"Gold" ist ein Film von Thomas Arslan (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013.
Ich muss hier mal gleich zu Beginn ein bisschen meckern, nicht über den Film, aber über die vorwiegend schlechten Kritiken, die ich darüber gelesen habe. Scheinbar nimmt sich niemand mehr die Zeit, einen Film zu verfolgen, in dem nicht ständig etwas in die Luft fliegt oder große Monster auftauchen. Verdammt nochmal, können wir vielleicht mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren und einfach Geschichten folgen, die wirklich etwas zu erzählen haben, auch wenn es nicht andauernd kracht und scheppert?
"Gold" erzählt die Geschichte von sieben Menschen, die sich im Sommer 1898 in Kanada auf den Weg machen, die Goldfelder am Klondike zu erreichen. Jeder von ihnen hat die Illusion von einem besseren Leben und Reichtum vor sich, aber genauso ist allen Teilnehmern klar, dass sie ihr Ziel vermutlich nie erreichen werden. Soweit die Ausgangssituation.
Der zwielichtige Gruppenführer Wilhelm Laser (Peter Kurth) verspricht eine angenehme Reise, die in sechs Wochen zu bewerkstelligen wäre. Insgesamt 1500 Km gilt es dabei zu überwinden, doch noch ist die Gruppe der Reisenden voller Hoffnung. Maria und Otto Dietz (Rosa Enskat und Wolfgang Packhäuser) sind für die Verpflegung zuständig, Joseph Rossmann (Lars Rudolph) will seine Frau und seine vier Kinder in New York unterstützen, Gustav Müller (Uwe Bohm) ist ein Journalist, der die Reise als Protokoll festhalten will und Emily Meyer (Nina Hoss) ist geschieden und auf der Suche nach einer Zukunft. Um die Pferde kümmert sich der schweigsame Packer Carl Boehmer (Marko Mandic).
Es wird für alle eine beschwerliche Reise, zuerst bleibt der zerbrochene Küchenwagen auf der Strecke, dann verendete Pferde, die Gruppe wird langsam dezimiert. Laser entpuppt sich als Gauner und kann entkommen, aber Hoffnung gibt es weder für ihn, noch für den Rest der Gruppe. Verzweiflung und Mutlosigkeit machen sich breit. Und dann sind auch noch zwei Rächer hinter Carl Boehmer her.
Den weiteren Verlauf will ich hier gar nicht verraten, auch wenn noch einiges passiert. Die Musik erinnert doch sehr an "Dead Man", was hier aber auch gut passt. Der Film nimmt seine Protagonisten ernst, lässt sie nie im Stich und begleitet besonders Nina Hoss und Marko Mandic auf ihrem Weg, die hier beide völlig unaufgeregt spielen und ihren Rollen dadurch noch mehr Tiefe verleihen.
Man muss als Zuschauer schon etwas Geduld aufbringen, um diesen Film wirklich fassen zu können. Offensichtlich können das die wenigsten. Schade, denn dieser Film ist weitaus besser, als die meisten Kritiker meinen. Ich habe ihn jetzt schon mehrfach gesehen und finde ihn einfach sehr gelungen und vor allen Dingen fantastisch besetzt. Wer das nicht versteht, der kann sich gerne was anderes anschauen.
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Montag, 21. April 2014
Samstag, 14. Mai 2011
Dealer
"Dealer" ist ein Film von Thomas Arslan (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1999. Es ist der zweite Teil seiner Berlin-Trilogie, zu der noch die Filme "Geschwister" und "Der schöne Tag" gehören.
Can (Tamer Yigit) lebt zusammen mit seiner Freundin Jale (Idil Üner) und der gemeinsamen dreijährigen Tochter in Berlin. Er ist als Dealer auf den Straßen unterwegs und sein Boss Hakan verspricht ihm schon seit längerem, sich um seine Zukunft zu kümmern. Doch nichts passiert, Hakans Worten folgen keine Taten und auch Can kann sich zu keiner Veränderung in seinem Leben aufraffen. Jale hat jedenfalls die Nase voll von diesem Leben und sie verlässt Can, nachdem sie ihn wiederholt vor die Wahl gestellt hat.
Nachdem Hakan von Rivalen erschossen wurde, steigt Can endlich aus und versucht es mit einem normalen, wenn auch ungeliebten Job in einer Restaurantküche. Ein letztes Mal will er als Dealer arbeiten und die restlichen Drogen verticken, die er noch von Hakan hat, doch dabei wird er von der Polizei erwischt und landet im Gefängnis. Sein zögerliches Verhalten hat dafür gesorgt, dass er nun alles verloren hat und auch Jale erklärt ihm geradeheraus, keine vier Jahre auf ihn warten zu wollen.
Der Film ist mit ca. 75 Minuten Laufzeit relativ kurz gehalten, kann aber auf ganzer Linie überzeugen. Es gibt keinerlei Action-Szenen (warum auch?), kaum Dialoge, aber dafür lange und ruhige Einstellungen. Die Bilder sprechen für sich und sind überaus authentisch. Thomas Arslan weiß genau was er tut und er hat exakt den richtigen Blick für die wirklich wichtigen Dinge. Zudem hat er hier mal wieder ausgesprochen tolle Darsteller am Start, die ihre Rollen perfekt und glaubhaft verkörpern. Neben Tamer Yigit und Idil Üner möchte ich noch besonders Birol Ünel als Zivilpolizisten und Baki Davrak als Drogensüchtigen hervorheben. Wirklich eine großartige Besetzung und ein wunderbarer Film.
Insgesamt gesehen hat es Thomas Arslan geschafft, dass ich den Glauben an den deutschen Film noch nicht ganz verloren habe. Er kann seine Geschichten erzählen, ohne ständig eine unangenehme "Was bin ich doch wichtig"-Fahne schwenken zu müssen, wie so viele andere deutsche Regisseure es heutzutage tun oder glauben tun zu müssen, warum auch immer. Ich möchte sogar so weit gehen, ihn als einen modernen Fassbinder-Nachfolger zu bezeichnen, denn beiden Regisseuren ist der scharfe Blick auf die Situation ihrer Protagonisten und deren Umfeld gemein. Thomas Arslan schafft es ganz problemlos, kleine und unaufdringliche Geschichten zu erzählen, die einen trotzdem nicht mehr loslassen und faszinieren. Dafür muss man ihm unendlich dankbar sein. Bitte mehr davon.
Can (Tamer Yigit) lebt zusammen mit seiner Freundin Jale (Idil Üner) und der gemeinsamen dreijährigen Tochter in Berlin. Er ist als Dealer auf den Straßen unterwegs und sein Boss Hakan verspricht ihm schon seit längerem, sich um seine Zukunft zu kümmern. Doch nichts passiert, Hakans Worten folgen keine Taten und auch Can kann sich zu keiner Veränderung in seinem Leben aufraffen. Jale hat jedenfalls die Nase voll von diesem Leben und sie verlässt Can, nachdem sie ihn wiederholt vor die Wahl gestellt hat.
Nachdem Hakan von Rivalen erschossen wurde, steigt Can endlich aus und versucht es mit einem normalen, wenn auch ungeliebten Job in einer Restaurantküche. Ein letztes Mal will er als Dealer arbeiten und die restlichen Drogen verticken, die er noch von Hakan hat, doch dabei wird er von der Polizei erwischt und landet im Gefängnis. Sein zögerliches Verhalten hat dafür gesorgt, dass er nun alles verloren hat und auch Jale erklärt ihm geradeheraus, keine vier Jahre auf ihn warten zu wollen.
Der Film ist mit ca. 75 Minuten Laufzeit relativ kurz gehalten, kann aber auf ganzer Linie überzeugen. Es gibt keinerlei Action-Szenen (warum auch?), kaum Dialoge, aber dafür lange und ruhige Einstellungen. Die Bilder sprechen für sich und sind überaus authentisch. Thomas Arslan weiß genau was er tut und er hat exakt den richtigen Blick für die wirklich wichtigen Dinge. Zudem hat er hier mal wieder ausgesprochen tolle Darsteller am Start, die ihre Rollen perfekt und glaubhaft verkörpern. Neben Tamer Yigit und Idil Üner möchte ich noch besonders Birol Ünel als Zivilpolizisten und Baki Davrak als Drogensüchtigen hervorheben. Wirklich eine großartige Besetzung und ein wunderbarer Film.
Insgesamt gesehen hat es Thomas Arslan geschafft, dass ich den Glauben an den deutschen Film noch nicht ganz verloren habe. Er kann seine Geschichten erzählen, ohne ständig eine unangenehme "Was bin ich doch wichtig"-Fahne schwenken zu müssen, wie so viele andere deutsche Regisseure es heutzutage tun oder glauben tun zu müssen, warum auch immer. Ich möchte sogar so weit gehen, ihn als einen modernen Fassbinder-Nachfolger zu bezeichnen, denn beiden Regisseuren ist der scharfe Blick auf die Situation ihrer Protagonisten und deren Umfeld gemein. Thomas Arslan schafft es ganz problemlos, kleine und unaufdringliche Geschichten zu erzählen, die einen trotzdem nicht mehr loslassen und faszinieren. Dafür muss man ihm unendlich dankbar sein. Bitte mehr davon.
Sonntag, 8. Mai 2011
Geschwister
"Geschwister" ist ein Film von Thomas Arslan (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1997 und der erste Teil einer Berlin-Trilogie, zu der noch die Filme "Dealer" und "Der schöne Tag" gehören.
Der Film handelt von den drei Geschwistern Erol (Tamer Yigit), Ahmed (Savas Yurderi "Kool Savas") und Leyla (Serpil Turhan). Sie leben in Berlin-Kreuzberg und haben einen türkischen Vater und eine deutsche Mutter. Erol hat die Schule abgebrochen und eigentlich keine Ahnung, was er mit seinem Leben anstellen soll. Deshalb hat er sich entschlossen, in der Türkei seinen Militärdienst zu leisten, was innerhalb der Familie eher auf Unverständnis stößt. Ahmed und Leyla hingegen fühlen sich eher als Deutsche, was aber auch nicht weiter thematisiert wird. Sie sind einfach ganz normale Jugendliche, die die gleichen Probleme haben, wie alle anderen auch.
Der Film begleitet die Geschwister in ihrem alltäglichen Leben, zu Hause mit den Eltern, beim Treffen mit den Freunden, völlig unspektakulär, aber das im besten Sinne. Die Bilder die dabei entstanden sind, wirken sehr authentisch und nie gestellt. Bereits in diesem frühen Werk zeigt Thomas Arslan, was er in seinen späteren Filmen fortsetzt, nämlich nah an seinen Figuren zu bleiben und ihnen doch alle Freiheiten zu lassen. Die Geschichten sprechen für sich. Sehr gelungen und sehr empfehlenswert.
Die junge Serpil Turhan spielt übrigens auch die Hauptrolle in dem Film "Der schöne Tag", dem letzten Teil der Berlin-Trilogie, den ich ebenfalls nur sehr empfehlen kann.
Der Film handelt von den drei Geschwistern Erol (Tamer Yigit), Ahmed (Savas Yurderi "Kool Savas") und Leyla (Serpil Turhan). Sie leben in Berlin-Kreuzberg und haben einen türkischen Vater und eine deutsche Mutter. Erol hat die Schule abgebrochen und eigentlich keine Ahnung, was er mit seinem Leben anstellen soll. Deshalb hat er sich entschlossen, in der Türkei seinen Militärdienst zu leisten, was innerhalb der Familie eher auf Unverständnis stößt. Ahmed und Leyla hingegen fühlen sich eher als Deutsche, was aber auch nicht weiter thematisiert wird. Sie sind einfach ganz normale Jugendliche, die die gleichen Probleme haben, wie alle anderen auch.
Der Film begleitet die Geschwister in ihrem alltäglichen Leben, zu Hause mit den Eltern, beim Treffen mit den Freunden, völlig unspektakulär, aber das im besten Sinne. Die Bilder die dabei entstanden sind, wirken sehr authentisch und nie gestellt. Bereits in diesem frühen Werk zeigt Thomas Arslan, was er in seinen späteren Filmen fortsetzt, nämlich nah an seinen Figuren zu bleiben und ihnen doch alle Freiheiten zu lassen. Die Geschichten sprechen für sich. Sehr gelungen und sehr empfehlenswert.
Die junge Serpil Turhan spielt übrigens auch die Hauptrolle in dem Film "Der schöne Tag", dem letzten Teil der Berlin-Trilogie, den ich ebenfalls nur sehr empfehlen kann.
Freitag, 6. Mai 2011
Der schöne Tag
"Der schöne Tag" ist ein Film von Thomas Arslan (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2001. Es ist der letzte Teil seiner Berlin-Trilogie, nach "Geschwister" und "Dealer".
Wir erleben einen Tag im Leben der jungen Deniz (Serpil Turhan), die in Berlin geboren und aufgewachsen ist, deren Eltern aber aus der Türkei stammen. Deniz ist einundzwanzig Jahre alt und Schauspielerin, arbeitet aber auch als Synchronsprecherin und aktuell an Eric Rohmers "Sommer". Mit ihrer Beziehung zu ihrem Freund Jan (Florian Stetter) ist sie unzufrieden und deshalb trennt sie sich an diesem Tag von ihm.
Sie begegnet mehrfach dem jungen Portugiesen Diego (Bilge Bingul) und beide beobachten sich gegenseitig, bevor sie endlich miteinander ins Gespräch kommen. Fast scheint es, als könnte hier eine neue Liebe entstehen, aber Diegos Freundin kommt am nächsten Tag von einem einjährigen Auslandsaufenthalt zurück nach Berlin. Zwischen Deniz und Diego ist zwar eine starke Verbindung spürbar, aber es soll wohl nicht sein.
Deniz besucht ihre Mutter (Hafize Uner), die seit dem Tod ihres Ehemanns allein lebt, aber nicht wirklich glücklich ist, was sie allerdings zu seinen Lebzeiten eher auch nicht war. Die Unterhaltung zwischen Mutter und Tochter ist insofern interessant, weil Deniz deutsch spricht und ihre Mutter immer auf türkisch antwortet. Deniz macht in ihren Aussagen klar, dass sie ein Leben, wie es ihre Mutter geführt hat, nicht leben will. Der Begriff "Partnerschaft" sei ihr zu kalt. Später am Tag trifft sie sich noch mit ihrer Schwester Leyla (Selda Kaya), die nur auf der Durchreise ist und Deniz davon berichtet schwanger zu sein, aber das Kind wohl nicht bekommen zu wollen, weil sie zu sehr in ihren Beruf eingebunden ist. "Ich habe nicht studiert, um Hausfrau zu werden." Deniz rät ihr zwar, das Kind trotzdem zu bekommen, aber letztlich ist sie schon mit ihrem eigenen Gefühlsleben genug beschäftigt.
Am nächsten Morgen trifft Deniz im Cafe zufällig auf eine Dozentin (Elke Schmitter), mit der sie über das Leben und die Liebe philosophiert. Diese Szene wurde in vielen Rezensionen zu diesem Film stark kritisiert, ich kann daran aber nichts Negatives finden und enthalte mich da einer Äußerung. Insgesamt finde ich diesen Film überaus gelungen und sehr schön und gefühlvoll in Szene gesetzt. Selbst Berlin wirkt an diesem Sommertag warm und einladend, auch wenn ich die Stadt eigentlich nicht besonders mag.
Empfehlen kann ich den Film auf jeden Fall, aber nur den Zuschauern, die damit leben können, dass hier kaum etwas passiert. Obwohl das genau genommen nicht stimmt, denn es passiert eine ganze Menge im Leben dieser jungen Frau an diesem schönen Sommertag. Deniz ist ständig in Bewegung, sei es nun zu Fuß, mit der Straßenbahn oder mit der U-Bahn und ich hätte ihr noch stundenlang zuschauen können, einfach weil sie so bezaubernd ist. Ganz große Empfehlung deshalb von mir für diesen wunderbaren kleinen Film, der Thomas Arslan einfach hervorragend gelungen ist, schlicht und doch überwältigend.
Wir erleben einen Tag im Leben der jungen Deniz (Serpil Turhan), die in Berlin geboren und aufgewachsen ist, deren Eltern aber aus der Türkei stammen. Deniz ist einundzwanzig Jahre alt und Schauspielerin, arbeitet aber auch als Synchronsprecherin und aktuell an Eric Rohmers "Sommer". Mit ihrer Beziehung zu ihrem Freund Jan (Florian Stetter) ist sie unzufrieden und deshalb trennt sie sich an diesem Tag von ihm.
Sie begegnet mehrfach dem jungen Portugiesen Diego (Bilge Bingul) und beide beobachten sich gegenseitig, bevor sie endlich miteinander ins Gespräch kommen. Fast scheint es, als könnte hier eine neue Liebe entstehen, aber Diegos Freundin kommt am nächsten Tag von einem einjährigen Auslandsaufenthalt zurück nach Berlin. Zwischen Deniz und Diego ist zwar eine starke Verbindung spürbar, aber es soll wohl nicht sein.
Deniz besucht ihre Mutter (Hafize Uner), die seit dem Tod ihres Ehemanns allein lebt, aber nicht wirklich glücklich ist, was sie allerdings zu seinen Lebzeiten eher auch nicht war. Die Unterhaltung zwischen Mutter und Tochter ist insofern interessant, weil Deniz deutsch spricht und ihre Mutter immer auf türkisch antwortet. Deniz macht in ihren Aussagen klar, dass sie ein Leben, wie es ihre Mutter geführt hat, nicht leben will. Der Begriff "Partnerschaft" sei ihr zu kalt. Später am Tag trifft sie sich noch mit ihrer Schwester Leyla (Selda Kaya), die nur auf der Durchreise ist und Deniz davon berichtet schwanger zu sein, aber das Kind wohl nicht bekommen zu wollen, weil sie zu sehr in ihren Beruf eingebunden ist. "Ich habe nicht studiert, um Hausfrau zu werden." Deniz rät ihr zwar, das Kind trotzdem zu bekommen, aber letztlich ist sie schon mit ihrem eigenen Gefühlsleben genug beschäftigt.
Am nächsten Morgen trifft Deniz im Cafe zufällig auf eine Dozentin (Elke Schmitter), mit der sie über das Leben und die Liebe philosophiert. Diese Szene wurde in vielen Rezensionen zu diesem Film stark kritisiert, ich kann daran aber nichts Negatives finden und enthalte mich da einer Äußerung. Insgesamt finde ich diesen Film überaus gelungen und sehr schön und gefühlvoll in Szene gesetzt. Selbst Berlin wirkt an diesem Sommertag warm und einladend, auch wenn ich die Stadt eigentlich nicht besonders mag.
Empfehlen kann ich den Film auf jeden Fall, aber nur den Zuschauern, die damit leben können, dass hier kaum etwas passiert. Obwohl das genau genommen nicht stimmt, denn es passiert eine ganze Menge im Leben dieser jungen Frau an diesem schönen Sommertag. Deniz ist ständig in Bewegung, sei es nun zu Fuß, mit der Straßenbahn oder mit der U-Bahn und ich hätte ihr noch stundenlang zuschauen können, einfach weil sie so bezaubernd ist. Ganz große Empfehlung deshalb von mir für diesen wunderbaren kleinen Film, der Thomas Arslan einfach hervorragend gelungen ist, schlicht und doch überwältigend.
Dienstag, 3. Mai 2011
Im Schatten
"Im Schatten" ist ein Film von Thomas Arslan (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2010.
Der Film handelt von dem Gangster Trojan (Misel Maticevic), der nach fünf Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird. Er sucht seinen früheren Partner Richard Bauer (Peter Kurth) auf, den er nicht verraten hat und von dem er nun den Anteil an der Beute von damals einfordert. Doch Richard will ihn loswerden und hetzt zwei Killer auf Trojan. Trojan nimmt Kontakt zu der Pflichtverteidigerin Dora Hillmann (Karoline Eichhorn) auf, die er von früher kennt und die zwielichtigen Geschäften gegenüber nicht abgeneigt ist. Bald darauf plant Trojan mit seinem alten Kumpel Nico (Rainer Bock) einen Überfall auf einen Geldtransporter, den Deal hat Dora eingefädelt.
Ruhig und konzentriert wird der Überfall geplant und durchgezogen, alles läuft glatt. Trojan ist ein Meister seines Fachs, er zweifelt nicht, er handelt. Doch nach dem gelungenen Überfall gibt es Probleme, denn der korrupte Polizist Meyer (Uwe Bohm), dem nichts heilig ist, der auf eigene Rechnung arbeitet und dafür auch über Leichen geht, hat Dora und Trojan observiert und will nun ebenfalls einen Anteil an der Beute haben. Die Sache läuft aus dem Ruder und es gibt Tote.
Da habe ich mich doch gerade erst kürzlich darüber beschwert, dass mir Deutsche Produktionen meistens zu bedeutungsschwanger sind und habe mich über mangelnde schauspielerische Leistungen beklagt und dann landet plötzlich "Im Schatten" in meinem DVD-Player und die Welt sieht gleich wieder ganz anders aus. Es gibt sie also doch noch, die guten und anspruchsvollen Filme, die zudem noch über hervorragende Darsteller verfügen. Danke Thomas Arslan für dieses kleine und brillante Meisterwerk und für diese Besetzung. Was für eine Wohltat und was für ein Vergnügen, diesen Film sehen zu können.
Der Filmstil der "Berliner Schule", deren Vertreter Thomas Arslan ist, zeichnet sich durch Reduzierung der Handlung auf ein Minimum aus, wenn ich das mal so salopp formulieren darf. Der Film ist mit 85 Minuten Laufzeit knapp gehalten, es wird kaum gesprochen und es gibt auch nur eine sparsame Musikuntermalung. Die Figurenzeichnungen erscheinen zwar spärlich, aber man erfährt durch ihr Handeln genug über sie, wenn man zwischen den Zeilen liest, denn vieles wird hier nicht direkt, sondern indirekt vermittelt. Die kurze Liebesszene zwischen Dora und Trojan finde ich zwar eigentlich schon fast überflüssig, weil sie nichts zur Sache tut, aber das ist auch nur meine Meinung.
Der Film lebt in erster Linie von den großartigen Schauspielern, die diese Bezeichnung auch tatsächlich verdienen. Uwe Bohm ist wie üblich sensationell und in seiner Rolle auch herrlich fies. Er gehört für mich zu den absoluten Ausnahmetalenten in diesem Land. Misel Maticevic muss aber ebenso erwähnt und gewürdigt werden, er wird von Rolle zu Rolle besser und kann hier besonders deutlich zeigen, was in ihm steckt. Sein Blick auf die Welt um ihn herum spricht Bände, er ist ein Krimineller, der sich selbst nichts vormacht. Karoline Eichhorn, Peter Kurth und Hanns Zischler glänzen in den Nebenrollen, besser geht es kaum. Insgesamt muss die Besetzung einfach als grandios bezeichnet werden.
Der Film ist relativ ruhig gehalten, aber trotzdem spannend erzählt und nie langweilig. Es gibt viele Szenen, in denen kaum etwas passiert, die aber doch überzeugen können, einfach weil sie so hervorragend aufgebaut und ausgearbeitet sind, wie z. B. die vielen Autofahrten durch Berlin oder das trostlose Leben Trojans in den seelenlosen Hotelzimmern. Ich kann diesen fabelhaften Film jedenfalls nur sehr empfehlen, genau wie Thomas Arslans Film "Ferien", der mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. Ein großes Publikum wird er wohl leider nicht erreichen, was angesichts der Qualität seiner Werke sehr schade ist. Hoffentlich ändert sich das einmal, das wäre wirklich wünschenswert. Ich freue mich jedenfalls schon auf weitere Filme von Thomas Arslan.
Der Film handelt von dem Gangster Trojan (Misel Maticevic), der nach fünf Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird. Er sucht seinen früheren Partner Richard Bauer (Peter Kurth) auf, den er nicht verraten hat und von dem er nun den Anteil an der Beute von damals einfordert. Doch Richard will ihn loswerden und hetzt zwei Killer auf Trojan. Trojan nimmt Kontakt zu der Pflichtverteidigerin Dora Hillmann (Karoline Eichhorn) auf, die er von früher kennt und die zwielichtigen Geschäften gegenüber nicht abgeneigt ist. Bald darauf plant Trojan mit seinem alten Kumpel Nico (Rainer Bock) einen Überfall auf einen Geldtransporter, den Deal hat Dora eingefädelt.
Ruhig und konzentriert wird der Überfall geplant und durchgezogen, alles läuft glatt. Trojan ist ein Meister seines Fachs, er zweifelt nicht, er handelt. Doch nach dem gelungenen Überfall gibt es Probleme, denn der korrupte Polizist Meyer (Uwe Bohm), dem nichts heilig ist, der auf eigene Rechnung arbeitet und dafür auch über Leichen geht, hat Dora und Trojan observiert und will nun ebenfalls einen Anteil an der Beute haben. Die Sache läuft aus dem Ruder und es gibt Tote.
Da habe ich mich doch gerade erst kürzlich darüber beschwert, dass mir Deutsche Produktionen meistens zu bedeutungsschwanger sind und habe mich über mangelnde schauspielerische Leistungen beklagt und dann landet plötzlich "Im Schatten" in meinem DVD-Player und die Welt sieht gleich wieder ganz anders aus. Es gibt sie also doch noch, die guten und anspruchsvollen Filme, die zudem noch über hervorragende Darsteller verfügen. Danke Thomas Arslan für dieses kleine und brillante Meisterwerk und für diese Besetzung. Was für eine Wohltat und was für ein Vergnügen, diesen Film sehen zu können.
Der Filmstil der "Berliner Schule", deren Vertreter Thomas Arslan ist, zeichnet sich durch Reduzierung der Handlung auf ein Minimum aus, wenn ich das mal so salopp formulieren darf. Der Film ist mit 85 Minuten Laufzeit knapp gehalten, es wird kaum gesprochen und es gibt auch nur eine sparsame Musikuntermalung. Die Figurenzeichnungen erscheinen zwar spärlich, aber man erfährt durch ihr Handeln genug über sie, wenn man zwischen den Zeilen liest, denn vieles wird hier nicht direkt, sondern indirekt vermittelt. Die kurze Liebesszene zwischen Dora und Trojan finde ich zwar eigentlich schon fast überflüssig, weil sie nichts zur Sache tut, aber das ist auch nur meine Meinung.
Der Film lebt in erster Linie von den großartigen Schauspielern, die diese Bezeichnung auch tatsächlich verdienen. Uwe Bohm ist wie üblich sensationell und in seiner Rolle auch herrlich fies. Er gehört für mich zu den absoluten Ausnahmetalenten in diesem Land. Misel Maticevic muss aber ebenso erwähnt und gewürdigt werden, er wird von Rolle zu Rolle besser und kann hier besonders deutlich zeigen, was in ihm steckt. Sein Blick auf die Welt um ihn herum spricht Bände, er ist ein Krimineller, der sich selbst nichts vormacht. Karoline Eichhorn, Peter Kurth und Hanns Zischler glänzen in den Nebenrollen, besser geht es kaum. Insgesamt muss die Besetzung einfach als grandios bezeichnet werden.
Der Film ist relativ ruhig gehalten, aber trotzdem spannend erzählt und nie langweilig. Es gibt viele Szenen, in denen kaum etwas passiert, die aber doch überzeugen können, einfach weil sie so hervorragend aufgebaut und ausgearbeitet sind, wie z. B. die vielen Autofahrten durch Berlin oder das trostlose Leben Trojans in den seelenlosen Hotelzimmern. Ich kann diesen fabelhaften Film jedenfalls nur sehr empfehlen, genau wie Thomas Arslans Film "Ferien", der mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. Ein großes Publikum wird er wohl leider nicht erreichen, was angesichts der Qualität seiner Werke sehr schade ist. Hoffentlich ändert sich das einmal, das wäre wirklich wünschenswert. Ich freue mich jedenfalls schon auf weitere Filme von Thomas Arslan.
Freitag, 13. August 2010
Ferien
"Ferien" ist ein Film von Thomas Arslan, der hier gleichzeitig Regisseur, Drehbuchautor und Produzent war, und entstand im Jahr 2006.
Der Film spielt im Sommer in der Uckermark. Eine Familie trifft sich im Haus der Mutter, um dort gemeinsam die Sommerferien zu verbringen. Insgesamt vier Generationen treffen zusammen und trotz der wunderschönen Umgebung, die so viel Ruhe und Frieden verheißt, brechen selbstverständlich die unterschwelligen Konflikte hervor, auch wenn sie anfangs nur in wenigen Worten angedeutet werden. Es wird sowieso wenig gesprochen in diesem Film, das ist auch nicht nötig, die wunderbaren Schauspieler können auch ohne Worte überzeugend agieren. Das ist ein sehr stiller, manchmal fast zu stiller, melancholischer kleiner Film, der auch fast ohne Musikuntermalung auskommt. Man muss sich darauf einlassen können, dann funktioniert er perfekt, aber viele Zuschauer werden damit sicher so ihre Probleme haben, weil er nicht leicht zu mögen ist.
Die Kamera hat wunderbare Bilder eingefangen. Das einsam gelegene Haus, mit seinen offenen Türen und Fenstern, dem einladenden großen Garten und der flirrenden Hitze. Die Stille der Natur ist idyllisch, man hört das Vogelgezwitscher und das Rauschen des Windes. Könnte man sich einen schöneren Ort vorstellen? Und doch überwiegen hier die Probleme der einzelnen Familienmitglieder, auch wenn nie ein lautes Wort fällt. Man kennt sie in gewisser Weise alle, diese Missverständnisse und Lebenslügen, man mag keine einzelne Person deswegen verurteilen oder ablehnen, es ist nur zu menschlich. So gehen sie am Ende auch auseinander, so still wie sie gekommen sind. Ein paar Dinge haben sich verändert, aber das ist nur der Lauf der Dinge.
Mir hat der Film gut gefallen, auch wenn er etwas spröde erscheint. Besonders schön finde ich, dass Thomas Arslan bewusst darauf verzichtet hat, hier irgendwelche halbherzigen Lösungen zu präsentieren oder gar ein verlogenes Happy-End aufzutischen. Der erwachsene Zuschauer muss nicht zwangsläufig damit zugemüllt werden, sondern sollte durchaus in der Lage sein, sich seinen Teil zu denken und auch unangenehme Themen zu ertragen.
Von den durchweg sehr guten Darstellern möchte ich in erster Linie Angela Winkler, Karoline Eichhorn und Uwe Bohm erwähnen, die schon allein durch ihre ungeheure Präsenz diesen Film sehenswert machen.
Der Film spielt im Sommer in der Uckermark. Eine Familie trifft sich im Haus der Mutter, um dort gemeinsam die Sommerferien zu verbringen. Insgesamt vier Generationen treffen zusammen und trotz der wunderschönen Umgebung, die so viel Ruhe und Frieden verheißt, brechen selbstverständlich die unterschwelligen Konflikte hervor, auch wenn sie anfangs nur in wenigen Worten angedeutet werden. Es wird sowieso wenig gesprochen in diesem Film, das ist auch nicht nötig, die wunderbaren Schauspieler können auch ohne Worte überzeugend agieren. Das ist ein sehr stiller, manchmal fast zu stiller, melancholischer kleiner Film, der auch fast ohne Musikuntermalung auskommt. Man muss sich darauf einlassen können, dann funktioniert er perfekt, aber viele Zuschauer werden damit sicher so ihre Probleme haben, weil er nicht leicht zu mögen ist.
Die Kamera hat wunderbare Bilder eingefangen. Das einsam gelegene Haus, mit seinen offenen Türen und Fenstern, dem einladenden großen Garten und der flirrenden Hitze. Die Stille der Natur ist idyllisch, man hört das Vogelgezwitscher und das Rauschen des Windes. Könnte man sich einen schöneren Ort vorstellen? Und doch überwiegen hier die Probleme der einzelnen Familienmitglieder, auch wenn nie ein lautes Wort fällt. Man kennt sie in gewisser Weise alle, diese Missverständnisse und Lebenslügen, man mag keine einzelne Person deswegen verurteilen oder ablehnen, es ist nur zu menschlich. So gehen sie am Ende auch auseinander, so still wie sie gekommen sind. Ein paar Dinge haben sich verändert, aber das ist nur der Lauf der Dinge.
Mir hat der Film gut gefallen, auch wenn er etwas spröde erscheint. Besonders schön finde ich, dass Thomas Arslan bewusst darauf verzichtet hat, hier irgendwelche halbherzigen Lösungen zu präsentieren oder gar ein verlogenes Happy-End aufzutischen. Der erwachsene Zuschauer muss nicht zwangsläufig damit zugemüllt werden, sondern sollte durchaus in der Lage sein, sich seinen Teil zu denken und auch unangenehme Themen zu ertragen.
Von den durchweg sehr guten Darstellern möchte ich in erster Linie Angela Winkler, Karoline Eichhorn und Uwe Bohm erwähnen, die schon allein durch ihre ungeheure Präsenz diesen Film sehenswert machen.
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