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Samstag, 11. Januar 2014

Sorcerer

"Sorcerer" - "Atemlos vor Angst" ist ein Film von William Friedkin aus dem Jahr 1977. Das Drehbuch stammt von Walon Green und basiert auf dem Roman "Le salaire de la peur" von Georges Arnaud. William Friedkin hat diesen Film Henri-Georges Clouzot gewidmet, der den gleichen Stoff bereits 1953 verfilmt hat. Die Rechte für den Roman hatte immer noch Georges Arnaud, trotz der ersten Verfilmung durch Clouzot, doch Friedkin besuchte auch den schon schwer erkrankten Clouzot, um sein Einverständnis einzuholen.

Die Handlung ist zum großen Teil identisch mit der in Clouzots "Lohn der Angst", allerdings gelingt es Friedkin hier doch, einen völlig eigenständigen Film zu entwerfen. Er zeigt am Anfang die Vorgeschichte seiner vier Protagonisten, die in Vera Cruz, Jerusalem, Paris und New Jersey spielt. Alle vier haben Dreck am Stecken und müssen untertauchen. Sie alle landen in einem kleinen Ort irgendwo in Südamerika, haben kein Geld und keine Zukunft. Es muss schon ein Wunder geschehen, um von hier wieder verschwinden zu können.

Nach der Explosion auf einem Ölfeld, das nur mit einer gezielten Sprengung zu löschen ist, werden zuverlässige Männer gesucht, die eine Ladung Nitroglyzerin dorthin transportieren können. Es ist eine heikle Aufgabe, denn der Sprengstoff wurde falsch gelagert und kann bei der kleinsten Erschütterung hochgehen. Die Fahrer müssen gut zweihundert Meilen mit der gefährlichen Fracht überstehen. Es wird eine Höllentour, denn Straßen gibt es hier nicht wirklich und der Dschungel steckt zudem voller Überraschungen.

Die vier Männer, die sich mit zwei Lastkraftwagen auf den Weg machen, sind Dominguez (Roy Scheider), Nilo (Francisco Rabal), Serrano (Bruno Crémer) und Martinez (Amidou). Als Lohn winken ihnen viel Geld und neue Pässe, also ein neues Leben, falls sie den Auftrag erfolgreich ausführen können.

Der Alptraum beginnt. Mit selbst zusammengebauten Lastkraftwagen, die aussehen als hätte ein Monster sie gefressen und wieder ausgespuckt, machen sich die vier Männer auf den Weg durch den Dschungel. Die Wege sind brüchig und voller Gefahren und die Straßenkarte erweist sich als nutzlos. Die Nerven liegen blank und die Angst ist spürbar. Den Höhepunkt bildet die Überquerung einer schwankenden und brüchigen Hängebrücke während eines Unwetters. Das ist nervenzerfetzend bis zum Umfallen und mit Abstand das gruseligste, das ich bisher gesehen habe.

Doch damit hören die Schwierigkeiten nicht auf, denn plötzlich liegen auch noch etliche Bäume im Weg, die nicht einfach nur so weggeschafft werden können. Blanke Verzweiflung, trotziger Mut und unbedingte Entschlossenheit treiben die Männer voran, die auf gar keinen Fall aufgeben wollen. Doch auch hier überlebt nur einer der Männer (Roy Scheider) und kann den Sprengstoff übergeben. Wieder zurück im Dorf wartet auf ihn aber eine ganz andere Überraschung...

Was für ein genialer Film, den leider kaum jemand kennt, weil er seinerzeit ein Flop war. Zur falschen Zeit erschienen, als niemand dieses düstere Meisterwerk sehen wollte. Die DVD ist bisher nur als Import zu bekommen, aber es soll irgendwann eine Neuveröffentlichung geben, habe ich jedenfalls gelesen. Das Original geht rund 120 Minuten, die deutsche Fassung jedoch nur etwa 88 Minuten. Die Import-DVD hat die originale Fassung mit der gesamten Länge.

Wünschenswert wäre eine Fassung mit deutschen Untertiteln, obwohl gar nicht so viel gesprochen wird, es ist auch so gut verständlich, und ein paar Extras zum Film. Friedkins Kommentar dazu wäre natürlich sehr zu begrüßen.

Wie auch immer, der Film ist toll und absolut sehenswert. Es gibt viele sensationelle Szenen, wie z. B. am Ende, wenn Roy Scheider wie in einem Fiebertraum in der Gegend umherirrt "Where am I goin'". Besonders erwähnenswert ist auch die hypnotische Musik von Tangerine Dream, die den Film perfekt untermalt.

Es ist wirklich schade, dass dieser fabelhafte Film so unbekannt ist. William Friedkin ist einer der besten Regisseure aller Zeiten und auch dieses Werk sollte endlich entsprechend gewürdigt werden. Zudem hat er hier mit Roy Scheider und Bruno Crémer zwei überragende Darsteller gefunden, die das Publikum in ihren Bann ziehen. Sehr gelungen.

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Cruising

"Cruising" ist ein Film von William Friedkin (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1980 und basiert auf einem Roman von Gerald Walker. Die Dreharbeiten fanden 1979 statt, es war die Zeit vor Aids, der Krankheit, die alles verändern sollte.

In der schwulen Lederszene von New York geht ein Serienkiller um, deshalb beauftragt Captain Edelson (Paul Sorvino) den Polizisten Steve Burns (Al Pacino) als Undercover-Cop zu ermitteln, weil er äußerlich gut in das Beute-Schema des Täters passt. Der heterosexuelle Burns hat keine Ahnung, worauf er sich bei dieser Sache einlässt, aber die Aussicht auf eine schnelle Beförderung beflügelt ihn. Seiner Freundin Nancy (Karen Allen) darf er nichts von seinem Auftrag erzählen und er erscheint auch nur noch selten bei ihr.

Burns taucht nun ab in eine Welt, die ihm völlig fremd ist. Nur langsam macht er sich vertraut mit den Dingen, die ihm dort in den Clubs begegnen. Die Suche nach dem möglichen Serien-Killer wird für ihn auch eine Suche nach sich selbst, denn mehr und mehr verliert er die Kontrolle über sein bisheriges Leben und muss sich fragen, wie und wo er seine Leidenschaft ausleben kann.

Eine Antwort darauf liefert der Film nicht, ebenso wenig wer denn nun der tatsächliche Mörder ist. Das alles lässt William Friedkin in der Schwebe hängen und alle Möglichkeiten offen. Tatsächlich liefert der Film mehr Fragen als Antworten, was durchaus so gewollt war. Ich empfehle übrigens ausdrücklich die Extras auf der DVD anzuschauen, denn hier erfährt man sehr viel über die Entstehungsgeschichte von "Cruising", den Protest der schwulen Community, die Behinderungen der Dreharbeiten und noch vieles mehr. Diese Extras sind 2007 entstanden und beinhalten zahlreiche Interviews mit den Schauspielern und natürlich mit Regisseur William Friedkin. Von ihm stammt auch der sehr gute Audio-Kommentar, den man ebenfalls nicht verpassen sollte.

"Cruising" ist bis heute sehr umstritten, entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Friedkin ging damals als Vorbereitung auf seinen Film in diese Clubs und hat gefilmt, was ihm vor die Linse kam. Auch bei den diversen Themen-Nächten war er dabei. Wenn er im Audio-Kommentar darüber berichtet, selbst im Jockstrap dort aufgetaucht zu sein und sich für den hässlichsten Mann im ganzen Club gehalten zu haben, dann fällt man vor Lachen fast vom Stuhl. Eine herrliche Vorstellung.

Neben Al Pacino, der hier sehr zurückgenommen spielt und sich nie in die Karten sehen lässt, welche Gefühle und Gedanken er nun wirklich hat, gibt es noch eine ganze Reihe von Darstellern, die den Film sehenswert machen. Da wären z. B. der wunderbare Paul Sorvino oder auch Richard Cox, Don Scardino, James Remar, Gene Davis, William Russ und natürlich Karen Allen, die einzige Frau im Team.

Ich persönlich halte "Cruising" für ein Meisterwerk und kann ihn immer wieder sehen, die Faszination ist ungebrochen. Ganz große Empfehlung.

Sonntag, 20. Oktober 2013

DVD-Veröffentlichung: The Boys in the Band

Das Berliner Label "cmv-Laservision" veröffentlichte kürzlich diesen wunderbaren Film auf einer sehr ansprechenden DVD mit zahlreichen Extras. Na das wurde aber auch Zeit, endlich gibt es diesen Klassiker des Queer Cinema zu kaufen. Zu sehen ist der Film wahlweise in der englischen Originalfassung oder in der deutschen Synchronisation. Deutsche Untertitel wären auch schön gewesen, aber die Synchronisation ist in diesem Fall gar nicht schlecht geraten. Die Stimmen sind durchaus passend gewählt, aber wie immer gilt auch hier, lieber die Originalstimmen hören.

Die Extras sind allerdings hervorragend geworden. Hier gibt es Dokumentationen über das Theaterstück, den Film und einen Blick zurück. Mart Crowley, der Autor des Stückes, und William Friedkin, der Regisseur des Films, erzählen anschaulich und sehr amüsant von ihren Erfahrungen rund um die Entstehung dieses Klassikers. Zudem gibt es noch einen wunderbaren Audiokommentar von William Friedkin, den ich ebenfalls sehr empfehlen kann. Friedkin gehört eben zu den Filmemachern, denen ich ewig zuhören kann, weil er mit unglaublicher Liebe und Energie bei der Sache ist.

Auf die Handlung gehe ich hier nicht extra ein, dazu habe ich bereits vor einem Jahr diesen Text verfasst: "The Boys in the Band"

Mart Crowley und William Friedkin haben darauf bestanden, die Theaterschauspieler auch im Film einzusetzen, was wirklich gut funktioniert hat. Alle neun Darsteller sind einfach perfekt besetzt und selten genug kann man ein so gut aufspielendes Ensemble bei der Arbeit beobachten. Die Story um die Geburtstagsparty, die sich immer mehr zu einem Psycho-Drama entwickelt, geht definitiv unter die Haut.

Aus Kostengründen wurde darauf verzichtet, den Film einer erneuten FSK-Prüfung zu unterziehen, weshalb er immer noch mit einer FSK18 versehen ist, die aber aus heutiger Sicht absoluter Unsinn ist. Egal, der Film ist eine Klasse für sich, die DVD ist ein Traum und bekommt von mir eine ganz dicke Empfehlung. Unbedingt anschauen.

(Die Schauspieler zusammen mit Mart Crowley)

Sonntag, 21. Oktober 2012

The Boys in the Band

"The Boys in the Band" ist ein Film von William Friedkin aus dem Jahr 1970. Das Drehbuch stammt von Mart Crowley und basiert auf seinem eigenen Theaterstück, das erstmals 1968 Off-Broadway sehr erfolgreich aufgeführt wurde.

Michael (Kenneth Nelson) hat eine Geburtstagsparty für Harold (Leonard Frey) geplant. Die weiteren Gäste sind deren Freunde Emory (Cliff Gorman), Donald (Frederick Combs), Hank (Laurence Luckinbill), Larry (Keith Prentice) und Bernard (Reuben Greene). Sie alle haben etwas gemeinsam, denn sie sind schwul und das zu einer Zeit, als das noch nicht wirklich gesellschaftsfähig war. Genau auf dieser Problematik baut das Stück auf, denn noch längst nicht alle Beteiligten können ganz unbefangen mit ihrem Lebensstil umgehen.

Da gibt es Ängste, Unsicherheiten und verstecktes Leben. Zum besseren Verständnis muss gesagt werden, dass zwischen dem Theaterstück (1968) und dem Film (1970), im Jahr 1969 der Stonewall-Aufstand stattgefunden hat. So mag der Film fast etwas antiquiert wirken, aber er ist trotzdem ein Zeichen seiner Zeit.

Zurück zur Geschichte und Harolds Geburtstag. Die Freunde sind alle versammelt, bis auf Harold, der auf sich warten lässt. Ein junger Hustler (Robert La Tourneaux) erscheint, den alle nur Cowboy nennen. Er ist ein besonderes Geschenk von Emory für Harold. Unerwartet taucht Alan (Peter White) auf, ein ehemaliger Studienkollege von Michael, der sich anscheinend gerade von seiner Frau getrennt hat. Schließlich erscheint auch Harold und der ist nicht gerade bester Laune.

Alle finden sich auf der Dachterrasse ein, es gibt reichlich zu Essen und zu Trinken, doch die Stimmung ist explosiv. Der scharfzüngige Harold teilt gerne aus und nicht jeder ist ihm gewachsen. Die Männer giften sich gegenseitig an und können ihre eigenen Unsicherheiten kaum verbergen. Als ein plötzlich einsetzender Regen die Gruppe in die Wohnung drängt, hat der inzwischen genervte und betrunkene Michael die Idee zu einem Psychospiel. Jeder der Männer soll jemanden anrufen und ihm seine Liebe gestehen. Am Ende bleibt nur noch Verzweiflung, die Freunde verlassen die Wohnung, Michael brüskiert Alan und Harold rechnet ausgiebig mit Michael ab, in dem er ihm einige Wahrheiten an den Kopf knallt, die dieser nicht wahrhaben will. Harold verschwindet mit dem Hustler und lässt einen verstörten Michael zurück, der sein Leben beklagt und unter Tränen zusammenbricht.

William Friedkin war damals noch ein sehr junger Regisseur, der für seinen Film die Besetzung des Theaterstücks übernommen hat. Das wirkt sich durchaus positiv aus, denn die Darsteller wissen genau, worum es geht. Herausragend sind hier besonders Kenneth Nelson und Leonard Frey, die mit ihren Wortgefechten die Seele des Films bilden.

Insgesamt gesehen ein sehr beeindruckender Film, der leider viel zu unbekannt ist. Schade, das sollte sich ändern. Ich finde ihn absolut empfehlenswert.

Kleiner Nachtrag: Es gibt gute Neuigkeiten: "DVD-Veröffentlichung: The Boys in the Band"

Killer Joe

"Killer Joe" ist ein Film von William Friedkin aus dem Jahr 2011. Das Drehbuch schrieb Tracy Letts, basierend auf seinem eigenen Theaterstück.

Chris (Emile Hirsch) ist ein junger Kleinkrimineller, aber kein sehr erfolgreicher. Er dealt ein bisschen mit Drogen, wenn er sich diese nicht gerade von seiner Mutter Adele klauen lässt, aber er verbringt auch gerne Zeit im Wettbüro. Dummerweise schuldet er nun genau deshalb Digger Soames (Marc Macaulay) ganze 6.000 Dollar, die er natürlich nicht aufbringen kann. Diggers Leute sind schon hinter ihm her und die verstehen keinen Spaß. Chris braucht Geld und zwar schnell.

Durch Zufall erfährt er von einer Lebensversicherung über 50.000 Dollar, die seine Mutter zu Gunsten von Dottie (Juno Temple) abgeschlossen hat, der kleinen Schwester von Chris. Da Chris seine Mutter sowieso nicht leiden kann, heckt er den Plan aus, sie umbringen zu lassen und dann das Geld der Versicherung zu kassieren. Er hört von einem Mann namens Joe Cooper (Matthew McConaughey), der eigentlich Detective bei der Polizei ist, aber gerne mal einen Nebenjob annimmt und Leute killt.

Chris weiht seinen Vater Ansel (Thomas Haden Church) in seinen Plan ein. Ansel ist ein ziemlicher Schwachkopf, der sich gar nicht erst die Mühe macht, das zu kaschieren. Er willigt in den Plan ein, da seine Ex-Frau für ihn nur ein rotes Tuch ist. Das Geld aus der Versicherung will man dann, nach Abzug der Bezahlung des Killers, durch vier teilen. Je ein Teil für Chris, Dottie, Ansel und dessen jetzige Frau Sharla (Gina Gershon).

Also folgt das erste Treffen mit Killer Joe, der durchaus bereit ist, den Job zu übernehmen, aber nur gegen Bezahlung im Voraus. Tja, das geht nur leider nicht, weil das Geld ja erst nach dem Tod von Adele verfügbar ist. Eigentlich macht Joe da keine Ausnahmen, aber er hat sofort ein Auge auf Dottie geworfen, die ihn in ihrer kindlichen Unschuld fasziniert. Dottie ist zwar ein bisschen zurückgeblieben, aber ein sehr hübsches junges Mädchen. Joe will Dottie quasi als "Anzahlung", bis er sein Geld bekommt. Chris und Ansel willigen ein.

Diggers Männer sind weiter hinter Chris her und verprügeln ihn sehr übel. Es wird Zeit, dass Joe sich an die Arbeit macht, auch wenn der inzwischen lieber Zeit mit Dottie verbringt, weil die beiden sich doch tatsächlich ineinander verliebt haben. Als Adele dann beseitigt ist, kommt aber doch alles ganz anders, als ursprünglich geplant...

Ja, es gibt noch so einige Überraschungen und ein sehr fulminantes Ende. Wer sehr empfindlich ist, der sollte den Film vielleicht eher meiden, denn es wird schon ein wenig brutal, was aber eigentlich augenzwinkernd gemeint ist. Auf gar keinen Fall ist der Film gewaltverherrlichend, wie einige Kritiker gleich wieder lospöbeln werden. Davon sollte sich schon jeder selbst ein Bild machen.

William Friedkin ist inzwischen 77 Jahre alt, aber das merkt man weder ihm, noch dem Film an. Nach "Bug" hat er nun erneut ein Stück von Tracy Letts verfilmt und das Ergebnis ist ebenfalls wieder sehr gelungen. Hier passt einfach alles, anders kann ich das nicht sagen. Die Geschichte, die in einem Trailerpark spielt, überzeugt auf ganzer Linie, der Regisseur ist ein Genie und die Besetzung könnte nicht besser sein.

Emile Hirsch ist als Chris wirklich fabelhaft, ebenso wie Thomas Haden Church als Ansel, zwei absolute Verlierer durch und durch. Die wunderbare Gina Gershon ist eine verschlagene Schlampe wie aus dem Bilderbuch. Man beachte bitte ihr ständig verlaufenes Make-Up, herrlich. Juno Temple als Dottie ist ein wahres Highlight, von ihr wird man noch viel hören, da bin ich mir ganz sicher. Die Seele des Films ist aber Matthew McConaughey als Killer Joe, seine Leistung ist schlicht und einfach atemberaubend. Normalerweise würde ich mir niemals einen Film ansehen, in dem er mitspielt, weil ich ihn einfach für einen eitlen Fatzke halte, aber hier muss ich eine Ausnahme machen. Selbst William Friedkin sagt über McConaughey, er hätte sein Potential in früheren Filmen nicht wirklich ausschöpfen können, nun das ist bei all den überflüssigen RomComs auch gar nicht möglich. Als Killer Joe ist er wirklich große Klasse.

Insgesamt gesehen ein toller Film, unterhaltsam, komisch und sehr böse. Unbedingt anschauen, es lohnt sich.

Sonntag, 15. Januar 2012

Leben und Sterben in L.A.

"Leben und Sterben in L.A." - "To Live and Die in L.A." ist ein Film von William Friedkin aus dem Jahr 1985. Das Drehbuch schrieb Friedkin zusammen mit Gerald Petievich.

Der Secret Service-Agent Jimmy Hart (Michael Greene) steht kurz vor seiner Pensionierung. Er ist dem gerissenen Geldfälscher Eric Masters (Willem Dafoe) auf der Spur und will ihn in seiner Werkstatt stellen. Dazu kommt es aber nicht, denn Hart wird von Masters und einem seiner Handlanger getötet. Harts junger Kollege und Freund Richard Chance (William L. Petersen) will den Tod seines langjährigen Partners rächen.

Chance bekommt den unerfahrenen John Vukovich (John Pankow) als neuen Partner an die Seite gestellt. Der kommt zunächst mit den Methoden von Chance so gar nicht klar, bis er am Ende gar nicht anders kann, als selbst so skrupellos zu handeln.

Das Ziel der Rache von Chance ist weiterhin Eric Masters, den er unbedingt fassen will. Doch Masters ist eine Klasse für sich, kein kleiner Gangster, der irgendwelche Fehler macht. Chance und Vukovich geben sich als potentielle Kunden aus, die sein Falschgeld kaufen wollen. Masters besteht auf einem Vorschuss von 30.000 Dollar, die die beiden Ermittler von ihrer Behörde aber nicht bekommen können.

Chance erfährt von seiner Geliebten Ruth (Darlanne Fluegel), die gleichzeitig seine Informantin ist und nur deswegen nicht im Knast sitzt, dass ein Diamantenhändler in der Stadt auftauchen wird, der einen Deal über 50.000 Dollar abschließen will. Abgebrüht wie er ist, beschließt Chance, den Händler am Flughafen abzupassen und ihm das Geld abzunehmen, um damit den Handel mit Masters einzufädeln. Vukovich hat zwar noch Einwände, doch Chance ist fest entschlossen.

Zuerst scheint alles zu funktionieren, doch dann läuft die Sache aus dem Ruder, der Händler wird erschossen und die beiden Cops müssen in einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd über die Highways der Stadt um ihr Leben bangen. Nachdem das überstanden ist, steht eine erneute Begegnung mit Masters an, die dramatisch endet.

Was für eine Story und was für ein Film. Hier alle Geschehnisse zu verraten wäre gemein, es gibt schließlich so viel zu entdecken. Wir sind in den Achtzigern, definitiv. Der überaus stimmige Soundtrack von Wang Chung unterstreicht die Handlung sehr passend. Insgesamt erinnert hier auch viel an "Miami Vice", natürlich die Original-Serie und nicht den blassen Spielfilm.

Der Zeitgeist ist gut eingefangen und die Darsteller überzeugen in ihren Rollen. William L. Petersen ist als Chance sehr ambivalent, aber nie wirklich unsympathisch, auch wenn er einige Grenzen überschreitet. Man ist trotz allem bei ihm und auf seiner Seite, selbst wenn er fragwürdig handelt. Dass ihm das alles letztendlich nichts nützt, ja das ist eben der Lauf der Dinge. Sein Partner Vukovich wird seinen Part übernehmen und gleichzeitig auch seine Informantin.

Das ist natürlich ein reiner Männerfilm hier, Frauen tauchen nur am Rand auf und haben eigentlich kaum eine Funktion. Ruth beispielsweise wechselt nur in der Abhängigkeit von einem Mann zum Nächsten. William L. Petersen und Willem Dafoe sind brillant, mehr ist dazu nicht zu sagen. In einer Nebenrolle ist noch der junge John Turturro zu bewundern, der den Cast komplettiert.

Insgesamt gesehen ein wirklich sehenswerter Thriller, der von William Friedkin überaus virtuos in Szene gesetzt wurde. Sehr empfehlenswert.
 

Freitag, 13. August 2010

Bug

"Bug" ist ein Film von William Friedkin aus dem Jahr 2006, basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück von Tracy Letts, der auch das Drehbuch schrieb.

Die alleinstehende Kellnerin Agnes (Ashley Judd) lebt in einem Kaff in Oklahoma in einem schäbigen Motel. Ihr gewalttätiger Ex-Mann Jerry (Harry Connick Jr.) wurde gerade vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen und belästigt sie. Eines Abends bringt ihre lesbische Freundin R. C. (Lynn Collins) den irgendwie merkwürdigen Peter (Michael Shannon) mit zu Agnes. Agnes bietet Peter an, auf ihrem Sofa übernachten zu können, da er anscheinend keine sonstige Unterkunft hat. Die beiden kommen sich näher, aber am nächsten Morgen steht wieder Jerry im Zimmer und macht Ärger.

Agnes und Peter nähern sich weiter an. Agnes erzählt von ihrem kleinen Sohn Lloyd, der vor zehn Jahren verschwunden ist. Peter war in der Armee und ist der festen Überzeugung, dort zu wissenschaftlichen Zwecken missbraucht worden zu sein. Er leidet an Wahnvorstellungen und glaubt, mit Wanzen infiziert zu sein, die unter seiner Haut leben. Seine Paranoia überträgt sich auch auf Agnes, die einsam und labil ist und mit Peter endlich wieder einen Partner an ihrer Seite hat. Hier treffen zwei verzweifelte Seelen aufeinander. Die beiden schotten sich von der Außenwelt komplett ab und sind von nun an mit der Jagd auf die vermeintlichen Insekten beschäftigt. Das nimmt immer groteskere Ausmaße an und gipfelt in einem mörderischen Finale. Garantiert nichts für schwache Nerven.

Dieser Film lässt einen schlicht und einfach atemlos zurück und geht unter die Haut, im wahrsten Sinne des Wortes. William Friedkin selbst bezeichnet seinen Film als verstörend und dem kann man nicht widersprechen. Die Inszenierung wirkt schon wie ein Kammerspiel, auch weil der Raum sehr begrenzt ist und weil das Stück eben als Theaterstück konzipiert ist. Daran sollte man sich allerdings nicht stören. Die Darsteller sind brillant, vor allem Ashley Judd und Michael Shannon, der seine Rolle bereits auf der Bühne gespielt hat. Ein faszinierender Film, wenn man sich darauf einlassen kann. Ich finde ihn großartig, kann aber auch verstehen, wenn man ihn nicht mag.

Auf der DVD finden sich noch sehr bemerkenswerte Extras mit Interviews der Darsteller und einem ausführlichen Interview mit William Friedkin, dem Regisseur von Filmen wie z. B. "French Connection", "Der Exorzist" oder auch "Cruising". Insgesamt sehr empfehlenswert.