"Im Auge des Sturms" - "The Eye of the Storm" ist ein Film von Fred Schepisi aus dem Jahr 2011. Das Drehbuch stammt von Judy Morris und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Patrick White.
Die Handlung spielt im Jahr 1972 in Sydney. Die reiche Elizabeth Hunter (Charlotte Rampling) ist Mitte Siebzig, schwer krank und will selbst über den Zeitpunkt ihres Todes entscheiden. Ihre Krankheit fesselt sie ans Bett, sie bekommt starke Medikamente und ihre einzigen Kontaktpersonen sind die Hausangestellten, die Krankenschwestern und ihr Anwalt. Ihr Zustand schwankt zwischen wachen Momenten und Erinnerungen an einen Tag vor zwanzig Jahren, als ein großer Sturm hereinbrach.
Etwas unwillig kommen ihre beiden erwachsenen Kinder zu Besuch, die sonst kaum Kontakt zu ihrer Mutter haben. Jetzt geht es aber darum, das Erbe zu sichern, denn beide leiden ständig unter Geldnot. Basil (Geoffrey Rush) lebt in London und ist ein angesehener Schauspieler, der aber mit ständigen Selbstzweifeln kämpft. Dorothy (Judy Davis) lebt in Paris und war mit einem europäischen Adligen verheiratet. Geblieben ist ihr nach der Scheidung nur der Titel "Prinzessin", weiter nichts.
Elizabeth hat ihre Kinder immer spüren lassen, dass sie nichts von ihnen hält. Sie selbst stammte aus einfachen Verhältnissen, wurde durch die Heirat mit ihrem vermögenden Mann zu einer geachteten Persönlichkeit und tat so, als hätte sie schon immer zur oberen Klasse gehört. Gleichzeitig nahm sie sich alle Freiheiten, hatte zahlreiche Affären, unter anderem auch mit dem jungen Mann ihrer Tochter, an diesem Tag vor zwanzig Jahren.
Basil und Dorothy fühlen sich unwohl in der Gesellschaft ihrer Mutter. Sie schüchtert sie immer noch ein, auch wenn beide nun schon um die Fünfzig sind. Sie hassen es, von ihr abhängig zu sein und müssen sich doch damit abfinden. Aufgewachsen in einer Familie, in der es keine Liebe gab, müssen sie sich jetzt der Vergangenheit stellen, um ihr zukünftiges Leben in den Griff zu bekommen.
Was wird nach dem Tod der ungeliebten Mutter passieren? Wie wird ihr letzter Wille aussehen?
Das ist ein sehr merkwürdiger Film, der mich lange beschäftigt hat. Mit knapp zwei Stunden Laufzeit ist er zwar lang, aber nie langweilig. Obwohl, viel passiert hier nicht, es ist recht still und verlangt vom Zuschauer schon einige Konzentration. Wer Action erwartet, der wird sich wahrscheinlich zu Tode langweilen. Andererseits erlebt man hier allerfeinstes Schauspieler-Kino, denn Charlotte Rampling, Geoffrey Rush und Judy Davis sind so brillant, dass einem die Worte fehlen. Allein schon wegen dieser grandiosen Darstellungen muss man diesen Film sehen.
Charlotte Rampling gelingt es mühelos zwischen der Fünfundfünfzig- und der Fünfundsiebzig-jährigen Elizabeth zu wechseln und beide glaubhaft zu verkörpern. Kein Wunder, dass nur sie als Besetzung dieser Rolle in Frage kam. In den Extras der DVD gibt es dazu sehr interessante Interviews mit den Darstellern, dem Regisseur und der Drehbuchautorin. Die kann ich auch nur sehr empfehlen.
Wie schon gesagt, ein merkwürdiger Film, aber auch ein ganz wundervoller, wenn auch bitterer und verstörender Film, den man nicht verpassen sollte. Keine leichte Kost, aber extrem sehenswert.
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Sonntag, 2. Februar 2014
Donnerstag, 9. Mai 2013
I, Anna
"I, Anna" ist ein Film von Barnaby Southcombe (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2012 und beruht auf einem Roman von Elsa Lewin.
In einem Hochhaus in London ist ein Mord geschehen, ein Mann wurde erschlagen. Detective Bernie Reid (Gabriel Byrne) ermittelt in diesem Fall und begegnet vor Ort einer schönen Frau, die ihn sofort in ihren Bann zieht. Der Tote hieß George Stone (Ralph Brown) und war an diesem Abend bei einem Speed-Dating. Er hat die Veranstaltung zusammen mit einer Frau namens Allegra verlassen. Ist diese Frau etwa seine Mörderin oder doch eher sein Sohn, den akute Geldprobleme plagen?
Die Polizei tappt zunächst im Dunkeln, während Bernie der mysteriösen Frau nachspürt, die sein Interesse geweckt hat. Ihr Name ist Anna Welles (Charlotte Rampling) und Bernie folgt ihr auf eine Single-Party. Sie lernen sich kennen, mögen sich und es gibt gleich eine starke Verbindung zwischen zwei einsamen Seelen. Anna ist geschieden und lebt angeblich mit ihrer Tochter Emmy (Hayley Atwell) und deren kleiner Tochter zusammen.
Bernies Kollege Kevin Franks (Eddie Marsan) treibt die Ermittlungen voran und plötzlich wird Anna zur Hauptverdächtigen in diesem Mordfall. Bernie will Anna beschützen und kommt dabei langsam hinter das tragische Geheimnis der schönen Frau mit dem sanften Lächeln.
Mehr will ich hier gar nicht verraten, denn die Auflösung der Geschichte ist wirklich sehr traurig. Regisseur Barnaby Southcombe, der Sohn von Charlotte Rampling, hat hier mit seinem Kino-Debüt einen wunderbaren und modernen Film Noir geschaffen, der unter die Haut geht. Das nächtliche London erscheint dabei in einem kalten blauen Licht, in dem Gefühle keinen Platz zu haben scheinen.
Wie durch Geisterhand finden der melancholische Ermittler und die einsame ältere Frau hier zueinander und können sich gegenseitig Trost spenden, auch wenn sie ihre Lebensgeschichten noch voreinander verbergen. Gesprochen wird insgesamt nur wenig, viel mehr wird über Blicke vermittelt. Viele Kritiker haben genau das bemängelt, aber dieser Film richtet sich meiner Meinung nach auch eher an ein reiferes Publikum, das diese Tiefe in den Personen auch erkennen kann. Es braucht nicht viel Action, um eine Geschichte glaubhaft zu erzählen.
Genau aus diesem Grund sind auch die Hauptrollen mit Charlotte Rampling und Gabriel Byrne perfekt besetzt, denn beide sind erfahren genug, um ihre Rollen mit Leben auszufüllen, ohne in Overacting zu verfallen. Hier reichen schon ganz kleine Gesten und eben auch einfach nur Blicke, um so viel mehr zu vermitteln, als andere Darsteller es jemals könnten. Wer das nicht erkennen kann, der ist hier definitiv im falschen Film.
Charlotte Rampling ist wie üblich wunderschön und bezaubernd und auch Gabriel Byrne ist sehr attraktiv. Beide sind nicht mehr jung und haben Ecken und Kanten, aber warum auch nicht. Die Chemie zwischen ihnen stimmt einfach und davon lebt der Film. Von mir gibt es jedenfalls eine große Empfehlung.
In einem Hochhaus in London ist ein Mord geschehen, ein Mann wurde erschlagen. Detective Bernie Reid (Gabriel Byrne) ermittelt in diesem Fall und begegnet vor Ort einer schönen Frau, die ihn sofort in ihren Bann zieht. Der Tote hieß George Stone (Ralph Brown) und war an diesem Abend bei einem Speed-Dating. Er hat die Veranstaltung zusammen mit einer Frau namens Allegra verlassen. Ist diese Frau etwa seine Mörderin oder doch eher sein Sohn, den akute Geldprobleme plagen?
Die Polizei tappt zunächst im Dunkeln, während Bernie der mysteriösen Frau nachspürt, die sein Interesse geweckt hat. Ihr Name ist Anna Welles (Charlotte Rampling) und Bernie folgt ihr auf eine Single-Party. Sie lernen sich kennen, mögen sich und es gibt gleich eine starke Verbindung zwischen zwei einsamen Seelen. Anna ist geschieden und lebt angeblich mit ihrer Tochter Emmy (Hayley Atwell) und deren kleiner Tochter zusammen.
Bernies Kollege Kevin Franks (Eddie Marsan) treibt die Ermittlungen voran und plötzlich wird Anna zur Hauptverdächtigen in diesem Mordfall. Bernie will Anna beschützen und kommt dabei langsam hinter das tragische Geheimnis der schönen Frau mit dem sanften Lächeln.
Mehr will ich hier gar nicht verraten, denn die Auflösung der Geschichte ist wirklich sehr traurig. Regisseur Barnaby Southcombe, der Sohn von Charlotte Rampling, hat hier mit seinem Kino-Debüt einen wunderbaren und modernen Film Noir geschaffen, der unter die Haut geht. Das nächtliche London erscheint dabei in einem kalten blauen Licht, in dem Gefühle keinen Platz zu haben scheinen.
Wie durch Geisterhand finden der melancholische Ermittler und die einsame ältere Frau hier zueinander und können sich gegenseitig Trost spenden, auch wenn sie ihre Lebensgeschichten noch voreinander verbergen. Gesprochen wird insgesamt nur wenig, viel mehr wird über Blicke vermittelt. Viele Kritiker haben genau das bemängelt, aber dieser Film richtet sich meiner Meinung nach auch eher an ein reiferes Publikum, das diese Tiefe in den Personen auch erkennen kann. Es braucht nicht viel Action, um eine Geschichte glaubhaft zu erzählen.
Genau aus diesem Grund sind auch die Hauptrollen mit Charlotte Rampling und Gabriel Byrne perfekt besetzt, denn beide sind erfahren genug, um ihre Rollen mit Leben auszufüllen, ohne in Overacting zu verfallen. Hier reichen schon ganz kleine Gesten und eben auch einfach nur Blicke, um so viel mehr zu vermitteln, als andere Darsteller es jemals könnten. Wer das nicht erkennen kann, der ist hier definitiv im falschen Film.
Charlotte Rampling ist wie üblich wunderschön und bezaubernd und auch Gabriel Byrne ist sehr attraktiv. Beide sind nicht mehr jung und haben Ecken und Kanten, aber warum auch nicht. Die Chemie zwischen ihnen stimmt einfach und davon lebt der Film. Von mir gibt es jedenfalls eine große Empfehlung.
Samstag, 26. Januar 2013
Die Flügel der Taube
"Die Flügel der Taube" - "The Wings of the Dove" ist ein Film von Iain Softley aus dem Jahr 1997. Das Drehbuch stammt von Hossein Amini und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Henry James.
Die Handlung beginnt in London, Anfang des 20. Jahrhunderts. Die junge Kate (Helena Bonham Carter) lebt bei ihrer wohlhabenden Tante Maude (Charlotte Rampling), da ihre Mutter verstorben ist und ihr Vater Lionel (Michael Gambon) ein mittelloser Trinker und Süchtiger ist. Maude ist auf der Suche nach einem reichen Ehemann für Kate und hat dazu bereits Lord Mark (Alex Jennings) auserkoren.
Kate hat sich derweil schon längst in den armen Journalisten Merton (Linus Roache) verliebt, den sie aber nur heimlich treffen kann. Maude verbietet Kate den Umgang mit Merton, der ihr nur ein Leben in Armut bieten könnte. Bei einem Abendessen lernt Kate die junge Amerikanerin Millie (Alison Elliott) kennen, die in Begleitung ihrer Freundin Susan (Elizabeth McGovern) durch Europa reist. Die beiden jungen Frauen freunden sich schnell an und durch Zufall lernt Millie auch Merton kennen, in den sie sich spontan verliebt.
Lord Mark erzählt Kate in betrunkenem Zustand die Wahrheit über Millie. Die junge Frau ist nicht nur sehr reich, sie hat auch keine Erben und leidet an einer tödlichen Krankheit. Aus diesem Grund will Lord Mark, der selbst finanzielle Probleme hat, Millie heiraten und sich so ihr Vermögen sichern. Doch Kate kommt durch diesen Plan selbst auf den Gedanken, von Millies Reichtum zu profitieren, wenn sie dafür sorgt, dass Millie und Merton heiraten. Nach Millies Tod wäre Merton eine gute Partie.
Millie reist zusammen mit Susan und Kate nach Venedig und Kate sorgt dafür, dass Merton ebenfalls dort auftaucht. Millie, Kate und Merton verbringen dort eine schöne Zeit, aber Millies Gesundheitszustand verschlechtert sich zusehends. Kate weiht Merton schließlich in ihren Plan ein und reist bald darauf zurück nach London, um Millie und Merton nicht im Weg zu stehen.
Kates "perfekter Plan" funktioniert aber nicht so wie gedacht, denn wenn Gefühle ins Spiel kommen, kann sich alles ändern. Kate leidet unter ihrer Eifersucht, Merton verliebt sich und Millie selbst ahnt längst, worum es hier geht. Merton bleibt bis zu ihrem Tod bei ihr, während Kate in London auf ihn wartet. Kann es jetzt noch eine gemeinsame Zukunft geben?
Ein schöner Film, der wirklich zu Herzen geht und ein interessantes Thema hat. Kann man die Gefühle anderer Menschen so benutzen, wie Kate es hier tut? Nein, denn sie selbst verheddert sich darin, weil alle Drei einander verbunden sind und immer jemand auf der Strecke bleiben muss.
Sehenswert ist der Film nicht nur wegen der wunderschönen Ausstattung und Kostüme, auch Venedig wird reizvoll in Szene gesetzt. Und selbstverständlich sind die drei Hauptdarsteller Helena Bonham Carter, Alison Elliott und Linus Roache wirklich großartig anzuschauen, hier passt jeder in seine Rolle. Sehr empfehlenswert.
Die Handlung beginnt in London, Anfang des 20. Jahrhunderts. Die junge Kate (Helena Bonham Carter) lebt bei ihrer wohlhabenden Tante Maude (Charlotte Rampling), da ihre Mutter verstorben ist und ihr Vater Lionel (Michael Gambon) ein mittelloser Trinker und Süchtiger ist. Maude ist auf der Suche nach einem reichen Ehemann für Kate und hat dazu bereits Lord Mark (Alex Jennings) auserkoren.
Kate hat sich derweil schon längst in den armen Journalisten Merton (Linus Roache) verliebt, den sie aber nur heimlich treffen kann. Maude verbietet Kate den Umgang mit Merton, der ihr nur ein Leben in Armut bieten könnte. Bei einem Abendessen lernt Kate die junge Amerikanerin Millie (Alison Elliott) kennen, die in Begleitung ihrer Freundin Susan (Elizabeth McGovern) durch Europa reist. Die beiden jungen Frauen freunden sich schnell an und durch Zufall lernt Millie auch Merton kennen, in den sie sich spontan verliebt.
Lord Mark erzählt Kate in betrunkenem Zustand die Wahrheit über Millie. Die junge Frau ist nicht nur sehr reich, sie hat auch keine Erben und leidet an einer tödlichen Krankheit. Aus diesem Grund will Lord Mark, der selbst finanzielle Probleme hat, Millie heiraten und sich so ihr Vermögen sichern. Doch Kate kommt durch diesen Plan selbst auf den Gedanken, von Millies Reichtum zu profitieren, wenn sie dafür sorgt, dass Millie und Merton heiraten. Nach Millies Tod wäre Merton eine gute Partie.
Millie reist zusammen mit Susan und Kate nach Venedig und Kate sorgt dafür, dass Merton ebenfalls dort auftaucht. Millie, Kate und Merton verbringen dort eine schöne Zeit, aber Millies Gesundheitszustand verschlechtert sich zusehends. Kate weiht Merton schließlich in ihren Plan ein und reist bald darauf zurück nach London, um Millie und Merton nicht im Weg zu stehen.
Kates "perfekter Plan" funktioniert aber nicht so wie gedacht, denn wenn Gefühle ins Spiel kommen, kann sich alles ändern. Kate leidet unter ihrer Eifersucht, Merton verliebt sich und Millie selbst ahnt längst, worum es hier geht. Merton bleibt bis zu ihrem Tod bei ihr, während Kate in London auf ihn wartet. Kann es jetzt noch eine gemeinsame Zukunft geben?
Ein schöner Film, der wirklich zu Herzen geht und ein interessantes Thema hat. Kann man die Gefühle anderer Menschen so benutzen, wie Kate es hier tut? Nein, denn sie selbst verheddert sich darin, weil alle Drei einander verbunden sind und immer jemand auf der Strecke bleiben muss.
Sehenswert ist der Film nicht nur wegen der wunderschönen Ausstattung und Kostüme, auch Venedig wird reizvoll in Szene gesetzt. Und selbstverständlich sind die drei Hauptdarsteller Helena Bonham Carter, Alison Elliott und Linus Roache wirklich großartig anzuschauen, hier passt jeder in seine Rolle. Sehr empfehlenswert.
Sonntag, 13. Januar 2013
In den Süden
"In den Süden" - "Vers le sud" ist ein Film von Laurent Cantet aus dem Jahr 2005. Das Drehbuch schrieb Cantet zusammen mit Robin Campillo und beruht auf Novellen von Dany Laferrière.
Haiti, Ende der Siebziger Jahre. In einer gepflegten und ruhigen kleinen Hotelanlage verleben hauptsächlich alleinreisende und nicht mehr ganz junge Amerikanerinnen ihren Urlaub, wie z. B. Ellen (Charlotte Rampling), Brenda (Karen Young) und Sue (Louise Portal). Sie genießen die Sonne, den Strand und die Aufmerksamkeit der jungen Schwarzen, die nur zu gern für Liebesdienste aller Art zur Verfügung stehen. Als Entschädigung dafür gibt es Geld oder kleine Geschenke.
Der junge Legba (Ménothy Cesar) ist der schönste von ihnen und der begehrteste. Er ist der Grund, warum Brenda nach Haiti gekommen ist. Bei einem Urlaub vor drei Jahren, damals noch zusammen mit ihrem Ehemann, lernte sie Legba kennen und hatte damals beim Sex mit ihm den ersten Orgasmus ihres Lebens. Entsprechende Erwartungen haben sie nun erneut hierher geführt.
Die dominante Ellen, eine Frau Mitte Fünfzig, die weiß was sie will und es sich auch nimmt, tritt sehr selbstsicher auf und hat sich Legbas Zuneigung schon gesichert. Ihn nun mit Brenda teilen zu müssen, geht ihr extrem gegen den Strich, auch wenn sie es nicht zugibt. Im Gegenteil, sie zeigt sich sehr gönnerhaft, hat aber für jeden in ihrer Umgebung immer eine spöttische Bemerkung parat. Zwischen ihr und Brenda entwickelt sich eine Rivalität, die nur durch die geduldige Sue immer wieder entschärft werden kann.
Brenda ist labil, manchmal kindisch, sie nimmt Beruhigungstabletten und wirkt ein bisschen lebensfremd. So lädt sie Legba ein, im Restaurant mit ihr zu essen, obwohl ihr der Hotelangestellte Albert (Lys Ambroise) mitteilt, diesen nicht bedienen zu können. Brenda setzt sich darüber hinweg und lässt sich auch von Legba auf den Markt begleiten, wo sie als weiße und blonde Frau wie ein Fremdkörper wirkt.
Die anderen Frauen verlassen die Hotelanlage nie, die sozialen und politischen Hintergründe Haitis interessieren sie nicht. Sie sind nur für ihr Vergnügen hier und das bekommen sie auch. Die meisten Frauen haben die Vierzig weit hinter sich gelassen und holen sich hier das, was man ihnen zu Hause nicht mehr gibt: Liebe, Sex und Zuneigung. Einige tun sich schwer damit, die jungen Einheimischen dafür zu bezahlen, aber dann gibt es eben Geschenke statt Geld, das macht keinen Unterschied.
Als Legba ermordet wird, bleiben Ellen und Brenda allein zurück, der Traum ist vorbei. Die sonst so kühle und beherrschte Ellen lässt einzig Albert gegenüber ihre wahren Gefühle raus, bevor sie abreist. Auch sie hatte sich in Legba verliebt, wie zuvor schon Brenda, doch damit haben beide eine unsichtbare Grenze überschritten. So etwas war hier nicht vorgesehen.
Das ist ein sehr schöner kleiner Film, den Laurent Cantet hier geschaffen hat, der das Thema Sextourismus mal von einer anderen Seite zeigt. Auch Frauen möchten im Urlaub auf ihre Kosten kommen, besonders wenn sie nicht mehr jung sind. Warum soll das auch immer nur Männern vorbehalten sein? Laurent Cantet zeigt das auch ganz selbstverständlich und ohne moralischen Zeigefinger. In den Extras erläutert er zudem noch sehr ausführlich, wie dieses Projekt entstanden ist. Das sollte man nicht verpassen.
Ansonsten bleibt noch zu sagen, dass sowohl Charlotte Rampling als auch Karen Young ganz hervorragend in ihren Rollen besetzt sind, denn beide sind wirklich absolut atemberaubend anzuschauen und spielen grandios. Ganz große Empfehlung.
Haiti, Ende der Siebziger Jahre. In einer gepflegten und ruhigen kleinen Hotelanlage verleben hauptsächlich alleinreisende und nicht mehr ganz junge Amerikanerinnen ihren Urlaub, wie z. B. Ellen (Charlotte Rampling), Brenda (Karen Young) und Sue (Louise Portal). Sie genießen die Sonne, den Strand und die Aufmerksamkeit der jungen Schwarzen, die nur zu gern für Liebesdienste aller Art zur Verfügung stehen. Als Entschädigung dafür gibt es Geld oder kleine Geschenke.
Der junge Legba (Ménothy Cesar) ist der schönste von ihnen und der begehrteste. Er ist der Grund, warum Brenda nach Haiti gekommen ist. Bei einem Urlaub vor drei Jahren, damals noch zusammen mit ihrem Ehemann, lernte sie Legba kennen und hatte damals beim Sex mit ihm den ersten Orgasmus ihres Lebens. Entsprechende Erwartungen haben sie nun erneut hierher geführt.
Die dominante Ellen, eine Frau Mitte Fünfzig, die weiß was sie will und es sich auch nimmt, tritt sehr selbstsicher auf und hat sich Legbas Zuneigung schon gesichert. Ihn nun mit Brenda teilen zu müssen, geht ihr extrem gegen den Strich, auch wenn sie es nicht zugibt. Im Gegenteil, sie zeigt sich sehr gönnerhaft, hat aber für jeden in ihrer Umgebung immer eine spöttische Bemerkung parat. Zwischen ihr und Brenda entwickelt sich eine Rivalität, die nur durch die geduldige Sue immer wieder entschärft werden kann.
Brenda ist labil, manchmal kindisch, sie nimmt Beruhigungstabletten und wirkt ein bisschen lebensfremd. So lädt sie Legba ein, im Restaurant mit ihr zu essen, obwohl ihr der Hotelangestellte Albert (Lys Ambroise) mitteilt, diesen nicht bedienen zu können. Brenda setzt sich darüber hinweg und lässt sich auch von Legba auf den Markt begleiten, wo sie als weiße und blonde Frau wie ein Fremdkörper wirkt.
Die anderen Frauen verlassen die Hotelanlage nie, die sozialen und politischen Hintergründe Haitis interessieren sie nicht. Sie sind nur für ihr Vergnügen hier und das bekommen sie auch. Die meisten Frauen haben die Vierzig weit hinter sich gelassen und holen sich hier das, was man ihnen zu Hause nicht mehr gibt: Liebe, Sex und Zuneigung. Einige tun sich schwer damit, die jungen Einheimischen dafür zu bezahlen, aber dann gibt es eben Geschenke statt Geld, das macht keinen Unterschied.
Als Legba ermordet wird, bleiben Ellen und Brenda allein zurück, der Traum ist vorbei. Die sonst so kühle und beherrschte Ellen lässt einzig Albert gegenüber ihre wahren Gefühle raus, bevor sie abreist. Auch sie hatte sich in Legba verliebt, wie zuvor schon Brenda, doch damit haben beide eine unsichtbare Grenze überschritten. So etwas war hier nicht vorgesehen.
Das ist ein sehr schöner kleiner Film, den Laurent Cantet hier geschaffen hat, der das Thema Sextourismus mal von einer anderen Seite zeigt. Auch Frauen möchten im Urlaub auf ihre Kosten kommen, besonders wenn sie nicht mehr jung sind. Warum soll das auch immer nur Männern vorbehalten sein? Laurent Cantet zeigt das auch ganz selbstverständlich und ohne moralischen Zeigefinger. In den Extras erläutert er zudem noch sehr ausführlich, wie dieses Projekt entstanden ist. Das sollte man nicht verpassen.
Ansonsten bleibt noch zu sagen, dass sowohl Charlotte Rampling als auch Karen Young ganz hervorragend in ihren Rollen besetzt sind, denn beide sind wirklich absolut atemberaubend anzuschauen und spielen grandios. Ganz große Empfehlung.
Mittwoch, 26. Dezember 2012
Boogie Woogie
"Boogie Woogie" ist ein Film von Duncan Ward aus dem Jahr 2009. Das Drehbuch stammt von Danny Moynihan und beruht auf seinem gleichnamigen Roman.
Art Spindle (Danny Huston) ist ein verschlagener, aber extrem erfolgreicher Londoner Kunsthändler. Zu seinen Stammkunden gehört das reiche Ehepaar Jean und Bob Maclestone (Gillian Anderson und Stellan Skarsgard). Ihr riesiges Haus ist vollgestopft mit Kunstwerken aller Art, solange sie nur teuer sind. Bobs meistgestellte Frage bei Besuchen in Spindles Galerie lautet also folgerichtig jedes Mal nur "Wie viel?".
Bob ist aber nicht nur auf der Jagd nach Kunst, sondern auch nach Frauen. So hat er eine Affäre mit Spindles Assistentin Beth (Heather Graham), der er eine eigene Galerie finanzieren will, wenn sie ihm hilft, ein wertvolles Mondrian-Gemälde zu kaufen. Dieses seltene Stück befindet sich im Besitz des Ehepaares Rhinegold (Christopher Lee und Joanna Lumley), die sich zwar in Geldnot befinden, aber trotzdem weigert sich Mr. Rhinegold strikt, den Mondrian zu verkaufen. Auch Art Spindle will das Bild unbedingt haben, hat aber ebenfalls keinen Erfolg dabei.
Nachdem Beth in der Galerie gekündigt hat, wird die junge Paige (Amanda Seyfried) ihre Nachfolgerin und auch sofort von Bob angebaggert. Bobs Ehefrau Jean fängt derweil ein Verhältnis mit dem jungen Aktions-Künstler Jo (Jack Huston) an, der eigentlich mit Beth zusammen ist. Beth hat inzwischen eine erste Künstlerin für ihre neue Galerie gewinnen können, die lesbische Video-Künstlerin Elaine (Jaime Winstone). Die muss nur noch ihren leicht trotteligen und befreundeten Agenten Dewey (Alan Cumming) loswerden, weil den keiner mag.
Jean will sich von Bob scheiden lassen und gemeinsam mit ihren jeweiligen Anwälten beginnt ein zäher Kampf um das Vermögen, die Häuser, die Hunde und die Kunstwerke. Zum Schluss treffen sich alle bei Beth zur großen Eröffnung ihrer Galerie und es gibt noch einige Überraschungen an diesem Abend.
Der deutsche Untertitel dieses Films, der hierzulande direkt auf DVD erschienen ist, lautet "Sex, Lügen, Geld und Kunst" und bringt es damit genau auf den Punkt. Der Roman von Danny Moynihan bezog sich auf die verrückte Kunstszene im New York der Neunziger Jahre, der Film spielt aber im heutigen London, was die Sache aber insgesamt nicht besser oder schlechter macht.
Als künstlerischer Berater wird hier Damien Hirst aufgeführt, von dem man darauf schließen kann, dass er sich in der Szene auskennt. Nur leider funktioniert der Film überhaupt nicht, weil einem die handelnden Figuren herzlich egal sind und nur überdreht und unsympathisch erscheinen. Der Cast hört sich zwar interessant an, aber auch hier werden die Erwartungen nicht erfüllt. So taucht z. B. Charlotte Rampling in einer ganz kurzen Szene auf, die aber gar keinen Sinn macht. Gillian Anderson wirkt mit ihrer roten Mähne lediglich wie eine schlechte Kopie von Julianne Moore, mehr aber auch nicht. Die männlichen Darsteller kommen aber auch nicht viel besser weg. Für vernünftige Kostüme für Amanda Seyfried war dann wohl kein Geld mehr übrig, denn ihre Röckchen als kurz zu bezeichnen, wäre eine ziemliche Übertreibung. Da wurde wirklich an allen Enden (am Stoff) gespart.
Nein, das war nichts. Den kann man gerne verpassen, keine Empfehlung von mir für diesen Quark.
Art Spindle (Danny Huston) ist ein verschlagener, aber extrem erfolgreicher Londoner Kunsthändler. Zu seinen Stammkunden gehört das reiche Ehepaar Jean und Bob Maclestone (Gillian Anderson und Stellan Skarsgard). Ihr riesiges Haus ist vollgestopft mit Kunstwerken aller Art, solange sie nur teuer sind. Bobs meistgestellte Frage bei Besuchen in Spindles Galerie lautet also folgerichtig jedes Mal nur "Wie viel?".
Bob ist aber nicht nur auf der Jagd nach Kunst, sondern auch nach Frauen. So hat er eine Affäre mit Spindles Assistentin Beth (Heather Graham), der er eine eigene Galerie finanzieren will, wenn sie ihm hilft, ein wertvolles Mondrian-Gemälde zu kaufen. Dieses seltene Stück befindet sich im Besitz des Ehepaares Rhinegold (Christopher Lee und Joanna Lumley), die sich zwar in Geldnot befinden, aber trotzdem weigert sich Mr. Rhinegold strikt, den Mondrian zu verkaufen. Auch Art Spindle will das Bild unbedingt haben, hat aber ebenfalls keinen Erfolg dabei.
Nachdem Beth in der Galerie gekündigt hat, wird die junge Paige (Amanda Seyfried) ihre Nachfolgerin und auch sofort von Bob angebaggert. Bobs Ehefrau Jean fängt derweil ein Verhältnis mit dem jungen Aktions-Künstler Jo (Jack Huston) an, der eigentlich mit Beth zusammen ist. Beth hat inzwischen eine erste Künstlerin für ihre neue Galerie gewinnen können, die lesbische Video-Künstlerin Elaine (Jaime Winstone). Die muss nur noch ihren leicht trotteligen und befreundeten Agenten Dewey (Alan Cumming) loswerden, weil den keiner mag.
Jean will sich von Bob scheiden lassen und gemeinsam mit ihren jeweiligen Anwälten beginnt ein zäher Kampf um das Vermögen, die Häuser, die Hunde und die Kunstwerke. Zum Schluss treffen sich alle bei Beth zur großen Eröffnung ihrer Galerie und es gibt noch einige Überraschungen an diesem Abend.
Der deutsche Untertitel dieses Films, der hierzulande direkt auf DVD erschienen ist, lautet "Sex, Lügen, Geld und Kunst" und bringt es damit genau auf den Punkt. Der Roman von Danny Moynihan bezog sich auf die verrückte Kunstszene im New York der Neunziger Jahre, der Film spielt aber im heutigen London, was die Sache aber insgesamt nicht besser oder schlechter macht.
Als künstlerischer Berater wird hier Damien Hirst aufgeführt, von dem man darauf schließen kann, dass er sich in der Szene auskennt. Nur leider funktioniert der Film überhaupt nicht, weil einem die handelnden Figuren herzlich egal sind und nur überdreht und unsympathisch erscheinen. Der Cast hört sich zwar interessant an, aber auch hier werden die Erwartungen nicht erfüllt. So taucht z. B. Charlotte Rampling in einer ganz kurzen Szene auf, die aber gar keinen Sinn macht. Gillian Anderson wirkt mit ihrer roten Mähne lediglich wie eine schlechte Kopie von Julianne Moore, mehr aber auch nicht. Die männlichen Darsteller kommen aber auch nicht viel besser weg. Für vernünftige Kostüme für Amanda Seyfried war dann wohl kein Geld mehr übrig, denn ihre Röckchen als kurz zu bezeichnen, wäre eine ziemliche Übertreibung. Da wurde wirklich an allen Enden (am Stoff) gespart.
Nein, das war nichts. Den kann man gerne verpassen, keine Empfehlung von mir für diesen Quark.
Sonntag, 17. Oktober 2010
Angel
"Angel" ist ein Film von Francois Ozon (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2007 und basiert auf dem Roman der britischen Schriftstellerin Elizabeth Taylor.
Die junge Angel Deverell (Romola Garai) wächst in eher ärmlichen Verhältnissen auf, aber sie hat den großen Traum, einmal eine erfolgreiche und berühmte Schriftstellerin zu werden. Tatsächlich hat das junge Mädchen eine überbordende Fantasie und die Fähigkeit, kitschige Geschichten zu schreiben. Auch wenn sie selbst kaum Lebenserfahrung hat, die Geschichten entspringen alle ihrer Fantasie. Angel brennt innerlich, sie lebt für ihre Träume und sie lebt in ihren Träumen, auch wenn ihr das den Blick für die Wirklichkeit versperrt, sie bemerkt es nicht, denn für sie ist die Welt so, wie sie es sich erträumt. Sie ist trotzig und eigenwillig, aber ebenso zielstrebig.
Als sie einen Roman geschrieben hat, findet sich in London sogar ein Verleger, der diesen veröffentlichen will. Theo (Sam Neill) glaubt an Angel, auch wenn seine Frau Hermione (Charlotte Rampling) der jungen Frau skeptisch gegenüber steht.
Angel hat Erfolg mit ihren Büchern, das Publikum lechzt nach ihren Geschichten und sie wird tatsächlich reich und berühmt. Sie kauft sich ein großes Anwesen, "Paradise", das sie schon in ihrer Kindheit immer bewohnen wollte. In ihren Romanen entwirft sie Traumwelten mit großen Gefühlen, wunderschönen Heldinnen und der alles erfüllenden Liebe. Ihre eigene große Liebe wird der erfolglose und undurchschaubare Maler Esmé (Michael Fassbender), dessen Schwester Nora (Lucy Russell) Angel in treuer Verehrung zur Seite steht. Esmés Gemälde sind eher düster und ohne grelle Farben, ganz im Gegensatz zu Angels Welt, in der alles schön, bunt und prachtvoll ist. Die beiden heiraten, obwohl sie doch so verschieden sind und man als Zuschauer schon ahnt, das geht nicht gut.
Nach einer kurzen Zeit des Glücks bricht der erste Weltkrieg aus und alles ändert sich. Esmé meldet sich freiwillig und Angel macht ihm deswegen eine große Szene. In ihrer Gegenwart darf der Krieg nicht erwähnt werden, sie weigert sich einfach, den Traum von ihrem bisherigen Leben aufzugeben. Sogar die Leser laufen ihr weg, ihr Stil ist nicht mehr gefragt. Schließlich kommt Esmé als Invalide und gebrochener Mann wieder zurück nach "Paradise", aber das Leben hat sich für alle geändert. Der Traum ist vorbei, die Farben sind verblasst.
"Angel" wurde von den Kritikern und vom Publikum größtenteils abgelehnt, viele Zuschauer konnten nur wenig damit anfangen. Bei genauerer Betrachtung erkennt man hier jedoch die Verehrung von Francois Ozon für die Werke von Douglas Sirk und Rainer Werner Fassbinder und ihre gemeinsame Vorliebe für das Melodram. Ozon bedient sich hier sämtlicher Hilfsmittel, um das am Leben zu halten. Die Kutschfahrten durch London vor einer gemalten Kulisse, die ergreifende Musik im Hintergrund, die prachtvolle Ausstattung, die wunderbaren Kostüme, den Regenbogen beim Heiratsantrag, er lässt nichts aus und alles passt genau.
Die Darsteller sind genial ausgewählt. Die für ihre Rolle zu Unrecht gescholtene Romola Garai spielt grandios. Ob als junges Mädchen mit großen Träumen oder dann am Ende als verwirrte Frau, die nur noch einsam und verlassen mit ihren Tieren zu Hause ist und langsam den Verstand verliert, sie ist hervorragend. Ebenso Michael Fassbender, ein Name den man sich merken muss, er verkörpert seine Rolle so, dass man ihn gleichzeitig lieben und hassen kann.
Charlotte Rampling und Sam Neill sind wie üblich großartig, wobei ich besonders auf das erste Zusammentreffen von Angel und Hermione aufmerksam machen möchte, das ist köstlich.
Insgesamt gesehen ein Film, den man sich durchaus in Ruhe anschauen sollte, denn er bietet viel mehr, als allgemein gesagt wird. Von mir gibt es eine ganz große Empfehlung.
Die junge Angel Deverell (Romola Garai) wächst in eher ärmlichen Verhältnissen auf, aber sie hat den großen Traum, einmal eine erfolgreiche und berühmte Schriftstellerin zu werden. Tatsächlich hat das junge Mädchen eine überbordende Fantasie und die Fähigkeit, kitschige Geschichten zu schreiben. Auch wenn sie selbst kaum Lebenserfahrung hat, die Geschichten entspringen alle ihrer Fantasie. Angel brennt innerlich, sie lebt für ihre Träume und sie lebt in ihren Träumen, auch wenn ihr das den Blick für die Wirklichkeit versperrt, sie bemerkt es nicht, denn für sie ist die Welt so, wie sie es sich erträumt. Sie ist trotzig und eigenwillig, aber ebenso zielstrebig.
Als sie einen Roman geschrieben hat, findet sich in London sogar ein Verleger, der diesen veröffentlichen will. Theo (Sam Neill) glaubt an Angel, auch wenn seine Frau Hermione (Charlotte Rampling) der jungen Frau skeptisch gegenüber steht.
Angel hat Erfolg mit ihren Büchern, das Publikum lechzt nach ihren Geschichten und sie wird tatsächlich reich und berühmt. Sie kauft sich ein großes Anwesen, "Paradise", das sie schon in ihrer Kindheit immer bewohnen wollte. In ihren Romanen entwirft sie Traumwelten mit großen Gefühlen, wunderschönen Heldinnen und der alles erfüllenden Liebe. Ihre eigene große Liebe wird der erfolglose und undurchschaubare Maler Esmé (Michael Fassbender), dessen Schwester Nora (Lucy Russell) Angel in treuer Verehrung zur Seite steht. Esmés Gemälde sind eher düster und ohne grelle Farben, ganz im Gegensatz zu Angels Welt, in der alles schön, bunt und prachtvoll ist. Die beiden heiraten, obwohl sie doch so verschieden sind und man als Zuschauer schon ahnt, das geht nicht gut.
Nach einer kurzen Zeit des Glücks bricht der erste Weltkrieg aus und alles ändert sich. Esmé meldet sich freiwillig und Angel macht ihm deswegen eine große Szene. In ihrer Gegenwart darf der Krieg nicht erwähnt werden, sie weigert sich einfach, den Traum von ihrem bisherigen Leben aufzugeben. Sogar die Leser laufen ihr weg, ihr Stil ist nicht mehr gefragt. Schließlich kommt Esmé als Invalide und gebrochener Mann wieder zurück nach "Paradise", aber das Leben hat sich für alle geändert. Der Traum ist vorbei, die Farben sind verblasst.
"Angel" wurde von den Kritikern und vom Publikum größtenteils abgelehnt, viele Zuschauer konnten nur wenig damit anfangen. Bei genauerer Betrachtung erkennt man hier jedoch die Verehrung von Francois Ozon für die Werke von Douglas Sirk und Rainer Werner Fassbinder und ihre gemeinsame Vorliebe für das Melodram. Ozon bedient sich hier sämtlicher Hilfsmittel, um das am Leben zu halten. Die Kutschfahrten durch London vor einer gemalten Kulisse, die ergreifende Musik im Hintergrund, die prachtvolle Ausstattung, die wunderbaren Kostüme, den Regenbogen beim Heiratsantrag, er lässt nichts aus und alles passt genau.
Die Darsteller sind genial ausgewählt. Die für ihre Rolle zu Unrecht gescholtene Romola Garai spielt grandios. Ob als junges Mädchen mit großen Träumen oder dann am Ende als verwirrte Frau, die nur noch einsam und verlassen mit ihren Tieren zu Hause ist und langsam den Verstand verliert, sie ist hervorragend. Ebenso Michael Fassbender, ein Name den man sich merken muss, er verkörpert seine Rolle so, dass man ihn gleichzeitig lieben und hassen kann.
Charlotte Rampling und Sam Neill sind wie üblich großartig, wobei ich besonders auf das erste Zusammentreffen von Angel und Hermione aufmerksam machen möchte, das ist köstlich.
Insgesamt gesehen ein Film, den man sich durchaus in Ruhe anschauen sollte, denn er bietet viel mehr, als allgemein gesagt wird. Von mir gibt es eine ganz große Empfehlung.
Sonntag, 15. August 2010
Der vierte Engel
"The Fourth Angel" ist ein Film des britischen Regisseurs John Irvin aus dem Jahr 2001.
Wenn man an so einen weitgehend unbekannten Film gerät, noch dazu mit so einer Top-Besetzung, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ist das eine kleine Filmperle, die unbedingt ans Licht der Öffentlichkeit gehört oder es ist eine totale Gurke. In diesem Fall handelt es sich aber tatsächlich um einen recht guten Thriller, der zwar einige fragwürdige Aussagen hat, aber trotzdem spannend ist und gut unterhält.
Der Journalist Jack Elgin (Jeremy Irons) ist mit seiner Familie auf dem Flug nach Indien, um an einer Story zu arbeiten. Das Flugzeug muss wegen angeblicher technischer Mängel in Zypern landen, wo es von Terroristen gekapert wird. Das geforderte Lösegeld wird zwar gezahlt, allerdings gerät bei einem fehlgeschlagenen Befreiungsversuch die Situation ausser Kontrolle. Es gibt ein furchtbares Gemetzel auf dem Flugfeld und jede Menge Tote, unter anderem Jack Elgins Frau und seine zwei Töchter. Jack und sein kleiner Sohn überleben und kehren nach London zurück. Bald darauf muss Jack erfahren, dass die Attentäter wieder freigelassen wurden. Er beginnt auf eigene Faust zu recherchieren, nachdem ihm offizielle Stellen nicht weiterhelfen wollen. Spätestens hier beginnt der Film etwas unglaubwürdig zu werden. Jack gerät zwischen die einzelnen Geheimdienste, die alle nicht mit offenen Karten spielen. Er bekommt einen Hinweis auf eine verlassene Lagerhalle, in der er auf ein paar der Attentäter trifft. Die Wandlung zum eiskalten und abgebrühten Racheengel, der sich mal eben aus einigen herumliegenden Gegenständen eine Waffe bastelt, vollzieht sich ziemlich schnell. Zugegeben, Jeremy Irons macht wie immer eine sehr gute Figur, doch sein plötzliches Handeln, als hätte er nie etwas anderes getan als Terroristen zu jagen, ist ein wenig befremdlich. Er tötet die Männer, beseitigt Beweise und besorgt sich Alibis, ganz wie ein Profi.
Zwischendurch gibt es einen Sprung nach Paris, was man sofort daran erkennt, dass die verdächtige Person ein Baguette mit sich herumträgt, naja.
Die Besetzung ist schon ziemlich gut, neben Jeremy Irons sehen wir unter anderem noch Forest Whitaker und Charlotte Rampling. Insgesamt ist das ein gut gemachter politischer Thriller, der recht spannend inszeniert ist und mit passender Musik unterlegt ist. Ich finde ihn durchaus empfehlenswert, auch wenn die Handlung (Thema Selbstjustiz) teilweise etwas fragwürdig ist.
Wenn man an so einen weitgehend unbekannten Film gerät, noch dazu mit so einer Top-Besetzung, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ist das eine kleine Filmperle, die unbedingt ans Licht der Öffentlichkeit gehört oder es ist eine totale Gurke. In diesem Fall handelt es sich aber tatsächlich um einen recht guten Thriller, der zwar einige fragwürdige Aussagen hat, aber trotzdem spannend ist und gut unterhält.
Der Journalist Jack Elgin (Jeremy Irons) ist mit seiner Familie auf dem Flug nach Indien, um an einer Story zu arbeiten. Das Flugzeug muss wegen angeblicher technischer Mängel in Zypern landen, wo es von Terroristen gekapert wird. Das geforderte Lösegeld wird zwar gezahlt, allerdings gerät bei einem fehlgeschlagenen Befreiungsversuch die Situation ausser Kontrolle. Es gibt ein furchtbares Gemetzel auf dem Flugfeld und jede Menge Tote, unter anderem Jack Elgins Frau und seine zwei Töchter. Jack und sein kleiner Sohn überleben und kehren nach London zurück. Bald darauf muss Jack erfahren, dass die Attentäter wieder freigelassen wurden. Er beginnt auf eigene Faust zu recherchieren, nachdem ihm offizielle Stellen nicht weiterhelfen wollen. Spätestens hier beginnt der Film etwas unglaubwürdig zu werden. Jack gerät zwischen die einzelnen Geheimdienste, die alle nicht mit offenen Karten spielen. Er bekommt einen Hinweis auf eine verlassene Lagerhalle, in der er auf ein paar der Attentäter trifft. Die Wandlung zum eiskalten und abgebrühten Racheengel, der sich mal eben aus einigen herumliegenden Gegenständen eine Waffe bastelt, vollzieht sich ziemlich schnell. Zugegeben, Jeremy Irons macht wie immer eine sehr gute Figur, doch sein plötzliches Handeln, als hätte er nie etwas anderes getan als Terroristen zu jagen, ist ein wenig befremdlich. Er tötet die Männer, beseitigt Beweise und besorgt sich Alibis, ganz wie ein Profi.
Zwischendurch gibt es einen Sprung nach Paris, was man sofort daran erkennt, dass die verdächtige Person ein Baguette mit sich herumträgt, naja.
Die Besetzung ist schon ziemlich gut, neben Jeremy Irons sehen wir unter anderem noch Forest Whitaker und Charlotte Rampling. Insgesamt ist das ein gut gemachter politischer Thriller, der recht spannend inszeniert ist und mit passender Musik unterlegt ist. Ich finde ihn durchaus empfehlenswert, auch wenn die Handlung (Thema Selbstjustiz) teilweise etwas fragwürdig ist.
Swimming Pool
"Swimming Pool" ist ein Film von Francois Ozon (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2003.
Es geht um die englische Schriftstellerin Sarah Morton (Charlotte Rampling), Verfasserin einer erfolgreichen Krimireihe, von der sie allerdings inzwischen selbst gelangweilt ist, die gerade an einer Schreibblockade leidet und deswegen von ihrem Londoner Verleger John eingeladen wird, in seinem Ferienhaus in Südfrankreich einige Zeit zu verbringen, um in Ruhe arbeiten zu können. Sarah, die mit ihrem alten Vater zusammen wohnt, nimmt das Angebot an und richtet sich in der Villa häuslich ein. Mit der Ruhe ist es allerdings schnell vorbei, denn plötzlich taucht eine junge Frau auf, die behauptet Johns Tochter zu sein und sich ebenfalls im Haus niederlässt. Sarah ist empört, denn Julie (Ludivine Sagnier) ist lebenslustig, laut, unordentlich und schleppt jede Nacht einen anderen Kerl mit in die Villa. Ihr freizügiger Umgang mit ihrem Körper und ihrer Sexualität sind für Sarah wie ein Schlag ins Gesicht. Sarah beginnt schließlich, Julie zu beobachten, sie liest heimlich ihr Tagebuch und sie fängt einen neuen Roman an, der von Julie handelt. Es scheint, als wäre die junge Frau für sie eine Quelle der Inspiration. Und tatsächlich setzt der Aufenthalt in Frankreich in Sarah eine ungeahnte Kreativität frei. Zurück in London lehnt John Sarahs neuen Roman ab, er passe nicht zu ihr, aber Sarah hat ihn bereits bei einem anderen Verlag herausgebracht. Sie hat zu sich selbst gefunden.
Der Film spielt mit der eigenen Wahrnehmung, man sollte nicht alles glauben, was man sieht. Es passiert ein Mord oder doch nicht? Irgendwann kommt der Punkt, an dem man nicht mehr unterscheiden kann, was tatsächlich passiert oder was Fantasie bzw. Romanhandlung ist. Es geht alles ineinander über und lässt sich nicht mehr erklären, das ist aber auch überhaupt nicht nötig. Die Geschichte funktioniert genau so wie sie ist bestens.
Der Film konzentriert sich voll auf seine Hauptdarstellerinnen Charlotte Rampling und Ludivine Sagnier, die beide zuvor schon in Ozon-Filmen glänzen konnten. Charlotte Rampling in dem wunderbaren "Unter dem Sand" aus dem Jahr 2000 und Ludivine Sagnier in "Tropfen auf heiße Steine" (sehr empfohlen) ebenfalls aus dem Jahr 2000 und "8 Frauen" aus dem Jahr 2002. Die übrigen Darsteller sind hier mehr oder weniger zu Statisten degradiert.
Das ist ein überaus sehenswerter kleiner Film, der sehr ruhig ist, mit wenigen Dialogen auskommt und trotzdem zu fesseln vermag. Sicherlich nichts für jeden Geschmack, aber absolut empfehlenswert.
Es geht um die englische Schriftstellerin Sarah Morton (Charlotte Rampling), Verfasserin einer erfolgreichen Krimireihe, von der sie allerdings inzwischen selbst gelangweilt ist, die gerade an einer Schreibblockade leidet und deswegen von ihrem Londoner Verleger John eingeladen wird, in seinem Ferienhaus in Südfrankreich einige Zeit zu verbringen, um in Ruhe arbeiten zu können. Sarah, die mit ihrem alten Vater zusammen wohnt, nimmt das Angebot an und richtet sich in der Villa häuslich ein. Mit der Ruhe ist es allerdings schnell vorbei, denn plötzlich taucht eine junge Frau auf, die behauptet Johns Tochter zu sein und sich ebenfalls im Haus niederlässt. Sarah ist empört, denn Julie (Ludivine Sagnier) ist lebenslustig, laut, unordentlich und schleppt jede Nacht einen anderen Kerl mit in die Villa. Ihr freizügiger Umgang mit ihrem Körper und ihrer Sexualität sind für Sarah wie ein Schlag ins Gesicht. Sarah beginnt schließlich, Julie zu beobachten, sie liest heimlich ihr Tagebuch und sie fängt einen neuen Roman an, der von Julie handelt. Es scheint, als wäre die junge Frau für sie eine Quelle der Inspiration. Und tatsächlich setzt der Aufenthalt in Frankreich in Sarah eine ungeahnte Kreativität frei. Zurück in London lehnt John Sarahs neuen Roman ab, er passe nicht zu ihr, aber Sarah hat ihn bereits bei einem anderen Verlag herausgebracht. Sie hat zu sich selbst gefunden.
Der Film spielt mit der eigenen Wahrnehmung, man sollte nicht alles glauben, was man sieht. Es passiert ein Mord oder doch nicht? Irgendwann kommt der Punkt, an dem man nicht mehr unterscheiden kann, was tatsächlich passiert oder was Fantasie bzw. Romanhandlung ist. Es geht alles ineinander über und lässt sich nicht mehr erklären, das ist aber auch überhaupt nicht nötig. Die Geschichte funktioniert genau so wie sie ist bestens.
Der Film konzentriert sich voll auf seine Hauptdarstellerinnen Charlotte Rampling und Ludivine Sagnier, die beide zuvor schon in Ozon-Filmen glänzen konnten. Charlotte Rampling in dem wunderbaren "Unter dem Sand" aus dem Jahr 2000 und Ludivine Sagnier in "Tropfen auf heiße Steine" (sehr empfohlen) ebenfalls aus dem Jahr 2000 und "8 Frauen" aus dem Jahr 2002. Die übrigen Darsteller sind hier mehr oder weniger zu Statisten degradiert.
Das ist ein überaus sehenswerter kleiner Film, der sehr ruhig ist, mit wenigen Dialogen auskommt und trotzdem zu fesseln vermag. Sicherlich nichts für jeden Geschmack, aber absolut empfehlenswert.
Unter dem Sand
"Sous le Sable" - "Unter dem Sand" ist ein Film von Francois Ozon aus dem Jahr 2000 und der erste Teil einer Trilogie der Trauer.
Das Ehepaar Marie und Jean (Charlotte Rampling und Bruno Cremer) fährt in die Ferien in ihr Haus an der französischen Atlantikküste. Die beiden sind seit über fünfundzwanzig Jahren verheiratet, gehen liebevoll miteinander um, der Alltag vollzieht sich jedoch meist wortlos. Während Marie am Strand einschläft, geht Jean schwimmen. Als Marie erwacht, ist und bleibt Jean verschwunden. Schnell eingeleitete Suchmaßnahmen bleiben erfolglos. Marie kehrt schließlich nach Paris zurück und taucht wieder in ihren gewohnten Alltag ein. Monate später lebt Marie weiterhin so, als wäre Jean noch da wie immer. Sie redet mit ihm, deckt den Tisch für zwei und bei Treffen mit ihren Freunden spricht sie über Jean, als ob er zu Hause auf sie warten würde und immer noch allgegenwärtig wäre. Als mit Vincent ein neuer Mann in ihr Leben tritt, mit dem sie eine Affäre beginnt, gesteht sie diesem, ihren Mann das erste Mal überhaupt zu betrügen.
Das ist ein sehr stiller Film voller Melancholie, über eine Frau die sich mit dem Verlust des geliebten Mannes nicht auseinandersetzen kann. Sie leugnet seine Abwesenheit und verdrängt alle Gedanken daran. Für sie geht das Leben zu zweit ganz normal weiter. Am Ende des Films sitzt sie wieder an dem Strand, an dem Jean verschwand und bricht erstmals in Tränen aus. Fast scheint es, als hätte sie sich inzwischen mit Jeans Tod abgefunden, als sie am Horizont einen Mann erblickt, den sie für Jean hält und auf den sie glücklich zuläuft...
Charlotte Rampling wird hier von Ozon so fantastisch in Szene gesetzt und bekam so viel Lob für ihre Darstellung, nicht umsonst wollten daraufhin sämtliche französischen Schauspielerinnen mit Ozon arbeiten. Das Ergebnis daraus ist in "8 Frauen" zu bewundern. "Unter dem Sand" ist eine einzige Liebeserklärung an Charlotte Rampling, die hier eine wunderbare Vorstellung abliefert. Sie kann in einem Moment elend und verhärmt aussehen und im nächsten Moment strahlend schön. Dabei zeigt sie auch keine Scheu vor Nacktaufnahmen, wozu auch bei so einem Körper. Sie strahlt von innen und macht diesen Film zu einem sehr außergewöhnlichen Erlebnis. Ich kann die Filme von Francois Ozon immer wieder nur sehr empfehlen. Wer abseits des Mainstreams auf der Suche nach wunderbaren Filmen ist, der ist hier goldrichtig.
Das Ehepaar Marie und Jean (Charlotte Rampling und Bruno Cremer) fährt in die Ferien in ihr Haus an der französischen Atlantikküste. Die beiden sind seit über fünfundzwanzig Jahren verheiratet, gehen liebevoll miteinander um, der Alltag vollzieht sich jedoch meist wortlos. Während Marie am Strand einschläft, geht Jean schwimmen. Als Marie erwacht, ist und bleibt Jean verschwunden. Schnell eingeleitete Suchmaßnahmen bleiben erfolglos. Marie kehrt schließlich nach Paris zurück und taucht wieder in ihren gewohnten Alltag ein. Monate später lebt Marie weiterhin so, als wäre Jean noch da wie immer. Sie redet mit ihm, deckt den Tisch für zwei und bei Treffen mit ihren Freunden spricht sie über Jean, als ob er zu Hause auf sie warten würde und immer noch allgegenwärtig wäre. Als mit Vincent ein neuer Mann in ihr Leben tritt, mit dem sie eine Affäre beginnt, gesteht sie diesem, ihren Mann das erste Mal überhaupt zu betrügen.
Das ist ein sehr stiller Film voller Melancholie, über eine Frau die sich mit dem Verlust des geliebten Mannes nicht auseinandersetzen kann. Sie leugnet seine Abwesenheit und verdrängt alle Gedanken daran. Für sie geht das Leben zu zweit ganz normal weiter. Am Ende des Films sitzt sie wieder an dem Strand, an dem Jean verschwand und bricht erstmals in Tränen aus. Fast scheint es, als hätte sie sich inzwischen mit Jeans Tod abgefunden, als sie am Horizont einen Mann erblickt, den sie für Jean hält und auf den sie glücklich zuläuft...
Charlotte Rampling wird hier von Ozon so fantastisch in Szene gesetzt und bekam so viel Lob für ihre Darstellung, nicht umsonst wollten daraufhin sämtliche französischen Schauspielerinnen mit Ozon arbeiten. Das Ergebnis daraus ist in "8 Frauen" zu bewundern. "Unter dem Sand" ist eine einzige Liebeserklärung an Charlotte Rampling, die hier eine wunderbare Vorstellung abliefert. Sie kann in einem Moment elend und verhärmt aussehen und im nächsten Moment strahlend schön. Dabei zeigt sie auch keine Scheu vor Nacktaufnahmen, wozu auch bei so einem Körper. Sie strahlt von innen und macht diesen Film zu einem sehr außergewöhnlichen Erlebnis. Ich kann die Filme von Francois Ozon immer wieder nur sehr empfehlen. Wer abseits des Mainstreams auf der Suche nach wunderbaren Filmen ist, der ist hier goldrichtig.
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