"Paper Dolls" - "Bubot Niyar" ist ein Film von Tomer Heymann (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2006. Es geht um eine kleine Gruppe von philippinischen Transvestiten bzw. Transsexuellen, die in Israel arbeiten, immer aber am Rand der Illegalität leben.
Sie arbeiten in der Altenpflege und kümmern sich hauptsächlich um ältere orthodoxe Juden, die auf fremde Hilfe angewiesen sind. Für die Israelis sind sie oft nur Menschen zweiter Klasse, die auch nur geduldet sind. Tagtäglich begegnet man ihnen mit Vorurteilen und Ablehnung. Sobald sie ihren Job verlieren oder ihr Patient stirbt, droht sofort die Abschiebung, weil sie kein Visum haben.
Doch in ihrer Freizeit, die nur sehr spärlich ist, verwandeln sie sich in die "Paper Dolls" und treten in kleinen Clubs mit ihrer Drag-Show auf. Für diese Momente leben sie und sind einander in tiefer Freundschaft verbunden. Hier gehören sie zusammen, teilen ihre Sorgen und fühlen sich als große Familie.
Tomer Heymann begleitet die Gruppe über einen langen Zeitraum und wird ganz selbstverständlich von ihnen aufgenommen. Bei Tomers Mutter Noa proben sie einen Auftritt für einen großen Club in Tel Aviv, der ernüchternd endet. Ihre Träume von einem größeren Publikum erfüllen sich leider nicht.
Der Film zeigt den ganz normalen Alltag der Gruppe mit den alten Menschen, die sie betreuen, der ständigen Angst vor Abschiebung und den Bombenanschlägen. Es geht nicht alles gut aus, einige müssen das Land verlassen, andere gehen nach England, die alten Menschen sterben. Das ist das Ende der "Paper Dolls", zumindest in Israel.
Der mehrfach ausgezeichnete Film von Tomer Heymann ist traurig, berührend und zu Herzen gehend. Ihm ist hier mit seinem Porträt dieser lebensfrohen kleinen Gruppe von Menschen etwas ganz Wunderbares gelungen, das man auf keinen Fall verpassen sollte.
Die DVD "Paper Dolls" kann man auf der Website von Tomer Heymann bestellen unter heymannfilms.com. Es lohnt sich auf jeden Fall und ich möchte an dieser Stelle noch auf den Film I Shot My Love aufmerksam machen, der ebenfalls sehr sehenswert ist. Ganz große Empfehlung für beide Filme und herzlichen Dank an Tomer Heymann für seine wunderbaren Filme.
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Sonntag, 3. Juni 2012
Freitag, 6. April 2012
I Shot My Love
"I Shot My Love" ist ein Film von Tomer Heymann (Regie, Buch und Kamera) aus dem Jahr 2009. Der israelische Dokumentarfilmer folgt dabei mit seiner Kamera den beiden Menschen, die ihm am meisten bedeuten, seiner Mutter Noa und seinem Freund Andreas.
Im Jahr 2006 ist Tomer Heymann zusammen mit seiner Mutter erstmals in Berlin, wo er im Rahmen der Berlinale einen Preis für seinen Film Paper Dolls erhält. Noa Heymanns Eltern hatten siebzig Jahre zuvor Berlin verlassen, um sich vor den Nazis in Sicherheit zu bringen und flohen damals nach Israel.
Den Abend nach der Preisverleihung verbringt Tomer in der Panorama-Bar des "Berghain", wo er den jungen Tänzer Andreas kennenlernt. Ab jetzt läuft die Kamera und zeichnet immer wieder die Gespräche zwischen den beiden Männern auf, zeigt ihr Leben und ihre Familien. Die ersten Aufnahmen sind scheinbar nach der gemeinsam verbrachten Nacht entstanden. Es gibt zaghafte Fragen nach einem eventuellen Wiedersehen und eine deutlich spürbare aufkommende Verliebtheit auf beiden Seiten der Kamera.
Auch wenn Tomer und Andreas vorerst getrennte Wege gehen müssen, werden sie sich schon bald wiedersehen. Andreas zieht zu Tomer nach Tel Aviv und lernt dessen Familie kennen, die ihn herzlich aufnimmt. Tomer filmt weiter die Gespräche mit seiner Mutter und mit Andreas, fragt sie nach ihrem Leben, ihrer Haltung zu den Juden und den Deutschen usw. Tomers Mutter betont, keine Probleme damit zu haben, dass ihr Sohn einen deutschen Partner hat, aber in einem anderen Gespräch fragt sie ihn dann doch, ob er wohl der Richtige ist und ob ihre Leben nicht doch zu verschieden sind.
Noa Heymann wird krank, kommt ins Krankenhaus und muss operiert werden. Auch hier ist Tomer mit seiner Kamera immer dabei. Er und Andreas kümmern sich liebevoll um sie und bringen sie schließlich auch wieder nach Hause, wo sie weiter gepflegt wird.
Tomer und Andreas verbringen ein Weihnachtsfest bei Andreas' Eltern in Süddeutschland. Da wird es furchtbar verkrampft, auch wegen der Tatsache, dass Andreas als Kind von einem Priester sexuell missbraucht wurde, einem Freund der Familie. Der Herzlichkeit von Tomers Familie in Israel steht ein sehr sprödes Fest in Deutschland gegenüber, bei dem sich selbst der Zuschauer unwohl fühlt. Dieser Missbrauch ist auch ein weiteres Thema zwischen Andreas und Tomer, weil Andreas laut eigener Aussage immer wieder erstaunt ist, wie sehr ihn das alles immer noch beschäftigt und aufwühlt.
Am Ende der siebzig Minuten, die diese Dokumentation dauert, hat man viel über Tomer und Andreas erfahren, denn die Aufnahmen sind sehr persönlich, fast schon zu intim. Beide haben zusammen eine Wohnung in Tel Aviv bezogen und man wünscht ihnen, dass sie noch sehr lange sehr glücklich miteinander sein mögen. Ganz große Empfehlung für dieses schöne Projekt.
Im Jahr 2006 ist Tomer Heymann zusammen mit seiner Mutter erstmals in Berlin, wo er im Rahmen der Berlinale einen Preis für seinen Film Paper Dolls erhält. Noa Heymanns Eltern hatten siebzig Jahre zuvor Berlin verlassen, um sich vor den Nazis in Sicherheit zu bringen und flohen damals nach Israel.
Den Abend nach der Preisverleihung verbringt Tomer in der Panorama-Bar des "Berghain", wo er den jungen Tänzer Andreas kennenlernt. Ab jetzt läuft die Kamera und zeichnet immer wieder die Gespräche zwischen den beiden Männern auf, zeigt ihr Leben und ihre Familien. Die ersten Aufnahmen sind scheinbar nach der gemeinsam verbrachten Nacht entstanden. Es gibt zaghafte Fragen nach einem eventuellen Wiedersehen und eine deutlich spürbare aufkommende Verliebtheit auf beiden Seiten der Kamera.
Auch wenn Tomer und Andreas vorerst getrennte Wege gehen müssen, werden sie sich schon bald wiedersehen. Andreas zieht zu Tomer nach Tel Aviv und lernt dessen Familie kennen, die ihn herzlich aufnimmt. Tomer filmt weiter die Gespräche mit seiner Mutter und mit Andreas, fragt sie nach ihrem Leben, ihrer Haltung zu den Juden und den Deutschen usw. Tomers Mutter betont, keine Probleme damit zu haben, dass ihr Sohn einen deutschen Partner hat, aber in einem anderen Gespräch fragt sie ihn dann doch, ob er wohl der Richtige ist und ob ihre Leben nicht doch zu verschieden sind.
Noa Heymann wird krank, kommt ins Krankenhaus und muss operiert werden. Auch hier ist Tomer mit seiner Kamera immer dabei. Er und Andreas kümmern sich liebevoll um sie und bringen sie schließlich auch wieder nach Hause, wo sie weiter gepflegt wird.
Tomer und Andreas verbringen ein Weihnachtsfest bei Andreas' Eltern in Süddeutschland. Da wird es furchtbar verkrampft, auch wegen der Tatsache, dass Andreas als Kind von einem Priester sexuell missbraucht wurde, einem Freund der Familie. Der Herzlichkeit von Tomers Familie in Israel steht ein sehr sprödes Fest in Deutschland gegenüber, bei dem sich selbst der Zuschauer unwohl fühlt. Dieser Missbrauch ist auch ein weiteres Thema zwischen Andreas und Tomer, weil Andreas laut eigener Aussage immer wieder erstaunt ist, wie sehr ihn das alles immer noch beschäftigt und aufwühlt.
Am Ende der siebzig Minuten, die diese Dokumentation dauert, hat man viel über Tomer und Andreas erfahren, denn die Aufnahmen sind sehr persönlich, fast schon zu intim. Beide haben zusammen eine Wohnung in Tel Aviv bezogen und man wünscht ihnen, dass sie noch sehr lange sehr glücklich miteinander sein mögen. Ganz große Empfehlung für dieses schöne Projekt.
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