Beerdigung ihrer Mutter trifft Ann auf ihren Vater, der die Familie früh verließ und endlich ergibt sich für sie die Möglichkeit, mit ihm über ihre Gefühle zu reden. Am Ende des Films ist Ann aber wieder in ihrem neuen Zuhause und was die Zukunft bringen wird, das steht in den Sternen.

Das ist ein sehr stiller Film, der vor allen Dingen von seinen wunderbaren Bildern lebt und mit der sehr stimmungsvollen Musik von Bruno Coulais unterlegt ist. Er ist gleichzeitig traurig und doch wunderschön, aber die Attraktion des Films ist natürlich die zauberhafte Isabelle Huppert, die mit ihrer unglaublichen Präsenz alles beherrscht. Bei dem Versuch die Kunst oder die Schönheit dieser Frau in Worte zu fassen, muss ich leider kapitulieren, sie ist einfach unbeschreiblich und wirklich atemberaubend schön.

Ann ist auf der Suche nach sich selbst. Das klingt abgedroschen, ist es aber nicht. Sie wirft ihr bisheriges Leben weg und da bleiben eben auch manchmal ein paar Menschen auf der Strecke. Manchmal führt man einen Wechsel bewusst herbei und manchmal passiert es auch einfach von ganz alleine. Man muss sein eigenes Handeln nicht immer erklären, es gibt Dinge, die man nun mal nur mit sich allein ausmachen muss.

Insgesamt gesehen ein wunderbarer Film, den ich nur sehr empfehlen kann und den sich alle Fans von Isabelle Huppert sowieso anschauen werden. Eine berührende Geschichte, tolle Bilder und eine fabelhafte Hauptdarstellerin, was will man mehr?

Sonntag, 15. August 2010

Die Klavierspielerin

"Die Klavierspielerin" ist ein Film von Michael Haneke aus dem Jahr 2001, nach dem gleichnamigen Roman von Elfriede Jelinek.

Erika Kohut (Isabelle Huppert), eine Frau um die Vierzig, Professorin am Wiener Konservatorium, lebt noch immer mit ihrer Mutter (Annie Girardot) zusammen, mit der sie sogar im gleichen Bett schläft. Von ihrer Mutter gedrillt, sollte sie eigentlich Konzertpianistin werden, aber schließlich ist sie "nur" Klavierlehrerin geworden. Ein Privatleben hat ihr ihre Mutter nie gestattet. Beide sind in einer Art Hassliebe miteinander verbunden.

Es geht um eine Frau, die von ihrer Mutter immer unter Druck gesetzt wurde, nie eigene Gefühle ausleben konnte, sondern immer nur funktionieren musste. Die Mutter beansprucht Erikas Aufmerksamkeit und Zuneigung nur für sich allein. Kontakte zu anderen Menschen versucht sie zu verhindern. Erika selbst ist nicht in der Lage Gefühle zu zeigen oder zu erwidern. Eine eigene Sexualität findet nicht statt, sie ist nur Voyeuristin. Mit ihren Klavierschülern ist sie streng und unbarmherzig, aber wahre Freude an der Musik kann sie selbst nicht empfinden, es scheint ihr eher zur Last geworden zu sein.

Im Laufe der Jahre ist sie kalt und versteinert geworden. Als der junge Walter (Benoît Magimel), einer ihrer Schüler, ihr seine Liebe gesteht, ist sie mit dieser Situation hoffnungslos überfordert. Sie kann sich ihm nicht hingeben, da sie das als Zeichen einer Schwäche auslegt, die sie nicht zulassen kann. Aus dieser Überforderung heraus, versucht sie ihn zu dominieren, wodurch sie Walter allerdings verschreckt. Als sie ihn bittet, sie zu schlagen und zu misshandeln, wandelt sich seine Liebe zu ihr in Abscheu. Im Grunde ihres Herzens sehnt sie sich nach Liebe und Zuwendung, aber die Umstände ihres Lebens hindern sie daran, das zu zeigen. Eine Katastrophe scheint unausweichlich.

Die Leistungen der Schauspieler kann man gar nicht genug loben, allen voran natürlich die fantastische Isabelle Huppert, die einem in ihrer Darstellung den Atem raubt. Ganz große Empfehlung für einen verstörend guten Film.

8 Frauen

"8 Frauen" ist ein Film von Francois Ozon (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2002. Dieser Film bedeutete für Ozon auf Grund seines Erfolges den internationalen Durchbruch. Er arbeitete hier mit der ersten Garde der französischen Darstellerinnen, die sich von ihm auch bereitwillig führen ließen und denen er sogar die Scheu vor den Gesangs- und Tanzeinlagen nehmen konnte.

Die Handlung spielt in einem verschneiten Landhaus in den fünfziger Jahren. Hier treffen wir auf acht Frauen, Catherine Deneuve, Fanny Ardant, Isabelle Huppert, Ludivine Sagnier, Emmanuelle Béart, Virginie Ledoyen, Danielle Darrieux und Firmine Richard, und einen toten Hausherren mit einem Messer im Rücken. Das Telefonkabel wurde durchschnitten, die Kabel des Autos ebenfalls und wegen des starken Schneefalls ist kein Entkommen möglich. Es kann keine Polizei gerufen werden, also beginnen die Frauen, sich gegenseitig des Mordes zu verdächtigen und tatsächlich hat jede einzelne von ihnen ein paar Leichen im Keller, sozusagen.

Es folgen zahlreiche Beschuldigungen und Verdächtigungen und immer neue Wendungen. Jede der Frauen hatte ein Motiv, den Mann zu töten, aber wer war es wirklich? Das Ende, so viel sei verraten, ist dann sehr überraschend. Im Laufe der Geschichte zeigt sich, dass alle eigentlich unglücklich Liebende sind, jede auf ihre Art. Durchbrochen wird das ganze durch wunderbare Gesangsnummern, die zum Teil gewollt kitschig sind, andere wieder sehr zu Herzen gehend, und den Film dadurch auf eine besondere Ebene heben. Der Film ist sehr theaterhaft inszeniert, als würde er auf einer Bühne spielen, was ich persönlich sehr schön finde, aber garantiert nicht jedermanns Geschmack ist.

Ein toter Mann, acht verdächtige Frauen und mittendrin der großartige Regisseur Francois Ozon, ein Mann, der die Frauen versteht und seine Diven hier in fantastische Kostüme steckt und sie wundervoll präsentiert. Die Kämpfe dieser Frauen werden mit Worten geführt und das kann schlimmer sein als jede Waffe. Ich habe eine große Schwäche für die Filme von Francois Ozon, weil die sich so schön von vielen anderen abheben und einfach ganz außergewöhnlich sind. Absolut empfehlenswert.

Die Geschichte der Piera

"Die Geschichte der Piera" ist ein Film von Marco Ferreri aus dem Jahr 1983.

Die Hauptrollen spielen Hanna Schygulla, Isabelle Huppert und Marcello Mastroianni. Hanna Schygulla wurde für diese Rolle 1983 in Cannes als beste Darstellerin ausgezeichnet. Klingt gut, oder?

Was für eine vielversprechende Besetzung, die spontan Lust auf den Film macht, über den merkwürdigerweise kaum etwas zu lesen ist. Eigentlich schon ein Alarmsignal, aber ich wollte mich überraschen lassen. Nun, überrascht wurde ich in der Tat - und zwar anders als erwartet. Was für ein Schrott! Eine äußerst seltsame Familiengeschichte, hauptsächlich auf Mutter und Tochter fixiert, die nur zum Kopfschütteln inspiriert.

Das Bild ist so mittelprächtig, naja, eher mittel als prächtig. Unterlegt ist das ganze mit entsetzlich kitschiger Musik. Die Dialoge sind zum Davonlaufen, die Klamotten, Entschuldigung, die Kostüme sind gruselig, mit anderen Worten, hier stimmt einfach gar nichts. Das ist einfach nur schlecht und schlimm. Einhundert quälend lange Minuten, vollgepackt mit geballtem Schwachsinn. Hanna Schygulla, die große Fassbinder-Muse, eine begnadete Schauspielerin, die aber manchmal auch einfach nur in ihrer Darstellung nervt, hier z. B. die ganze Zeit. Der einzige Lichtblick ist die bezaubernde Isabelle Huppert, die hier aber auch nichts mehr retten kann.

Sollte in dieser Geschichte irgendwo ein tieferer Sinn stecken, so hat er sich mir jedenfalls nicht erschlossen. Für mich ist das einfach nur grottenschlecht. Finger weg von diesem Werk.