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Samstag, 9. Juni 2012

A Dangerous Method

"A Dangerous Method" - "Eine dunkle Begierde" ist ein Film von David Cronenberg aus dem Jahr 2011. Das Drehbuch stammt von Christopher Hampton und beruht auf dem von ihm selbst verfassten Theaterstück "The Talking Cure", das wiederum auf dem Buch "A Most Dangerous Method" von John Kerr basiert.

Der Film spielt in der Zeit zwischen 1904 und 1912 und beschäftigt sich mit der Freundschaft von Carl Gustav Jung (Michael Fassbender), der als Psychiater an einer Schweizer Klinik arbeitet, zu Sigmund Freud (Viggo Mortensen), dem bekannten Wiener Analytiker. Die Psychoanalyse steckt noch fast in den Kinderschuhen, aber Freud und Jung sind von ihrer Wirkung überzeugt.

Bevor die beiden sich allerdings zum ersten Mal treffen, übernimmt Jung eine neue Patientin, die junge Sabina Spielrein (Keira Knightley), eine russische Jüdin, die an Hysterieanfällen leidet. Mit Hilfe der Gespräche zwischen Jung und Spielrein bessert sich ihr Zustand schon bald. Die intelligente junge Frau will selbst Psychoanalytikerin werden und beginnt ein Studium.

Sigmund Freud sieht in Carl Gustav Jung seinen legitimen Nachfolger, beide verbindet schnell eine tiefe Freundschaft und ein reger Briefwechsel. Die Freundschaft bekommt erste Risse, als Jung eine (sado-masochistische) Affäre mit Sabina beginnt und Freud davon erfährt. Jung hingegen stört sich immer mehr daran, dass Freud in seinen wissenschaftlichen Theorien so festgefahren ist und neuen Erkenntnissen nicht viel abgewinnen kann.

Nachdem die Freundschaft endgültig zerbrochen scheint, wird Sabina in Wien Freuds Mitarbeiterin. Jung führt inzwischen eine erfolgreiche private Praxis in der Schweiz.

Regisseur David Cronenberg hat sich hier einen durchaus interessanten Stoff vorgenommen, alles edel und sorgfältig ausgestattet und in fabelhaften Bildern eingefangen. Die Inszenierung wirkt trotz der Räumlichkeiten sehr theaterhaft, was aber insgesamt sehr gut passt. Könnte also eigentlich alles perfekt sein, oder? Ist es aber leider nicht. Irgendwie berührt mich das alles nicht und kommt über ein eher langweiliges Biopic nicht hinaus. Schließlich geht es hier doch um Leidenschaft und Begierde, nur spürt man davon rein gar nichts.

Viggo Mortensen murmelt die ganze Zeit nur in seine Zigarre und hat ansonsten eigentlich gar nichts zu spielen. Michael Fassbender ist wirklich ein außergewöhnlich guter Schauspieler, aber auch er wirkt hier mehr verkleidet und nicht sehr überzeugend. In einer kleinen Nebenrolle kann einzig noch Vincent Cassel als Otto Gross überzeugen, der einen drogensüchtigen Arzt und Patienten spielt.

Vielleicht wäre das alles aber noch zu retten gewesen, wenn man für die Rolle der Sabina Spielrein eine vernünftige Schauspielerin gefunden hätte. Warum nur Keira Knightley? Sie nervt entsetzlich und das schon von der ersten Sekunde an. Sie schreit, gestikuliert wie wild, hat eine ganz schlimme Körpersprache und ihr Overacting ist sehr anstrengend. Mit anderen Worten, sie ruiniert den ganzen Film.

Schade um das Projekt, aber von mir gibt es hier nur eine eingeschränkte Empfehlung. Die anschließenden Interviews mit Cast und Crew kann man sich übrigens auch schenken, denn hier lobhudelt jeder nur wieder vor sich hin, wie toll alle waren und was für ein großartiger Film das doch ist. Nun ja, mein Geschmack war das jedenfalls nicht.

Sonntag, 27. Mai 2012

Haywire

"Haywire" ist ein Film von Steven Soderbergh aus dem Jahr 2012. Das Drehbuch stammt von Lem Dobbs.

Es geht um die Geheimagentin Mallory Kane (Gina Carano), die für eine private Firma Aufträge ausführt. Ihr Vorgesetzter ist Kenneth (Ewan McGregor), mit dem sie einst ein Verhältnis hatte und der sie nun anscheinend loswerden will. Ich bitte vorab schon mal um Entschuldigung, aber im Eifer des Gefechts habe ich den Überblick verloren, wer zu wem gehört und wer hier eigentlich gegen wen kämpft.

Egal, bei einem Einsatz in Barcelona soll der Chinese Jiang gerettet werden. Zusammen mit Aaron (Channing Tatum) zieht Mallory diesen Auftrag durch. Danach schickt Kenneth sie nach Dublin, wo sie auf den Agenten Paul (Michael Fassbender) trifft. Eine undurchsichtige Rolle spielt hier Studer (Mathieu Kassovitz) und Mallory findet plötzlich die Leiche von Jiang. Ihr wird klar, dass sie selbst zur Zielscheibe geworden ist und das Paul sie töten soll.

Nachdem Mallory den finalen Kampf mit Paul gewinnen konnte, versucht sie herauszufinden, wer hinter dem Anschlag stecken könnte. Entweder Kenneth, vielleicht auch Coblenz (Michael Douglas) oder Rodrigo (Antonio Banderas). Bei ihrem Vater (Bill Paxton) will sie unterschlüpfen, aber auch da erwartet man sie schon.

Hier wird ganz schön viel gekämpft, das muss man schon mögen. Die Kämpfe sind gut in Szene gesetzt, ohne Frage. Mein Ding ist das ja nicht, aber ich habe mir den Film auch nur wegen der illustren Besetzung angesehen.

Gina Carano ist eine Mixed-Martial-Arts-Kämpferin, auch wenn ich keine Ahnung habe, was das heißt. Sie ist natürlich keine Schauspielerin, macht ihre Sache aber gar nicht so schlecht. Gut, gegen die großen Namen kommt sie hier eh nicht an, aber die Verantwortlichen geben ihr mit Channing Tatum jemanden an die Seite, der noch weniger agieren kann, als sie selbst. Da passt dann auch wieder alles zusammen.

Insgesamt gesehen ein zweifelhaftes Vergnügen, das man sich nicht unbedingt antun muss, es könnte allerdings auch schlimmer sein. Die Herren McGregor, Fassbender, Douglas und Banderas sind jedenfalls in bester Spiellaune und das Ende des Films ist besonders gut gelungen. Allein dafür lohnt sich der Quatsch irgendwie schon...

Mittwoch, 14. März 2012

Jane Eyre

"Jane Eyre" ist ein Film von Cary Fukunaga aus dem Jahr 2011. Das Drehbuch stammt von Moira Buffini und beruht auf dem gleichnamigen Klassiker von Charlotte Bronte.

Unzählige Verfilmungen dieses Stoffes hat es bisher schon gegeben und die Handlung dürfte hinlänglich bekannt sein. Regisseur Cary Fukunaga baut seinen Film lediglich neu auf. Er beginnt mit der Flucht Janes von Thornfield Hall, blendet zurück in die tragische Kindheit und erzählt die Geschichte dann bis zu dem Zeitpunkt, als Jane bei St. John (Jamie Bell) und seinen Schwestern unterkommt, um schließlich den Rest chronologisch abzuliefern.

Hier noch mal eine kurze Zusammenfassung: Die junge Jane Eyre hat früh ihre Eltern verloren und ist bei ihrer Tante Mrs. Reed aufgewachsen, die mit Jane nichts anfangen konnte und das Kind verabscheut hat. Sie schickt das Waisenkind auf das strenge Internat Lowood, wo Jane auch keine Liebe und Zuneigung erwarten kann. Ihre einzige Freundin Helen stirbt an Tuberkulose und Jane ist wieder allein. Trotz allem wird aus Jane eine kluge und selbstbewusste junge Frau (Mia Wasikowska), die einen eigenen Kopf und eine eigene Meinung hat.

Schließlich verlässt Jane das Internat, um auf Thornfield Hall eine Stelle als Gouvernante eines kleinen französischen Mädchens anzutreten, die das Mündel des Hausherren Mr. Rochester ist. Sie versteht sich gut mit der kleinen Adele und mit der Hauswirtschafterin Mrs. Fairfax (Judi Dench). Erst einige Monate später lernt sie Edward Rochester (Michael Fassbender) kennen, der nur selten zu Hause ist und ein schwieriger und unzugänglicher Mann ist.

Jane und Edward begegnen sich auf Augenhöhe und bald verbindet sie eine Art Freundschaft, die für beide überraschend ist. Jane hegt starke Gefühle für diesen impulsiven Mann und er schätzt ihre Klugheit. Als er ihr sogar einen Heiratsantrag macht, glaubt Jane zunächst an einen Scherz, bis sie schließlich zustimmt. Doch am Tag der Hochzeit kommen einige Geheimnisse aus Edwards Vergangenheit ans Licht, die Jane zur Flucht von Thornfield Hall bewegen.

Das ist ein wirklich sehr schöner Film, der mit exzellenter Ausstattung und wunderbaren Landschaftsaufnahmen begeistern kann. Die Atmosphäre auf Thornfield Hall ist grandios eingefangen, das düstere Haus und die unheimlichen Geräusche bei Nacht sind sehr gelungen. Die Besetzung ist ein Traum, denn Mia Wasikowska und Michael Fassbender sind perfekt in ihren Rollen, gar keine Frage.

Ich habe hier auch tatsächlich gar nichts auszusetzen, nur hat mich diese Verfilmung irgendwie auch nicht vom Sessel gehauen, sorry. Das soll keine Kritik sein, alles passt ganz wunderbar, aber ich kenne auch die Verfilmung von Franco Zeffirelli aus dem Jahr 1996 mit Charlotte Gainsbourg und William Hurt in den Hauptrollen und die ist mindestens genauso gut. Einen Unterschied kann ich hier nicht erkennen, bis auf die Erzählform. In beiden Fällen waren die Hauptdarsteller eher spröde Charaktere, was aber sehr gut passt.

Insgesamt gesehen kann ich natürlich eine große Empfehlung für diesen Film aussprechen, aber gleichzeitig möchte ich auch auf die Version von Zeffirelli hinweisen, die ebenfalls sehr sehenswert ist. Alle anderen Versionen kenne ich nicht und das ist wohl auch nicht notwendig. Hier zählen in erster Linie die Darbietungen von Mia Wasikowska und Michael Fassbender und die sind, wie zu erwarten, tadellos.


Samstag, 15. Oktober 2011

X-Men : Erste Entscheidung

"X-Men : Erste Entscheidung" - "X-Men : First Class" ist ein Film von Matthew Vaughn aus dem Jahr 2011. Das Drehbuch stammt von Ashley Miller, Zack Stentz, Jane Goldman und Matthew Vaughn. Bryan Singer, Regisseur der beiden ersten "X-Men"-Filme ist hier als Produzent tätig gewesen und hat am Drehbuch mitgearbeitet.

Der Film erzählt die Geschichte von Charles Xavier (James McAvoy) und Erik Lehnsherr (Michael Fassbender), beginnend in ihrer Jugend 1944 und springt dann ins Jahr 1962. Wir erleben den Beginn und das Ende der Freundschaft zwischen den beiden, als sich herausstellt, dass ihre Lebensentwürfe nicht zusammen passen. In der Zwischenzeit verhindern sie mal eben den dritten Weltkrieg, als sich Amerikaner und Russen vor Kuba feindselig gegenüberstehen. Das ist übrigens ganz hübsch in die Geschichte eingeflochten.

Ich verzichte an dieser Stelle darauf, näher auf die Handlung einzugehen. Mich interessiert auch nicht so sehr, wer hier was und warum tut. Die Story um die Mutanten ist nett erzählt und ziemlich gut besetzt. Die jungen Darsteller können durchaus überzeugen, wie z. B. Jennifer Lawrence, Zoe Kravitz oder Nicholas Hoult. Auch James McAvoy macht seine Sache gut, ich finde ihn absolut sehenswert. Kevin Bacon gibt mit großer Freude den Bösewicht, das Drehbuch gibt ihm zwar nicht gerade viel Raum, aber er meistert das grandios.

Die wichtigste Person im Film und der einzige Grund, sich dieses Werk anzuschauen, ist aber Michael Fassbender, wahrscheinlich einer der besten Schauspieler, die es derzeit gibt. Was ihn allerdings in diesen Film verschlagen hat, das ist mir ein Rätsel, denn er ist mit Abstand viel besser, als alle anderen zusammen. Egal, er ist hier und er ist toll. Allein dieser Blick.... Ich verfolge seine Arbeiten schon seit einiger Zeit. Da gab es sehr sehenswerte Filme ("Sherlock Holmes - Der Seidenstrumpfmörder", "Angel", "Fish Tank", "Inglourious Basterds") und auch leider einige Gurken ("Jonah Hex", "Centurion", "Blood Creek", "Eden Lake"), die so schlecht waren, dass ich hier nur die Titel erwähne und mich nicht weiter damit befasse. Michael Fassbender dreht allerdings fleißig weiter, da kommen noch so einige vielversprechende Filme in nächster Zeit. Diesen Namen wird man sich merken müssen. Es lohnt sich.

Doch zurück zu den "X-Men". Der Film ist auf jeden Fall unterhaltsam, insgesamt vielleicht einen Tick zu lang, aber sehenswert. Die Musik von Henry Jackman ist passend, den Song im Abspann von "Take That" kann man sich aber schenken. Die sind ja eigentlich nur noch peinlich und merken es leider nicht.

Insgesamt gibt es von mir hier schon eine Empfehlung, besonders natürlich wegen Michael Fassbender. Das reicht dann auch, mehr gibt es nicht zu sagen.




Dienstag, 9. November 2010

Sherlock Holmes - Der Seidenstrumpfmörder

"Sherlock Holmes - Der Seidenstrumpfmörder" ist ein Film von Simon Cellan Jones aus dem Jahr 2004. Das Drehbuch stammt von Allan Cubit.

Sherlock Holmes (Rupert Everett) ist ein wenig neben der Spur und dem Opium zugewandt. Sein alter Freund Dr. Watson (Ian Hart) will in Kürze seine Verlobte, die amerikanische Psychologin Mrs. Vandeleur (Helen McCrory) heiraten. Für Holmes sind Frauen nur ein notwendiges Übel. "Mein Verstand hat immer über meine Gefühle regiert" sagt er von sich selbst.

Trotzdem gelingt es Watson, seinen Freund Holmes auf den neuen Fall aufmerksam zu machen. Ein Frauenmörder geht in London um. Seine Opfer sind junge Frauen aus der besseren Gesellschaft und die Zeit drängt, denn der Mörder schlägt schnell wieder zu. Die Polizei kommt mit ihren Ermittlungen nicht voran, hier ist der Scharfsinn von Sherlock Holmes gefragt. Zusammen mit Watson macht er sich auf die Suche nach dem Täter.

Diese BBC-Verfilmung ist sehr gelungen und gut gemacht. Rupert Everett ist eine imposante und moderne Erscheinung als Sherlock Holmes, da gibt es nichts auszusetzen. Der Fall an sich ist relativ spannend, eben gute Krimi-Kost.

Besonders hervorheben möchte ich allerdings die Leistung von Michael Fassbender, auf dessen Rolle ich hier nicht näher eingehen will, ohne zu viel zu verraten, aber der einen ganz wichtigen Part übernimmt. Er ist nicht nur hier der Mann für den zweiten Blick, denn er ist extrem wandelbar und vielseitig. Bleibt zu hoffen, dass ihm noch viele gute Rollen angeboten werden, das wäre wirklich wünschenswert.

Insgesamt gesehen ein Film für einen netten DVD-Abend, ich habe auch ausnahmsweise mal nichts an der deutschen Synchronisation zu meckern, die ich mir antun musste, weil es keine deutschen Untertitel gibt. Es geht doch, wenn man sich ein bisschen Mühe gibt.

Sonntag, 17. Oktober 2010

Angel

"Angel" ist ein Film von Francois Ozon (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2007 und basiert auf dem Roman der britischen Schriftstellerin Elizabeth Taylor.

Die junge Angel Deverell (Romola Garai) wächst in eher ärmlichen Verhältnissen auf, aber sie hat den großen Traum, einmal eine erfolgreiche und berühmte Schriftstellerin zu werden. Tatsächlich hat das junge Mädchen eine überbordende Fantasie und die Fähigkeit, kitschige Geschichten zu schreiben. Auch wenn sie selbst kaum Lebenserfahrung hat, die Geschichten entspringen alle ihrer Fantasie. Angel brennt innerlich, sie lebt für ihre Träume und sie lebt in ihren Träumen, auch wenn ihr das den Blick für die Wirklichkeit versperrt, sie bemerkt es nicht, denn für sie ist die Welt so, wie sie es sich erträumt. Sie ist trotzig und eigenwillig, aber ebenso zielstrebig.

Als sie einen Roman geschrieben hat, findet sich in London sogar ein Verleger, der diesen veröffentlichen will. Theo (Sam Neill) glaubt an Angel, auch wenn seine Frau Hermione (Charlotte Rampling) der jungen Frau skeptisch gegenüber steht.

Angel hat Erfolg mit ihren Büchern, das Publikum lechzt nach ihren Geschichten und sie wird tatsächlich reich und berühmt. Sie kauft sich ein großes Anwesen, "Paradise", das sie schon in ihrer Kindheit immer bewohnen wollte. In ihren Romanen entwirft sie Traumwelten mit großen Gefühlen, wunderschönen Heldinnen und der alles erfüllenden Liebe. Ihre eigene große Liebe wird der erfolglose und undurchschaubare Maler Esmé (Michael Fassbender), dessen Schwester Nora (Lucy Russell) Angel in treuer Verehrung zur Seite steht. Esmés Gemälde sind eher düster und ohne grelle Farben, ganz im Gegensatz zu Angels Welt, in der alles schön, bunt und prachtvoll ist. Die beiden heiraten, obwohl sie doch so verschieden sind und man als Zuschauer schon ahnt, das geht nicht gut.

Nach einer kurzen Zeit des Glücks bricht der erste Weltkrieg aus und alles ändert sich. Esmé meldet sich freiwillig und Angel macht ihm deswegen eine große Szene. In ihrer Gegenwart darf der Krieg nicht erwähnt werden, sie weigert sich einfach, den Traum von ihrem bisherigen Leben aufzugeben. Sogar die Leser laufen ihr weg, ihr Stil ist nicht mehr gefragt. Schließlich kommt Esmé als Invalide und gebrochener Mann wieder zurück nach "Paradise", aber das Leben hat sich für alle geändert. Der Traum ist vorbei, die Farben sind verblasst.

"Angel" wurde von den Kritikern und vom Publikum größtenteils abgelehnt, viele Zuschauer konnten nur wenig damit anfangen. Bei genauerer Betrachtung erkennt man hier jedoch die Verehrung von Francois Ozon für die Werke von Douglas Sirk und Rainer Werner Fassbinder und ihre gemeinsame Vorliebe für das Melodram. Ozon bedient sich hier sämtlicher Hilfsmittel, um das am Leben zu halten. Die Kutschfahrten durch London vor einer gemalten Kulisse, die ergreifende Musik im Hintergrund, die prachtvolle Ausstattung, die wunderbaren Kostüme, den Regenbogen beim Heiratsantrag, er lässt nichts aus und alles passt genau.

Die Darsteller sind genial ausgewählt. Die für ihre Rolle zu Unrecht gescholtene Romola Garai spielt grandios. Ob als junges Mädchen mit großen Träumen oder dann am Ende als verwirrte Frau, die nur noch einsam und verlassen mit ihren Tieren zu Hause ist und langsam den Verstand verliert, sie ist hervorragend. Ebenso Michael Fassbender, ein Name den man sich merken muss, er verkörpert seine Rolle so, dass man ihn gleichzeitig lieben und hassen kann.

Charlotte Rampling und Sam Neill sind wie üblich großartig, wobei ich besonders auf das erste Zusammentreffen von Angel und Hermione aufmerksam machen möchte, das ist köstlich.

Insgesamt gesehen ein Film, den man sich durchaus in Ruhe anschauen sollte, denn er bietet viel mehr, als allgemein gesagt wird. Von mir gibt es eine ganz große Empfehlung.

Samstag, 9. Oktober 2010

Fish Tank

"Fish Tank" ist ein Film von Andrea Arnold (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2009 und hat bereits mehrere Auszeichnungen erhalten.

Die fünfzehnjährige Mia (Newcomerin Katie Jarvis) lebt mit ihrer kleinen Schwester und ihrer Mutter Joanne (Kierston Wareing) in einer kleinen schäbigen Sozialwohnung in einem Wohnblock in Essex. Zur Schule geht Mia nicht mehr, ihr großer Traum ist das Tanzen. In einer leerstehenden Wohnung trainiert sie zu HipHop-Klängen ihre Schritte. Mit ihrer Mutter versteht sie sich nicht besonders gut, diese ist zu sehr mit wechselnden Freunden, Partys und Alkohol beschäftigt. Mia ist streitsüchtig und unnahbar, gleichzeitig aber auch sensibel und verletzlich.

Eines Tages trifft sie in der Küche auf einen halbnackten Mann. Connor (Michael Fassbender), der neue Freund ihrer Mutter, ist so ganz anders, als alle anderen vorher. Er ist charmant, gutaussehend und überaus verständnisvoll. Es sieht so aus, als würde das Leben der kleinen Familie plötzlich eine neue Richtung einschlagen. Mia verliebt sich in Connor und sucht seine Nähe. Er unterstützt sie bei der Bewerbung für ein Tanz-Casting, aber dann kommen sie sich zu nah und Connor verschwindet von der Bildfläche. Mia spürt ihn auf und entdeckt sein Geheimnis, dabei kommt es fast zu einer Katastrophe.

Da Mia begreift, dass ihr Leben so nicht weitergehen kann, beschließt sie letztendlich, mit einem Freund fortzugehen. Ihr letzter Blick zurück gilt dem Wohnblock, den sie hinter sich lässt. Sie hat das Aquarium verlassen. Was die Zukunft ihr bringen wird, steht in den Sternen...

Das ist ein faszinierender und überzeugender Film mit einer genialen Besetzung. Allein schon Katie Jarvis, die von der Straße weg engagiert wurde und keine Schauspielerfahrung hat, ist ein Knaller. Neben ihr glänzt Michael Fassbender als Sympathieträger, dessen Fassade langsam bröckelt. Ebenso brillant ist Kierston Warering als überforderte Mutter, die zwar noch jung ist, ihre besten Jahre aber trotzdem schon hinter sich zu haben scheint. Alle Drei spielen absolut hervorragend.

Insgesamt gesehen ein zwar tristes Sozialdrama, das ist nicht abwertend gemeint, aber durch die Darsteller von Anfang bis Ende sehr sehenswert. Auf jeden Fall empfehlenswert.

Freitag, 13. August 2010

Inglourious Basterds

"Inglourious Basterds" ist ein Film von Quentin Tarantino, natürlich wie immer Regie und Drehbuch, aus dem Jahr 2009.

Das ist alles hinlänglich bekannt und es ist schon so viel über diesen Film geschrieben worden. Das Lager teilt sich mal wieder auf in diejenigen, die mit Tarantino nichts anfangen können, ihm immer noch Gewaltverherrlichung und ähnlichen Unsinn vorwerfen. Die anderen, die Tarantino und seine Filme lieben, werden auch an diesem wieder ihre wahre Freude haben, ich zähle mich selbst dazu.

Quentin Tarantino ist nach wie vor das große Kind, das mit unbändiger Freude an seine Werke geht, was man seinen Filmen in jeder Sekunde ansieht. Es stimmt jedes kleine Detail, die Filmmusik ist ihm immer sehr wichtig und die Dialoge sind exzellent und manchmal auch schön absurd. Und nun erlaubt er sich mit leichter Hand, die Geschichte der Zweiten Weltkriegs einfach umzuschreiben, das hat doch was. Auch wenn einige Leute hier empört aufschreien, das ist ein Film und Film darf das. Ich habe mich zweieinhalb Stunden köstlich amüsiert und gut unterhalten gefühlt. Tarantino hat seinen Film vollgepackt mit schrägen und klugen Einfällen, er lässt sich Zeit beim Erzählen und richtet über keine seiner Figuren.

Die Schauspieler sind, mit kleinen Ausnahmen, sehr gut besetzt. Brad Pitt, von dem ja immer behauptet wird die Hauptrolle zu spielen (sie ist es definitiv nicht), spielt seinen Lt. Aldo Raine so ein bisschen als Depp, aber sehr sehenswert. Sehr sehenswert ist auch noch Michael Fassbender. Von den deutschen Schauspielern überzeugen auch noch in den kleinsten Rollen vor allem August Diehl, Martin Wuttke, Sylvester Groth und Christian Berkel. Weniger überzeugend fand ich persönlich Daniel Brühl, den ich immer für ziemlich überschätzt halte. Zu Til Schweiger und Diane Kruger muss ich nichts weiter sagen, nicht vorhandenes schauspielerisches Talent muss nicht noch extra erwähnt werden. Glücklicherweise gibt es aber noch Mélanie Laurent als Shosanna Dreyfus, die ihre Rolle perfekt spielt und fehlendes Talent anderer Darsteller vergessen lässt.

Ja und dann gibt es noch Christoph Waltz als Oberst Landa und hier müsste erst einmal ein Tusch kommen! Er beherrscht diesen Film (und er spielt die eigentliche Hauptrolle) mit seiner ganz eigenen Ausstrahlung. Das personifizierte Böse mit guten Manieren und umfassenden Fremdsprachkenntnissen. Ich empfehle dringend, den Film im Original anzuschauen, um mitzuerleben wie dieser Oberst Landa ganz locker viersprachig durch den Film parliert. Ganz großes Kino und ein überwältigender Christoph Waltz, der für diese Darstellung jeden Preis verdient hat.