"Madame Bovary" ist ein Film von Claude Chabrol (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1991 und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Gustave Flaubert aus dem Jahr 1856.
Emma (Isabelle Huppert) ist die Tochter eines begüterten Bauern und führt ein langweiliges Leben in der Provinz. Sie lernt den verwitweten Arzt Charles Bovary (Jean-Francois Balmer) kennen, der sich in sie verliebt und heiratet ihn in der Hoffnung auf ein besseres und interessanteres Leben. Diese Hoffnung erfüllt sich jedoch nicht. Charles bemerkt aber bald die Unzufriedenheit seiner Frau und beide ziehen in die nächst größere Stadt.
Emma träumt von einem anderen Leben, von prachtvollen Veranstaltungen, schönen Kleidern und Luxus. Der örtliche Stoffhändler Lheureux (Jean-Louis Maury) erkennt das und gibt ihr großzügig Kredit, den Emma nur zu gern in Anspruch nimmt und sich neu einkleidet. Für ihren Mann und ihre kleine Tochter interessiert sie sich kaum noch.
Der wohlhabende Rodolphe (Christophe Malavoy) ist auf der Suche nach einem Abenteuer und beginnt eine Affäre mit Emma, die von ihr als wahre Liebe interpretiert wird. Als sie zusammen mit Rodolphe ihrer Ehe entfliehen will, verschwindet dieser spurlos. Emma bricht angesichts dieser Tatsache zusammen und kommt nur mühsam wieder zur Besinnung. Charles will seiner Frau helfen und fährt mit ihr in die Oper, wo Emma den Anwalt Léon (Lucas Belvaux) wieder trifft, einen Verehrer von früher.
Zwischen Emma und Léon entwickelt sich ein Liebesverhältnis, das allerdings auch nicht von Dauer ist. Emmas Schulden, die sie bis dahin immer vor ihrem Mann verheimlichen konnte, wachsen ihr in der Zwischenzeit über den Kopf und plötzlich steht die gesamte Existenz der Familie auf dem Spiel. Von den falschen Männern hinters Licht geführt, versucht Emma verzweifelt Geld aufzutreiben, doch weder Rodolphe noch Léon können oder wollen ihr helfen. In ihrer Verzweiflung bleibt ihr nur das Arsen des Apothekers, um mit ihrem Leben abzuschließen, den finanziellen Ruin ihrer Familie kann sie damit aber nicht aufhalten.
Das ist ein starker Stoff, den Claude Chabrol hier wunderbar in Szene gesetzt hat. Seine Emma wirkt spröde, das hat man ihm oft angekreidet, aber Isabelle Huppert verkörpert diese Figur mit der ihr eigenen Ausdruckskraft und gewohnt genial. Man muss sie nicht mögen, aber man kann sie verstehen. In der von Männern dominierten Welt kann eine Emma Bovary nur verlieren, egal was sie tut. Chabrol zeigt sie deshalb gleichzeitig als verletzliche Seele und als starke Frau, ihr Scheitern inbegriffen.
Die Bilder und die Ausstattung sind sehr gelungen, doch vor allem fasziniert hier wieder einmal Isabelle Huppert, während die anderen Darsteller mehr oder weniger zu Statisten degradiert werden. Daran ist aber nichts auszusetzen.
Insgesamt gesehen eine schöne Literaturverfilmung, ein weiterer großartiger Film von Claude Chabrol und eine verdiente Liebeserklärung an Isabelle Huppert, eine der Königinnen des französischen Films. Sehr empfehlenswert.
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Donnerstag, 24. November 2011
Montag, 14. November 2011
Die untreue Frau
"Die untreue Frau" - "La femme infidèle" ist ein Film von Claude Chabrol (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1968.
Charles (Michel Bouquet) und Hélène (Stéphane Audran) sind seit elf Jahren verheiratet und leben mit ihrem neunjährigen Sohn in Versailles, weit außerhalb von Paris, in einem großen Haus mit Hausmädchen und allerlei Luxus. Die Ehe ist glücklich, das Familienleben harmonisch, der kleine Sohn ist lieb und klug. Charles fährt täglich nach Paris in sein Anwaltsbüro, während Hélène sich die Zeit vertreibt und auch gelegentliche Ausflüge nach Paris unternimmt.
Irgendwann wird Charles allerdings misstrauisch, als sich die Fahrten seiner schönen Frau in die Stadt häufen. Geht sie wirklich nur zum Friseur, zur Kosmetik und ins Kino? Er engagiert einen Privatdetektiv, der auch bald schon erste Ergebnisse zu bieten hat. Hélène hat ein Verhältnis mit dem Schriftsteller Victor (Maurice Ronet), den sie alle paar Tage in seiner Wohnung besucht.
Charles ist geschockt, aber er will diesen Mann kennenlernen und so fährt er zu dessen Wohnung. Es kommt zu einem etwas angespannten Gespräch zwischen den beiden Männern. Charles berichtet von der angeblich offenen Ehe, die er und seine Frau führen würden, aber Victor weiß nicht so recht, was er davon halten soll. Im Laufe des Gesprächs kommen immer mehr vertrauliche Details ans Licht und irgendwann kann Charles sich nicht mehr beherrschen. Nur einen Moment lang vergisst er sich und dann liegt Victor tot auf dem Boden.
Wieder bei Sinnen, beseitigt Charles alle Spuren und lässt die Leiche verschwinden. Zu Hause warten Frau und Kind auf ihn und alles ist wie immer. Am nächsten Tag wird Hélène von zwei Polizisten zum Verschwinden von Victor befragt und nach und nach muss sie feststellen, dass Charles mehr weiß, als er zugibt, doch weder Hélène noch Charles lassen sich in die Karten blicken. Der Vorfall schweißt das Paar wieder mehr zusammen, doch das Ende ist offen.
Kühl und distanziert erzählt Chabrol diese Geschichte und kommt seinen Figuren nie zu nah. Er verurteilt sie auch nicht, sondern zeigt sie ganz einfach so wie sie sind. Hélène ist gelangweilt, ihr fehlt die Abwechslung, das Leben in der Großstadt und der Sex. Sie liebt ihren Mann und ihr luxuriöses Leben, der Geliebte läuft nur nebenbei und ist eigentlich niemals eine Gefahr für ihre Ehe gewesen. Charles erkennt das aber erst, als es schon zu spät ist.
Michel Bouquet und die wunderschöne Stéphane Audran überzeugen auf ganzer Linie als gutsituiertes Ehepaar, welches nach Außen immer den Schein des Anstands wahrt, aber unter der Oberfläche gelegentlich brodelt. Der fabelhafte Maurice Ronet hat zwar nur einen recht kurzen Auftritt und ist auch leider schon sichtlich vom Alkohol gezeichnet, aber er ist trotzdem sehr sehenswert.
Insgesamt gesehen ein böser kleiner Film, in dem Claude Chabrol mal wieder Abgründe aufzeigt, wo man sie eigentlich nicht erwarten sollte oder auch wollte. Sehr empfehlenswert.
Charles (Michel Bouquet) und Hélène (Stéphane Audran) sind seit elf Jahren verheiratet und leben mit ihrem neunjährigen Sohn in Versailles, weit außerhalb von Paris, in einem großen Haus mit Hausmädchen und allerlei Luxus. Die Ehe ist glücklich, das Familienleben harmonisch, der kleine Sohn ist lieb und klug. Charles fährt täglich nach Paris in sein Anwaltsbüro, während Hélène sich die Zeit vertreibt und auch gelegentliche Ausflüge nach Paris unternimmt.
Irgendwann wird Charles allerdings misstrauisch, als sich die Fahrten seiner schönen Frau in die Stadt häufen. Geht sie wirklich nur zum Friseur, zur Kosmetik und ins Kino? Er engagiert einen Privatdetektiv, der auch bald schon erste Ergebnisse zu bieten hat. Hélène hat ein Verhältnis mit dem Schriftsteller Victor (Maurice Ronet), den sie alle paar Tage in seiner Wohnung besucht.
Charles ist geschockt, aber er will diesen Mann kennenlernen und so fährt er zu dessen Wohnung. Es kommt zu einem etwas angespannten Gespräch zwischen den beiden Männern. Charles berichtet von der angeblich offenen Ehe, die er und seine Frau führen würden, aber Victor weiß nicht so recht, was er davon halten soll. Im Laufe des Gesprächs kommen immer mehr vertrauliche Details ans Licht und irgendwann kann Charles sich nicht mehr beherrschen. Nur einen Moment lang vergisst er sich und dann liegt Victor tot auf dem Boden.
Wieder bei Sinnen, beseitigt Charles alle Spuren und lässt die Leiche verschwinden. Zu Hause warten Frau und Kind auf ihn und alles ist wie immer. Am nächsten Tag wird Hélène von zwei Polizisten zum Verschwinden von Victor befragt und nach und nach muss sie feststellen, dass Charles mehr weiß, als er zugibt, doch weder Hélène noch Charles lassen sich in die Karten blicken. Der Vorfall schweißt das Paar wieder mehr zusammen, doch das Ende ist offen.
Kühl und distanziert erzählt Chabrol diese Geschichte und kommt seinen Figuren nie zu nah. Er verurteilt sie auch nicht, sondern zeigt sie ganz einfach so wie sie sind. Hélène ist gelangweilt, ihr fehlt die Abwechslung, das Leben in der Großstadt und der Sex. Sie liebt ihren Mann und ihr luxuriöses Leben, der Geliebte läuft nur nebenbei und ist eigentlich niemals eine Gefahr für ihre Ehe gewesen. Charles erkennt das aber erst, als es schon zu spät ist.
Michel Bouquet und die wunderschöne Stéphane Audran überzeugen auf ganzer Linie als gutsituiertes Ehepaar, welches nach Außen immer den Schein des Anstands wahrt, aber unter der Oberfläche gelegentlich brodelt. Der fabelhafte Maurice Ronet hat zwar nur einen recht kurzen Auftritt und ist auch leider schon sichtlich vom Alkohol gezeichnet, aber er ist trotzdem sehr sehenswert.
Insgesamt gesehen ein böser kleiner Film, in dem Claude Chabrol mal wieder Abgründe aufzeigt, wo man sie eigentlich nicht erwarten sollte oder auch wollte. Sehr empfehlenswert.
Sonntag, 9. Oktober 2011
Süßes Gift
"Süßes Gift" - "Merci pour le chocolat" ist ein Film von Claude Chabrol aus dem Jahr 2000. Das Drehbuch schrieb Chabrol auch hier wieder gemeinsam mit Caroline Eliacheff und beruht auf dem Roman "The Chocolate Cobweb" von Charlotte Armstrong.
In Lausanne leitet Marie-Claire Muller (Isabelle Huppert), genannt Mika, die Schokoladenfabrik, die sie von ihrem Vater geerbt hat. Gerade hat sie zum zweiten Mal den erfolgreichen Pianisten André Polonski (Jacques Dutronc) geheiratet und lebt mit ihm und seinem Sohn Guillaume (Rodolphe Pauly) glücklich zusammen. Guillaumes Mutter Lisbeth ist Jahre zuvor bei einem tragischen Unfall gestorben, sie war am Steuer ihres Autos eingeschlafen.
Die junge Jeanne (Anna Mouglalis), die am gleichen Tag wie Guillaume geboren ist, erfährt durch Zufall, dass man sie damals im Krankenhaus kurz mit dem Kind von Polonski verwechselt hat. Auch wenn ihre Mutter diese Angelegenheit herunterspielt, will Jeanne doch wissen, ob sie nicht vielleicht doch Polonskis Tochter ist, immerhin will auch sie Pianistin werden. Also stattet sie André und Mika einen Besuch ab.
André findet Gefallen an der jungen Frau und will sie unterrichten, während Guillaume eifersüchtig reagiert, denn er kann mit der Liebe seines Vaters zur Musik nichts anfangen. Mika kümmert sich liebevoll um Jeanne und lädt sie für ein paar Tage ins Haus ein. Doch Jeanne findet schon bald heraus, dass sich hinter der heilen Fassade des Familienlebens einige Abgründe auftun. So ist z. B. immer Rohypnol im Haus, ohne das André nicht einschlafen kann. Doch das findet sich auch im berühmten Kakao, den Mika ihrer Familie jeden Abend serviert und auch bei Lisbeth wurde nach ihrem Tod Rohypnol im Körper gefunden.
Eines Abends jedoch ist das Medikament ausgegangen und Mika hat angeblich vergessen, es zu besorgen. Sie schickt Jeanne und Guillaume mit dem Auto los, um zur Apotheke im Ort zu fahren. Während der Fahrt wird Jeanne, die am Steuer sitzt, plötzlich schläfrig.
Das ist auch wieder so ein feiner kleiner Film von Claude Chabrol, der völlig unspektakulär daherkommt und einen doch in seinen Bann zieht. Es gibt kaum Hintergrundinformationen, die braucht es aber auch gar nicht. Erst spät dämmert es dem etwas weltfremden Pianisten, was in seiner Umgebung vor sich geht. Mika, die perfekte Frau an seiner Seite, möchte sich um alle Personen in ihrem Umfeld kümmern, sie umsorgen und unter Kontrolle haben. Es soll ihnen gut gehen, denn dann geht es ihr auch gut. Dass sie dabei Grenzen überschreitet, das ist ihr nicht bewusst. Sie kann nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden.
Der Film lebt von seinen starken Darstellern, besonders Jacques Dutronc ist perfekt besetzt als André. Ihn umgibt immer eine spezielle Aura, die hier besonders gut passt. Die Rolle der Mika konnte nur von Isabelle Huppert gespielt werden, nur sie hat dieses gewisse Etwas, das Unergründliche hinter ihrer Fassade, das man höchstens erahnen kann. Was diese Frau allein mit ihrem Gesicht ausdrücken kann, macht mich immer wieder sprachlos. Das ist ganz große Schauspielkunst und so etwas sieht man leider viel zu selten. Gebt dieser Frau jeden Preis, den es zu verleihen gibt, sie hat sie alle verdient.
Insgesamt gesehen ein großartiger Film, mit tollen Darstellern, exzellent ausgestattet und überaus sehenswert. Ganz große Empfehlung.
In Lausanne leitet Marie-Claire Muller (Isabelle Huppert), genannt Mika, die Schokoladenfabrik, die sie von ihrem Vater geerbt hat. Gerade hat sie zum zweiten Mal den erfolgreichen Pianisten André Polonski (Jacques Dutronc) geheiratet und lebt mit ihm und seinem Sohn Guillaume (Rodolphe Pauly) glücklich zusammen. Guillaumes Mutter Lisbeth ist Jahre zuvor bei einem tragischen Unfall gestorben, sie war am Steuer ihres Autos eingeschlafen.
Die junge Jeanne (Anna Mouglalis), die am gleichen Tag wie Guillaume geboren ist, erfährt durch Zufall, dass man sie damals im Krankenhaus kurz mit dem Kind von Polonski verwechselt hat. Auch wenn ihre Mutter diese Angelegenheit herunterspielt, will Jeanne doch wissen, ob sie nicht vielleicht doch Polonskis Tochter ist, immerhin will auch sie Pianistin werden. Also stattet sie André und Mika einen Besuch ab.
André findet Gefallen an der jungen Frau und will sie unterrichten, während Guillaume eifersüchtig reagiert, denn er kann mit der Liebe seines Vaters zur Musik nichts anfangen. Mika kümmert sich liebevoll um Jeanne und lädt sie für ein paar Tage ins Haus ein. Doch Jeanne findet schon bald heraus, dass sich hinter der heilen Fassade des Familienlebens einige Abgründe auftun. So ist z. B. immer Rohypnol im Haus, ohne das André nicht einschlafen kann. Doch das findet sich auch im berühmten Kakao, den Mika ihrer Familie jeden Abend serviert und auch bei Lisbeth wurde nach ihrem Tod Rohypnol im Körper gefunden.
Eines Abends jedoch ist das Medikament ausgegangen und Mika hat angeblich vergessen, es zu besorgen. Sie schickt Jeanne und Guillaume mit dem Auto los, um zur Apotheke im Ort zu fahren. Während der Fahrt wird Jeanne, die am Steuer sitzt, plötzlich schläfrig.
Das ist auch wieder so ein feiner kleiner Film von Claude Chabrol, der völlig unspektakulär daherkommt und einen doch in seinen Bann zieht. Es gibt kaum Hintergrundinformationen, die braucht es aber auch gar nicht. Erst spät dämmert es dem etwas weltfremden Pianisten, was in seiner Umgebung vor sich geht. Mika, die perfekte Frau an seiner Seite, möchte sich um alle Personen in ihrem Umfeld kümmern, sie umsorgen und unter Kontrolle haben. Es soll ihnen gut gehen, denn dann geht es ihr auch gut. Dass sie dabei Grenzen überschreitet, das ist ihr nicht bewusst. Sie kann nicht mehr zwischen Gut und Böse unterscheiden.
Der Film lebt von seinen starken Darstellern, besonders Jacques Dutronc ist perfekt besetzt als André. Ihn umgibt immer eine spezielle Aura, die hier besonders gut passt. Die Rolle der Mika konnte nur von Isabelle Huppert gespielt werden, nur sie hat dieses gewisse Etwas, das Unergründliche hinter ihrer Fassade, das man höchstens erahnen kann. Was diese Frau allein mit ihrem Gesicht ausdrücken kann, macht mich immer wieder sprachlos. Das ist ganz große Schauspielkunst und so etwas sieht man leider viel zu selten. Gebt dieser Frau jeden Preis, den es zu verleihen gibt, sie hat sie alle verdient.
Insgesamt gesehen ein großartiger Film, mit tollen Darstellern, exzellent ausgestattet und überaus sehenswert. Ganz große Empfehlung.
Biester
"Biester" - "La cérémonie" ist ein Film von Claude Chabrol aus dem Jahr 1995. Das Drehbuch schrieb Chabrol zusammen mit Caroline Eliacheff und basiert auf dem Roman "A Judgement in Stone" von Ruth Rendell.
Die stille Sophie (Sandrine Bonnaire) tritt eine neue Stelle als Dienstmädchen bei der Familie Lelievre an. Georges (Jean-Pierre Cassel), seine Frau Catherine (Jacqueline Bisset) und die beiden Kinder Melinda (Virginie Ledoyen) und Gilles (Valentin Merlet) leben in einem großen und herrschaftlichen Haus in der Bretagne. Sophie erweist sich als wahre Perle, sie kocht, hält das Haus in Ordnung und ist immer zur Stelle. Dass sie dabei kaum ein Wort verliert, stört die Herrschaften nicht.
Die in sich gekehrte junge Frau freundet sich langsam mit der neugierigen Postbotin Jeanne (Isabelle Huppert) an, die ständig nur über die Familie Lelievre schimpft. Die beiden Frauen verstehen sich gut und stellen bald fest, so einige Gemeinsamkeiten zu haben. So gibt es in beider Leben dunkle Punkte in der Vergangenheit, die ihre Freundschaft nur noch verstärken. Jeanne stachelt Sophie an, sich nicht alles von den Lelievres gefallen zu lassen.
Als die Familie mitbekommt, dass Sophie Jeanne mit ins Haus gebracht hat, gibt es Ärger, denn Georges verdächtigt die Postbotin, heimlich seine Post zu öffnen. Durch Zufall bemerkt Melinda eines Tages, dass Sophie Analphabetin ist, eine Tatsache, die sie bisher gut verstecken konnte. Aus Angst aufzufliegen, erpresst Sophie Melinda daraufhin mit dem Wissen von ihrer noch verborgenen Schwangerschaft. Als Georges davon erfährt, entlässt er Sophie, die sich nun eine andere Stelle suchen muss. Zusammen mit Jeanne kommt sie ein letztes Mal ins Haus, um ihre Sachen zu holen. Da eskaliert die Situation und die beiden Frauen laufen Amok.
Das ist ein wirklich bitterböser Film, der so ruhig und unaufgeregt anfängt, sich dann aber langsam immer mehr steigert, bis hin zum unglaublichen Finale, welches man dann erst einmal verdauen muss. Hier tun sich Abgründe auf, die einem den Atem rauben. Chabrol gelingt es wunderbar, eine subtile Spannung zu erzeugen und dabei hat er exzellente Schauspieler zur Verfügung. Vor allen Dingen Sandrine Bonnaire und Isabelle Huppert zeigen herausragende Leistungen, ihnen zuzuschauen ist ein Genuss.
Insgesamt gesehen ein eher böses Vergnügen, aber ein beeindruckender Film, den man nicht so schnell vergisst. Sehr empfehlenswert.
Die stille Sophie (Sandrine Bonnaire) tritt eine neue Stelle als Dienstmädchen bei der Familie Lelievre an. Georges (Jean-Pierre Cassel), seine Frau Catherine (Jacqueline Bisset) und die beiden Kinder Melinda (Virginie Ledoyen) und Gilles (Valentin Merlet) leben in einem großen und herrschaftlichen Haus in der Bretagne. Sophie erweist sich als wahre Perle, sie kocht, hält das Haus in Ordnung und ist immer zur Stelle. Dass sie dabei kaum ein Wort verliert, stört die Herrschaften nicht.
Die in sich gekehrte junge Frau freundet sich langsam mit der neugierigen Postbotin Jeanne (Isabelle Huppert) an, die ständig nur über die Familie Lelievre schimpft. Die beiden Frauen verstehen sich gut und stellen bald fest, so einige Gemeinsamkeiten zu haben. So gibt es in beider Leben dunkle Punkte in der Vergangenheit, die ihre Freundschaft nur noch verstärken. Jeanne stachelt Sophie an, sich nicht alles von den Lelievres gefallen zu lassen.
Als die Familie mitbekommt, dass Sophie Jeanne mit ins Haus gebracht hat, gibt es Ärger, denn Georges verdächtigt die Postbotin, heimlich seine Post zu öffnen. Durch Zufall bemerkt Melinda eines Tages, dass Sophie Analphabetin ist, eine Tatsache, die sie bisher gut verstecken konnte. Aus Angst aufzufliegen, erpresst Sophie Melinda daraufhin mit dem Wissen von ihrer noch verborgenen Schwangerschaft. Als Georges davon erfährt, entlässt er Sophie, die sich nun eine andere Stelle suchen muss. Zusammen mit Jeanne kommt sie ein letztes Mal ins Haus, um ihre Sachen zu holen. Da eskaliert die Situation und die beiden Frauen laufen Amok.
Das ist ein wirklich bitterböser Film, der so ruhig und unaufgeregt anfängt, sich dann aber langsam immer mehr steigert, bis hin zum unglaublichen Finale, welches man dann erst einmal verdauen muss. Hier tun sich Abgründe auf, die einem den Atem rauben. Chabrol gelingt es wunderbar, eine subtile Spannung zu erzeugen und dabei hat er exzellente Schauspieler zur Verfügung. Vor allen Dingen Sandrine Bonnaire und Isabelle Huppert zeigen herausragende Leistungen, ihnen zuzuschauen ist ein Genuss.
Insgesamt gesehen ein eher böses Vergnügen, aber ein beeindruckender Film, den man nicht so schnell vergisst. Sehr empfehlenswert.
Montag, 3. Oktober 2011
Die Enttäuschten
"Die Enttäuschten" - "Le Beau Serge" ist ein Film von Claude Chabrol aus dem Jahr 1958. In seinem selbst finanzierten Filmdebüt betätigte sich Chabrol hier gleichzeitig als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Hinter der Kamera standen Henri Decae und Jean Rabier.
Der Student Francois (Jean-Claude Brialy) kehrt nach vielen Jahren in sein Heimatdorf zurück, um sich von einer Lungenkrankheit zu erholen. Der gebildete junge Mann wirkt allerdings von Anfang an wie ein Fremdkörper im Ort und wird auch so behandelt. Sein ehemaliger Jugendfreund Serge (Gérard Blain) arbeitet als Kraftfahrer und ist dem Alkohol zugetan, seit seine Frau Yvonne (Michèle Méritz) ein behindertes Kind zur Welt gebracht hat, das aber gleich danach gestorben ist.
Nun ist Yvonne wieder schwanger und Serge befürchtet erneut das Schlimmste. Er betäubt sich mit Wein und einer Affäre mit seiner Schwägerin Marie (Bernadette Lafont), die sogleich auch Francois nicht nur schöne Augen macht, sondern sich ihm auch ziemlich aufdringlich an den Hals wirft.
Serge hat seine Träume von einem besseren Leben längst begraben, Wut und Verzweiflung sind seine ständigen Begleiter. Francois macht es sich zur Aufgabe, dem Freund von damals zu helfen, was aber nicht auf große Gegenliebe trifft. So sehr sich Francois auch bemüht, er eckt überall nur an, will aber an seinem Plan unbedingt festhalten.
Claude Chabrol hat diesen Film in dem Dorf Sardent in der Provinz gedreht, in dem er seine Jugend verbracht hat. Die Atmosphäre wurde wundervoll eingefangen, es ist Winter, alles ist kalt und unbarmherzig und die Stimmung ist bedrückend. Das fast hoffnungsvolle Ende des Films hat ihm selbst später nicht mehr so gut gefallen, auch wenn hier eigentlich alles offen bleibt.
Insgesamt gesehen ein wichtiger Film, der mit zu den ersten der Nouvelle Vague zählt, ein tolles Debüt von Claude Chabrol und sehr empfehlenswert. Natürlich wirkt das aus heutiger Sicht alles etwas sperrig und antiquiert, aber es ist trotzdem ein Meilenstein in der Geschichte des französischen Kinos und absolut sehenswert.
Der Student Francois (Jean-Claude Brialy) kehrt nach vielen Jahren in sein Heimatdorf zurück, um sich von einer Lungenkrankheit zu erholen. Der gebildete junge Mann wirkt allerdings von Anfang an wie ein Fremdkörper im Ort und wird auch so behandelt. Sein ehemaliger Jugendfreund Serge (Gérard Blain) arbeitet als Kraftfahrer und ist dem Alkohol zugetan, seit seine Frau Yvonne (Michèle Méritz) ein behindertes Kind zur Welt gebracht hat, das aber gleich danach gestorben ist.
Nun ist Yvonne wieder schwanger und Serge befürchtet erneut das Schlimmste. Er betäubt sich mit Wein und einer Affäre mit seiner Schwägerin Marie (Bernadette Lafont), die sogleich auch Francois nicht nur schöne Augen macht, sondern sich ihm auch ziemlich aufdringlich an den Hals wirft.
Serge hat seine Träume von einem besseren Leben längst begraben, Wut und Verzweiflung sind seine ständigen Begleiter. Francois macht es sich zur Aufgabe, dem Freund von damals zu helfen, was aber nicht auf große Gegenliebe trifft. So sehr sich Francois auch bemüht, er eckt überall nur an, will aber an seinem Plan unbedingt festhalten.
Claude Chabrol hat diesen Film in dem Dorf Sardent in der Provinz gedreht, in dem er seine Jugend verbracht hat. Die Atmosphäre wurde wundervoll eingefangen, es ist Winter, alles ist kalt und unbarmherzig und die Stimmung ist bedrückend. Das fast hoffnungsvolle Ende des Films hat ihm selbst später nicht mehr so gut gefallen, auch wenn hier eigentlich alles offen bleibt.
Insgesamt gesehen ein wichtiger Film, der mit zu den ersten der Nouvelle Vague zählt, ein tolles Debüt von Claude Chabrol und sehr empfehlenswert. Natürlich wirkt das aus heutiger Sicht alles etwas sperrig und antiquiert, aber es ist trotzdem ein Meilenstein in der Geschichte des französischen Kinos und absolut sehenswert.
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