"Saint Laurent" ist ein Film von Bertrand Bonello aus dem Jahr 2014. Das Drehbuch schrieb Bonello zusammen mit Thomas Bidegain. Der Film beschäftigt sich mit dem Leben des französischen Modeschöpfers Yves Saint Laurent, konzentriert sich hierbei aber auf die Zeit zwischen 1967 und 1977. Insgesamt geht der Regisseur aber offensichtlich davon aus, dass der Zuschauer mit dem Leben und Werk des Designers vertraut ist, denn erklärt wird hier nichts. Im Gegenteil, er springt in die Geschichte hinein und auch wieder hinaus, manchmal auch hin und her, aber das war es dann auch schon.
Klingt das irgendwie so, als wäre ich mit dem Ergebnis unzufrieden? Ja, leider und ich bin durchaus mit der Geschichte vertraut, was sicher nicht für alle Zuschauer gilt. Dabei klang das alles doch so verlockend. Allein schon die Besetzung versprach ein wundervolles Filmerlebnis: Gaspard Ulliel, Jérémie Renier, Louis Garrel, Léa Seydoux, Valeria Bruni Tedeschi. Monatelang freute ich mich auf den Erscheinungstermin der DVD und dann? Ernüchterung und Enttäuschung. Mehr nicht. Und natürlich die Frage, wie man aus diesem Thema und mit dieser Besetzung so einen Quark erschaffen kann. Ich bin immer noch fassungslos.
Nun gut, die Schauspieler sind tadellos, die Ausstattung ist exquisit, die Kostüme sowieso. Allein, es fehlt das Herzblut, um aus einem Biopic einen interessanten Film zu machen. Nur schöne Bilder aneinanderzureihen reicht da leider nicht. Gezeigt werden Bilder von Yves Saint Laurent bei der Arbeit in seinem Atelier, von seinen Modeschauen, in seinen luxuriösen Appartements und in schicken Nachtclubs, das alles scheinbar endlos. Ebenso beim Feiern mit seinen Freunden und Musen, immer exzessiverer Drogen- und Alkoholkonsum inklusive, oder auch bei geschäftlichen Verhandlungen. Das alles ist in etwa so aufregend, als würde man Farbe beim Trocknen zusehen und über die unglaubliche Laufzeit von fast 135 Minuten besser als jedes Schlafmittel.
Für den Menschen Yves Saint Laurent oder auch für die Beziehung zu seinem jahrzehntelangen Lebensgefährten Pierre Bergé interessiert sich der Film dabei überhaupt nicht. Die Rolle des alternden Designers wird dann von Helmut Berger verkörpert, der zwar nur wenige Szenen hat, aber dessen Besetzung eigentlich ganz amüsant anmutet, wenn die Idee nicht sofort wieder in sich zusammenfallen würde. Warum nur liegt Helmut Berger als Yves Saint Laurent auf dem Bett und sieht sich einen Film mit dem jungen Helmut Berger an? Jede Wette, an der Stelle hat sich der Regisseur selbst für seinen tollen Einfall applaudiert. Ich habe jedenfalls nur mit den Augen gerollt.
Die DVD bietet den Film in der deutschen Synchronisation und in der französischen Originalfassung an, jedoch ohne deutsche Untertitel. Das ist ein weiterer Minuspunkt. Gut, interessante Dialoge gibt es im ganzen Film nicht, aber ich finde das Fehlen der Untertitel trotzdem sehr ärgerlich.
Schade, für mich ist "Saint Laurent" die größte Enttäuschung des letzten Jahres. Das Projekt klang so vielversprechend, wurde aber leider komplett gegen die Wand gefahren. Kann man gerne verpassen.
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Montag, 4. Januar 2016
Sonntag, 13. Dezember 2015
Unter der Haut
"Unter der Haut" ist ein Film von Claudia Lorenz (Regie) aus dem Jahr 2015 und gleichzeitig ihr Spielfilmdebüt. Das Drehbuch schrieb Claudia Lorenz zusammen mit Rolando Colla.
Erzählt wird die Geschichte einer Familie in der Schweiz, die gerade in eine neue Wohnung auf dem Land gezogen ist. Vater, Mutter, ein Sohn und eine Tochter im Teenager-Alter und noch eine kleine Tochter. Alles ist harmonisch, eine kleine Idylle. Aber Alice (Ursina Lardi) bemerkt an ihrem Ehemann Frank (Dominique Jann) bald ein paar Merkwürdigkeiten. Er ist verschlossen, wirkt unzufrieden, redet aber nicht darüber.
Als Alice auf dem Familien-Computer auf schwule Webseiten stößt, denkt sie zuerst an ihren Sohn, der ihre Bedenken aber gleich entkräftet. Langsam aber sicher stellt sich heraus, dass Frank auf diesen Seiten verkehrt, der bald auch nicht mehr leugnet, sich zu Männern hingezogen zu fühlen. Für Alice bricht eine Welt zusammen, aber noch will sie das alles nicht wahrhaben. Zunächst versucht sie noch, ihren Mann zum Reden zu bringen und ihn davon zu überzeugen, nur einer Laune zu folgen. Doch je mehr sie bettelt und fleht, ihn mit Körperlichkeiten an die gemeinsame Vergangenheit zu erinnern versucht, umso mehr entgleitet ihr Frank, der inzwischen schon in einen anderen Mann verliebt ist.
Bald schon ist klar, dass ein weiteres Zusammenleben nicht mehr möglich ist. Frank ist zerrissen zwischen der Liebe zu seiner Familie und der Liebe zu seinem Freund Pablo (Antonio Buil) und zieht aus der Familienwohnung aus.
Der Film bleibt nun ganz bei Alice und ihrem Umgang mit den Geschehnissen. Liebe, Wut und Verzweiflung reichen sich hier die Hand, bis zum totalen Zusammenbruch, aus dem die Kinder ihre Mutter herausholen müssen. Bis es einen Neuanfang gibt, ist ein Jahr vergangen. So etwas wie Normalität tritt langsam wieder ein und auch Frank taucht wieder in der Geschichte auf, über den wir in der Zwischenzeit nichts weiter erfahren haben.
Die Stärke dieses Films liegt auch darin, eben nicht alles bis zum Erbrechen zu erzählen, sondern durchaus auch Dinge auszulassen. Was genau Frank antreibt, wie sein Verhältnis zu Pablo ist, warum alles passiert ist, das wird nicht weiter thematisiert und das macht auch nichts. Dieser Film überzeugt in erster Linie durch perfektes Schauspiel und wunderbar starke Darsteller, die einfach in jeder Sekunde überzeugen können und den ganzen Film zu einem sehr sinnlichen Erlebnis machen. Das muss man auch erstmal schaffen.
Hier sind es vor allem Ursina Lardi und Dominique Jann, die ausgezeichnete Arbeit leisten und den Film durch ihre ausgesprochen sensible Darstellung extrem sehenswert machen. Ich kann nur eine ganz große Empfehlung aussprechen, es lohnt sich auf jeden Fall.
Erzählt wird die Geschichte einer Familie in der Schweiz, die gerade in eine neue Wohnung auf dem Land gezogen ist. Vater, Mutter, ein Sohn und eine Tochter im Teenager-Alter und noch eine kleine Tochter. Alles ist harmonisch, eine kleine Idylle. Aber Alice (Ursina Lardi) bemerkt an ihrem Ehemann Frank (Dominique Jann) bald ein paar Merkwürdigkeiten. Er ist verschlossen, wirkt unzufrieden, redet aber nicht darüber.
Als Alice auf dem Familien-Computer auf schwule Webseiten stößt, denkt sie zuerst an ihren Sohn, der ihre Bedenken aber gleich entkräftet. Langsam aber sicher stellt sich heraus, dass Frank auf diesen Seiten verkehrt, der bald auch nicht mehr leugnet, sich zu Männern hingezogen zu fühlen. Für Alice bricht eine Welt zusammen, aber noch will sie das alles nicht wahrhaben. Zunächst versucht sie noch, ihren Mann zum Reden zu bringen und ihn davon zu überzeugen, nur einer Laune zu folgen. Doch je mehr sie bettelt und fleht, ihn mit Körperlichkeiten an die gemeinsame Vergangenheit zu erinnern versucht, umso mehr entgleitet ihr Frank, der inzwischen schon in einen anderen Mann verliebt ist.
Bald schon ist klar, dass ein weiteres Zusammenleben nicht mehr möglich ist. Frank ist zerrissen zwischen der Liebe zu seiner Familie und der Liebe zu seinem Freund Pablo (Antonio Buil) und zieht aus der Familienwohnung aus.
Der Film bleibt nun ganz bei Alice und ihrem Umgang mit den Geschehnissen. Liebe, Wut und Verzweiflung reichen sich hier die Hand, bis zum totalen Zusammenbruch, aus dem die Kinder ihre Mutter herausholen müssen. Bis es einen Neuanfang gibt, ist ein Jahr vergangen. So etwas wie Normalität tritt langsam wieder ein und auch Frank taucht wieder in der Geschichte auf, über den wir in der Zwischenzeit nichts weiter erfahren haben.
Die Stärke dieses Films liegt auch darin, eben nicht alles bis zum Erbrechen zu erzählen, sondern durchaus auch Dinge auszulassen. Was genau Frank antreibt, wie sein Verhältnis zu Pablo ist, warum alles passiert ist, das wird nicht weiter thematisiert und das macht auch nichts. Dieser Film überzeugt in erster Linie durch perfektes Schauspiel und wunderbar starke Darsteller, die einfach in jeder Sekunde überzeugen können und den ganzen Film zu einem sehr sinnlichen Erlebnis machen. Das muss man auch erstmal schaffen.
Hier sind es vor allem Ursina Lardi und Dominique Jann, die ausgezeichnete Arbeit leisten und den Film durch ihre ausgesprochen sensible Darstellung extrem sehenswert machen. Ich kann nur eine ganz große Empfehlung aussprechen, es lohnt sich auf jeden Fall.
Mittwoch, 23. September 2015
Eine neue Freundin
"Eine neue Freundin" - "Une nouvelle amie" ist ein Film von François Ozon (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2014 und beruht lose auf einer Kurzgeschichte von Ruth Rendell.
Claire (Anaïs Demoustier) und Laura (Isild De Besco) waren unzertrennliche Freundinnen seit Kindestagen und ihre Freundschaft sollte für "immer und ewig" halten. Sie teilten alles miteinander, die lebenslustige Laura und die eher schüchterne Claire und waren immer füreinander da. Selbst ihre Hochzeiten fanden am gleichen Tag statt. Laura heiratete David (Romain Duris) und Claire heiratete Gilles (Raphaël Personnaz). Als Laura und David ein Baby bekamen, ein Mädchen namens Lucie, wurde Claire selbstverständlich ihre Patentante. Da war Laura schon schwer erkrankt und starb kurze Zeit später. Bei ihrer Trauerfeier versprach Claire, sich immer um Lucie und David kümmern zu wollen.
Was bis hier schon recht umfangreich klingt, erzählt Ozon in nicht einmal acht Minuten, denn diese Vorgeschichte bereitet den Anfang der eigentlichen Handlung vor, die ab da losgeht. Claire ist in ihrer Trauer um Laura gefangen, sie schafft es nicht David und Lucie zu besuchen, weil sie dort alles nur an ihre tote Freundin erinnern würde. Als sie sich doch endlich zu einem Besuch aufrafft, trifft sie im Wohnzimmer des stattlichen Hauses auf eine blonde Frau, die dem Baby gerade sein Fläschchen gibt. Entsetzt erkennt sie David, der eine Perücke trägt und eines von Lauras Kleidern.
David ist bemüht, Claire seine Verkleidung zu erklären. Zuerst tat er es, um das Baby zu beruhigen, das in ihm die vertraute Mutter zu erkennen glaubte, aber eigentlich hatte er schon immer großes Vergnügen daran, sich Frauenkleider anzuziehen. Laura wusste davon, aber während ihrer gemeinsamen Zeit hat David ihre Weiblichkeit gereicht und das Verlangen ließ nach. Nun aber würde er gerne seine weibliche Seite ausleben wollen und mit Lust Kleider tragen, Perücken aufsetzen und sich schminken. Claires anfängliche Bedenken beginnen zu schwinden, sie freundet sich mehr und mehr mit dem Gedanken an und wird für David zur Verbündeten.
Aus David wird Virginia, erst nur im Geheimen, aber dann unternehmen die beiden auch gemeinsame Shoppingtouren im Einkaufszentrum und haben dabei viel Spaß. David/Virginia wird im Laufe der Zeit immer stilsicherer und auch Claire verändert sich. Sie entdeckt ihre eigene Weiblichkeit und ihre Sexualität neu und profitiert davon. Ihr Ehemann Gilles weiß derweil nichts von Davids Geheimnis. Nur durch Zufall erfährt er von einem gemeinsamen Ausflug der beiden ins Landhaus von Lauras Eltern.
Viel mehr will bzw. kann ich hier nicht erzählen, das muss man sich schon selbst anschauen. Es wird auch noch ein bisschen dramatisch, aber es wird auch noch wunderschön und es ergibt sich eine Liebesgeschichte, wie man sie so wohl noch nicht sehr oft in Filmen gesehen hat.
François Ozon liebt das Melodram, die üppigen Bilder, die großen Gefühle, einfach alles was nicht in den Mainstream passt und das ist auch gut so. Wir sehen Häuser und Grundstücke, die nicht der Norm entsprechen und in denen ohne jeden Zweifel auch ein Douglas Sirk-Film spielen könnte. Genau das ist das Anliegen von Ozon, der sich stets das märchenhafte bewahrt und auch auskostet. Sein Film soll nicht die Realität abbilden, sondern seine Sicht der Dinge, wie sie sein könnte. Und das gelingt ihm auch hier wieder grandios. Vergessen wir hier einfach mal alle überflüssigen Gender-Debatten und erfreuen wir uns an einer zauberhaften Liebesgeschichte, die einfach schön, aber nicht unmöglich ist.
Unterlegt ist das alles mit einer sehr gelungenen Musikauswahl und natürlich mit Bildern, die einfach wunderschön sind. Die Besetzung ist traumhaft gewählt, neben Romain Duris, der mich hier doch sehr positiv überrascht hat, ist es vor allem Anaïs Demoustier, die alle Blicke auf sich zieht. Sehr gelungen.
Was soll ich noch sagen? Ach ja, meine 900. Filmkritik auf diesem Blog und noch dazu ein Film von meinem Lieblings-Regisseur. Da kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen und da ist auch ein bisschen Schwärmerei (wie üblich) erlaubt. Bitte auch auf den kleinen Cameo-Auftritt von Ozon (im Kino) achten. Für den Film gibt es, wie könnte es anders sein, eine ganz große Empfehlung von mir. Unbedingt anschauen und verzaubern lassen. Es lohnt sich.
Claire (Anaïs Demoustier) und Laura (Isild De Besco) waren unzertrennliche Freundinnen seit Kindestagen und ihre Freundschaft sollte für "immer und ewig" halten. Sie teilten alles miteinander, die lebenslustige Laura und die eher schüchterne Claire und waren immer füreinander da. Selbst ihre Hochzeiten fanden am gleichen Tag statt. Laura heiratete David (Romain Duris) und Claire heiratete Gilles (Raphaël Personnaz). Als Laura und David ein Baby bekamen, ein Mädchen namens Lucie, wurde Claire selbstverständlich ihre Patentante. Da war Laura schon schwer erkrankt und starb kurze Zeit später. Bei ihrer Trauerfeier versprach Claire, sich immer um Lucie und David kümmern zu wollen.
Was bis hier schon recht umfangreich klingt, erzählt Ozon in nicht einmal acht Minuten, denn diese Vorgeschichte bereitet den Anfang der eigentlichen Handlung vor, die ab da losgeht. Claire ist in ihrer Trauer um Laura gefangen, sie schafft es nicht David und Lucie zu besuchen, weil sie dort alles nur an ihre tote Freundin erinnern würde. Als sie sich doch endlich zu einem Besuch aufrafft, trifft sie im Wohnzimmer des stattlichen Hauses auf eine blonde Frau, die dem Baby gerade sein Fläschchen gibt. Entsetzt erkennt sie David, der eine Perücke trägt und eines von Lauras Kleidern.
David ist bemüht, Claire seine Verkleidung zu erklären. Zuerst tat er es, um das Baby zu beruhigen, das in ihm die vertraute Mutter zu erkennen glaubte, aber eigentlich hatte er schon immer großes Vergnügen daran, sich Frauenkleider anzuziehen. Laura wusste davon, aber während ihrer gemeinsamen Zeit hat David ihre Weiblichkeit gereicht und das Verlangen ließ nach. Nun aber würde er gerne seine weibliche Seite ausleben wollen und mit Lust Kleider tragen, Perücken aufsetzen und sich schminken. Claires anfängliche Bedenken beginnen zu schwinden, sie freundet sich mehr und mehr mit dem Gedanken an und wird für David zur Verbündeten.
Aus David wird Virginia, erst nur im Geheimen, aber dann unternehmen die beiden auch gemeinsame Shoppingtouren im Einkaufszentrum und haben dabei viel Spaß. David/Virginia wird im Laufe der Zeit immer stilsicherer und auch Claire verändert sich. Sie entdeckt ihre eigene Weiblichkeit und ihre Sexualität neu und profitiert davon. Ihr Ehemann Gilles weiß derweil nichts von Davids Geheimnis. Nur durch Zufall erfährt er von einem gemeinsamen Ausflug der beiden ins Landhaus von Lauras Eltern.
Viel mehr will bzw. kann ich hier nicht erzählen, das muss man sich schon selbst anschauen. Es wird auch noch ein bisschen dramatisch, aber es wird auch noch wunderschön und es ergibt sich eine Liebesgeschichte, wie man sie so wohl noch nicht sehr oft in Filmen gesehen hat.
François Ozon liebt das Melodram, die üppigen Bilder, die großen Gefühle, einfach alles was nicht in den Mainstream passt und das ist auch gut so. Wir sehen Häuser und Grundstücke, die nicht der Norm entsprechen und in denen ohne jeden Zweifel auch ein Douglas Sirk-Film spielen könnte. Genau das ist das Anliegen von Ozon, der sich stets das märchenhafte bewahrt und auch auskostet. Sein Film soll nicht die Realität abbilden, sondern seine Sicht der Dinge, wie sie sein könnte. Und das gelingt ihm auch hier wieder grandios. Vergessen wir hier einfach mal alle überflüssigen Gender-Debatten und erfreuen wir uns an einer zauberhaften Liebesgeschichte, die einfach schön, aber nicht unmöglich ist.
Unterlegt ist das alles mit einer sehr gelungenen Musikauswahl und natürlich mit Bildern, die einfach wunderschön sind. Die Besetzung ist traumhaft gewählt, neben Romain Duris, der mich hier doch sehr positiv überrascht hat, ist es vor allem Anaïs Demoustier, die alle Blicke auf sich zieht. Sehr gelungen.
Was soll ich noch sagen? Ach ja, meine 900. Filmkritik auf diesem Blog und noch dazu ein Film von meinem Lieblings-Regisseur. Da kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen und da ist auch ein bisschen Schwärmerei (wie üblich) erlaubt. Bitte auch auf den kleinen Cameo-Auftritt von Ozon (im Kino) achten. Für den Film gibt es, wie könnte es anders sein, eine ganz große Empfehlung von mir. Unbedingt anschauen und verzaubern lassen. Es lohnt sich.
Sonntag, 1. Februar 2015
Lilting
"Lilting" ist ein Film von Hong Khaou (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2014 und gleichzeitig sein Langfilmdebüt.
In einem Seniorenheim in London lebt die verwitwete Junn (Pei-pei Cheng), eine Chinesin mit kambodschanischen Wurzeln, die zwar seit fast dreißig Jahren in England lebt, aber die Sprache nie gelernt hat. Ihr Sohn Kai (Andrew Leung) hat sich immer um alles gekümmert und sie schließlich in dem Seniorenheim untergebracht, wollte sie aber zu sich holen, wenn er eine größere Wohnung gefunden hat.
Doch plötzlich ist Kai tot, gestorben bei einem Verkehrsunfall und Junn bleibt allein zurück, auch wenn sie in ihren Tagträumen immer und immer wieder die letzte Begegnung mit ihrem Sohn wiederholt. An diesem Tag wollte Kai endlich seinen ganzen Mut zusammennehmen und ihr erklären, dass sein Freund und Mitbewohner Richard (Ben Whishaw) auch sein Lebensgefährte ist und das schon seit vier Jahren.
Richard besucht Junn, die ihn nicht mag und das auch nicht versteckt. Weil er mit Kai zusammengelebt hat, konnte sie nicht bei ihrem Sohn leben, das verzeiht sie ihm nicht. Wie tief das Verhältnis der beiden jungen Männer war, das weiß sie nicht oder will es nicht wissen. Aus Liebe zu seinem verstorbenen Geliebten möchte sich Richard um Junn kümmern, doch beide können sich nicht verständigen und die alte Frau ist äußerst abweisend.
Junn hat im Seniorenheim eine kleine Liebelei mit Alan (Peter Bowles) angefangen, der ebenfalls dort lebt. Auch diese beiden sprechen nicht die gleiche Sprache, scheinen aber glücklich miteinander zu sein. Richard engagiert die junge Vann (Naomi Christie), die als Übersetzerin tätig wird und Junn und Alan zur Seite steht. Doch die gerade erst aufkeimende Liebe bekommt Risse, je mehr beide voneinander erfahren. Wortlos waren sie scheinbar glücklicher.
Auch Richard versucht durch Vann, näher zu Junn vorzudringen und ihr von seinen Gefühlen für Kai zu erzählen. Beide sind gefangen in ihrer Trauer um den geliebten Menschen und müssen erst langsam lernen, den Verlust zu akzeptieren und sich gegenseitig zu respektieren und zu verstehen, auch ohne Worte.
Nein, das ist kein Wohlfühlfilm und das will er auch gar nicht sein. Hong Khaou verzichtet bewusst auf jeden Kitsch und erzählt seinen wunderbaren Film ganz ehrlich. Tränen fließen dabei auch, nicht nur bei den Beteiligten, sondern auch beim Zuschauer. Das liegt in erster Linie an Ben Whishaw, der so in seiner Rolle aufgeht, dass es wirklich herzzerreißend ist. Mich hat er hier jedenfalls absolut gepackt, auch wenn ich ihm bisher nicht wirklich viel abgewinnen konnte. Respekt für diese Darstellung.
Auch die anderen Schauspieler muss man einfach loben, dieser kleine, fast schon kammerspielartige Film ist ein wahres Highlight, das man nicht verpassen sollte. Unterlegt mit sehr zurückhaltender Musik und ausgestattet mit schönen Bildern kann ich diesen Film nur sehr empfehlen. Kamerafrau war hier übrigens Urszula Pontikos, die schon in Andrew Haighs "Weekend" mit ihrer Arbeit überzeugen konnte.
Insgesamt gesehen ein wirklich schöner und sehr berührender Film. Auf weitere Werke von Hong Khaou darf man gespannt sein. Ganz große Empfehlung.
In einem Seniorenheim in London lebt die verwitwete Junn (Pei-pei Cheng), eine Chinesin mit kambodschanischen Wurzeln, die zwar seit fast dreißig Jahren in England lebt, aber die Sprache nie gelernt hat. Ihr Sohn Kai (Andrew Leung) hat sich immer um alles gekümmert und sie schließlich in dem Seniorenheim untergebracht, wollte sie aber zu sich holen, wenn er eine größere Wohnung gefunden hat.
Doch plötzlich ist Kai tot, gestorben bei einem Verkehrsunfall und Junn bleibt allein zurück, auch wenn sie in ihren Tagträumen immer und immer wieder die letzte Begegnung mit ihrem Sohn wiederholt. An diesem Tag wollte Kai endlich seinen ganzen Mut zusammennehmen und ihr erklären, dass sein Freund und Mitbewohner Richard (Ben Whishaw) auch sein Lebensgefährte ist und das schon seit vier Jahren.
Richard besucht Junn, die ihn nicht mag und das auch nicht versteckt. Weil er mit Kai zusammengelebt hat, konnte sie nicht bei ihrem Sohn leben, das verzeiht sie ihm nicht. Wie tief das Verhältnis der beiden jungen Männer war, das weiß sie nicht oder will es nicht wissen. Aus Liebe zu seinem verstorbenen Geliebten möchte sich Richard um Junn kümmern, doch beide können sich nicht verständigen und die alte Frau ist äußerst abweisend.
Junn hat im Seniorenheim eine kleine Liebelei mit Alan (Peter Bowles) angefangen, der ebenfalls dort lebt. Auch diese beiden sprechen nicht die gleiche Sprache, scheinen aber glücklich miteinander zu sein. Richard engagiert die junge Vann (Naomi Christie), die als Übersetzerin tätig wird und Junn und Alan zur Seite steht. Doch die gerade erst aufkeimende Liebe bekommt Risse, je mehr beide voneinander erfahren. Wortlos waren sie scheinbar glücklicher.
Auch Richard versucht durch Vann, näher zu Junn vorzudringen und ihr von seinen Gefühlen für Kai zu erzählen. Beide sind gefangen in ihrer Trauer um den geliebten Menschen und müssen erst langsam lernen, den Verlust zu akzeptieren und sich gegenseitig zu respektieren und zu verstehen, auch ohne Worte.
Nein, das ist kein Wohlfühlfilm und das will er auch gar nicht sein. Hong Khaou verzichtet bewusst auf jeden Kitsch und erzählt seinen wunderbaren Film ganz ehrlich. Tränen fließen dabei auch, nicht nur bei den Beteiligten, sondern auch beim Zuschauer. Das liegt in erster Linie an Ben Whishaw, der so in seiner Rolle aufgeht, dass es wirklich herzzerreißend ist. Mich hat er hier jedenfalls absolut gepackt, auch wenn ich ihm bisher nicht wirklich viel abgewinnen konnte. Respekt für diese Darstellung.
Auch die anderen Schauspieler muss man einfach loben, dieser kleine, fast schon kammerspielartige Film ist ein wahres Highlight, das man nicht verpassen sollte. Unterlegt mit sehr zurückhaltender Musik und ausgestattet mit schönen Bildern kann ich diesen Film nur sehr empfehlen. Kamerafrau war hier übrigens Urszula Pontikos, die schon in Andrew Haighs "Weekend" mit ihrer Arbeit überzeugen konnte.
Insgesamt gesehen ein wirklich schöner und sehr berührender Film. Auf weitere Werke von Hong Khaou darf man gespannt sein. Ganz große Empfehlung.
Sonntag, 14. Dezember 2014
DVD-Veröffentlichung: Wilde Herzen
"Wilde Herzen" - "Les roseaux sauvages" von André Téchiné aus dem Jahr 1994 ist nun auch hierzulande endlich auf DVD erschienen und zwar bei Salzgeber. Zu sehen ist der Film in der französischen Originalfassung und in der deutschen Synchronfassung. Leider jedoch ohne deutsche Untertitel, was ich sehr bedaure. Ich persönlich mag keine französischen Filme mit deutscher Synchronisation, weil meistens die Stimmen etwas unglücklich gewählt sind, aber das ist nur meine Meinung und Meckern auf hohem Niveau. Freuen kann man sich über diese längst fällige Veröffentlichung und einen der schönsten Filme von André Téchiné aber in jedem Fall.
Zur Filmkritik geht es hier, damals noch mit der französischen Fassung: "Les roseaux sauvages"
Große Empfehlung von mir für einen ganz zauberhaften Film mit sensationellen Darstellern, die noch ganz am Anfang ihrer Karrieren standen. Man erlebt mit ihnen einen Sommer, den man nie wieder vergisst. Unbedingt anschauen.
Zur Filmkritik geht es hier, damals noch mit der französischen Fassung: "Les roseaux sauvages"
Große Empfehlung von mir für einen ganz zauberhaften Film mit sensationellen Darstellern, die noch ganz am Anfang ihrer Karrieren standen. Man erlebt mit ihnen einen Sommer, den man nie wieder vergisst. Unbedingt anschauen.
Freitag, 24. Oktober 2014
Oy Vey! My Son is Gay!!
"Oy Vey! My Son is Gay!!" ist ein Film von Evgeny Afineevsky aus dem Jahr 2009. Das Drehbuch schrieb Afineevsky zusammen mit Menahem Golan und Martin Guigui. Da tauchen bei mir schon die ersten Fragen auf: Gab es hier wirklich ein Drehbuch? Sehr vieles wirkt hier nämlich eher improvisiert. Das kann natürlich sehr positiv sein, in diesem Fall ist es das aber nicht. Nächste Frage: Warum sehe ich mir einen Film an, dessen Titel allein schon Schlimmes vermuten lässt? Keine Ahnung. Ehrlich, ich habe mir diesen Film wirklich ohne jede große Erwartungshaltung angeschaut und muss nun ganz klar sagen: Bitte verpassen. So einen Schrott habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Oder anders ausgedrückt: 'Oy Vey! Was für ein mieser Film!!'
Kommen wir aber zur Handlung. Nelson (John Lloyd Young) ist Mitte Zwanzig und Sohn einer jüdischen Familie in New York. Seine Mutter Shirley (Lainie Kazan) will ihn unbedingt mit einer hübschen jungen jüdischen Frau verheiraten, während sein Vater Martin (Saul Rubinek) dem ganzen Theater eher unbeteiligt gegenüber steht. Doch Nelson hat ein Geheimnis, von dem niemand etwas weiß. Er ist schwul und lebt mit seinem Partner Angelo (Jai Rodriguez) zusammen.
Immer wieder versucht Nelson seiner Mutter die Wahrheit zu sagen, aber diese ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um ihrem Sohn auch nur einmal zuzuhören. Als Shirley eines Tages uneingeladen in Nelsons Wohnung erscheint, trifft sie dort auf Angelo, der sich als Nelsons Innendekorateur ausgibt und auf Sybil (Carmen Electra), eine Nachbarin und gute Freundin. Shirley erkennt in Sybil natürlich sofort die vermeintliche Verlobte ihres Sohnes und akzeptiert sogleich, dass diese eine "Schickse" ist, also eine nicht jüdische Frau. Auch die Tatsache, dass Sybil ein Playmate ist, scheint sie nicht weiter zu stören. Endlich hat ihr Sohn eine Frau gefunden, den Rest wird sie ihrer Familie schon irgendwie schmackhaft machen.
Auf der Hochzeit seines Cousins platzt Nelson dann aber endlich mit der Sprache heraus und setzt damit eine Abfolge von absurden Handlungen in Gang, die ich hier nicht weiter erwähnen will.
Gut, soweit hört sich das alles gar nicht so furchtbar an, aber im Film selbst ist es tatsächlich unerträglich. Da haben wir auf der einen Seite ganz schreckliches Over-Acting von Lainie Kazan und Saul Rubinek, die schon nach kurzer Zeit richtig nerven und auf der anderen Seite einen fast im Koma spielenden John Lloyd Young, den das alles nicht zu interessieren scheint, was mit ihm und seiner Rolle passiert. Irgendwelche Emotionen zeigt er nie wirklich. Dafür darf sein Co-Star Jai Rodriguez ein bisschen Haut zeigen, aber natürlich nie zu viel. Da reicht dann eine plumpe "Oh Gott, was zieh ich bloß an-Nummer", in der er sich mehrfach umziehen darf. *Gähn*
Fremdschämen darf man sich dann auch noch bei sämtlichen Auftritten von Carmen Electra, die so bodenlos sind, dass mir hier die Worte fehlen. Sorry.
Abschließende Frage: Kann ich etwas Nettes über diesen Film sagen? Nein! Hier werden nur Klischees geboten, die eigentlich in der Wirklichkeit nicht mehr existieren sollten, aber ganz sicher bin ich mir da gerade nicht. Traurig und vor allen Dingen nicht lustig. So wie der ganze Film.
Kommen wir aber zur Handlung. Nelson (John Lloyd Young) ist Mitte Zwanzig und Sohn einer jüdischen Familie in New York. Seine Mutter Shirley (Lainie Kazan) will ihn unbedingt mit einer hübschen jungen jüdischen Frau verheiraten, während sein Vater Martin (Saul Rubinek) dem ganzen Theater eher unbeteiligt gegenüber steht. Doch Nelson hat ein Geheimnis, von dem niemand etwas weiß. Er ist schwul und lebt mit seinem Partner Angelo (Jai Rodriguez) zusammen.
Immer wieder versucht Nelson seiner Mutter die Wahrheit zu sagen, aber diese ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um ihrem Sohn auch nur einmal zuzuhören. Als Shirley eines Tages uneingeladen in Nelsons Wohnung erscheint, trifft sie dort auf Angelo, der sich als Nelsons Innendekorateur ausgibt und auf Sybil (Carmen Electra), eine Nachbarin und gute Freundin. Shirley erkennt in Sybil natürlich sofort die vermeintliche Verlobte ihres Sohnes und akzeptiert sogleich, dass diese eine "Schickse" ist, also eine nicht jüdische Frau. Auch die Tatsache, dass Sybil ein Playmate ist, scheint sie nicht weiter zu stören. Endlich hat ihr Sohn eine Frau gefunden, den Rest wird sie ihrer Familie schon irgendwie schmackhaft machen.
Auf der Hochzeit seines Cousins platzt Nelson dann aber endlich mit der Sprache heraus und setzt damit eine Abfolge von absurden Handlungen in Gang, die ich hier nicht weiter erwähnen will.
Gut, soweit hört sich das alles gar nicht so furchtbar an, aber im Film selbst ist es tatsächlich unerträglich. Da haben wir auf der einen Seite ganz schreckliches Over-Acting von Lainie Kazan und Saul Rubinek, die schon nach kurzer Zeit richtig nerven und auf der anderen Seite einen fast im Koma spielenden John Lloyd Young, den das alles nicht zu interessieren scheint, was mit ihm und seiner Rolle passiert. Irgendwelche Emotionen zeigt er nie wirklich. Dafür darf sein Co-Star Jai Rodriguez ein bisschen Haut zeigen, aber natürlich nie zu viel. Da reicht dann eine plumpe "Oh Gott, was zieh ich bloß an-Nummer", in der er sich mehrfach umziehen darf. *Gähn*
Fremdschämen darf man sich dann auch noch bei sämtlichen Auftritten von Carmen Electra, die so bodenlos sind, dass mir hier die Worte fehlen. Sorry.
Abschließende Frage: Kann ich etwas Nettes über diesen Film sagen? Nein! Hier werden nur Klischees geboten, die eigentlich in der Wirklichkeit nicht mehr existieren sollten, aber ganz sicher bin ich mir da gerade nicht. Traurig und vor allen Dingen nicht lustig. So wie der ganze Film.
Samstag, 27. September 2014
Longtime Companion
"Longtime Companion" - "Freundschaft fürs Leben" ist ein Film von Norman René aus dem Jahr 1989. Das Drehbuch stammt von Craig Lucas. Es geht um eine Gruppe von schwulen Freunden und um ihr Leben in den Jahren von 1981 bis 1989. Die Handlung spielt in New York und auf Fire Island.
Am 3. Juli 1981 erscheint in der New York Times ein Artikel, der sich mit einer neuen Krankheit befasst, dem sogenannten Schwulen-Krebs (Gay Cancer). Jeder in der Clique erfährt von diesem Bericht und man tauscht sich untereinander darüber aus. Ein gewisses Unbehagen macht sich breit, der eigene Körper wird misstrauisch beobachtet, ob sich eventuell irgendwelche Symptome der noch weitgehend unbekannten Krankheit bereits zeigen. Die offizielle Bezeichnung "Aids" kam erst später.
Im Mittelpunkt des Geschehens steht der junge Fitness-Trainer Willy (Campbell Scott). Zusammen mit seinem besten Freund John (Dermot Mulroney) ist er zu Besuch auf Fire Island bei ihren Freunden David (Bruce Davison) und Sean (Mark Lamos). Hier lernt Willy den Medienanwalt Fuzzy (Stephen Caffrey) kennen und die beiden werden ein Liebespaar.
Im Jahr darauf ist John schwer erkrankt und liegt mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Er wird das erste Opfer, das die Clique an Aids verliert, aber das ist nur der Anfang. Es trifft immer mehr Männer aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Bis hin zum Jahr 1989 zeigt der Film aus jedem Jahr einen Tag und was in der Zwischenzeit passiert ist. Trauer und Verzweiflung werden gezeigt, aber auch die Wut und der Wille, etwas zu unternehmen.
Alles hat sich geändert, der Sex, das Lebensgefühl, aber die Freundschaft bleibt bestehen. Wer nicht erkrankt ist, der kümmert sich um kranke Freunde oder engagiert sich in Hilfsprojekten. Leicht ist es für keinen von ihnen, denn das Sterben geht weiter. Im letzten Teil, der 1989 spielt, sind es nur noch Willy und Fuzzy, die übrig geblieben sind und am Strand von Fire Island um ihre Freunde trauern.
Regisseur Norman René, der 1996 im Alter von 45 Jahren selbst an Aids verstarb, hat hier einen wunderbaren und sehr emotionalen Film geschaffen, den ich nur sehr empfehlen kann. Ja, er ist traurig, aber auch berührend und vor allen Dingen toll gespielt. Neben den oben schon genannten Schauspielern wirken unter anderem auch noch Patrick Cassidy, John Dossett, Brian Cousins und Mary-Louise Parker mit und sie alle sind fantastisch in ihren Rollen.
Filme wie dieser, die sich mit dem Thema Aids befassen, haben es immer schwer ein Publikum zu finden. Umso wichtiger ist es, auf solche Perlen aufmerksam zu machen, denn die werden gerne ignoriert. Vito Russo hat in seinem Buch "The Celluloid Closet" von 1987 auf einen Artikel der New York Times aus dem Jahr 1986 verwiesen, in dem es hieß, man solle "nicht in Panik geraten wegen Aids", weil es ja immer noch nur Risikogruppen betreffe. Das lasse ich jetzt mal so stehen. Ich hoffe jedoch, dass man sich dieses Statement mal durch den Kopf gehen lässt. Wie ignorant und dumm können Menschen nur sein?
Große Empfehlung aber für diesen Film, der es verdient hat angeschaut zu werden.
Am 3. Juli 1981 erscheint in der New York Times ein Artikel, der sich mit einer neuen Krankheit befasst, dem sogenannten Schwulen-Krebs (Gay Cancer). Jeder in der Clique erfährt von diesem Bericht und man tauscht sich untereinander darüber aus. Ein gewisses Unbehagen macht sich breit, der eigene Körper wird misstrauisch beobachtet, ob sich eventuell irgendwelche Symptome der noch weitgehend unbekannten Krankheit bereits zeigen. Die offizielle Bezeichnung "Aids" kam erst später.
Im Mittelpunkt des Geschehens steht der junge Fitness-Trainer Willy (Campbell Scott). Zusammen mit seinem besten Freund John (Dermot Mulroney) ist er zu Besuch auf Fire Island bei ihren Freunden David (Bruce Davison) und Sean (Mark Lamos). Hier lernt Willy den Medienanwalt Fuzzy (Stephen Caffrey) kennen und die beiden werden ein Liebespaar.
Im Jahr darauf ist John schwer erkrankt und liegt mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Er wird das erste Opfer, das die Clique an Aids verliert, aber das ist nur der Anfang. Es trifft immer mehr Männer aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Bis hin zum Jahr 1989 zeigt der Film aus jedem Jahr einen Tag und was in der Zwischenzeit passiert ist. Trauer und Verzweiflung werden gezeigt, aber auch die Wut und der Wille, etwas zu unternehmen.
Alles hat sich geändert, der Sex, das Lebensgefühl, aber die Freundschaft bleibt bestehen. Wer nicht erkrankt ist, der kümmert sich um kranke Freunde oder engagiert sich in Hilfsprojekten. Leicht ist es für keinen von ihnen, denn das Sterben geht weiter. Im letzten Teil, der 1989 spielt, sind es nur noch Willy und Fuzzy, die übrig geblieben sind und am Strand von Fire Island um ihre Freunde trauern.
Regisseur Norman René, der 1996 im Alter von 45 Jahren selbst an Aids verstarb, hat hier einen wunderbaren und sehr emotionalen Film geschaffen, den ich nur sehr empfehlen kann. Ja, er ist traurig, aber auch berührend und vor allen Dingen toll gespielt. Neben den oben schon genannten Schauspielern wirken unter anderem auch noch Patrick Cassidy, John Dossett, Brian Cousins und Mary-Louise Parker mit und sie alle sind fantastisch in ihren Rollen.
Filme wie dieser, die sich mit dem Thema Aids befassen, haben es immer schwer ein Publikum zu finden. Umso wichtiger ist es, auf solche Perlen aufmerksam zu machen, denn die werden gerne ignoriert. Vito Russo hat in seinem Buch "The Celluloid Closet" von 1987 auf einen Artikel der New York Times aus dem Jahr 1986 verwiesen, in dem es hieß, man solle "nicht in Panik geraten wegen Aids", weil es ja immer noch nur Risikogruppen betreffe. Das lasse ich jetzt mal so stehen. Ich hoffe jedoch, dass man sich dieses Statement mal durch den Kopf gehen lässt. Wie ignorant und dumm können Menschen nur sein?
Große Empfehlung aber für diesen Film, der es verdient hat angeschaut zu werden.
Sonntag, 21. September 2014
Parting Glances
"Parting Glances" - "Abschiedsblicke" ist ein Film von Bill Sherwood (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1986. Das unabhängig produzierte Low-Budget-Werk blieb leider der einzige Film von Bill Sherwood, der am 10.02.1990 im Alter von nur 37 Jahren an den Folgen von Aids starb.
Die Handlung spielt in New York, Mitte der Achtziger Jahre und umfasst einen Zeitraum von 24 Stunden. Michael (Richard Ganoung) und Robert (John Bolger) sind beide Ende Zwanzig und seit sechs Jahren ein Paar. Robert hat sich entschlossen, für längere Zeit beruflich nach Afrika zu gehen, was die Stimmung zwischen ihnen trübt, weil seine Abreise kurz bevor steht.
An diesem Abend steht noch ein Abendessen bei Roberts Boss an und später eine Abschiedsparty für Robert, die von ihrer gemeinsamen Freundin Joan (Kathy Kinney) in deren Loft veranstaltet wird. Außerdem kümmert sich Michael wie immer um seinen Ex-Lover, den Rock-Musiker Nick (Steve Buscemi), der an Aids erkrankt ist. Michael liebt Nick immer noch und das weiß auch Robert, zumindest ahnt er es. Das ist auch einer der Gründe, warum er sich entschlossen hat, für längere Zeit abwesend zu sein, wie er Michael später noch gestehen wird. Nick wird sterben und Robert fühlt sich nicht stark genug, Michael dabei zur Seite zu stehen und ihn aufzufangen.
In seinem bevorzugten Plattenladen lernt Michael den jungen Peter (Adam Nathan) kennen, der heimlich in ihn verliebt ist und später auch auf der Party bei Joan erscheint. Im Laufe des Abends ergeben sich viele Gespräche unter den Freunden, Erinnerungen kommen hoch und Träume und Wünsche für die Zukunft. Sogar Nick besucht die Party und Michael denkt an ihre gemeinsame Vergangenheit und Nicks verrückte Einfälle, wie z. B. damals auf Fire Island.
Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen, aber es ist zu viel passiert in dieser Nacht. Wird Robert tatsächlich abreisen und was ist mit Nick? Der hat schon wieder so einen verrückten Plan.
Bill Sherwood ging es in seinem Film um Freundschaft und Liebe. Zudem war es einer der ersten Filme, der schwules Leben in den Mittelpunkt stellte, ohne es besonders zu thematisieren. Hier hat keiner der Beteiligten ein Problem damit, schwul zu sein (warum auch), es ist einfach so. Ebenso wird auch auf die Aids-Erkrankung von Nick nicht weiter eingegangen. Das war eben die damalige Zeit, auch wenn sich bis dahin kein Film getraut hatte, das offen auszusprechen.
Dabei ist "Parting Glances" aber kein trauriges Drama geworden, sondern ein offener und lebensbejahender Film, der durchaus auch seine komischen Momente hat. Die Musikuntermalung ist sehr gelungen und reicht von klassischer Musik bis hin zu Bronski Beat. Perfekt.
Die Schauspieler sind alle sehr sehenswert, hier ist es aber vor allen Dingen Steve Buscemi, der den Film dominiert und eine tolle Darstellung zeigt. Wer sich für die Thematik interessiert und mal wieder in die Achtziger abtauchen will, bitte sehr. Von mir gibt es jedenfalls eine große Empfehlung, nur leider ist der Film sehr schwierig zu finden. Es lohnt sich aber, danach zu suchen.
Die Handlung spielt in New York, Mitte der Achtziger Jahre und umfasst einen Zeitraum von 24 Stunden. Michael (Richard Ganoung) und Robert (John Bolger) sind beide Ende Zwanzig und seit sechs Jahren ein Paar. Robert hat sich entschlossen, für längere Zeit beruflich nach Afrika zu gehen, was die Stimmung zwischen ihnen trübt, weil seine Abreise kurz bevor steht.
An diesem Abend steht noch ein Abendessen bei Roberts Boss an und später eine Abschiedsparty für Robert, die von ihrer gemeinsamen Freundin Joan (Kathy Kinney) in deren Loft veranstaltet wird. Außerdem kümmert sich Michael wie immer um seinen Ex-Lover, den Rock-Musiker Nick (Steve Buscemi), der an Aids erkrankt ist. Michael liebt Nick immer noch und das weiß auch Robert, zumindest ahnt er es. Das ist auch einer der Gründe, warum er sich entschlossen hat, für längere Zeit abwesend zu sein, wie er Michael später noch gestehen wird. Nick wird sterben und Robert fühlt sich nicht stark genug, Michael dabei zur Seite zu stehen und ihn aufzufangen.
In seinem bevorzugten Plattenladen lernt Michael den jungen Peter (Adam Nathan) kennen, der heimlich in ihn verliebt ist und später auch auf der Party bei Joan erscheint. Im Laufe des Abends ergeben sich viele Gespräche unter den Freunden, Erinnerungen kommen hoch und Träume und Wünsche für die Zukunft. Sogar Nick besucht die Party und Michael denkt an ihre gemeinsame Vergangenheit und Nicks verrückte Einfälle, wie z. B. damals auf Fire Island.
Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen, aber es ist zu viel passiert in dieser Nacht. Wird Robert tatsächlich abreisen und was ist mit Nick? Der hat schon wieder so einen verrückten Plan.
Bill Sherwood ging es in seinem Film um Freundschaft und Liebe. Zudem war es einer der ersten Filme, der schwules Leben in den Mittelpunkt stellte, ohne es besonders zu thematisieren. Hier hat keiner der Beteiligten ein Problem damit, schwul zu sein (warum auch), es ist einfach so. Ebenso wird auch auf die Aids-Erkrankung von Nick nicht weiter eingegangen. Das war eben die damalige Zeit, auch wenn sich bis dahin kein Film getraut hatte, das offen auszusprechen.
Dabei ist "Parting Glances" aber kein trauriges Drama geworden, sondern ein offener und lebensbejahender Film, der durchaus auch seine komischen Momente hat. Die Musikuntermalung ist sehr gelungen und reicht von klassischer Musik bis hin zu Bronski Beat. Perfekt.
Die Schauspieler sind alle sehr sehenswert, hier ist es aber vor allen Dingen Steve Buscemi, der den Film dominiert und eine tolle Darstellung zeigt. Wer sich für die Thematik interessiert und mal wieder in die Achtziger abtauchen will, bitte sehr. Von mir gibt es jedenfalls eine große Empfehlung, nur leider ist der Film sehr schwierig zu finden. Es lohnt sich aber, danach zu suchen.
Sonntag, 14. September 2014
Eastern Boys
"Eastern Boys" ist ein Film von Robin Campillo (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013. Kamerafrau war hier Jeanne Lapoirie.
Am Pariser Bahnhof Gare du Nord hängt eine Gruppe osteuropäischer junger Männer herum. In dem ganzen Trubel fallen sie nicht weiter auf, denn hier ist viel los. Reisende sind unterwegs, ebenso Berufstätige, Sicherheitspersonal und viele andere. Einer der jungen Männer ist Marek (Kirill Emelyanov), ein Junge mit einem hübschen Gesicht, der beinahe verletzlich und unschuldig wirkt. Der Geschäftsmann Daniel (Olivier Rabourdin), ein Mann Mitte Fünfzig, verfolgt Marek eine ganze Weile mit seinen Blicken, bis er es endlich wagt, den jungen Mann anzusprechen.
Marek spricht kaum französisch, man verhandelt auf Englisch. Für 50 Euro macht er alles, sagt Marek. Daniel ist ein bisschen verlegen, weiß nicht so ganz, worauf er sich hier einlässt. Doch schließlich gibt er Marek seine Adresse und man verabredet sich für den nächsten Abend. Als Daniel am Tag darauf die Tür seiner schicken Wohnung öffnet, steht dort nicht wie erwartet Marek, sondern die gesamte Gang. Deren Anführer "Boss" (Daniil Vorobyov) lässt keinen Zweifel aufkommen, wer hier jetzt die Oberhand hat. Es wird eine Party gefeiert und so ganz nebenbei die Wohnung ausgeraubt. Daniel muss wortlos mit ansehen, wie sämtliches Mobiliar und persönliche Gegenstände auseinander genommen werden. Auch Marek taucht auf und beide Männer werfen sich nur Blicke zu.
Am nächsten Tag erwacht Daniel wie aus einem Alptraum in seiner demolierten Wohnung. Was nicht geklaut wurde, das wurde zerstört, übrig blieb nur ein Trümmerfeld, um das sich Daniels Putzfrau nun kümmern muss. Am Abend steht dann überraschend Marek vor der Tür, bereit die Verabredung zum Sex nachzuholen. Daniel lässt ihn hinein und das ist der Beginn einer merkwürdigen Beziehung zwischen den beiden so unterschiedlichen Männern, die immer intensiver wird. Ist es erst nur der Sex, entwickelt sich bald schon echte Zuneigung und Daniel sorgt sich immer mehr um Marek, dessen richtiger Name Rouslan ist, und will ihn von der Straße holen und weg von der Gang. Er richtet ihm ein eigenes Zimmer ein, aber Rouslan hat als Illegaler in Paris noch ein weiteres Problem, denn "Boss" hat seine Papiere unter Verschluss und die liegen in einem Schließfach in einem Hotel außerhalb der Stadt.
Es wird noch ganz schön spannend, soviel kann ich schon verraten, mehr aber auch nicht. Der Film ist ein echtes Erlebnis, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Trotz einer Lauflänge von gut zwei Stunden stellt sich keine Langeweile ein. Mag der Anfang auch ein bisschen zäh wirken, wird man doch recht schnell in die Geschichte reingezogen und dann kommt man da sowieso nicht mehr raus. Absolut großartig.
Neben dem jungen Kirill Emelyanov als Rouslan/Marek und Daniil Vorobyov als fiesem "Boss", ist es vor allen Dingen Olivier Rabourdin als Daniel, der den Zuschauer hier wirklich von den Sitzen reißt. So eine fantastische Darstellung habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Was dieser Mann allein mit seinen Blicken ausdrücken kann, ist nahezu unbeschreiblich. Besser geht es eigentlich nicht.
Was soll ich noch sagen? Ran an den Film. Von mir gibt es auf jeden Fall eine ganz große Empfehlung, man muss sich aber schon auf den Film und die Handlung einlassen können.
Am Pariser Bahnhof Gare du Nord hängt eine Gruppe osteuropäischer junger Männer herum. In dem ganzen Trubel fallen sie nicht weiter auf, denn hier ist viel los. Reisende sind unterwegs, ebenso Berufstätige, Sicherheitspersonal und viele andere. Einer der jungen Männer ist Marek (Kirill Emelyanov), ein Junge mit einem hübschen Gesicht, der beinahe verletzlich und unschuldig wirkt. Der Geschäftsmann Daniel (Olivier Rabourdin), ein Mann Mitte Fünfzig, verfolgt Marek eine ganze Weile mit seinen Blicken, bis er es endlich wagt, den jungen Mann anzusprechen.
Marek spricht kaum französisch, man verhandelt auf Englisch. Für 50 Euro macht er alles, sagt Marek. Daniel ist ein bisschen verlegen, weiß nicht so ganz, worauf er sich hier einlässt. Doch schließlich gibt er Marek seine Adresse und man verabredet sich für den nächsten Abend. Als Daniel am Tag darauf die Tür seiner schicken Wohnung öffnet, steht dort nicht wie erwartet Marek, sondern die gesamte Gang. Deren Anführer "Boss" (Daniil Vorobyov) lässt keinen Zweifel aufkommen, wer hier jetzt die Oberhand hat. Es wird eine Party gefeiert und so ganz nebenbei die Wohnung ausgeraubt. Daniel muss wortlos mit ansehen, wie sämtliches Mobiliar und persönliche Gegenstände auseinander genommen werden. Auch Marek taucht auf und beide Männer werfen sich nur Blicke zu.
Am nächsten Tag erwacht Daniel wie aus einem Alptraum in seiner demolierten Wohnung. Was nicht geklaut wurde, das wurde zerstört, übrig blieb nur ein Trümmerfeld, um das sich Daniels Putzfrau nun kümmern muss. Am Abend steht dann überraschend Marek vor der Tür, bereit die Verabredung zum Sex nachzuholen. Daniel lässt ihn hinein und das ist der Beginn einer merkwürdigen Beziehung zwischen den beiden so unterschiedlichen Männern, die immer intensiver wird. Ist es erst nur der Sex, entwickelt sich bald schon echte Zuneigung und Daniel sorgt sich immer mehr um Marek, dessen richtiger Name Rouslan ist, und will ihn von der Straße holen und weg von der Gang. Er richtet ihm ein eigenes Zimmer ein, aber Rouslan hat als Illegaler in Paris noch ein weiteres Problem, denn "Boss" hat seine Papiere unter Verschluss und die liegen in einem Schließfach in einem Hotel außerhalb der Stadt.
Es wird noch ganz schön spannend, soviel kann ich schon verraten, mehr aber auch nicht. Der Film ist ein echtes Erlebnis, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Trotz einer Lauflänge von gut zwei Stunden stellt sich keine Langeweile ein. Mag der Anfang auch ein bisschen zäh wirken, wird man doch recht schnell in die Geschichte reingezogen und dann kommt man da sowieso nicht mehr raus. Absolut großartig.
Neben dem jungen Kirill Emelyanov als Rouslan/Marek und Daniil Vorobyov als fiesem "Boss", ist es vor allen Dingen Olivier Rabourdin als Daniel, der den Zuschauer hier wirklich von den Sitzen reißt. So eine fantastische Darstellung habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Was dieser Mann allein mit seinen Blicken ausdrücken kann, ist nahezu unbeschreiblich. Besser geht es eigentlich nicht.
Was soll ich noch sagen? Ran an den Film. Von mir gibt es auf jeden Fall eine ganz große Empfehlung, man muss sich aber schon auf den Film und die Handlung einlassen können.
Sonntag, 31. August 2014
The Wolves of Kromer
"The Wolves of Kromer" ist ein Film von Will Gould aus dem Jahr 1998. Das Drehbuch stammt von Charles Lambert und Matthew Read und basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Charles Lambert.
Die Stimme eines Erzählers (Boy George) führt in die Geschichte ein: In den Wäldern rund um das kleine Dorf Kromer lebten einst zwei junge Wölfe namens Gabriel (James Layton) und Seth (Lee Williams), die sich ineinander verliebt hatten. Der junge Seth haderte noch mit seinem Wolfsein, für ihn war das alles noch neu und er hatte sich gerade erst vor seiner Familie geoutet. Der erfahrenere Gabriel nahm Seth unter seine Fittiche und sorgte für ihn. Beide hatten keinen Kontakt mehr zu ihren Familien, sie lebten als Ausgestoßene im Wald und die Menschen fürchteten sich vor ihnen, obwohl von ihnen keine Gefahr ausging.
Die alte und biestige Jungfer Fanny (Rita Davies) plante derweil, ihre kranke und vermögende Herrin Mrs. Drax (Rosemarie Dunham) zu vergiften, um sich ihr Erbe unter den Nagel zu reißen. Ihre ebenso verschlagene alte Freundin Doreen (Margaret Towner) half ihr dabei. Wenn sie nicht gerade Gemeinheiten austauschten, sabberten die beiden alten Schachteln dem örtlichen Priester (Kevin Moore) hinterher, der allerdings auch so seine Geheimnisse hatte.
Als es Mrs. Drax schlechter ging, erschien ihr Sohn Mark (David Prescott) zusammen mit seiner Frau Mary (Angharad Rees) und seinen beiden Kindern Polly (Leila Lloyd-Evelyn) und Kester (Mathew Dean), die überhaupt nicht davon angetan waren, in dieser Einöde gestrandet zu sein. Fanny und Doreen holten nun zum finalen Schlag aus und sorgten für das Ableben von Mrs. Drax, aber sie stellten es so dar, dass man die Wölfe für die Täter hielt.
Während Gabriel und Seth gerade einen Streit hatten und Seth ihre Beziehung überdenken musste, tat sich die Dorfgemeinschaft zusammen, um gemeinsam auf Wolfsjagd zu gehen, angeführt vom scheinheiligen Priester, der jedoch viel lieber an dem jungen Kester herumgeknabbert hätte. Kester konnte sich immer wieder den Übergriffen entziehen, er haderte auch mit der Entscheidung, Jagd auf die Wölfe zu machen. Er konnte nichts Böses an ihnen erkennen, aber die Bewohner des Dorfes waren nicht mehr aufzuhalten.
In einer verlassenen Kirche kommt es zum Showdown zwischen Gabriel, Seth und dem heuchlerischen Priester. Aber ist das schon das Ende der Geschichte? Nein, denn im Himmel kann man ja auch tanzen und so läuft dann auch "Spirit in the Sky" zum Abspann.
Natürlich wird die Botschaft dieses Films hier so ein bisschen mit der Keule verteilt, aber es gibt ja immer noch genug Holzköpfe, die auch das nicht kapieren. Es heißt, man müsse sich vor den "Wölfen" schützen und sie würden Krankheiten verbreiten, das darf dann jeder gerne für sich interpretieren. Ich mag diesen Film sehr, er ist toll gespielt, wenn auch leider viel zu unbekannt. Die beiden "Wölfe" James Layton und Lee Williams sind jedenfalls hübsch anzuschauen in ihren kuscheligen Felljacken und machen ihre Sache trotz fehlender Schauspielerfahrung sehr gut.
Insgesamt gesehen ein kleiner, aber feiner Film, den ich nur absolut empfehlen kann. Es lohnt sich.
Die Stimme eines Erzählers (Boy George) führt in die Geschichte ein: In den Wäldern rund um das kleine Dorf Kromer lebten einst zwei junge Wölfe namens Gabriel (James Layton) und Seth (Lee Williams), die sich ineinander verliebt hatten. Der junge Seth haderte noch mit seinem Wolfsein, für ihn war das alles noch neu und er hatte sich gerade erst vor seiner Familie geoutet. Der erfahrenere Gabriel nahm Seth unter seine Fittiche und sorgte für ihn. Beide hatten keinen Kontakt mehr zu ihren Familien, sie lebten als Ausgestoßene im Wald und die Menschen fürchteten sich vor ihnen, obwohl von ihnen keine Gefahr ausging.
Die alte und biestige Jungfer Fanny (Rita Davies) plante derweil, ihre kranke und vermögende Herrin Mrs. Drax (Rosemarie Dunham) zu vergiften, um sich ihr Erbe unter den Nagel zu reißen. Ihre ebenso verschlagene alte Freundin Doreen (Margaret Towner) half ihr dabei. Wenn sie nicht gerade Gemeinheiten austauschten, sabberten die beiden alten Schachteln dem örtlichen Priester (Kevin Moore) hinterher, der allerdings auch so seine Geheimnisse hatte.
Als es Mrs. Drax schlechter ging, erschien ihr Sohn Mark (David Prescott) zusammen mit seiner Frau Mary (Angharad Rees) und seinen beiden Kindern Polly (Leila Lloyd-Evelyn) und Kester (Mathew Dean), die überhaupt nicht davon angetan waren, in dieser Einöde gestrandet zu sein. Fanny und Doreen holten nun zum finalen Schlag aus und sorgten für das Ableben von Mrs. Drax, aber sie stellten es so dar, dass man die Wölfe für die Täter hielt.
Während Gabriel und Seth gerade einen Streit hatten und Seth ihre Beziehung überdenken musste, tat sich die Dorfgemeinschaft zusammen, um gemeinsam auf Wolfsjagd zu gehen, angeführt vom scheinheiligen Priester, der jedoch viel lieber an dem jungen Kester herumgeknabbert hätte. Kester konnte sich immer wieder den Übergriffen entziehen, er haderte auch mit der Entscheidung, Jagd auf die Wölfe zu machen. Er konnte nichts Böses an ihnen erkennen, aber die Bewohner des Dorfes waren nicht mehr aufzuhalten.
In einer verlassenen Kirche kommt es zum Showdown zwischen Gabriel, Seth und dem heuchlerischen Priester. Aber ist das schon das Ende der Geschichte? Nein, denn im Himmel kann man ja auch tanzen und so läuft dann auch "Spirit in the Sky" zum Abspann.
Natürlich wird die Botschaft dieses Films hier so ein bisschen mit der Keule verteilt, aber es gibt ja immer noch genug Holzköpfe, die auch das nicht kapieren. Es heißt, man müsse sich vor den "Wölfen" schützen und sie würden Krankheiten verbreiten, das darf dann jeder gerne für sich interpretieren. Ich mag diesen Film sehr, er ist toll gespielt, wenn auch leider viel zu unbekannt. Die beiden "Wölfe" James Layton und Lee Williams sind jedenfalls hübsch anzuschauen in ihren kuscheligen Felljacken und machen ihre Sache trotz fehlender Schauspielerfahrung sehr gut.
Insgesamt gesehen ein kleiner, aber feiner Film, den ich nur absolut empfehlen kann. Es lohnt sich.
Mittwoch, 27. August 2014
Tom à la ferme
"Tom à la ferme" ist ein Film von Xavier Dolan aus dem Jahr 2013. Das Drehbuch schrieb Dolan zusammen mit Michel Marc Bouchard, dem Autor des gleichnamigen Theaterstücks. Xavier Dolan selbst ist hier nicht nur als Regisseur und Drehbuchautor tätig, sondern auch als Produzent und Hauptdarsteller und zuständig für den Schnitt und die Kostüme. Dies ist sein vierter Spielfilm und wie man aus der Vergangenheit weiß, meistert er diese Aufgaben perfekt. Die Musik stammt von Gabriel Yared, der Kameramann war André Turpin.
Der Mittzwanziger Tom (Xavier Dolan) kommt aus Montreal nach Québec aufs Land, um an der Beerdigung seines Lebensgefährten Guillaume teilzunehmen. Auf dem Hof von Guillaumes Familie trifft er zunächst auf dessen Mutter Agathe (Lise Roy), die nichts von Tom weiß und anscheinend noch nicht einmal etwas von der Homosexualität ihres Sohnes wusste. Agathe lebt dort zusammen mit ihrem anderen Sohn Francis (Pierre-Yves Cardinal), dem älteren Bruder von Guillaume, den dieser aber nie erwähnt hat. Tom gibt sich Agathe gegenüber lediglich als Freund und Kollege Guillaumes aus und wird noch in der ersten Nacht von Francis brutal dazu genötigt, auch bei dieser Version zu bleiben.
Der Mutter wird weiter vorgelogen, Guillaume hätte eine feste Freundin gehabt, seine Kollegin Sarah (Evelyne Brochu), die aber natürlich nicht zur Trauerfeier erscheint. Agathe ist deswegen außer sich. Aus gutem Grund kann Tom seine geplante Trauerrede nicht halten, um sich nicht zu verraten. Agathe erweist sich als sehr verständnisvoll, während Francis zunehmend die Nerven verliert. Die Fassade soll erhalten werden und Tom wird gezwungen, seinen Aufenthalt auf der abgelegenen Farm zu verlängern. Er schlüpft sozusagen in die Rolle seines verstorbenen Geliebten und nimmt dessen Platz in der Familie ein. Doch unter der Oberfläche brodelt es gewaltig, denn Francis erweist sich immer mehr als brutaler Zeitgenosse, dessen Verhältnis zu Tom zwischen Ablehnung und Zuneigung schwankt.
Tom muss einiges einstecken, doch eine Flucht kommt für ihn zunächst noch nicht in Frage. Er findet Gefallen an dem Familien- und Landleben und scheinbar auch an den Erniedrigungen durch Francis. Die beiden Männer kommen sich gefährlich nahe, es entwickelt sich ein perfides Spiel zwischen ihnen. Doch dann erscheint die ahnungslose Sarah, von Tom herbeigerufen, und die Situation wird explosiv.
Francis hat inzwischen das Auto von Tom zerlegt, Agathe reagiert gereizt auf die gefühllose Freundin ihres verstorbenen Sohnes und Tom erfährt im Ort, warum Francis überall ausgegrenzt wird. Nun wird es höchste Zeit, die Farm zu verlassen.
Xavier Dolan hat diesen Film nach seinem vorherigen Drama "Laurence Anyways" als leichte Fingerübung für zwischendurch und in sehr kurzer Zeit gedreht. Herausgekommen ist erneut ein ausgesprochen sehenswerter und sehr spezieller Film, der den Zuschauer von Beginn an packt. Die Atmosphäre ist perfekt eingefangen, die Bilder der Landschaft um den Hof der Familie sind grandios. Bei aller Beschaulichkeit spürt man die latente Bedrohung in jedem Bild, auch wenn sie sich nicht wirklich fassen lässt.
Die Schauspieler sind exzellent, neben Xavier Dolan, der hier erneut sein Können zeigt, sind es vor allen Dingen Lise Roy als verzweifelte Mutter, die wohl mehr weiß, als sie zugibt, als auch Pierre-Yves Cardinal als brutaler und grobschlächtiger Bruder, die vollkommen überzeugen können. Sie alle sind wunderbar anzuschauen und verleihen ihren Rollen echtes Leben.
Die Bilder sind ebenfalls wunderbar, die Weite des Landes, die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Tom und Francis, sowie ein Tango der beiden Männer in einer leeren Scheune. Mitunter reine Poesie, aber auch immer kraftvoll und irgendwie bedrohlich. Muss man selbst sehen, das kann man nicht in Worte fassen.
"Tom à la ferme" ist ein Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Noch ein Wort zum Titel, überall wird der Film unter diesem auch vertrieben, sei es dann auch in der jeweiligen Landessprache, wie z. B. als "Tom at the Farm". In Deutschland läuft er aber als "Sag nicht, wer du bist!". Wieso eigentlich? Soll das mehr Zuschauer anlocken? Ich finde diese Entscheidung ziemlich albern, den Film aber nicht, der ist sensationell. Ganz große Empfehlung.
Der Mittzwanziger Tom (Xavier Dolan) kommt aus Montreal nach Québec aufs Land, um an der Beerdigung seines Lebensgefährten Guillaume teilzunehmen. Auf dem Hof von Guillaumes Familie trifft er zunächst auf dessen Mutter Agathe (Lise Roy), die nichts von Tom weiß und anscheinend noch nicht einmal etwas von der Homosexualität ihres Sohnes wusste. Agathe lebt dort zusammen mit ihrem anderen Sohn Francis (Pierre-Yves Cardinal), dem älteren Bruder von Guillaume, den dieser aber nie erwähnt hat. Tom gibt sich Agathe gegenüber lediglich als Freund und Kollege Guillaumes aus und wird noch in der ersten Nacht von Francis brutal dazu genötigt, auch bei dieser Version zu bleiben.
Der Mutter wird weiter vorgelogen, Guillaume hätte eine feste Freundin gehabt, seine Kollegin Sarah (Evelyne Brochu), die aber natürlich nicht zur Trauerfeier erscheint. Agathe ist deswegen außer sich. Aus gutem Grund kann Tom seine geplante Trauerrede nicht halten, um sich nicht zu verraten. Agathe erweist sich als sehr verständnisvoll, während Francis zunehmend die Nerven verliert. Die Fassade soll erhalten werden und Tom wird gezwungen, seinen Aufenthalt auf der abgelegenen Farm zu verlängern. Er schlüpft sozusagen in die Rolle seines verstorbenen Geliebten und nimmt dessen Platz in der Familie ein. Doch unter der Oberfläche brodelt es gewaltig, denn Francis erweist sich immer mehr als brutaler Zeitgenosse, dessen Verhältnis zu Tom zwischen Ablehnung und Zuneigung schwankt.
Tom muss einiges einstecken, doch eine Flucht kommt für ihn zunächst noch nicht in Frage. Er findet Gefallen an dem Familien- und Landleben und scheinbar auch an den Erniedrigungen durch Francis. Die beiden Männer kommen sich gefährlich nahe, es entwickelt sich ein perfides Spiel zwischen ihnen. Doch dann erscheint die ahnungslose Sarah, von Tom herbeigerufen, und die Situation wird explosiv.
Francis hat inzwischen das Auto von Tom zerlegt, Agathe reagiert gereizt auf die gefühllose Freundin ihres verstorbenen Sohnes und Tom erfährt im Ort, warum Francis überall ausgegrenzt wird. Nun wird es höchste Zeit, die Farm zu verlassen.
Xavier Dolan hat diesen Film nach seinem vorherigen Drama "Laurence Anyways" als leichte Fingerübung für zwischendurch und in sehr kurzer Zeit gedreht. Herausgekommen ist erneut ein ausgesprochen sehenswerter und sehr spezieller Film, der den Zuschauer von Beginn an packt. Die Atmosphäre ist perfekt eingefangen, die Bilder der Landschaft um den Hof der Familie sind grandios. Bei aller Beschaulichkeit spürt man die latente Bedrohung in jedem Bild, auch wenn sie sich nicht wirklich fassen lässt.
Die Schauspieler sind exzellent, neben Xavier Dolan, der hier erneut sein Können zeigt, sind es vor allen Dingen Lise Roy als verzweifelte Mutter, die wohl mehr weiß, als sie zugibt, als auch Pierre-Yves Cardinal als brutaler und grobschlächtiger Bruder, die vollkommen überzeugen können. Sie alle sind wunderbar anzuschauen und verleihen ihren Rollen echtes Leben.
Die Bilder sind ebenfalls wunderbar, die Weite des Landes, die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Tom und Francis, sowie ein Tango der beiden Männer in einer leeren Scheune. Mitunter reine Poesie, aber auch immer kraftvoll und irgendwie bedrohlich. Muss man selbst sehen, das kann man nicht in Worte fassen.
"Tom à la ferme" ist ein Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Noch ein Wort zum Titel, überall wird der Film unter diesem auch vertrieben, sei es dann auch in der jeweiligen Landessprache, wie z. B. als "Tom at the Farm". In Deutschland läuft er aber als "Sag nicht, wer du bist!". Wieso eigentlich? Soll das mehr Zuschauer anlocken? Ich finde diese Entscheidung ziemlich albern, den Film aber nicht, der ist sensationell. Ganz große Empfehlung.
Montag, 28. Juli 2014
Wer mich liebt, nimmt den Zug
"Wer mich liebt, nimmt den Zug" - "Ceux qui m'aiment prendront le train" ist ein Film von Patrice Chéreau aus dem Jahr 1998. Das Drehbuch schrieb Chéreau zusammen mit Danièle Thompson und Pierre Trividic. Für die wunderbaren Bilder sorgte Kameramann Éric Gautier.
Der Pariser Maler Jean-Baptiste Emmerich (Jean-Louis Trintignant) ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Begraben werden möchte er in seiner ungeliebten Heimatstadt Limoges und alle seine Freunde, Bekannten und Verwandten machen sich deshalb mit dem Zug auf den Weg, so wie es der Verstorbene gewünscht hat. Der Sarg mit seinen sterblichen Überresten wird von seinem ehemaligen Pfleger Thierry (Roschdy Zem) mit dem Auto dorthin überführt.
Während der Zugfahrt brechen zwischen den Reisenden diverse Konflikte auf, die teilweise schon jahrelang unter der Oberfläche schwelten und nun in der Enge des Zuges verstärkt ans Licht kommen. Es gibt Eifersüchteleien, Neid, Missgunst, Liebe und Hass, alles ganz nah beieinander, denn hier kann keiner dem anderen wirklich entkommen. Jean-Baptiste selbst hat durch seine exzentrische Art schon zu Lebzeiten für Unruhe und Unfrieden gesorgt, das scheint sich über seinen Tod hinaus zu bewahren. Nach der Beerdigung auf dem Friedhof von Limoges, der mehr "Einwohner" haben soll, als die Stadt selbst, treffen sich alle im Haus von Lucien (Jean-Louis Trintignant), dem Zwillingsbruder des Verstorbenen wieder und die verbalen Kämpfe gehen unvermittelt weiter.
Das Aufeinandertreffen dieser Menschen bringt viele Probleme ans Tageslicht. Beleidigungen und Verleumdungen werden ausgesprochen, es geht aber auch um unausgesprochene Liebe, Lügen, Enttäuschungen und Hoffnungen.
Da gibt es unter anderem das frisch getrennte Paar Claire (Valeria Bruni Tedeschi) und Jean-Marie (Charles Berling), das noch nicht endgültig miteinander fertig ist, sowie Francois (Pascal Greggory), der mit seinem jüngeren Geliebten Louis (Bruno Todeschini) anreist, welcher sich noch im Zug in den jungen Bruno (Sylvain Jacques) verguckt, der allerdings auch ein Geheimnis in sich trägt, bis hin zur geheimnisvollen Viviane (Vincent Perez), die im Haus auftaucht und für eine Überraschung sorgt.
Der Film ist mit großartiger Musik unterlegt und lebt vor allen Dingen von den fabelhaften Schauspielern, die diese rund 120 Minuten Film mit Leben erfüllen und dem Zuschauer ein intimes Kammerspiel der besonderen Art präsentieren. Der erste Teil spielt im Zug, dann ein Zwischenspiel auf dem Friedhof, bis zum letzten großen Akt im Familiensitz der Familie Emmerich. Trotz dieser zwei Stunden Laufzeit treten keine wirklichen Längen auf, wenn man sich auf den Film einlassen kann. Das ist aber wie üblich die Grundvoraussetzung, sonst wird das nichts. Hier wird eben hauptsächlich geredet, Action gibt es nicht. Ich vermute allerdings, es gibt genug Zuschauer, die das verstehen und auch zu schätzen wissen.
Ein wirklich großartiger Film von Patrice Chéreau, der sowohl beim Film, wie auch am Theater zu Hause war und der leider am 7. Oktober 2013 verstorben ist. Seine Filme sind brillant, wenn auch oft speziell, aber immer faszinierend. Sein früher Tod ist ein großer Verlust. Es wäre schön, wenn seine Werke auch hier in Deutschland einfacher zu bekommen wären, als immer nur über Importe. Dieser Film verfügt nur über die deutsche Synchronisation und die französische Originalfassung. Ich hätte den so gerne mit deutschen Untertiteln...
Wie auch immer, ganz große Empfehlung für einen grandiosen Film mit hinreißenden Schauspielern.
Der Pariser Maler Jean-Baptiste Emmerich (Jean-Louis Trintignant) ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Begraben werden möchte er in seiner ungeliebten Heimatstadt Limoges und alle seine Freunde, Bekannten und Verwandten machen sich deshalb mit dem Zug auf den Weg, so wie es der Verstorbene gewünscht hat. Der Sarg mit seinen sterblichen Überresten wird von seinem ehemaligen Pfleger Thierry (Roschdy Zem) mit dem Auto dorthin überführt.
Während der Zugfahrt brechen zwischen den Reisenden diverse Konflikte auf, die teilweise schon jahrelang unter der Oberfläche schwelten und nun in der Enge des Zuges verstärkt ans Licht kommen. Es gibt Eifersüchteleien, Neid, Missgunst, Liebe und Hass, alles ganz nah beieinander, denn hier kann keiner dem anderen wirklich entkommen. Jean-Baptiste selbst hat durch seine exzentrische Art schon zu Lebzeiten für Unruhe und Unfrieden gesorgt, das scheint sich über seinen Tod hinaus zu bewahren. Nach der Beerdigung auf dem Friedhof von Limoges, der mehr "Einwohner" haben soll, als die Stadt selbst, treffen sich alle im Haus von Lucien (Jean-Louis Trintignant), dem Zwillingsbruder des Verstorbenen wieder und die verbalen Kämpfe gehen unvermittelt weiter.
Das Aufeinandertreffen dieser Menschen bringt viele Probleme ans Tageslicht. Beleidigungen und Verleumdungen werden ausgesprochen, es geht aber auch um unausgesprochene Liebe, Lügen, Enttäuschungen und Hoffnungen.
Da gibt es unter anderem das frisch getrennte Paar Claire (Valeria Bruni Tedeschi) und Jean-Marie (Charles Berling), das noch nicht endgültig miteinander fertig ist, sowie Francois (Pascal Greggory), der mit seinem jüngeren Geliebten Louis (Bruno Todeschini) anreist, welcher sich noch im Zug in den jungen Bruno (Sylvain Jacques) verguckt, der allerdings auch ein Geheimnis in sich trägt, bis hin zur geheimnisvollen Viviane (Vincent Perez), die im Haus auftaucht und für eine Überraschung sorgt.
Der Film ist mit großartiger Musik unterlegt und lebt vor allen Dingen von den fabelhaften Schauspielern, die diese rund 120 Minuten Film mit Leben erfüllen und dem Zuschauer ein intimes Kammerspiel der besonderen Art präsentieren. Der erste Teil spielt im Zug, dann ein Zwischenspiel auf dem Friedhof, bis zum letzten großen Akt im Familiensitz der Familie Emmerich. Trotz dieser zwei Stunden Laufzeit treten keine wirklichen Längen auf, wenn man sich auf den Film einlassen kann. Das ist aber wie üblich die Grundvoraussetzung, sonst wird das nichts. Hier wird eben hauptsächlich geredet, Action gibt es nicht. Ich vermute allerdings, es gibt genug Zuschauer, die das verstehen und auch zu schätzen wissen.
Ein wirklich großartiger Film von Patrice Chéreau, der sowohl beim Film, wie auch am Theater zu Hause war und der leider am 7. Oktober 2013 verstorben ist. Seine Filme sind brillant, wenn auch oft speziell, aber immer faszinierend. Sein früher Tod ist ein großer Verlust. Es wäre schön, wenn seine Werke auch hier in Deutschland einfacher zu bekommen wären, als immer nur über Importe. Dieser Film verfügt nur über die deutsche Synchronisation und die französische Originalfassung. Ich hätte den so gerne mit deutschen Untertiteln...
Wie auch immer, ganz große Empfehlung für einen grandiosen Film mit hinreißenden Schauspielern.
Sonntag, 27. Juli 2014
Wer hat Angst vor Vagina Wolf?
"Wer hat Angst vor Vagina Wolf?" - "Who's Afraid of Vagina Wolf?" ist ein Film von Anna Margarita Albelo aus dem Jahr 2013. Das Drehbuch schrieb Albelo zusammen mit Michael Urban.
Anna (Anna Margarita Albelo) ist gerade Vierzig geworden und steckt in einer Krise. Ihre Karriere als Filmemacherin ist eher überschaubar, sie hat keine feste Freundin und lebt aus Geldmangel in der Garage ihrer Freundin Charlie (Celeste Pechous) in Los Angeles. Nachdem sie auch noch den Abgabetermin für die Beantragung einer Filmförderung verpasst hat, verliert sie nahezu jede Hoffnung auf Glück.
Doch dann begegnet ihr die schöne junge Katia (Janina Gavankar), die Annas Arbeit bewundert, was von Anna aber als Zeichen der Zuneigung verstanden wird. Endlich hat sie eine Muse. Der Plan steht, ein neues Filmprojekt muss her, Katia bekommt eine Hauptrolle und Anna endlich eine Geliebte. Doch so einfach ist das alles nicht...
Anna macht sich an die Arbeit, der Film soll eine lesbische Version von "Wer hat Angst vor Virginia Wolff?" sein. Ihre beiden besten Freundinnen Penelope (Guinevere Turner) und Chloe (Carrie Preston) spielen ebenso mit wie Anna selbst. Auch die Crew ist schnell zusammen, wenn auch ohne Bezahlung. Gedreht wird in Charlies Haus, die das zähneknirschend über sich ergehen lässt.
Kamerafrau wird die schöne Julia (Agnes Olech), die ein ehrliches Interesse an Anna hat, was diese aber in ihrer Verliebtheit zu Katia einfach nicht bemerkt. Schnell wird Julia klar, dass Katia nur mit Annas Gefühlen spielt, aber Anna überhört jeden Hinweis darauf. Während der chaotischen Dreharbeiten kochen dann die Emotionen hoch. Vor und hinter der Kamera kommt es zu Kränkungen und Eifersüchteleien, verschmähter Liebe und Enttäuschungen. Es endet mit einem großen Knall und Anna sitzt mal wieder vor den Scherben ihres Lebens. Und dann taucht auch noch ihre Mutter auf und will sie mit nach Miami nehmen. Wird Anna es schaffen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen und wird sie erkennen, dass Julia es ernst mit ihr meint?
Diese wunderbare Komödie geht direkt ins Herz und schafft es locker, auch ernste Töne unterzubringen, ohne zu schwer zu werden. Die Geschichte ist zum Teil autobiografisch und Regisseurin und Hauptdarstellerin Anna Margarita Albelo weiß scheinbar genau, wovon sie erzählt. Mit geringen Mitteln ist hier ein kleiner Independent-Film entstanden, der wirklich gut unterhält und zudem noch über einen fabelhaften Soundtrack verfügt.
Die Schauspielerinnen sind mit vollem Herzen bei der Sache und besonders Guinevere Turner und Agnes Olech überzeugen hier in ihrer Darstellung und sind dabei wunderbar anzuschauen. Toll und sehr gelungen. Also ran an den Film, von mir gibt es jedenfalls eine große Empfehlung.
Anna (Anna Margarita Albelo) ist gerade Vierzig geworden und steckt in einer Krise. Ihre Karriere als Filmemacherin ist eher überschaubar, sie hat keine feste Freundin und lebt aus Geldmangel in der Garage ihrer Freundin Charlie (Celeste Pechous) in Los Angeles. Nachdem sie auch noch den Abgabetermin für die Beantragung einer Filmförderung verpasst hat, verliert sie nahezu jede Hoffnung auf Glück.
Doch dann begegnet ihr die schöne junge Katia (Janina Gavankar), die Annas Arbeit bewundert, was von Anna aber als Zeichen der Zuneigung verstanden wird. Endlich hat sie eine Muse. Der Plan steht, ein neues Filmprojekt muss her, Katia bekommt eine Hauptrolle und Anna endlich eine Geliebte. Doch so einfach ist das alles nicht...
Anna macht sich an die Arbeit, der Film soll eine lesbische Version von "Wer hat Angst vor Virginia Wolff?" sein. Ihre beiden besten Freundinnen Penelope (Guinevere Turner) und Chloe (Carrie Preston) spielen ebenso mit wie Anna selbst. Auch die Crew ist schnell zusammen, wenn auch ohne Bezahlung. Gedreht wird in Charlies Haus, die das zähneknirschend über sich ergehen lässt.
Kamerafrau wird die schöne Julia (Agnes Olech), die ein ehrliches Interesse an Anna hat, was diese aber in ihrer Verliebtheit zu Katia einfach nicht bemerkt. Schnell wird Julia klar, dass Katia nur mit Annas Gefühlen spielt, aber Anna überhört jeden Hinweis darauf. Während der chaotischen Dreharbeiten kochen dann die Emotionen hoch. Vor und hinter der Kamera kommt es zu Kränkungen und Eifersüchteleien, verschmähter Liebe und Enttäuschungen. Es endet mit einem großen Knall und Anna sitzt mal wieder vor den Scherben ihres Lebens. Und dann taucht auch noch ihre Mutter auf und will sie mit nach Miami nehmen. Wird Anna es schaffen, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen und wird sie erkennen, dass Julia es ernst mit ihr meint?
Diese wunderbare Komödie geht direkt ins Herz und schafft es locker, auch ernste Töne unterzubringen, ohne zu schwer zu werden. Die Geschichte ist zum Teil autobiografisch und Regisseurin und Hauptdarstellerin Anna Margarita Albelo weiß scheinbar genau, wovon sie erzählt. Mit geringen Mitteln ist hier ein kleiner Independent-Film entstanden, der wirklich gut unterhält und zudem noch über einen fabelhaften Soundtrack verfügt.
Die Schauspielerinnen sind mit vollem Herzen bei der Sache und besonders Guinevere Turner und Agnes Olech überzeugen hier in ihrer Darstellung und sind dabei wunderbar anzuschauen. Toll und sehr gelungen. Also ran an den Film, von mir gibt es jedenfalls eine große Empfehlung.
Samstag, 26. Juli 2014
Tiefe Wasser
"Tiefe Wasser" - "Plynace wiezowce" ist ein Film von Tomasz Wasilewski (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013.
Der junge Leistungsschwimmer Kuba (Mateusz Banasiuk) lebt zusammen mit seiner Freundin Sylwia (Marta Nieradkiewicz) in der Wohnung seiner Mutter Ewa (Katarzyna Herman), die gerne die Kontrolle über ihren Sohn hat und dessen Freundin nicht wirklich mag, sondern nur duldet. Ewa hat hier das Sagen und wenn sie nach Kuba ruft, dann hat er auf der Stelle für sie da zu sein. Kuba liebt Sylwia, aber er hat auch Sex mit Männern, anonym in den Waschräumen des Schwimmbads, in dem er trainiert.
Man wird aus Kuba nicht schlau, er wirkt bedrückt, nicht wirklich glücklich. Zu sehr fühlt er sich von allen unter Druck gesetzt. Von seiner dominanten Mutter, von seiner Freundin und von seinem Trainer. Er könnte als Schwimmer großen Erfolg haben, aber auch hier entzieht er sich, weil auch das ihm kein Glücksgefühl vermittelt. Es ist fast so, als würde er auf etwas größeres warten, eine Sache die ihn begeistern könnte, um aus seinem tristen Leben auszubrechen.
Auf einer Vernissage lernt Kuba den jungen und hübschen Studenten Michal (Bartosz Gelner) kennen und die beiden verlieben sich ineinander. Mit Michal an seiner Seite erlebt Kuba erstmals Augenblicke des Glücks und der Freiheit. Doch diese kurzen Episoden sind trügerisch, denn die Wirklichkeit holt die beiden jungen Männer immer wieder ein. Ihr Umfeld kann eine Liebe zwischen Männern nicht akzeptieren. Als Michal sich vor seinem Vater als schwul outet, übergeht dieser das einfach, während die homophoben Jungs aus der Nachbarschaft nur auf ihren Einsatz warten.
Ewa verbündet sich schließlich schweren Herzens mit der ungeliebten Sylwia, um ihren Sohn zur Ordnung zu rufen. Sylwia ist schwanger und nun müssen Pläne gemacht werden, wie das Kind versorgt werden kann und wer für dessen Unterhalt sorgen wird. Kuba muss sich wortlos seinem Schicksal fügen, aber Michal trifft es noch wesentlich schlimmer.
Müsste ich diesen Film mit nur einem Wort beschreiben, dann wäre es dieses: Traurig. Ganz ehrlich, dieser Film kann Depressionen auslösen. Als Zuschauer ist man wie Kuba gefangen in einem Teufelskreis aus Druck und Lieblosigkeit, die von den anderen wahrscheinlich als Liebe interpretiert wird. Es gibt kein Entkommen, für keinen von ihnen. Man arrangiert sich, mehr nicht. Übrig bleibt nur Traurigkeit.
Das ist keine leichte Kost, was wohl auch nicht anders zu erwarten ist. Es wird nicht viel gesprochen, die Musikuntermalung ist sparsam, aber dann auf den Punkt genau eingesetzt. Die Darsteller sind allesamt perfekt besetzt, hier gibt es gar nichts zu meckern. Erwähnen muss ich hier aber noch den Kameramann Jakub Kijowski, der wunderbare und gleichzeitig sehr triste Bilder von Warschau einfängt, die unter die Haut gehen. Sehr gelungen.
Man muss sich auf die Stille und die Langsamkeit dieses Films einlassen können, um ihn zu erfassen. Wie gesagt, er ist traurig, aber nicht nur deswegen sehr sehenswert. Große Empfehlung.
Der junge Leistungsschwimmer Kuba (Mateusz Banasiuk) lebt zusammen mit seiner Freundin Sylwia (Marta Nieradkiewicz) in der Wohnung seiner Mutter Ewa (Katarzyna Herman), die gerne die Kontrolle über ihren Sohn hat und dessen Freundin nicht wirklich mag, sondern nur duldet. Ewa hat hier das Sagen und wenn sie nach Kuba ruft, dann hat er auf der Stelle für sie da zu sein. Kuba liebt Sylwia, aber er hat auch Sex mit Männern, anonym in den Waschräumen des Schwimmbads, in dem er trainiert.
Man wird aus Kuba nicht schlau, er wirkt bedrückt, nicht wirklich glücklich. Zu sehr fühlt er sich von allen unter Druck gesetzt. Von seiner dominanten Mutter, von seiner Freundin und von seinem Trainer. Er könnte als Schwimmer großen Erfolg haben, aber auch hier entzieht er sich, weil auch das ihm kein Glücksgefühl vermittelt. Es ist fast so, als würde er auf etwas größeres warten, eine Sache die ihn begeistern könnte, um aus seinem tristen Leben auszubrechen.
Auf einer Vernissage lernt Kuba den jungen und hübschen Studenten Michal (Bartosz Gelner) kennen und die beiden verlieben sich ineinander. Mit Michal an seiner Seite erlebt Kuba erstmals Augenblicke des Glücks und der Freiheit. Doch diese kurzen Episoden sind trügerisch, denn die Wirklichkeit holt die beiden jungen Männer immer wieder ein. Ihr Umfeld kann eine Liebe zwischen Männern nicht akzeptieren. Als Michal sich vor seinem Vater als schwul outet, übergeht dieser das einfach, während die homophoben Jungs aus der Nachbarschaft nur auf ihren Einsatz warten.
Ewa verbündet sich schließlich schweren Herzens mit der ungeliebten Sylwia, um ihren Sohn zur Ordnung zu rufen. Sylwia ist schwanger und nun müssen Pläne gemacht werden, wie das Kind versorgt werden kann und wer für dessen Unterhalt sorgen wird. Kuba muss sich wortlos seinem Schicksal fügen, aber Michal trifft es noch wesentlich schlimmer.
Müsste ich diesen Film mit nur einem Wort beschreiben, dann wäre es dieses: Traurig. Ganz ehrlich, dieser Film kann Depressionen auslösen. Als Zuschauer ist man wie Kuba gefangen in einem Teufelskreis aus Druck und Lieblosigkeit, die von den anderen wahrscheinlich als Liebe interpretiert wird. Es gibt kein Entkommen, für keinen von ihnen. Man arrangiert sich, mehr nicht. Übrig bleibt nur Traurigkeit.
Das ist keine leichte Kost, was wohl auch nicht anders zu erwarten ist. Es wird nicht viel gesprochen, die Musikuntermalung ist sparsam, aber dann auf den Punkt genau eingesetzt. Die Darsteller sind allesamt perfekt besetzt, hier gibt es gar nichts zu meckern. Erwähnen muss ich hier aber noch den Kameramann Jakub Kijowski, der wunderbare und gleichzeitig sehr triste Bilder von Warschau einfängt, die unter die Haut gehen. Sehr gelungen.
Man muss sich auf die Stille und die Langsamkeit dieses Films einlassen können, um ihn zu erfassen. Wie gesagt, er ist traurig, aber nicht nur deswegen sehr sehenswert. Große Empfehlung.
Samstag, 14. Juni 2014
Four
"Four" ist ein Film von Joshua Sanchez (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2012 und beruht auf dem gleichnamigen Theaterstück von Christopher Shinn, das dieser bereits im Alter von dreiundzwanzig Jahren geschrieben hat.
Die Geschichte handelt von vier Personen, die in der Nacht des 4. Juli, des Unabhängigkeitstages, in einer Stadt in Connecticut aufeinander treffen. Vier Menschen, auf der Suche nach Liebe und Bestätigung, auf der Suche nach ihrer sexuellen Identität und dem Sinn ihres Lebens. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Wer sich für kleine Independent-Filme begeistern kann, der ist hier genau richtig. Alle anderen dürfen gerne weitergehen.
Wer sind diese vier Personen? Da wäre zunächst June (Emory Cohen), ein Teenager der mit seiner sexuellen Orientierung hadert und der sich per Internet mit dem älteren Joe (Wendell Pierce) verabredet hat. Joe ist ein Afroamerikaner Mitte Vierzig und ein Familienvater. Seine Frau (Yolonda Ross) ist seit vielen Jahren depressiv, was aber nicht weiter thematisiert wird.
June und Joe verbringen den Abend zusammen, während Joes Tochter Abigayle (Aja Naomi King) sich mit dem Latino Dexter (E. J. Bonila) trifft, der sich immer noch vergebliche Hoffnungen auf eine Karriere als Basketballspieler macht, die er sich aber durch seine Vorstrafen selbst ruiniert hat. Abigayle und Dexter haben Sex miteinander, genau wie June und Joe. Jeder erwartet hier etwas anderes, möchte sich besser fühlen und den Alltag für einen kurzen Moment vergessen. Das funktioniert aber nicht immer.
June hat Probleme damit, sich zu seinem Schwulsein zu bekennen und hat Angst davor, es seinen Eltern zu sagen, auch wenn er sie sehr liebt. "Sei stolz auf dich, glaub an dich" gibt ihm Joe mit auf den Weg. Joe selbst lebt in einer schwierigen Situation, mit einer Frau, die seit Jahren schwach und krank ist und mit einer Tochter, die sich nicht traut, aus der familiären Situation auszubrechen.
Am Ende dieses Tages werden diese vier Menschen einiges über sich erfahren haben, dass ihnen vielleicht ein bisschen hilft, die Zukunft zu meistern.
Salzgeber sei Dank, diesen Film überhaupt zu veröffentlichen, denn sonst wäre diese kleine Perle doch unbekannt geblieben. Mit gerade mal 68 Minuten ist das Spielfilmdebüt von Joshua Sanchez zwar sehr überschaubar, aber auch sehr gut gelungen. Man merkt der Verfilmung das Bühnenstück durchaus an, was für mich aber kein Problem darstellt.
Mit den durchweg guten Darstellern ist das hier ein feiner kleiner Film geworden, der unbedingt sehenswert ist. Natürlich nicht für jeden Geschmack geeignet, aber das ist wie üblich auch eine Empfehlung für sich.
Die Geschichte handelt von vier Personen, die in der Nacht des 4. Juli, des Unabhängigkeitstages, in einer Stadt in Connecticut aufeinander treffen. Vier Menschen, auf der Suche nach Liebe und Bestätigung, auf der Suche nach ihrer sexuellen Identität und dem Sinn ihres Lebens. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Wer sich für kleine Independent-Filme begeistern kann, der ist hier genau richtig. Alle anderen dürfen gerne weitergehen.
Wer sind diese vier Personen? Da wäre zunächst June (Emory Cohen), ein Teenager der mit seiner sexuellen Orientierung hadert und der sich per Internet mit dem älteren Joe (Wendell Pierce) verabredet hat. Joe ist ein Afroamerikaner Mitte Vierzig und ein Familienvater. Seine Frau (Yolonda Ross) ist seit vielen Jahren depressiv, was aber nicht weiter thematisiert wird.
June und Joe verbringen den Abend zusammen, während Joes Tochter Abigayle (Aja Naomi King) sich mit dem Latino Dexter (E. J. Bonila) trifft, der sich immer noch vergebliche Hoffnungen auf eine Karriere als Basketballspieler macht, die er sich aber durch seine Vorstrafen selbst ruiniert hat. Abigayle und Dexter haben Sex miteinander, genau wie June und Joe. Jeder erwartet hier etwas anderes, möchte sich besser fühlen und den Alltag für einen kurzen Moment vergessen. Das funktioniert aber nicht immer.
June hat Probleme damit, sich zu seinem Schwulsein zu bekennen und hat Angst davor, es seinen Eltern zu sagen, auch wenn er sie sehr liebt. "Sei stolz auf dich, glaub an dich" gibt ihm Joe mit auf den Weg. Joe selbst lebt in einer schwierigen Situation, mit einer Frau, die seit Jahren schwach und krank ist und mit einer Tochter, die sich nicht traut, aus der familiären Situation auszubrechen.
Am Ende dieses Tages werden diese vier Menschen einiges über sich erfahren haben, dass ihnen vielleicht ein bisschen hilft, die Zukunft zu meistern.
Salzgeber sei Dank, diesen Film überhaupt zu veröffentlichen, denn sonst wäre diese kleine Perle doch unbekannt geblieben. Mit gerade mal 68 Minuten ist das Spielfilmdebüt von Joshua Sanchez zwar sehr überschaubar, aber auch sehr gut gelungen. Man merkt der Verfilmung das Bühnenstück durchaus an, was für mich aber kein Problem darstellt.
Mit den durchweg guten Darstellern ist das hier ein feiner kleiner Film geworden, der unbedingt sehenswert ist. Natürlich nicht für jeden Geschmack geeignet, aber das ist wie üblich auch eine Empfehlung für sich.
Sonntag, 1. Juni 2014
Test
"Test" ist ein Film von Chris Mason Johnson (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013.
San Francisco, 1985. Der junge Frankie (Scott Marlowe) ist Mitglied einer erfolgreichen Modern Dance Company, auch wenn er hier vorerst nur als Ersatz fungiert. Es drängt ihn auf die Bühne und bald schon wird sein Traum wahr werden. Bis es soweit ist, muss er allerdings noch lernen, "wie ein Mann zu tanzen", so die Aussage seines Trainers Jerry (Chris Mason Johnson).
Frankies neueste und wichtigste Errungenschaft ist sein Walkman, der ihn überall hin begleitet. Durch ihn kann er abschalten und die Probleme um ihn herum für kurze Zeit vergessen. Aids hat Einzug in das Leben der Menschen gehalten und die Angst davor ist groß, ebenso wie die Unwissenheit über die Krankheit. Frankie fühlt sich zu seinem Kollegen Todd (Matthew Risch) hingezogen, der einen lockeren Lebensstil führt und nichts wirklich ernst nimmt. Bevor die beiden Freunde sich allerdings näher kommen, hat Frankie eine kurze Affäre mit dem etwas älteren Walt (Kristoffer Cusick), der jedoch wenig später positiv getestet wird und die Stadt verlässt.
Auch Frankie unterzieht sich diesem neuen Bluttest, dessen Ergebnis zwei lange Wochen auf sich warten lässt. In den Zeitungen wird darüber diskutiert, ob Schwule unter Quarantäne gestellt werden sollen, keine besonders angenehme Vorstellung und ein Zeichen dafür, wie viel Angst zu dieser Zeit in der Gesellschaft herrscht. Ein bisschen Humor gibt es aber auch, etwa wenn das erste Mal Kondome benutzt werden, die bis dahin eher keine Rolle beim Sex zwischen schwulen Männern gespielt haben.
Der gelernte Ballett-Tänzer Chris Mason Johnson erzählt in seinem kleinen und berührenden Film, der übrigens durch Crowdfunding finanziert wurde, eine Geschichte, die er wohl so oder ähnlich selbst erlebt haben könnte. Auf mich macht die Story jedenfalls den Eindruck, sehr persönlich zu sein. Wie auch immer, der Film ist sehr charmant, die Tänzer und ihre Choreographien sind ausgesprochen erotisch und der Soundtrack ist einfach genial.
Ein schöner Film, der den Zuschauer auf eine Zeitreise dreißig Jahre zurück in die Vergangenheit entführt. Sehr empfehlenswert und toll gespielt.
San Francisco, 1985. Der junge Frankie (Scott Marlowe) ist Mitglied einer erfolgreichen Modern Dance Company, auch wenn er hier vorerst nur als Ersatz fungiert. Es drängt ihn auf die Bühne und bald schon wird sein Traum wahr werden. Bis es soweit ist, muss er allerdings noch lernen, "wie ein Mann zu tanzen", so die Aussage seines Trainers Jerry (Chris Mason Johnson).
Frankies neueste und wichtigste Errungenschaft ist sein Walkman, der ihn überall hin begleitet. Durch ihn kann er abschalten und die Probleme um ihn herum für kurze Zeit vergessen. Aids hat Einzug in das Leben der Menschen gehalten und die Angst davor ist groß, ebenso wie die Unwissenheit über die Krankheit. Frankie fühlt sich zu seinem Kollegen Todd (Matthew Risch) hingezogen, der einen lockeren Lebensstil führt und nichts wirklich ernst nimmt. Bevor die beiden Freunde sich allerdings näher kommen, hat Frankie eine kurze Affäre mit dem etwas älteren Walt (Kristoffer Cusick), der jedoch wenig später positiv getestet wird und die Stadt verlässt.
Auch Frankie unterzieht sich diesem neuen Bluttest, dessen Ergebnis zwei lange Wochen auf sich warten lässt. In den Zeitungen wird darüber diskutiert, ob Schwule unter Quarantäne gestellt werden sollen, keine besonders angenehme Vorstellung und ein Zeichen dafür, wie viel Angst zu dieser Zeit in der Gesellschaft herrscht. Ein bisschen Humor gibt es aber auch, etwa wenn das erste Mal Kondome benutzt werden, die bis dahin eher keine Rolle beim Sex zwischen schwulen Männern gespielt haben.
Der gelernte Ballett-Tänzer Chris Mason Johnson erzählt in seinem kleinen und berührenden Film, der übrigens durch Crowdfunding finanziert wurde, eine Geschichte, die er wohl so oder ähnlich selbst erlebt haben könnte. Auf mich macht die Story jedenfalls den Eindruck, sehr persönlich zu sein. Wie auch immer, der Film ist sehr charmant, die Tänzer und ihre Choreographien sind ausgesprochen erotisch und der Soundtrack ist einfach genial.
Ein schöner Film, der den Zuschauer auf eine Zeitreise dreißig Jahre zurück in die Vergangenheit entführt. Sehr empfehlenswert und toll gespielt.
Sonntag, 25. Mai 2014
Any Day Now
"Any Day Now" ist ein Film von Travis Fine aus dem Jahr 2012. Das Drehbuch schrieb Fine zusammen mit George Arthur Bloom und beruht auf einer wahren Begebenheit.
West Hollywood, 1979. In einem Nachtclub tritt Rudy Donatello (Alan Cumming) regelmäßig als Drag Queen auf. Eines Abends bemerkt er bei seinem Auftritt einen schüchternen Mann im Zuschauerraum, mit dem er sich später noch treffen wird. Paul Fliger (Garret Dillahunt) ist geschieden, noch nicht geoutet und ein junger Rechtsanwalt, der im Büro des Staatsanwalts arbeitet. Rudy und Paul kommen sich schnell näher und die gegenseitige Anziehung zwischen den beiden scheinbar so verschiedenen Charakteren lässt sich nicht übersehen.
Als Rudys Nachbarin Marianna (Jamie Anne Allman) wegen Drogenbesitzes und Prostitution ins Gefängnis kommt, findet Rudy ihren vierzehnjährigen Sohn Marco (Isaac Leyva) allein in der Wohnung vor. Das Jugendamt steckt den Jungen, der am Down-Syndrom leidet, in ein Kinderheim, aus dem Marco aber in der Nacht wegläuft. Nur durch Zufall findet Rudy zusammen mit Paul den Jungen und will ihn bei sich aufnehmen. Sie besorgen sich die schriftliche Zustimmung von Marianna, um von nun an für Marco zu sorgen.
Rudy und Marco ziehen bei Paul ein, der Rudy als seinen Cousin ausgibt. Marco kommt auf eine Schule, die sich auf Kinder mit Behinderungen spezialisiert hat und er blüht zusehends auf. Es vergeht ein Jahr, in dem Rudy und Paul sich liebevoll um Marco kümmern und Rudy an seinem Traum, als Sänger aufzutreten arbeiten kann. Doch plötzlich ziehen dunkle Wolken auf, denn das Paar wird von vielen Menschen einfach nicht akzeptiert. Ein schwules Liebespaar will ein Kind aufziehen? Da steckt man das behinderte Kind eher in ein Heim, als es in liebevoller Obhut zu wissen. Geht es hier um das Wohl des Kindes? Nein, natürlich nicht. Die verlogene Gesellschaft kann halt nur nicht akzeptieren, was sie nicht versteht.
Paul und Rudy müssen vor Gericht einen aussichtslosen Kampf führen, in dem ihnen von allen Seiten Steine in den Weg gelegt werden. Dabei ist besonders erschreckend, wie viel Hass und Niedertracht ihnen währenddessen begegnet. Und in all diesem Schlamassel bleibt Marco auf der Strecke...
Achtung, Taschentuchalarm. Am Ende bleibt wohl kein Auge trocken, weil die Story doch sehr bewegend ist. Vielleicht haben heute nicht mehr ganz so viele Menschen ein Brett vorm Kopf wie noch vor über dreißig Jahren, aber es sind immer noch zu viele, die ihren Hass auf alles, was nicht ihren spießigen Vorstellungen entspricht, lauthals zum Ausdruck bringen müssen. Insofern ist der Film verdammt aktuell, auch wenn er Ende der Siebziger Jahre spielt.
Gespielt ist er übrigens ganz großartig, allein schon die Darstellung von Alan Cumming ist absolut sehenswert. Neben Garret Dillahunt und Isaac Leyva, die ebenfalls toll sind, kann man in den Nebenrollen noch Frances Fisher, Gregg Henry, Alan Rachins und Michael Nouri bewundern. Ausstattung und Musik sind exzellent gewählt, hier passt alles zusammen.
Die DVD ist als UK-Import zu bekommen, eine deutsche Veröffentlichung scheint mir eher unwahrscheinlich zu sein. Schade, denn der Film ist sehr gelungen und absolut sehenswert. Klare Empfehlung.
West Hollywood, 1979. In einem Nachtclub tritt Rudy Donatello (Alan Cumming) regelmäßig als Drag Queen auf. Eines Abends bemerkt er bei seinem Auftritt einen schüchternen Mann im Zuschauerraum, mit dem er sich später noch treffen wird. Paul Fliger (Garret Dillahunt) ist geschieden, noch nicht geoutet und ein junger Rechtsanwalt, der im Büro des Staatsanwalts arbeitet. Rudy und Paul kommen sich schnell näher und die gegenseitige Anziehung zwischen den beiden scheinbar so verschiedenen Charakteren lässt sich nicht übersehen.
Als Rudys Nachbarin Marianna (Jamie Anne Allman) wegen Drogenbesitzes und Prostitution ins Gefängnis kommt, findet Rudy ihren vierzehnjährigen Sohn Marco (Isaac Leyva) allein in der Wohnung vor. Das Jugendamt steckt den Jungen, der am Down-Syndrom leidet, in ein Kinderheim, aus dem Marco aber in der Nacht wegläuft. Nur durch Zufall findet Rudy zusammen mit Paul den Jungen und will ihn bei sich aufnehmen. Sie besorgen sich die schriftliche Zustimmung von Marianna, um von nun an für Marco zu sorgen.
Rudy und Marco ziehen bei Paul ein, der Rudy als seinen Cousin ausgibt. Marco kommt auf eine Schule, die sich auf Kinder mit Behinderungen spezialisiert hat und er blüht zusehends auf. Es vergeht ein Jahr, in dem Rudy und Paul sich liebevoll um Marco kümmern und Rudy an seinem Traum, als Sänger aufzutreten arbeiten kann. Doch plötzlich ziehen dunkle Wolken auf, denn das Paar wird von vielen Menschen einfach nicht akzeptiert. Ein schwules Liebespaar will ein Kind aufziehen? Da steckt man das behinderte Kind eher in ein Heim, als es in liebevoller Obhut zu wissen. Geht es hier um das Wohl des Kindes? Nein, natürlich nicht. Die verlogene Gesellschaft kann halt nur nicht akzeptieren, was sie nicht versteht.
Paul und Rudy müssen vor Gericht einen aussichtslosen Kampf führen, in dem ihnen von allen Seiten Steine in den Weg gelegt werden. Dabei ist besonders erschreckend, wie viel Hass und Niedertracht ihnen währenddessen begegnet. Und in all diesem Schlamassel bleibt Marco auf der Strecke...
Achtung, Taschentuchalarm. Am Ende bleibt wohl kein Auge trocken, weil die Story doch sehr bewegend ist. Vielleicht haben heute nicht mehr ganz so viele Menschen ein Brett vorm Kopf wie noch vor über dreißig Jahren, aber es sind immer noch zu viele, die ihren Hass auf alles, was nicht ihren spießigen Vorstellungen entspricht, lauthals zum Ausdruck bringen müssen. Insofern ist der Film verdammt aktuell, auch wenn er Ende der Siebziger Jahre spielt.
Gespielt ist er übrigens ganz großartig, allein schon die Darstellung von Alan Cumming ist absolut sehenswert. Neben Garret Dillahunt und Isaac Leyva, die ebenfalls toll sind, kann man in den Nebenrollen noch Frances Fisher, Gregg Henry, Alan Rachins und Michael Nouri bewundern. Ausstattung und Musik sind exzellent gewählt, hier passt alles zusammen.
Die DVD ist als UK-Import zu bekommen, eine deutsche Veröffentlichung scheint mir eher unwahrscheinlich zu sein. Schade, denn der Film ist sehr gelungen und absolut sehenswert. Klare Empfehlung.
Sonntag, 11. Mai 2014
Cupcakes
"Cupcakes" ist ein Film von Eytan Fox aus dem Jahr 2013. Das Drehbuch schrieb Fox zusammen mit Eli Bijaoui. Und auch wenn Israel im Jahr 2014 nicht am Song-Contest teilnehmen konnte, Eytan Fox liefert hiermit seinen eigenen Beitrag, der genau ins Konzept passt. Viel Spaß dabei.
Der jährliche Song-Contest steht an und wie üblich versammeln sich die sechs Bewohner eines Hauses in Tel Aviv, um das Fest gemeinsam zu feiern. Efrat Dor, Dana Ivgy, Keren Berger, Ofer Shechter, Yael Bar-Zohar und Anat Waxman verkörpern diese Gruppe, die sich vor dem Fernseher versammelt, um den UniverSong zu verfolgen.
Der Abend ist bunt und gemütlich, nur Anat ist traurig. Ihr Mann hat sie gerade verlassen, woraufhin die anderen ihr spontan ein Lied widmen, um sie wieder aufzubauen. Der schwule Ofer nimmt das alles mit seiner Handy-Kamera auf und zeigt es später seinem Freund, der sofort begeistert davon ist. So gelangt das Video an das Auswahl-Komitee für den nächsten UniverSong und soll Israel dabei offiziell vertreten.
Doch erst einmal sollen der Song und die Gruppe optisch aufgepeppt werden, um sich besser verkaufen zu können. Nach einem ersten Auftritt mit Perücken und Kostümen, der ihnen fremd erscheint, beschließt die kleine Gruppe, ihren ursprünglichen Stil beizubehalten, doch dafür stehen sie nun ohne Sponsoren da. Die ehemalige Schönheitskönigin Yael greift auf ihr Erspartes zurück, damit die Gruppe trotzdem zum Song-Contest nach Paris reisen kann.
Die Reise wird ein voller Erfolg, Anat verbringt einen schönen Abend mit dem französischen Moderator (Edouard Baer) und auch die israelische Kulturministerin steht der Gruppe bei. Wieder zurück in Tel Aviv wird fröhlich gefeiert. Sämtliche Beziehungsprobleme lösen sich auf und es wird gesungen und getanzt. Ist das oberflächlich? Nein, das ist gute Laune pur und ein Grund zum Mitsingen.
Eytan Fox hat ein gutes Händchen für unterhaltsame und packende Filme und auch bei der Auswahl seiner Darsteller erweist er sich als Genie. Hier stimmt einfach alles, man kann es nicht anders sagen. Der "Song für Anat" stammt übrigens ursprünglich aus der Feder der "Scissor Sisters", die diesen jedoch nie verwendet haben. Hier passt er perfekt und macht diesen kleinen und feinen Film ganz groß.
In den Extras gibt es noch ein sehr schönes Making-Of, das ich sehr empfehlen kann. Hier erfährt man z. B., dass die Aufnahmen aus Paris eigentlich in Tel Aviv entstanden sind. Sehr gelungen.
Ein paar Worte noch zum ESC in Kopenhagen vom letzten Abend. Eigentlich interessiert mich dieser Zirkus gar nicht, doch dieses Mal habe auch ich eingeschaltet, zumindest teilweise. Ganz große Gratulation von mir an Conchita Wurst, die mit ihrem wunderbaren Song "Rise like a Phoenix" einen tollen Auftritt hingelegt und sehr verdient gewonnen hat. Das war Gänsehaut pur und ein voller Erfolg. Peinlich waren lediglich die mickrigen sieben Punkte der deutschen Jury und die gehässigen Kommentare überall.
Der jährliche Song-Contest steht an und wie üblich versammeln sich die sechs Bewohner eines Hauses in Tel Aviv, um das Fest gemeinsam zu feiern. Efrat Dor, Dana Ivgy, Keren Berger, Ofer Shechter, Yael Bar-Zohar und Anat Waxman verkörpern diese Gruppe, die sich vor dem Fernseher versammelt, um den UniverSong zu verfolgen.
Der Abend ist bunt und gemütlich, nur Anat ist traurig. Ihr Mann hat sie gerade verlassen, woraufhin die anderen ihr spontan ein Lied widmen, um sie wieder aufzubauen. Der schwule Ofer nimmt das alles mit seiner Handy-Kamera auf und zeigt es später seinem Freund, der sofort begeistert davon ist. So gelangt das Video an das Auswahl-Komitee für den nächsten UniverSong und soll Israel dabei offiziell vertreten.
Doch erst einmal sollen der Song und die Gruppe optisch aufgepeppt werden, um sich besser verkaufen zu können. Nach einem ersten Auftritt mit Perücken und Kostümen, der ihnen fremd erscheint, beschließt die kleine Gruppe, ihren ursprünglichen Stil beizubehalten, doch dafür stehen sie nun ohne Sponsoren da. Die ehemalige Schönheitskönigin Yael greift auf ihr Erspartes zurück, damit die Gruppe trotzdem zum Song-Contest nach Paris reisen kann.
Die Reise wird ein voller Erfolg, Anat verbringt einen schönen Abend mit dem französischen Moderator (Edouard Baer) und auch die israelische Kulturministerin steht der Gruppe bei. Wieder zurück in Tel Aviv wird fröhlich gefeiert. Sämtliche Beziehungsprobleme lösen sich auf und es wird gesungen und getanzt. Ist das oberflächlich? Nein, das ist gute Laune pur und ein Grund zum Mitsingen.
Eytan Fox hat ein gutes Händchen für unterhaltsame und packende Filme und auch bei der Auswahl seiner Darsteller erweist er sich als Genie. Hier stimmt einfach alles, man kann es nicht anders sagen. Der "Song für Anat" stammt übrigens ursprünglich aus der Feder der "Scissor Sisters", die diesen jedoch nie verwendet haben. Hier passt er perfekt und macht diesen kleinen und feinen Film ganz groß.
In den Extras gibt es noch ein sehr schönes Making-Of, das ich sehr empfehlen kann. Hier erfährt man z. B., dass die Aufnahmen aus Paris eigentlich in Tel Aviv entstanden sind. Sehr gelungen.
Ein paar Worte noch zum ESC in Kopenhagen vom letzten Abend. Eigentlich interessiert mich dieser Zirkus gar nicht, doch dieses Mal habe auch ich eingeschaltet, zumindest teilweise. Ganz große Gratulation von mir an Conchita Wurst, die mit ihrem wunderbaren Song "Rise like a Phoenix" einen tollen Auftritt hingelegt und sehr verdient gewonnen hat. Das war Gänsehaut pur und ein voller Erfolg. Peinlich waren lediglich die mickrigen sieben Punkte der deutschen Jury und die gehässigen Kommentare überall.
Sonntag, 4. Mai 2014
La vie d'Adèle
"La vie d'Adèle" - "Blau ist eine warme Farbe" ist ein Film von Abdellatif Kechiche aus dem Jahr 2013. Das Drehbuch schrieb Kechiche zusammen mit Ghalia Lacroix und beruht auf dem gleichnamigen Comic von Julie Maroh. Da ich die Vorlage nicht kenne, beziehe ich mich hier nur auf den Film.
Die siebzehnjährige Adèle (Adèle Exarchopoulos) ist noch Schülerin, bereitet sich auf ihr Abitur vor und ist in Liebesdingen noch unerfahren. Mit einem etwas älteren Schüler hat sie ersten Sex und eine kurze Affäre, die sie aber recht schnell beendet. Sie fühlt sich zu einer Mitschülerin hingezogen, doch nach einem ersten Kuss ist auch das schon wieder vorbei. Auf der Straße begegnet ihr die junge Kunststudentin Emma (Léa Seydoux), die sie allerdings erst kurze Zeit später kennenlernen wird. Doch schon nach nur einem Blick auf Emma wird Adèle klar, dass diese Frau ihre erste große Liebe ist.
Ich will hier nicht weiter ins Detail gehen, drei Stunden Film erzählen sich auch nicht so leicht, erst recht nicht, wenn eigentlich gar nicht so viel passiert. Adèle und Emma lernen sich kennen und verlieben sich. Während Emma ihren überaus aufgeschlossenen Eltern völlig unbekümmert ihre neue Freundin vorstellt und diese dort sehr herzlich aufgenommen wird, bemüht sich Adèle ihrerseits, ihren Eltern Emma als Nachhilfelehrerin zu verkaufen, um sie ins elterliche Haus einladen zu können. Bei den beiden verschiedenen Abendessen und den entsprechenden Gesprächen erkennt man sofort den Unterschied der Herkunft der jungen Frauen, der auch später immer wieder in den Vordergrund geraten wird.
Nach einem unbekannten Zeitsprung leben Emma und Adèle zusammen. Emma hat nun ihr Studium abgeschlossen und versucht sich als Künstlerin zu etablieren. Adèle kocht und sorgt für den Haushalt, während sie als Erzieherin in einer Vorschule tätig ist. Sie will unterrichten und Lehrerin werden. Zu Emmas Freunden und Bekannten findet sie keinen echten Zugang, weil diese sich über Dinge unterhalten, von denen sie nichts versteht. Adèle fühlt sich unverstanden und von Emma im Stich gelassen. Aus einer Laune heraus beginnt sie eine kurze und für sie unwichtige Affäre mit einem Kollegen. Als Emma davon erfährt, schmeißt sie Adèle wütend aus der Wohnung.
Drei Jahre später treffen sich die beiden Frauen wieder. Emma lebt mit einer neuen Partnerin zusammen, die ein Kind hat. Adèle liebt Emma immer noch, aber ein erneutes Zusammenkommen wird es nicht geben. Auf einer Vernissage sehen sie sich wieder, doch hier wird endgültig klar, dass ihre gemeinsame Zeit der Vergangenheit angehört.
Ach herrje, das wird jetzt schwer und ich werde mich wohl gleich in die Nesseln setzen. Ich sage es mal so, mir hat der Film schon gefallen, aber es gibt nichts in dieser Geschichte, das man nicht auch in der Hälfte der Zeit hätte erzählen können. Gut, für Adèle war es die erste große Liebe. Die hält aber nun mal nicht für immer, was jeder Zuschauer wohl aus eigener Erfahrung weiß. Wer für diese Erkenntnis tatsächlich drei Stunden Filmlaufzeit braucht, bitte sehr. Insgesamt gesehen finde ich die zahlreichen Lobeshymnen für diesen Film etwas überzogen. Oder sind es doch nur die Sexszenen, die hier die Zuschauer anlocken? Man weiß es nicht.
Sehenswert ist der Film aber auf jeden Fall wegen der überragenden Darstellungen von Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos, die hier wirklich großartig und sehr bezaubernd sind und dafür sorgen, dass man keine Sekunde mit ihnen verpassen will. Trotz allem insgesamt empfehlenswert, wenn auch mit klitzekleinen Einschränkungen, eben kein Film für die große Masse. Aber das ist ja auch schon wieder eine Empfehlung an sich...
Die siebzehnjährige Adèle (Adèle Exarchopoulos) ist noch Schülerin, bereitet sich auf ihr Abitur vor und ist in Liebesdingen noch unerfahren. Mit einem etwas älteren Schüler hat sie ersten Sex und eine kurze Affäre, die sie aber recht schnell beendet. Sie fühlt sich zu einer Mitschülerin hingezogen, doch nach einem ersten Kuss ist auch das schon wieder vorbei. Auf der Straße begegnet ihr die junge Kunststudentin Emma (Léa Seydoux), die sie allerdings erst kurze Zeit später kennenlernen wird. Doch schon nach nur einem Blick auf Emma wird Adèle klar, dass diese Frau ihre erste große Liebe ist.
Ich will hier nicht weiter ins Detail gehen, drei Stunden Film erzählen sich auch nicht so leicht, erst recht nicht, wenn eigentlich gar nicht so viel passiert. Adèle und Emma lernen sich kennen und verlieben sich. Während Emma ihren überaus aufgeschlossenen Eltern völlig unbekümmert ihre neue Freundin vorstellt und diese dort sehr herzlich aufgenommen wird, bemüht sich Adèle ihrerseits, ihren Eltern Emma als Nachhilfelehrerin zu verkaufen, um sie ins elterliche Haus einladen zu können. Bei den beiden verschiedenen Abendessen und den entsprechenden Gesprächen erkennt man sofort den Unterschied der Herkunft der jungen Frauen, der auch später immer wieder in den Vordergrund geraten wird.
Nach einem unbekannten Zeitsprung leben Emma und Adèle zusammen. Emma hat nun ihr Studium abgeschlossen und versucht sich als Künstlerin zu etablieren. Adèle kocht und sorgt für den Haushalt, während sie als Erzieherin in einer Vorschule tätig ist. Sie will unterrichten und Lehrerin werden. Zu Emmas Freunden und Bekannten findet sie keinen echten Zugang, weil diese sich über Dinge unterhalten, von denen sie nichts versteht. Adèle fühlt sich unverstanden und von Emma im Stich gelassen. Aus einer Laune heraus beginnt sie eine kurze und für sie unwichtige Affäre mit einem Kollegen. Als Emma davon erfährt, schmeißt sie Adèle wütend aus der Wohnung.
Drei Jahre später treffen sich die beiden Frauen wieder. Emma lebt mit einer neuen Partnerin zusammen, die ein Kind hat. Adèle liebt Emma immer noch, aber ein erneutes Zusammenkommen wird es nicht geben. Auf einer Vernissage sehen sie sich wieder, doch hier wird endgültig klar, dass ihre gemeinsame Zeit der Vergangenheit angehört.
Ach herrje, das wird jetzt schwer und ich werde mich wohl gleich in die Nesseln setzen. Ich sage es mal so, mir hat der Film schon gefallen, aber es gibt nichts in dieser Geschichte, das man nicht auch in der Hälfte der Zeit hätte erzählen können. Gut, für Adèle war es die erste große Liebe. Die hält aber nun mal nicht für immer, was jeder Zuschauer wohl aus eigener Erfahrung weiß. Wer für diese Erkenntnis tatsächlich drei Stunden Filmlaufzeit braucht, bitte sehr. Insgesamt gesehen finde ich die zahlreichen Lobeshymnen für diesen Film etwas überzogen. Oder sind es doch nur die Sexszenen, die hier die Zuschauer anlocken? Man weiß es nicht.
Sehenswert ist der Film aber auf jeden Fall wegen der überragenden Darstellungen von Léa Seydoux und Adèle Exarchopoulos, die hier wirklich großartig und sehr bezaubernd sind und dafür sorgen, dass man keine Sekunde mit ihnen verpassen will. Trotz allem insgesamt empfehlenswert, wenn auch mit klitzekleinen Einschränkungen, eben kein Film für die große Masse. Aber das ist ja auch schon wieder eine Empfehlung an sich...
Samstag, 3. Mai 2014
Liebesbriefe eines Unbekannten
"Liebesbriefe eines Unbekannten" - "Shablulim BaGeshem" ist ein Film von Yariv Mozer (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013 und beruht auf der Erzählung "Schnecken im Regen" aus der Kurzgeschichten-Sammlung "Der Garten der toten Bäume" von Jossi Avni-Levy.
Boaz (Yoav Reuveni) ist Mitte Zwanzig und Student an der Universität von Tel Aviv. Er wartet ungeduldig auf ein Schreiben der Universität von Jerusalem wegen eines Stipendiums. Aus diesem Grund geht er jeden Tag ins Postamt und schaut voller Erwartung in sein Postfach. Doch statt des gewünschten Schreibens erhält er plötzlich Liebesbriefe eines ihm unbekannten Verfassers. Ein scheinbar fremder Mann gesteht ihm seine Liebe, erst vorsichtig, dann langsam immer bestimmter. Boaz ist verwirrt. Wer ist dieser Fremde? Jemand aus seiner Umgebung vielleicht?
Vor seiner hübschen Freundin Noa (Moran Rosenblatt) hält Boaz die Briefe versteckt, sie findet sie aber trotzdem und liest sie heimlich. Die Beziehung zwischen Boaz und Noa ist liebevoll und glücklich. Ärger gibt es höchstens, wenn die nervige Mutter von Boaz mal wieder unangemeldet in der Tür steht, aber sonst läuft alles rund.
Boaz beginnt die Männer in seiner Umgebung genauer zu beobachten. Ist einer von ihnen der unbekannte Briefeschreiber? Er bemerkt, dass viele verschiedene Männer ihm begehrliche Blicke zuwerfen, die ihm bisher nicht aufgefallen sind. Und doch, da war doch dieses Erlebnis während seiner Militärzeit, das ihm plötzlich wieder in den Sinn kommt. Boaz ist zunehmend aufgewühlt und hinterfragt insgeheim seine sexuellen Vorlieben. Könnte es wirklich sein, dass er sich zu anderen Männern hingezogen fühlt? Noa spürt die Zerrissenheit ihres Liebsten und weiß, dass sie etwas unternehmen muss.
"Liebesbriefe eines Unbekannten" ist das Spielfilmdebüt von Yariv Mozer, der hier übrigens in der Rolle des Professors Richlin selbst mitspielt. Davor hat Mozer bevorzugt Dokumentationen gedreht, wie z. B. den sehr sehenswerten Film "The Invisible Men" aus dem Jahr 2012.
Yoav Reuveni ist eigentlich Model und hier in seiner ersten Rolle als Schauspieler zu sehen, wobei er nicht wirklich viel zu spielen hat. Er ist in erster Linie bildschön, das reicht hier aber auch aus. Man kann schon verstehen, dass sich sowohl Frauen als auch Männer nach ihm verzehren. Interessanterweise sind aber auch die meisten anderen Männer hier alle schön und athletisch, wohin man auch schaut. Das ist alles sehr schön anzusehen, aber die Handlung des Films ist nach dem Abspann auch schon wieder vergessen. Gepackt hat mich das alles nicht und die verzweifelte Gefühlslage von Boaz konnte ich auch nicht so ganz nachvollziehen.
Was bleibt, sind die Bilder von sehr schönen Menschen, die ihren Platz im Leben suchen. Es könnte schlimmer sein. Nein, ganz ernsthaft, ich habe selten so viel Schönheit in einem Film gesehen. Die Handlung kann man dabei mal vernachlässigen. Empfehlenswert finde ich ihn schon, wenn man nicht zu viel erwartet.
Boaz (Yoav Reuveni) ist Mitte Zwanzig und Student an der Universität von Tel Aviv. Er wartet ungeduldig auf ein Schreiben der Universität von Jerusalem wegen eines Stipendiums. Aus diesem Grund geht er jeden Tag ins Postamt und schaut voller Erwartung in sein Postfach. Doch statt des gewünschten Schreibens erhält er plötzlich Liebesbriefe eines ihm unbekannten Verfassers. Ein scheinbar fremder Mann gesteht ihm seine Liebe, erst vorsichtig, dann langsam immer bestimmter. Boaz ist verwirrt. Wer ist dieser Fremde? Jemand aus seiner Umgebung vielleicht?
Vor seiner hübschen Freundin Noa (Moran Rosenblatt) hält Boaz die Briefe versteckt, sie findet sie aber trotzdem und liest sie heimlich. Die Beziehung zwischen Boaz und Noa ist liebevoll und glücklich. Ärger gibt es höchstens, wenn die nervige Mutter von Boaz mal wieder unangemeldet in der Tür steht, aber sonst läuft alles rund.
Boaz beginnt die Männer in seiner Umgebung genauer zu beobachten. Ist einer von ihnen der unbekannte Briefeschreiber? Er bemerkt, dass viele verschiedene Männer ihm begehrliche Blicke zuwerfen, die ihm bisher nicht aufgefallen sind. Und doch, da war doch dieses Erlebnis während seiner Militärzeit, das ihm plötzlich wieder in den Sinn kommt. Boaz ist zunehmend aufgewühlt und hinterfragt insgeheim seine sexuellen Vorlieben. Könnte es wirklich sein, dass er sich zu anderen Männern hingezogen fühlt? Noa spürt die Zerrissenheit ihres Liebsten und weiß, dass sie etwas unternehmen muss.
"Liebesbriefe eines Unbekannten" ist das Spielfilmdebüt von Yariv Mozer, der hier übrigens in der Rolle des Professors Richlin selbst mitspielt. Davor hat Mozer bevorzugt Dokumentationen gedreht, wie z. B. den sehr sehenswerten Film "The Invisible Men" aus dem Jahr 2012.
Yoav Reuveni ist eigentlich Model und hier in seiner ersten Rolle als Schauspieler zu sehen, wobei er nicht wirklich viel zu spielen hat. Er ist in erster Linie bildschön, das reicht hier aber auch aus. Man kann schon verstehen, dass sich sowohl Frauen als auch Männer nach ihm verzehren. Interessanterweise sind aber auch die meisten anderen Männer hier alle schön und athletisch, wohin man auch schaut. Das ist alles sehr schön anzusehen, aber die Handlung des Films ist nach dem Abspann auch schon wieder vergessen. Gepackt hat mich das alles nicht und die verzweifelte Gefühlslage von Boaz konnte ich auch nicht so ganz nachvollziehen.
Was bleibt, sind die Bilder von sehr schönen Menschen, die ihren Platz im Leben suchen. Es könnte schlimmer sein. Nein, ganz ernsthaft, ich habe selten so viel Schönheit in einem Film gesehen. Die Handlung kann man dabei mal vernachlässigen. Empfehlenswert finde ich ihn schon, wenn man nicht zu viel erwartet.
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