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Donnerstag, 15. August 2013

Passion

"Passion" ist ein Film von Brian De Palma (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2012 und basiert auf dem französischen Film "Love Crime" oder auch "Crime d'amour" von Alain Corneau aus dem Jahr 2010.

Brian De Palma bezieht sich in den Credits ausdrücklich auf Alain Corneaus Film, übernimmt die Handlung, ja sogar ganze Szenen und Dialoge, ohne mit der Wimper zu zucken. Ein paar Kleinigkeiten ändert er ab und am Ende geht die Fantasie mit ihm durch und er bringt einige eigenständige Ideen ein, aber das Ergebnis ist leider sehr ernüchternd. Schade, ich bin schon mit geringen Erwartungen an diesen Film herangegangen, doch so eine Enttäuschung hatte ich dann doch nicht erwartet.

Die Handlung wiederhole ich jetzt nicht noch mal, denn die kann man hier nachlesen: "Love Crime". Die Hauptrollen in "Passion" spielen Rachel McAdams und Noomi Rapace, denen De Palma in seiner Altherrenfantasie natürlich auch gleich lesbische Untertöne andichtet, um das (männliche) Publikum auf seiner Seite zu haben. Deswegen wird auch aus Isabelles Assistenten Daniel hier die Assistentin Dani (Karoline Herfurth), um die Sache noch mehr anzuheizen. Dani ist zudem scharf auf Isabelle, was am Ende noch zu einigen merkwürdigen Begebenheiten führt.

Um die ganze Handlung verstehen zu können, ist es allerdings notwendig, das französische Original zu kennen, denn De Palma kopiert hier zwar viel, lässt aber auch einige wichtige Entwicklungen einfach unter den Tisch fallen. Da war Corneau doch sehr viel genauer, während es De Palma scheinbar nur um die Bilder geht. Die nachvollziehbare Handlung interessiert ihn wohl eher nicht.

Ja, die Bilder... Split-Screen natürlich, wir sind hier schließlich in einem De Palma-Film, da geht das einfach nicht ohne. Dann hätten wir noch sehr grelles Product-Placement, ein paar Berlin-Bilder, da kommen schließlich die Gelder her und aus diesem Grund auch noch einige deutsche Darsteller, die sich nun damit rühmen können, in einem De Palma-Film mitgespielt zu haben. Toll, echt.

"Passion" wird als Erotik-Thriller vermarktet, da zieht der Name De Palma immer, aber letztendlich ist der Film ungefähr so erotisch wie ein ausgelutschter Spülschwamm. Zwischen den Darstellerinnen knistert aber auch gar nichts, egal was uns der Film da auch vorlügen will. Aber auch Paul Anderson als Christines Geliebter, der eine kurze Affäre mit Isabelle beginnt, ist so spröde, dass man ihm seine Rolle als Love Interest einfach nicht abkaufen kann.

Rachel McAdams und Noomi Rapace können zu keiner Zeit überzeugen, besondere Mühe scheinen sich aber beide auch nicht zu geben. McAdams versucht ein Biest zu sein, während Rapace die meiste Zeit nur verhuscht wirkt, wie eigentlich immer. Beide finde ich extrem fehlbesetzt, immerhin spielen in Corneaus Film Kristin Scott Thomas und Ludivine Sagnier die Hauptrollen, zwei Schauspielerinnen, die ihr Handwerk wirklich verstehen und immer überragende Leistungen zeigen können. Man muss einfach beide Filme gesehen haben, um zu erkennen, dass dazwischen wirklich Welten liegen.

Zur Ausstattung von Christines Haus fällt mir nur der Spruch ein: "Es ist verdammt teuer, so billig auszusehen." Während in Corneaus Film alles geschmackvoll und stilsicher ist, hat hier wohl eher ein Inneneinrichter mit einem schlimmen Sehfehler gearbeitet. Das ist alles so geschmacklos und übertrieben, dass einem glatt die Augen tränen.

Brian De Palma versucht noch ein paar eigene Ideen hier unterzubringen, da hätten wir unter anderem das Maskenmotiv, eine Zwillingsschwester, egal ob die nun wirklich existiert oder auch nicht, und hat damit den Bogen zu seinen früheren Meisterwerken gespannt. Liebe, Lust, Obsessionen, Doppelgänger, alles taucht hier irgendwie auf und hat doch nichts mit diesem Film zu tun. Ich liebe die meisten Filme von Brian De Palma, er ist einer der wenigen wirklich innovativen Regisseure und er hat ohne jeden Zweifel viele moderne Klassiker geschaffen, die auch auf Dauer bestehen werden, aber dieser Film hier ist leider total misslungen.

Meine Empfehlung: Sehen Sie sich Corneaus Film an, der ist zwar auch nicht perfekt, wirkt aber gegen diesen Blödsinn hier wie ein kleines Meisterwerk und hat zudem wunderbare Schauspielerinnen zu bieten.

Samstag, 21. Januar 2012

Black Dahlia

"Black Dahlia" ist ein Film von Brian De Palma aus dem Jahr 2006. Das Drehbuch stammt von Josh Friedman und basiert auf dem gleichnamigen Kriminalroman von James Ellroy.

Die Handlung spielt in Los Angeles im Jahr 1947. Eine junge Frau wird tot aufgefunden, ihre Leiche ist grausam zugerichtet. Ihr Name war Elizabeth Short (Mia Kirshner) und sie wollte in L. A. Karriere als Schauspielerin machen und berühmt werden. Nun, berühmt ist sie geworden, aber ganz anders, als geplant. Bei dieser Geschichte griff James Ellroy in seinem Roman auf eine wahre Begebenheit zurück, denn diesen Mord an Betty Short hat es tatsächlich gegeben und er wurde niemals aufgeklärt.

Die ermittelnden Polizisten sind unter anderem Dwight Bleichert (Josh Hartnett) und sein etwas älterer Kollege Lee Blanchard (Aaron Eckhart), beide ehemalige Boxer, die sich nun im Polizeidienst hochkämpfen. Sie werden beste Freunde und Lees Freundin Kay (Scarlett Johansson) komplettiert das Trio. Die Suche nach dem Mörder von Betty Short wird für Lee und Dwight zur Obsession, unter der auch ihr Privatleben leidet. Zudem melden sich noch Geister aus der Vergangenheit, die es zu bewältigen gilt.

Die Ermittlungen gehen bis in die höchsten Kreise und so mancher hat hier Dreck am Stecken. Es droht Gefahr von vielen Seiten und wer hier keinen klaren Kopf behält, der wird ihn am Ende noch verlieren...

Die Handlung des Films kann man eigentlich gar nicht wiedergeben, weil sie noch so viele Haken schlägt. Mehr jedenfalls, als dem Film insgesamt gut tut. Darum geht es hier aber gar nicht. Ein so umfangreiches Buch in einen zweistündigen Film zu packen, ist immer eine schwierige, fast unlösbare Aufgabe.

Mit Brian De Palma wurde hier ein großartiger Regisseur verpflichtet, dessen Werke immer etwas Besonderes sind. Er hat seinen eigenen Stil, den er auch hier wieder grandios einsetzt. Die Bilder und die Ausstattung sind exzellent und ein wahrer Genuss. De Palma ist ein Künstler, der weiß was er tut. Das könnte also alles so schön und überwältigend sein, wäre da nicht bei der Besetzung so viel schiefgelaufen.

Bei Aaron Eckhart gibt es nichts zu meckern, denn er zählt hier noch zu den Highlights. Er geht zwar manchmal ein bisschen "Over the Top", aber er verfügt über eine komplexe Persönlichkeit, die er mühelos in seine Figur einbringt. Josh Hartnett ist blass, viel zu jung und unerfahren, um diese Rolle glaubhaft spielen zu können, das konnte nur daneben gehen. Gleiches gilt für Scarlett Johansson, die zudem nur ihre einstudierten Gesten hat, die ganz schnell nerven und total unglaubwürdig sind. Unglaubwürdig ist auch die ständig überschätzte Hilary Swank als "verruchte" Femme Fatale. Fatal ist hier nur ihre schlechte Karikatur einer Femme Fatale, die leider nur komplett lächerlich ist.

Der einzige Lichtblick, neben Aaron Eckhart, ist Mia Kirshner als Betty Short, die ihrer Figur wirklich Leben einhaucht und in ihren wenigen Szenen mehr ausdrückt, als alle anderen Schauspieler zusammen. Hier spürt man die Tragik des Lebens dieses jungen Starletts, dessen Träume sich nicht erfüllen und dessen Leben so früh und so grausam enden wird.

Was hätte das für ein großartiger Film werden können, wenn man ihn mit reiferen Darstellern gedreht hätte. So bleibt es leider nur ein Film der verpassten Möglichkeiten, der sich etwas schwerfällig hinzieht und den man sofort wieder vergisst. Lediglich die fehlbesetzten Darsteller bleiben noch eine Zeit im Kopf, aber das ist keine positive Erinnerung. Schade.

Trotz allem empfehle ich noch die Extras auf der DVD, die von der Geschichte Betty Shorts und der Entstehung des Films berichten. Brian De Palma erläutert seine Sicht auf den Film und allein das ist wunderbar anzuschauen. Für den Film an sich gebe ich aber nur eine eingeschränkte Empfehlung ab, so leid es mir auch tut.

Sonntag, 15. August 2010

The Untouchables

"The Untouchables" ist ein Film von Brian De Palma aus dem Jahr 1987 und eine Hommage an den frühen Gangsterfilm, das Drehbuch stammt von David Mamet.

Chicago 1930, zur Zeit der Prohibition. Der Gangsterboss Al Capone (Robert De Niro) hat mit seinen Alkoholgeschäften die Stadt unter Kontrolle. Der Agent Eliot Ness (Kevin Costner) hat es sich zur Aufgabe gemacht, Capone das Handwerk zu legen und ihn aus dem Verkehr zu ziehen. Das erweist sich aber schnell als schwieriges Unterfangen, zumal er anscheinend aus den eigenen Reihen heraus sabotiert wird. Zusammen mit dem älteren Streifenpolizisten Jim Malone (Sean Connery), dem jungen Polizisten George Stone (Andy Garcia) und dem Buchprüfer Oscar Wallace (Charles Martin Smith) bildet Ness ein kleines Team, das sich voll und ganz der Bekämpfung Capones widmet. Die Jagd ist eröffnet.

Dieser Film ist ein kleines Kunstwerk und extrem schön anzusehen. Die Ausstattung ist exzellent, die Kostüme stammen übrigens von Giorgio Armani. Die Musik von Ennio Morricone ist ebenfalls sehr schön und rundet den Film ab.

Brian De Palma scheint ja eine Vorliebe für spannende Finalszenen in Bahnhöfen zu haben, bei dieser Szene hier stockt einem schon der Atem vor Spannung. Großartig gemacht.

Robert De Niro als Al Capone ist zwar nur in wenigen Szenen zu sehen, aber dann spielt er umso intensiver, er ist perfekt in dieser Rolle. Die kleine Gruppe um Kevin Costner ist ebenfalls wunderbar besetzt und bietet allerfeinstes Schauspielerkino.

Insgesamt ein sehr sehenswerter, teilweise auch recht augenzwinkernder Film, der bestens unterhält. Absolut empfehlenswert.

Carrie

"Carrie" ist ein Horrorfilm von Brian De Palma aus dem Jahr 1976, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Stephen King, das 1973 als erster King-Roman veröffentlicht wurde. Sowohl für De Palma, als auch für King, bedeutete dieser Film den großen Durchbruch. Meine Rezension bezieht sich allerdings nur auf den Film. Da ich das Buch nicht gelesen habe, kann ich auch nicht beurteilen, wie es umgesetzt wurde. Ich beurteile den Film daher als ganz eigenständiges Werk.

Es geht um die junge Carrie (Sissy Spacek), ein unsicheres und schüchternes junges Mädchen, die mit ihrer religiös fanatischen Mutter (Piper Laurie) zusammen lebt. Als Carrie eines Tages beim Duschen nach dem Sportunterricht ihre erste Periode bekommt, ist sie zu Tode erschrocken über das Blut, das aus ihrem Körper läuft. Von ihrer Mutter nicht aufgeklärt und von ihren Mitschülerinnen wegen ihres panischen Verhaltens verhöhnt, macht sich bei Carrie eine starke Wut breit. Gleichzeitig bemerkt sie, dass sie die Fähigkeit besitzt, Dinge mit der Kraft ihrer Gedanken zu bewegen. Je mehr sie von den Mitschülern gedemütigt und verspottet wird, desto größer wird ihr Zorn. Sie lässt sich von einem Jungen gegen den Willen ihrer Mutter überreden, mit ihm zum Abschlussball in der Schule zu gehen und der Abend verläuft zunächst recht harmonisch. Carrie ist bezaubernd und wunderschön an diesem Abend und sie ist glücklich. Doch einige ihrer Mitschüler haben eine teuflische "Überraschung" für Carrie geplant und keiner von ihnen ahnt, welches Inferno damit losgetreten wird. Im Moment ihres bisher größten Glücks geschieht das Unfassbare und zum ersten Mal setzt sie ihre Kräfte bewusst ein.

Der Horror in diesem Film hat viele verschiedene Gesichter. Es geht nicht nur um die Kräfte, die in Carrie erwachen und die diese nutzt, um sich zu rächen, sondern es handelt sich um den alltäglichen Horror, dem junge Menschen ausgesetzt sind. Sei es in der Schule oder auch zu Hause. Darin bestehen auch die Faszination und der Erfolg dieses Films, denn es handelt sich um Situationen, die wohl beinahe jeder von uns auf die eine oder andere Art schon selbst erlebt hat, wenn auch hoffentlich in abgeschwächter Form. De Palma selbst meinte übrigens, Gut und Böse wären in diesem Film relativer Art.

Die Hauptdarstellerin Sissy Spacek liefert hier eine grandiose Darstellung ab, bis hin zur allerletzten Szene, bei der Brian De Palma sie eigentlich durch ein Double ersetzen wollte, aber Spacek darauf bestand, die Szene selbst zu spielen. Wer den Film schon kennt, wird die entsprechende Szene kennen und nie vergessen. Wer den Film noch nicht kennt, sollte sich auf einiges gefasst machen. Gerade wenn man glaubt, der Film sei vorbei und man könnte wieder ruhig atmen... Nein, mehr sei hier nicht verraten. Nur so viel, dieser Moment erzeugt bei mir immer wieder eine Gänsehaut, auch wenn ich ganz genau weiß, was passiert.

Neben Sissy Spacek und Piper Laurie glänzen hier noch die damaligen Jungstars Nancy Allen, Amy Irving und John Travolta. Die Filmmusik stammt hier erstmalig von Pino Donaggio, da De Palmas Lieblingskomponist Bernard Herrmann, der viel mit Alfred Hitchcock gearbeitet hatte, kurz zuvor verstorben war.

Brian De Palma, der zuvor bereits Filme wie z. B. "Sisters", "Phantom of the Paradise" und "Obsession" gedreht hat, widmete sich 1978 erneut dem Thema Telekinese in dem Film "The Fury". Bei der Gelegenheit möchte ich noch erwähnen, dass es immer ein großes Vergnügen ist, sich mit den Filmen von De Palma zu beschäftigen, denn der Mann ist schlicht und ergreifend ein Genie und seine Handschrift ist unverkennbar. Wer außergewöhnlich gut gemachte und intelligente Filme sehen will, der kommt an ihm nicht vorbei. Also nur ran, eine De Palma-Werkschau lohnt sich allemal. Besonders erwähnenswert ist noch das Making-Of des Films aus dem Jahr 2001, das sehr ausführlich ist.

Mein Bruder Kain

"Raising Cain" ist ein Film von Brian De Palma (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1992 und ist ein extrem unterhaltsamer und spannender Thriller, der sich selbst jedoch nicht zu ernst nimmt und viele humorvolle Ansätze hat.

Der Kinderpsychologe Carter (John Lithgow) kümmert sich liebevoll um sein kleines Töchterchen Amy und ist rund um die Uhr für sie da. Seine Frau Jenny (Lolita Davidovich) beobachtet diese totale Hingabe etwas argwöhnisch. Eines Tages trifft sie zufällig ihren ehemaligen Geliebten Jack (Steven Bauer) wieder und die beiden beginnen erneut eine Affäre. Carter bemerkt dieses und seine multiplen Persönlichkeiten, die in seiner Kinderzeit entstanden sind, ergreifen wieder Besitz von ihm. Als Kind wurde Carter von seinem Vater, der ebenfalls Kinderpsychologe war, für Studien missbraucht. Nach einem gescheiterten Mordversuch an seiner Frau wird Carter verhaftet und die Polizei bittet die Psychologin Dr. Waldheim (Frances Sternhagen), die auch schon mit Carters Vater gearbeitet hatte, um Hilfe bei der Vernehmung. Sie soll die verschiedenen Persönlichkeiten Carters befragen. Das funktioniert aber nicht wie geplant und Carter kann entkommen. Es kommt zu einer dramatischen und überaus spannenden Situation, in der es darum geht, die kleine Amy zu retten. Mehr will ich hier nicht verraten, aber das ist noch nicht das Ende der Geschichte....

John Lithgow hat hier eine Traumrolle ergattert, genauer gesagt gleich fünf davon, und er ist sensationell. Die Musik stammt von Pino Donaggio und ist wie üblich grandios. Dieser Film ist ein weiterer Grund, die Filme von Brian De Palma zu lieben. Es gibt Rückblenden und Traumsequenzen ohne Ende, die zwar manchmal etwas verwirrend sind, weil man nicht weiß, wessen Traum das gerade ist, aber das macht die Sache nur um so interessanter. De Palma zitiert sich hier eifrig selbst und das mit so viel Humor, das macht einfach Spaß und muss gewürdigt werden. Fans von De Palma kommen hier voll auf ihre Kosten. Ich kann nur sagen, dieser Film ist absolut empfehlenswert.

Samstag, 14. August 2010

Obsession

"Obsession" ist ein Thriller von Brian De Palma aus dem Jahr 1976. Es war der erste größere Kassenerfolg De Palmas, der bereits 1973 "Sisters" und 1974 "Phantom of the Paradise" gedreht hatte und kurze Zeit später mit "Carrie" einen großen Erfolg landete.

Die Hauptrollen spielen Cliff Robertson und Geneviève Bujold, als Ehepaar, das seinen zehnten Hochzeitstag im Kreis von Freunden feiert. Die beiden leben in New Orleans, er ist in der Immobilienszene tätig und sehr erfolgreich und wohlhabend. Spät am Abend, die Gäste sind bereits gegangen, werden Frau und Tochter entführt. Michael Courtland (Cliff Robertson) schaltet trotz der Warnungen der Entführer die Polizei ein. Statt des geforderten Lösegeldes enthält der Koffer, den er den Entführern am vereinbarten Ort hinterlässt, nur wertloses Papier. Die Entführer fliehen daraufhin, werden aber von der Polizei verfolgt. Es kommt zu einer dramatischen Verfolgungsjagd, bei der ein Tanklastzug in die Luft fliegt. Michaels Familie kommt dabei ums Leben. Da er mit seiner Schuld an den Ereignissen nicht leben kann, errichtet Michael ein Denkmal auf einem seiner Grundstücke, das der Kirche in Florenz ähnelt, in der er einst seine Frau getroffen hat.

Die Zeit vergeht, 15 Jahre später lebt Michael immer noch mit seiner Trauer um seine Familie und mit seinen Schuldgefühlen. Sein jüngerer Geschäftspartner Robert Lasalle (John Lithgow) überredet ihn zu einem Geschäftsbesuch in Florenz. Bei einem Besuch in der besagten Kirche macht Michael die Bekanntschaft mit Sandra Portinari (ebenfalls Geneviève Bujold), die seiner Frau wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Er ist verzaubert von der jungen Frau und nimmt sie mit nach New Orleans um sie zu heiraten. Sein Umfeld reagiert befremdlich auf diese Situation. Michael blüht auf, glaubt er doch, durch Sandra seine Schuld wieder gutmachen zu können. Er verliert sich in Traumsequenzen. Und tatsächlich scheint sich die Geschichte zu wiederholen, denn Sandra wird auch entführt. Michael will das Lösegeld zahlen, wird aber von Lasalle ausgetrickst, der ihm nur einen Koffer mit Papier übergibt und ihm dafür ein wertvolles Grundstück abnimmt. Nachdem Michael den Koffer am vereinbarten Treffpunkt hinterlegt hat, erscheint Sandra und öffnet den Koffer. Als sie sieht, dass sich nur Papier darin befindet, offenbart sich dem Zuschauer, dass Sandra in Wirklichkeit Michaels Tochter Amy ist, die damals die Entführung überlebt hat. Lasalle, der auch damals für die Entführung verantwortlich war, hatte sie in dem Glauben gelassen, ihr Vater hätte nicht für sie bezahlen wollen. Der Schmerz von damals kommt wieder hoch und Amy verwandelt sich wieder in ein kleines Kind, das völlig verzweifelt ist und nach seiner Mutter ruft. Lasalle übergibt ihr einen kleinen Geldbetrag und setzt sie in ein Flugzeug nach Rom. Während des Flugs begreift Amy, was sie getan hat und versucht sich das Leben zu nehmen. Sie wird aber rechtzeitig gerettet und das Flugzeug fliegt zurück nach New Orleans. Dort wartet bereits Michael auf sie, der in letzter Sekunde endlich begreift, dass Amy seine Tochter ist.

Der ganze Film besteht aus unglaublich tollen Bildern, die zwar teilweise etwas unscharf sind, aber das ist durchaus so gewollt, um die verschiedenen Zeitebenen darzustellen. Brian De Palma hat einfach ein Auge für tolle Kameraaufnahmen und sehr beeindruckende Bilder. Allein die letzten Aufnahmen im Flughafengebäude sind sensationell.

Wie so oft bei De Palma, gibt es hier auch ein sehr interessantes Making-Of, das viel über die Dreharbeiten und die Entstehung des Filmes erzählt. So etwas lobe ich mir, da hier nicht nur die üblichen Lobhudeleien abgetan werden, sondern man wirklich etwas über den Film erfährt.

Paul Schrader, der das Drehbuch schrieb, hatte noch einen weiteren Akt geplant, der aber aus Zeitgründen unberücksichtigt blieb, weshalb er sich später von diesem Projekt distanzierte.

Dieser Film ist absolut sehenswert. Brian De Palma ist ein großartiger Regisseur, ich kann seine Filme nur empfehlen.

Body Double

"Body Double" ist ein weiterer wunderbarer Film von Brian De Palma und stammt aus dem Jahr 1984.

Zunächst einmal muss ich sagen, dass die FSK-18-Freigabe aus heutiger Sicht natürlich ausgemachter Unsinn ist. Zwar wird das bedauernswerte weibliche Opfer hier mit Hilfe einer Bohrmaschine ins Jenseits befördert (was eher skurril ist, besonders als das Stromkabel zu kurz ist und der Bohrer nicht bis zum Opfer reicht), aber diese Tat wird nicht wirklich gezeigt und spielt sich eher im Kopf des Zuschauers ab. Das gleiche gilt übrigens auch für De Palmas Film "Scarface", der ein Jahr früher entstand, in dem Fall war es eine Kettensäge. Bis auf spritzendes Blut gibt es in beiden Filmen nichts von der eigentlichen Gewalttat zu sehen. "Scarface" an sich war zwar schon etwas brutaler, hatte aber auch eine ganz andere Thematik.

Die Geschichte hier ist enorm wendungsreich und spannend erzählt. Zwei Stunden Film vergehen wie im Flug, es gibt meiner Meinung nach überhaupt keine Längen. Ich habe mich sofort in diesen Film verliebt und finde ihn herrlich!

Der Hauptdarsteller Jake (Craig Wasson) ist ein äußerst sympathischer Verlierer, ein armes unwissendes Opfer, das in einen mörderischen Plan hineingezogen wird. Er beobachtet durch ein Teleskop eine schöne Frau in ihrer Wohnung (Deborah Shelton als unerreichbare Traumfrau). Doch was sieht er wirklich? Ist etwa alles nur eine Täuschung und wenn ja, wer steckt dahinter? Fragen über Fragen und der arme Jake muss bald um sein Leben fürchten.

Melanie Griffith ist hier als Pornostar "Holly Body" in ihrer ersten Hauptrolle zu sehen und sie ist hinreißend. Genial auch der kurze Auftritt von "Frankie goes to Hollywood" mit ihrem Song "Relax" als Film im Film, sehr gute Idee.

Ich finde diesen Film großartig, humorvoll und vollgepackt mit herrlichen Szenen und Einfällen. Mich hat er auf ganzer Linie überzeugt.

Überhaupt habe ich so einige Filme von Brian De Palma gesehen und bin absolut begeistert. Ob "Phantom of the Paradise", "Dressed to Kill", "Blow Out", "Scarface", "Casualties of War", "Carlito's Way" oder wie hier "Body Double", alle grundverschieden und alle großartig.

Für diesen Film wurde De Palma übrigens für die "Goldene Himbeere" als schlechtester Regisseur nominiert. Was für Spaßbremsen sind denn da am Werk gewesen? Ab in die Ecke und schämen!

Redacted

"Redacted" ist ein Film aus dem Jahr 2007 von Brian De Palma, der hier Regie geführt hat und auch das Drehbuch schrieb.

Es geht um amerikanische Soldaten im Irak-Krieg, die Handlung beruht auf einer wahren Begebenheit, auch wenn es hier aus rechtlichen Gründen als fiktive Geschichte präsentiert wird. Ein Kontrollpunkt in Samarra, die Soldaten stehen den ganzen Tag in voller Ausrüstung in der sengenden Sonne, um Fahrzeuge und Passanten die den Kontrollpunkt passieren wollen, auf Waffen zu durchsuchen. Es gibt Unmengen von Schildern, die jedoch von den meisten Irakern nicht verstanden werden können, da viele von ihnen Analphabeten sind. Ebenso verstehen viele Iraker die Handzeichen der Soldaten nicht, was manchmal zu tödlichen Missverständnissen führt, denn die Soldaten können nicht unterscheiden, wer Freund und wer Feind ist. Es ist ein frustrierender und zermürbender Job. Da es keinerlei Ablenkung gibt, ist das Gewaltpotenzial sehr hoch. Eines Abends entsteht dann von einigen betrunkenen Soldaten der Plan, ein Haus zu stürmen, in dem unter anderem ein junges Mädchen wohnt, um es zu vergewaltigen.

Bereits in dem Film "Die Verdammten des Krieges" aus dem Jahr 1989 hat Brian De Palma eine wahre Geschichte zu Grunde gelegt, die sich im Vietnam-Krieg zugetragen hat. Dort ging es wie hier um die Vergewaltigung eines jungen Mädchens durch amerikanische Soldaten, einzig aus einer Laune heraus. Bei dieser Tat hier im Jahr 2006 wurde die ganze Familie getötet und anschließend verbrannt. Auch wenn die Schuldigen später vor das Militärgericht gestellt wurden, so darf das doch in keiner Weise entschuldigend hingenommen werden. Genau wie im Vietnam-Krieg, so werden auch hier die Überlebenden diese Bilder nie mehr aus ihren Köpfen bekommen.

Altmeister De Palma bedient sich hier der modernen Medien um über einen aussichtslosen Krieg und seine Folgen für alle Seiten zu berichten. In den Staaten gilt er dafür als "Nestbeschmutzer". Tatsächlich aber ist er ein Chronist eines aktuellen Traumas. Dafür verdient er allerhöchsten Respekt.

Dieser Film ist grausam und schwer zu ertragen, aber absolut empfehlenswert. Die Bilder der "Kollateralschäden" müssen nicht weiter kommentiert werden, sie sprechen in ihrer schonungslosen Grausamkeit für sich. Das ist das wahre Antlitz des Krieges.

Scarface

"Scarface" entstand 1983 unter der Regie von Brian De Palma und nach einem Drehbuch von Oliver Stone.

Der Film überzeugt von Beginn an mit dem unverkennbaren Soundtrack von Giorgio Moroder, der einen sofort in das poppig bunte Miami Beach katapultiert. Die Handlung beginnt im Jahr 1980. Neon-Töne, die wunderschönen Art-Déco-Häuser, knallige Farben, also ein (Alp-)Traum an Farben.

Tony Montana ist ein kleinkrimineller Exil-Kubaner, der es in den USA ganz nach oben schaffen will, er hat große Pläne und kein Unrechtsbewusstsein. Durch seinen starken Willen und seine Skrupellosigkeit gelingt ihm das auch recht schnell. Doch je mehr er erreicht, desto angreifbarer wird er, nur sieht er die Gefahren nicht. Seine Machtposition macht ihn blind für gewisse Dinge. Er hat sich ein Imperium aufgebaut, lebt in einer riesigen Villa, hat die Frau die er haben wollte geheiratet und verdient so viel Geld, dass die Banken es schon nicht mehr waschen können. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch sein Verlust zur Realität. Seine Ehe ist nicht wirklich glücklich, Tony verfällt immer mehr seinen eigenen Drogen, eine gewisse Paranoia stellt sich ein. Der ehemals kleine Emporkömmling ist ganz oben angekommen. Irgendwann und irgendwie schlägt dann alles ins Gegenteil um und einiges läuft schief. Tony hat seine natürliche Intuition verloren und die Dinge verselbständigen sich auf teuflische Weise. Es gibt Tote, die nicht geplant waren. Das Unheil nimmt seinen Lauf, niemand kann es mehr aufhalten. Tony ist ein gebrochener Mann, er erkennt seine Fehler, aber es ist bereits zu spät. Den finalen Angriff muss er fast stumm und regungslos mit ansehen, dann ein letztes verzweifeltes Aufbegehren, das war es. Es ist vorbei.

Die Besetzung ist insgesamt exzellent, der Film ist überwältigend, packend und unglaublich gut. Al Pacino verkörpert diesen Charakter extrem glaubwürdig, er ist zynisch, überheblich und erfolgreich. Michelle Pfeiffer, hier noch am Anfang ihrer Karriere, ist jung und wunderschön. Gleich ihre erste Szene im Film haut einen um. Sie kommt in einem gläsernen Fahrstuhl angefahren, den Rücken zum Zuschauer, in einem atemberaubenden Abendkleid. Tony verfällt ihr sofort und wer könnte das nicht verstehen? Sie ist bildschön, aber unnahbar und verströmt eine Aura, als wären es in Miami mindestens zwanzig Grad unter Null. Tony will sie besitzen, von Liebe und Leidenschaft ist hier nie etwas zu spüren. Sie heiratet schließlich Tony, aber eigentlich nur, weil er inzwischen sehr erfolgreich ist und ihr weiterhin ein Leben in Luxus garantieren kann. Sie ist nach wie vor unterkühlt. Die einzige Szene in der sie Gefühle zeigt, ist als sie einen Streit mit Tony in einem Restaurant hat und sich von ihm trennt. Zu diesem Zeitpunkt ist Tony aber so betrunken und zugedröhnt, dass er das einfach nicht versteht.

Gerüchten zufolge soll sich übrigens Drehbuchautor Oliver Stone zur Zeit der Dreharbeiten sehr gut mit dem Thema Kokain ausgekannt haben!

Der Film wurde damals sehr zwiespältig aufgenommen und heftig kritisiert. Das hat sich in den darauffolgenden Jahren allerdings geändert, denn heute gilt er bereits als Klassiker und als Mitbegründer des modernen Gangsterfilms. Auch die damals stark kritisierte Darstellung von Gewaltszenen wirkt heutzutage weit weniger berüchtigt. Da haben sich die Grenzen in den letzten 25 Jahren doch sehr verschoben. Die Wahrnehmung von Gewalt in Filmen ist immer auch eine Frage des Zeitgeistes. Vieles was früher noch als anstößig empfunden wurde, lockt heute keinen Hund mehr hinterm Ofen vor. Insofern ist es aus heutiger Sicht ziemlich albern, dass dieser Film keine Jugendfreigabe hat.

Freitag, 13. August 2010

Blow Out

"Blow Out" ist ein Thriller von Brian De Palma (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1981.

Der Tontechniker Jack (John Travolta) ist nachts unterwegs, um Geräusche für Filme aufzunehmen. Zufällig wird er Zeuge eines Unfalls, bei dem ein Auto in einen Fluß stürzt. Jack springt hinterher und rettet die junge Sally (Nancy Allen). Der Fahrer des Wagens, wie sich herausstellt ein wichtiger Politiker, stirbt. Jack und Sally werden unter Druck gesetzt, zu diesem Vorfall zu schweigen, da die Wahrheit nicht ans Licht kommen soll.

Als Jack seine Tonaufnahmen dieser Nacht abhört auf denen auch der Unfall festgehalten ist, glaubt er einen Schuss zu hören, kurz bevor der Wagen verunglückte. Da ihm niemand glauben will, beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln und gerät schon bald in große Gefahr, denn hier geht es um politische Intrigen und Hintermänner, die vor Mord nicht zurückschrecken. Jack und Sally müssen um ihr Leben fürchten.

Kannst Du dem was Du gehört hast wirklich trauen? Das ist eine der Fragen hier. Drei Jahre später im Film "Body Double" greift De Palma dieses Thema erneut auf. Dort geht es um das, was der Protagonist durch ein Teleskop sieht oder zu sehen glaubt. Was ist Wahrheit und was ist Täuschung? Die falsche Entscheidung kann lebensgefährlich sein.

Brian De Palma umgibt sich in seinen Filmen offensichtlich gerne mit bewährten Schauspielern. Hier arbeitet er erneut mit John Travolta, der 1976 in De Palmas "Carrie" seine erste Hauptrolle spielte. Spätestens mit der Rolle in "Blow Out" beweist Travolta, dass er ein ernstzunehmender Schauspieler ist und nicht nur Typen wie "Tony Manero" oder "Danny Zuko" verkörpern kann. Neben Travolta spielen wieder einmal Nancy Allen, Dennis Franz und John Lithgow, die auch alle zur großen De Palma-Familie zählen.

Dieser Film ist überaus spannend, brillant gefilmt und absolut empfehlenswert. Es gibt zwar einige kleine Logiklöcher, aber die sind wirklich zu vernachlässigen, denn der Film überzeugt auf ganzer Linie.

Dressed to Kill

"Dressed to Kill" ist ein Psycho-Thriller von Brian De Palma aus dem Jahr 1980.

Es beginnt mit einer Traumsequenz unter der Dusche. Kate Miller (die hinreißende Angie Dickinson), träumt davon von einem fremden Mann in der heißen Dusche überfallen zu werden, während sich ihr Ehemann ein paar Schritte weiter vor dem Spiegel rasiert. Man spürt ihr Verlangen nach Leidenschaft und Berührung, die Wahrheit sieht leider anders aus. Es gibt lieblosen Sex am Morgen, ihr Mann macht sozusagen seine Frühgymnastik.

Kate erzählt ihrem Psychiater Dr. Elliott (Michael Caine) von ihren Wünschen. Bei einem Museumsbesuch begegnet sie einem attraktiven Mann mit einer großen, dunklen Sonnenbrille. Erotische Spannung liegt in der Luft, es beginnt ein verführerisches Katz- und Mausspiel durch die verwinkelten Gänge der Ausstellung. Kate ist hin- und hergerissen, Neugier und Furcht wechseln sich ab, die Spannung ist fast greifbar. Die beiden landen in einem Taxi, wo sie gleich übereinander herfallen. Stunden später stiehlt sich Kate aus der Wohnung des Unbekannten, zuvor jedoch erfährt sie aus einem ärztlichen Bericht, dass dieser an einer Geschlechtskrankheit leidet. Voller Scham und schlechtem Gewissen verlässt sie die Wohnung. Im Fahrstuhl macht sie dann leider eine sehr unangenehme Erfahrung, denn sie wird von einer großen blonden Frau mit einem Rasiermesser getötet. Die Prostituierte Liz (Nancy Allen) wird zufällig Zeugin und schwebt von da an in Lebensgefahr, auch wenn ihr die Polizei nicht glaubt.

Der Einsatz von Spiegeln, Split-Screens, Blitz und Donner und Szenen, die ganz in blaues Licht getaucht sind, ist hervorragend. Der Film hält eine konstante Spannung, auch wenn zwischendurch liebevolle Momente auftauchen. Etwa wenn Liz mit dem Sohn von Kate, dem jungen Peter (Keith Gordon) zusammensitzt, einem kleinen Daniel Düsentrieb, der leidenschaftlich an irgendwelchen Apparaten arbeitet.

Angie Dickinson ist sensationell in ihrer Rolle, auch wenn sie niedergemetzelt wird, so gehört die erste halbe Stunde des Films allein ihr. Nancy Allen, damals mit Brian De Palma verheiratet, ist ganz zauberhaft, eine Prostituierte mit dem Gesicht eines Engels. Michael Caine ist wirklich diabolisch, besonders wenn er in den Spiegel sieht. Dennis Franz als Detective Marino ist ebenfalls sehr gut besetzt.

Zum Ende des Films gibt es wieder eine Duschszene, auch diese ist nicht ohne Spannung inszeniert. Und wer wissen will, wie gruselig weiße Gesundheitsschuhe sein können (gut, das sind sie in jedem Fall), der sollte sich diesen Film ansehen. Gänsehaut garantiert!

Fazit: Ein weiteres Meisterwerk von Brian De Palma. Sehr empfehlenswert!

Phantom of the Paradise

"Phantom of the Paradise" aus dem Jahr 1974 ist eine grelle Satire von Brian De Palma auf die Musikindustrie und ihre Auswüchse. Stars und Stile werden rasend schnell ausgewechselt, einzig um den Umsatz voranzutreiben. Das einzelne Individuum ist nichts wert, es zählt allein der Erfolg bzw. der Umsatz.

Genial ist hier die Figur des Musikproduzenten Swan (herrlich verkörpert von Paul Williams), der ein Leben im Luxus führt und dem sich die Frauen an den Hals werfen in der Hoffnung auf eine große Karriere, während er sie nur benutzt und anschließend wegwirft. Das ist heute noch so aktuell wie damals. Junge Sternchen, die für einen Vertrag ihre Seele verkaufen würden und noch mehr als das. Angesichts gefühlter hundert Casting-Shows, die tagtäglich zu sehen sind, in denen eine Horde grenzdebiler und absolut talentfreier Bewerber vor den Augen der Öffentlichkeit bereit ist vorgeführt und erniedrigt zu werden und das dann in ihrer unfassbaren Einfältigkeit auch noch toll zu finden, kann dieser Film schon fast nicht mehr als Parodie aufgefasst werden. Vielmehr könnte man De Palma als Visionär bezeichnen.

Die Mischung aus Faust, Phantom der Oper und Dorian Gray mag sich merkwürdig anhören, ist aber in ihrer Umsetzung dermaßen gut gelungen, das muss man wirklich gesehen haben. Überhaupt wird es endlich Zeit, dass dieser Film ein größeres Publikum erreicht, weil es es wirklich wert ist. Trotz seiner mittlerweile 36 Jahre ist der Film auch heute noch frisch und fesselnd und das Thema erschreckend aktuell.

Die Musik ist großartig und die Ausstattung atemberaubend. Dieser Film ist schrill, bunt, rockig, verrückt und absolut wunderbar anzusehen. 1974 war er in den USA ein Riesenflop. Vielleicht haben viele den Film einfach nicht richtig verstanden, denn wenn man sich darauf einlässt, dann erkennt man das geniale Werk erst richtig.

Brian De Palma hat so einige Meisterwerke geschaffen, das ist eines davon. Phänomenal!