"Cutter's Way" ist ein Film von Ivan Passer aus dem Jahr 1981. Das Drehbuch stammt von Jeffrey Alan Fiskin und beruht auf dem Roman "Cutter and Bone" von Newton Thornburg.
Ein paar Worte vorweg: "Cutter's Way" ist ein ganz besonderer Film, den ich vor einigen Monaten das erste Mal gesehen habe und der mich seitdem nicht mehr losgelassen hat. Wenn man sich ein wenig in die Geschichte hinter dem Film einliest, dann kann man erfahren, dass ihm leider kein Erfolg beschieden war. Der Film hat seine Zeit und sein Publikum verfehlt, ist weitgehend unbekannt, wird aber unter Film-Fans als Geheimtipp gehandelt und das völlig zu Recht.
Die Handlung spielt in Santa Barbara. Hier lebt der attraktive, aber mittellose Richard Bone (Jeff Bridges), ein junger Mann um die Dreißig, in den Tag hinein. Tagsüber arbeitet er im Yachthafen, soll potenzielle Kunden für Segelboote interessieren, während er nachts als Gigolo reiche und gelangweilte Frauen trifft. Sein bester Freund ist Alex Cutter (John Heard), ein verbitterter und zynischer Vietnam-Veteran, der im Krieg ein Auge, einen Arm und ein Bein verloren hat. Cutter trinkt zuviel, ebenso wie seine Frau Maureen (Lisa Eichhorn), für die das Leben an der Seite ihres Mannes längst zur Qual geworden ist, der sie nichts mehr entgegenzusetzen hat. Richard, Alex und Maureen wohnen zusammen in einem Haus und Maureen ist beiden Männern in Liebe verbunden, was ihre Situation nicht einfacher macht. Nie würde sie ihren Mann verlassen und auch Richard könnte sich niemals aufraffen, seinem Freund die Frau auszuspannen. Sie alle sind einander ausgeliefert, bilden aber eine verschworene Gemeinschaft, die trotzdem irgendwie funktioniert.
Eines Nachts bleibt Richard mit seinem klapprigen Wagen in einer Seitenstraße liegen. Er bemerkt hinter sich ein anderes Fahrzeug und einen Mann mit Sonnenbrille, der etwas in einem Müllcontainer ablädt. Am nächsten Morgen wird dort die Leiche einer jungen Frau gefunden und Richard wird verhaftet, weil sein Auto immer noch dort steht. Er wird stundenlang verhört und schließlich freigelassen, gilt aber als wichtiger Zeuge.
In Santa Barbara wird gefeiert und es finden Paraden statt, die Richard zusammen mit Alex und Maureen besucht. Als der reiche Öl-Unternehmer J.J. Cord (Stephen Elliott) an Richard vorbeireitet, glaubt dieser, in ihm den verdächtigen Mann aus der letzten Nacht wiederzuerkennen. Das ruft seinen Freund Alex auf den Plan, der von nun an alles daran setzt, dem vermeintlich Schuldigen den Mord nachzuweisen. Wie besessen macht sich Alex an die Arbeit, Cord als Mörder der jungen Frau zu überführen. Der verbitterte Alex sucht ein Ventil, endlich jemanden büßen zu lassen, einen der reichen und erfolgreichen Männer, die sich selbst nie die Hände schmutzig machen und immer davon kommen, weil sie mit ihrem Vermögen unantastbar sind. Er will sich rächen, für all das was man ihm angetan hat. Zusammen mit Valerie Duran (Ann Dusenberry), der Schwester der ermordeten Frau, geht er auf einen Rachefeldzug, der alle ins Verderben stürzen wird.
An dieser Stelle eine kleine Warnung, wer auf leichte Unterhaltung steht, der sollte von diesem Film Abstand nehmen. Hier wird es einem nicht leicht gemacht, die Handlung ist sperrig und die Charaktere sind es auch. Wer sich aber darauf einlassen kann, der wird mit einem wunderbaren Film belohnt, der sich zwar nie so richtig greifen lässt, aber definitiv unter die Haut geht. Das liegt natürlich in erster Linie an der fantastischen Besetzung mit Jeff Bridges, der hier übrigens umwerfend gut aussieht, dem damals noch nahezu unbekannten John Heard, der seine Rolle großartig spielt und der fabelhaften Lisa Eichhorn. Dieses Trio trägt den ganzen Film und begeistert einfach und allein durch glaubhaftes Schauspiel. So müssen gute Filme sein und nicht anders.
Es ist eine Schande, dass dieses Juwel so unbekannt ist. Anfang der Achtziger Jahre war das Bombast-Kino angesagt (ist das heute anders?) und dieser Film hatte keine Chance. Die Zeit des "New Hollywood" war vorbei, genau da möchte ich ihn aber einordnen. Ein toller Film, der jeden Zuschauer verdient hat, eben ein Meisterwerk, wenn auch ein verkanntes.
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Sonntag, 20. April 2014
Montag, 14. Oktober 2013
Targets
"Targets" ist ein Film von Peter Bogdanovich aus dem Jahr 1968. Das Drehbuch schrieb Bogdanovich zusammen mit seiner Frau Polly Platt. Samuel Fuller beteiligte sich mit einigen Verbesserungsvorschlägen am Script, wollte aber nicht namentlich erwähnt werden. Kameramann war hier László Kovacs.
Peter Bogdanovich verdankte die Möglichkeit seines Spielfilmdebüts dem bekannten Roger Corman, für den er zuvor einige Zeit gearbeitet hatte. Corman war der Geldgeber, stellte das Material zur Verfügung und ermöglichte außerdem zwei Tage Drehzeit mit Boris Karloff, der noch bei ihm unter Vertrag stand. Bogdanovich und seine Frau arbeiteten am Drehbuch, das dann wie schon beschrieben noch durch Samuel Fuller überarbeitet wurde. Als kleinen Dank an Fuller hat Bogdanovich die von ihm selbst gespielte Rolle des Regisseurs im Film "Sammy Michaels" genannt.
Die Story von "Targets" hat zwei Handlungsstränge, die aber auf schicksalhafte Weise miteinander verbunden sind. Da wäre zuerst die Geschichte von Byron Orlok (Boris Karloff), einem alternden und bewährten Horrordarsteller, der sich ins Privatleben zurückziehen will, weil er sich selbst für antiquiert hält und an der Filmerei keinen Spaß mehr hat. Seine Assistentin Jenny (Nancy Hsueh), die ein Verhältnis mit dem jungen Regisseur Sammy Michaels (Peter Bogdanovich) hat, nimmt seine Entscheidung resigniert zur Kenntnis, weil sie ihn gut genug kennt. Sammy will Byron noch zu einem letzten Film überreden, für den er schon das Drehbuch geschrieben hat, aber er scheitert an Byrons Starrsinn. Nur einen einzigen PR-Termin will Orlok noch wahrnehmen, die Premiere seines letzten Filmes in einem neuen Autokino am nächsten Tag.
Die andere Geschichte erzählt von Bobby Thompson (Tim O'Kelly), einem unauffälligen jungen Mann, quasi der nette Junge von nebenan, der von seinem Vater zu einem wahren Waffennarren herangezüchtet wurde. Bobby lebt mit seiner jungen Frau noch bei seinen Eltern in einem fast schon klinisch anmutendem Haus, in dem jede Form von Liebe oder Gemütlichkeit fehl am Platz ist. Zusammen sitzt man am Abend vor dem Fernseher, Gespräche finden nicht statt, höchstens nur äußerst oberflächlich. Hier wird nur funktioniert, aber nicht gelebt. Bobby versucht vergeblich, mit seiner Frau über seine Gedanken zu reden, die aber hört ihm nicht zu.
Am Tag hat Bobby sich ein neues Gewehr gekauft und als er im Geschäft durch das Zielfernrohr gesehen hat, konnte er auf der anderen Straßenseite Byron Orlok ausmachen. Am nächsten Tag werden sie sich wieder begegnen, auch wenn das noch keiner von ihnen weiß. Bobby legt das neue Gewehr in seinen Kofferraum, der ein wahres Waffenarsenal aufweist. Als Zuschauer hält man hier bereits den Atem an, denn die Vorzeichen deuten schon auf eine Tragödie hin.
Am nächsten Tag, es ist bereits gegen zwölf Uhr, erschießt Bobby erst seine Frau, dann seine Mutter und schließlich noch den jungen Lebensmittellieferanten, der leider zur falschen Zeit am falschen Ort war. Danach fährt er zur Autobahn, legt sich mit seinen Waffen und der zusätzlichen Munition, die er ebenfalls noch gekauft hat, auf einem hohen Gastank auf die Lauer. Nachdem er einen Snack zu sich genommen hat, fängt er an wahllos auf die Insassen der vorbeifahrenden Autos zu schießen. Erst als die Polizei sich nähert, flüchtet er und versucht, im normalen Verkehr unterzutauchen. Dabei landet er in dem neuen Autokino, in dem schon kurz darauf der Film mit Byron Orlok gezeigt werden soll.
Doch Bobbys Amoklauf ist noch nicht vorbei, er verschanzt sich mit Waffen und Munition hinter der Leinwand und feuert weiter auf ahnungslose Opfer, während das Publikum sich den Film anschaut und erst langsam begreift, was hier vor sich geht. Zum Schluss kommt es zur finalen Begegnung zwischen Bobby und Byron Orlok, die sehr bizarr enden wird.
Orlok hatte die Zeichen der Zeit richtig erkannt, sein altmodischer Horror war vorüber, der moderne Horror war längst Realität geworden und konnte einen jederzeit treffen. Mit seinem Film hat Peter Bogdanovich somit bereits 1968 einen Nerv getroffen, der auch heute noch erschreckend aktuell ist. Inspiriert wurde Bogdanovich durch den tatsächlichen Amoklauf des jungen Charles Whitman, der 1966 in Texas stattfand. "Targets" erhielt sehr gute Kritiken, aber niemand wollte ihn zeigen oder auch nur sehen. Nach den Morden an Martin Luther King und Robert F. Kennedy hatte der Film es schwer, ein Publikum zu finden, aber aus heutiger Sicht ist er eindeutig ein Meisterwerk und hat die Karriere von Peter Bogdanovich begründet.
Was soll ich noch sagen? Dieser Film muss unbedingt angeschaut werden, weil er ganz tief unter die Haut geht und in seiner unaufgeregten Art einfach sprachlos macht. So muss ein wirklich guter Film sein, aufrüttelnd und bewegend. Besser geht es nicht. Ganz große Empfehlung.
Peter Bogdanovich verdankte die Möglichkeit seines Spielfilmdebüts dem bekannten Roger Corman, für den er zuvor einige Zeit gearbeitet hatte. Corman war der Geldgeber, stellte das Material zur Verfügung und ermöglichte außerdem zwei Tage Drehzeit mit Boris Karloff, der noch bei ihm unter Vertrag stand. Bogdanovich und seine Frau arbeiteten am Drehbuch, das dann wie schon beschrieben noch durch Samuel Fuller überarbeitet wurde. Als kleinen Dank an Fuller hat Bogdanovich die von ihm selbst gespielte Rolle des Regisseurs im Film "Sammy Michaels" genannt.
Die Story von "Targets" hat zwei Handlungsstränge, die aber auf schicksalhafte Weise miteinander verbunden sind. Da wäre zuerst die Geschichte von Byron Orlok (Boris Karloff), einem alternden und bewährten Horrordarsteller, der sich ins Privatleben zurückziehen will, weil er sich selbst für antiquiert hält und an der Filmerei keinen Spaß mehr hat. Seine Assistentin Jenny (Nancy Hsueh), die ein Verhältnis mit dem jungen Regisseur Sammy Michaels (Peter Bogdanovich) hat, nimmt seine Entscheidung resigniert zur Kenntnis, weil sie ihn gut genug kennt. Sammy will Byron noch zu einem letzten Film überreden, für den er schon das Drehbuch geschrieben hat, aber er scheitert an Byrons Starrsinn. Nur einen einzigen PR-Termin will Orlok noch wahrnehmen, die Premiere seines letzten Filmes in einem neuen Autokino am nächsten Tag.
Die andere Geschichte erzählt von Bobby Thompson (Tim O'Kelly), einem unauffälligen jungen Mann, quasi der nette Junge von nebenan, der von seinem Vater zu einem wahren Waffennarren herangezüchtet wurde. Bobby lebt mit seiner jungen Frau noch bei seinen Eltern in einem fast schon klinisch anmutendem Haus, in dem jede Form von Liebe oder Gemütlichkeit fehl am Platz ist. Zusammen sitzt man am Abend vor dem Fernseher, Gespräche finden nicht statt, höchstens nur äußerst oberflächlich. Hier wird nur funktioniert, aber nicht gelebt. Bobby versucht vergeblich, mit seiner Frau über seine Gedanken zu reden, die aber hört ihm nicht zu.
Am Tag hat Bobby sich ein neues Gewehr gekauft und als er im Geschäft durch das Zielfernrohr gesehen hat, konnte er auf der anderen Straßenseite Byron Orlok ausmachen. Am nächsten Tag werden sie sich wieder begegnen, auch wenn das noch keiner von ihnen weiß. Bobby legt das neue Gewehr in seinen Kofferraum, der ein wahres Waffenarsenal aufweist. Als Zuschauer hält man hier bereits den Atem an, denn die Vorzeichen deuten schon auf eine Tragödie hin.
Am nächsten Tag, es ist bereits gegen zwölf Uhr, erschießt Bobby erst seine Frau, dann seine Mutter und schließlich noch den jungen Lebensmittellieferanten, der leider zur falschen Zeit am falschen Ort war. Danach fährt er zur Autobahn, legt sich mit seinen Waffen und der zusätzlichen Munition, die er ebenfalls noch gekauft hat, auf einem hohen Gastank auf die Lauer. Nachdem er einen Snack zu sich genommen hat, fängt er an wahllos auf die Insassen der vorbeifahrenden Autos zu schießen. Erst als die Polizei sich nähert, flüchtet er und versucht, im normalen Verkehr unterzutauchen. Dabei landet er in dem neuen Autokino, in dem schon kurz darauf der Film mit Byron Orlok gezeigt werden soll.
Doch Bobbys Amoklauf ist noch nicht vorbei, er verschanzt sich mit Waffen und Munition hinter der Leinwand und feuert weiter auf ahnungslose Opfer, während das Publikum sich den Film anschaut und erst langsam begreift, was hier vor sich geht. Zum Schluss kommt es zur finalen Begegnung zwischen Bobby und Byron Orlok, die sehr bizarr enden wird.
Orlok hatte die Zeichen der Zeit richtig erkannt, sein altmodischer Horror war vorüber, der moderne Horror war längst Realität geworden und konnte einen jederzeit treffen. Mit seinem Film hat Peter Bogdanovich somit bereits 1968 einen Nerv getroffen, der auch heute noch erschreckend aktuell ist. Inspiriert wurde Bogdanovich durch den tatsächlichen Amoklauf des jungen Charles Whitman, der 1966 in Texas stattfand. "Targets" erhielt sehr gute Kritiken, aber niemand wollte ihn zeigen oder auch nur sehen. Nach den Morden an Martin Luther King und Robert F. Kennedy hatte der Film es schwer, ein Publikum zu finden, aber aus heutiger Sicht ist er eindeutig ein Meisterwerk und hat die Karriere von Peter Bogdanovich begründet.
Was soll ich noch sagen? Dieser Film muss unbedingt angeschaut werden, weil er ganz tief unter die Haut geht und in seiner unaufgeregten Art einfach sprachlos macht. So muss ein wirklich guter Film sein, aufrüttelnd und bewegend. Besser geht es nicht. Ganz große Empfehlung.
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| (Boris Karloff und Peter Bogdanovich) |
Sonntag, 13. Oktober 2013
Alice Doesn't Live Here Anymore
"Alice Doesn't Live Here Anymore" ist ein Film von Martin Scorsese aus dem Jahr 1974. Das Drehbuch stammt von Robert Getchell.
Als Kind träumte Alice (Ellen Burstyn) davon, eine erfolgreiche Sängerin zu sein und ihr Leben selbst gestalten zu können. Niemand sollte über sie bestimmen dürfen. Nun ist Alice fünfunddreißig Jahre alt und lebt mit ihrem Mann Donald (Billy Green Bush) und ihrem Sohn Tommy (Alfred Lutter) in einem Kaff in New Mexico. Donald ist ein Ekel, doch Alice ist stets bemüht, ihm alles recht zu machen. Ihre Träume hat sie längst aufgegeben, der Alltag lässt ihr dafür keine Gelegenheit. Tommy ist mit seinen elf Jahren ein aufgewecktes und vorlautes Kind, aber Mutter und Sohn stehen sich sehr nahe und verstehen sich blind.
Dann passiert ein Unglück und Donald stirbt bei einem Unfall mit seinem LKW. Alice bleibt ohne Geld zurück und muss nun ihr Leben in die eigene Hand nehmen, um für sich und Tommy zu sorgen. Da sie nichts gelernt hat, will sie als Sängerin auftreten und dafür zurück in ihre Heimat nach Monterey ziehen, denn dort will sie an ihr glückliches Leben von früher anknüpfen. Dieser Traum beflügelt sie, doch die Wirklichkeit wird sie bald einholen.
Auf ihrer Reise ergattert Alice in einer Kleinstadt tatsächlich einen Job als Sängerin in einer Bar und bezieht zusammen mit Tommy ein Zimmer in einem Motel. Das Geld ist knapp, Tommy langweilt sich im Motel und Alice hat deswegen ein schlechtes Gewissen. Sie lernt den acht Jahre jüngeren Ben (Harvey Keitel) kennen, der sich um sie bemüht. Doch der anfangs noch so nette junge Mann entpuppt sich als gewalttätiger Psychopath, also treten Alice und Tommy schnell die Flucht an.
In Tucson nimmt Alice die Arbeit als Bedienung in einem Schnellimbiss an, auch wenn ihr das erst nicht liegt. Erst langsam freundet sie sich mit ihrer ruppigen Kollegin Flo (Diane Ladd) an und versucht, das alltägliche Chaos im Diner zu überstehen. Einer ihrer Kunden ist der Farmer David (Kris Kristofferson), der Gefühle für Alice entwickelt und sie auch für ihn. Tommy freundet sich derweil mit der jungen Audrey (Jodie Foster) an.
Zwischen Alice und David entspinnt sich eine Liebesbeziehung, die aber schon bald auf die Probe gestellt wird. Beide haben Angst davor verletzt zu werden und vor ihren eigenen Gefühlen. David hat bereits eine Scheidung hinter sich und Alice will immer noch nach Monterey, wo sie endlich ihr Glück finden will. Wird es eine gemeinsame Zukunft für sie geben?
Das ist ein wirklich schöner und sehenswerter Film aus einer Zeit, als es für Frauen eben noch nicht so einfach war, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ellen Burstyn ist hier die perfekte Besetzung als Alice, denn ihr nimmt man die Wandlung in ihrem Leben durchaus ab. Sie weiß was sie will, aber sie hat auch Angst davor, es nicht allein zu schaffen. Gleichzeitig will sie sich nicht mehr so einfach einem Mann ausliefern und von ihm abhängig sein. Ein Teufelskreis, der aber langsam durchbrochen wird.
Ellen Burstyn war auf der Suche nach einer guten Rolle, als sie dieses Drehbuch erhielt. Sie rief Francis Ford Coppola an, um ihn nach einem geeigneten und möglichst jungen Regisseur zu fragen. Coppola empfahl ihr Martin Scorsese, der noch am Anfang seiner Karriere stand und kurz zuvor "Mean Streets" gedreht hatte. So kam diese sehr erfolgreiche Zusammenarbeit zustande.
Die Besetzung ist ein Traum, denn neben der absolut wunderbaren Ellen Burstyn kann man sich noch an den zahlreichen Nebendarstellern erfreuen, die alle eine tolle Leistung zeigen. Der Film ist sehr gut gelungen, wenn auch aus heutiger Sicht natürlich ein bisschen sperrig. Macht aber nichts, denn es lohnt sich trotzdem Alice und Tommy auf ihrem Weg zu begleiten.
Als Kind träumte Alice (Ellen Burstyn) davon, eine erfolgreiche Sängerin zu sein und ihr Leben selbst gestalten zu können. Niemand sollte über sie bestimmen dürfen. Nun ist Alice fünfunddreißig Jahre alt und lebt mit ihrem Mann Donald (Billy Green Bush) und ihrem Sohn Tommy (Alfred Lutter) in einem Kaff in New Mexico. Donald ist ein Ekel, doch Alice ist stets bemüht, ihm alles recht zu machen. Ihre Träume hat sie längst aufgegeben, der Alltag lässt ihr dafür keine Gelegenheit. Tommy ist mit seinen elf Jahren ein aufgewecktes und vorlautes Kind, aber Mutter und Sohn stehen sich sehr nahe und verstehen sich blind.
Dann passiert ein Unglück und Donald stirbt bei einem Unfall mit seinem LKW. Alice bleibt ohne Geld zurück und muss nun ihr Leben in die eigene Hand nehmen, um für sich und Tommy zu sorgen. Da sie nichts gelernt hat, will sie als Sängerin auftreten und dafür zurück in ihre Heimat nach Monterey ziehen, denn dort will sie an ihr glückliches Leben von früher anknüpfen. Dieser Traum beflügelt sie, doch die Wirklichkeit wird sie bald einholen.
Auf ihrer Reise ergattert Alice in einer Kleinstadt tatsächlich einen Job als Sängerin in einer Bar und bezieht zusammen mit Tommy ein Zimmer in einem Motel. Das Geld ist knapp, Tommy langweilt sich im Motel und Alice hat deswegen ein schlechtes Gewissen. Sie lernt den acht Jahre jüngeren Ben (Harvey Keitel) kennen, der sich um sie bemüht. Doch der anfangs noch so nette junge Mann entpuppt sich als gewalttätiger Psychopath, also treten Alice und Tommy schnell die Flucht an.
In Tucson nimmt Alice die Arbeit als Bedienung in einem Schnellimbiss an, auch wenn ihr das erst nicht liegt. Erst langsam freundet sie sich mit ihrer ruppigen Kollegin Flo (Diane Ladd) an und versucht, das alltägliche Chaos im Diner zu überstehen. Einer ihrer Kunden ist der Farmer David (Kris Kristofferson), der Gefühle für Alice entwickelt und sie auch für ihn. Tommy freundet sich derweil mit der jungen Audrey (Jodie Foster) an.
Zwischen Alice und David entspinnt sich eine Liebesbeziehung, die aber schon bald auf die Probe gestellt wird. Beide haben Angst davor verletzt zu werden und vor ihren eigenen Gefühlen. David hat bereits eine Scheidung hinter sich und Alice will immer noch nach Monterey, wo sie endlich ihr Glück finden will. Wird es eine gemeinsame Zukunft für sie geben?
Das ist ein wirklich schöner und sehenswerter Film aus einer Zeit, als es für Frauen eben noch nicht so einfach war, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Ellen Burstyn ist hier die perfekte Besetzung als Alice, denn ihr nimmt man die Wandlung in ihrem Leben durchaus ab. Sie weiß was sie will, aber sie hat auch Angst davor, es nicht allein zu schaffen. Gleichzeitig will sie sich nicht mehr so einfach einem Mann ausliefern und von ihm abhängig sein. Ein Teufelskreis, der aber langsam durchbrochen wird.
Ellen Burstyn war auf der Suche nach einer guten Rolle, als sie dieses Drehbuch erhielt. Sie rief Francis Ford Coppola an, um ihn nach einem geeigneten und möglichst jungen Regisseur zu fragen. Coppola empfahl ihr Martin Scorsese, der noch am Anfang seiner Karriere stand und kurz zuvor "Mean Streets" gedreht hatte. So kam diese sehr erfolgreiche Zusammenarbeit zustande.
Die Besetzung ist ein Traum, denn neben der absolut wunderbaren Ellen Burstyn kann man sich noch an den zahlreichen Nebendarstellern erfreuen, die alle eine tolle Leistung zeigen. Der Film ist sehr gut gelungen, wenn auch aus heutiger Sicht natürlich ein bisschen sperrig. Macht aber nichts, denn es lohnt sich trotzdem Alice und Tommy auf ihrem Weg zu begleiten.
Samstag, 12. Oktober 2013
Shampoo
"Shampoo" ist ein Film von Hal Ashby aus dem Jahr 1975. Das Drehbuch stammt von Warren Beatty und Robert Towne. Warren Beatty war hier übrigens auch der Produzent dieses Films. Kameramann war László Kovacs.
Die Geschichte spielt an einem Tag im Jahr 1968 in Beverly Hills, genauer gesagt an dem Tag, als Richard Nixon zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde. Im Hintergrund laufen ständig irgendwo Fernseher, die davon berichten, doch das ist eigentlich gar nicht das Thema des Films. Nein, denn das Thema dieses Films ist... äh, das weiß ich auch nicht so richtig. Ich fasse mal meine Eindrücke kurz zusammen:
George (Warren Beatty) ist ein gefragter Friseur, der sich unbedingt selbständig machen will, dem aber die Bank kein Geld gibt, woraufhin George seinen Banker als Arschloch betitelt, weil der ihn offensichtlich für einen Hippie hält. Tja, dumm gelaufen. Also muss eine andere Geldquelle her und da kommen die Damen in seinem Umfeld ins Spiel, die mit reichen Männern gesegnet sind.
Neben seiner Freundin Jill (Goldie Hawn) hat George diverse andere Liebschaften laufen, unter anderem seine Ex-Freundin Jackie (Julie Christie), die einzige Frau, die ihm je etwas bedeutet hat, die aber inzwischen ein Verhältnis mit dem reichen Lester (Jack Warden) hat, der aber noch mit Felicia (Lee Grant) verheiratet ist. Lester spielt mit dem Gedanken, George das Geld zu geben, aber er hat keine Ahnung, dass George abwechselnd mit Jackie, Felicia und seiner Tochter Lorna (Carrie Fisher) ins Bett hüpft.
Am Ende einer langen Nacht auf diversen Partys bleibt George allein zurück. Er will Jackie zurückgewinnen, aber die hat sich für Lester entschieden.
Ja, das war es dann auch schon, viel mehr passiert hier nicht. Und was soll das alles eigentlich sein? Eine Komödie? Dazu ist es nicht lustig genug. Ein Drama? Nee, auch nicht. Hier haben wir einen Film mit wirklich guten Darstellern, die allesamt verschleudert werden, weil nichts wirklich funktionieren will. Schade, aber mehr als Langeweile kommt hier nicht auf.
Ich muss gestehen, dass mich Warren Beatty nie so besonders überzeugt hat und ich auch seinem Charme nie verfallen bin, den er ja nun mal haben soll. Da überzeugen hier aber Julie Christie und Lee Grant umso mehr, die beide fabelhaft aussehen, mal abgesehen von ihren fast identischen und furchtbaren Frisuren. Goldie Hawn ist wie üblich goldig und uninteressant, zu mehr reicht es bei ihr ja sowieso meist nie.
Gut, genug gemeckert, der Film ist relativ belanglos und muss nicht unbedingt angeschaut werden. Also von mir nur eine sehr eingeschränkte Empfehlung.
Die Geschichte spielt an einem Tag im Jahr 1968 in Beverly Hills, genauer gesagt an dem Tag, als Richard Nixon zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde. Im Hintergrund laufen ständig irgendwo Fernseher, die davon berichten, doch das ist eigentlich gar nicht das Thema des Films. Nein, denn das Thema dieses Films ist... äh, das weiß ich auch nicht so richtig. Ich fasse mal meine Eindrücke kurz zusammen:
George (Warren Beatty) ist ein gefragter Friseur, der sich unbedingt selbständig machen will, dem aber die Bank kein Geld gibt, woraufhin George seinen Banker als Arschloch betitelt, weil der ihn offensichtlich für einen Hippie hält. Tja, dumm gelaufen. Also muss eine andere Geldquelle her und da kommen die Damen in seinem Umfeld ins Spiel, die mit reichen Männern gesegnet sind.
Neben seiner Freundin Jill (Goldie Hawn) hat George diverse andere Liebschaften laufen, unter anderem seine Ex-Freundin Jackie (Julie Christie), die einzige Frau, die ihm je etwas bedeutet hat, die aber inzwischen ein Verhältnis mit dem reichen Lester (Jack Warden) hat, der aber noch mit Felicia (Lee Grant) verheiratet ist. Lester spielt mit dem Gedanken, George das Geld zu geben, aber er hat keine Ahnung, dass George abwechselnd mit Jackie, Felicia und seiner Tochter Lorna (Carrie Fisher) ins Bett hüpft.
Am Ende einer langen Nacht auf diversen Partys bleibt George allein zurück. Er will Jackie zurückgewinnen, aber die hat sich für Lester entschieden.
Ja, das war es dann auch schon, viel mehr passiert hier nicht. Und was soll das alles eigentlich sein? Eine Komödie? Dazu ist es nicht lustig genug. Ein Drama? Nee, auch nicht. Hier haben wir einen Film mit wirklich guten Darstellern, die allesamt verschleudert werden, weil nichts wirklich funktionieren will. Schade, aber mehr als Langeweile kommt hier nicht auf.
Ich muss gestehen, dass mich Warren Beatty nie so besonders überzeugt hat und ich auch seinem Charme nie verfallen bin, den er ja nun mal haben soll. Da überzeugen hier aber Julie Christie und Lee Grant umso mehr, die beide fabelhaft aussehen, mal abgesehen von ihren fast identischen und furchtbaren Frisuren. Goldie Hawn ist wie üblich goldig und uninteressant, zu mehr reicht es bei ihr ja sowieso meist nie.
Gut, genug gemeckert, der Film ist relativ belanglos und muss nicht unbedingt angeschaut werden. Also von mir nur eine sehr eingeschränkte Empfehlung.
Sonntag, 22. September 2013
Heaven's Gate
"Heaven's Gate" ist ein Film von Michael Cimino (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1980. Über diesen Film ist viel geschrieben und geredet worden, denn bekanntlich ist das einer der größten Flops aller Zeiten, doch dazu später mehr.
Die Handlung spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Wyoming und beruht auf einer wahren Begebenheit. Seit einigen Jahren kommen vermehrt arme Einwanderer aus Osteuropa nach Johnson County, die sich ein kleines Stück Land kaufen und dieses bestellen, aber nicht davon leben können. Um ihre Familien ernähren zu können, wird gewildert, was den reichen Rinderbaronen gewaltig gegen den Strich geht. Sie setzen Kopfgeldjäger auf die Wilderer an, doch das ist nur der Anfang.
Der Viehzüchterverband hat eine Todesliste mit insgesamt 125 Namen erstellt, die es auszulöschen gilt. Auf dieser Liste befinden sich fast alle Einwanderer der Gegend. Sheriff James Averill (Kris Kristofferson) erfährt von dieser geheimen Liste und versucht verzweifelt, aber leider vergeblich, ein Unglück zu verhindern. Averill liebt Ella Watson (Isabelle Huppert), die ein Bordell betreibt. Auch Ellas Name steht auf der Todesliste.
Nate Champion (Christopher Walken) ist ebenfalls in Ella verliebt und somit ein Rivale von Averill, aber er steht auf der anderen Seite, denn er ist einer der bezahlten Schützen, die Jagd auf die Einwanderer machen. Erst als er erkennt, was die reichen Viehzüchter unter der Leitung des skrupellosen Frank Canton (Sam Waterston) vorhaben, schlägt er sich auf die Gegenseite. Nate will Ella heiraten und sie beschützen, wird aber nun selbst zum Gejagten.
Ella ist zwischen Nate und Averill hin- und hergerissen, weil sie beide Männer liebt und sich nicht für einen entscheiden kann. Averill bittet sie, die Gegend zu verlassen, aber da ist es bereits zu spät, denn das Bordell wird überfallen, die Huren getötet und Ella vergewaltigt. Averill kann sie zwar retten, aber der Viehzüchterverband ist bereits mit einer großen Armee auf dem Weg nach Johnson County, ohne dass die Nationalgarde eingreift. Es kommt zu einer langen und blutigen Schlacht mit vielen Toten auf beiden Seiten.
Puh, Schwerstarbeit am Sonntag. Ich habe mich durch dreieinhalb Stunden "Heaven's Gate" gekämpft, was nicht immer ganz leicht war. Was bleibt am Ende? Auf jeden Fall ein unvergleichliches Epos, dem man sich schon ganz ausliefern muss, um es zu überstehen. Man kann dem Film auch seine Schönheit nicht absprechen, denn Kameramann Vilmos Zsigmond hat großartige Bilder eingefangen, die für vieles entschädigen. Optisch ist dieser Film ein echtes Highlight.
Neben Kris Kristofferson, Isabelle Huppert und Christopher Walken in den Hauptrollen, die alle fabelhaft spielen, sind die Nebenrollen ebenso stark besetzt. Hier überzeugen unter anderem Jeff Bridges, John Hurt, Sam Waterston, Mickey Rourke, Joseph Cotton und Richard Masur, um nur einige zu nennen.
Wie also kam es zu diesem Flop? Michael Cimino hatte einen Riesenerfolg mit seinem Film "The Deer Hunter" gelandet, der fünf "Oscars" erhalten hat. Also ließ ihm das Filmstudio bei seinem nächsten Projekt völlig freie Hand und das Drama nahm seinen Lauf. Kurz zusammengefasst, die Produktionskosten gingen durch die Decke und der fertige Film hatte eine Laufzeit von über fünf Stunden. Das Studio tobte und kürzte, aber auch die reduzierte und immer noch lange Fassung fiel im Kino und bei den Kritikern komplett durch. Sämtliche Kritiker überboten sich mit Häme und Verrissen, das Einspielergebnis war mehr als bescheiden. Einzig in Europa erkannte man die Qualität des Films, hier wurde er auch gewürdigt.
"Heaven's Gate" wurde zum letzten Sargnagel für das "New Hollywood", denn nun nahmen die Studios wieder mehr Einfluss auf ihre Regisseure und sämtliche Freiheiten der letzten Jahre waren dahin. Erfolge mussten produziert werden, ohne Wenn und Aber. Der Autorenfilm war Geschichte.
Kann ich "Heaven's Gate" trotzdem empfehlen? Auf jeden Fall, man muss nur Zeit und Geduld mitbringen, denn viele Einstellungen sind tatsächlich quälend lang und der Begriff "Langsamkeit" wird hier ganz neu definiert. Es gibt auch diverse Szenen, die eigentlich völlig unnötig sind und den Film nicht weiterbringen, was bei einer Laufzeit von 209 Minuten aber auch kein Wunder ist. Michael Cimino und Vilmos Zsigmond verlieren sich in traumhaft schönen Bildern und üppigen Darstellungen mit unzähligen Statisten. Das wird schon am Anfang deutlich, wenn man einer Harvard-Abschlussfeier beiwohnt, die zwanzig Jahre vor den eigentlichen Ereignissen stattfindet und scheinbar kein Ende findet, obwohl sie im Grunde keine Bedeutung für die Handlung hat, außer dass hier Kris Kristofferson und John Hurt als Personen vorgestellt werden. Danach gibt es einen Zeitsprung ins Jahr 1890 und die eigentliche Geschichte beginnt.
Insgesamt gesehen ist "Heaven's Gate" ein Film, den man schon mal ausprobieren sollte, um sich eine eigene Meinung darüber bilden zu können. Leicht ist es nicht, das gebe ich zu, aber es lohnt sich irgendwie doch. Ich bin jedenfalls ganz froh, ihn mir angeschaut zu haben. Es gibt viel Schönes zu entdecken und hervorragende Schauspieler zu bewundern.
Die Handlung spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Wyoming und beruht auf einer wahren Begebenheit. Seit einigen Jahren kommen vermehrt arme Einwanderer aus Osteuropa nach Johnson County, die sich ein kleines Stück Land kaufen und dieses bestellen, aber nicht davon leben können. Um ihre Familien ernähren zu können, wird gewildert, was den reichen Rinderbaronen gewaltig gegen den Strich geht. Sie setzen Kopfgeldjäger auf die Wilderer an, doch das ist nur der Anfang.
Der Viehzüchterverband hat eine Todesliste mit insgesamt 125 Namen erstellt, die es auszulöschen gilt. Auf dieser Liste befinden sich fast alle Einwanderer der Gegend. Sheriff James Averill (Kris Kristofferson) erfährt von dieser geheimen Liste und versucht verzweifelt, aber leider vergeblich, ein Unglück zu verhindern. Averill liebt Ella Watson (Isabelle Huppert), die ein Bordell betreibt. Auch Ellas Name steht auf der Todesliste.
Nate Champion (Christopher Walken) ist ebenfalls in Ella verliebt und somit ein Rivale von Averill, aber er steht auf der anderen Seite, denn er ist einer der bezahlten Schützen, die Jagd auf die Einwanderer machen. Erst als er erkennt, was die reichen Viehzüchter unter der Leitung des skrupellosen Frank Canton (Sam Waterston) vorhaben, schlägt er sich auf die Gegenseite. Nate will Ella heiraten und sie beschützen, wird aber nun selbst zum Gejagten.
Ella ist zwischen Nate und Averill hin- und hergerissen, weil sie beide Männer liebt und sich nicht für einen entscheiden kann. Averill bittet sie, die Gegend zu verlassen, aber da ist es bereits zu spät, denn das Bordell wird überfallen, die Huren getötet und Ella vergewaltigt. Averill kann sie zwar retten, aber der Viehzüchterverband ist bereits mit einer großen Armee auf dem Weg nach Johnson County, ohne dass die Nationalgarde eingreift. Es kommt zu einer langen und blutigen Schlacht mit vielen Toten auf beiden Seiten.
Puh, Schwerstarbeit am Sonntag. Ich habe mich durch dreieinhalb Stunden "Heaven's Gate" gekämpft, was nicht immer ganz leicht war. Was bleibt am Ende? Auf jeden Fall ein unvergleichliches Epos, dem man sich schon ganz ausliefern muss, um es zu überstehen. Man kann dem Film auch seine Schönheit nicht absprechen, denn Kameramann Vilmos Zsigmond hat großartige Bilder eingefangen, die für vieles entschädigen. Optisch ist dieser Film ein echtes Highlight.
Neben Kris Kristofferson, Isabelle Huppert und Christopher Walken in den Hauptrollen, die alle fabelhaft spielen, sind die Nebenrollen ebenso stark besetzt. Hier überzeugen unter anderem Jeff Bridges, John Hurt, Sam Waterston, Mickey Rourke, Joseph Cotton und Richard Masur, um nur einige zu nennen.
Wie also kam es zu diesem Flop? Michael Cimino hatte einen Riesenerfolg mit seinem Film "The Deer Hunter" gelandet, der fünf "Oscars" erhalten hat. Also ließ ihm das Filmstudio bei seinem nächsten Projekt völlig freie Hand und das Drama nahm seinen Lauf. Kurz zusammengefasst, die Produktionskosten gingen durch die Decke und der fertige Film hatte eine Laufzeit von über fünf Stunden. Das Studio tobte und kürzte, aber auch die reduzierte und immer noch lange Fassung fiel im Kino und bei den Kritikern komplett durch. Sämtliche Kritiker überboten sich mit Häme und Verrissen, das Einspielergebnis war mehr als bescheiden. Einzig in Europa erkannte man die Qualität des Films, hier wurde er auch gewürdigt.
"Heaven's Gate" wurde zum letzten Sargnagel für das "New Hollywood", denn nun nahmen die Studios wieder mehr Einfluss auf ihre Regisseure und sämtliche Freiheiten der letzten Jahre waren dahin. Erfolge mussten produziert werden, ohne Wenn und Aber. Der Autorenfilm war Geschichte.
Kann ich "Heaven's Gate" trotzdem empfehlen? Auf jeden Fall, man muss nur Zeit und Geduld mitbringen, denn viele Einstellungen sind tatsächlich quälend lang und der Begriff "Langsamkeit" wird hier ganz neu definiert. Es gibt auch diverse Szenen, die eigentlich völlig unnötig sind und den Film nicht weiterbringen, was bei einer Laufzeit von 209 Minuten aber auch kein Wunder ist. Michael Cimino und Vilmos Zsigmond verlieren sich in traumhaft schönen Bildern und üppigen Darstellungen mit unzähligen Statisten. Das wird schon am Anfang deutlich, wenn man einer Harvard-Abschlussfeier beiwohnt, die zwanzig Jahre vor den eigentlichen Ereignissen stattfindet und scheinbar kein Ende findet, obwohl sie im Grunde keine Bedeutung für die Handlung hat, außer dass hier Kris Kristofferson und John Hurt als Personen vorgestellt werden. Danach gibt es einen Zeitsprung ins Jahr 1890 und die eigentliche Geschichte beginnt.
Insgesamt gesehen ist "Heaven's Gate" ein Film, den man schon mal ausprobieren sollte, um sich eine eigene Meinung darüber bilden zu können. Leicht ist es nicht, das gebe ich zu, aber es lohnt sich irgendwie doch. Ich bin jedenfalls ganz froh, ihn mir angeschaut zu haben. Es gibt viel Schönes zu entdecken und hervorragende Schauspieler zu bewundern.
Sonntag, 15. August 2010
Hundstage - Dog Day Afternoon
"Dog Day Afternoon" - "Hundstage" ist ein Film von Sidney Lumet aus dem Jahr 1975 und die zweite Zusammenarbeit von Lumet mit Al Pacino nach "Serpico" aus dem Jahr 1973.
Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit. Drei Männer überfallen eine Bank in New York, wobei einer der drei ziemlich schnell die Nerven verliert und verschwindet. Das ist aber nur der Anfang der Pannenserie, denn bei diesem Überfall läuft so ziemlich alles schief. Sonny (Al Pacino) erklärt den Geiseln, dass die ganze Sache in nur einer halben Stunde ausgestanden wäre, tatsächlich wird sich die Angelegenheit über viele quälende Stunden hinziehen. Sein Partner Sal (John Cazale) scheint auch nicht gerade das beste Nervenkostüm zu haben. Als sie mit Hilfe der Bankangestellten den Tresor ausräumen müssen sie feststellen, dass sich dort nur 1.100 Dollar befinden. Die Bankangestellten erweisen sich dann auch noch als ziemlich renitent und sind nicht im geringsten eingeschüchtert, sondern meckern über den miserablen Plan der Bankräuber.
Vor der Bank hat sich inzwischen ein Riesenaufgebot der Polizei versammelt, aber ebenso ein Haufen Reporter und Schaulustige. Die Polizei hat die Situation nicht unter Kontrolle und die Medien berichten live im Fernsehen über den Banküberfall. Der Wahnsinn eskaliert und die Bankräuber werden beinahe als Helden gefeiert. Die Lage in der Bank ist auch ziemlich irrational.
Sonny, der in ständigem Kontakt mit der Polizei steht, verlangt mit seinem transsexuellen Freund Leon (Chris Sarandon) zu sprechen. Er will mit dem Geld aus dem Überfall diesem eine Geschlechtsumwandlung finanzieren. Leon aber erweist sich als wankelmütig und beendet die Beziehung zu Sonny.
Al Pacino wollte übrigens sämtliche Szenen, die auf eine mögliche Homosexualität hindeuten aus dem Film gestrichen haben und drohte damit, aus dem Projekt auszusteigen. So bleibt das nur eine Geschichte am Rande, die keinerlei Bedeutung zu haben scheint.
Nach vielen Stunden fährt der Bus vor, der die Bankräuber und die Geiseln zum Flughafen bringen soll, wo ein Jet auf sie wartet. Doch auch das verläuft nicht so wie geplant.
Das ist ein sehr spannender und atmosphärisch dichter Film, der einen wirklich packt und unter die Haut geht. Absolut empfehlenswert.
Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit. Drei Männer überfallen eine Bank in New York, wobei einer der drei ziemlich schnell die Nerven verliert und verschwindet. Das ist aber nur der Anfang der Pannenserie, denn bei diesem Überfall läuft so ziemlich alles schief. Sonny (Al Pacino) erklärt den Geiseln, dass die ganze Sache in nur einer halben Stunde ausgestanden wäre, tatsächlich wird sich die Angelegenheit über viele quälende Stunden hinziehen. Sein Partner Sal (John Cazale) scheint auch nicht gerade das beste Nervenkostüm zu haben. Als sie mit Hilfe der Bankangestellten den Tresor ausräumen müssen sie feststellen, dass sich dort nur 1.100 Dollar befinden. Die Bankangestellten erweisen sich dann auch noch als ziemlich renitent und sind nicht im geringsten eingeschüchtert, sondern meckern über den miserablen Plan der Bankräuber.
Vor der Bank hat sich inzwischen ein Riesenaufgebot der Polizei versammelt, aber ebenso ein Haufen Reporter und Schaulustige. Die Polizei hat die Situation nicht unter Kontrolle und die Medien berichten live im Fernsehen über den Banküberfall. Der Wahnsinn eskaliert und die Bankräuber werden beinahe als Helden gefeiert. Die Lage in der Bank ist auch ziemlich irrational.
Sonny, der in ständigem Kontakt mit der Polizei steht, verlangt mit seinem transsexuellen Freund Leon (Chris Sarandon) zu sprechen. Er will mit dem Geld aus dem Überfall diesem eine Geschlechtsumwandlung finanzieren. Leon aber erweist sich als wankelmütig und beendet die Beziehung zu Sonny.
Al Pacino wollte übrigens sämtliche Szenen, die auf eine mögliche Homosexualität hindeuten aus dem Film gestrichen haben und drohte damit, aus dem Projekt auszusteigen. So bleibt das nur eine Geschichte am Rande, die keinerlei Bedeutung zu haben scheint.
Nach vielen Stunden fährt der Bus vor, der die Bankräuber und die Geiseln zum Flughafen bringen soll, wo ein Jet auf sie wartet. Doch auch das verläuft nicht so wie geplant.
Das ist ein sehr spannender und atmosphärisch dichter Film, der einen wirklich packt und unter die Haut geht. Absolut empfehlenswert.
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