"L'Autre Vie de Richard Kemp" - "Back in Crime" ist ein Film von Germinal Alvarez aus dem Jahr 2013. Das Drehbuch schrieb Alvarez zusammen mit Nathalie Saugeon und Vanessa Lepinard.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der französische Inspektor Richard Kemp (Jean-Hugues Anglade), der vor über zwanzig Jahren hinter einem Serienkiller her war, diesen aber nie fassen konnte. Die Psychologin Hélène Batistelli (Mélanie Thierry) entdeckt beim Joggen eine Leiche neben einem Fluss. Kemp übernimmt den Fall und stellt schon bald einige Gemeinsamkeiten mit den Opfern des damaligen Täters fest. Zugleich verliebt er sich in Hélène und diese sich auch in ihn.
Nach einem Schlag auf den Kopf und dem Sturz von einer Brücke ins Wasser, kommt Kemp benommen zu sich. Irgendetwas scheint sich verändert zu haben. Ohne zu wissen wie, ist Kemp wieder im Jahr 1989 gelandet, zum Zeitpunkt der ersten Mordfälle des Killers. Es scheint sich ihm die Chance zu bieten, den Täter dieses Mal fassen zu können bzw. weitere Morde zu verhindern. Nur wird ihm wohl niemand die Geschichte abkaufen und auf dem Polizeirevier läuft sein zwanzig Jahre jüngeres Ich herum.
Kemp sucht Kontakt zu der jungen Hélène und bittet sie um Hilfe. Hélène weiß nicht so recht, was sie von diesem Mann und seiner merkwürdigen Geschichte halten soll. Ist er vielleicht am Ende selbst der gesuchte Mörder? Als sie zur Polizei gehen will, begegnet sie dem jungen Kemp und plötzlich bekommt alles einen Sinn. Sie beschließt, dem älteren Kemp zu helfen. Dieser ist dem Mörder auf der Spur, doch die Veränderung der Vergangenheit bleibt nicht ohne Folgen für die Zukunft.
Mehr verrate ich hier nicht, denn dieser kleine, wohl eher unbekannte Film hat noch einiges zu bieten. Es wird noch ziemlich spannend, auch wenn der Film an sich angenehm ruhig erzählt wird. Natürlich darf man in so einem Fall die Handlung auch nicht groß hinterfragen, aber das sollte wohl klar sein. Interessant ist die Story aber trotzdem, wenn man sich darauf einlassen kann.
Gespielt ist das alles wunderbar von Jean-Hugues Anglade in seiner Doppelrolle, einem großartigen Schauspieler, dem ich immer gerne zusehe. An seiner Seite glänzt die schöne Mélanie Thierry, da gibt es überhaupt nichts zu beanstanden. Insgesamt gesehen ein sehr toller französischer Krimi, den ich absolut empfehlen kann.
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Montag, 28. März 2016
Samstag, 20. Februar 2016
Crimson Peak
Die junge Edith Cushing (Mia Wasikowska) lebt zusammen mit ihrem Vater Carter Cushing (Jim Beaver) in Buffalo. Edith möchte gerne eine Schriftstellerin sein, aber damit hat sie als Frau Ende des 19. Jahrhunderts einen schweren Stand, weil man sie einfach nicht ernst nimmt. Ihre Geschichten handeln auch von Geistern, denn seit ihr im Alter von zehn Jahren der Geist ihrer verstorbenen Mutter erschien, glaubt sie an deren Existenz. Damals sprach der Geist eine Warnung aus: "Hüte Dich vor Crimson Peak", aber Edith konnte keine Erklärung dafür finden.
Inzwischen ist Edith zu einer schönen jungen Frau herangewachsen, die ihren eigenen Kopf hat und auch sagt, was sie denkt. In der Baufirma ihres Vaters lernt sie eines Tages den schottischen Adligen Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) kennen, der auf der Suche nach Investoren für seine Mine ist. Obwohl Carter Cushing der charmante Mann gleich irgendwie unsympathisch ist, kann er nicht verhindern, dass Edith sich rettungslos in diesen verliebt. Viel lieber hätte er seine Tochter an der Seite des jungen Arztes Alan McMichael (Charlie Hunnam) gesehen, der sowieso heimlich in sie verliebt ist. Aber wo die Liebe eben hinfällt...
Als Carter Cushing kurze Zeit später einen tödlichen Unfall hat, heiratet Edith Thomas Sharpe und zieht mit ihm auf sein Anwesen in Nordengland, wo er zusammen mit seiner Schwester Lucille (Jessica Chastain) lebt. "Allerdale Hall" entpuppt sich allerdings als äußerst baufälliges altes Gemäuer, das schon bessere Tage gesehen hat. Das Dach ist kaputt, das Haus ist kalt und das Wetter ist unbarmherzig. Zudem ist das Gebäude auf einem Tonvorkommen errichtet und sackt immer mehr ein. Überall quillt der rote Ton aus dem Boden und verleiht dem Ganzen einen beunruhigenden Anblick.
In ihrem neuen Zuhause findet Edith keine Ruhe, denn schon bald wird sie hier von furchtbaren Geistererscheinungen verfolgt, die ihr raten, das Haus zu verlassen. Thomas liebt seine Frau, aber seine Schwester Lucille, die sich immer sehr merkwürdig und ablehnend verhält, scheint großen Einfluss auf ihn zu haben. Wie nah sich die beiden Geschwister wirklich stehen und welche schaurigen Geheimnisse sie teilen, wird Edith schon bald erfahren. Wird es ihr gelingen, das Haus wieder zu verlassen?
Mehr will ich hier gar nicht verraten. Der Film an sich hat mir schon gefallen, auch wenn die Geschichte ein paar Längen hat und mit fast zwei Stunden Laufzeit auch insgesamt zu lang erzählt ist. Sehenswert ist er trotzdem, allein schon wegen der tollen Optik, der Ausstattung und der Kostüme. Das riesige und langsam verfallende Haus ist großartig in Szene gesetzt, die Farben sind umwerfend, die Einrichtung ist ein Traum oder eben auch Alptraum, ganz wie man es sehen will.
Man merkt halt schnell in einem Film von Guillermo del Toro zu sein, denn für tolle Bilder und eine sehr spezielle Atmosphäre hat er ein gutes Händchen. Nicht umsonst erinnert man sich hier an Filme wie "The Devil's Backbone" oder auch "Pans Labyrinth", die auch von Geistern handelten und sich nie ganz in ein Genre einordnen ließen. Ist ja auch egal, ob man das nun Horror, Mystery oder wie auch immer nennen will. Es ist sicher von allem etwas, aber eben auch eine Liebesgeschichte. Del Toro selbst nennt es übrigens eine "Gothic Romance".
Von den Schauspielern möchte ich besonders Mia Wasikowska und Tom Hiddleston hervorheben, die beide wie üblich wunderbar in ihren Rollen aufgehen. Von beiden habe ich noch nie mittelmäßige oder schwache Darstellungen gesehen, sie überzeugen einfach immer. Jessica Chastain dagegen nervt mich stets mit ihrem Overacting, mit ihr kann ich mich einfach nicht anfreunden, egal in welchem Film, und Charlie Hunnam bleibt insgesamt etwas blass. Gut, viel Raum zur Entfaltung gibt ihm seine Rolle hier auch nicht.
Insgesamt gibt es von mir natürlich eine Empfehlung, weil der Film schon spannend ist und sehr schön anzuschauen. Die Bilder bleiben im Kopf. Sollte man nicht verpassen.
Sonntag, 14. Februar 2016
3 Herzen
"3 Herzen" - "Trois Coeurs" ist ein Film von Benoit Jacquot aus dem Jahr 2014. Das Drehbuch schrieb Jacquot zusammen mit Julien Boivent.
Marc (Benoît Poelvoorde) ist ein Steuerprüfer aus Paris, der in einer französischen Kleinstadt einen Fall bearbeitet. Eines Abends verpasst er den letzten Zug nach Paris und landet kurz darauf in einer Bar, um zu überlegen, wie und wo er die Nacht verbringen wird. Hier trifft er auf die schöne Sylvie (Charlotte Gainsbourg), die ihn sofort fasziniert und mit der er spontan die Nacht verbringt, indem sie stundenlang durch die menschenleeren Gassen laufen und sich nur unterhalten. Sie reden über alles Mögliche, aber Namen und Telefonnummern tauschen sie nicht aus. Am nächsten Morgen begleitet Sylvie Marc zum Zug und beide verabreden sich zu einem Wiedersehen in Paris am nächsten Freitag im Jardin des Tuileries.
Diese Nacht wird für beide ein unvergessliches Erlebnis bleiben, doch durch widrige Umstände schafft Marc es nicht, zur vereinbarten Zeit am Treffpunkt zu erscheinen. Sie verpassen sich nur um Haaresbreite, aber ihrer beider Leben verändern sich dadurch. Sylvie begleitet ihren Freund (Patrick Mille) in die Vereinigten Staaten, obwohl sie zuvor Zweifel hegte, ob diese Entscheidung richtig wäre. Das Treffen mit dem ihr unbekannten Mann hätte ein Ausweg sein können, aber dazu kommt es jetzt nicht mehr.
Marc ist ein paar Monate später wieder in der Kleinstadt in der Provinz tätig und auf der Suche nach der Frau, die ihm nicht mehr aus dem Kopf geht und die ihm wie eine Seelenverwandte erschien. Er findet sie nicht, aber er lernt dafür Sophie (Chiara Mastroianni) kennen, der er bei ihren Problemen mit der Steuer helfen kann. Die beiden verlieben sich ineinander und wollen heiraten. Im Haus von Sophies Mutter (Catherine Deneuve) entdeckt Marc schließlich Fotos von Sophies Schwester Sylvie, der Frau, nach der er gesucht hat. Doch da ist die Hochzeit bereits beschlossene Sache und Sophie schwanger.
Jahre später lebt Marc mit seiner Frau Sophie und dem gemeinsamen kleinen Sohn ein friedliches und zufriedenes Familienleben. Sylvie ist noch immer in den Staaten und kommt nur noch selten nach Frankreich. Doch trotz aller Entwicklungen kommt das Verhältnis zwischen Marc und Sylvie nicht zur Ruhe und endet in einer Katastrophe, die bereits von Beginn an im Raum stand.
Diesen Film um eine heimliche Liebe, die nicht sein darf, kann man wirklich als Melodram bezeichnen, auch wenn der Regisseur das nicht so nennen will. Das ist aber Ansichtssache. Mir hat der Film gut gefallen, denn allein schon die Schauspielerinnen sind großartig. Charlotte Gainsbourg und Chiara Mastroianni sind immer sehenswert, ebenso die wunderbare Catherine Deneuve, die hier zwar nicht viel zu tun hat, aber durch ihre Blicke immer wieder andeutet, dass sie mehr weiß, als ihr lieb ist.
Allein Benoît Poelvoorde gefällt mir nicht so wirklich. Den herzkranken Steuerprüfer verkörpert er überzeugend, aber seine Rolle als 'Love Interest' der beiden Schwestern nehme ich ihm nicht ab. Da hätte ich mir doch einen etwas charismatischeren Darsteller gewünscht. Gut, das ist vielleicht nur meine Meinung, aber der Film ist schon sehenswert, wenn man sich auf die ruhige Handlung einlassen kann. Empfehlenswert ist er auf jeden Fall.
Marc (Benoît Poelvoorde) ist ein Steuerprüfer aus Paris, der in einer französischen Kleinstadt einen Fall bearbeitet. Eines Abends verpasst er den letzten Zug nach Paris und landet kurz darauf in einer Bar, um zu überlegen, wie und wo er die Nacht verbringen wird. Hier trifft er auf die schöne Sylvie (Charlotte Gainsbourg), die ihn sofort fasziniert und mit der er spontan die Nacht verbringt, indem sie stundenlang durch die menschenleeren Gassen laufen und sich nur unterhalten. Sie reden über alles Mögliche, aber Namen und Telefonnummern tauschen sie nicht aus. Am nächsten Morgen begleitet Sylvie Marc zum Zug und beide verabreden sich zu einem Wiedersehen in Paris am nächsten Freitag im Jardin des Tuileries.
Diese Nacht wird für beide ein unvergessliches Erlebnis bleiben, doch durch widrige Umstände schafft Marc es nicht, zur vereinbarten Zeit am Treffpunkt zu erscheinen. Sie verpassen sich nur um Haaresbreite, aber ihrer beider Leben verändern sich dadurch. Sylvie begleitet ihren Freund (Patrick Mille) in die Vereinigten Staaten, obwohl sie zuvor Zweifel hegte, ob diese Entscheidung richtig wäre. Das Treffen mit dem ihr unbekannten Mann hätte ein Ausweg sein können, aber dazu kommt es jetzt nicht mehr.
Marc ist ein paar Monate später wieder in der Kleinstadt in der Provinz tätig und auf der Suche nach der Frau, die ihm nicht mehr aus dem Kopf geht und die ihm wie eine Seelenverwandte erschien. Er findet sie nicht, aber er lernt dafür Sophie (Chiara Mastroianni) kennen, der er bei ihren Problemen mit der Steuer helfen kann. Die beiden verlieben sich ineinander und wollen heiraten. Im Haus von Sophies Mutter (Catherine Deneuve) entdeckt Marc schließlich Fotos von Sophies Schwester Sylvie, der Frau, nach der er gesucht hat. Doch da ist die Hochzeit bereits beschlossene Sache und Sophie schwanger.
Jahre später lebt Marc mit seiner Frau Sophie und dem gemeinsamen kleinen Sohn ein friedliches und zufriedenes Familienleben. Sylvie ist noch immer in den Staaten und kommt nur noch selten nach Frankreich. Doch trotz aller Entwicklungen kommt das Verhältnis zwischen Marc und Sylvie nicht zur Ruhe und endet in einer Katastrophe, die bereits von Beginn an im Raum stand.
Diesen Film um eine heimliche Liebe, die nicht sein darf, kann man wirklich als Melodram bezeichnen, auch wenn der Regisseur das nicht so nennen will. Das ist aber Ansichtssache. Mir hat der Film gut gefallen, denn allein schon die Schauspielerinnen sind großartig. Charlotte Gainsbourg und Chiara Mastroianni sind immer sehenswert, ebenso die wunderbare Catherine Deneuve, die hier zwar nicht viel zu tun hat, aber durch ihre Blicke immer wieder andeutet, dass sie mehr weiß, als ihr lieb ist.
Allein Benoît Poelvoorde gefällt mir nicht so wirklich. Den herzkranken Steuerprüfer verkörpert er überzeugend, aber seine Rolle als 'Love Interest' der beiden Schwestern nehme ich ihm nicht ab. Da hätte ich mir doch einen etwas charismatischeren Darsteller gewünscht. Gut, das ist vielleicht nur meine Meinung, aber der Film ist schon sehenswert, wenn man sich auf die ruhige Handlung einlassen kann. Empfehlenswert ist er auf jeden Fall.
Sonntag, 13. Dezember 2015
Unter der Haut
"Unter der Haut" ist ein Film von Claudia Lorenz (Regie) aus dem Jahr 2015 und gleichzeitig ihr Spielfilmdebüt. Das Drehbuch schrieb Claudia Lorenz zusammen mit Rolando Colla.
Erzählt wird die Geschichte einer Familie in der Schweiz, die gerade in eine neue Wohnung auf dem Land gezogen ist. Vater, Mutter, ein Sohn und eine Tochter im Teenager-Alter und noch eine kleine Tochter. Alles ist harmonisch, eine kleine Idylle. Aber Alice (Ursina Lardi) bemerkt an ihrem Ehemann Frank (Dominique Jann) bald ein paar Merkwürdigkeiten. Er ist verschlossen, wirkt unzufrieden, redet aber nicht darüber.
Als Alice auf dem Familien-Computer auf schwule Webseiten stößt, denkt sie zuerst an ihren Sohn, der ihre Bedenken aber gleich entkräftet. Langsam aber sicher stellt sich heraus, dass Frank auf diesen Seiten verkehrt, der bald auch nicht mehr leugnet, sich zu Männern hingezogen zu fühlen. Für Alice bricht eine Welt zusammen, aber noch will sie das alles nicht wahrhaben. Zunächst versucht sie noch, ihren Mann zum Reden zu bringen und ihn davon zu überzeugen, nur einer Laune zu folgen. Doch je mehr sie bettelt und fleht, ihn mit Körperlichkeiten an die gemeinsame Vergangenheit zu erinnern versucht, umso mehr entgleitet ihr Frank, der inzwischen schon in einen anderen Mann verliebt ist.
Bald schon ist klar, dass ein weiteres Zusammenleben nicht mehr möglich ist. Frank ist zerrissen zwischen der Liebe zu seiner Familie und der Liebe zu seinem Freund Pablo (Antonio Buil) und zieht aus der Familienwohnung aus.
Der Film bleibt nun ganz bei Alice und ihrem Umgang mit den Geschehnissen. Liebe, Wut und Verzweiflung reichen sich hier die Hand, bis zum totalen Zusammenbruch, aus dem die Kinder ihre Mutter herausholen müssen. Bis es einen Neuanfang gibt, ist ein Jahr vergangen. So etwas wie Normalität tritt langsam wieder ein und auch Frank taucht wieder in der Geschichte auf, über den wir in der Zwischenzeit nichts weiter erfahren haben.
Die Stärke dieses Films liegt auch darin, eben nicht alles bis zum Erbrechen zu erzählen, sondern durchaus auch Dinge auszulassen. Was genau Frank antreibt, wie sein Verhältnis zu Pablo ist, warum alles passiert ist, das wird nicht weiter thematisiert und das macht auch nichts. Dieser Film überzeugt in erster Linie durch perfektes Schauspiel und wunderbar starke Darsteller, die einfach in jeder Sekunde überzeugen können und den ganzen Film zu einem sehr sinnlichen Erlebnis machen. Das muss man auch erstmal schaffen.
Hier sind es vor allem Ursina Lardi und Dominique Jann, die ausgezeichnete Arbeit leisten und den Film durch ihre ausgesprochen sensible Darstellung extrem sehenswert machen. Ich kann nur eine ganz große Empfehlung aussprechen, es lohnt sich auf jeden Fall.
Erzählt wird die Geschichte einer Familie in der Schweiz, die gerade in eine neue Wohnung auf dem Land gezogen ist. Vater, Mutter, ein Sohn und eine Tochter im Teenager-Alter und noch eine kleine Tochter. Alles ist harmonisch, eine kleine Idylle. Aber Alice (Ursina Lardi) bemerkt an ihrem Ehemann Frank (Dominique Jann) bald ein paar Merkwürdigkeiten. Er ist verschlossen, wirkt unzufrieden, redet aber nicht darüber.
Als Alice auf dem Familien-Computer auf schwule Webseiten stößt, denkt sie zuerst an ihren Sohn, der ihre Bedenken aber gleich entkräftet. Langsam aber sicher stellt sich heraus, dass Frank auf diesen Seiten verkehrt, der bald auch nicht mehr leugnet, sich zu Männern hingezogen zu fühlen. Für Alice bricht eine Welt zusammen, aber noch will sie das alles nicht wahrhaben. Zunächst versucht sie noch, ihren Mann zum Reden zu bringen und ihn davon zu überzeugen, nur einer Laune zu folgen. Doch je mehr sie bettelt und fleht, ihn mit Körperlichkeiten an die gemeinsame Vergangenheit zu erinnern versucht, umso mehr entgleitet ihr Frank, der inzwischen schon in einen anderen Mann verliebt ist.
Bald schon ist klar, dass ein weiteres Zusammenleben nicht mehr möglich ist. Frank ist zerrissen zwischen der Liebe zu seiner Familie und der Liebe zu seinem Freund Pablo (Antonio Buil) und zieht aus der Familienwohnung aus.
Der Film bleibt nun ganz bei Alice und ihrem Umgang mit den Geschehnissen. Liebe, Wut und Verzweiflung reichen sich hier die Hand, bis zum totalen Zusammenbruch, aus dem die Kinder ihre Mutter herausholen müssen. Bis es einen Neuanfang gibt, ist ein Jahr vergangen. So etwas wie Normalität tritt langsam wieder ein und auch Frank taucht wieder in der Geschichte auf, über den wir in der Zwischenzeit nichts weiter erfahren haben.
Die Stärke dieses Films liegt auch darin, eben nicht alles bis zum Erbrechen zu erzählen, sondern durchaus auch Dinge auszulassen. Was genau Frank antreibt, wie sein Verhältnis zu Pablo ist, warum alles passiert ist, das wird nicht weiter thematisiert und das macht auch nichts. Dieser Film überzeugt in erster Linie durch perfektes Schauspiel und wunderbar starke Darsteller, die einfach in jeder Sekunde überzeugen können und den ganzen Film zu einem sehr sinnlichen Erlebnis machen. Das muss man auch erstmal schaffen.
Hier sind es vor allem Ursina Lardi und Dominique Jann, die ausgezeichnete Arbeit leisten und den Film durch ihre ausgesprochen sensible Darstellung extrem sehenswert machen. Ich kann nur eine ganz große Empfehlung aussprechen, es lohnt sich auf jeden Fall.
Samstag, 14. März 2015
Zombiber
"Zombiber" - "Zombeavers" ist ein Film von Jordan Rubin aus dem Jahr 2014. Das Drehbuch schrieb Rubin zusammen mit Al und Jon Kaplan.
Was erwartet man von einem Film mit dem Titel "Zombiber"? Nachdem ich einiges darüber gelesen habe natürlich nur eins, nämlich sauguten Trash und genau den bekommt man hier auch geboten. Also bitte alle Gehirne und Bedenken an der Garderobe abgeben und rein ins Vergnügen.
Ich fasse die Handlung hier auch nur kurz zusammen, alles Weitere muss selbst angeschaut werden, wenn man sich denn traut. Die hübschen jungen Mädels Jenn, Mary und Zoe wollen allein ein Wochenende am See in einer abgelegenen Hütte verbringen. Jenn hat Liebeskummer, weil ihr Freund sie wahrscheinlich betrogen hat. Mary und Zoe stehen ihr bei, sind aber sauer, in der Wildnis keinen Handyempfang zu haben. So ganz ohne ihre Boyfriends wollen sie nämlich auch nicht sein.
Am Anfang des Films kann man sehen, wie zwei Volltrottel einen Laster mit Giftmüll durch die Gegend kutschieren und bei einem Unfall eines der Fässer verlieren. Dieses Fass landet dann natürlich genau in der Nähe der Hütte am See, schlägt Leck und ergießt seinen giftigen Inhalt an einem Biberbau. Die sonst so niedlichen Tierchen mutieren dadurch zu geifernden Monster-Bibern, die alles angreifen, was sich ihnen so bietet und nicht totzukriegen sind. Eben Zombie-Biber.
Doch bevor unsere Mädels davon Wind bekommen, müssen sie sich einer anderen Bedrohung stellen, nämlich ihren Freunden, die ihnen gefolgt sind und unaufgefordert vor der Hütte stehen. Sam, Tommy und Buck leiden bereits an Sex-Entzug und fordern ihre Rechte ein. Also sind die Ausflügler erst mal mit sich selbst beschäftigt, bevor die Zombiber an der Reihe sind und nach und nach ihre Opfer fordern. Es gibt ein paar Versuche, ihnen zu entkommen, aber glücklich endet keiner von diesen. Da aber auch keiner der Charaktere einem irgendwie ans Herz wachsen kann, enden sie eben alle als Kanonenfutter. Ist nicht anders zu erwarten, aber spaßig anzuschauen. Das Ende ist dann sehr tragisch, wenn die beiden Vollpfosten vom Anfang noch einmal auftauchen und erneut für einen Knaller sorgen, den man sich so sicher nicht gewünscht hat.
Die Namen der Darsteller habe ich hier bewusst nicht erwähnt, die kennt sowieso niemand, also muss ich mir die Arbeit auch nicht machen. Der einzig bekannte Name ist hier Rex Lynn als Jäger Smyth, den kennt man als Detective Frank Tripp aus CSI:Miami. Der macht seine Sache auch sehr gut, bleibt aber leider auch auf der Strecke.
Warum sollte man sich diesen Film aber trotzdem anschauen? Ganz einfach, weil er Spaß macht und herrlicher Trash ist. Zudem sind die Biber nicht aus dem Computer, sondern handgemacht und mit viel Liebe gefertigt. Ich fühlte mich jedenfalls sehr gut unterhalten und kann somit nur eine klare Empfehlung aussprechen.
Was erwartet man von einem Film mit dem Titel "Zombiber"? Nachdem ich einiges darüber gelesen habe natürlich nur eins, nämlich sauguten Trash und genau den bekommt man hier auch geboten. Also bitte alle Gehirne und Bedenken an der Garderobe abgeben und rein ins Vergnügen.
Ich fasse die Handlung hier auch nur kurz zusammen, alles Weitere muss selbst angeschaut werden, wenn man sich denn traut. Die hübschen jungen Mädels Jenn, Mary und Zoe wollen allein ein Wochenende am See in einer abgelegenen Hütte verbringen. Jenn hat Liebeskummer, weil ihr Freund sie wahrscheinlich betrogen hat. Mary und Zoe stehen ihr bei, sind aber sauer, in der Wildnis keinen Handyempfang zu haben. So ganz ohne ihre Boyfriends wollen sie nämlich auch nicht sein.
Am Anfang des Films kann man sehen, wie zwei Volltrottel einen Laster mit Giftmüll durch die Gegend kutschieren und bei einem Unfall eines der Fässer verlieren. Dieses Fass landet dann natürlich genau in der Nähe der Hütte am See, schlägt Leck und ergießt seinen giftigen Inhalt an einem Biberbau. Die sonst so niedlichen Tierchen mutieren dadurch zu geifernden Monster-Bibern, die alles angreifen, was sich ihnen so bietet und nicht totzukriegen sind. Eben Zombie-Biber.
Doch bevor unsere Mädels davon Wind bekommen, müssen sie sich einer anderen Bedrohung stellen, nämlich ihren Freunden, die ihnen gefolgt sind und unaufgefordert vor der Hütte stehen. Sam, Tommy und Buck leiden bereits an Sex-Entzug und fordern ihre Rechte ein. Also sind die Ausflügler erst mal mit sich selbst beschäftigt, bevor die Zombiber an der Reihe sind und nach und nach ihre Opfer fordern. Es gibt ein paar Versuche, ihnen zu entkommen, aber glücklich endet keiner von diesen. Da aber auch keiner der Charaktere einem irgendwie ans Herz wachsen kann, enden sie eben alle als Kanonenfutter. Ist nicht anders zu erwarten, aber spaßig anzuschauen. Das Ende ist dann sehr tragisch, wenn die beiden Vollpfosten vom Anfang noch einmal auftauchen und erneut für einen Knaller sorgen, den man sich so sicher nicht gewünscht hat.
Die Namen der Darsteller habe ich hier bewusst nicht erwähnt, die kennt sowieso niemand, also muss ich mir die Arbeit auch nicht machen. Der einzig bekannte Name ist hier Rex Lynn als Jäger Smyth, den kennt man als Detective Frank Tripp aus CSI:Miami. Der macht seine Sache auch sehr gut, bleibt aber leider auch auf der Strecke.
Warum sollte man sich diesen Film aber trotzdem anschauen? Ganz einfach, weil er Spaß macht und herrlicher Trash ist. Zudem sind die Biber nicht aus dem Computer, sondern handgemacht und mit viel Liebe gefertigt. Ich fühlte mich jedenfalls sehr gut unterhalten und kann somit nur eine klare Empfehlung aussprechen.
Cold in July
"Cold in July" ist ein Film von Jim Mickle aus dem Jahr 2014. Das Drehbuch schrieb Mickle zusammen mit Nick Damici und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Joe R. Lansdale.
Texas, im Jahr 1989. Richard Dane (Michael C. Hall) ist ein unbescholtener Familienvater und führt zusammen mit seiner Frau Ann (Vinessa Shaw) und dem gemeinsamen kleinen Sohn ein eher unauffälliges Leben. Das ändert sich schlagartig, als eines Nachts ein Einbrecher in sein Haus eindringt und von dem nervösen Richard unbeabsichtigt erschossen wird. Nach Angaben des zuständigen Polizisten Ray Price (Nick Damici) handelt es sich bei dem Toten um den gesuchten Verbrecher Freddy Russel. Die Akten werden geschlossen und Richard als Held gefeiert, aber er selbst findet keine Ruhe und geht als einziger Trauergast zu Freddys Begräbnis. Dort trifft er auf Ben Russel (Sam Shepard), der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde und sich als Freddys Vater entpuppt. Der wortkarge Mann spricht Richard auf seinen eigenen Sohn an und fortan ist Richard um seine Familie besorgt, da er befürchtet, Ben sei auf Rache aus.
Tatsächlich taucht Ben öfter in der Nähe von Richards Familie auf und schließlich auch in deren Haus. Die Polizei kann Ben aber schon bald überwältigen und verhaften. Durch Zufall findet Richard einen Hinweis darauf, dass der Mann, den er erschossen hat, nicht Freddy Russel sein kann. Ray Price wischt seine Bedenken beiseite, erklärt seine Unsicherheit mit den für ihn schockierenden Ereignissen in jener Nacht und schickt Richard nach Hause. Doch Richard lässt die Sache keine Ruhe. Auf eigene Faust forscht er weiter nach und kommt dabei einer unglaublichen Geschichte auf die Spur, die sein bisheriges braves Leben komplett auf den Kopf stellen wird. Zur Seite steht ihm dabei unter anderem der Privatdetektiv Jim Bob (Don Johnson), ein Typ, der mit allen Wassern gewaschen ist.
Was nun folgt ist eine Geschichte, die so niemand erwarten konnte. Mehr kann ich hier auch nicht erzählen, um die Spannung nicht zu zerstören. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, sich diesen Film anzuschauen, der zwar ruhig erzählt ist, rund 109 Minuten Laufzeit hat, aber auch durchaus noch einige Actionszenen zu bieten hat, die sich sehen lassen können.
Die Besetzung jedenfalls ist superb. Neben Michael C. Hall als bravem Familienvater, der plötzlich über sich hinauswachsen muss, überzeugen vor allem Sam Shepard, der gewohnt brummelig und wortkarg einen sehr ambivalenten Typen darstellt, als auch Don Johnson, immer noch höllisch attraktiv, der sogar ein bisschen Humor in die Story einbringt. Die beiden alten Haudegen Shepard und Johnson lassen Hall dabei ein bisschen blass aussehen, was aber insgesamt super passt.
Erwähnen muss ich noch die perfekte Ausstattung, das Flair der Achtziger Jahre wurde sehr gut eingefangen, sowie den wunderbaren Soundtrack. Ich kann den Film nur sehr empfehlen, zwar ein reiner Männerfilm, aber wirklich gut und spannend gemacht. Über die Handlung sollte man nicht zu viel nachdenken, sondern sie einfach so akzeptieren, wie sie ist. Macht Spaß.
Texas, im Jahr 1989. Richard Dane (Michael C. Hall) ist ein unbescholtener Familienvater und führt zusammen mit seiner Frau Ann (Vinessa Shaw) und dem gemeinsamen kleinen Sohn ein eher unauffälliges Leben. Das ändert sich schlagartig, als eines Nachts ein Einbrecher in sein Haus eindringt und von dem nervösen Richard unbeabsichtigt erschossen wird. Nach Angaben des zuständigen Polizisten Ray Price (Nick Damici) handelt es sich bei dem Toten um den gesuchten Verbrecher Freddy Russel. Die Akten werden geschlossen und Richard als Held gefeiert, aber er selbst findet keine Ruhe und geht als einziger Trauergast zu Freddys Begräbnis. Dort trifft er auf Ben Russel (Sam Shepard), der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde und sich als Freddys Vater entpuppt. Der wortkarge Mann spricht Richard auf seinen eigenen Sohn an und fortan ist Richard um seine Familie besorgt, da er befürchtet, Ben sei auf Rache aus.
Tatsächlich taucht Ben öfter in der Nähe von Richards Familie auf und schließlich auch in deren Haus. Die Polizei kann Ben aber schon bald überwältigen und verhaften. Durch Zufall findet Richard einen Hinweis darauf, dass der Mann, den er erschossen hat, nicht Freddy Russel sein kann. Ray Price wischt seine Bedenken beiseite, erklärt seine Unsicherheit mit den für ihn schockierenden Ereignissen in jener Nacht und schickt Richard nach Hause. Doch Richard lässt die Sache keine Ruhe. Auf eigene Faust forscht er weiter nach und kommt dabei einer unglaublichen Geschichte auf die Spur, die sein bisheriges braves Leben komplett auf den Kopf stellen wird. Zur Seite steht ihm dabei unter anderem der Privatdetektiv Jim Bob (Don Johnson), ein Typ, der mit allen Wassern gewaschen ist.
Was nun folgt ist eine Geschichte, die so niemand erwarten konnte. Mehr kann ich hier auch nicht erzählen, um die Spannung nicht zu zerstören. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, sich diesen Film anzuschauen, der zwar ruhig erzählt ist, rund 109 Minuten Laufzeit hat, aber auch durchaus noch einige Actionszenen zu bieten hat, die sich sehen lassen können.
Die Besetzung jedenfalls ist superb. Neben Michael C. Hall als bravem Familienvater, der plötzlich über sich hinauswachsen muss, überzeugen vor allem Sam Shepard, der gewohnt brummelig und wortkarg einen sehr ambivalenten Typen darstellt, als auch Don Johnson, immer noch höllisch attraktiv, der sogar ein bisschen Humor in die Story einbringt. Die beiden alten Haudegen Shepard und Johnson lassen Hall dabei ein bisschen blass aussehen, was aber insgesamt super passt.
Erwähnen muss ich noch die perfekte Ausstattung, das Flair der Achtziger Jahre wurde sehr gut eingefangen, sowie den wunderbaren Soundtrack. Ich kann den Film nur sehr empfehlen, zwar ein reiner Männerfilm, aber wirklich gut und spannend gemacht. Über die Handlung sollte man nicht zu viel nachdenken, sondern sie einfach so akzeptieren, wie sie ist. Macht Spaß.
Samstag, 21. Februar 2015
The Face of Love
"The Face of Love" ist ein Film von Arie Posin aus dem Jahr 2013. Das Drehbuch schrieb Posin zusammen mit Matthew McDuffie.
Ja, manchmal habe selbst ich ein Bedürfnis nach romantischen und kitschigen Liebesgeschichten, erst recht, wenn sie wie hier von so wunderbaren Schauspielern dargeboten werden. Also los...
Nikki (Annette Bening), eine Frau Ende Fünfzig, hat vor fünf Jahren ihren geliebten Mann Garret (Ed Harris) bei einem Badeunfall in Mexico verloren und lebt seitdem sehr zurückgezogen. Den Glauben an die Liebe hat sie aufgegeben. Ihr bleiben ihre erwachsene Tochter Summer (Jess Weixler) und ihr ebenfalls verwitweter Nachbar Roger (Robin Williams).
Früher war Nikki mit ihrem Mann oft im Museum of Modern Art zu Besuch, doch nach seinem Tod konnte sie sich nicht mehr dazu durchringen. Auf Anregung ihrer Tochter stattet Nikki dem Museum einen Besuch ab und trifft dabei auf einen Mann, der Garret zum Verwechseln ähnlich sieht. Tom (Ed Harris) gibt dort Unterricht in Kunst und Malerei. Nikki bittet Tom um Privatunterricht und beide kommen sich schnell näher. Dabei verschweigt Nikki jedoch, wie sehr Tom ihrem verstorbenen Gatten ähnelt. Sie will ihn ganz für sich haben, keine Fragen stellen und die Vergangenheit wieder aufleben lassen.
Das funktioniert natürlich nur bedingt, denn als Summer ihre Mutter besucht und den neuen Mann an ihrer Seite sieht, wird sie hysterisch und Tom verlässt das Haus. Nikki überredet ihn zu einem Trip nach Mexico und dort wird Tom endlich klar, welche Rolle er hier spielt. Doch auch Tom hat ein Geheimnis, das er nicht offenbart.
Das Ende verrate ich nicht, aber wer hier nicht heult, der hat kein Herz.
Annette Bening ist eine der schönsten Frauen überhaupt und sie hat auch immer noch ein echtes Gesicht, was in Hollywood ja sonst eher Mangelware ist. Ja, sie hat Falten und ja, die sind wunderschön. Ich kann mich an ihr nicht sattsehen, ebenso wie an Ed Harris, die beide hier durch ihr großartiges Spiel überzeugen können. In einer Nebenrolle glänzt der wunderbare Robin Williams in einer seiner letzten Rollen, was dem Film auch eine gewisse Tragik verleiht.
Genug geschwärmt, der Film und die Schauspieler sind toll und sehenswert, man muss sich halt auf die Geschichte einlassen können, das sollte aber kein Problem sein. Große Empfehlung von mir.
Ja, manchmal habe selbst ich ein Bedürfnis nach romantischen und kitschigen Liebesgeschichten, erst recht, wenn sie wie hier von so wunderbaren Schauspielern dargeboten werden. Also los...
Nikki (Annette Bening), eine Frau Ende Fünfzig, hat vor fünf Jahren ihren geliebten Mann Garret (Ed Harris) bei einem Badeunfall in Mexico verloren und lebt seitdem sehr zurückgezogen. Den Glauben an die Liebe hat sie aufgegeben. Ihr bleiben ihre erwachsene Tochter Summer (Jess Weixler) und ihr ebenfalls verwitweter Nachbar Roger (Robin Williams).
Früher war Nikki mit ihrem Mann oft im Museum of Modern Art zu Besuch, doch nach seinem Tod konnte sie sich nicht mehr dazu durchringen. Auf Anregung ihrer Tochter stattet Nikki dem Museum einen Besuch ab und trifft dabei auf einen Mann, der Garret zum Verwechseln ähnlich sieht. Tom (Ed Harris) gibt dort Unterricht in Kunst und Malerei. Nikki bittet Tom um Privatunterricht und beide kommen sich schnell näher. Dabei verschweigt Nikki jedoch, wie sehr Tom ihrem verstorbenen Gatten ähnelt. Sie will ihn ganz für sich haben, keine Fragen stellen und die Vergangenheit wieder aufleben lassen.
Das funktioniert natürlich nur bedingt, denn als Summer ihre Mutter besucht und den neuen Mann an ihrer Seite sieht, wird sie hysterisch und Tom verlässt das Haus. Nikki überredet ihn zu einem Trip nach Mexico und dort wird Tom endlich klar, welche Rolle er hier spielt. Doch auch Tom hat ein Geheimnis, das er nicht offenbart.
Das Ende verrate ich nicht, aber wer hier nicht heult, der hat kein Herz.
Annette Bening ist eine der schönsten Frauen überhaupt und sie hat auch immer noch ein echtes Gesicht, was in Hollywood ja sonst eher Mangelware ist. Ja, sie hat Falten und ja, die sind wunderschön. Ich kann mich an ihr nicht sattsehen, ebenso wie an Ed Harris, die beide hier durch ihr großartiges Spiel überzeugen können. In einer Nebenrolle glänzt der wunderbare Robin Williams in einer seiner letzten Rollen, was dem Film auch eine gewisse Tragik verleiht.
Genug geschwärmt, der Film und die Schauspieler sind toll und sehenswert, man muss sich halt auf die Geschichte einlassen können, das sollte aber kein Problem sein. Große Empfehlung von mir.
Sonntag, 15. Februar 2015
Maps to the Stars
"Maps to the Stars" ist ein Film von David Cronenberg aus dem Jahr 2014. Das Drehbuch stammt von Bruce Wagner.
Die junge Agatha Weiss (Mia Wasikowska) hat die letzten sieben Jahre in einer psychiatrischen Klinik in Florida verbracht, nachdem sie zuvor ihr Elternhaus angezündet und ihrem kleinen Bruder Schlafmittel verabreicht hatte. Ihre Familie hat sie seitdem nie wieder gesehen. Nun kehrt Agatha nach Los Angeles zurück, mietet sich eine Limousine und freundet sich mit dem Fahrer Jerome (Robert Pattinson) an. Ihr erster Weg führt sie zu dem Ort, wo früher das Haus ihrer Familie stand, doch da ist nur ein großes Nichts.
Agatha ist seit dem Feuer und trotz zahlreicher Operationen immer noch von Brandnarben entstellt, die sie unter der Kleidung und langen schwarzen Handschuhen zu verstecken versucht. Auch Teile ihres Gesichts sind davon befallen. Sie nimmt nicht sofort Kontakt zu ihrer Familie auf, sondern sucht sich erst einen Job. Über Twitter ist sie seit einiger Zeit mit der Schauspielerin Carrie Fisher bekannt, die ihr eine Anstellung als persönliche Assistentin bei Havana Segrand (Julianne Moore) besorgt.
Havana ist eine in die Jahre gekommene Schauspielerin, die mit ihrem Alter und den damit verbundenen schwindenden Rollenangeboten hadert und zudem vom Geist ihrer früh verstorbenen Mutter Clarice (Sarah Gadon) verfolgt wird, von der sie als Kind sexuell missbraucht wurde. Deswegen ist sie in Behandlung bei Dr. Stafford Weiss (John Cusack), einem in Hollywood sehr bekannten Psychotherapeuten, Guru und Autor zahlreicher Selbsthilfe-Bücher. Staffords Ehefrau Christina (Olivia Williams) kümmert sich um die Karriere des gemeinsamen Sohnes Benjie (Evan Bird), der den damaligen Brand und die Tablettenvergiftung unbehelligt überstanden hat und mit seinen dreizehn Jahren bereits ein seit Jahren gefeierter Kinderstar ist. Dass er darüber hinaus auch ein echter Kotzbrocken ist und bereits einen Drogenentzug hinter sich hat, das muss ja niemand wissen.
Benötigt hier noch jemand die Beschreibung einer dysfunktionalen Familie? Ich glaube nicht. David Cronenberg und sein Autor Bruce Wagner legen hier sehr deutlich den Finger in die Wunde, die in Hollywood wohl sehr verbreitet ist. Gut, das ist jetzt auch nichts wirklich Neues, ist hier aber sehr anschaulich demonstriert. Zusammenfassend kann man sagen, dass hier wirklich alle einen an der Waffel haben, mehr oder weniger. Meistens mehr. Aber weiter mit der Geschichte.
Havana will unbedingt die Hauptrolle in dem Remake eines Films spielen, mit dem ihre Mutter in den Sechziger Jahren zum Star wurde. Durch sehr tragische Wendungen, die mit dem Tod eines kleinen Jungen verbunden sind, bekommt sie schließlich die Rolle, für die zuvor eigentlich eine andere Schauspielerin vorgesehen war. Doch das scheinbar tödliche Karussell aus Gemeinheiten, Boshaftigkeit und Missgunst will einfach nicht stoppen und fordert immer mehr Opfer.
Es wird auch noch ein bisschen blutig, das kann man wohl von Cronenberg auch erwarten, und immer wieder sind es Feuer und Wasser, die hier im Vordergrund stehen. Langweilig ist der Film zu keinem Zeitpunkt, auch wenn andere Kritiken das behaupten. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden. Mir hat der Film durchaus gefallen, auch wenn sein Thema und die Umsetzung nicht für jeden Geschmack geeignet sind.
Kommen wir zu den Darstellern. An erster Stelle steht natürlich die atemberaubende Julianne Moore, die mal wieder beweist, eine der größten Schauspielerinnen ihrer Generation zu sein und die einfach alles spielen kann. Zum Glück verweigert sie sich dem in Hollywood grassierenden Schönheitswahn und bleibt einfach sie selbst. Toll und beeindruckend, immer wieder. An ihrer Seite glänzt die junge Mia Wasikowska erneut mit einer bewundernswerten Darstellung. Himmel, ist die talentiert. In den Nebenrollen muss man noch John Cusack und Olivia Williams erwähnen, ebenso wie Evan Bird als Kinderstar. Sehr gut gemacht. Mehr fallen mir hier aber nicht ein...
Also wer mit Neurosen, falschen Freundlichkeiten und hartem Konkurrenzkampf keine Probleme hat, der sollte sich diesen Film anschauen. Ich kann ihn jedenfalls sehr empfehlen.
Die junge Agatha Weiss (Mia Wasikowska) hat die letzten sieben Jahre in einer psychiatrischen Klinik in Florida verbracht, nachdem sie zuvor ihr Elternhaus angezündet und ihrem kleinen Bruder Schlafmittel verabreicht hatte. Ihre Familie hat sie seitdem nie wieder gesehen. Nun kehrt Agatha nach Los Angeles zurück, mietet sich eine Limousine und freundet sich mit dem Fahrer Jerome (Robert Pattinson) an. Ihr erster Weg führt sie zu dem Ort, wo früher das Haus ihrer Familie stand, doch da ist nur ein großes Nichts.
Agatha ist seit dem Feuer und trotz zahlreicher Operationen immer noch von Brandnarben entstellt, die sie unter der Kleidung und langen schwarzen Handschuhen zu verstecken versucht. Auch Teile ihres Gesichts sind davon befallen. Sie nimmt nicht sofort Kontakt zu ihrer Familie auf, sondern sucht sich erst einen Job. Über Twitter ist sie seit einiger Zeit mit der Schauspielerin Carrie Fisher bekannt, die ihr eine Anstellung als persönliche Assistentin bei Havana Segrand (Julianne Moore) besorgt.
Havana ist eine in die Jahre gekommene Schauspielerin, die mit ihrem Alter und den damit verbundenen schwindenden Rollenangeboten hadert und zudem vom Geist ihrer früh verstorbenen Mutter Clarice (Sarah Gadon) verfolgt wird, von der sie als Kind sexuell missbraucht wurde. Deswegen ist sie in Behandlung bei Dr. Stafford Weiss (John Cusack), einem in Hollywood sehr bekannten Psychotherapeuten, Guru und Autor zahlreicher Selbsthilfe-Bücher. Staffords Ehefrau Christina (Olivia Williams) kümmert sich um die Karriere des gemeinsamen Sohnes Benjie (Evan Bird), der den damaligen Brand und die Tablettenvergiftung unbehelligt überstanden hat und mit seinen dreizehn Jahren bereits ein seit Jahren gefeierter Kinderstar ist. Dass er darüber hinaus auch ein echter Kotzbrocken ist und bereits einen Drogenentzug hinter sich hat, das muss ja niemand wissen.
Benötigt hier noch jemand die Beschreibung einer dysfunktionalen Familie? Ich glaube nicht. David Cronenberg und sein Autor Bruce Wagner legen hier sehr deutlich den Finger in die Wunde, die in Hollywood wohl sehr verbreitet ist. Gut, das ist jetzt auch nichts wirklich Neues, ist hier aber sehr anschaulich demonstriert. Zusammenfassend kann man sagen, dass hier wirklich alle einen an der Waffel haben, mehr oder weniger. Meistens mehr. Aber weiter mit der Geschichte.
Havana will unbedingt die Hauptrolle in dem Remake eines Films spielen, mit dem ihre Mutter in den Sechziger Jahren zum Star wurde. Durch sehr tragische Wendungen, die mit dem Tod eines kleinen Jungen verbunden sind, bekommt sie schließlich die Rolle, für die zuvor eigentlich eine andere Schauspielerin vorgesehen war. Doch das scheinbar tödliche Karussell aus Gemeinheiten, Boshaftigkeit und Missgunst will einfach nicht stoppen und fordert immer mehr Opfer.
Es wird auch noch ein bisschen blutig, das kann man wohl von Cronenberg auch erwarten, und immer wieder sind es Feuer und Wasser, die hier im Vordergrund stehen. Langweilig ist der Film zu keinem Zeitpunkt, auch wenn andere Kritiken das behaupten. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden. Mir hat der Film durchaus gefallen, auch wenn sein Thema und die Umsetzung nicht für jeden Geschmack geeignet sind.
Kommen wir zu den Darstellern. An erster Stelle steht natürlich die atemberaubende Julianne Moore, die mal wieder beweist, eine der größten Schauspielerinnen ihrer Generation zu sein und die einfach alles spielen kann. Zum Glück verweigert sie sich dem in Hollywood grassierenden Schönheitswahn und bleibt einfach sie selbst. Toll und beeindruckend, immer wieder. An ihrer Seite glänzt die junge Mia Wasikowska erneut mit einer bewundernswerten Darstellung. Himmel, ist die talentiert. In den Nebenrollen muss man noch John Cusack und Olivia Williams erwähnen, ebenso wie Evan Bird als Kinderstar. Sehr gut gemacht. Mehr fallen mir hier aber nicht ein...
Also wer mit Neurosen, falschen Freundlichkeiten und hartem Konkurrenzkampf keine Probleme hat, der sollte sich diesen Film anschauen. Ich kann ihn jedenfalls sehr empfehlen.
Sonntag, 1. Februar 2015
Lilting
"Lilting" ist ein Film von Hong Khaou (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2014 und gleichzeitig sein Langfilmdebüt.
In einem Seniorenheim in London lebt die verwitwete Junn (Pei-pei Cheng), eine Chinesin mit kambodschanischen Wurzeln, die zwar seit fast dreißig Jahren in England lebt, aber die Sprache nie gelernt hat. Ihr Sohn Kai (Andrew Leung) hat sich immer um alles gekümmert und sie schließlich in dem Seniorenheim untergebracht, wollte sie aber zu sich holen, wenn er eine größere Wohnung gefunden hat.
Doch plötzlich ist Kai tot, gestorben bei einem Verkehrsunfall und Junn bleibt allein zurück, auch wenn sie in ihren Tagträumen immer und immer wieder die letzte Begegnung mit ihrem Sohn wiederholt. An diesem Tag wollte Kai endlich seinen ganzen Mut zusammennehmen und ihr erklären, dass sein Freund und Mitbewohner Richard (Ben Whishaw) auch sein Lebensgefährte ist und das schon seit vier Jahren.
Richard besucht Junn, die ihn nicht mag und das auch nicht versteckt. Weil er mit Kai zusammengelebt hat, konnte sie nicht bei ihrem Sohn leben, das verzeiht sie ihm nicht. Wie tief das Verhältnis der beiden jungen Männer war, das weiß sie nicht oder will es nicht wissen. Aus Liebe zu seinem verstorbenen Geliebten möchte sich Richard um Junn kümmern, doch beide können sich nicht verständigen und die alte Frau ist äußerst abweisend.
Junn hat im Seniorenheim eine kleine Liebelei mit Alan (Peter Bowles) angefangen, der ebenfalls dort lebt. Auch diese beiden sprechen nicht die gleiche Sprache, scheinen aber glücklich miteinander zu sein. Richard engagiert die junge Vann (Naomi Christie), die als Übersetzerin tätig wird und Junn und Alan zur Seite steht. Doch die gerade erst aufkeimende Liebe bekommt Risse, je mehr beide voneinander erfahren. Wortlos waren sie scheinbar glücklicher.
Auch Richard versucht durch Vann, näher zu Junn vorzudringen und ihr von seinen Gefühlen für Kai zu erzählen. Beide sind gefangen in ihrer Trauer um den geliebten Menschen und müssen erst langsam lernen, den Verlust zu akzeptieren und sich gegenseitig zu respektieren und zu verstehen, auch ohne Worte.
Nein, das ist kein Wohlfühlfilm und das will er auch gar nicht sein. Hong Khaou verzichtet bewusst auf jeden Kitsch und erzählt seinen wunderbaren Film ganz ehrlich. Tränen fließen dabei auch, nicht nur bei den Beteiligten, sondern auch beim Zuschauer. Das liegt in erster Linie an Ben Whishaw, der so in seiner Rolle aufgeht, dass es wirklich herzzerreißend ist. Mich hat er hier jedenfalls absolut gepackt, auch wenn ich ihm bisher nicht wirklich viel abgewinnen konnte. Respekt für diese Darstellung.
Auch die anderen Schauspieler muss man einfach loben, dieser kleine, fast schon kammerspielartige Film ist ein wahres Highlight, das man nicht verpassen sollte. Unterlegt mit sehr zurückhaltender Musik und ausgestattet mit schönen Bildern kann ich diesen Film nur sehr empfehlen. Kamerafrau war hier übrigens Urszula Pontikos, die schon in Andrew Haighs "Weekend" mit ihrer Arbeit überzeugen konnte.
Insgesamt gesehen ein wirklich schöner und sehr berührender Film. Auf weitere Werke von Hong Khaou darf man gespannt sein. Ganz große Empfehlung.
In einem Seniorenheim in London lebt die verwitwete Junn (Pei-pei Cheng), eine Chinesin mit kambodschanischen Wurzeln, die zwar seit fast dreißig Jahren in England lebt, aber die Sprache nie gelernt hat. Ihr Sohn Kai (Andrew Leung) hat sich immer um alles gekümmert und sie schließlich in dem Seniorenheim untergebracht, wollte sie aber zu sich holen, wenn er eine größere Wohnung gefunden hat.
Doch plötzlich ist Kai tot, gestorben bei einem Verkehrsunfall und Junn bleibt allein zurück, auch wenn sie in ihren Tagträumen immer und immer wieder die letzte Begegnung mit ihrem Sohn wiederholt. An diesem Tag wollte Kai endlich seinen ganzen Mut zusammennehmen und ihr erklären, dass sein Freund und Mitbewohner Richard (Ben Whishaw) auch sein Lebensgefährte ist und das schon seit vier Jahren.
Richard besucht Junn, die ihn nicht mag und das auch nicht versteckt. Weil er mit Kai zusammengelebt hat, konnte sie nicht bei ihrem Sohn leben, das verzeiht sie ihm nicht. Wie tief das Verhältnis der beiden jungen Männer war, das weiß sie nicht oder will es nicht wissen. Aus Liebe zu seinem verstorbenen Geliebten möchte sich Richard um Junn kümmern, doch beide können sich nicht verständigen und die alte Frau ist äußerst abweisend.
Junn hat im Seniorenheim eine kleine Liebelei mit Alan (Peter Bowles) angefangen, der ebenfalls dort lebt. Auch diese beiden sprechen nicht die gleiche Sprache, scheinen aber glücklich miteinander zu sein. Richard engagiert die junge Vann (Naomi Christie), die als Übersetzerin tätig wird und Junn und Alan zur Seite steht. Doch die gerade erst aufkeimende Liebe bekommt Risse, je mehr beide voneinander erfahren. Wortlos waren sie scheinbar glücklicher.
Auch Richard versucht durch Vann, näher zu Junn vorzudringen und ihr von seinen Gefühlen für Kai zu erzählen. Beide sind gefangen in ihrer Trauer um den geliebten Menschen und müssen erst langsam lernen, den Verlust zu akzeptieren und sich gegenseitig zu respektieren und zu verstehen, auch ohne Worte.
Nein, das ist kein Wohlfühlfilm und das will er auch gar nicht sein. Hong Khaou verzichtet bewusst auf jeden Kitsch und erzählt seinen wunderbaren Film ganz ehrlich. Tränen fließen dabei auch, nicht nur bei den Beteiligten, sondern auch beim Zuschauer. Das liegt in erster Linie an Ben Whishaw, der so in seiner Rolle aufgeht, dass es wirklich herzzerreißend ist. Mich hat er hier jedenfalls absolut gepackt, auch wenn ich ihm bisher nicht wirklich viel abgewinnen konnte. Respekt für diese Darstellung.
Auch die anderen Schauspieler muss man einfach loben, dieser kleine, fast schon kammerspielartige Film ist ein wahres Highlight, das man nicht verpassen sollte. Unterlegt mit sehr zurückhaltender Musik und ausgestattet mit schönen Bildern kann ich diesen Film nur sehr empfehlen. Kamerafrau war hier übrigens Urszula Pontikos, die schon in Andrew Haighs "Weekend" mit ihrer Arbeit überzeugen konnte.
Insgesamt gesehen ein wirklich schöner und sehr berührender Film. Auf weitere Werke von Hong Khaou darf man gespannt sein. Ganz große Empfehlung.
Sonntag, 14. Dezember 2014
DVD-Veröffentlichung: Wilde Herzen
"Wilde Herzen" - "Les roseaux sauvages" von André Téchiné aus dem Jahr 1994 ist nun auch hierzulande endlich auf DVD erschienen und zwar bei Salzgeber. Zu sehen ist der Film in der französischen Originalfassung und in der deutschen Synchronfassung. Leider jedoch ohne deutsche Untertitel, was ich sehr bedaure. Ich persönlich mag keine französischen Filme mit deutscher Synchronisation, weil meistens die Stimmen etwas unglücklich gewählt sind, aber das ist nur meine Meinung und Meckern auf hohem Niveau. Freuen kann man sich über diese längst fällige Veröffentlichung und einen der schönsten Filme von André Téchiné aber in jedem Fall.
Zur Filmkritik geht es hier, damals noch mit der französischen Fassung: "Les roseaux sauvages"
Große Empfehlung von mir für einen ganz zauberhaften Film mit sensationellen Darstellern, die noch ganz am Anfang ihrer Karrieren standen. Man erlebt mit ihnen einen Sommer, den man nie wieder vergisst. Unbedingt anschauen.
Zur Filmkritik geht es hier, damals noch mit der französischen Fassung: "Les roseaux sauvages"
Große Empfehlung von mir für einen ganz zauberhaften Film mit sensationellen Darstellern, die noch ganz am Anfang ihrer Karrieren standen. Man erlebt mit ihnen einen Sommer, den man nie wieder vergisst. Unbedingt anschauen.
Sonntag, 30. November 2014
Big Bad Wolves
"Big Bad Wolves" - "Mi mefahed mezeev hara" ist ein Film der beiden israelischen Filmemacher Navot Papushado und Aharon Keshales (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013.
So, bevor der November nun so ganz wortlos ausklingt, kommt hier noch schnell eine Empfehlung für einen sehr fiesen Rache- und Selbstjustiz-Thriller, bei dem einem das Lachen oftmals im Halse stecken bleibt. Zartbesaitete Zuschauer dürfen gerne wegschauen, die FSK18 ist hier durchaus gerechtfertigt.
Worum geht es? Ein Serienkiller entführt, missbraucht und tötet kleine Mädchen, denen er zudem noch die Köpfe abschneidet. Der Polizist Miki (Lior Ashkenazi) ist auf den Fall angesetzt und hat schon bald einen Verdächtigen, den er für den Täter hält. Der unscheinbare Lehrer Dror (Rotem Keinan) wird von Miki und seinen Kollegen geschlagen und misshandelt, nur leider wird das von einem Zeugen aufgenommen und ins Internet gestellt. Miki verliert seinen Job, aber er bleibt Dror auf der Spur.
Gidi (Tzahi Grad), der Vater des letzten Opfers, ist ebenfalls hinter Dror her und hat sich ein abgelegenes Haus gemietet, das einen großen Keller hat. Hier will er die Wahrheit aus dem Verdächtigen herausbekommen und vor allen Dingen erfahren, wo der Kopf seiner toten Tochter versteckt ist.
Miki entführt Dror, um ein Geständnis aus ihm herauszupressen. Gidi beobachtet das Geschehen und schließlich landen alle Drei in Gidis Keller. Dror wird gefesselt, während Gidi und Miki sich bereit machen, ihn zu foltern. Es soll ihm das angetan werden, was er mit den kleinen Mädchen gemacht hat. Dror beteuert weiterhin seine Unschuld, aber Gidi lässt nicht von seinem Plan ab. Miki überkommen langsam Zweifel an dem Vorgehen, doch die ganze Situation wird noch viel komplizierter und absurder, durch Anrufe von Gidis Mutter und den plötzlichen Besuch seines Vaters Yoram (Dov Glickman), der gleich tatkräftig ins Geschehen eingreift.
Jedes weitere Wort wäre hier zu viel, also belasse ich es bei dieser kurzen Beschreibung. Die Thematik ist natürlich grauenvoll und nicht zum Lachen, die Gewaltszenen sind zum Teil kleine Schockmomente, aber trotz allem ist der Film durchzogen von einem gewissen Humor, der allerdings schon wirklich sehr böse ist. Darf man über einen solchen Film lachen? Klar, wieso denn auch nicht? Mir hat der Film jedenfalls gut gefallen, die Story ist einfallsreich, schwankt perfekt zwischen Drama und Komödie, was bestimmt nicht allen gefällt und die Schauspieler sind erstklassig. Trockener und sehr fieser Humor paart sich hier mit einigen Grausamkeiten, die aber allemal zu verkraften sind.
Kein Film für jeden Geschmack, aber definitiv sehenswert. Der Zuschauer wird bis zum Schluss im Unklaren gelassen, ob Dror nun wirklich schuldig ist, was zusätzlich den Reiz erhöht. Allerdings gibt es mit der letzten Einstellung des Films eine ziemlich eindeutige Antwort auf diese Frage.
So, bevor der November nun so ganz wortlos ausklingt, kommt hier noch schnell eine Empfehlung für einen sehr fiesen Rache- und Selbstjustiz-Thriller, bei dem einem das Lachen oftmals im Halse stecken bleibt. Zartbesaitete Zuschauer dürfen gerne wegschauen, die FSK18 ist hier durchaus gerechtfertigt.
Worum geht es? Ein Serienkiller entführt, missbraucht und tötet kleine Mädchen, denen er zudem noch die Köpfe abschneidet. Der Polizist Miki (Lior Ashkenazi) ist auf den Fall angesetzt und hat schon bald einen Verdächtigen, den er für den Täter hält. Der unscheinbare Lehrer Dror (Rotem Keinan) wird von Miki und seinen Kollegen geschlagen und misshandelt, nur leider wird das von einem Zeugen aufgenommen und ins Internet gestellt. Miki verliert seinen Job, aber er bleibt Dror auf der Spur.
Gidi (Tzahi Grad), der Vater des letzten Opfers, ist ebenfalls hinter Dror her und hat sich ein abgelegenes Haus gemietet, das einen großen Keller hat. Hier will er die Wahrheit aus dem Verdächtigen herausbekommen und vor allen Dingen erfahren, wo der Kopf seiner toten Tochter versteckt ist.
Miki entführt Dror, um ein Geständnis aus ihm herauszupressen. Gidi beobachtet das Geschehen und schließlich landen alle Drei in Gidis Keller. Dror wird gefesselt, während Gidi und Miki sich bereit machen, ihn zu foltern. Es soll ihm das angetan werden, was er mit den kleinen Mädchen gemacht hat. Dror beteuert weiterhin seine Unschuld, aber Gidi lässt nicht von seinem Plan ab. Miki überkommen langsam Zweifel an dem Vorgehen, doch die ganze Situation wird noch viel komplizierter und absurder, durch Anrufe von Gidis Mutter und den plötzlichen Besuch seines Vaters Yoram (Dov Glickman), der gleich tatkräftig ins Geschehen eingreift.
Jedes weitere Wort wäre hier zu viel, also belasse ich es bei dieser kurzen Beschreibung. Die Thematik ist natürlich grauenvoll und nicht zum Lachen, die Gewaltszenen sind zum Teil kleine Schockmomente, aber trotz allem ist der Film durchzogen von einem gewissen Humor, der allerdings schon wirklich sehr böse ist. Darf man über einen solchen Film lachen? Klar, wieso denn auch nicht? Mir hat der Film jedenfalls gut gefallen, die Story ist einfallsreich, schwankt perfekt zwischen Drama und Komödie, was bestimmt nicht allen gefällt und die Schauspieler sind erstklassig. Trockener und sehr fieser Humor paart sich hier mit einigen Grausamkeiten, die aber allemal zu verkraften sind.
Kein Film für jeden Geschmack, aber definitiv sehenswert. Der Zuschauer wird bis zum Schluss im Unklaren gelassen, ob Dror nun wirklich schuldig ist, was zusätzlich den Reiz erhöht. Allerdings gibt es mit der letzten Einstellung des Films eine ziemlich eindeutige Antwort auf diese Frage.
Samstag, 25. Oktober 2014
Liebe ist das perfekte Verbrechen
"Liebe ist das perfekte Verbrechen" - "L'amour est un crime parfait" ist ein Film der Brüder Arnaud und Jean-Marie Larrieu (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013 und basiert auf dem Roman "Die Rastlosen" von Philippe Dijan.
An der Universität von Lausanne unterrichtet der knapp fünfzigjährige Literaturprofessor Marc (Mathieu Amalric) kreatives Schreiben. Der attraktive Mann ist umgeben von hübschen jungen Studentinnen, die auch gerne mal bei ihm private Nachhilfestunden nehmen. Diese finden dann oft in seinem abgelegenen Chalet in den Bergen statt, wo Marc mit seiner Schwester Marianne (Karin Viard) lebt. Doch nun ist seine letzte Eroberung, die talentierte Studentin Barbara (Marion Duval) spurlos verschwunden und Marcs Leben wird auf den Kopf gestellt.
Ein junger Inspektor (Damien Dorsaz) taucht immer wieder in der Universität auf und stellt Fragen, auf die Marc keine Antworten hat. Marcs Vorgesetzter Richard (Denis Podalydès), der eine heimliche Affäre mit Marianne hat, macht Marc das Leben schwer und droht mit seinem Rausschmiss aus der Universität. Und dann erscheint auch noch die geheimnisvolle und schöne Anna (Maïwenn), die Stiefmutter von Barbara. Anna erklärt Marc, Barbara erst seit einigen Monaten zu kennen, nämlich seit der Hochzeit mit deren Vater, der aber bereits kurze Zeit später zu einem Geheimauftrag nach Mali reisen musste und von dem sie seit dieser Zeit nichts mehr gehört hat. Nun macht sie sich große Sorgen um Barbara, die ihre einzige Verbindung zu ihrer neuen Familie ist.
Marc verliebt sich in Anna, die so anders ist, als all die jungen Studentinnen, die ihn anhimmeln und sich ihm an den Hals werfen. Anna erwidert seine Gefühle und die beiden beginnen eine heimliche Liebesaffäre. Doch der Druck auf Marc wächst, denn die hübsche Studentin Annie (Sara Forstier) hat es auf ihn abgesehen und lässt sich nicht abwimmeln. Als Marc sich nicht auf sie einlassen will, kümmern sich die Schläger ihres Vaters um ihn.
Das Leben wird für Marc immer komplizierter. Er liebt Anna, aber er liebt auch seine Schwester Marianne, wobei dieses Verhältnis seltsam ungeklärt bleibt. Ein tragisches Ereignis in der Kindheit hat sie für immer zusammengeschweißt. Der junge Inspektor und die aufdringliche Annie werden für Marc zur Bedrohung. Er fühlt sich verfolgt und kann Traum und Realität nicht mehr unterscheiden. Ist er ein Mörder oder nur ein Schlafwandler? Passiert ihm das alles wirklich und kann Anna ihn retten oder ist doch alles ganz anders? Fragen über Fragen...
Mir hat der Film gefallen, auch wenn einiges nicht wirklich schlüssig ist. Man merkt dem Film aber deutlich an, dass er auf einer Buchvorlage beruht, die ich allerdings nicht kenne. Egal, er funktioniert auch so und das liegt an der wirklich hervorragenden Besetzung, die keine Wünsche übrig lässt. Der wunderbare Mathieu Amalric, die schöne Maïwenn und die fabelhafte Karin Viard machen diesen Film zu einem Erlebnis, das man nicht verpassen sollte.
Ganz besonders gelungen sind auch die Schauplätze und die tollen Bilder. Die Atmosphäre ist großartig, ob nun in der gläsernen Universität, in dem verschneiten Chalet oder zum Schluss im Bungalow am See. Einfach herrlich.
Von mir gibt es auf jeden Fall eine Empfehlung, wenn auch mit einer kleinen Einschränkung. Wer sich nicht auf die langsame Erzählung und die kleinen Unstimmigkeiten einlassen kann, der wird diesen Film sicher nicht mögen. Wer aber perfekte Schauspielleistungen sehen will, bitte sehr.
An der Universität von Lausanne unterrichtet der knapp fünfzigjährige Literaturprofessor Marc (Mathieu Amalric) kreatives Schreiben. Der attraktive Mann ist umgeben von hübschen jungen Studentinnen, die auch gerne mal bei ihm private Nachhilfestunden nehmen. Diese finden dann oft in seinem abgelegenen Chalet in den Bergen statt, wo Marc mit seiner Schwester Marianne (Karin Viard) lebt. Doch nun ist seine letzte Eroberung, die talentierte Studentin Barbara (Marion Duval) spurlos verschwunden und Marcs Leben wird auf den Kopf gestellt.
Ein junger Inspektor (Damien Dorsaz) taucht immer wieder in der Universität auf und stellt Fragen, auf die Marc keine Antworten hat. Marcs Vorgesetzter Richard (Denis Podalydès), der eine heimliche Affäre mit Marianne hat, macht Marc das Leben schwer und droht mit seinem Rausschmiss aus der Universität. Und dann erscheint auch noch die geheimnisvolle und schöne Anna (Maïwenn), die Stiefmutter von Barbara. Anna erklärt Marc, Barbara erst seit einigen Monaten zu kennen, nämlich seit der Hochzeit mit deren Vater, der aber bereits kurze Zeit später zu einem Geheimauftrag nach Mali reisen musste und von dem sie seit dieser Zeit nichts mehr gehört hat. Nun macht sie sich große Sorgen um Barbara, die ihre einzige Verbindung zu ihrer neuen Familie ist.
Marc verliebt sich in Anna, die so anders ist, als all die jungen Studentinnen, die ihn anhimmeln und sich ihm an den Hals werfen. Anna erwidert seine Gefühle und die beiden beginnen eine heimliche Liebesaffäre. Doch der Druck auf Marc wächst, denn die hübsche Studentin Annie (Sara Forstier) hat es auf ihn abgesehen und lässt sich nicht abwimmeln. Als Marc sich nicht auf sie einlassen will, kümmern sich die Schläger ihres Vaters um ihn.
Das Leben wird für Marc immer komplizierter. Er liebt Anna, aber er liebt auch seine Schwester Marianne, wobei dieses Verhältnis seltsam ungeklärt bleibt. Ein tragisches Ereignis in der Kindheit hat sie für immer zusammengeschweißt. Der junge Inspektor und die aufdringliche Annie werden für Marc zur Bedrohung. Er fühlt sich verfolgt und kann Traum und Realität nicht mehr unterscheiden. Ist er ein Mörder oder nur ein Schlafwandler? Passiert ihm das alles wirklich und kann Anna ihn retten oder ist doch alles ganz anders? Fragen über Fragen...
Mir hat der Film gefallen, auch wenn einiges nicht wirklich schlüssig ist. Man merkt dem Film aber deutlich an, dass er auf einer Buchvorlage beruht, die ich allerdings nicht kenne. Egal, er funktioniert auch so und das liegt an der wirklich hervorragenden Besetzung, die keine Wünsche übrig lässt. Der wunderbare Mathieu Amalric, die schöne Maïwenn und die fabelhafte Karin Viard machen diesen Film zu einem Erlebnis, das man nicht verpassen sollte.
Ganz besonders gelungen sind auch die Schauplätze und die tollen Bilder. Die Atmosphäre ist großartig, ob nun in der gläsernen Universität, in dem verschneiten Chalet oder zum Schluss im Bungalow am See. Einfach herrlich.
Von mir gibt es auf jeden Fall eine Empfehlung, wenn auch mit einer kleinen Einschränkung. Wer sich nicht auf die langsame Erzählung und die kleinen Unstimmigkeiten einlassen kann, der wird diesen Film sicher nicht mögen. Wer aber perfekte Schauspielleistungen sehen will, bitte sehr.
Donnerstag, 9. Oktober 2014
Some Velvet Morning
"Some Velvet Morning" ist ein Film von Neil LaBute (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013. Es ist ein Zwei-Personen-Stück und wer theaterhafte Inszenierungen mag, der ist hier genau richtig.
Die hübsche Velvet (Alice Eve) lebt in einem traumhaft schönen Stadthaus. Eines Tages klingelt jemand an ihrer Tür. Es ist Fred (Stanley Tucci), mit dem sie vor vier Jahren eine Affäre hatte. Nun erscheint er mit seinem Gepäck bei ihr und erklärt, nach 24 Jahren seine Frau verlassen zu haben. Fred will seine Beziehung zu Velvet wieder aufnehmen, aber die reagiert spröde auf seine Pläne und möchte Fred eigentlich schnell wieder loswerden.
Eine heikle Situation entsteht, denn Velvet hat eine Verabredung und Fred will sie nicht gehen lassen. Der scheinbar so freundliche und höfliche Mann zeigt durchaus teuflische Abgründe und die so unschuldig wirkende Velvet entpuppt sich als Hure, die gerade eine Verabredung mit Freds Sohn Chris hat, der ebenfalls verheiratet ist.
Ich mache es hier mal ganz kurz, immerhin dauert der Film auch nur etwa 80 Minuten. Es gibt hier vor allen Dingen sehr gute Dialoge, die den Zuschauer auch entsprechend gut unterhalten. Stanley Tucci und Alice Eve spielen sich die Seele aus dem Leib und überzeugen auf ganzer Linie. Am Ende gibt es dann noch einen geschickt eingesetzten Twist, der die Geschichte noch mal aus ganz anderer Perspektive erscheinen lässt. Gut gemacht.
Kleine Anmerkung noch zu den deutschen Untertiteln: Der Name "Velvet" sollte hier nicht wirklich mit "Samt" übersetzt werden. Schon klar, oder?
Insgesamt gesehen ein feiner kleiner Film, den ich Filmfans sehr ans Herz legen möchte. Nichts für die große Masse, muss es aber auch nicht sein.
Die hübsche Velvet (Alice Eve) lebt in einem traumhaft schönen Stadthaus. Eines Tages klingelt jemand an ihrer Tür. Es ist Fred (Stanley Tucci), mit dem sie vor vier Jahren eine Affäre hatte. Nun erscheint er mit seinem Gepäck bei ihr und erklärt, nach 24 Jahren seine Frau verlassen zu haben. Fred will seine Beziehung zu Velvet wieder aufnehmen, aber die reagiert spröde auf seine Pläne und möchte Fred eigentlich schnell wieder loswerden.
Eine heikle Situation entsteht, denn Velvet hat eine Verabredung und Fred will sie nicht gehen lassen. Der scheinbar so freundliche und höfliche Mann zeigt durchaus teuflische Abgründe und die so unschuldig wirkende Velvet entpuppt sich als Hure, die gerade eine Verabredung mit Freds Sohn Chris hat, der ebenfalls verheiratet ist.
Ich mache es hier mal ganz kurz, immerhin dauert der Film auch nur etwa 80 Minuten. Es gibt hier vor allen Dingen sehr gute Dialoge, die den Zuschauer auch entsprechend gut unterhalten. Stanley Tucci und Alice Eve spielen sich die Seele aus dem Leib und überzeugen auf ganzer Linie. Am Ende gibt es dann noch einen geschickt eingesetzten Twist, der die Geschichte noch mal aus ganz anderer Perspektive erscheinen lässt. Gut gemacht.
Kleine Anmerkung noch zu den deutschen Untertiteln: Der Name "Velvet" sollte hier nicht wirklich mit "Samt" übersetzt werden. Schon klar, oder?
Insgesamt gesehen ein feiner kleiner Film, den ich Filmfans sehr ans Herz legen möchte. Nichts für die große Masse, muss es aber auch nicht sein.
Samstag, 27. September 2014
Longtime Companion
"Longtime Companion" - "Freundschaft fürs Leben" ist ein Film von Norman René aus dem Jahr 1989. Das Drehbuch stammt von Craig Lucas. Es geht um eine Gruppe von schwulen Freunden und um ihr Leben in den Jahren von 1981 bis 1989. Die Handlung spielt in New York und auf Fire Island.
Am 3. Juli 1981 erscheint in der New York Times ein Artikel, der sich mit einer neuen Krankheit befasst, dem sogenannten Schwulen-Krebs (Gay Cancer). Jeder in der Clique erfährt von diesem Bericht und man tauscht sich untereinander darüber aus. Ein gewisses Unbehagen macht sich breit, der eigene Körper wird misstrauisch beobachtet, ob sich eventuell irgendwelche Symptome der noch weitgehend unbekannten Krankheit bereits zeigen. Die offizielle Bezeichnung "Aids" kam erst später.
Im Mittelpunkt des Geschehens steht der junge Fitness-Trainer Willy (Campbell Scott). Zusammen mit seinem besten Freund John (Dermot Mulroney) ist er zu Besuch auf Fire Island bei ihren Freunden David (Bruce Davison) und Sean (Mark Lamos). Hier lernt Willy den Medienanwalt Fuzzy (Stephen Caffrey) kennen und die beiden werden ein Liebespaar.
Im Jahr darauf ist John schwer erkrankt und liegt mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Er wird das erste Opfer, das die Clique an Aids verliert, aber das ist nur der Anfang. Es trifft immer mehr Männer aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Bis hin zum Jahr 1989 zeigt der Film aus jedem Jahr einen Tag und was in der Zwischenzeit passiert ist. Trauer und Verzweiflung werden gezeigt, aber auch die Wut und der Wille, etwas zu unternehmen.
Alles hat sich geändert, der Sex, das Lebensgefühl, aber die Freundschaft bleibt bestehen. Wer nicht erkrankt ist, der kümmert sich um kranke Freunde oder engagiert sich in Hilfsprojekten. Leicht ist es für keinen von ihnen, denn das Sterben geht weiter. Im letzten Teil, der 1989 spielt, sind es nur noch Willy und Fuzzy, die übrig geblieben sind und am Strand von Fire Island um ihre Freunde trauern.
Regisseur Norman René, der 1996 im Alter von 45 Jahren selbst an Aids verstarb, hat hier einen wunderbaren und sehr emotionalen Film geschaffen, den ich nur sehr empfehlen kann. Ja, er ist traurig, aber auch berührend und vor allen Dingen toll gespielt. Neben den oben schon genannten Schauspielern wirken unter anderem auch noch Patrick Cassidy, John Dossett, Brian Cousins und Mary-Louise Parker mit und sie alle sind fantastisch in ihren Rollen.
Filme wie dieser, die sich mit dem Thema Aids befassen, haben es immer schwer ein Publikum zu finden. Umso wichtiger ist es, auf solche Perlen aufmerksam zu machen, denn die werden gerne ignoriert. Vito Russo hat in seinem Buch "The Celluloid Closet" von 1987 auf einen Artikel der New York Times aus dem Jahr 1986 verwiesen, in dem es hieß, man solle "nicht in Panik geraten wegen Aids", weil es ja immer noch nur Risikogruppen betreffe. Das lasse ich jetzt mal so stehen. Ich hoffe jedoch, dass man sich dieses Statement mal durch den Kopf gehen lässt. Wie ignorant und dumm können Menschen nur sein?
Große Empfehlung aber für diesen Film, der es verdient hat angeschaut zu werden.
Am 3. Juli 1981 erscheint in der New York Times ein Artikel, der sich mit einer neuen Krankheit befasst, dem sogenannten Schwulen-Krebs (Gay Cancer). Jeder in der Clique erfährt von diesem Bericht und man tauscht sich untereinander darüber aus. Ein gewisses Unbehagen macht sich breit, der eigene Körper wird misstrauisch beobachtet, ob sich eventuell irgendwelche Symptome der noch weitgehend unbekannten Krankheit bereits zeigen. Die offizielle Bezeichnung "Aids" kam erst später.
Im Mittelpunkt des Geschehens steht der junge Fitness-Trainer Willy (Campbell Scott). Zusammen mit seinem besten Freund John (Dermot Mulroney) ist er zu Besuch auf Fire Island bei ihren Freunden David (Bruce Davison) und Sean (Mark Lamos). Hier lernt Willy den Medienanwalt Fuzzy (Stephen Caffrey) kennen und die beiden werden ein Liebespaar.
Im Jahr darauf ist John schwer erkrankt und liegt mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Er wird das erste Opfer, das die Clique an Aids verliert, aber das ist nur der Anfang. Es trifft immer mehr Männer aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Bis hin zum Jahr 1989 zeigt der Film aus jedem Jahr einen Tag und was in der Zwischenzeit passiert ist. Trauer und Verzweiflung werden gezeigt, aber auch die Wut und der Wille, etwas zu unternehmen.
Alles hat sich geändert, der Sex, das Lebensgefühl, aber die Freundschaft bleibt bestehen. Wer nicht erkrankt ist, der kümmert sich um kranke Freunde oder engagiert sich in Hilfsprojekten. Leicht ist es für keinen von ihnen, denn das Sterben geht weiter. Im letzten Teil, der 1989 spielt, sind es nur noch Willy und Fuzzy, die übrig geblieben sind und am Strand von Fire Island um ihre Freunde trauern.
Regisseur Norman René, der 1996 im Alter von 45 Jahren selbst an Aids verstarb, hat hier einen wunderbaren und sehr emotionalen Film geschaffen, den ich nur sehr empfehlen kann. Ja, er ist traurig, aber auch berührend und vor allen Dingen toll gespielt. Neben den oben schon genannten Schauspielern wirken unter anderem auch noch Patrick Cassidy, John Dossett, Brian Cousins und Mary-Louise Parker mit und sie alle sind fantastisch in ihren Rollen.
Filme wie dieser, die sich mit dem Thema Aids befassen, haben es immer schwer ein Publikum zu finden. Umso wichtiger ist es, auf solche Perlen aufmerksam zu machen, denn die werden gerne ignoriert. Vito Russo hat in seinem Buch "The Celluloid Closet" von 1987 auf einen Artikel der New York Times aus dem Jahr 1986 verwiesen, in dem es hieß, man solle "nicht in Panik geraten wegen Aids", weil es ja immer noch nur Risikogruppen betreffe. Das lasse ich jetzt mal so stehen. Ich hoffe jedoch, dass man sich dieses Statement mal durch den Kopf gehen lässt. Wie ignorant und dumm können Menschen nur sein?
Große Empfehlung aber für diesen Film, der es verdient hat angeschaut zu werden.
Sonntag, 21. September 2014
Parting Glances
"Parting Glances" - "Abschiedsblicke" ist ein Film von Bill Sherwood (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1986. Das unabhängig produzierte Low-Budget-Werk blieb leider der einzige Film von Bill Sherwood, der am 10.02.1990 im Alter von nur 37 Jahren an den Folgen von Aids starb.
Die Handlung spielt in New York, Mitte der Achtziger Jahre und umfasst einen Zeitraum von 24 Stunden. Michael (Richard Ganoung) und Robert (John Bolger) sind beide Ende Zwanzig und seit sechs Jahren ein Paar. Robert hat sich entschlossen, für längere Zeit beruflich nach Afrika zu gehen, was die Stimmung zwischen ihnen trübt, weil seine Abreise kurz bevor steht.
An diesem Abend steht noch ein Abendessen bei Roberts Boss an und später eine Abschiedsparty für Robert, die von ihrer gemeinsamen Freundin Joan (Kathy Kinney) in deren Loft veranstaltet wird. Außerdem kümmert sich Michael wie immer um seinen Ex-Lover, den Rock-Musiker Nick (Steve Buscemi), der an Aids erkrankt ist. Michael liebt Nick immer noch und das weiß auch Robert, zumindest ahnt er es. Das ist auch einer der Gründe, warum er sich entschlossen hat, für längere Zeit abwesend zu sein, wie er Michael später noch gestehen wird. Nick wird sterben und Robert fühlt sich nicht stark genug, Michael dabei zur Seite zu stehen und ihn aufzufangen.
In seinem bevorzugten Plattenladen lernt Michael den jungen Peter (Adam Nathan) kennen, der heimlich in ihn verliebt ist und später auch auf der Party bei Joan erscheint. Im Laufe des Abends ergeben sich viele Gespräche unter den Freunden, Erinnerungen kommen hoch und Träume und Wünsche für die Zukunft. Sogar Nick besucht die Party und Michael denkt an ihre gemeinsame Vergangenheit und Nicks verrückte Einfälle, wie z. B. damals auf Fire Island.
Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen, aber es ist zu viel passiert in dieser Nacht. Wird Robert tatsächlich abreisen und was ist mit Nick? Der hat schon wieder so einen verrückten Plan.
Bill Sherwood ging es in seinem Film um Freundschaft und Liebe. Zudem war es einer der ersten Filme, der schwules Leben in den Mittelpunkt stellte, ohne es besonders zu thematisieren. Hier hat keiner der Beteiligten ein Problem damit, schwul zu sein (warum auch), es ist einfach so. Ebenso wird auch auf die Aids-Erkrankung von Nick nicht weiter eingegangen. Das war eben die damalige Zeit, auch wenn sich bis dahin kein Film getraut hatte, das offen auszusprechen.
Dabei ist "Parting Glances" aber kein trauriges Drama geworden, sondern ein offener und lebensbejahender Film, der durchaus auch seine komischen Momente hat. Die Musikuntermalung ist sehr gelungen und reicht von klassischer Musik bis hin zu Bronski Beat. Perfekt.
Die Schauspieler sind alle sehr sehenswert, hier ist es aber vor allen Dingen Steve Buscemi, der den Film dominiert und eine tolle Darstellung zeigt. Wer sich für die Thematik interessiert und mal wieder in die Achtziger abtauchen will, bitte sehr. Von mir gibt es jedenfalls eine große Empfehlung, nur leider ist der Film sehr schwierig zu finden. Es lohnt sich aber, danach zu suchen.
Die Handlung spielt in New York, Mitte der Achtziger Jahre und umfasst einen Zeitraum von 24 Stunden. Michael (Richard Ganoung) und Robert (John Bolger) sind beide Ende Zwanzig und seit sechs Jahren ein Paar. Robert hat sich entschlossen, für längere Zeit beruflich nach Afrika zu gehen, was die Stimmung zwischen ihnen trübt, weil seine Abreise kurz bevor steht.
An diesem Abend steht noch ein Abendessen bei Roberts Boss an und später eine Abschiedsparty für Robert, die von ihrer gemeinsamen Freundin Joan (Kathy Kinney) in deren Loft veranstaltet wird. Außerdem kümmert sich Michael wie immer um seinen Ex-Lover, den Rock-Musiker Nick (Steve Buscemi), der an Aids erkrankt ist. Michael liebt Nick immer noch und das weiß auch Robert, zumindest ahnt er es. Das ist auch einer der Gründe, warum er sich entschlossen hat, für längere Zeit abwesend zu sein, wie er Michael später noch gestehen wird. Nick wird sterben und Robert fühlt sich nicht stark genug, Michael dabei zur Seite zu stehen und ihn aufzufangen.
In seinem bevorzugten Plattenladen lernt Michael den jungen Peter (Adam Nathan) kennen, der heimlich in ihn verliebt ist und später auch auf der Party bei Joan erscheint. Im Laufe des Abends ergeben sich viele Gespräche unter den Freunden, Erinnerungen kommen hoch und Träume und Wünsche für die Zukunft. Sogar Nick besucht die Party und Michael denkt an ihre gemeinsame Vergangenheit und Nicks verrückte Einfälle, wie z. B. damals auf Fire Island.
Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen, aber es ist zu viel passiert in dieser Nacht. Wird Robert tatsächlich abreisen und was ist mit Nick? Der hat schon wieder so einen verrückten Plan.
Bill Sherwood ging es in seinem Film um Freundschaft und Liebe. Zudem war es einer der ersten Filme, der schwules Leben in den Mittelpunkt stellte, ohne es besonders zu thematisieren. Hier hat keiner der Beteiligten ein Problem damit, schwul zu sein (warum auch), es ist einfach so. Ebenso wird auch auf die Aids-Erkrankung von Nick nicht weiter eingegangen. Das war eben die damalige Zeit, auch wenn sich bis dahin kein Film getraut hatte, das offen auszusprechen.
Dabei ist "Parting Glances" aber kein trauriges Drama geworden, sondern ein offener und lebensbejahender Film, der durchaus auch seine komischen Momente hat. Die Musikuntermalung ist sehr gelungen und reicht von klassischer Musik bis hin zu Bronski Beat. Perfekt.
Die Schauspieler sind alle sehr sehenswert, hier ist es aber vor allen Dingen Steve Buscemi, der den Film dominiert und eine tolle Darstellung zeigt. Wer sich für die Thematik interessiert und mal wieder in die Achtziger abtauchen will, bitte sehr. Von mir gibt es jedenfalls eine große Empfehlung, nur leider ist der Film sehr schwierig zu finden. Es lohnt sich aber, danach zu suchen.
Samstag, 13. September 2014
Peau d'âne
"Peau d'âne" (Eselshaut) ist ein Film von Jacques Demy (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1970 und beruht auf dem gleichnamigen Märchen von Charles Perrault aus dem Jahr 1694. Die Musik stammt von Michel Legrand.
Also ein Märchenfilm, aber ein ganz besonderer, der sich auch eher an ein erwachsenes Publikum wendet. In einem schönen und friedvollen Land (allein das ist heutzutage ja schon eine Utopie) lebt ein König (Jean Marais), der von seinen Untertanen geliebt und geachtet wird. Als die Königin erkrankt und schließlich stirbt, ist der König voller Trauer und zieht sich zurück. Auf ihrem Sterbebett hatte die Königin ihrem Mann das Versprechen abgenommen, sollte er jemals wieder heiraten wollen, dann nur eine Frau, die noch schöner wäre als sie selbst. Der König denkt nicht an eine erneute Heirat, aber seine Berater drängen ihn dazu, da er nur eine Tochter (Catherine Deneuve) hat und keinen männlichen Thronfolger.
Die Berater des Königs können keine Frau finden, die auch nur annähernd so schön ist wie die verstorbene Königin. Deshalb unterbreiten sie ihm den Vorschlag, seine Tochter zu heiraten, die die Schönheit ihrer Mutter geerbt hat. Als die Prinzessin davon erfährt, ist sie entsetzt und berät sich mit ihrer Patentante, der Fee Lilas (Delphine Seyrig), die auch schon einen Plan hat, den König auszutricksen. Die Prinzessin soll vor der Hochzeit Forderungen stellen, die der König nicht erfüllen kann, wie z. B. Kleider in der Farbe des Himmels oder des Mondes. Dem König gelingt all das tatsächlich und so fordert die Prinzessin schließlich die Haut seines Goldesels und auch dieser Wunsch wird ihr erfüllt.
Mit Hilfe der Fee kann die Prinzessin fliehen und sich mit der Haut des Esels bedecken. In einem Nachbarland wird sie fortan Schweine hüten und sich weiterhin unter der Eselshaut verbergen. Eines Tages kommt ein junger Prinz (Jacques Perrin) vorbei, der die Prinzessin in ihrer Hütte im Wald sieht und sich sofort in sie verliebt. Doch bevor es ein verdientes Happy-End gibt, sind noch einige Schwierigkeiten zu überwinden.
Was für ein schöner Film, den man hierzulande mal wieder suchen muss. Es gibt eine UK-Version in französischer Sprache mit englischen Untertiteln, die ich nur empfehlen kann. Der Film selbst ist wunderbar. Die Ausstattung ist ein Traum, herrlich bunt und kitschig, aber das im besten Sinn. Allein schon die Kostüme von Jean Marais sind ganz herrlich "Over the Top".
Neben Jean Marais glänzen vor allen Dingen die wunderbare Catherine Deneuve und die wie immer schöne Delphine Seyrig. Ganz große Empfehlung für einen leider zu unbekannten Film.
Also ein Märchenfilm, aber ein ganz besonderer, der sich auch eher an ein erwachsenes Publikum wendet. In einem schönen und friedvollen Land (allein das ist heutzutage ja schon eine Utopie) lebt ein König (Jean Marais), der von seinen Untertanen geliebt und geachtet wird. Als die Königin erkrankt und schließlich stirbt, ist der König voller Trauer und zieht sich zurück. Auf ihrem Sterbebett hatte die Königin ihrem Mann das Versprechen abgenommen, sollte er jemals wieder heiraten wollen, dann nur eine Frau, die noch schöner wäre als sie selbst. Der König denkt nicht an eine erneute Heirat, aber seine Berater drängen ihn dazu, da er nur eine Tochter (Catherine Deneuve) hat und keinen männlichen Thronfolger.
Die Berater des Königs können keine Frau finden, die auch nur annähernd so schön ist wie die verstorbene Königin. Deshalb unterbreiten sie ihm den Vorschlag, seine Tochter zu heiraten, die die Schönheit ihrer Mutter geerbt hat. Als die Prinzessin davon erfährt, ist sie entsetzt und berät sich mit ihrer Patentante, der Fee Lilas (Delphine Seyrig), die auch schon einen Plan hat, den König auszutricksen. Die Prinzessin soll vor der Hochzeit Forderungen stellen, die der König nicht erfüllen kann, wie z. B. Kleider in der Farbe des Himmels oder des Mondes. Dem König gelingt all das tatsächlich und so fordert die Prinzessin schließlich die Haut seines Goldesels und auch dieser Wunsch wird ihr erfüllt.
Mit Hilfe der Fee kann die Prinzessin fliehen und sich mit der Haut des Esels bedecken. In einem Nachbarland wird sie fortan Schweine hüten und sich weiterhin unter der Eselshaut verbergen. Eines Tages kommt ein junger Prinz (Jacques Perrin) vorbei, der die Prinzessin in ihrer Hütte im Wald sieht und sich sofort in sie verliebt. Doch bevor es ein verdientes Happy-End gibt, sind noch einige Schwierigkeiten zu überwinden.
Was für ein schöner Film, den man hierzulande mal wieder suchen muss. Es gibt eine UK-Version in französischer Sprache mit englischen Untertiteln, die ich nur empfehlen kann. Der Film selbst ist wunderbar. Die Ausstattung ist ein Traum, herrlich bunt und kitschig, aber das im besten Sinn. Allein schon die Kostüme von Jean Marais sind ganz herrlich "Over the Top".
Neben Jean Marais glänzen vor allen Dingen die wunderbare Catherine Deneuve und die wie immer schöne Delphine Seyrig. Ganz große Empfehlung für einen leider zu unbekannten Film.
Sonntag, 31. August 2014
The Wolves of Kromer
"The Wolves of Kromer" ist ein Film von Will Gould aus dem Jahr 1998. Das Drehbuch stammt von Charles Lambert und Matthew Read und basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Charles Lambert.
Die Stimme eines Erzählers (Boy George) führt in die Geschichte ein: In den Wäldern rund um das kleine Dorf Kromer lebten einst zwei junge Wölfe namens Gabriel (James Layton) und Seth (Lee Williams), die sich ineinander verliebt hatten. Der junge Seth haderte noch mit seinem Wolfsein, für ihn war das alles noch neu und er hatte sich gerade erst vor seiner Familie geoutet. Der erfahrenere Gabriel nahm Seth unter seine Fittiche und sorgte für ihn. Beide hatten keinen Kontakt mehr zu ihren Familien, sie lebten als Ausgestoßene im Wald und die Menschen fürchteten sich vor ihnen, obwohl von ihnen keine Gefahr ausging.
Die alte und biestige Jungfer Fanny (Rita Davies) plante derweil, ihre kranke und vermögende Herrin Mrs. Drax (Rosemarie Dunham) zu vergiften, um sich ihr Erbe unter den Nagel zu reißen. Ihre ebenso verschlagene alte Freundin Doreen (Margaret Towner) half ihr dabei. Wenn sie nicht gerade Gemeinheiten austauschten, sabberten die beiden alten Schachteln dem örtlichen Priester (Kevin Moore) hinterher, der allerdings auch so seine Geheimnisse hatte.
Als es Mrs. Drax schlechter ging, erschien ihr Sohn Mark (David Prescott) zusammen mit seiner Frau Mary (Angharad Rees) und seinen beiden Kindern Polly (Leila Lloyd-Evelyn) und Kester (Mathew Dean), die überhaupt nicht davon angetan waren, in dieser Einöde gestrandet zu sein. Fanny und Doreen holten nun zum finalen Schlag aus und sorgten für das Ableben von Mrs. Drax, aber sie stellten es so dar, dass man die Wölfe für die Täter hielt.
Während Gabriel und Seth gerade einen Streit hatten und Seth ihre Beziehung überdenken musste, tat sich die Dorfgemeinschaft zusammen, um gemeinsam auf Wolfsjagd zu gehen, angeführt vom scheinheiligen Priester, der jedoch viel lieber an dem jungen Kester herumgeknabbert hätte. Kester konnte sich immer wieder den Übergriffen entziehen, er haderte auch mit der Entscheidung, Jagd auf die Wölfe zu machen. Er konnte nichts Böses an ihnen erkennen, aber die Bewohner des Dorfes waren nicht mehr aufzuhalten.
In einer verlassenen Kirche kommt es zum Showdown zwischen Gabriel, Seth und dem heuchlerischen Priester. Aber ist das schon das Ende der Geschichte? Nein, denn im Himmel kann man ja auch tanzen und so läuft dann auch "Spirit in the Sky" zum Abspann.
Natürlich wird die Botschaft dieses Films hier so ein bisschen mit der Keule verteilt, aber es gibt ja immer noch genug Holzköpfe, die auch das nicht kapieren. Es heißt, man müsse sich vor den "Wölfen" schützen und sie würden Krankheiten verbreiten, das darf dann jeder gerne für sich interpretieren. Ich mag diesen Film sehr, er ist toll gespielt, wenn auch leider viel zu unbekannt. Die beiden "Wölfe" James Layton und Lee Williams sind jedenfalls hübsch anzuschauen in ihren kuscheligen Felljacken und machen ihre Sache trotz fehlender Schauspielerfahrung sehr gut.
Insgesamt gesehen ein kleiner, aber feiner Film, den ich nur absolut empfehlen kann. Es lohnt sich.
Die Stimme eines Erzählers (Boy George) führt in die Geschichte ein: In den Wäldern rund um das kleine Dorf Kromer lebten einst zwei junge Wölfe namens Gabriel (James Layton) und Seth (Lee Williams), die sich ineinander verliebt hatten. Der junge Seth haderte noch mit seinem Wolfsein, für ihn war das alles noch neu und er hatte sich gerade erst vor seiner Familie geoutet. Der erfahrenere Gabriel nahm Seth unter seine Fittiche und sorgte für ihn. Beide hatten keinen Kontakt mehr zu ihren Familien, sie lebten als Ausgestoßene im Wald und die Menschen fürchteten sich vor ihnen, obwohl von ihnen keine Gefahr ausging.
Die alte und biestige Jungfer Fanny (Rita Davies) plante derweil, ihre kranke und vermögende Herrin Mrs. Drax (Rosemarie Dunham) zu vergiften, um sich ihr Erbe unter den Nagel zu reißen. Ihre ebenso verschlagene alte Freundin Doreen (Margaret Towner) half ihr dabei. Wenn sie nicht gerade Gemeinheiten austauschten, sabberten die beiden alten Schachteln dem örtlichen Priester (Kevin Moore) hinterher, der allerdings auch so seine Geheimnisse hatte.
Als es Mrs. Drax schlechter ging, erschien ihr Sohn Mark (David Prescott) zusammen mit seiner Frau Mary (Angharad Rees) und seinen beiden Kindern Polly (Leila Lloyd-Evelyn) und Kester (Mathew Dean), die überhaupt nicht davon angetan waren, in dieser Einöde gestrandet zu sein. Fanny und Doreen holten nun zum finalen Schlag aus und sorgten für das Ableben von Mrs. Drax, aber sie stellten es so dar, dass man die Wölfe für die Täter hielt.
Während Gabriel und Seth gerade einen Streit hatten und Seth ihre Beziehung überdenken musste, tat sich die Dorfgemeinschaft zusammen, um gemeinsam auf Wolfsjagd zu gehen, angeführt vom scheinheiligen Priester, der jedoch viel lieber an dem jungen Kester herumgeknabbert hätte. Kester konnte sich immer wieder den Übergriffen entziehen, er haderte auch mit der Entscheidung, Jagd auf die Wölfe zu machen. Er konnte nichts Böses an ihnen erkennen, aber die Bewohner des Dorfes waren nicht mehr aufzuhalten.
In einer verlassenen Kirche kommt es zum Showdown zwischen Gabriel, Seth und dem heuchlerischen Priester. Aber ist das schon das Ende der Geschichte? Nein, denn im Himmel kann man ja auch tanzen und so läuft dann auch "Spirit in the Sky" zum Abspann.
Natürlich wird die Botschaft dieses Films hier so ein bisschen mit der Keule verteilt, aber es gibt ja immer noch genug Holzköpfe, die auch das nicht kapieren. Es heißt, man müsse sich vor den "Wölfen" schützen und sie würden Krankheiten verbreiten, das darf dann jeder gerne für sich interpretieren. Ich mag diesen Film sehr, er ist toll gespielt, wenn auch leider viel zu unbekannt. Die beiden "Wölfe" James Layton und Lee Williams sind jedenfalls hübsch anzuschauen in ihren kuscheligen Felljacken und machen ihre Sache trotz fehlender Schauspielerfahrung sehr gut.
Insgesamt gesehen ein kleiner, aber feiner Film, den ich nur absolut empfehlen kann. Es lohnt sich.
Samstag, 30. August 2014
Vendredi soir
"Vendredi soir" ist ein Film von Claire Denis aus dem Jahr 2002. Das Drehbuch schrieb Denis zusammen mit Emmanuèle Bernheim. Kamerafrau war hier erneut Agnès Godard.
Ein Freitagabend in Paris. Laure (Valérie Lemercier) löst ihre Wohnung auf und packt alle ihre Sachen in Umzugskartons. Am nächsten Tag wird sie zu ihrem Freund und in dessen Wohnung ziehen. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt und man fühlt, dass Laure etwas unsicher ist. Der Abschied von ihrer Wohnung und dem Mietshaus fällt ihr schwer. Ist die Entscheidung für ein neues Leben wirklich richtig, gibt es eventuell einen Weg zurück?
Nachdem die Kartons gepackt sind, macht sich Laure auf zu einem Abendessen bei Freunden. Doch an diesem Abend herrscht in Paris ein Verkehrschaos, weil der öffentliche Personen-Nahverkehr streikt. Die Straßen sind überfüllt mit Autos und es geht höchstens schrittweise voran. Die Nachrichten im Radio wiederholen sich immer wieder und es wird empfohlen Anhalter mitzunehmen, die sonst in der Kälte nur zu Fuß unterwegs wären.
Da klopft Jean (Vincent Lindon) an die Seitenscheibe von Laures Auto und bittet darum, einsteigen zu dürfen. Sie lässt ihn herein und das ist der Beginn einer außergewöhnlichen Nacht, mit der keiner von ihnen gerechnet hat. Lange Zeit noch werden sie im Stau stehen, bevor sich endlich wieder etwas bewegt. Laure ruft von einer Telefonzelle aus ihre Freundin an und teilt ihr mit, nicht zum Abendessen erscheinen zu können. Nun hat sie kein festes Ziel mehr für diese Nacht, aber mit Jean einen Mann an ihrer Seite, der sie immer mehr elektrisiert.
Laure und Jean lassen sich fast wortlos durch die Nacht treiben und nehmen sich schließlich ein Hotelzimmer. Es wird kaum geredet, aber die Anziehung zwischen ihnen ist spürbar. Noch einmal werden sie das Zimmer verlassen, um etwas zu essen, aber dann verbringen sie eine leidenschaftliche Nacht zusammen. Am nächsten Morgen verlässt Laure das Hotel und den schlafenden Jean und läuft durch die Straßen von Paris. Wohin ihr Weg sie führen mag? Wer weiß das schon...
Mal wieder ein wunderbarer Film von Claire Denis, den es hierzulande nicht gibt und den ich mir deswegen im französischen Original mit englischen Untertiteln besorgt habe. Immerhin besser als nichts. Ist das deutsche Publikum aber wirklich nicht bereit für die Filme dieser herausragenden Regisseurin? Gut, in diesem Fall will ich mal nachsichtig sein, der ist wirklich nichts für jeden Geschmack, weil sich die meisten Zuschauer hier wohl tatsächlich langweilen dürften. Muss aber gar nicht sein, denn Claire Denis und Agnès Godard liefern hier wunderbare Bilder einer verzauberten Nacht, in der eigentlich sehr viel passiert, wenn man seine Augen und Sinne offen hat und auch Kleinigkeiten erkennen kann.
Auf jeden Fall sind Valérie Lemercier und Vincent Lindon toll besetzt und fesseln den Zuschauer von Beginn an mit ihrer Darstellung. Man ist ihnen ganz nahe und das in wirklich jeder Szene. Hervorragend gespielt. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich ein größeres Publikum für die Filme von Claire Denis begeistern könnte.
Ein Freitagabend in Paris. Laure (Valérie Lemercier) löst ihre Wohnung auf und packt alle ihre Sachen in Umzugskartons. Am nächsten Tag wird sie zu ihrem Freund und in dessen Wohnung ziehen. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt und man fühlt, dass Laure etwas unsicher ist. Der Abschied von ihrer Wohnung und dem Mietshaus fällt ihr schwer. Ist die Entscheidung für ein neues Leben wirklich richtig, gibt es eventuell einen Weg zurück?
Nachdem die Kartons gepackt sind, macht sich Laure auf zu einem Abendessen bei Freunden. Doch an diesem Abend herrscht in Paris ein Verkehrschaos, weil der öffentliche Personen-Nahverkehr streikt. Die Straßen sind überfüllt mit Autos und es geht höchstens schrittweise voran. Die Nachrichten im Radio wiederholen sich immer wieder und es wird empfohlen Anhalter mitzunehmen, die sonst in der Kälte nur zu Fuß unterwegs wären.
Da klopft Jean (Vincent Lindon) an die Seitenscheibe von Laures Auto und bittet darum, einsteigen zu dürfen. Sie lässt ihn herein und das ist der Beginn einer außergewöhnlichen Nacht, mit der keiner von ihnen gerechnet hat. Lange Zeit noch werden sie im Stau stehen, bevor sich endlich wieder etwas bewegt. Laure ruft von einer Telefonzelle aus ihre Freundin an und teilt ihr mit, nicht zum Abendessen erscheinen zu können. Nun hat sie kein festes Ziel mehr für diese Nacht, aber mit Jean einen Mann an ihrer Seite, der sie immer mehr elektrisiert.
Laure und Jean lassen sich fast wortlos durch die Nacht treiben und nehmen sich schließlich ein Hotelzimmer. Es wird kaum geredet, aber die Anziehung zwischen ihnen ist spürbar. Noch einmal werden sie das Zimmer verlassen, um etwas zu essen, aber dann verbringen sie eine leidenschaftliche Nacht zusammen. Am nächsten Morgen verlässt Laure das Hotel und den schlafenden Jean und läuft durch die Straßen von Paris. Wohin ihr Weg sie führen mag? Wer weiß das schon...
Mal wieder ein wunderbarer Film von Claire Denis, den es hierzulande nicht gibt und den ich mir deswegen im französischen Original mit englischen Untertiteln besorgt habe. Immerhin besser als nichts. Ist das deutsche Publikum aber wirklich nicht bereit für die Filme dieser herausragenden Regisseurin? Gut, in diesem Fall will ich mal nachsichtig sein, der ist wirklich nichts für jeden Geschmack, weil sich die meisten Zuschauer hier wohl tatsächlich langweilen dürften. Muss aber gar nicht sein, denn Claire Denis und Agnès Godard liefern hier wunderbare Bilder einer verzauberten Nacht, in der eigentlich sehr viel passiert, wenn man seine Augen und Sinne offen hat und auch Kleinigkeiten erkennen kann.
Auf jeden Fall sind Valérie Lemercier und Vincent Lindon toll besetzt und fesseln den Zuschauer von Beginn an mit ihrer Darstellung. Man ist ihnen ganz nahe und das in wirklich jeder Szene. Hervorragend gespielt. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich ein größeres Publikum für die Filme von Claire Denis begeistern könnte.
Samstag, 2. August 2014
Magic Magic
"Magic Magic" ist ein Film von Sebastián Silva (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013. Kameramann war hier der grandiose Christopher Doyle.
Die junge und schüchterne Alicia (Juno Temple) besucht ihre Cousine Sara (Emily Browning), die in Chile studiert. Zusammen mit Saras Freund Agustin (Agustin Silva), dessen Schwester Bárbara (Catalina Sandino Moreno) und Agustins Freund Brink (Michael Cera) ist ein kleiner Urlaub auf einer Insel im Süden Chiles geplant. Doch während der Fahrt dorthin erhält Sara einen wichtigen Anruf und muss nach Santiago zurück. Alicia bleibt allein mit Saras Freunden zurück, die sie nicht kennt und die ihr nicht gerade das Gefühl vermitteln, besonders willkommen zu sein.
Auf der Insel und in dem rustikalen Ferienhaus angekommen, verstärkt sich bei Alicia das Unwohlsein. Sie kann Sara nicht erreichen, denn hier gibt es keinen Empfang. Bárbara zieht sich gleich zurück, sie interessiert sich allein für ihr Studium und will von den anderen nicht gestört werden. Agustin und Brink treiben derbe Späße und Alicia fühlt sich immer verlorener. Besonders der undurchschaubare Brink hat es auf sie abgesehen, weshalb Alicia sich zunehmend bedroht fühlt. Sie kann nicht schlafen, hat merkwürdige Visionen und kann schon bald nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden, ebenso wie der Zuschauer.
Als Sara zwei Tage später auf der Insel eintrifft, findet sie eine verstörte Alicia vor, deren Ängsten und Erzählungen sie keinen Glauben schenken kann, zumal Agustin und auch Brink sich scheinbar aufmerksam um Alicia zu kümmern scheinen. Die Situation eskaliert, als Agustin Alicia in Hypnose versetzt, was keiner der Anwesenden wirklich ernst nimmt, und Bárbara Alicia noch mit Tabletten versorgt, damit sie endlich schlafen kann.
Was dann passiert, das erzähle ich hier nicht. Zugegeben, das Ende ist schlimm, aber auch voller Rätsel. Regisseur Sebastián Silva erzählt seine Geschichte nicht bis zum Schluss, er lässt vieles offen. Das muss man als Zuschauer nicht mögen, ist aber künstlerische Freiheit des Autors und funktioniert hier eigentlich ganz gut.
Was bei diesem ungewöhnlichen Psychothriller überzeugt, sind vor allen Dingen die abgelegene Umgebung, die irgendwie latent bedrohliche Atmosphäre und die sehr guten Darsteller. Juno Temple ist hier die ideale Besetzung als Alicia, denn man merkt als Zuschauer schon schnell, dass sie nicht nur einfach labil ist, sondern wahrscheinlich ernste psychische Probleme hat. Mit Michael Cera als Brink hat sie einen fantastischen Gegenpart, der sich nie entschlüsseln lässt. Ob er nun tatsächlich schwul und heimlich in seinen Freund Agustin verliebt ist, wer weiß das schon.
Als Extra gibt es noch ein kleines Making-Of, das ich sehr empfehlen kann. Für den Film an sich gilt wie so oft bei mir, nichts für die große Masse, eher was für Freunde ungewöhnlicher Filme, die es auch aushalten können, wenn mal nichts passiert. Die sind dann hier aber genau richtig. Es lohnt sich.
Die junge und schüchterne Alicia (Juno Temple) besucht ihre Cousine Sara (Emily Browning), die in Chile studiert. Zusammen mit Saras Freund Agustin (Agustin Silva), dessen Schwester Bárbara (Catalina Sandino Moreno) und Agustins Freund Brink (Michael Cera) ist ein kleiner Urlaub auf einer Insel im Süden Chiles geplant. Doch während der Fahrt dorthin erhält Sara einen wichtigen Anruf und muss nach Santiago zurück. Alicia bleibt allein mit Saras Freunden zurück, die sie nicht kennt und die ihr nicht gerade das Gefühl vermitteln, besonders willkommen zu sein.
Auf der Insel und in dem rustikalen Ferienhaus angekommen, verstärkt sich bei Alicia das Unwohlsein. Sie kann Sara nicht erreichen, denn hier gibt es keinen Empfang. Bárbara zieht sich gleich zurück, sie interessiert sich allein für ihr Studium und will von den anderen nicht gestört werden. Agustin und Brink treiben derbe Späße und Alicia fühlt sich immer verlorener. Besonders der undurchschaubare Brink hat es auf sie abgesehen, weshalb Alicia sich zunehmend bedroht fühlt. Sie kann nicht schlafen, hat merkwürdige Visionen und kann schon bald nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden, ebenso wie der Zuschauer.
Als Sara zwei Tage später auf der Insel eintrifft, findet sie eine verstörte Alicia vor, deren Ängsten und Erzählungen sie keinen Glauben schenken kann, zumal Agustin und auch Brink sich scheinbar aufmerksam um Alicia zu kümmern scheinen. Die Situation eskaliert, als Agustin Alicia in Hypnose versetzt, was keiner der Anwesenden wirklich ernst nimmt, und Bárbara Alicia noch mit Tabletten versorgt, damit sie endlich schlafen kann.
Was dann passiert, das erzähle ich hier nicht. Zugegeben, das Ende ist schlimm, aber auch voller Rätsel. Regisseur Sebastián Silva erzählt seine Geschichte nicht bis zum Schluss, er lässt vieles offen. Das muss man als Zuschauer nicht mögen, ist aber künstlerische Freiheit des Autors und funktioniert hier eigentlich ganz gut.
Was bei diesem ungewöhnlichen Psychothriller überzeugt, sind vor allen Dingen die abgelegene Umgebung, die irgendwie latent bedrohliche Atmosphäre und die sehr guten Darsteller. Juno Temple ist hier die ideale Besetzung als Alicia, denn man merkt als Zuschauer schon schnell, dass sie nicht nur einfach labil ist, sondern wahrscheinlich ernste psychische Probleme hat. Mit Michael Cera als Brink hat sie einen fantastischen Gegenpart, der sich nie entschlüsseln lässt. Ob er nun tatsächlich schwul und heimlich in seinen Freund Agustin verliebt ist, wer weiß das schon.
Als Extra gibt es noch ein kleines Making-Of, das ich sehr empfehlen kann. Für den Film an sich gilt wie so oft bei mir, nichts für die große Masse, eher was für Freunde ungewöhnlicher Filme, die es auch aushalten können, wenn mal nichts passiert. Die sind dann hier aber genau richtig. Es lohnt sich.
Mittwoch, 30. Juli 2014
Eine fatale Entscheidung
"Eine fatale Entscheidung" - "Le petit lieutenant" ist ein Film von Xavier Beauvois aus dem Jahr 2005. Das Drehbuch schrieb Beauvois zusammen mit Guillaume Bréaud, Jean-Eric Troubat und Cédric Anger. Kamerafrau war hier Caroline Champetier.
Der junge Leutnant Antoine Derouère (Jalil Lespert) kommt gerade frisch von der Polizeischule und hat sich ohne Wissen seiner jungen Ehefrau Julie, die als Lehrerin in Le Havre arbeitet, bei der Mordkommission in Paris beworben und auch eine Stelle erhalten. In Le Havre wolle er nicht versauern, ein Mordfall im Jahr wäre ihm zu wenig.
In Paris kommt Antoine in die Abteilung von Caroline Vaudieu (Nathalie Baye), die nach zwei Jahren Pause und der Arbeit in anderen Abteilungen nun wieder ihren Dienst in der Mordkommission antritt. Caroline hatte ein Alkoholproblem, geht immer noch zu den Anonymen Alkoholikern, fühlt sich aber bereit, ihren alten Job wieder aufzunehmen. Den jungen Antoine schließt sie gleich in ihr Herz, denn er erinnert sie an ihren Sohn, der zwar schon als Kind gestorben ist, aber jetzt ungefähr im gleichen Alter wäre.
Ein erster Fall steht an, ein polnischer Obdachloser wird aus der Seine gefischt. Antoine erkennt den Mann wieder, er verbrachte die Nacht zuvor in der Ausnüchterungszelle der Polizei. Die Kommissare der Abteilung ermitteln nun unter den polnischen Obdachlosen und erhalten Hinweise auf zwei Russen, die mit dem Verstorbenen Kontakt hatten. Die Ermittlungen laufen unspektakulär ab, es werden mögliche Zeugen befragt und verschiedene Wohnheime nach den Russen abgesucht.
Antoine lässt sich von der eintönigen Arbeit nicht abschrecken, für ihn ist das alles spannend, eben wie in den Filmen die er gesehen hat. Deswegen ist er zur Mordkommission gekommen, doch genau das wird ihn das Leben kosten. Sein Kollege, der längst ermüdet und desillusioniert ist, geht lieber in ein Café, als noch ein Wohnheim zu durchsuchen. So trifft Antoine mehr durch Zufall allein auf einen der Verdächtigen, der allerdings kurzen Prozess macht. Antoines Kollege kommt viel zu spät, um noch irgendetwas bewirken zu können.
Der schwerverletzte Antoine kommt auf die Intensivstation eines Krankenhauses und ringt mit dem Tod. Caroline fühlt sich für ihn verantwortlich und betrinkt sich an diesem Abend. Sie landet schließlich betrunken bei einem alten Freund, dem Richter Serge Clermont (Jacques Perrin). Kurze Zeit später verstirbt Antoine an seinen schweren Verletzungen, doch der Mordfall kann noch gelöst werden. Caroline verzweifelt darüber und blickt einer ungewissen Zukunft entgegen.
Wer hier auf platte Action aus ist, von dem möchten wir uns an dieser Stelle gleich verabschieden. Nein, dieser französische Polizeifilm ist etwas ganz anderes, als man es von amerikanischen Filmen gewohnt ist. Hier geht es um die Polizeiarbeit an sich, die eben auch ganz unspektakulär ist, wo einfach mal nichts passiert, wo einfach Menschen gezeigt werden, die ihren Job machen und dabei eigene Probleme haben, die sie mit sich herumtragen. Das ist dem Regisseur Xavier Beauvois besonders gut gelungen.
Was wären aber alle diese guten Drehbücher und Regieanweisungen ohne die entsprechenden Darsteller und da hat der Film ja einiges vorzuweisen. Hier muss man besonders Nathalie Baye, Jalil Lespert und Roschdy Zem erwähnen, die nur die prominenteren Namen sind. Der Rest des Casts macht seine Sache aber ebenso gut.
Der Film an sich ist wohl leider ziemlich unbekannt, was wirklich sehr schade ist. Mich hat er jedenfalls sehr fasziniert, auch beim wiederholten Anschauen. Wer also auf Action verzichten kann und sich auf eine ruhig erzählte Geschichte mit exzellenten Schauspielern einlassen möchte, dem kann ich diesen Film hier nur sehr empfehlen.
Der junge Leutnant Antoine Derouère (Jalil Lespert) kommt gerade frisch von der Polizeischule und hat sich ohne Wissen seiner jungen Ehefrau Julie, die als Lehrerin in Le Havre arbeitet, bei der Mordkommission in Paris beworben und auch eine Stelle erhalten. In Le Havre wolle er nicht versauern, ein Mordfall im Jahr wäre ihm zu wenig.
In Paris kommt Antoine in die Abteilung von Caroline Vaudieu (Nathalie Baye), die nach zwei Jahren Pause und der Arbeit in anderen Abteilungen nun wieder ihren Dienst in der Mordkommission antritt. Caroline hatte ein Alkoholproblem, geht immer noch zu den Anonymen Alkoholikern, fühlt sich aber bereit, ihren alten Job wieder aufzunehmen. Den jungen Antoine schließt sie gleich in ihr Herz, denn er erinnert sie an ihren Sohn, der zwar schon als Kind gestorben ist, aber jetzt ungefähr im gleichen Alter wäre.
Ein erster Fall steht an, ein polnischer Obdachloser wird aus der Seine gefischt. Antoine erkennt den Mann wieder, er verbrachte die Nacht zuvor in der Ausnüchterungszelle der Polizei. Die Kommissare der Abteilung ermitteln nun unter den polnischen Obdachlosen und erhalten Hinweise auf zwei Russen, die mit dem Verstorbenen Kontakt hatten. Die Ermittlungen laufen unspektakulär ab, es werden mögliche Zeugen befragt und verschiedene Wohnheime nach den Russen abgesucht.
Antoine lässt sich von der eintönigen Arbeit nicht abschrecken, für ihn ist das alles spannend, eben wie in den Filmen die er gesehen hat. Deswegen ist er zur Mordkommission gekommen, doch genau das wird ihn das Leben kosten. Sein Kollege, der längst ermüdet und desillusioniert ist, geht lieber in ein Café, als noch ein Wohnheim zu durchsuchen. So trifft Antoine mehr durch Zufall allein auf einen der Verdächtigen, der allerdings kurzen Prozess macht. Antoines Kollege kommt viel zu spät, um noch irgendetwas bewirken zu können.
Der schwerverletzte Antoine kommt auf die Intensivstation eines Krankenhauses und ringt mit dem Tod. Caroline fühlt sich für ihn verantwortlich und betrinkt sich an diesem Abend. Sie landet schließlich betrunken bei einem alten Freund, dem Richter Serge Clermont (Jacques Perrin). Kurze Zeit später verstirbt Antoine an seinen schweren Verletzungen, doch der Mordfall kann noch gelöst werden. Caroline verzweifelt darüber und blickt einer ungewissen Zukunft entgegen.
Wer hier auf platte Action aus ist, von dem möchten wir uns an dieser Stelle gleich verabschieden. Nein, dieser französische Polizeifilm ist etwas ganz anderes, als man es von amerikanischen Filmen gewohnt ist. Hier geht es um die Polizeiarbeit an sich, die eben auch ganz unspektakulär ist, wo einfach mal nichts passiert, wo einfach Menschen gezeigt werden, die ihren Job machen und dabei eigene Probleme haben, die sie mit sich herumtragen. Das ist dem Regisseur Xavier Beauvois besonders gut gelungen.
Was wären aber alle diese guten Drehbücher und Regieanweisungen ohne die entsprechenden Darsteller und da hat der Film ja einiges vorzuweisen. Hier muss man besonders Nathalie Baye, Jalil Lespert und Roschdy Zem erwähnen, die nur die prominenteren Namen sind. Der Rest des Casts macht seine Sache aber ebenso gut.
Der Film an sich ist wohl leider ziemlich unbekannt, was wirklich sehr schade ist. Mich hat er jedenfalls sehr fasziniert, auch beim wiederholten Anschauen. Wer also auf Action verzichten kann und sich auf eine ruhig erzählte Geschichte mit exzellenten Schauspielern einlassen möchte, dem kann ich diesen Film hier nur sehr empfehlen.
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