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Samstag, 20. Februar 2016

Crimson Peak


"Crimson Peak" ist ein Film von Guillermo del Toro aus dem Jahr 2015. Das Drehbuch schrieb del Toro zusammen mit Matthew Robbins.

Die junge Edith Cushing (Mia Wasikowska) lebt zusammen mit ihrem Vater Carter Cushing (Jim Beaver) in Buffalo. Edith möchte gerne eine Schriftstellerin sein, aber damit hat sie als Frau Ende des 19. Jahrhunderts einen schweren Stand, weil man sie einfach nicht ernst nimmt. Ihre Geschichten handeln auch von Geistern, denn seit ihr im Alter von zehn Jahren der Geist ihrer verstorbenen Mutter erschien, glaubt sie an deren Existenz. Damals sprach der Geist eine Warnung aus: "Hüte Dich vor Crimson Peak", aber Edith konnte keine Erklärung dafür finden.

Inzwischen ist Edith zu einer schönen jungen Frau herangewachsen, die ihren eigenen Kopf hat und auch sagt, was sie denkt. In der Baufirma ihres Vaters lernt sie eines Tages den schottischen Adligen Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) kennen, der auf der Suche nach Investoren für seine Mine ist. Obwohl Carter Cushing der charmante Mann gleich irgendwie unsympathisch ist, kann er nicht verhindern, dass Edith sich rettungslos in diesen verliebt. Viel lieber hätte er seine Tochter an der Seite des jungen Arztes Alan McMichael (Charlie Hunnam) gesehen, der sowieso heimlich in sie verliebt ist. Aber wo die Liebe eben hinfällt...

Als Carter Cushing kurze Zeit später einen tödlichen Unfall hat, heiratet Edith Thomas Sharpe und zieht mit ihm auf sein Anwesen in Nordengland, wo er zusammen mit seiner Schwester Lucille (Jessica Chastain) lebt. "Allerdale Hall" entpuppt sich allerdings als äußerst baufälliges altes Gemäuer, das schon bessere Tage gesehen hat. Das Dach ist kaputt, das Haus ist kalt und das Wetter ist unbarmherzig. Zudem ist das Gebäude auf einem Tonvorkommen errichtet und sackt immer mehr ein. Überall quillt der rote Ton aus dem Boden und verleiht dem Ganzen einen beunruhigenden Anblick.

In ihrem neuen Zuhause findet Edith keine Ruhe, denn schon bald wird sie hier von furchtbaren Geistererscheinungen verfolgt, die ihr raten, das Haus zu verlassen. Thomas liebt seine Frau, aber seine Schwester Lucille, die sich immer sehr merkwürdig und ablehnend verhält, scheint großen Einfluss auf ihn zu haben. Wie nah sich die beiden Geschwister wirklich stehen und welche schaurigen Geheimnisse sie teilen, wird Edith schon bald erfahren. Wird es ihr gelingen, das Haus wieder zu verlassen?

Mehr will ich hier gar nicht verraten. Der Film an sich hat mir schon gefallen, auch wenn die Geschichte ein paar Längen hat und mit fast zwei Stunden Laufzeit auch insgesamt zu lang erzählt ist. Sehenswert ist er trotzdem, allein schon wegen der tollen Optik, der Ausstattung und der Kostüme. Das riesige und langsam verfallende Haus ist großartig in Szene gesetzt, die Farben sind umwerfend, die Einrichtung ist ein Traum oder eben auch Alptraum, ganz wie man es sehen will.

Man merkt halt schnell in einem Film von Guillermo del Toro zu sein, denn für tolle Bilder und eine sehr spezielle Atmosphäre hat er ein gutes Händchen. Nicht umsonst erinnert man sich hier an Filme wie "The Devil's Backbone" oder auch "Pans Labyrinth", die auch von Geistern handelten und sich nie ganz in ein Genre einordnen ließen. Ist ja auch egal, ob man das nun Horror, Mystery oder wie auch immer nennen will. Es ist sicher von allem etwas, aber eben auch eine Liebesgeschichte. Del Toro selbst nennt es übrigens eine "Gothic Romance".

Von den Schauspielern möchte ich besonders Mia Wasikowska und Tom Hiddleston hervorheben, die beide wie üblich wunderbar in ihren Rollen aufgehen. Von beiden habe ich noch nie mittelmäßige oder schwache Darstellungen gesehen, sie überzeugen einfach immer. Jessica Chastain dagegen nervt mich stets mit ihrem Overacting, mit ihr kann ich mich einfach nicht anfreunden, egal in welchem Film, und Charlie Hunnam bleibt insgesamt etwas blass. Gut, viel Raum zur Entfaltung gibt ihm seine Rolle hier auch nicht.

Insgesamt gibt es von mir natürlich eine Empfehlung, weil der Film schon spannend ist und sehr schön anzuschauen. Die Bilder bleiben im Kopf. Sollte man nicht verpassen.

Sonntag, 15. Februar 2015

Maps to the Stars

"Maps to the Stars" ist ein Film von David Cronenberg aus dem Jahr 2014. Das Drehbuch stammt von Bruce Wagner.

Die junge Agatha Weiss (Mia Wasikowska) hat die letzten sieben Jahre in einer psychiatrischen Klinik in Florida verbracht, nachdem sie zuvor ihr Elternhaus angezündet und ihrem kleinen Bruder Schlafmittel verabreicht hatte. Ihre Familie hat sie seitdem nie wieder gesehen. Nun kehrt Agatha nach Los Angeles zurück, mietet sich eine Limousine und freundet sich mit dem Fahrer Jerome (Robert Pattinson) an. Ihr erster Weg führt sie zu dem Ort, wo früher das Haus ihrer Familie stand, doch da ist nur ein großes Nichts.

Agatha ist seit dem Feuer und trotz zahlreicher Operationen immer noch von Brandnarben entstellt, die sie unter der Kleidung und langen schwarzen Handschuhen zu verstecken versucht. Auch Teile ihres Gesichts sind davon befallen. Sie nimmt nicht sofort Kontakt zu ihrer Familie auf, sondern sucht sich erst einen Job. Über Twitter ist sie seit einiger Zeit mit der Schauspielerin Carrie Fisher bekannt, die ihr eine Anstellung als persönliche Assistentin bei Havana Segrand (Julianne Moore) besorgt.

Havana ist eine in die Jahre gekommene Schauspielerin, die mit ihrem Alter und den damit verbundenen schwindenden Rollenangeboten hadert und zudem vom Geist ihrer früh verstorbenen Mutter Clarice (Sarah Gadon) verfolgt wird, von der sie als Kind sexuell missbraucht wurde. Deswegen ist sie in Behandlung bei Dr. Stafford Weiss (John Cusack), einem in Hollywood sehr bekannten Psychotherapeuten, Guru und Autor zahlreicher Selbsthilfe-Bücher. Staffords Ehefrau Christina (Olivia Williams) kümmert sich um die Karriere des gemeinsamen Sohnes Benjie (Evan Bird), der den damaligen Brand und die Tablettenvergiftung unbehelligt überstanden hat und mit seinen dreizehn Jahren bereits ein seit Jahren gefeierter Kinderstar ist. Dass er darüber hinaus auch ein echter Kotzbrocken ist und bereits einen Drogenentzug hinter sich hat, das muss ja niemand wissen.

Benötigt hier noch jemand die Beschreibung einer dysfunktionalen Familie? Ich glaube nicht. David Cronenberg und sein Autor Bruce Wagner legen hier sehr deutlich den Finger in die Wunde, die in Hollywood wohl sehr verbreitet ist. Gut, das ist jetzt auch nichts wirklich Neues, ist hier aber sehr anschaulich demonstriert. Zusammenfassend kann man sagen, dass hier wirklich alle einen an der Waffel haben, mehr oder weniger. Meistens mehr. Aber weiter mit der Geschichte.

Havana will unbedingt die Hauptrolle in dem Remake eines Films spielen, mit dem ihre Mutter in den Sechziger Jahren zum Star wurde. Durch sehr tragische Wendungen, die mit dem Tod eines kleinen Jungen verbunden sind, bekommt sie schließlich die Rolle, für die zuvor eigentlich eine andere Schauspielerin vorgesehen war. Doch das scheinbar tödliche Karussell aus Gemeinheiten, Boshaftigkeit und Missgunst will einfach nicht stoppen und fordert immer mehr Opfer.

Es wird auch noch ein bisschen blutig, das kann man wohl von Cronenberg auch erwarten, und immer wieder sind es Feuer und Wasser, die hier im Vordergrund stehen. Langweilig ist der Film zu keinem Zeitpunkt, auch wenn andere Kritiken das behaupten. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden. Mir hat der Film durchaus gefallen, auch wenn sein Thema und die Umsetzung nicht für jeden Geschmack geeignet sind.

Kommen wir zu den Darstellern. An erster Stelle steht natürlich die atemberaubende Julianne Moore, die mal wieder beweist, eine der größten Schauspielerinnen ihrer Generation zu sein und die einfach alles spielen kann. Zum Glück verweigert sie sich dem in Hollywood grassierenden Schönheitswahn und bleibt einfach sie selbst. Toll und beeindruckend, immer wieder. An ihrer Seite glänzt die junge Mia Wasikowska erneut mit einer bewundernswerten Darstellung. Himmel, ist die talentiert. In den Nebenrollen muss man noch John Cusack und Olivia Williams erwähnen, ebenso wie Evan Bird als Kinderstar. Sehr gut gemacht. Mehr fallen mir hier aber nicht ein...

Also wer mit Neurosen, falschen Freundlichkeiten und hartem Konkurrenzkampf keine Probleme hat, der sollte sich diesen Film anschauen. Ich kann ihn jedenfalls sehr empfehlen.

Sonntag, 14. Juli 2013

Albert Nobbs

"Albert Nobbs" ist ein Film von Rodrigo Garcia aus dem Jahr 2011. Das Drehbuch stammt von Glenn Close, John Banville und Gabriella Prekop.

Irland, im 19. Jahrhundert. In einem kleinen Hotel in Dublin arbeitet Albert Nobbs (Glenn Close) bereits seit vielen Jahren. Er ist zuverlässig, sehr beliebt bei den Gästen und beim Personal und er hat ein Geheimnis, denn Albert Nobbs ist eigentlich eine Frau. Aus der Not, sich allein um sein Leben kümmern zu müssen, kam er einst an den Job eines Kellners und hat nie jemandem von seiner wahren Identität erzählt. Im Hotel von Mrs. Baker (Pauline Collins) ist er nun die gute Seele des Hauses.

Eines Tages quartiert Mrs. Baker den Handwerker Hubert Page (Janet McTeer) in Alberts Zimmer ein, weil sonst gerade kein Bett verfügbar ist. Albert gerät in Panik, dass so vielleicht sein Geheimnis gelüftet werden könnte, doch es kommt ganz anders als erwartet. Hubert ist selbst eine Frau, die vor Jahren vor ihrem gewalttätigen Ehemann geflüchtet ist, dessen Identität angenommen hat und nun ihrerseits mit einer Frau verheiratet ist.

Albert ist schwer beeindruckt von Hubert und seinem Leben. Auch er möchte sein Leben verändern, spart seit Jahren sein Geld und träumt von einem kleinen Tabakladen. Ganz in der Nähe gibt es eine entsprechende Immobilie zu mieten, mit einer kleinen Wohnung über dem Geschäft. Die junge Helen Dawes (Mia Wasikowska), die ebenfalls im Hotel arbeitet, wäre eine gute Partnerin für Albert, der viel für das junge Mädchen empfindet. Dummerweise verliebt sich Helen aber in den jungen Joe (Aaron Taylor-Johnson), der als Aushilfsarbeiter im Hotel anfängt und eigentlich plant, nach Amerika zu gehen.

Joe überredet Helen, mit Albert auszugehen und möglichst viele Geschenke von ihm zu bekommen. Helen lässt sich nur zögerlich darauf ein und weiß nicht so genau, was der ältere Mann eigentlich von ihr will. Als sie von Joe schwanger wird, bietet ihr Albert an, sie zu heiraten und für sie und das Kind zu sorgen, weil Joe sie bestimmt nicht nach Amerika bringen wird.

Inzwischen muss das Hotel schließen, weil ein ansteckendes Fieber grassiert und die Dinge entwickeln sich ganz neu. Wird es für Albert und Helen eine gemeinsame Zukunft geben oder wird alles ganz anders als erwartet?

"Albert Nobbs" ist ein Erlebnis, das man nicht verpassen sollte. Der Film ist bisher leider nur in der englischen Originalfassung erhältlich, aber trotzdem eine klare Empfehlung. Glenn Close hat diese Rolle bereits im Jahr 1982 auf einer Theaterbühne gespielt und wollte unbedingt einen Film daraus machen, was ihr nun auch gelungen ist. Sie ist natürlich auch die perfekte Besetzung für die Titelrolle und von einer Schauspielerin wie Glenn Close kann man auch nicht weniger als eine Glanzleistung erwarten, die sie hier locker bewältigt. Dieses Gesicht ist einfach wunderbar und sie verkörpert Albert Nobbs grandios. Sehr toll und sehr sehenswert.

Die Nebenrollen sind ebenfalls sehr gut besetzt, denn allein schon Mia Wasikowska ist inzwischen ja schon ein Garant für einen guten Film. Eine wunderbare junge Schauspielerin, in der noch viel Potential steckt. Pauline Collins und Janet McTeer überzeugen auf ganzer Linie und in einer kleinen Rolle ist noch Jonathan Rhys-Meyers zu bewundern, um den es ja irgendwie etwas ruhig geworden ist. Lediglich Aaron Taylor-Johnson hat mich mal wieder nicht überzeugen können, dem kann ich halt so gar nichts abgewinnen. Macht aber nichts, der Rest funktioniert dafür umso besser.

Insgesamt gesehen ein schöner, wenn auch trauriger Film, der sehr berühren kann, wenn man sich darauf einlässt. Nichts für die große Masse, aber für Liebhaber kleiner Dramen ein echter Leckerbissen.

Montag, 8. Juli 2013

Stoker

"Stoker" ist ein Film von Park Chan-wook aus dem Jahr 2013 und beruht auf einem Drehbuch von Wentworth Miller.

Die junge India Stoker (Mia Wasikowska) lebt mit ihrem geliebten Vater Richard (Dermot Mulroney) und ihrer neurotischen Mutter Evelyn (Nicole Kidman) in einem schönen und etwas abgelegenen Landhaus. An ihrem achtzehnten Geburtstag verunglückt Richard Stoker tödlich. India bleibt unglücklich und allein mit ihrer Mutter zurück, denn beide können so gar nichts miteinander anfangen.

Doch dann erscheint plötzlich Richards jüngerer Bruder Charlie (Matthew Goode) auf der Trauerfeier, von dessen Existenz bisher niemand etwas wusste. Der schöne junge Mann erobert gleich das Herz der Witwe Evelyn, während India ihn noch etwas skeptisch beobachtet. Beide Frauen sind für seinen Charme anfällig und so entsteht schon bald eine starke sexuelle Spannung zwischen den Beteiligten.

India ist sehr scheu und still, von ihren männlichen Mitschülern wird sie deswegen gehänselt, aber im Laufe der Geschichte macht sie die stärkste Wendung durch. Sie steht an der Schwelle, eine erwachsene junge Frau zu werden, die weiß was sie will. Der Einfluss von Onkel Charlie ist dabei nicht zu übersehen.

Während Evelyn meist weggetreten ist, konzentriert sich die ganze Handlung auf India und Charlie, die beide ihre jeweils eigenen Geheimnisse haben. Welche das sind? Nein, das verrate ich hier ganz sicher nicht...

"Stoker" ist ein kleiner und feiner Psychothriller, den man kaum beschreiben kann. Ich bin mir sicher, dass dieser Film sein Publikum finden wird, auch wenn dies definitiv kein Mainstream-Werk ist. Park Chan-wook zaubert großartige Bilder auf die Leinwand, die absolut zeitlos und einfach nur wunderschön sind. Wer sich darauf einlassen kann und auch nicht für alles eine Erklärung braucht, der wird hier viel Freude haben. Mir ging es jedenfalls so und ich kann auch ein mehrfaches Anschauen nur empfehlen, um auch auf Kleinigkeiten achten zu können.

Über Nicole Kidman kann ich wenig Gutes schreiben, sie gibt zum gefühlten 100. Mal ihre übliche Püppchen-Nummer, mit albernem Getue und ansonsten wenig Mimik in der Plastik-Visage, was ja nicht weiter wundert. Allerdings wird sie hier von Matthew Goode und Mia Wasikowska so dermaßen an die Wand gespielt, dass man sie auch getrost vergessen kann.

Die junge Mia Wasikowska ist einfach atemberaubend in ihrer Rolle, ebenso wie der schöne und sehr undurchschaubare Matthew Goode. Die darstellerischen Leistungen dieser beiden Schauspieler überragen alles und machen den Film zu einem einzigartigen Genuss und zu einem Erlebnis, das man nicht verpassen sollte. Ganz große Empfehlung. Eine kleine Warnung aber noch an besonders empfindsame Gemüter, es wird auch ein bisschen fies.


Mittwoch, 14. März 2012

Jane Eyre

"Jane Eyre" ist ein Film von Cary Fukunaga aus dem Jahr 2011. Das Drehbuch stammt von Moira Buffini und beruht auf dem gleichnamigen Klassiker von Charlotte Bronte.

Unzählige Verfilmungen dieses Stoffes hat es bisher schon gegeben und die Handlung dürfte hinlänglich bekannt sein. Regisseur Cary Fukunaga baut seinen Film lediglich neu auf. Er beginnt mit der Flucht Janes von Thornfield Hall, blendet zurück in die tragische Kindheit und erzählt die Geschichte dann bis zu dem Zeitpunkt, als Jane bei St. John (Jamie Bell) und seinen Schwestern unterkommt, um schließlich den Rest chronologisch abzuliefern.

Hier noch mal eine kurze Zusammenfassung: Die junge Jane Eyre hat früh ihre Eltern verloren und ist bei ihrer Tante Mrs. Reed aufgewachsen, die mit Jane nichts anfangen konnte und das Kind verabscheut hat. Sie schickt das Waisenkind auf das strenge Internat Lowood, wo Jane auch keine Liebe und Zuneigung erwarten kann. Ihre einzige Freundin Helen stirbt an Tuberkulose und Jane ist wieder allein. Trotz allem wird aus Jane eine kluge und selbstbewusste junge Frau (Mia Wasikowska), die einen eigenen Kopf und eine eigene Meinung hat.

Schließlich verlässt Jane das Internat, um auf Thornfield Hall eine Stelle als Gouvernante eines kleinen französischen Mädchens anzutreten, die das Mündel des Hausherren Mr. Rochester ist. Sie versteht sich gut mit der kleinen Adele und mit der Hauswirtschafterin Mrs. Fairfax (Judi Dench). Erst einige Monate später lernt sie Edward Rochester (Michael Fassbender) kennen, der nur selten zu Hause ist und ein schwieriger und unzugänglicher Mann ist.

Jane und Edward begegnen sich auf Augenhöhe und bald verbindet sie eine Art Freundschaft, die für beide überraschend ist. Jane hegt starke Gefühle für diesen impulsiven Mann und er schätzt ihre Klugheit. Als er ihr sogar einen Heiratsantrag macht, glaubt Jane zunächst an einen Scherz, bis sie schließlich zustimmt. Doch am Tag der Hochzeit kommen einige Geheimnisse aus Edwards Vergangenheit ans Licht, die Jane zur Flucht von Thornfield Hall bewegen.

Das ist ein wirklich sehr schöner Film, der mit exzellenter Ausstattung und wunderbaren Landschaftsaufnahmen begeistern kann. Die Atmosphäre auf Thornfield Hall ist grandios eingefangen, das düstere Haus und die unheimlichen Geräusche bei Nacht sind sehr gelungen. Die Besetzung ist ein Traum, denn Mia Wasikowska und Michael Fassbender sind perfekt in ihren Rollen, gar keine Frage.

Ich habe hier auch tatsächlich gar nichts auszusetzen, nur hat mich diese Verfilmung irgendwie auch nicht vom Sessel gehauen, sorry. Das soll keine Kritik sein, alles passt ganz wunderbar, aber ich kenne auch die Verfilmung von Franco Zeffirelli aus dem Jahr 1996 mit Charlotte Gainsbourg und William Hurt in den Hauptrollen und die ist mindestens genauso gut. Einen Unterschied kann ich hier nicht erkennen, bis auf die Erzählform. In beiden Fällen waren die Hauptdarsteller eher spröde Charaktere, was aber sehr gut passt.

Insgesamt gesehen kann ich natürlich eine große Empfehlung für diesen Film aussprechen, aber gleichzeitig möchte ich auch auf die Version von Zeffirelli hinweisen, die ebenfalls sehr sehenswert ist. Alle anderen Versionen kenne ich nicht und das ist wohl auch nicht notwendig. Hier zählen in erster Linie die Darbietungen von Mia Wasikowska und Michael Fassbender und die sind, wie zu erwarten, tadellos.


Sonntag, 19. Februar 2012

Restless

"Restless" ist ein Film von Gus Van Sant aus dem Jahr 2011. Das Drehbuch stammt von Jason Lew.

Der junge Enoch (Henry Hopper) lebt in einer ruhigen Gegend in Portland und geht gern auf Trauerfeiern ihm unbekannter Personen. Bei einer dieser Feiern lernt er die junge Annabel (Mia Wasikowska) kennen, die er kurze Zeit später wieder trifft. Sie kommen ins Gespräch und sind sich sympathisch, auch weil sie viel verbindet, wie sich schnell herausstellen wird.

Enoch hat vor ein paar Jahren seine Eltern bei einem schweren Verkehrsunfall verloren, er selbst lag danach mehrere Monate im Koma. Nun lebt er bei seiner Tante, geht nicht mehr zur Schule und sein einziger Freund ist Hiroshi (Ryo Kase), ein japanischer Kamikaze-Pilot, der im zweiten Weltkrieg gestorben ist und der ständig in seiner Nähe ist.

Annabel lebt zusammen mit ihrer älteren Schwester und ihrer Mutter. Sie hat einen Gehirntumor und nur noch etwa drei Monate zu leben. Die beiden Außenseiter, die weit abseits aller Konventionen leben, verlieben sich ineinander und wollen die Zeit bis zu Annabels Tod miteinander verbringen, was sich aber als immer schwieriger erweist. Der Tod gehört zum Leben, das mussten beide schon früh erfahren, doch durch Annabel und ihre Liebe zum Leben im Angesicht ihres eigenen Todes, lernt auch Enoch wieder das Leben zu schätzen.

Ein Happy-End wird es hier natürlich nicht geben, das ist ganz klar, aber dafür eine zarte Liebesgeschichte, wie sie schöner nicht sein könnte. Dabei wird es niemals sentimental oder gar rührselig, auch Kitsch hat hier keinen Platz. Stattdessen wird die Geschichte auf ganz bezaubernde Weise gefühlvoll und wunderschön erzählt. Der Tod ist leicht, die Liebe ist schwer, so könnte man das zusammenfassen.

Mia Wasikowska ist absolut hinreißend als Annabel, ich könnte mir hier keine bessere und überzeugendere Schauspielerin vorstellen. Henry Hopper (der Sohn von Dennis Hopper) ist eine wahre Offenbarung als Enoch. Was für eine Entdeckung. Mit seinen wirren blonden Haaren und seinem bezaubernden Auftreten gewinnt er vermutlich sofort alle Herzen. Beide sind als Paar einfach unglaublich schön anzuschauen.

Unterlegt ist der Film mit sehr passender Musik von Danny Elfman und zum Schluss läuft noch der wundervolle Song von Nico "The Fairest of the Seasons", der Gänsehaut erzeugt. Die Kostüme von Danny Glicker sind ein weiteres Highlight, sie sind zum Teil ziemlich altmodisch, passen aber fabelhaft zu den beiden Hauptdarstellern und ihren Rollen.

Insgesamt gesehen ein sehr berührender und rundum gelungener Independentfilm, nicht für ein großes Publikum geeignet, aber ein Fest für Arthouse-Fans. Ganz große Empfehlung.

Samstag, 26. März 2011

The Kids Are All Right

"The Kids Are All Right" ist ein Film von Lisa Cholodenko aus dem Jahr 2010. Das Drehbuch schrieb sie zusammen mit Stuart Blumberg.

Wir erleben eine kleine und glückliche Familie im sonnigen Kalifornien. Die Stimmung ist gut, es gibt gemeinsame Gespräche beim Essen und alle haben sich ganz furchtbar lieb. Der einzige Unterschied zu anderen Familien besteht für die beiden Kinder Joni (Mia Wasikowska) und Laser (Josh Hutcherson) darin, dass sie zwei Mütter haben, aber keinen Vater, außer natürlich einem biologischen. Nic (Annette Bening) und Jules (Julianne Moore) haben je ein Kind bekommen von einem anonymen Samenspender.

Als Joni achtzehn wird, bittet ihr jüngerer Bruder sie, bei der Samenbank nach der Identität des Spenders zu fragen, weil er wissen möchte, wer sein Vater ist. Die Kids lernen den smarten Paul (Mark Ruffalo) kennen, der ziemlich überrascht ist, plötzlich mit zwei Kindern konfrontiert zu sein. Paul ist ein cooler Typ, der ein Bio-Restaurant betreibt und nichts im Leben wirklich ernst nimmt. Er ist ungebunden und hat nur gelegentliche Affären. Die Kinder laden Paul zu sich nach Hause ein und Nic und Jules sehen dem Treffen mit gemischten Gefühlen entgegen.

Paul engagiert Jules, die sich gerade als Landschaftsgärtnerin etwas aufbauen will, und wird somit ihr erster Kunde. Jules hatte sich bisher immer nur um den Haushalt und die Kinder gekümmert, während Nic als Ärztin voll in ihrem Beruf aufgeht und das Geld nach Hause bringt. Etwas skeptisch verfolgt Nic deshalb die Pläne von Jules und sie ist auch in Bezug auf Paul misstrauisch, da sie ihn als Eindringling sieht und Angst um ihre Familie hat. Zu Recht, wie sich zeigt, denn bei der Arbeit kommen sich Jules und Paul näher und beginnen eine heiße Affäre. Das bleibt Nic nicht lange verborgen und das Ehe- und Familienglück ist in großer Gefahr. Aber am Ende siegt natürlich die Vernunft, jeder weiß wieder wo er hingehört und - alle haben sich ganz furchtbar lieb.

Auch wenn sich die Lobeshymnen für dieses Werk nicht ignorieren lassen, erlaube ich mir trotzdem, den Film nicht zu mögen. Die durchaus starken DarstellerInnen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Handlung in Klischees ertrinkt und eigentlich äußerst banal ist. Lisa Cholodenko selbst findet ihre Story toll, schön für sie. Ihr Film "High Art" (1998) konnte noch überzeugen, aber schon "Laurel Canyon" (2002) war genauso nichtssagend und lediglich bedeutungsschwanger wie "The Kids Are All Right" es jetzt auch ist. Was präsentiert sie denn hier großartiges? Gar nichts. Nic und Jules sind als Lesben-Paar ganz normale spießige Eltern, wie Hetero-Paare auch. Gut, die beiden sehen sich Gay-Pornos an - hui, wie verwegen - aber der Sex findet hier ganz verklemmt unter der Decke statt, während Paul und Jules es gleich im Wohnzimmer treiben. Da hat wohl jemand doch Angst vor der eigenen Courage bekommen.

Die eigentliche Aussage des Films ist dann natürlich auch die, dass die Familie doch über alles geht. Hauptsache, alle haben sich ganz furchtbar lieb. Naja, wer's braucht. Ich gebe zu, ich habe eine ausgeprägte Familienphobie und sollte solche Filme eigentlich meiden.

Das Beste am ganzen Film sind aber eindeutig Annette Bening und Julianne Moore, zwei Frauen Anfang Fünfzig, die einfach hinreißend sind und die gottseidank nicht dem allgemeinen Schönheitswahn verfallen sind. Hier sieht man noch echte Gesichter und was für welche. Beide sind nicht nur wunderschön, sondern auch großartig in ihren Rollen, wobei besonders Annette Bening hervorsticht. Mia Wasikowska und Josh Hutcherson machen ihre Sache ebenfalls sehr gut und Mark Ruffalo muss eigentlich nichts weiter tun, als ständig leicht debil wirkend zu grinsen. Das macht er aber sehr schön.

Insgesamt gesehen ein Film, mit dem ich persönlich nichts anfangen kann. Provokationen gibt es hier keine, die waren wohl auch eigentlich nicht gewollt. Lisa Cholodenko ist im Mainstream angekommen und hat einen Film gemacht, der niemandem weh tut. Mehr war nicht.

Montag, 27. September 2010

Alice im Wunderland

"Alice im Wunderland" ist ein Film von Tim Burton aus dem Jahr 2010 und basiert auf den Romanen "Alice im Wunderland" und "Alice hinter den Spiegeln" von Lewis Carroll, auch wenn einige Figuren aus den Erzählungen hier nicht vorkommen und wieder andere neu erfunden wurden.

Die neunzehnjährige Alice (Mia Wasikowska) fährt mit ihrer Mutter zu einer Gartenparty, wo sie, wie sie bald feststellen muss, mit einem schnöseligen Lord verlobt werden soll. Die junge Frau hat aber ihren eigenen Kopf und hat gar nicht vor, darauf einzugehen. Während der Party sieht sie mehrfach ein großes Kaninchen in einer Weste und folgt diesem. Bei dem Versuch, das Kaninchen zu verfolgen, fällt sie in dessen Bau und gelangt durch einen Sturz ins Bodenlose nach Wunderland.

Hier trifft sie auf allerlei merkwürdige Tiere und Personen, die anscheinend alle schon lange auf sie gewartet haben und ihr erzählen, sie sei bereits als kleines Mädchen einmal im Wunderland gewesen. Alice kann sich nicht wirklich daran erinnern, aber nun liegt es scheinbar an ihr, Wunderland zu retten und die Rote Königin und ihr Schreckensregime zu besiegen. Alice wächst über sich hinaus und sie hat treue Freunde an ihrer Seite.

Ich werde hier nicht die ganze Handlung wiedergeben, das muss sich jeder selbst anschauen. Tim Burton hat aber wieder einen Film geschaffen, der wunderbar gelungen ist und auch wieder den ganz typischen Burton-Touch hat. Sämtliche Figuren sind liebevoll gestaltet und davon gibt es sehr viele. Sei es der verrückte Hutmacher (Johnny Depp), die Rote Königin (Helena Bonham Carter), die Weiße Königin (Anne Hathaway), die Grinsekatze, die Raupe Absolem und noch viele mehr. Tim Burtons Liebe zum Detail zeigt sich hier in jeder einzelnen Einstellung. Mia Wasikowska ist zudem eine ganz wundervolle Alice, die man gerne auf ihrem Weg begleitet.

Insgesamt gesehen ein wirklich zauberhafter Film, der viel Spaß macht und bei jedem Anschauen besser wird. Es gibt so viel zu Entdecken. Ganz große Empfehlung.

Kleine Bemerkung von mir noch zu dem ganzen 3D-Unsinn, man kann sich den Film auch ohne diesen Schnickschnack anschauen. Ist bestimmt genau so schön.