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Mittwoch, 18. Dezember 2013

Hawaii

"Hawaii" ist ein Film von Marco Berger (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013. Es ist der insgesamt dritte Langfilm von Marco Berger und wer die Arbeiten dieses fabelhaften Regisseurs verfolgt, der wird auch hier wieder ins Schwärmen geraten.

Es ist ein heißer Sommer in der argentinischen Provinz. Der junge Martín (Mateo Chiarino) zieht von Haus zu Haus, auf der Suche nach Arbeit für den Sommer. Er führt kleine Reparaturen aus, kümmert sich um die Gärten, erledigt einfach alles was so anfällt und ihm ein wenig Geld einbringt. Martín ist obdachlos und übernachtet in einem Versteck unter freiem Himmel. Eines Tages trifft er auf Eugenio (Manuel Vignau), der im Haus seines Onkels den Sommer verbringt. Schnell stellt sich heraus, dass beide sich von früher kennen, als sie noch Kinder waren. Eugenio lässt Martín im Garten und am Haus arbeiten, während er selbst an seinem ersten Roman schreibt.

Martín stammt aus einer armen Familie und hat nach dem Tod seiner Großmutter nun keine Bleibe mehr, was er Eugenio gegenüber aber noch verheimlicht. Eugenio hingegen hat keine finanziellen Sorgen, er schreibt für Zeitungen und kann es sich leisten, nun an einem Roman zu arbeiten. Die beiden jungen Männer verbringen viel Zeit miteinander und besonders Eugenios Interesse an Martín wächst ständig. Als Eugenio bemerkt, dass Martín keine feste Unterkunft hat, bietet er ihm ein Bett in seinem Haus an. Auch mit neuer Kleidung versorgt er ihn und verfolgt dabei die Anprobe mit verstohlenen und begehrenden Blicken.

So vergehen die Tage in ihrem Alltagstrott, Martín arbeitet und Eugenio schreibt, beide essen und schwimmen zusammen und es gibt immer öfter zufällige Berührungen. Es knistert lautstark, aber keiner von beiden wagt etwas. Eugenio will mehr von Martín, das ist klar, aber was ist mit Martín? Erwidert er Eugenios Gefühle oder ignoriert er sie?

Nein, mehr verrate ich hier nicht. Bitte selbst anschauen und eine Antwort darauf finden. Was haben wir denn bis hier für einen Film? Er ist ruhig, hat kaum Dialoge, leise Musik und wunderschöne Bilder. Es passiert auch kaum etwas, aber trotzdem hat der Film einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Wie immer bei Marco Berger geht es um Blicke, die so viel mehr ausdrücken können, als Worte es je könnten. Hier beweist er erneut, dass er genau das perfekt beherrscht.

Neben der wunderbaren Atmosphäre die Marco Berger hier einfängt, überzeugen vor allen Dingen seine zwei Hauptdarsteller, denn die Rollen könnten nicht besser besetzt sein. Manuel Vignau und Mateo Chiarino sind beide absolut hinreißend und jederzeit glaubwürdig. Da wird das Zuschauen zum Vergnügen. Was soll ich noch sagen? Das ist einfach ein sehr schöner Film, den man nicht verpassen sollte.

Donnerstag, 4. April 2013

Sexual Tension - Volume 1 : Flüchtige Blicke

"Sexual Tension - Volume 1 : Flüchtige Blicke" ist eine Sammlung von sechs Kurzfilmen der argentinischen Filmemacher Marco Berger und Marcelo Mónaco aus dem Jahr 2012.

Sechs kurze Filme, jeweils zwischen 15 und 18 Minuten Laufzeit, die kleine Geschichten erzählen über das erotische Begehren junger Männer, die noch nicht so ganz genau wissen, was sie eigentlich wollen und/oder sich einfach noch nicht trauen, ihren Gefühlen nachzugeben.

Hier eine kurze Übersicht der Titel in der chronologischen Reihenfolge :

"Ari" - Regie und Drehbuch Marcelo Mónaco

"El Primo" - Regie und Drehbuch Marco Berger

"El Otro" - Regie und Drehbuch Marcelo Mónaco

"Los Brazos Rotos" - Regie und Drehbuch Marco Berger

"Amor" - Regie und Drehbuch Marcelo Mónaco

"Entrenamiento" - Regie und Drehbuch Marco Berger

Die einzelnen Geschichten sind stimmig, vielversprechend, prickelnd und vor allen Dingen sehr sexy. Es passiert eigentlich gar nicht viel, es wird wenig gesprochen und Namen werden auch kaum genannt, es geht eben, wie der Titel schon andeutet, um Blicke. Und diese Blicke haben es in sich, das wird jeder Zuschauer selbst erleben. Da werden Körper, ob nackt oder bekleidet, mit den Augen abgetastet, als ob es kein Morgen gäbe. Sehr sinnlich und auch sehr erotisch.

Sei es nun z. B. der Junge, der den hübschen Tätowierer im Tattoo-Studio anschmachtet und dabei erotische Fantasien entwickelt, der junge Mann, der sich im heißen Sommer in den Cousin seines besten Freundes verguckt oder die beiden besten Freunde, die vom (nicht vorhandenen) Sex mit ihren Freundinnen berichten und sich dabei sehr nahe kommen. Alle sechs Geschichten können überzeugen und machen Lust auf mehr.

Insgesamt gesehen eine sehr schöne Sammlung, die ich nur empfehlen kann. Die bisherigen Filme von Marco Berger sind sowieso sehenswert, diese Kurzfilme reihen sich da gut ein. Auf weitere Filme von beiden Regisseuren sollte man gespannt sein.

Mittwoch, 4. April 2012

Ausente

"Ausente" ist ein Film von Marco Berger (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2011. Der Film hat im Rahmen der Berlinale 2011 den Teddy-Award als bester Spielfilm gewonnen.

Erzählt wird die Geschichte von Martin (Javier De Pietro), einem sechzehnjährigen Schüler, und seinem Sportlehrer Sebastián (Carlos Echevarria), dem Objekt seiner Begierde. Martin ist ein sehr hübscher Junge, der sich offensichtlich vorgenommen hat, seinen Lehrer zu verführen. Beim Schwimmtraining täuscht er eine Verletzung vor, die Sebastián dazu bringt, Martin ins Krankenhaus zu fahren.

Natürlich fehlt ihm nichts, was er aber grandios überspielen kann und durch geschickte Manipulation gelingt es Martin sogar, dass Sebastián ihn bei sich übernachten lässt, auch wenn dieser sich der prekären Situation durchaus bewusst ist. Hier mutet der Film fast wie ein Thriller an, was durch die aufdringliche und unheilvolle Musik noch betont wird. Das hätte aber gar nicht sein müssen, denn hier geht der Sound einfach zu sehr über die Grenzen.

In der Wohnung von Sebastián kommt es dann zu sehr intimen Momenten, die zwar nicht gewollt sind, aber durch eine neugierige Nachbarin beobachtet werden. Sebastián fühlt sich immer unwohler, kann seine Gefühle aber nicht wirklich deuten. Als er schläft, kommt Martin in sein Zimmer und berührt ihn, aber auch das bemerkt er nicht. Am nächsten Morgen verlässt Sebastián seine Wohnung zusammen mit Martin und wieder schaut ein Nachbar zu.

Bald darauf fliegt die Lüge von Martin auf und Sebastián erkennt, reingelegt worden zu sein. Martin erklärt seinem Lehrer daraufhin ganz ohne Scheu, dass er sich gewünscht hätte, es wäre etwas zwischen ihnen gelaufen.

An dieser Stelle höre ich allerdings lieber auf, denn alles was jetzt kommt hat sich Marco Berger wirklich gut ausgedacht und unterläuft damit wahrscheinlich sämtliche Erwartungen. Die nun folgenden Entwicklungen sind nämlich überhaupt nicht vorhersehbar und dadurch nimmt die ganze Geschichte einen völlig anderen Verlauf als erwartet.

Der Lehrer Sebastián ist sich zunehmend seiner unterdrückten Gefühle bewusst und das erklärt auch seinen traurigen Gesichtsausdruck und die Melancholie, die ihn schon von Beginn an umgibt. Während "Plan B" noch von einem zarten Humor durchzogen war, ist "Ausente" von einer seltsamen Tragik geprägt, die letztendlich die Oberhand gewinnt.

Auf jeden Fall ist das ganz großartig und sehr berührend von den beiden wunderbaren Hauptdarstellern gespielt, die beide in ihren Rollen Gefangene ihrer Gefühle sind und nicht wirklich damit umgehen können. Sehr sehenswert und eine klare Empfehlung von mir für diesen Film.

Montag, 6. Februar 2012

Lieb mich! Gay Shorts Volume 3

"Lieb mich! Gay Shorts Volume 3" ist eine Sammlung von acht schwulen Kurzfilmen und ist bei Pro-Fun Media erschienen.

Die acht Filme sind durchgehend sehenswert und decken eine große Bandbreite an Gefühlen und Stimmungen ab. Vielfach geht es auch um traurige Themen, wie Tod, Verlust oder Trennungen. Ebenso kommen unerfüllte Leidenschaften ins Spiel oder auch einfache Gespräche, wie die jungen Männer mit ihrem Schwulsein umgehen, wie die Familien auf ihr Coming Out reagieren und wie sie selbst ihre Liebe und ihr Leben empfinden. Was denken sie über Beziehungen, wie sind ihre sexuellen Erfahrungen und noch vieles mehr.

Sehr schön fand ich den einzigen deutschen Beitrag "Hinterbliebene" von Alexander Pfeuffer (Regie und Drehbuch) mit Maximilian Giertler und Peter Prager in den Hauptrollen. Eine traurige kleine Geschichte, die wirklich gut gespielt ist.

Marco Berger, Regisseur und Autor von "Plan B" und "Ausente" geht hier mit "El Reloj" an den Start, ein unaufdringlicher Beitrag, der von der zarten Annäherung zweier junger Männer erzählt, die sich zueinander hingezogen fühlen, aber doch nicht zusammenkommen, weil die Umstände es nicht zulassen. Das mag aber vielleicht nicht das Ende der Geschichte sein.

Die letzte und vielleicht beste Geschichte auf dieser DVD stammt von Regisseur Michael J. Saul, dessen Kurzfilmsammlung "Crush" ich persönlich ganz furchtbar und dilettantisch fand. Hier aber überzeugt er mit "Go Go Reject", einem wunderbaren kleinen Film über einen jungen Mann (Heath Daniels), der unbedingt Tänzer werden will, weil "Flashdance" sein Lieblingsfilm ist und er so tanzen will wie Jennifer Beals. Ein Traum für den er alles gibt und ein Film, der wie ein zauberhaftes Märchen wirkt. Ganz große Klasse.

Nach den anderen sieben Filmen, die teilweise etwas bedrückend sind, entlässt "Go Go Reject" den Zuschauer mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht. Voller Schwung und Humor, mit einem entzückenden Hauptdarsteller und toller Musik, die einem direkt in die Beine geht.

Insgesamt gesehen eine sehr sehenswerte Sammlung, die ich nur empfehlen kann. Es lohnt sich. Kleine Schwächen hier und da gibt es natürlich auch, aber die positiven Eindrücke überwiegen auf jeden Fall.

Samstag, 9. Oktober 2010

Plan B

"Plan B" ist ein argentinischer Spielfilm von Marco Berger (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2009.

Bruno (Manuel Vignau) ist von seiner Freundin Laura (Mercedes Quinteros) abserviert worden. Der Grund ist Pablo (Lucas Ferraro), Lauras neuer Freund. Bruno will das aber nicht auf sich sitzen lassen und Laura zurückgewinnen, egal wie. Schließlich kommt ihm in den Sinn, sich an Pablo heranzumachen und da gibt es so einige Möglichkeiten.

Wer nun eine lustige Posse erwartet, der ist hier völlig falsch, denn was jetzt passiert, ist eine der wundervollsten Liebesgeschichten, die ich je gesehen habe. Bruno und Pablo freunden sich schnell an und verbringen viel Zeit miteinander. Aus dem anfänglichen Spaß wird jedoch bald Ernst, denn unabhängig voneinander fangen beide plötzlich an, ihre sexuelle Identität in Frage zu stellen. Schon bald verbindet sie ein vertrauter, fast zärtlicher Umgang, ohne dass einer der beiden das je zugeben würde.

Dass die Geschichte an einigen Stellen etwas unglaubwürdig ist, macht überhaupt nichts, denn dafür ist sie einfach hinreißend erzählt. Der Film kommt ohne viele Worte aus und ist leise und bedächtig, aber bei weitem keine einfache Klamotte. Das ist ein bewegender und wunderschöner Film mit einem ganz zauberhaften Schluss.

Die Darsteller sind äußerst sympathisch und glaubwürdig und überzeugen durch ihr natürliches Spiel. Ihre Gefühle drücken sie hauptsächlich durch Blicke und Gesten aus, manchmal aber auch durch Worte: "Ich weiß nicht, wie es passiert ist. Es war nicht zu steuern." Das ist pures Gefühlskino.

Insgesamt gesehen ein wundervoller Film über die Kraft und die Magie der Liebe, sehr sehenswert. Ich bin total begeistert, unbedingt anschauen und mitschwärmen. Hier erwartet einen viel mehr, als man glaubt.