"Tom à la ferme" ist ein Film von Xavier Dolan aus dem Jahr 2013. Das Drehbuch schrieb Dolan zusammen mit Michel Marc Bouchard, dem Autor des gleichnamigen Theaterstücks. Xavier Dolan selbst ist hier nicht nur als Regisseur und Drehbuchautor tätig, sondern auch als Produzent und Hauptdarsteller und zuständig für den Schnitt und die Kostüme. Dies ist sein vierter Spielfilm und wie man aus der Vergangenheit weiß, meistert er diese Aufgaben perfekt. Die Musik stammt von Gabriel Yared, der Kameramann war André Turpin.
Der Mittzwanziger Tom (Xavier Dolan) kommt aus Montreal nach Québec aufs Land, um an der Beerdigung seines Lebensgefährten Guillaume teilzunehmen. Auf dem Hof von Guillaumes Familie trifft er zunächst auf dessen Mutter Agathe (Lise Roy), die nichts von Tom weiß und anscheinend noch nicht einmal etwas von der Homosexualität ihres Sohnes wusste. Agathe lebt dort zusammen mit ihrem anderen Sohn Francis (Pierre-Yves Cardinal), dem älteren Bruder von Guillaume, den dieser aber nie erwähnt hat. Tom gibt sich Agathe gegenüber lediglich als Freund und Kollege Guillaumes aus und wird noch in der ersten Nacht von Francis brutal dazu genötigt, auch bei dieser Version zu bleiben.
Der Mutter wird weiter vorgelogen, Guillaume hätte eine feste Freundin gehabt, seine Kollegin Sarah (Evelyne Brochu), die aber natürlich nicht zur Trauerfeier erscheint. Agathe ist deswegen außer sich. Aus gutem Grund kann Tom seine geplante Trauerrede nicht halten, um sich nicht zu verraten. Agathe erweist sich als sehr verständnisvoll, während Francis zunehmend die Nerven verliert. Die Fassade soll erhalten werden und Tom wird gezwungen, seinen Aufenthalt auf der abgelegenen Farm zu verlängern. Er schlüpft sozusagen in die Rolle seines verstorbenen Geliebten und nimmt dessen Platz in der Familie ein. Doch unter der Oberfläche brodelt es gewaltig, denn Francis erweist sich immer mehr als brutaler Zeitgenosse, dessen Verhältnis zu Tom zwischen Ablehnung und Zuneigung schwankt.
Tom muss einiges einstecken, doch eine Flucht kommt für ihn zunächst noch nicht in Frage. Er findet Gefallen an dem Familien- und Landleben und scheinbar auch an den Erniedrigungen durch Francis. Die beiden Männer kommen sich gefährlich nahe, es entwickelt sich ein perfides Spiel zwischen ihnen. Doch dann erscheint die ahnungslose Sarah, von Tom herbeigerufen, und die Situation wird explosiv.
Francis hat inzwischen das Auto von Tom zerlegt, Agathe reagiert gereizt auf die gefühllose Freundin ihres verstorbenen Sohnes und Tom erfährt im Ort, warum Francis überall ausgegrenzt wird. Nun wird es höchste Zeit, die Farm zu verlassen.
Xavier Dolan hat diesen Film nach seinem vorherigen Drama "Laurence Anyways" als leichte Fingerübung für zwischendurch und in sehr kurzer Zeit gedreht. Herausgekommen ist erneut ein ausgesprochen sehenswerter und sehr spezieller Film, der den Zuschauer von Beginn an packt. Die Atmosphäre ist perfekt eingefangen, die Bilder der Landschaft um den Hof der Familie sind grandios. Bei aller Beschaulichkeit spürt man die latente Bedrohung in jedem Bild, auch wenn sie sich nicht wirklich fassen lässt.
Die Schauspieler sind exzellent, neben Xavier Dolan, der hier erneut sein Können zeigt, sind es vor allen Dingen Lise Roy als verzweifelte Mutter, die wohl mehr weiß, als sie zugibt, als auch Pierre-Yves Cardinal als brutaler und grobschlächtiger Bruder, die vollkommen überzeugen können. Sie alle sind wunderbar anzuschauen und verleihen ihren Rollen echtes Leben.
Die Bilder sind ebenfalls wunderbar, die Weite des Landes, die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Tom und Francis, sowie ein Tango der beiden Männer in einer leeren Scheune. Mitunter reine Poesie, aber auch immer kraftvoll und irgendwie bedrohlich. Muss man selbst sehen, das kann man nicht in Worte fassen.
"Tom à la ferme" ist ein Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Noch ein Wort zum Titel, überall wird der Film unter diesem auch vertrieben, sei es dann auch in der jeweiligen Landessprache, wie z. B. als "Tom at the Farm". In Deutschland läuft er aber als "Sag nicht, wer du bist!". Wieso eigentlich? Soll das mehr Zuschauer anlocken? Ich finde diese Entscheidung ziemlich albern, den Film aber nicht, der ist sensationell. Ganz große Empfehlung.
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Mittwoch, 27. August 2014
Sonntag, 7. April 2013
Laurence Anyways
"Laurence Anyways" ist ein Film von Xavier Dolan (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2012. Hier haben wir nun also den dritten Spielfilm des jungen Kanadiers Xavier Dolan, der bereits mit seinen ersten beiden Filmen begeistern konnte. Das gelingt ihm auch hier wieder mit leichter Hand und wer sich auf den Film einlässt und genug Ruhe und Zeit mitbringt, der wird mit einer Geschichte belohnt, die unter die Haut geht.
Laurence (Melvil Poupaud) ist Mitte Dreißig, beliebter Lehrer und angehender Schriftsteller. Seit längerer Zeit schon lebt er mit der unkonventionellen Fred (Suzanne Clément) zusammen und für beide ist es die große Liebe. Die Geschichte beginnt im Jahr 1989, als Laurence seiner Freundin überraschend mitteilt, zukünftig als Frau leben zu wollen. Schon als Kind habe er gespürt, im falschen Körper geboren zu sein und nun will er endlich auch in der Öffentlichkeit als Frau leben.
Fred ist zunächst geschockt, aber schließlich will sie Laurence nach Kräften unterstützen, weil sie ihn bedingungslos liebt. Doch die Reaktionen in ihrem Umfeld hinterlassen deutliche Spuren und während Laurence seinen Weg tapfer bestreitet, bricht Fred unter der Last zusammen. Er wird immer stärker in seinem Auftreten als Frau und Fred verliert sich gleichzeitig immer mehr. Sie driften auseinander.
Der Film schildert das Leben von Laurence und Fred über einen Zeitraum von zehn Jahren. Aufhänger ist ein Interview, das Laurence einer Journalistin gibt und das immer wieder eingestreut wird. Die Beziehung zu Fred ging in die Brüche, manchmal sind sie sich jahrelang nicht begegnet, aber die Anziehung zwischen ihnen ist stets geblieben. Fred hat geheiratet und einen Sohn bekommen und Laurence konnte sich als Schriftsteller etablieren.
Im Laufe der Jahre konnte Laurence auch das angespannte Verhältnis zu seiner Mutter (Nathalie Baye) klären, die sich selbst erst aus ihrer unglücklichen Ehe retten musste, um Laurence als "Tochter" akzeptieren zu können.
Für ein paar Tage kommen Laurence und Fred wieder zusammen, aber der Trip endet im Streit. Sie lieben sich zwar noch, aber die Zeit hat beide verändert. Einige Jahre später treffen sich beide in einer Bar, Fred hat ihren Mann verlassen und Laurence hat ein neues Buch veröffentlicht. Die oberflächliche Unterhaltung zwischen ihnen stößt allerdings bald an ihre Grenzen, weil beide merken, dass der frühere Zauber endgültig verflogen ist. Getrennt verlassen sie die Bar, es gibt keine Gemeinsamkeiten mehr.
Xavier Dolan erzählt diese Liebesgeschichte rund um das Thema Transsexualität in gut 160 Minuten und erweist sich erneut als großes und vielversprechendes Talent. Die Ausstattung ist perfekt, die Achtziger und Neunziger Jahre leben hier wieder auf und auch der Soundtrack ist sehr erlesen. Die Musik muss sowieso besonders erwähnt werden, denn Dolan unterlegt damit seine großartigen Bilder und sorgt dadurch mehrfach für Gänsehaut.
Suzanne Clément ist als Fred bestens besetzt und Melvil Poupaud, für den ich sowieso eine Schwäche habe, überzeugt in seiner Rolle zu jeder Zeit. Seine Veränderung zur Frau ist ein optisches Highlight. Nicht nur die Frisur, auch das Make-Up wird immer perfekter. Sehr gut gelungen.
Insgesamt gesehen ein absolut atemberaubendes Filmereignis, das viele Zuschauer verdient hat, auch wenn sich wahrscheinlich nicht viele darauf einlassen können. Ich freue mich jedenfalls auf weitere Filme von Xavier Dolan. Sehr empfehlenswert.
Laurence (Melvil Poupaud) ist Mitte Dreißig, beliebter Lehrer und angehender Schriftsteller. Seit längerer Zeit schon lebt er mit der unkonventionellen Fred (Suzanne Clément) zusammen und für beide ist es die große Liebe. Die Geschichte beginnt im Jahr 1989, als Laurence seiner Freundin überraschend mitteilt, zukünftig als Frau leben zu wollen. Schon als Kind habe er gespürt, im falschen Körper geboren zu sein und nun will er endlich auch in der Öffentlichkeit als Frau leben.
Fred ist zunächst geschockt, aber schließlich will sie Laurence nach Kräften unterstützen, weil sie ihn bedingungslos liebt. Doch die Reaktionen in ihrem Umfeld hinterlassen deutliche Spuren und während Laurence seinen Weg tapfer bestreitet, bricht Fred unter der Last zusammen. Er wird immer stärker in seinem Auftreten als Frau und Fred verliert sich gleichzeitig immer mehr. Sie driften auseinander.
Der Film schildert das Leben von Laurence und Fred über einen Zeitraum von zehn Jahren. Aufhänger ist ein Interview, das Laurence einer Journalistin gibt und das immer wieder eingestreut wird. Die Beziehung zu Fred ging in die Brüche, manchmal sind sie sich jahrelang nicht begegnet, aber die Anziehung zwischen ihnen ist stets geblieben. Fred hat geheiratet und einen Sohn bekommen und Laurence konnte sich als Schriftsteller etablieren.
Im Laufe der Jahre konnte Laurence auch das angespannte Verhältnis zu seiner Mutter (Nathalie Baye) klären, die sich selbst erst aus ihrer unglücklichen Ehe retten musste, um Laurence als "Tochter" akzeptieren zu können.
Für ein paar Tage kommen Laurence und Fred wieder zusammen, aber der Trip endet im Streit. Sie lieben sich zwar noch, aber die Zeit hat beide verändert. Einige Jahre später treffen sich beide in einer Bar, Fred hat ihren Mann verlassen und Laurence hat ein neues Buch veröffentlicht. Die oberflächliche Unterhaltung zwischen ihnen stößt allerdings bald an ihre Grenzen, weil beide merken, dass der frühere Zauber endgültig verflogen ist. Getrennt verlassen sie die Bar, es gibt keine Gemeinsamkeiten mehr.
Xavier Dolan erzählt diese Liebesgeschichte rund um das Thema Transsexualität in gut 160 Minuten und erweist sich erneut als großes und vielversprechendes Talent. Die Ausstattung ist perfekt, die Achtziger und Neunziger Jahre leben hier wieder auf und auch der Soundtrack ist sehr erlesen. Die Musik muss sowieso besonders erwähnt werden, denn Dolan unterlegt damit seine großartigen Bilder und sorgt dadurch mehrfach für Gänsehaut.
Suzanne Clément ist als Fred bestens besetzt und Melvil Poupaud, für den ich sowieso eine Schwäche habe, überzeugt in seiner Rolle zu jeder Zeit. Seine Veränderung zur Frau ist ein optisches Highlight. Nicht nur die Frisur, auch das Make-Up wird immer perfekter. Sehr gut gelungen.
Insgesamt gesehen ein absolut atemberaubendes Filmereignis, das viele Zuschauer verdient hat, auch wenn sich wahrscheinlich nicht viele darauf einlassen können. Ich freue mich jedenfalls auf weitere Filme von Xavier Dolan. Sehr empfehlenswert.
Sonntag, 20. November 2011
Herzensbrecher
"Herzensbrecher" - "Les amours imaginaires" ist ein Film von Xavier Dolan aus dem Jahr 2010. Auch in seinem zweiten Spielfilm übernimmt Dolan wieder das Ruder. Er ist gleichzeitig Regisseur, Autor und Produzent und auch noch für Schnitt und Kostüme zuständig. Ach ja, eine der Hauptrollen spielt er selbstverständlich auch noch. Kann das gut gehen? Und ob!
Die beiden engen Freunde Francis (Xavier Dolan) und Marie (Monia Chokri) lernen auf einer Party den gutaussehenden Nicolas (Niels Schneider) kennen und verlieben sich sofort in ihn. Nicolas ist ein blonder Engel mit hübschen Locken, der genau weiß, wie er auf andere wirkt. Im Ringen um seine Zuneigung machen sich Francis und Marie zum Affen, merken es aber selbst nicht. Sie verhalten sich wie Geschwister, die um ein neues Spielzeug kämpfen und wollen sich gegenseitig ausstechen, was den Reiz des Objekts ihrer Begierde nur noch künstlich erhöht.
Um sich abzulenken, haben sie Sex mit anderen, doch auch das hilft nicht. Die Liebe zu Nicolas treibt beide an den Rand der Verzweiflung und gefährdet beinahe ihre Freundschaft. Unabhängig voneinander versuchen sie Nicolas ihre Gefühle zu offenbaren, was aber gründlich misslingt und in beiden Fällen mit einem heftigen Knall auf dem Boden der Tatsachen endet.
Zu Beginn des Films wird der dazu passende Ausspruch des französischen Schriftstellers Alfred de Musset eingeblendet "Nichts ist wahrer als die Unvernunft der Liebe". Dem ist nichts hinzuzufügen. Doch Xavier Dolan findet hier noch einen wunderbaren Schluss, wenn er die Drei nach einem Jahr wieder auf einer Party zusammen zeigt. Das ist sensationell geworden und ein neues Love-Interest (Louis Garrel) ist auch schon in Sicht...
Ein Film zum Verlieben oder lieber auch nicht, wenn man so an die Folgen denkt. Egal, auch der zweite Film von Xavier Dolan ist ein Erlebnis für die Sinne geworden. Wunderbar besetzt mit dem hübschen Niels Schneider, der fabelhaften Monia Chokri und dem anbetungswürdigen Dolan selbst. Schön ist übrigens auch der Mini-Auftritt von Louis Garrel. Ebenso gut ist die Musikauswahl, unter anderem die Dalida-Version von "Bang-Bang". Hier passt einfach alles, die Ausstattung, die Kostüme, jedes noch so kleine Detail scheint wohlüberlegt zu sein und fügt sich geschmeidig zu einem Bild, wie es besser nicht sein könnte.
Insgesamt gesehen ein ganz besonderes Filmerlebnis, das Lust auf mehr macht. Bleibt zu hoffen, dass Xavier Dolan diese Leichtigkeit nicht verliert, sondern auch zukünftig seinem Stil treu bleibt. Ganz große Empfehlung. Wer bisher seinen Erstling "I Killed my Mother" noch nicht kennt, der sollte das schleunigst nachholen.
Die beiden engen Freunde Francis (Xavier Dolan) und Marie (Monia Chokri) lernen auf einer Party den gutaussehenden Nicolas (Niels Schneider) kennen und verlieben sich sofort in ihn. Nicolas ist ein blonder Engel mit hübschen Locken, der genau weiß, wie er auf andere wirkt. Im Ringen um seine Zuneigung machen sich Francis und Marie zum Affen, merken es aber selbst nicht. Sie verhalten sich wie Geschwister, die um ein neues Spielzeug kämpfen und wollen sich gegenseitig ausstechen, was den Reiz des Objekts ihrer Begierde nur noch künstlich erhöht.
Um sich abzulenken, haben sie Sex mit anderen, doch auch das hilft nicht. Die Liebe zu Nicolas treibt beide an den Rand der Verzweiflung und gefährdet beinahe ihre Freundschaft. Unabhängig voneinander versuchen sie Nicolas ihre Gefühle zu offenbaren, was aber gründlich misslingt und in beiden Fällen mit einem heftigen Knall auf dem Boden der Tatsachen endet.
Zu Beginn des Films wird der dazu passende Ausspruch des französischen Schriftstellers Alfred de Musset eingeblendet "Nichts ist wahrer als die Unvernunft der Liebe". Dem ist nichts hinzuzufügen. Doch Xavier Dolan findet hier noch einen wunderbaren Schluss, wenn er die Drei nach einem Jahr wieder auf einer Party zusammen zeigt. Das ist sensationell geworden und ein neues Love-Interest (Louis Garrel) ist auch schon in Sicht...
Ein Film zum Verlieben oder lieber auch nicht, wenn man so an die Folgen denkt. Egal, auch der zweite Film von Xavier Dolan ist ein Erlebnis für die Sinne geworden. Wunderbar besetzt mit dem hübschen Niels Schneider, der fabelhaften Monia Chokri und dem anbetungswürdigen Dolan selbst. Schön ist übrigens auch der Mini-Auftritt von Louis Garrel. Ebenso gut ist die Musikauswahl, unter anderem die Dalida-Version von "Bang-Bang". Hier passt einfach alles, die Ausstattung, die Kostüme, jedes noch so kleine Detail scheint wohlüberlegt zu sein und fügt sich geschmeidig zu einem Bild, wie es besser nicht sein könnte.
Insgesamt gesehen ein ganz besonderes Filmerlebnis, das Lust auf mehr macht. Bleibt zu hoffen, dass Xavier Dolan diese Leichtigkeit nicht verliert, sondern auch zukünftig seinem Stil treu bleibt. Ganz große Empfehlung. Wer bisher seinen Erstling "I Killed my Mother" noch nicht kennt, der sollte das schleunigst nachholen.
Sonntag, 3. Juli 2011
I Killed My Mother
"I Killed My Mother" - " J'ai tué ma mère" ist ein Film von Xavier Dolan (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2009.
Der Film erzählt die Geschichte von Hubert (Xavier Dolan), der mit seiner Mutter (Anne Dorval) zusammenlebt, seit seine Eltern sich vor vielen Jahren scheiden ließen. Seinen Vater sieht er nur selten. Das Verhältnis zwischen Hubert und seiner Mutter ist angespannt, man kann von einer Art Hassliebe sprechen. Beide liefern sich heftige Wortgefechte, weil der eine den anderen nicht versteht oder auch gar nicht erst verstehen will.
Hubert ist von seiner Mutter nur noch genervt, von ihrem schlechten Geschmack, von ihrem schlechten Benehmen bei Tisch und davon, dass sie ihm nie zuhört. Die Streitereien zwischen ihnen nehmen kein Ende. "Du bist wie Dein Vater" knallt sie ihm an den Kopf, wenn sie nicht weiter weiß. Hubert führt ein Videotagebuch und darin sagt er ganz offen, sie sei eben nicht zur Mutter geschaffen. Was seine Mutter aber noch nicht weiß, ist die Tatsache, dass Hubert schwul ist und bereits seit fast zwei Monaten einen festen Freund hat. Bei Antonin (Francois Arnaud) kann er seinen Stress vergessen und auch mit Antonins Mutter (Patricia Tulasne) versteht er sich gut. Überhaupt geht es dort sehr locker zu, was Hubert sehr genießt.
Als die Streitereien eskalieren und Huberts Mutter durch Zufall von der Homosexualität ihres Sohnes erfährt, beschließen die Eltern, (da taucht dann auch mal der Vater auf, wenn auch nur widerwillig) ihren Sohn in ein Internat zu stecken. Hubert tobt, muss sich aber fügen. Das Verhältnis zu seiner Mutter scheint endgültig zerrüttet zu sein. Als er eines Abends zusammengeschlagen wird und aus dem Internat flieht, weiß seine Mutter aber, wo sie ihn suchen muss. Vielleicht können sie sich wieder ein wenig annähern, das Schlussbild ist jedenfalls sehr vielversprechend.
Xavier Dolan hat das Drehbuch zu diesem Film, der zum Teil autobiografisch ist, bereits mit siebzehn Jahren geschrieben. Als er neunzehn war, ist der Film entstanden, der in Cannes seine Premiere hatte und mehrfach ausgezeichnet wurde. "Das kanadische Wunderkind" wird er oft genannt, was einen natürlich neugierig macht. Kann Dolan mit diesem fulminanten Debüt wirklich überzeugen? Hält der Film, was er verspricht? Beide Fragen kann man nur mit einem lauten: Ja, und wie! beantworten. Ganz ehrlich, Xavier Dolan zeigt sowohl vor, als auch hinter der Kamera sein grandioses Talent und hat einfach einen brillanten Film geschaffen.
Neben den gelungenen Dialogen überzeugt noch ganz besonders die tolle Ausstattung. Der krasse Gegensatz zwischen dem Zuhause von Antonin, wo alles offen und hell ist, und dem Zuhause von Hubert, das bedrückend und dunkel ist, wurde wunderbar eingefangen. Hier passt jedes kitschige Detail, herrlich.
Der Film ist ehrlich, direkt und schmerzhaft, aber auch nachvollziehbar, humorvoll und intelligent. Besser geht es nicht. Und ganz nebenbei ist Xavier Dolan nicht nur sehr talentiert, immerhin ist er hier gleichzeitig Autor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller in einer Person, sondern er ist dazu auch noch absolut hinreißend. Ganz große Empfehlung von mir für diesen großartigen Film, es lohnt sich auf jeden Fall. Den Namen Xavier Dolan wird man sich merken müssen.
Nachtrag: Auch der zweite Spielfilm von Xavier Dolan "Herzensbrecher" aus dem Jahr 2010 ist ein Erlebnis. Unbedingt anschauen.
Der Film erzählt die Geschichte von Hubert (Xavier Dolan), der mit seiner Mutter (Anne Dorval) zusammenlebt, seit seine Eltern sich vor vielen Jahren scheiden ließen. Seinen Vater sieht er nur selten. Das Verhältnis zwischen Hubert und seiner Mutter ist angespannt, man kann von einer Art Hassliebe sprechen. Beide liefern sich heftige Wortgefechte, weil der eine den anderen nicht versteht oder auch gar nicht erst verstehen will.
Hubert ist von seiner Mutter nur noch genervt, von ihrem schlechten Geschmack, von ihrem schlechten Benehmen bei Tisch und davon, dass sie ihm nie zuhört. Die Streitereien zwischen ihnen nehmen kein Ende. "Du bist wie Dein Vater" knallt sie ihm an den Kopf, wenn sie nicht weiter weiß. Hubert führt ein Videotagebuch und darin sagt er ganz offen, sie sei eben nicht zur Mutter geschaffen. Was seine Mutter aber noch nicht weiß, ist die Tatsache, dass Hubert schwul ist und bereits seit fast zwei Monaten einen festen Freund hat. Bei Antonin (Francois Arnaud) kann er seinen Stress vergessen und auch mit Antonins Mutter (Patricia Tulasne) versteht er sich gut. Überhaupt geht es dort sehr locker zu, was Hubert sehr genießt.
Als die Streitereien eskalieren und Huberts Mutter durch Zufall von der Homosexualität ihres Sohnes erfährt, beschließen die Eltern, (da taucht dann auch mal der Vater auf, wenn auch nur widerwillig) ihren Sohn in ein Internat zu stecken. Hubert tobt, muss sich aber fügen. Das Verhältnis zu seiner Mutter scheint endgültig zerrüttet zu sein. Als er eines Abends zusammengeschlagen wird und aus dem Internat flieht, weiß seine Mutter aber, wo sie ihn suchen muss. Vielleicht können sie sich wieder ein wenig annähern, das Schlussbild ist jedenfalls sehr vielversprechend.
Xavier Dolan hat das Drehbuch zu diesem Film, der zum Teil autobiografisch ist, bereits mit siebzehn Jahren geschrieben. Als er neunzehn war, ist der Film entstanden, der in Cannes seine Premiere hatte und mehrfach ausgezeichnet wurde. "Das kanadische Wunderkind" wird er oft genannt, was einen natürlich neugierig macht. Kann Dolan mit diesem fulminanten Debüt wirklich überzeugen? Hält der Film, was er verspricht? Beide Fragen kann man nur mit einem lauten: Ja, und wie! beantworten. Ganz ehrlich, Xavier Dolan zeigt sowohl vor, als auch hinter der Kamera sein grandioses Talent und hat einfach einen brillanten Film geschaffen.
Neben den gelungenen Dialogen überzeugt noch ganz besonders die tolle Ausstattung. Der krasse Gegensatz zwischen dem Zuhause von Antonin, wo alles offen und hell ist, und dem Zuhause von Hubert, das bedrückend und dunkel ist, wurde wunderbar eingefangen. Hier passt jedes kitschige Detail, herrlich.
Der Film ist ehrlich, direkt und schmerzhaft, aber auch nachvollziehbar, humorvoll und intelligent. Besser geht es nicht. Und ganz nebenbei ist Xavier Dolan nicht nur sehr talentiert, immerhin ist er hier gleichzeitig Autor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller in einer Person, sondern er ist dazu auch noch absolut hinreißend. Ganz große Empfehlung von mir für diesen großartigen Film, es lohnt sich auf jeden Fall. Den Namen Xavier Dolan wird man sich merken müssen.
Nachtrag: Auch der zweite Spielfilm von Xavier Dolan "Herzensbrecher" aus dem Jahr 2010 ist ein Erlebnis. Unbedingt anschauen.
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