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Sonntag, 23. März 2014

Die Falschmünzer


"Die Falschmünzer" - "Les Faux-Monnayeurs" ist ein Film von Benoît Jacqout (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2010. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von André Gide, der 1925 erschienen ist.

Paris, Anfang des 20. Jahrhunderts. Der französische Schriftsteller Edouard (Melvil Poupaud) ist ein Mann Ende Dreißig, der in der Welt herumkommt, meistens zwischen London und Paris pendelt und gerade an seinem neuen Werk arbeitet, das den vorläufigen Titel "Die Falschmünzer" trägt. Geschrieben hat er bisher nur Notizen, die er als Grundlage für das neue Buch benutzen will und die zumeist aus den Erlebnissen in seinem Umfeld stammen. Edouard verbindet eine zarte und unausgesprochene Liebe mit seinem jungen Neffen Olivier (Maxime Berger), dem Sohn seiner Halbschwester Pauline (Sandrine Dumas). Olivier wird in Kürze sein Abitur machen und wie so viele seiner Schulkameraden hat er schriftstellerische Ambitionen.

Oliviers bester Freund Bernard (Jules Angelo Bigarnet) findet durch Zufall heraus, dass sein ungeliebter Vater nicht sein leiblicher Vater ist. Daraufhin verlässt Bernard die elterliche Wohnung und versucht, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Er findet Zuflucht bei Edouard, dem er für die nächsten Monate als Sekretär behilflich sein wird. Olivier wird von dem zwielichtigen Robert de Passavant (Patrick Mille) umgarnt, der ihm eine Stelle als Chefredakteur einer neuen Literatur-Zeitschrift anbietet. Passavant spielt mit den Menschen in seiner Umgebung und manipuliert sie gerne. So ist er auch mit Vincent (Vladimir Consigny) befreundet, dem älteren Bruder von Olivier. Vincent hat ein Verhältnis mit der jungen und verheirateten Laura (Laurence Cordier), die von ihm schwanger ist und im Stich gelassen wird, weil Vincent sein ganzes Geld beim Glücksspiel verloren hat. Auch hier war Passavant nicht unbeteiligt.

Laura hat einen Mann geheiratet, den sie nicht liebt, weil sie Edouard nicht haben konnte, der aber noch immer ihr Freund ist und sie unterstützt. Ihr Mann will sie dennoch zurück und sich auch um das Kind kümmern, dessen Vater er nicht ist.

Die ganze Handlung erstreckt sich über mehrere Monate und ist sehr komplex, weshalb eine genaue Zusammenfassung hier nahezu unmöglich ist. Es gibt auch noch diverse Nebenfiguren, die nach und nach auftauchen und die Geschichte komplettieren. Edouard wird Olivier schließlich aus den Fängen Passavants befreien und sich um ihn kümmern. Seine Schwester Pauline weiß ihren Sohn bei ihm in guten Händen.

Bernard kehrt nach seinen Erlebnissen zu seinem Vater zurück, auch wenn es nicht sein leiblicher Vater ist. Ihm ist vieles klar geworden in den letzten Monaten und er gibt ihm und sich eine neue Chance.

Mit zwei Stunden Laufzeit ist diese französische TV-Produktion schon recht lang geraten, aber dabei niemals langweilig, weil soviel passiert. Auf die einzelnen Nebenhandlungen, wie z. B. um den jungen Boris und seine tragische Geschichte, kann ich hier nicht näher eingehen, das muss man schon selbst gesehen haben.

Insgesamt gesehen erwartet einen hier ein wundervoller Film, auf den man sich allerdings einlassen muss, um ihn zu begreifen und zu erleben. Die Ausstattung ist wunderschön, die Darsteller sind perfekt und die Story ist unglaublich vielschichtig. Die vielen jungen Schauspieler sind sehr sehenswert und das schöne Gesicht von Melvil Poupaud ist sowieso immer ein Highlight. Er verleiht seiner Rolle einen besonderen Zauber, ist sehr ambivalent und trägt den Film mit seiner Darstellung ohnehin ganz allein.

Ich kann hier nur eine ganz große Empfehlung aussprechen, auch wenn dieser Film vermutlich leider nur ein kleines Publikum ansprechen wird. Schade, solche Filme müssten unbedingt mehr Zuschauer haben, verdient hätten sie es. Die Edition Salzgeber bringt den Film übrigens in der französischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln heraus, so wie es sein soll. Toll und sehr sehenswert.


Sonntag, 7. April 2013

Laurence Anyways

"Laurence Anyways" ist ein Film von Xavier Dolan (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2012. Hier haben wir nun also den dritten Spielfilm des jungen Kanadiers Xavier Dolan, der bereits mit seinen ersten beiden Filmen begeistern konnte. Das gelingt ihm auch hier wieder mit leichter Hand und wer sich auf den Film einlässt und genug Ruhe und Zeit mitbringt, der wird mit einer Geschichte belohnt, die unter die Haut geht.

Laurence (Melvil Poupaud) ist Mitte Dreißig, beliebter Lehrer und angehender Schriftsteller. Seit längerer Zeit schon lebt er mit der unkonventionellen Fred (Suzanne Clément) zusammen und für beide ist es die große Liebe. Die Geschichte beginnt im Jahr 1989, als Laurence seiner Freundin überraschend mitteilt, zukünftig als Frau leben zu wollen. Schon als Kind habe er gespürt, im falschen Körper geboren zu sein und nun will er endlich auch in der Öffentlichkeit als Frau leben.

Fred ist zunächst geschockt, aber schließlich will sie Laurence nach Kräften unterstützen, weil sie ihn bedingungslos liebt. Doch die Reaktionen in ihrem Umfeld hinterlassen deutliche Spuren und während Laurence seinen Weg tapfer bestreitet, bricht Fred unter der Last zusammen. Er wird immer stärker in seinem Auftreten als Frau und Fred verliert sich gleichzeitig immer mehr. Sie driften auseinander.

Der Film schildert das Leben von Laurence und Fred über einen Zeitraum von zehn Jahren. Aufhänger ist ein Interview, das Laurence einer Journalistin gibt und das immer wieder eingestreut wird. Die Beziehung zu Fred ging in die Brüche, manchmal sind sie sich jahrelang nicht begegnet, aber die Anziehung zwischen ihnen ist stets geblieben. Fred hat geheiratet und einen Sohn bekommen und Laurence konnte sich als Schriftsteller etablieren.

Im Laufe der Jahre konnte Laurence auch das angespannte Verhältnis zu seiner Mutter (Nathalie Baye) klären, die sich selbst erst aus ihrer unglücklichen Ehe retten musste, um Laurence als "Tochter" akzeptieren zu können.

Für ein paar Tage kommen Laurence und Fred wieder zusammen, aber der Trip endet im Streit. Sie lieben sich zwar noch, aber die Zeit hat beide verändert. Einige Jahre später treffen sich beide in einer Bar, Fred hat ihren Mann verlassen und Laurence hat ein neues Buch veröffentlicht. Die oberflächliche Unterhaltung zwischen ihnen stößt allerdings bald an ihre Grenzen, weil beide merken, dass der frühere Zauber endgültig verflogen ist. Getrennt verlassen sie die Bar, es gibt keine Gemeinsamkeiten mehr.

Xavier Dolan erzählt diese Liebesgeschichte rund um das Thema Transsexualität in gut 160 Minuten und erweist sich erneut als großes und vielversprechendes Talent. Die Ausstattung ist perfekt, die Achtziger und Neunziger Jahre leben hier wieder auf und auch der Soundtrack ist sehr erlesen. Die Musik muss sowieso besonders erwähnt werden, denn Dolan unterlegt damit seine großartigen Bilder und sorgt dadurch mehrfach für Gänsehaut.

Suzanne Clément ist als Fred bestens besetzt und Melvil Poupaud, für den ich sowieso eine Schwäche habe, überzeugt in seiner Rolle zu jeder Zeit. Seine Veränderung zur Frau ist ein optisches Highlight. Nicht nur die Frisur, auch das Make-Up wird immer perfekter. Sehr gut gelungen.

Insgesamt gesehen ein absolut atemberaubendes Filmereignis, das viele Zuschauer verdient hat, auch wenn sich wahrscheinlich nicht viele darauf einlassen können. Ich freue mich jedenfalls auf weitere Filme von Xavier Dolan. Sehr empfehlenswert.


Sonntag, 12. August 2012

La Lisière

"La Lisière" - "Am Waldrand" ist das Spielfilmdebüt von Géraldine Bajard (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2010.

Der junge Arzt Francois (Melvil Poupaud) kommt aus Paris in die Provinz, wo er in der Neubausiedlung "Die Hügel von Beauval" eine Stelle antreten soll. Der Investor Sam (Hippolyte Girardot) begrüßt ihn freudig und lädt ihn zu sich nach Hause ein, wo Francois dessen Gattin Julie (Susanne Wuest) kennenlernt. Julie war früher Model und beschäftigt sich nun mit der Fotografie. Hauptsächlich fotografiert sie die Jugendlichen der Siedlung.

Ja, da wären wir auch schon beim Thema, denn die Jugendlichen sind hier der Dreh- und Angelpunkt. Wovon aber eigentlich? Egal. Weiter geht's mit Francois, der sich nur zögernd hier einlebt, aber von den jungen Mädchen sehr angehimmelt wird. Eine nach der anderen täuscht Krankheiten vor, um den jungen und gutaussehenden Arzt an ihr Bettchen zu locken. Selbstverständlich nur unter den Augen der jeweiligen Eltern, die stets auf ihre Kinderchen achten.

Dass die süßen Kleinen sich des Nachts aber im Wald herumtreiben, das scheint keinen weiter zu kümmern, was schon sehr merkwürdig ist. Der Anführer der Jugendlichen ist der großmäulige Cédric (Phénix Brossard), ein pickeliges Jüngelchen mit einem ausgewachsenen Frisurenproblem auf dem Kopf und einer Halbstarken-Attitüde, die sich gewaschen hat. Unter seiner Leitung werden die Mädchen nacheinander gezwungen, sich zu prostituieren, um ihm zu gefallen. Als kleine Lolitas herausgeputzt, sollen sie nachts Autofahrer anhalten und ihnen gefällig sein.

Als die blutjunge Agnes (Marie Fritel-Sina) an der Reihe ist, wird sie von einem vorbeirasenden Auto überfahren. Die Jungs halten Francois für den Täter und wollen sich rächen, weil er ihnen sowieso im Weg ist und sich die Mädchen viel zu sehr für ihn interessieren. So nimmt das Unheil seinen Lauf und niemand kann oder will etwas dagegen unternehmen.

Selbst wenn sich das noch einigermaßen interessant anhören mag, es funktioniert leider gar nicht, kein bisschen. Das ist alles viel zu gekünstelt und zu gewollt spektakulär, ohne dabei wirklich spektakulär zu sein, alles eine Nummer zu groß gedacht und überhaupt nicht glaubhaft. Leider ist auch vieles zu albern und peinlich geraten, sei es nun die Darstellung der Jugendlichen, die schlimme Tanzdarbietung der jungen Mädchen in den zu knappen roten Kleidchen und noch so einiges mehr. Die Musik ist übrigens auch fürchterlich.

Géraldine Bajard hat bisher mit so bekannten Frauen wie Angela Schanelec, Claire Denis oder auch Jessica Hausner gearbeitet. Ihren Film aber mit den Werken dieser Künstlerinnen zu vergleichen, verbietet sich schon von selbst, denn sie erreicht deren Klasse nicht mal ansatzweise. Kann ja aber alles in kommenden Filmen nur noch besser werden. Vergleiche mit Lynch oder Haneke, wie teilweise zu lesen war, können einfach nicht ernst gemeint sein.

Zu den Darstellern: Ich liebe Melvil Poupaud, seit ich ihn bei Francois Ozon habe spielen sehen. Er meistert seinen Part noch am besten, auch wenn er hier weit unter seinen Möglichkeiten bleibt, weil  seine Rolle einfach nicht genug hergibt. Der Rest der Erwachsenen spielt im Leerlauf und wirkt wie betäubt. In einer kleinen, aber leider total unwichtigen Rolle ist noch der wunderbare Georg Friedrich zu sehen, der hier aber wirklich unter Wert verkauft wird. Die Jugendlichen nerven mal mehr, mal weniger, aber meistens doch mehr.

Schade, ich hätte gerne etwas anderes geschrieben, aber auch beim zweiten Anschauen ist mein Urteil nicht angenehmer ausgefallen. Leider nur sehr eingeschränkt empfehlenswert.

Samstag, 3. Dezember 2011

Broken English

"Broken English" ist ein Film von Zoe Cassavetes (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2007.

Nora (Parker Posey) ist eine Frau in den Dreißigern, hübsch und gebildet, und arbeitet in einem Hotel in New York als Gästemanagerin. Doch schon die ersten Bilder des Films zeigen ihr Problem, denn sie ist Single. Sie macht sich zurecht, legt Make-Up auf, sucht ihre Kleidung aus, doch ihr Gesichtsausdruck ist verzweifelt. Das Rotweinglas in ihrer Hand spricht Bände.

Also mal wieder die alte Geschichte, in der von jungen Frauen erzählt wird, die immer noch auf ihren Traumprinzen warten, weil sie allein so gar nichts wert sind. Eigentlich hätte ich hier den Film schon abgebrochen, wenn ich nicht die Besetzung gekannt hätte. Also weiter in diesem Cinderella-Verschnitt.

Nora lernt in ihrem Hotel den Schauspieler Nick (Justin Theroux) kennen, der mit ihr ausgeht. Endlich hat sie ihren Eltern (Gena Rowlands und Peter Bogdanovich) etwas zu erzählen. Doch diese Affäre ist nur von kurzer Dauer. Noras beste Freundin Audrey (Drea de Matteo) und ihr Mann Mark (Tim Guinee) scheinen ein glückliches Paar zu sein und feiern gerade ihren fünften Hochzeitstag, aber Audrey ist eher unglücklich mit ihrem Eheleben.

Nora hat noch weitere Dates mit Männern, aber alle verlaufen eher unerfreulich, bis sie auf einer Party den Franzosen Julien (Melvil Poupaud) kennenlernt. Julien interessiert sich wirklich für Nora, was bei ihr sogleich eine Art von Panik hervorruft. Der plötzlichen Nähe zu einem Mann kann sie nichts entgegensetzen und so flüchtet sie sich in einen Tablettencocktail.

Als Julien ihr mitteilt, wieder nach Paris zurückzukehren, lässt sie ihn gehen, obwohl er sie bittet, ihn zu begleiten. Erst viel später macht sie sich auf, ihn zu finden, aber da hat sie seine Nummer schon verloren. Wird es ein Wiedersehen geben?

Zoe Cassavetes ist die Tochter des großen Regisseurs John Cassavetes. Nun, Talent ist eben nicht erblich, das zeigt sich hier ganz deutlich. Die ganze Geschichte ist nicht ausgereift genug, um unterhalten zu können und gleichzeitig auch noch so dünn und voller Klischees, dass es schon schmerzt. An den Darstellern liegt es nicht, die leisten gute Arbeit, aber insgesamt bleibt nur ein fader Nachgeschmack. Die Frauen sind mal wieder nur verzweifelt, egal ob sie nun einen Mann haben oder auch nicht. Geht's noch?

Insgesamt gesehen kein empfehlenswerter Film, den hier aber auch sowieso niemand sehen wird. Die gute Besetzung kann einem nur leid tun.

Sonntag, 24. Juli 2011

Black Heaven

"Black Heaven" - "L'autre monde" ist ein Film von Gilles Marchand aus dem Jahr 2010. Das Drehbuch schrieb Marchand zusammen mit Dominik Moll.

Der junge Gaspard (Grégoire Leprince-Ringuet) und seine Freundin Marion (Pauline Etienne) finden am Strand ein fremdes Handy. Als sie darin herumschnüffeln, entdecken sie Bilder von einer blonden Frau (Louise Bourgoin) und einige Nachrichten. Es gelingt ihnen sogar, den Besitzer des Handys ausfindig zu machen, als er sich mit der Frau, die auf den Bildern zu sehen war, trifft. Gaspard und Marion verfolgen die beiden, verlieren sie dann aber aus den Augen. Nur durch Zufall treffen sie später noch einmal auf das Paar, das anscheinend gemeinsam Selbstmord begehen wollte. Für den Mann kommt jede Hilfe zu spät, aber die blonde Frau kann gerettet werden.

Wenige Tage später begegnet Gaspard der unbekannten Frau erneut. Ihr Name ist Audrey und Gaspard ist von ihr immer mehr fasziniert. Doch er macht auch Bekanntschaft mit Audreys Bruder Vincent (Melvil Poupaud), der eifersüchtig über seine Schwester wacht und Gaspard schnell in seine Schranken weist.

Durch Audrey erfährt Gaspard von einem Internet-Spiel namens "Black Hole", einer virtuellen Welt, in der Audrey als "Sam" unterwegs ist. Um ihr nahe zu sein, legt sich Gaspard ein Pseudonym zu und folgt ihr in diese Welt. Sam zeigt ihm den schwarzen Strand, einen Ort den man nur erreichen kann, wenn man stirbt. Das ist ihr Ziel, auch im wirklichen Leben und Gaspard ahnt noch nicht, in welcher Gefahr er sich befindet.

So, was haben wir hier? In erster Linie einen hübschen jungen Burschen, der blind in sein Verderben rennt. Warum er das tut? Tja, das wissen die Götter oder zumindest der Autor dieser kruden Story, das hoffe ich doch zumindest. Ich habe jedenfalls nicht verstanden, warum diese "Femme Fatale für Arme" so eine Anziehungskraft besitzen soll. Die ganze Geschichte ist von vorne bis hinten einfach nur unglaubwürdig und albern. Die unzähligen Szenen in der virtuellen Welt sind dabei nicht nur überflüssig, sondern auch völlig absurd. Zudem tauchen Personen auf, die für den Verlauf der Geschichte eigentlich total unwichtig sind, wie z. B. die Auftritte von Marions Vater.

"Black Heaven" ist und bleibt ein merkwürdiger Film, dessen Sinn sich mir nicht erschlossen hat. Kann man sich anschauen, wenn man keine großen Erwartungen hat, aber wirklich sehenswert ist er nicht. Ein bisschen was retten die beiden männlichen Hauptdarsteller hier noch, denn sowohl Grégoire Leprince-Ringuet als auch Melvil Poupaud sind wie immer sehenswert, auch wenn beide hier leider weit hinter ihren Möglichkeiten bleiben.

Gilles Marchand und Dominik Moll haben schon mehrfach erfolgreich zusammen gearbeitet, besonders erwähnenswert finde ich die Filme "Harry meint es gut mit Dir" (2000) und "Lemming" (2005). "Black Heaven" kann da leider nicht mithalten, der ist insgesamt zu konfus und letztlich einfach nur unwichtig, schade.

Freitag, 25. Februar 2011

Rückkehr ans Meer - Le Refuge

"Rückkehr ans Meer" - "Le Refuge" ist ein Film von Francois Ozon, der hier zusammen mit Mathieu Hippeau auch das Drehbuch geschrieben hat, aus dem Jahr 2009.

Mousse (Isabelle Carré) und Louis (Melvil Poupaud) sind ein drogensüchtiges Liebespaar. Sie leben bzw. hausen in einer großen Altbauwohnung in Paris, die der Familie von Louis gehört. Ein junger Dealer kommt vorbei und bringt den so dringend benötigten Stoff. Beide setzen sich ihren Schuss und schlafen friedlich ein, scheinbar, denn das Heroin war mit Valium geschnitten und die Überdosis bringt Louis um und lässt Mousse nur knapp überleben. Im Krankenhaus erfährt sie vom Tod ihres Geliebten und man teilt ihr außerdem mit, dass sie schwanger ist.

Mousse geht zur Beerdigung von Louis, wo sie dessen schwulen Bruder Paul (Louis-Ronan Choisy) kennenlernt und danach eine Aussprache mit Louis' Mutter (Claire Vernet) hat, die ihr nur kalt mitteilt, dass die Familie an dem Kind nicht interessiert ist und ihr zu einem Abbruch der Schwangerschaft rät.

Daraufhin verlässt Mousse Paris und fährt ans Meer, in das kleine Haus eines Freundes. Sie braucht Ruhe und will Frieden und zu sich selbst finden. Einige Monate später kommt Paul für ein paar Tage vorbei. Er ist auf dem Weg nach Spanien und möchte Mousse, die inzwischen hochschwanger ist, besuchen. Die ist zunächst nicht besonders erfreut über ihren Gast, aber aus der anfänglichen Zurückhaltung wird doch bald echte Zuneigung. Paul fängt ein Verhältnis mit Serge (Pierre Louis-Calixte) an, was von Mousse beinahe eifersüchtig verfolgt wird. Als Paul wieder abreist ist viel geschehen mit ihm und Mousse, mit ihnen und zwischen ihnen. Mousse spürt den Schmerz seiner Abwesenheit und kann auch endlich die Trauer um Louis zulassen, was ihr zuvor nicht möglich war.

Im letzten Teil, der wieder in Paris spielt, besucht Paul Mousse nach der Geburt ihrer Tochter, die sie Louise nennt, im Krankenhaus. Als sie sieht, wie Paul das Baby voller Liebe anschaut, weiß sie was sie zu tun hat. Sie verlässt das Krankenhaus und übergibt ihre Tochter in die Hände von Paul. Mousse schreibt ihm einen Brief, in dem sie ihm ihre Gründe erklärt. Sie muss erst wieder lieben und leben lernen und fühlt sich für die Mutterrolle noch nicht bereit.

Francois Ozon hat mal wieder das gemacht, was er immer macht, nämlich genau den Film zu drehen, der ihm am Herzen liegt, egal was die Kritiker auch sagen mögen. Wer immer auch versuchen will, diesen Regisseur in irgendeine Schublade zu stecken, der wird mit Bravour scheitern, gottseidank. Wenn es einen roten Faden in seinen Werken gibt, dann ist es vielleicht das Thema Familie, das er aber gerne auf seine Art thematisiert, so auch hier. Die üblichen Konventionen gelten bei ihm nichts und das ist sehr begrüßenswert.

Der Film entlässt einen mit dem schönen Gefühl, dass die Geschichte nicht zu Ende ist und dass es so wie es ist wunderbar funktionieren wird. Das soll ihm erstmal einer nachmachen. Bei der Besetzung hat sich Francois Ozon mal wieder selbst übertroffen. Neben der wunderbaren Isabelle Carré und dem wie immer herausragenden Melvil Poupaud, ist ihm mit Louis-Ronan Choisy ein weiterer Glücksgriff gelungen. Der junge Musiker und Sänger hatte noch keine Schauspielerfahrung und agiert trotzdem ganz unverkrampft und glaubhaft. Er verleiht seiner Rolle einen ganz besonderen Zauber und er ist - nebenbei bemerkt - einfach bildschön. Gleichzeitig ist er auch für den besonders schönen Soundtrack zuständig, der den Film begleitet. Sein Album "Rivière de plumes" kann ich in diesem Zusammenhang nur sehr empfehlen.

Isabelle Carré ist in ihrer spröden Schönheit ein echtes Erlebnis als Mousse. Man kann sie nicht richtig einschätzen, erfährt nichts über ihre Vergangenheit, sie kapselt sich ab und öffnet sich nur sehr langsam. Was immer auch in ihr vorgehen mag, sie zeigt es nicht. Melvil Poupaud hat leider nur einen sehr kurzen Auftritt, aber sein charismatisches Wesen bleibt für den Rest des Films im Gedächtnis. Genau das hat Francois Ozon so gewollt, der mit ihm schon den großartigen Film "Die Zeit die bleibt" gedreht hat. Ozon hatte erst leichte Bedenken ihm diese Rolle anzubieten, weil er ihn hier schon wieder sterben lässt und das auch noch nach nur wenigen Filmminuten, doch Melvil Poupaud war sofort dabei. Louis-Ronan Choisy schließlich macht den Film mit seiner Darstellung komplett. Ebenso wie Mousse macht auch sein Charakter eine große Wandlung durch und ist am Ende des Films bei sich angekommen.

Insgesamt gesehen ist das ein sehr intensiver und zu Herzen gehender Film, der einfach berührend und manchmal fast zum Heulen schön ist. Eingefangen ist das alles in wunderschönen und sehr ruhigen Bildern, auf die man sich schon einlassen sollte, so wie auch auf den ganzen Film, aber das sollte bei einer Arbeit von Francois Ozon eigentlich keine Schwierigkeit sein. Ich persönlich liebe seine Filme und kann sie nur sehr empfehlen, denn für mich ist Francois Ozon einer der besten und innovativsten Regisseure, die es gibt und jeder seiner Filme ist eine Entdeckung für sich. Ganz große Empfehlung auf jeden Fall von mir für diesen absolut zauberhaften und gefühlvollen Film.

Freitag, 27. August 2010

Die Zeit die bleibt

"Die Zeit die bleibt" ist ein Film von Francois Ozon (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2005.

Es geht um den Modefotografen Romain (Melvil Poupaud), einen jungen Mann Anfang Dreißig, der während eines Shootings zusammenbricht und schließlich erfährt, unheilbar an Krebs erkrankt zu sein. Da eine Behandlung in seinem Fall kaum eine Hoffnung auf Heilung bietet, entschließt sich Romain, sein Leben zunächst unverändert fortzuführen und sich auf seine eigene Art und Weise auf seinen Tod vorzubereiten.

Hatte er eigentlich vor, seinen Eltern und seiner Schwester von seinem Schicksal zu berichten, verwirft er diesen Gedanken jedoch bald, wohl auch um sie zu schützen. Er trennt sich von seinem jungen Freund Sasha (Christian Sengewald), indem er behauptet ihn nicht mehr zu lieben, gefolgt von einem unhörbaren "Es tut mir leid". Einzig seiner Großmutter Laura (Jeanne Moreau) vertraut er sich an. "Du bist wie ich - Du stirbst auch bald". Bei ihr lässt er auch seine Traurigkeit und seine Tränen zu.

So vergehen die letzten Wochen im Leben von Romain. Er ist allein mit sich und begegnet immer wieder dem kleinen Jungen, der er einmal war. Er zieht sich in sich selbst zurück und es scheint, als würde er genau dort seinen Frieden finden. Als ihn eine Kellnerin (Valeria Bruni-Tedeschi) unvermutet anspricht, ob er vielleicht bereit sei, mit ihr zusammen ein Kind zu zeugen, da ihr Mann unfruchtbar sei, sich aber beide so sehr ein Kind wünschten, lehnt Romain zunächst ab mit den Worten: "Nein, ich mag keine Kinder." Etwas später geht er aber dann doch darauf ein und verhilft somit dem Paar zu einem Kind.

Zum Schluß fährt er an den Strand seiner Kindheit und verbringt dort seinen letzten Tag, ausgesöhnt mit sich und seinem Leben und bereit für seinen Tod.

Ich finde diesen Film einfach wunderschön, trotz des traurigen Themas und er fasziniert und bewegt mich bei jedem Anschauen wieder. Besonders die Entschlossenheit von Romain, einem Menschen der von sich selbst sagt "Ich bin nicht jemand der nett ist", sein Leben und Sterben allein und selbstbestimmt in die Hand zu nehmen, ist bewundernswert und glaubhaft, auch wenn viele Zuschauer das sicher nicht verstehen können. Francois Ozon verzichtet auch aus gutem Grund darauf, hier gefühlsduselige Familienbilder zu zeigen, in denen der arme Kranke dann noch von allen in den Arm genommen wird. Seine Hauptfigur Romain passt nicht in dieses Schema, gottseidank. Er ist kein Familienmensch, nicht im Leben und auch nicht im Sterben. Alles andere wäre nur verlogen.

Hauptdarsteller Melvil Poupaud ist eine wahre Offenbarung als Romain, zum Ende des Films hat er für die Rolle enorm an Gewicht verloren, um den körperlichen Zustand Romains darzustellen. Sein Romain ist ein junger und gutaussehender Mann, der Mitten im Leben steht, ein bisschen arrogant wirkt und sich anscheinend nicht sehr um andere Menschen sorgt. Melvil Poupaud schafft es aber, einen anderen Blickwinkel auf Romain zu werfen und die Verletzlichkeit unter der nur scheinbar harten Schale zu zeigen. Das zeichnet diesen Film aus, denn Francois Ozon weiß genau, was er hier erzählen wollte.

In den Nebenrollen glänzen Jeanne Moreau und Valeria Bruni-Tedeschi, die beide ganz wundervoll sind und den Film mit ihrer Anwesenheit nur noch zusätzlich veredeln. Klitzekleiner Kritikpunkt von mir ist die Besetzung des Freundes Sasha. Francois Ozon wollte kein typisches schwules Paar zeigen und suchte deshalb nach einer etwas anderen Besetzung für die Rolle von Romains Freund. Leider funktioniert Christian Sengewald aber meiner Meinung nach hier überhaupt nicht. Zwischen den beiden Männern gibt es so gar keine Übereinstimmung, ihr Verhältnis ist unklar und völlig rätselhaft und die Naivität von Sasha nervt gewaltig. Das ist aber auch schon alles, was ich hier auszusetzen habe, der Film an sich ist absolut großartig und überaus empfehlenswert. Unbedingt anschauen!

Francois Ozon selbst bezeichnet diesen Film als zweiten Teil seiner "Trilogie der Trauer", nach dem wunderbaren "Unter dem Sand", der vom Tod eines geliebten Menschen handelt. Der Abschluss der Trilogie sollte möglicherweise ein Film über den Tod eines Kindes sein, weshalb ich persönlich "Ricky" als solchen einstufen würde. Ozon hat jedoch in jüngsten Interviews seinen neuen Film "Rückkehr ans Meer" - "Le Refuge" als Ende der Trilogie bezeichnet.

Freitag, 13. August 2010

Eine Affäre in Paris

"Eine Affäre in Paris" ist ein Film von James Ivory aus dem Jahr 2003.

Die junge Amerikanerin Isabel (Kate Hudson) kommt nach Paris, um ihre dort lebende schwangere Schwester, die Dichterin Roxy (Naomi Watts) zu besuchen. Just bei ihrer Ankunft verlässt Roxys Ehemann, der Maler Charles-Henri (Melvil Poupaud) seine Frau und seine kleine Tochter. Isabel beschließt daraufhin, einige Zeit in Paris zu bleiben. Sie findet einen Job bei der Schriftstellerin Olivia (Glenn Close) und beginnt ein lockeres Verhältnis mit dem jungen Yves (Romain Duris). Charles-Henri glaubt in der noch verheirateten Russin Magda seine große Liebe gefunden zu haben. Ihr amerikanischer Ehemann (Matthew Modine) sieht das allerdings ganz anders.

Obwohl Roxy einer Scheidung nicht zustimmen will, geht es nun darum, die Besitztümer aufzuteilen. Roxy hatte einst ein Gemälde, das ihrer Familie gehört, mit in die Ehe gebracht. Plötzlich wird festgestellt, dass dieses Gemälde eventuell sehr wertvoll sein könnte und die Familie von Charles-Henri will unbedingt einen Anteil daran haben. Isabel wird in dieser Zeit die Geliebte von Edgar, dem Bruder von Charles-Henris Mutter. Dieser schenkt Isabel eine sündhaft teure Handtasche von Hermès, wie er es bei allen seinen Geliebten tut. Die rote Kelly-Bag ist wie ein Erkennungszeichen für alle Beteiligten, aber die naive Isabel trägt sie stolz überall mit sich herum.

Als Roxy einen Selbstmordversuch unternimmt, sie wird natürlich gerettet, kommt ihre Familie aus Amerika nach Paris geflogen. Zwischen den beiden Familien geht die Schlacht um das Gemälde weiter, findet aber ein abruptes Ende, als Charles-Henri und Magda von Magdas verrücktem Ehemann getötet werden.

Zum Schluß wird das Gemälde teuer verkauft, Roxy hat ihr Kind bekommen und auch einen neuen Mann, ihren Anwalt (Jean-Marc Barr), Isabel ist mit Yves zusammen und alle sind glücklich und zufrieden. Nur ich nicht...

Als ich mir den Film ausgeliehen habe, wusste ich tatsächlich nicht, dass James Ivory hier der Regisseur war. Ehrlich gesagt, so einen grottenschlechten Film hätte ich von ihm niemals erwartet. Die ganze Geschichte lässt einen erstaunlich kalt, trotz der illustren Schauspielerriege, die aber eine schwache und zerfaserte Story auch nicht retten kann. Was will dieser Film eigentlich erzählen? Soll das ein Drama oder eine Komödie sein? Zugegeben, er ist teilweise hübsch anzuschauen, aber insgesamt völlig belanglos. Es gibt tolles Essen in tollen Restaurants, aber sonst ist es unendlich langweilig und öde. Zu viele verschiedene Handlungen nebeneinander, die alle keinen Sinn ergeben.

Die rote Kelly-Bag wird als Running Gag genutzt, der sich aber irgendwann tot läuft. Die Russin Magda agiert so durchgeknallt, als würde sie unter Strom stehen und ist insgesamt so daneben geraten, dass sie komplett unsympathisch bleibt. Das "Drama" auf dem Eiffelturm ist völlig überflüssig und unwichtig. Die Nebenrollen sind zwar mit großartigen Schauspielern besetzt, unter anderem Leslie Caron, Stockard Channing und Stephen Fry, aber sie werden allesamt verschenkt in diesem Durcheinander.

Kate Hudson und Naomi Watts sind eine herbe Enttäuschung. Ihre naiv-doofe Einstellung, immer alle Probleme einfach wegzulächeln, nervt gewaltig und nach knapp zwei Stunden Laufzeit war ich froh, dass der Film endlich zu Ende war. Also von mir definitiv keine Empfehlung.