"Edward II" ist ein Film von Derek Jarman aus dem Jahr 1991. Das Drehbuch stammt von Derek Jarman, Stephen McBride und Ken Butler und beruht auf dem gleichnamigen Theaterstück von Christopher Marlowe (1564 - 1593).
Erzählt wird die Geschichte des jungen und schwachen Königs Edward II. (Steven Waddington), der nach dem Tod seines Vaters Edward I. den Thron übernommen hat. Verheiratet ist er mit Isabella (Tilda Swinton) und mit ihr zusammen hat er einen kleinen Sohn, Edward III. Doch Edwards Liebe gilt nicht seiner schönen Frau, sondern seinem Jugendfreund Piers Gaveston (Andrew Tiernan), den Edwards Vater einst ins Exil nach Frankreich schickte und den Edward nun zurückholt.
Endlich will er seine Liebe zu Gaveston ausleben können, was nicht nur Isabella, sondern auch den gesamten Hofstaat verstört und gegen ihn aufbringt. Er überhäuft Gaveston mit Titeln und Reichtümern, was schließlich beide in große Gefahr bringt, denn keiner der Lords will sich das gefallen lassen und auch Isabella muss erkennen, dass sie hier etwas unternehmen muss.
Gaveston wird erneut verstoßen, kehrt wieder zurück, aber die Gefahr wächst ständig. Isabella sucht Unterstützung bei ihrem Schwager Kent (Jerome Flynn), der ihr aber nicht helfen kann und verbündet sich daraufhin mit Lord Mortimer (Nigel Terry). Schließlich wird Gaveston ermordet und Edward II. in den Kerker geworfen. Isabella und Mortimer triumphieren, aber nicht für lange, denn der junge Edward III. reißt die Macht an sich.
Wer auf Theaterstücke steht, der ist hier auf jeden Fall richtig. Aber Derek Jarman geht hier noch ein ganzes Stück weiter und macht aus diesem Stück einen ganz besonderen Film, der sich geschickt zwischen Film und Theater bewegt. In sparsamen, aber sehr effektvollen Kulissen erzählt er seine Geschichte, die gleichzeitig modern und altmodisch ist. Die Schauspieler tragen moderne Kleidung, da gibt es Cola-Dosen und Spielzeug, aber auch dunkle Verließe, die Angst einjagen können. Die Musik ist ebenfalls perfekt gewählt und auch Annie Lennox hat einen wunderbaren Auftritt.
Dieser Film um eine schwule Liebe, die von allen Seiten bekämpft wird, ist ein absoluter Augenschmaus, den man unbedingt gesehen haben sollte. Die Schauspieler sind göttlich, die Ausstattung ist ein Traum und der Mut, diesen Film gemacht zu haben, sollte wirklich belohnt werden. Derek Jarman hat hier ein wahres Meisterwerk geschaffen, dem man nur verfallen kann. Unbedingt ansehen.
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Samstag, 22. März 2014
Freitag, 2. März 2012
We need to talk about Kevin
"We need to talk about Kevin" ist ein Film von Lynne Ramsay aus dem Jahr 2011. Das Drehbuch schrieb Ramsay zusammen mit Rory Kinnear und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Lionel Shriver.
Eva (Tilda Swinton) lebt allein in einem kleinen Haus in einem Vorort von New York. Sie wird von den Nachbarn gemieden bzw. auch offen angefeindet und sowohl ihr Haus, als auch ihr Auto werden wiederholt mit roter Farbe beschmiert. Eva ist ein Nervenbündel, ihr Leben eine Katastrophe und ihr einziger Freund ist der Rotwein. Was ist passiert? In Rückblenden wird Evas bisheriges Leben erzählt, das mit ihrer ersten Schwangerschaft eine fatale Wendung nahm, die niemand voraussehen konnte.
Früher war Eva eine erfolgreiche Reiseschriftstellerin, sie kam in der Welt herum, bevor sie sich dazu entschloss, zusammen mit ihrem Mann Franklin (John C. Reilly) eine Familie zu gründen. Sie wurde schwanger und gab ihre Karriere auf, um sich ganz um ihren kleinen Sohn Kevin kümmern zu können. Doch genau das war der Anfang vom Ende, denn Kevin wurde anscheinend dazu geboren, seiner Mutter das Leben zur Hölle zu machen. Sein ständiges Geschrei machte sie so mürbe, dass sie auf der Straße erleichtert neben einem laufenden Presslufthammer stehenblieb, um eben dieses Geschrei nicht mehr hören zu müssen.
Kevin war ein äußerst intelligentes kleines Kind, er unterschied schnell zwischen Mutter und Vater. Bei Franklin war er ruhig und brav, während er Eva von Anfang an quälte. Franklin verstand nie, welche Schwierigkeiten Eva mit Kevin hatte. Selbst die Ärzte hatten kein Verständnis für Eva und hielten Kevin für vollkommen gesund, obwohl dieser erst spät zu sprechen begann und viel zu lange Windeln trug. Was immer Kevin auch tat, Franklin verteidigte ihn. "He is just a sweet little Boy". Das klang wie Hohn in Evas Ohren, die ihren Sohn mit ganz anderen Augen sah.
Eva wurde erneut schwanger und die kleine Celia kam zur Welt. Doch das Familienleben, inzwischen in einem großen Haus außerhalb der Stadt, wurde nicht einfacher, da Kevin mit zunehmendem Alter immer bösartiger wurde. Seinen Vater konnte er weiterhin täuschen, seine kleine Schwester liebte ihn, nur Eva sah Kevins wahres Gesicht, obwohl auch sie nicht ahnen konnte, was wirklich in ihm vorging. Kurz vor seinem sechzehnten Geburtstag kam es dann zu der Katastrophe, die alles ändern sollte. Es gab ein Massaker, das niemand je vergessen würde.
Dieser Film macht einen sprachlos, soviel kann ich schon mal sagen. Die Figur der Eva quält sich mit der Frage, ob sie ihren Sohn vielleicht einfach nicht genug geliebt hat. Wie konnte er nur so abgrundtief böse werden? Hat sie einen Fehler gemacht oder wurde Kevin schon so geboren? Auf diese Fragen gibt es natürlich keine Antworten. Der Hilflosigkeit der Mutter stand hier die Blauäugigkeit des Vaters gegenüber. Beides zusammen ergab den perfekten Nährboden, um ein Monster wie Kevin entstehen zu lassen.
Eine Empfehlung für diesen Film zu geben ist schwierig, denn Spaß macht das alles verständlicherweise nicht, aber die guten Darsteller sind schon sehenswert. Tilda Swinton ist wie üblich hervorragend, während John C. Reilly hier etwas fremd wirkt und nicht wirklich in seine Rolle passt. Die Kevin-Darsteller Jasper Newell und Ezra Miller sind allerdings perfekt ausgewählt und wirklich zum Fürchten. Wer nach diesem Film noch Kinder bekommen will, der muss wirklich starke Nerven haben.
Eva (Tilda Swinton) lebt allein in einem kleinen Haus in einem Vorort von New York. Sie wird von den Nachbarn gemieden bzw. auch offen angefeindet und sowohl ihr Haus, als auch ihr Auto werden wiederholt mit roter Farbe beschmiert. Eva ist ein Nervenbündel, ihr Leben eine Katastrophe und ihr einziger Freund ist der Rotwein. Was ist passiert? In Rückblenden wird Evas bisheriges Leben erzählt, das mit ihrer ersten Schwangerschaft eine fatale Wendung nahm, die niemand voraussehen konnte.
Früher war Eva eine erfolgreiche Reiseschriftstellerin, sie kam in der Welt herum, bevor sie sich dazu entschloss, zusammen mit ihrem Mann Franklin (John C. Reilly) eine Familie zu gründen. Sie wurde schwanger und gab ihre Karriere auf, um sich ganz um ihren kleinen Sohn Kevin kümmern zu können. Doch genau das war der Anfang vom Ende, denn Kevin wurde anscheinend dazu geboren, seiner Mutter das Leben zur Hölle zu machen. Sein ständiges Geschrei machte sie so mürbe, dass sie auf der Straße erleichtert neben einem laufenden Presslufthammer stehenblieb, um eben dieses Geschrei nicht mehr hören zu müssen.
Kevin war ein äußerst intelligentes kleines Kind, er unterschied schnell zwischen Mutter und Vater. Bei Franklin war er ruhig und brav, während er Eva von Anfang an quälte. Franklin verstand nie, welche Schwierigkeiten Eva mit Kevin hatte. Selbst die Ärzte hatten kein Verständnis für Eva und hielten Kevin für vollkommen gesund, obwohl dieser erst spät zu sprechen begann und viel zu lange Windeln trug. Was immer Kevin auch tat, Franklin verteidigte ihn. "He is just a sweet little Boy". Das klang wie Hohn in Evas Ohren, die ihren Sohn mit ganz anderen Augen sah.
Eva wurde erneut schwanger und die kleine Celia kam zur Welt. Doch das Familienleben, inzwischen in einem großen Haus außerhalb der Stadt, wurde nicht einfacher, da Kevin mit zunehmendem Alter immer bösartiger wurde. Seinen Vater konnte er weiterhin täuschen, seine kleine Schwester liebte ihn, nur Eva sah Kevins wahres Gesicht, obwohl auch sie nicht ahnen konnte, was wirklich in ihm vorging. Kurz vor seinem sechzehnten Geburtstag kam es dann zu der Katastrophe, die alles ändern sollte. Es gab ein Massaker, das niemand je vergessen würde.
Dieser Film macht einen sprachlos, soviel kann ich schon mal sagen. Die Figur der Eva quält sich mit der Frage, ob sie ihren Sohn vielleicht einfach nicht genug geliebt hat. Wie konnte er nur so abgrundtief böse werden? Hat sie einen Fehler gemacht oder wurde Kevin schon so geboren? Auf diese Fragen gibt es natürlich keine Antworten. Der Hilflosigkeit der Mutter stand hier die Blauäugigkeit des Vaters gegenüber. Beides zusammen ergab den perfekten Nährboden, um ein Monster wie Kevin entstehen zu lassen.
Eine Empfehlung für diesen Film zu geben ist schwierig, denn Spaß macht das alles verständlicherweise nicht, aber die guten Darsteller sind schon sehenswert. Tilda Swinton ist wie üblich hervorragend, während John C. Reilly hier etwas fremd wirkt und nicht wirklich in seine Rolle passt. Die Kevin-Darsteller Jasper Newell und Ezra Miller sind allerdings perfekt ausgewählt und wirklich zum Fürchten. Wer nach diesem Film noch Kinder bekommen will, der muss wirklich starke Nerven haben.
Samstag, 26. Februar 2011
I am Love
"I am Love" - "Io sono l'amore" ist ein Film von Luca Guadagnino (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2009.
Der Film handelt von der Mailänder Familie Recchi, die eine erfolgreiche Textilfirma betreibt und in großem Luxus lebt. Sie leben in einer herrschaftlichen Villa, mit vielen Bediensteten und strengen Regeln. Die Hauptfigur des Films ist Emma (Tilda Swinton), die Ehefrau von Tancredi, der die Geschäfte seines Vaters weiterführen soll, als sich dieser zur Ruhe setzt. Emma ist gebürtige Russin und wurde von Tancredi, einem Kunstsammler, einst aus Russland nach Mailand gebracht und bekam von ihm ihren neuen Namen "Emma". Ihren ursprünglichen Namen hat sie inzwischen vergessen, wie sie später ihrem Liebhaber Antonio anvertrauen wird.
Damit wären wir auch schon am Punkt der Geschichte. Emma ist festgefahren in einer lieblos gewordenen Ehe, sie hat drei erwachsene Kinder und die alltägliche Routine von höflichen Besuchen und der Ausstattung von Feierlichkeiten jeder Art. Ihr Mann rechnet nur nach, was die Feste gekostet haben. Durch ihren Sohn Edoardo lernt Emma den ambitionierten Koch Antonio kennen und lieben. Zuerst lassen seine Speisen sie in Verzückung geraten und später tut Antonio das selbst. Sie beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit Antonio.
Durch Zufall erfährt Emma, dass ihre Tochter eine andere Frau liebt und damit beginnt ein Prozess der Veränderungen innerhalb der Familie, der sich nicht mehr aufhalten lässt, auch wenn längst noch nicht alle das bemerkt haben. Emma lässt sich von Antonio die Haare abschneiden, was man hier locker als Metapher auf alte Zöpfe deuten kann. Schließlich kommt es bei einem großen Familienessen zu einem Unglück, das alles in Frage stellt. Emma muss sich jetzt ihrem neuen Leben stellen.
"I am Love" ist ein spröder Film und macht es wahrscheinlich eher unaufgeschlossenen Zuschauern leicht, ihn nicht zu mögen. Wenn man sich allerdings darauf einlässt - und geht es beim Film nicht immer auch darum? - dann kann man eine kleine Perle entdecken, die sich nur nach und nach richtig zeigt. Der Regisseur Luca Guadagnino, der mit Tilda Swinton befreundet ist, hatte zusammen mit ihr schon einige Jahre ein Projekt dieser Art geplant, bis sie es dann endlich umgesetzt haben.
Zugegeben, der Anfang ist sehr schwerfällig, aber dann entwickelt sich eine Geschichte, die sehr sinnlich ist. Es gibt tolle Bilder zu sehen von wunderbarem Essen und in der großartigen Natur. Und man sieht Emma, die bisher eingesperrt war in ihrem Leben wie in einem goldenen Käfig und nun ihre Freiheit genießt. Überhaupt ist die wundervolle Tilda Swinton der beste Grund, sich diesen Film anzuschauen, wer kann sich ihrer Ausstrahlung schon entziehen, diese Frau ist einfach umwerfend.
Empfehlenswert sind noch die Interviews mit Tilda Swinton und Luca Guadagnino, die sich in den Extras auf der DVD befinden. Insgesamt gesehen ein Film für Liebhaber außergewöhnlicher Filme. Mit zwei Stunden Laufzeit ist er meiner Meinung nach ein bisschen zu lang geraten, aber trotzdem sehenswert.
Der Film handelt von der Mailänder Familie Recchi, die eine erfolgreiche Textilfirma betreibt und in großem Luxus lebt. Sie leben in einer herrschaftlichen Villa, mit vielen Bediensteten und strengen Regeln. Die Hauptfigur des Films ist Emma (Tilda Swinton), die Ehefrau von Tancredi, der die Geschäfte seines Vaters weiterführen soll, als sich dieser zur Ruhe setzt. Emma ist gebürtige Russin und wurde von Tancredi, einem Kunstsammler, einst aus Russland nach Mailand gebracht und bekam von ihm ihren neuen Namen "Emma". Ihren ursprünglichen Namen hat sie inzwischen vergessen, wie sie später ihrem Liebhaber Antonio anvertrauen wird.
Damit wären wir auch schon am Punkt der Geschichte. Emma ist festgefahren in einer lieblos gewordenen Ehe, sie hat drei erwachsene Kinder und die alltägliche Routine von höflichen Besuchen und der Ausstattung von Feierlichkeiten jeder Art. Ihr Mann rechnet nur nach, was die Feste gekostet haben. Durch ihren Sohn Edoardo lernt Emma den ambitionierten Koch Antonio kennen und lieben. Zuerst lassen seine Speisen sie in Verzückung geraten und später tut Antonio das selbst. Sie beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit Antonio.
Durch Zufall erfährt Emma, dass ihre Tochter eine andere Frau liebt und damit beginnt ein Prozess der Veränderungen innerhalb der Familie, der sich nicht mehr aufhalten lässt, auch wenn längst noch nicht alle das bemerkt haben. Emma lässt sich von Antonio die Haare abschneiden, was man hier locker als Metapher auf alte Zöpfe deuten kann. Schließlich kommt es bei einem großen Familienessen zu einem Unglück, das alles in Frage stellt. Emma muss sich jetzt ihrem neuen Leben stellen.
"I am Love" ist ein spröder Film und macht es wahrscheinlich eher unaufgeschlossenen Zuschauern leicht, ihn nicht zu mögen. Wenn man sich allerdings darauf einlässt - und geht es beim Film nicht immer auch darum? - dann kann man eine kleine Perle entdecken, die sich nur nach und nach richtig zeigt. Der Regisseur Luca Guadagnino, der mit Tilda Swinton befreundet ist, hatte zusammen mit ihr schon einige Jahre ein Projekt dieser Art geplant, bis sie es dann endlich umgesetzt haben.
Zugegeben, der Anfang ist sehr schwerfällig, aber dann entwickelt sich eine Geschichte, die sehr sinnlich ist. Es gibt tolle Bilder zu sehen von wunderbarem Essen und in der großartigen Natur. Und man sieht Emma, die bisher eingesperrt war in ihrem Leben wie in einem goldenen Käfig und nun ihre Freiheit genießt. Überhaupt ist die wundervolle Tilda Swinton der beste Grund, sich diesen Film anzuschauen, wer kann sich ihrer Ausstrahlung schon entziehen, diese Frau ist einfach umwerfend.
Empfehlenswert sind noch die Interviews mit Tilda Swinton und Luca Guadagnino, die sich in den Extras auf der DVD befinden. Insgesamt gesehen ein Film für Liebhaber außergewöhnlicher Filme. Mit zwei Stunden Laufzeit ist er meiner Meinung nach ein bisschen zu lang geraten, aber trotzdem sehenswert.
Dienstag, 2. November 2010
The Limits of Control
"The Limits of Control" ist ein Film von Jim Jarmusch (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2009. Kameramann war hier Christopher Doyle.
Kurz zur Handlung: Ein schweigsamer Mann hat offensichtlich einen Auftrag bekommen. Welchen, das tut hier zunächst nichts zur Sache. Der Mann, groß, schlank, sehr gut gekleidet, reist nach Spanien. In Madrid bezieht er ein Apartment und macht erst mal nichts weiter. Er beginnt jeden Tag mit Tai Chi, läuft durch die Stadt und geht ins Museum. Dann setzt er sich in ein Straßencafe und bestellt sich zwei Espresso, in zwei getrennten Tassen, keinen doppelten Espresso, da besteht er drauf. So geht es Tag für Tag. Gelegentlich setzen sich scheinbare Kontaktpersonen kurz zu ihm, reden über Kunst, Musik, Film oder Moleküle, unser Mann selbst spricht kaum ein Wort, und es werden kleine Streichholzschachteln ausgetauscht, in denen sich Zettel mit verschlüsselten Botschaften befinden. Die Gespräche beginnen immer mit den Worten "Sie sprechen kein Spanisch, oder?".
Unser geheimnisvoller Mann reist per Zug weiter durch Spanien, die Begebenheiten wiederholen sich, bis er schließlich sein eigentliches Ziel erreicht hat. Ein abgelegenes Anwesen in den Bergen, streng abgeschirmt und scharf bewacht. Dort wohnt ein reicher Amerikaner, der wohl die Zielperson unseres Profis sein soll. Der Auftrag wird erledigt, unser Mann verschwindet wieder.
So, das war jetzt verwirrend, aber genau das soll es auch sein. Tatsächlich passiert noch viel mehr, aber eigentlich auch nichts. Wenn man sich diesen Film anschaut, dann sollte man das vorher wissen. Es gibt für nichts eine Erklärung, es macht alles keinen Sinn, aber es ist extrem faszinierend. Auf diesen Film muss man sich einlassen können und zwar zu hundert Prozent, dann funktioniert er perfekt. Man sollte einfach die Bilder auf sich wirken lassen und die sind phänomenal. Fragen nach dem "Warum, Wieso, Weshalb" darf man sich hier nicht stellen, sie werden ohnehin nicht beantwortet.
Ich muss zugeben, dass mich der Film schlicht und einfach begeistert hat, aber ich habe vorher auch schon einiges darüber gelesen und wusste schon in etwa, was auf mich zukommt. Das ist ein rein visueller Film, die Bilder die Christopher Doyle eingefangen hat sind wahnsinnig schön. Man reist durch Spanien und sieht die Städte, die Landschaften, die Häuser und das ist einfach ein Genuss und sehr stimmungsvoll. Gesprochen wird fast nichts und es tauchen auch nur wenige Personen auf.
Die Schauspieler sind selbst in den kleinsten Rollen absolut großartig und runden das Bild ab. Sei es nun Isaach De Bankolé, Tilda Swinton, John Hurt, Gael Garcia Bernal oder die ganzen anderen, es passt einfach alles. Der Soundtrack ist ebenfalls sehr stimmig, erinnert manchmal ein wenig an "Dead Man", ist aber auch sehr eigenständig.
Insgesamt gesehen ein ganz und gar bedeutungsloser Film, der voller Schönheit steckt. Klingt bescheuert, ist aber ganz große Klasse. Absolut empfehlenswert, aber nur für Filmliebhaber, die sich auch mal auf etwas Außergewöhnliches einlassen können und wollen.
Kurz zur Handlung: Ein schweigsamer Mann hat offensichtlich einen Auftrag bekommen. Welchen, das tut hier zunächst nichts zur Sache. Der Mann, groß, schlank, sehr gut gekleidet, reist nach Spanien. In Madrid bezieht er ein Apartment und macht erst mal nichts weiter. Er beginnt jeden Tag mit Tai Chi, läuft durch die Stadt und geht ins Museum. Dann setzt er sich in ein Straßencafe und bestellt sich zwei Espresso, in zwei getrennten Tassen, keinen doppelten Espresso, da besteht er drauf. So geht es Tag für Tag. Gelegentlich setzen sich scheinbare Kontaktpersonen kurz zu ihm, reden über Kunst, Musik, Film oder Moleküle, unser Mann selbst spricht kaum ein Wort, und es werden kleine Streichholzschachteln ausgetauscht, in denen sich Zettel mit verschlüsselten Botschaften befinden. Die Gespräche beginnen immer mit den Worten "Sie sprechen kein Spanisch, oder?".
Unser geheimnisvoller Mann reist per Zug weiter durch Spanien, die Begebenheiten wiederholen sich, bis er schließlich sein eigentliches Ziel erreicht hat. Ein abgelegenes Anwesen in den Bergen, streng abgeschirmt und scharf bewacht. Dort wohnt ein reicher Amerikaner, der wohl die Zielperson unseres Profis sein soll. Der Auftrag wird erledigt, unser Mann verschwindet wieder.
So, das war jetzt verwirrend, aber genau das soll es auch sein. Tatsächlich passiert noch viel mehr, aber eigentlich auch nichts. Wenn man sich diesen Film anschaut, dann sollte man das vorher wissen. Es gibt für nichts eine Erklärung, es macht alles keinen Sinn, aber es ist extrem faszinierend. Auf diesen Film muss man sich einlassen können und zwar zu hundert Prozent, dann funktioniert er perfekt. Man sollte einfach die Bilder auf sich wirken lassen und die sind phänomenal. Fragen nach dem "Warum, Wieso, Weshalb" darf man sich hier nicht stellen, sie werden ohnehin nicht beantwortet.
Ich muss zugeben, dass mich der Film schlicht und einfach begeistert hat, aber ich habe vorher auch schon einiges darüber gelesen und wusste schon in etwa, was auf mich zukommt. Das ist ein rein visueller Film, die Bilder die Christopher Doyle eingefangen hat sind wahnsinnig schön. Man reist durch Spanien und sieht die Städte, die Landschaften, die Häuser und das ist einfach ein Genuss und sehr stimmungsvoll. Gesprochen wird fast nichts und es tauchen auch nur wenige Personen auf.
Die Schauspieler sind selbst in den kleinsten Rollen absolut großartig und runden das Bild ab. Sei es nun Isaach De Bankolé, Tilda Swinton, John Hurt, Gael Garcia Bernal oder die ganzen anderen, es passt einfach alles. Der Soundtrack ist ebenfalls sehr stimmig, erinnert manchmal ein wenig an "Dead Man", ist aber auch sehr eigenständig.
Insgesamt gesehen ein ganz und gar bedeutungsloser Film, der voller Schönheit steckt. Klingt bescheuert, ist aber ganz große Klasse. Absolut empfehlenswert, aber nur für Filmliebhaber, die sich auch mal auf etwas Außergewöhnliches einlassen können und wollen.
Samstag, 30. Oktober 2010
Young Adam
"Young Adam" ist ein Film von David Mackenzie (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2003 und basiert auf dem Roman von Alexander Trocchi. Die sehr stimmungsvolle Filmmusik stammt von David Byrne.
Joe (Ewan McGregor) ist ein erfolgloser Schriftsteller, er treibt sich herum und heuert schließlich auf dem Lastkahn von Ella (Tilda Swinton) und Les (Peter Mullan) an. Der Kahn ist im Schottland der fünfziger Jahre in den Kanälen zwischen Edinburgh und Glasgow unterwegs. Eines Tages entdecken Joe und Les die Leiche einer jungen Frau (Emily Mortimer) im Wasser. In Rückblenden wird klar, dass Joe und die tote Cathy eine Affäre hatten.
Einige Wochen nach ihrer Trennung trafen sich Joe und Cathy zufällig wieder und Cathy gab zu, von Joe schwanger zu sein. Sie wollte ihn heiraten und eine Familie gründen, aber Joe wollte davon nichts wissen. Nachdem sie erneut Sex miteinander hatten, ging Joe weg, wobei er Cathy unbeabsichtigt ins Wasser stieß und die junge Frau ertrank. Unfähig etwas zu ihrer Rettung zu tun, warf Joe Cathys Sachen einfach weg.
Auf dem Lastkahn beginnt Joe eine Affäre mit Ella, die ihrem Mann Les nicht lange verborgen bleibt. Da der Kahn Ella gehört, packt Les seine Sachen und geht fort. Ella und Joe leben eine Zeit zusammen auf dem Boot, aber als Joe Ella mit deren Schwester betrügt, verschwindet er.
Der Mord an der jungen Frau beschäftigt die Öffentlichkeit weiter und bald schon ist ein Schuldiger gefunden, ein Klempner, der in Cathy verliebt war. Dieser beteuert zwar seine Unschuld, aber es nützt ihm nichts. In dem Prozess gegen ihn, der auch von Joe verfolgt wird, wird er schuldig gesprochen.
In diesem Film gibt es scheinbar nur Verlierer, es gibt keine glücklichen Momente. Alles ist in kühlen Blautönen eingefangen und es wird auch nur wenig gesprochen. Die Darsteller sind hervorragend, angefangen bei Ewan McGregor, der in seiner Rolle aufgeht, obwohl er dafür fast schon zu gut aussieht. Er ist aber absolut großartig, genau wie die so spröde Tilda Swinton, die einfach immer umwerfend ist. Emily Mortimer und Peter Mullan machen den Cast perfekt, besser geht es nicht. Der Soundtrack von David Byrne tut ein übriges, um diesen Film zu einem ganz speziellen Erlebnis werden zu lassen.
Insgesamt gesehen ein echtes Highlight, das mich schwer beeindruckt hat, absolut sehenswert. Tolles britisches Kino, das wieder einmal beweist, was man in Hollywood eben nicht hat.
Joe (Ewan McGregor) ist ein erfolgloser Schriftsteller, er treibt sich herum und heuert schließlich auf dem Lastkahn von Ella (Tilda Swinton) und Les (Peter Mullan) an. Der Kahn ist im Schottland der fünfziger Jahre in den Kanälen zwischen Edinburgh und Glasgow unterwegs. Eines Tages entdecken Joe und Les die Leiche einer jungen Frau (Emily Mortimer) im Wasser. In Rückblenden wird klar, dass Joe und die tote Cathy eine Affäre hatten.
Einige Wochen nach ihrer Trennung trafen sich Joe und Cathy zufällig wieder und Cathy gab zu, von Joe schwanger zu sein. Sie wollte ihn heiraten und eine Familie gründen, aber Joe wollte davon nichts wissen. Nachdem sie erneut Sex miteinander hatten, ging Joe weg, wobei er Cathy unbeabsichtigt ins Wasser stieß und die junge Frau ertrank. Unfähig etwas zu ihrer Rettung zu tun, warf Joe Cathys Sachen einfach weg.
Auf dem Lastkahn beginnt Joe eine Affäre mit Ella, die ihrem Mann Les nicht lange verborgen bleibt. Da der Kahn Ella gehört, packt Les seine Sachen und geht fort. Ella und Joe leben eine Zeit zusammen auf dem Boot, aber als Joe Ella mit deren Schwester betrügt, verschwindet er.
Der Mord an der jungen Frau beschäftigt die Öffentlichkeit weiter und bald schon ist ein Schuldiger gefunden, ein Klempner, der in Cathy verliebt war. Dieser beteuert zwar seine Unschuld, aber es nützt ihm nichts. In dem Prozess gegen ihn, der auch von Joe verfolgt wird, wird er schuldig gesprochen.
In diesem Film gibt es scheinbar nur Verlierer, es gibt keine glücklichen Momente. Alles ist in kühlen Blautönen eingefangen und es wird auch nur wenig gesprochen. Die Darsteller sind hervorragend, angefangen bei Ewan McGregor, der in seiner Rolle aufgeht, obwohl er dafür fast schon zu gut aussieht. Er ist aber absolut großartig, genau wie die so spröde Tilda Swinton, die einfach immer umwerfend ist. Emily Mortimer und Peter Mullan machen den Cast perfekt, besser geht es nicht. Der Soundtrack von David Byrne tut ein übriges, um diesen Film zu einem ganz speziellen Erlebnis werden zu lassen.
Insgesamt gesehen ein echtes Highlight, das mich schwer beeindruckt hat, absolut sehenswert. Tolles britisches Kino, das wieder einmal beweist, was man in Hollywood eben nicht hat.
Samstag, 14. August 2010
The War Zone
"The War Zone" ist das Regiedebüt von Tim Roth aus dem Jahr 1998. Der Film basiert auf dem Roman von Alexander Stuart, der auch das Drehbuch verfasst hat.
Der "Kriegsschauplatz", der hier betitelt wird, ist die Familie. In diesem Fall die Familie von Tom (Freddie Cunliffe), einem fünfzehnjährigen Teenager, seiner drei Jahre älteren Schwester Jessie (Lara Belmont) und den Eltern (Ray Winstone und Tilda Swinton), die vor kurzem aus London an die Küste nach Devon gezogen ist. Der stille und in sich gekehrte Tom kann sich mit der neuen und tristen Umgebung nicht recht anfreunden. Seine Mutter ist hochschwanger und die kleine Tochter kommt nach einem Autounfall auf die Welt, den die übrigen Familienmitglieder alle fast unverletzt überstehen. Die Verletzungen in dieser Familie liegen jedoch weit tiefer, wie Tom bald darauf feststellen muss. Er kommt dahinter, dass sein eigener Vater die Tochter Jessie missbraucht. Seine Welt scheint daraufhin zusammenzubrechen. Jessie leugnet erst noch den Missbrauch, doch bald kann sie ihre Lüge nicht mehr aufrecht erhalten. Der Vater, auf den Zustand angesprochen, beschuldigt Tom, die Familie zu zerstören. Die Situation eskaliert, aber eine Erlösung ist nicht in Sicht.
Das ist ein tieftrauriger und deprimierender Film, großartig gespielt, mit sehr zurückhaltender Musik unterlegt und wunderschönen, kargen Landschaftsaufnahmen. Die Trostlosigkeit ist beinahe greifbar, so z. B. das einsam gelegene und traurig wirkende Haus, in dem die Familie wohnt. Es ist ohne Zweifel ein sehr düsterer Film, aber damit gleichwohl dem Thema und der Landschaft angemessen. Die Bilder gehen unter die Haut und sind sehr schmerzhaft, aber das zeichnet diesen Film auch aus. Es geht um Missbrauch in der Familie, hier zum einen um den Missbrauch des Vaters an der Tochter, aber auch um den Vertrauensmissbrauch des Vaters an dem Sohn. Ein Happy-End kann es hier nicht geben, das wäre verlogen und Tim Roth hat darauf geachtet, hier nicht die übliche "Alles wird gut"-Mentalität eines Hollywood-Streifens einzubringen.
Die Darsteller sind allesamt genial, besonders Lara Belmont und Freddie Cunliffe. Sie machen den Film zu einem, wenn auch sehr schmerzhaften, Ereignis, dem man sich nicht entziehen kann. Das ist mit Sicherheit ein Film, der nicht jedem gefallen wird, aber der trotzdem absolut sehenswert ist. Ganz große Empfehlung deshalb von mir.
Die DVD aus der neuen Arthaus Collection "British Cinema" beinhaltet noch ein Making-Of, Interviews und einen Blick hinter die Kulissen, zwar alles kurz und knapp gehalten, aber interessant.
Der "Kriegsschauplatz", der hier betitelt wird, ist die Familie. In diesem Fall die Familie von Tom (Freddie Cunliffe), einem fünfzehnjährigen Teenager, seiner drei Jahre älteren Schwester Jessie (Lara Belmont) und den Eltern (Ray Winstone und Tilda Swinton), die vor kurzem aus London an die Küste nach Devon gezogen ist. Der stille und in sich gekehrte Tom kann sich mit der neuen und tristen Umgebung nicht recht anfreunden. Seine Mutter ist hochschwanger und die kleine Tochter kommt nach einem Autounfall auf die Welt, den die übrigen Familienmitglieder alle fast unverletzt überstehen. Die Verletzungen in dieser Familie liegen jedoch weit tiefer, wie Tom bald darauf feststellen muss. Er kommt dahinter, dass sein eigener Vater die Tochter Jessie missbraucht. Seine Welt scheint daraufhin zusammenzubrechen. Jessie leugnet erst noch den Missbrauch, doch bald kann sie ihre Lüge nicht mehr aufrecht erhalten. Der Vater, auf den Zustand angesprochen, beschuldigt Tom, die Familie zu zerstören. Die Situation eskaliert, aber eine Erlösung ist nicht in Sicht.
Das ist ein tieftrauriger und deprimierender Film, großartig gespielt, mit sehr zurückhaltender Musik unterlegt und wunderschönen, kargen Landschaftsaufnahmen. Die Trostlosigkeit ist beinahe greifbar, so z. B. das einsam gelegene und traurig wirkende Haus, in dem die Familie wohnt. Es ist ohne Zweifel ein sehr düsterer Film, aber damit gleichwohl dem Thema und der Landschaft angemessen. Die Bilder gehen unter die Haut und sind sehr schmerzhaft, aber das zeichnet diesen Film auch aus. Es geht um Missbrauch in der Familie, hier zum einen um den Missbrauch des Vaters an der Tochter, aber auch um den Vertrauensmissbrauch des Vaters an dem Sohn. Ein Happy-End kann es hier nicht geben, das wäre verlogen und Tim Roth hat darauf geachtet, hier nicht die übliche "Alles wird gut"-Mentalität eines Hollywood-Streifens einzubringen.
Die Darsteller sind allesamt genial, besonders Lara Belmont und Freddie Cunliffe. Sie machen den Film zu einem, wenn auch sehr schmerzhaften, Ereignis, dem man sich nicht entziehen kann. Das ist mit Sicherheit ein Film, der nicht jedem gefallen wird, aber der trotzdem absolut sehenswert ist. Ganz große Empfehlung deshalb von mir.
Die DVD aus der neuen Arthaus Collection "British Cinema" beinhaltet noch ein Making-Of, Interviews und einen Blick hinter die Kulissen, zwar alles kurz und knapp gehalten, aber interessant.
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