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Dienstag, 16. Juli 2013

Das Gesetz der Begierde

"Das Gesetz der Begierde" - "La ley del deseo" ist ein Film von Pedro Almodóvar (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1987. Es ist zwar schon der sechste Spielfilm von Almodóvar, aber der erste der auch in Deutschland erschien, damals aber noch mit einer FSK 18 versehen. Seine früheren Werke wurden erst später gezeigt.

Ein Film von Pedro Almodóvar ist immer etwas Besonderes. Meistens geht es bei ihm um Liebe, Sex, Verlangen, Obsessionen, Mord und Totschlag. Hier kommt alles zusammen. Die Achtziger Jahre sind unübersehbar, grelle Farben, schrilles Make-Up und farbenfrohe Kostüme.

Die Geschichte handelt von dem schwulen Regisseur Pablo Quintero (Eusebio Poncela), der eigentlich Juan (Miquel Molina) liebt, der sich aber von Pablo eingeengt fühlt. Als Juan den Sommer über verreist, taucht der ziemlich wahnsinnige Fan Antonio (Antonio Banderas) auf, der eine Affäre mit Pablo beginnt, die von diesem aber nicht weiter ernst genommen wird. Antonio hingegen ist besessen von seiner Liebe zu Pablo und tötet Juan aus Eifersucht. Die Polizei verdächtigt Pablo der Tat und verfolgt ihn, doch Pablo hat einen Autounfall und verliert sein Gedächtnis. Seine Schwester Tina (Carmen Maura), die früher ein Mann war und Tino hieß, hatte sich einst aus Liebe zu ihrem Vater einer Geschlechtsumwandlung unterzogen. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird sie die Geliebte von Antonio und gerät dadurch in große Gefahr.

So, das ist alles ziemlich verwirrend. Es hat auch keinen Zweck, die Geschichte hier wiederzugeben, das muss man wirklich selbst gesehen haben. Im Vergleich zu anderen Almodóvar-Filmen ist dieser auch sehr viel düsterer, der Humor ist hier eher sparsam eingesetzt. Sehenswert ist er aber auf jeden Fall, gar keine Frage.

Die wundervolle Carmen Maura spielt hier die Schwester von Pablo und sie ist absolut hinreißend, wie eigentlich die komplette Besetzung. Das ist bei Almodóvar aber in jedem Film so, der Mann hat einfach ein ganz besonderes Händchen für seine DarstellerInnen.

Auch seine Liebe zum Melodram wird hier wieder deutlich und das gleich in mehreren Szenen. Die Figur der transsexuellen Tina, die ihr Geschlecht aus Liebe zu einem Mann wechselt und trotzdem von diesem verlassen wird, findet sich bereits bei Rainer Werner Fassbinder und später auch bei François Ozon, der ein entsprechendes Theaterstück Fassbinders verfilmt hat. Alle drei Regisseure haben bzw. hatten diese Vorliebe für das Melodram und besonders für die Arbeiten von Douglas Sirk. Das haben sie alle wunderbar umgesetzt.

Besonders positiv aufgefallen ist mir noch ein schönes Lied von Jacques Brel, hier allerdings von einer Frau gesungen, "Ne me quitte pas". Das passt wirklich toll hierher.

Niemand versteht es so gut wie Pedro Almodóvar, seine Figuren derart liebenswert darzustellen, egal wie verrückt ihre Charaktere auch sein mögen. Wer sich einen Film von Almodóvar anschaut, muss allerdings auch wissen, worauf er sich einlässt, denn hier wird alles gezeigt und alles ist möglich. Einen so unverkrampften Blick auf Sexualität in jeder Hinsicht wünscht man sich sonst von so manch anderem Film.

Dieser Film war 1987 der erste Preisträger des Teddy-Awards, dem Queer-Film-Award, der seit 1992 regelmäßig im Rahmen der Berlinale am Vorabend der Bären-Verleihung verliehen wird.

Sonntag, 1. Januar 2012

Die Haut, in der ich wohne

"Die Haut, in der ich wohne" - "La piel que habito" ist ein Film von Pedro Almodóvar (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2011 und beruht auf einem Roman von Thierry Jonquet.

Der erfolgreiche Chirurg Robert Ledgard (Antonio Banderas) lebt in Toledo in seinem riesigen Anwesen "El Cigarral". Seine Haushälterin Marilia (Marisa Paredes) kümmert sich um sein Wohlergehen und das seines Hausgastes. In einem abgeschlossenen Zimmer, von mehreren Kameras beobachtet, lebt seit einigen Jahren schon die schöne Vera (Elena Anaya), eine unfreiwillige Patientin des Professors. Sie ist sein Werk, ganz und gar.

Eines Tages erscheint Marilias Sohn Zeca (Roberto Álamo), der seine Mutter seit zehn Jahren nicht mehr gesehen hat. Mit einem Tigerkostüm bekleidet, bittet er seine Mutter um Unterschlupf. Als er auf einem der vielen Bildschirme im Haus die junge Vera sieht, hält er sie für die verstorbene Frau von Robert und will sie unbedingt sehen. Marilia stellt sich ihm in den Weg, wird aber von Zeca überwältigt, der daraufhin in das Zimmer von Vera eindringt und sie vergewaltigt. Robert kehrt inzwischen nach Hause zurück, sieht was vorgefallen ist und erschießt Zeca.

Während Robert die Leiche entsorgt, erzählt Marilia Vera die Geschichte von Gal, Roberts Frau. Gal wollte zehn Jahre zuvor ihren Mann verlassen, als sie zusammen mit Zeca einen schweren Autounfall hatte und schlimmste Verbrennungen am ganzen Körper erlitt. Zwar konnte sie dank Roberts Hilfe überleben, aber kurze Zeit später nahm sie sich das Leben, was ihre Tochter Norma mit ansehen musste.

Ein paar Jahre später schien Norma sich wieder gefangen zu haben, als sie auf einer Party von dem jungen Vicente (Jan Cornet) vergewaltigt wurde. Dieses neue Trauma kann Norma allerdings nicht verkraften und bringt sich kurz darauf um. Robert will sich unbedingt für ihren Tod rächen und plötzlich verschwindet Vicente spurlos von der Bildfläche. Das alles ist inzwischen sechs Jahre her und aus Vicente ist im Laufe dieser Zeit Vera geworden, Roberts Meisterstück. Ich verrate hier wirklich nicht zu viel, denn wer sich nur ein bisschen mit diesem Film beschäftigt hat, der kennt den finalen Plot.

In unzähligen operativen Eingriffen hat Robert nicht nur eine Frau erschaffen, die Gals Gesicht hat, sondern ihr gleichzeitig eine neue und künstliche Haut verpasst. Immer mehr verfällt Robert der schönen Vera, die er pausenlos auf den riesigen Monitoren verfolgt und die seine Liebe schließlich auch scheinbar erwidert. Doch kann er ihr wirklich vertrauen oder wird sich Vera/Vicente für seine Taten rächen?

Almodóvars Robert ist ein moderner Dr. Frankenstein, der keine Skrupel hat und keine Grenzen kennt. Seine Kreatur ist perfekt gelungen, aber eben auch unberechenbar, das hat Robert in seinem Forscherwahn nicht einkalkuliert. Der Film selbst ist eine gelungene Mischung aus Horrorfilm, Thriller, Melodram und Liebesgeschichte und funktioniert ausgezeichnet. Mit fast zwei Stunden Laufzeit ist er keine Minute zu lang, sondern durchgehend fesselnd und emotional. Im Gegenteil, das Ende wirft den Zuschauer eher unsanft aus dem Geschehen, ich hätte noch stundenlang zuschauen können.

Die Ausstattung ist ein Traum. Das wunderbare Haus und die exquisite Einrichtung laden zum Schwärmen ein. Die Bilder von Kameramann José Luis Alcaine sind einfach nur schön und überwältigend. Gleiches gilt für die Kostüme, sei es nun der hautfarbene Ganzkörperanzug von Vera oder auch das Tigerkostüm von Zeca, einfach hinreißend.

Nach über zwanzig Jahren Pause hat Almodóvar erneut mit Antonio Banderas zusammengearbeitet, dem er in den Achtziger Jahren seine ersten und besten Rollen gegeben hat. Nach vielen Jahren in Hollywood und einigen eher mäßigen Filmen, kann Banderas hier endlich wieder zeigen, dass er tatsächlich ein guter Schauspieler ist. Die Rolle des Robert ist ihm auf den Leib geschrieben und er verkörpert sie schlicht und ergreifend perfekt.

Die fast schon überirdisch schöne Elena Anaya als Vera ist ebenfalls ein echter Treffer, genau wie die fabelhafte Marisa Paredes. Mit dieser Besetzung konnte der Film nur gut werden, mehr geht nicht.

Ganz große Empfehlung von mir für dieses grandiose Werk, das nur von einem so genialen Regisseur wie Pedro Almodóvar stammen kann. Bitte nicht verpassen.

Samstag, 12. März 2011

Matador

"Matador" ist ein Film von Pedro Almodovar (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1986. Jetzt, im Jahr 2011, ist der Film endlich auf DVD erhältlich und das wurde auch Zeit, denn "Matador" ist ein Erlebnis.

Der junge Angel (Antonio Banderas) lebt bei seiner streng religiösen Mutter (Julieta Serrano), die ihm das Leben schwer macht. Er nimmt heimlich Unterricht bei dem ehemaligen Stierkämpfer Diego Montes (Nacho Martinez), der seine aktive Laufbahn nach einem schweren Unfall in der Arena aufgeben musste. Der verschüchterte Angel, der kein Blut sehen kann und noch keine sexuellen Erfahrungen hat, möchte seine Männlichkeit beweisen und versucht ausgerechnet Diegos Freundin Eva (Eva Cobo) zu vergewaltigen, was aber gründlich misslingt und damit endet, dass Angel in Ohnmacht fällt.

Um dem Zugriff seiner Mutter zu entkommen, geht Angel zur Polizei und zeigt die Vergewaltigung an, doch Eva ist nicht bereit, Anzeige zu erstatten und die Angelegenheit wird unter den Tisch gekehrt. Angel hat seit längerer Zeit schon Visionen von verschiedenen Gewaltverbrechen und so bezichtigt er sich selbst als Mörder in vier Fällen. Der ermittelnde Kommissar (Eusebio Poncela) ist erstaunt über die genauen Kenntnisse Angels in Zusammenhang mit den Morden, glaubt ihm aber eigentlich kein Wort, da er ihn für unschuldig hält, genau wie die Psychologin Julia (Carmen Maura).

Die Anwältin Maria (Assumpta Serna) übernimmt Angels Verteidigung und lernt dadurch auch Diego kennen, den sie schon lange verehrt. Die beiden sind besessen vom Tod und sind sogar verantwortlich für die Morde, die Angel nun gestanden hat. Ihr Aufeinandertreffen ist wie eine Explosion und während einer Sonnenfinsternis erfüllt sich ihr gemeinsames Schicksal.

"Matador" ist Almodovars fünfter Film und hier standen ihm erstmals staatliche Fördermittel zur Verfügung, was sich äußerst positiv auf den Film ausgewirkt hat, denn die Ausstattung und Kostüme sind sensationell. Überhaupt, was für ein Blick zurück in die Achtziger Jahre. Die Kleidung, die Farben und die Frisuren, da werden Erinnerungen wach, aus heutiger Sicht sehr lustig anzuschauen.

Die Handlung ist ein bisschen düster, aber ausgesprochen spannend erzählt und auch mit dezentem Humor durchzogen. Die Atmosphäre ist fast durchgehend sexuell aufgeladen und besonders die Verbindung des Stierkampfes mit den Lustmorden von Diego und Maria ist sehr symbolträchtig in Szene gesetzt.

Die Besetzung ist absolut fantastisch, hier finden sich unter anderem wieder viele von Almodovars bewährten Stammschauspielern ein, denen er blind vertrauen kann. Gerade der junge Antonio Banderas kann hier überzeugen, er hat meiner Meinung nach in den Filmen Almodovars seine besten Rollen gespielt.

Insgesamt gesehen ein unglaublich starker Film, der sich von den früheren Werken Almodovars schon ein wenig abhebt. Hier ist alles etwas ernsthafter, nicht ganz so bunt und verrückt wie die Vorgänger, aber trotzdem typisch Almodovar, der natürlich auch wieder in einer ganz kleinen Rolle zu sehen ist. Ganz große Empfehlung von mir für diesen besonderen Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Sonntag, 30. Januar 2011

La Mala Educación

"La Mala Educación" - "Schlechte Erziehung" ist ein Film von Pedro Almodovar (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2004.

Der junge Regisseur Enrique (Fele Martinez) bekommt eines Tages Besuch von seinem früheren Schulfreund Ignacio (Gael Garcia Bernal), den er jedoch nicht wieder erkennt. Ignacio hat ein Manuskript verfasst, das von der gemeinsamen Zeit der beiden in der Klosterschule handelt. Damals hatte Padre Manolo, der selbst in Ignacio verliebt war, die Liebschaft zwischen den beiden Jungen entdeckt und Enrique wurde der Schule verwiesen. Nun soll Enrique aus der Geschichte einen Film machen und Ignacio will die Hauptrolle spielen.

Aus den beiden Männern wird für kurze Zeit ein Liebespaar, aber Enrique spürt, dass Ignacio nicht der ist, für den er sich ausgibt. Bei seinen Recherchen kommt er der Wahrheit aber langsam näher.

Mehr will ich hier nicht verraten, der Film bietet noch so einige Wendungen und sollte unbedingt aufmerksam verfolgt werden. Es gibt Rückblenden in die Vergangenheit und gleichzeitig eine Film-im-Film-Geschichte, die grandios inszeniert ist. Trotz der verschachtelten Erzählweise kann man der Handlung aber immer gut folgen, dafür hat Almodovar gesorgt. Hier ist nichts so wie es scheint und sämtliche Figuren scheinen ein Geheimnis zu haben, am Ende fügt sich aber alles zu einem Bild zusammen.

Almodovar hat hier ein Werk geschaffen, das gleichzeitig Liebesgeschichte, Thriller und Melodram ist und in wunderbaren Bildern eingefangen wurde. Für mich einer der besten Filme des Regisseurs, auch wenn seine anderen Filme alle sehr sehenswert sind, egal ob es die frühen Werke oder die späteren sind.

Insgesamt gesehen ein Film der sich sehr lohnt und der mit Fele Martinez und Gael Garcia Bernal zwei wunderschöne und absolut hinreißende Hauptdarsteller hat. In den Nebenrollen gefallen vor allen Dingen Lluis Homar und Javier Cámara.

Montag, 20. September 2010

Pepi, Luci, Bom und der Rest der Bande

"Pepi, Luci, Bom und der Rest der Bande" ist der erste Spielfilm von Pedro Almodovar (Regie und Drehbuch) und stammt aus dem Jahr 1980.

Pepi baut auf ihrem Balkon Marihuanapflanzen an, was einem Polizisten aus der Nachbarschaft auffällt, der kurze Zeit später in ihre Wohnung stürmt und Pepi vergewaltigt. Sie sinnt auf Rache und heuert ihre Freundin, die Punksängerin Bom und ihre Band an, den Polizisten zu verprügeln. Leider erwischen diese jedoch den falschen, nämlich den Zwillingsbruder. Pepi macht sich daraufhin an Luci, die Frau des Polizisten heran und Bom und Luci finden Gefallen aneinander. Luci wird die unterwürfige Gespielin der minderjährigen Bom und ihr Groupie. Pepi, Luci und Bom ziehen zusammen durch die wilde Madrider Szene.

Lucis Mann will seine Frau jedoch um jeden Preis zurück und scheut auch nicht vor Gewalt zurück, aber darauf hat Luci nur gewartet. Sie genießt es, von ihrem Mann misshandelt zu werden und kehrt zu ihm zurück. Pepi und Bom planen daraufhin, ihre Zukunft zusammen zu verbringen.

Dieses sehr frühe Werk von Almodovar wirft einen Blick in die schrille Szene der Madrider Underground-Bewegung der späten siebziger und frühen achtiger Jahre. Hier ist alles schrill, schräg, laut und bunt. Und auch wenn der Film noch sehr experimentell wirkt, kann man doch schon deutlich den Stil Almodovars erkennen, der sich in den nachfolgenden Filmen immer wieder findet. Es findet sich bereits alles an, was Almodovar immer wieder in seinen Filmen thematisiert. Die Schwulen, die Lesben, Liebe, Gewalt, Sex, Freundschaft und das alles nicht zu kanpp. Es gibt einige sehr schräge Szenen, aber insgesamt ist das schon eine beachtliche Leistung und jetzt endlich auch hier auf DVD erschienen.

Die Dreharbeiten zogen sich über einen langen Zeitraum hin, da der Regisseur damals noch bei der spanischen Telefongesellschaft arbeitete und nur gedreht werden konnte, wenn Geld und Zeit zur Verfügung standen. Insgesamt gesehen ein toller Einblick in das frühe Werk eines Meisterregisseurs, der so viele großartige Filme gedreht hat und hoffentlich noch viele weitere erschaffen wird. Carmen Maura ist hier übrigens ein echter Knaller. Was wäre Almodovar nur ohne sie?

Montag, 16. August 2010

Das Kloster zum heiligen Wahnsinn

"Das Kloster zum heiligen Wahnsinn" - "Entre tinieblas" ist ein Film von Pedro Almodovar, der hier Regie geführt und das Drehbuch geschrieben hat, aus dem Jahr 1983.

Der Film erschien ein Jahr nach "Labyrinth der Leidenschaften" und ein Jahr vor "Womit habe ich das verdient" und ist ebenso wie die beiden eben genannten herrlich unkorrekt und mit viel schwarzem Humor versehen. Wer auf guten Geschmack Wert legt, der ist bei Almodovar generell nicht an der richtigen Adresse. Alle anderen werden sich auch hier wieder köstlich amüsieren, über die Figuren und Geschichten, die uns Almodovar hier auftischt. Wie immer ist auch die Liebe zu seinen Figuren spürbar, die er niemals der Lächerlichkeit aussetzen würde und stets respektvoll behandelt.

Hier geht es um die Sängerin Yolanda, die nach dem Drogentod ihres Freundes Zuflucht in einem Kloster sucht. Sie landet bei dem Orden der "Gedemütigten Retterinnen". Doch hinter diesen Klostermauern ist alles etwas anders als erwartet. Die fünf Nonnen, die alle sehr ungewöhnliche Namen haben, gehen merkwürdigen Tätigkeiten nach und haben sonderbare Vorlieben. So hält sich eine der Nonnen einen Tiger namens "Eros" als Haustier, eine andere verfasst unter einem Pseudonym Schundromane, eine weitere ist in den ständig rauchenden Kaplan verliebt und die Mutter Oberin selbst ist drogenabhängig und lesbisch. Nachdem der langjährige Gönner des Ordens verstorben ist, wird den Nonnen der Geldhahn zugedreht und es droht das Aus für das Kloster. Die Mutter Oberin beschließt daraufhin, als Drogenkurier tätig zu werden.

Almodovar zeigt hier ein Geflecht aus Abhängigkeiten der verschiedenen Art auf und den oftmals hilflosen Versuch, sich daraus zu befreien. Wie gesagt, ein herrlich unkorrekter Spaß und absolut sehenswert. Ein frühes Werk des Meisters und wie immer etwas speziell, aber sehr unterhaltsam. Große Empfehlung.

Sprich mit ihr

"Hable con ella" - "Sprich mit ihr" ist ein Fim von Pedro Almodovar (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2002.

In diesem Film geht es in erster Linie um eine ungewöhnliche Männerfreundschaft, die Frauen spielen hier, anders als in anderen Almodovar-Filmen, eine eher untergeordnete Rolle, auch wenn sie nicht unwichtig sind.

Der Krankenpfleger Benigno kümmert sich seit Jahren um die im Koma liegende Alicia, die er heimlich liebt und der er sein Leben widmet. Die Stierkämpferin Lydia wird mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert und liegt ebenfalls im Koma. Ihr Freund, der Journalist Marco, kann mit ihrem Zustand nicht umgehen. Durch die Bekanntschaft mit Benigno und dem Umgang mit dessen Patientin Alicia, versucht er, einen Zugang zu Lydia zu finden. Als er jedoch erfahren muss, dass Lydia sich eigentlich von ihm trennen wollte, widmet er sich wieder seiner Arbeit und reist nach Jordanien, wo er einen Reiseführer schreiben will. Lydia, die nicht wieder aus dem Koma erwacht, verstirbt und Marco liest davon in der Zeitung. Als er im Krankenhaus anruft, teilt man ihm mit, das Benigno nicht mehr dort arbeitet, sondern im Gefängnis sitzt. Er soll sich an Alicia vergangen haben. Marco kehrt zurück nach Spanien und zieht in die Wohnung von Benigno.

Mehr will ich an dieser Stelle nicht erzählen, wie immer gilt, selbst ansehen, es lohnt sich. Das ist eine wunderbare, traurige und berührende Geschichte, sehr still erzählt und mit schöner Musik unterlegt. Es geht um Kommunikation, Einsamkeit, Liebe, Vertrauen, Trauer, Tod und Verlust, eben um die ganz großen Gefühle. Aber trotz allem ist dieser Film nicht deprimierend, das schafft nur jemand wie Almodovar. Er hat eine ganz eigene Art und Weise Gefühle zu wecken, ohne einen hilflos damit zu überfordern. Ganz große Empfehlung.

Kika

"Kika" ist ein Film von Pedro Almodovar aus dem Jahr 1993.

Das ist ein wirklich wundervoller, sehr böser Film, der die Medien und den allgegenwärtigen Voyeurismus anprangert und aufdeckt. "Kika" wurde nach seinem Erscheinen sehr verrissen, von den... Medien. Die mögen es nämlich gar nicht, wenn man sich über sie lustig macht. Egal, denn "Kika" ist heute fast noch aktueller, als zur Zeit seiner Entstehung.

Die Handlung eines Almodovar-Films wiederzugeben ist sinnlos, ich betone auch hier wieder, bitte selbst ansehen. Allerdings auf eigene Gefahr, denn dieser Film ist bitterböse und der schwarze Humor ist hier wirklich rabenschwarz. Ansonsten ist es wie bei Almodovar so üblich grell, bunt, voller schräger Charaktere, überzeichnet und absolut hinreissend.

Kika, die redselige Hauptperson, versucht alles in ihrem Leben irgendwie ins Positive zu drehen, egal wie. Ihr Freund, der Modefotograf Ramon, ist ein Voyeur. Sein Stiefvater Nicholas, mit dem Kika auch schläft, hat anscheinend einige dunkle Geheimnisse. Dann wäre da noch ein lesbisches Hausmädchen mit einem debilen Bruder, der als Pornodarsteller gearbeitet hat und gerade aus dem Gefängnis geflohen ist. Die schrägste Figur allerdings ist die TV-Moderatorin Andrea, das Narbengesicht, die eine Reality-TV-Sendung hat mit dem Titel "Das Schlimmste des Tages", im wahrsten Sinne des Wortes. Andrea, ständig mit Kamera und Mikrofon ausgestattet, sehr sehenswert übrigens, ist unterwegs auf der Suche nach schockierenden Bildern für ihre Sendung. Dabei macht sie auch vor nichts halt. So schlimm das auch klingen mag, es ist keine Fiktion, leider.

Ist dieser Film empfehlenswert? Na klar, unbedingt. Ansehen, Nachdenken und Weitererzählen.

Sonntag, 15. August 2010

Zerrissene Umarmungen

"Zerrissene Umarmungen" - "Los abrazos rotos" ist ein Film von Pedro Almodóvar aus dem Jahr 2009.

Pedro Almodóvar hat hier einen wunderbaren Film geschaffen, der sich mit Liebe, Leidenschaft, Eifersucht und Hass beschäftigt, also genau die Dinge, die bei Almodóvar immer wieder auftauchen. Hier erzählt er die Geschichte außerdem als Film im Film und das geplante Filmprojekt "Frauen und Koffer" handelt dabei von seinem eigenen Werk "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" aus dem Jahr 1988.

Es ist die Geschichte des Regisseurs Mateo Blanco (Lluis Homar) und seiner großen Liebe Lena (Penelope Cruz), die aber leider tragisch endet. Bei einem Autounfall stirbt Lena und Mateo erblindet. Da er mit seinem bisherigen Leben abschließen will, nennt er sich von da an Harry Caine und arbeitet als Drehbuchautor. Seine Agentin Judit (Blanca Portillo) und ihr Sohn Diego (Tamar Novas) kümmern sich um ihn. Eines Tages jedoch, viele Jahre später, wird er von seiner Vergangenheit eingeholt. Lena war die Geliebte des reichen Ernesto Martel (José Luis Gómez), der den Film produzierte in dem Mateo Regie geführt hat und Lena die Hauptdarstellerin war. Aus Eifersucht hatte Ernesto seinen schwulen Sohn, den er ansonsten verabscheute, dazu gezwungen, die Dreharbeiten zu filmen und zu überwachen. Als Mateo und Lena der gespannten Situation entfliehen, dreht Ernesto durch.

Pedro Almodóvar zeigt hier viele Arten der Liebe auf. Es gibt unter anderem eine Art Liebe aus Abhängigkeit und dann wieder eine Liebe aus wahrer Leidenschaft. Natürlich nicht zu vergessen die unerfüllte Liebe, die nur aus Hoffnung besteht. Erzählt wird das alles in sehr schönen Bildern und mit wunderbarer Musik unterlegt. Das Highlight ist natürlich die wundervolle Penelope Cruz, die einfach immer bezaubernd ist und immer schöner wird. Aber auch die anderen Darsteller sind durch die Bank gut besetzt und sehr glaubhaft in ihren Rollen.

Insgesamt möchte ich sagen, das ist ein Film, der sicher ein mehrmaliges Ansehen lohnt und einfach schön ist. Ganz große Empfehlung.

Freitag, 13. August 2010

Mein blühendes Geheimnis

"Mein blühendes Geheimnis" ist ein absolut bezaubernder Film von Pedro Almodovar aus dem Jahr 1995. Anders als seine früheren Filme, ist dieser weniger grell und bunt.

Die Konzentration liegt hier mehr auf den einzelnen Charakteren, die mehr in die Tiefe, aber deswegen nicht weniger zu Herzen geht. Almodovar liebt seine Figuren, besonders die Frauen und das überträgt sich auf den Zuschauer. Man leidet und fühlt mit ihnen. Trotz aller Tragik gibt es immer auch Hoffnung, niemand kann das so umsetzen wie Almodovar.

Es geht um die Schriftstellerin Leo, die unter einem Pseudonym kitschige Liebesromane schreibt. Da es in ihrer Ehe stark kriselt, werden ihre jüngsten Werke jedoch immer düsterer. Der Verlag, bei dem sie unter Vetrag steht, droht ihr mit einer Klage wegen Vertragsbruchs, wenn sie nicht weiter Trivialromane verfasst. Leo fängt nebenbei bei einer Zeitung an zu schreiben, unter einem anderen Pseudonym. Dort verreisst sie ihre eigenen Romane. Der Zeitungsredakteur Angel mit dem sie zusammenarbeitet, schwärmt heimlich für Leo. Als Leo von ihrem Mann verlassen wird, nimmt sie eine Überdosis Tabletten, die sie jedoch bald darauf wieder erbricht. Später erfährt sie dann noch, dass ihr Mann Paco und ihre beste Freundin eine Affäre hatten. Sie fährt für einige Zeit aufs Land, um sich zu erholen. In der Zwischenzeit verfasst Angel ohne Leos Wissen weiter Kitschromane unter ihrem Pseudonym, um den Verlag zu besänftigen. Diese werden begeistert aufgenommen. Wieder zurück in Madrid, versucht sie ohne Paco alleine in ihrer Wohnung zu sein. Dabei stellt sie fest, dass es längst einen neuen Mann in ihrem Leben gibt...

Dieser Film ist wirklich zauberhaft, unterlegt mit sehr schöner Musik. Die Hauptdarstellerin Marisa Paredes ist einfach wundervoll.

Es gibt auch wieder sehr schöne Querverweise auf andere Almodovar-Filme, so z. B. auf das spätere "Volver", dessen Geschichte hier schon kurz erzählt wird.

High Heels

"High Heels" ist ein Film von Pedro Almodovar (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1991.

Es geht um die Geschichte der Sängerin Becky (Marisa Paredes) und ihrer Tochter Rebecca (Victoria Abril). Becky treibt ihre Karriere als Sängerin voran und lässt dafür ihre Tochter im Stich. Als sie nach vielen Jahren nach Madrid zurückkehrt, muss sie feststellen, dass Rebecca mit Manuel, Beckys früherem Geliebten, verheiratet ist. Die drei besuchen eine Vorstellung des Transvestiten "Femme Letal" (Miguel Bosé), der bei seinen Auftritten Becky imitiert. Letal gesteht Rebecca seine Liebe, aber diese ist verwirrt. Einige Tage später wird Manuel erschossen. Es gibt drei Verdächtige. Seine aktuelle Geliebte, seine Ehefrau Rebecca und Becky. Ein undurchsichtiger Richter untersucht den Fall. Rebecca gesteht den Mord und kommt ins Gefängnis. Allerdings kommt sie nach kurzer Zeit wieder frei, aber viele Fragen sind noch offen. Wer hat Manuel erschossen, wo ist die Waffe, wer oder was ist Letal und Rebecca ist schwanger. Nachdem Becky erfährt, was Rebecca als Kind für sie getan hat, wird sie sich revanchieren und auch etwas für Rebecca tun.

"High Heels" ist wie üblich bei einem Almodovar-Film grell, bunt und schrill. Hier steht aber ein überaus tragischer Mutter-Tochter-Konflikt im Mittelpunkt. Die beiden Hauptdarstellerinnen Marisa Paredes und Victoria Abril sind absolut hinreissend und sorgen dafür, dass man den Film gerne sieht, auch wenn er ein paar kleine Schwächen hat. Ansehen, genießen und überraschen lassen.