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Sonntag, 16. Februar 2014

L'amour fou

"L'amour fou" ist ein Dokumentarfilm von Pierre Thoretton aus dem Jahr 2010 über das Leben und die Liebe von Yves Saint Laurent und Pierre Bergé.

Der Film beginnt mit der Abschiedsrede von Yves Saint Laurent im Jahr 2002, als er sich aus seinem Unternehmen und der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Kurz danach sieht man Bilder seiner Trauerfeier, nach seinem Tod am 1. Juni 2008.

Pierre Bergé war fünfzig Jahre lang der Lebensgefährte von Yves Saint Laurent und für beide war es die Liebe ihres Lebens. Das erste Mal waren sie sich 1957 am Grab von Christian Dior begegnet. Ab 1958 lebten sie zusammen, in dem Jahr präsentierte der schüchterne YSL seine erste Kollektion für das Haus von Christian Dior. 1960 wurde er überraschend zum Militär einberufen und sollte im Algerienkrieg Dienst leisten. Nach einem Nervenzusammenbruch kam er in die Psychiatrie und verlor seinen Job bei Dior.

Mit tatkräftiger Unterstützung von Pierre Bergé gründete YSL 1962 sein eigenes Modehaus und war damit sehr erfolgreich und auch stilbildend. Neben der Haute Couture entwarf er auch als einer der ersten Designer Prêt-à-porter-Kollektionen. Pierre Bergé war immer der Mann im Hintergrund, der seinem Partner beistand und ihm den Rücken freihielt. Sie kauften unter anderem ein Haus in Marrakesch und in der Normandie, um dort Entspannung zu finden. Doch der Druck der auf YSL lastete, war zu groß. Er hatte keine Gelegenheit gehabt, seine Jugend auszuleben, litt an Depressionen und verfiel immer mehr Alkohol und Drogen. Es kam immer wieder zu kurzzeitigen Trennungen zwischen ihm und Pierre Bergé, die aber nie von Dauer waren. 1990 durchlebte YSL einen erfolgreichen Entzug und versuchte, sich verstärkt auf sein Privatleben zu konzentrieren.

Im Laufe ihres gemeinsamen Lebens hatten YSL und Pierre Bergé ihre Wohnungen und Häuser mit unzähligen Kunstschätzen ausgestattet. Gemälde, Skulpturen und vieles mehr. Nach dem Tod von YSL entschied sich Pierre Bergé dafür, diese Sammlung versteigern zu lassen. Es würde ihm leichter fallen, sich von diesen Dingen zu trennen, als von seinem Partner. Die Versteigerung bei Christies war ein großes Ereignis.

Das ist ein ganz wunderbarer Film, der das Leben von YSL und Pierre Bergé beleuchtet. Empfehlenswert nicht nur für Zuschauer, die sich mit Mode oder Kunst auseinandersetzen, sondern allgemein am Leben Kunstschaffender Personen interessiert sind. Sehr bewegend und sehr schön. Unbedingt sehenswert.


Sonntag, 3. November 2013

Lou Reed: Rock and Roll Heart

"Lou Reed: Rock and Roll Heart" ist ein Dokumentarfilm von Timothy Greenfield-Sanders aus dem Jahr 1998.

Lou Reed wurde am 02.03.1942 geboren und verstarb am 27.10.2013. Er war einer der einflussreichsten Musiker seiner Zeit und schon zu Lebzeiten eine Legende. Diese ausgesprochen sehenswerte Dokumentation beleuchtet seinen Werdegang und sein privates Umfeld, die ersten Arbeiten in New York und die Gründung von Velvet Underground. Es gibt wunderbare Aufnahmen aus Andy Warhols Factory, der die Band bekannt gemacht hat.

Der Film lässt nichts aus, er verfolgt die Karriere von Lou Reed bis weit in die Neunziger Jahre und zeigt dabei die Wandelbarkeit dieses Ausnahmemusikers. Ich will hier gar nicht weiter ins Detail gehen, denn diese Dokumentation kann ich jedem Fan nur sehr ans Herz legen.

Viele Freunde und Weggefährten kommen zu Wort, wie z. B. John Cale, David Bowie, David Byrne, Patti Smith, Joe Dallesandro, Holly Woodlawn und viele mehr.

Seit 1995 war Lou Reed mit der Performance-Künstlerin Laurie Anderson liiert, die er 2008 geheiratet hat.

Da dieser Film aus dem Jahr 1998 stammt, fehlen natürlich die letzten fünfzehn Jahre seines Schaffens. Auch da ist Lou Reed nicht untätig gewesen und ich würde mir wünschen, dass sich jemand auch für diese Zeit interessiert und einen ähnlich guten Film darüber dreht. Lou Reed hat es verdient, denn er war immer wegweisend, für viele Stile und Musiker.

Ein großer Künstler hat uns leider viel zu früh verlassen, er wird uns fehlen, aber seine Musik bleibt in unseren Herzen. Leb wohl Lou, Du bist und bleibst einzigartig!



I Am A Woman Now

"I Am A Woman Now" ist ein Film von Michiel van Erp aus dem Jahr 2011 und beschäftigt sich mit fünf Frauen, die sich in den 1960er- und 1970er-Jahren von dem legendären Arzt Dr. Georges Burou in Casablanca operieren ließen.

Einst waren sie Männer, aber sie fühlten sich als Frauen, die im falschen Körper gefangen waren. Dr. Georges Burou war der erste Arzt, der diese Art der Operation durchführte, die Methode dazu hatte er selbst entwickelt. Sein Ruf ging um die Welt, von überall kamen die Patienten zu ihm, die ihr ganzes Geld gespart hatten, um sich ihren größten Traum erfüllen zu lassen. In Casablanca wurden sie als Frauen geboren und auch heute noch, viele Jahrzehnte später, sind sie dem Arzt, der 1987 gestorben ist, auf ewig dankbar.

Colette, Marie-Pierre (Bambi), Corinne, April und Jean. Inzwischen sind sie alle in den Siebzigern und blicken zurück auf ihr Leben, wobei keine von ihnen die Entscheidung zur Operation je bereut hat, auch wenn das Leben als Transsexuelle nie ganz einfach für sie war. Der ehemalige Lebensgefährte einer der Damen fasst es sehr gut zusammen: Das Leben mit einer Transsexuellen ist einfach, aber die Außenwelt macht es schwer.

Zu sehen sind auch Filmausschnitte aus dem Pariser Club "Le Carrousel", in dem unter anderem auch Bambi und Coccinelle auftraten, die alle ihren Weg nach Casablanca fanden. Da Dr. Burou nicht mehr befragt werden konnte, erzählt sein Sohn von seinen Erinnerungen an seinen Vater.

Eine sehr beeindruckende Dokumentation, die ich nur sehr empfehlen kann. Die Damen sind wunderbar, ihre Geschichten sind berührend und das Thema ist immer noch hochaktuell. Viele Menschen verurteilen etwas, weil sie es nicht verstehen können und lehnen es deshalb ab. Filme wie dieser sollten zum Nachdenken anregen, es lohnt sich.

Sonntag, 10. März 2013

Life in Stills

"Life in Stills" ist ein Film von Tamar Tal (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2011. Produziert wurde der Film von Barak Heymann.

In Tel Aviv existiert seit 1940 das "Photohouse Prior" von Rudi und Miriam Weissenstein. Der kleine Laden mit eigenem Fotostudio ist weltweit bekannt, ebenso wie seine Besitzer. Rudi Weissenstein war 1948 der einzige Fotograf, der Aufnahmen von der Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel machen dürfte. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1992 führte Miriam das Geschäft alleine fort, wurde aber seit einigen Jahren von ihrem Enkel Ben dabei unterstützt.

Zum Zeitpunkt der Filmaufnahmen war Miriam Weissenstein bereits 96 Jahre alt, aber immer noch eine eigensinnige und starrköpfige alte Dame. Gemeinsam mit Ben kämpfte sie für ihren Fotoladen, denn das Gebäude sollte abgerissen werden und einem Neubau weichen. Schließlich musste das Geschäft neue Räume beziehen, um später wieder an die alte Stelle ziehen zu können.

Im Jahr 2010 reisten Miriam und Ben zu einer Fotoausstellung nach Frankfurt, wo Aufnahmen von Rudi Weissenstein gezeigt wurden. Ben kümmerte sich immer sehr liebevoll um seine Großmutter und beide waren ein eingespieltes Team, auch wenn Miriam teilweise etwas schwierig war. Sie konnte im hohen Alter nur noch schlecht sehen und hören und auch die Tatsache, dass Ben mit seinem Freund Ofir zusammengezogen war, ignorierte sie manchmal. Im Laden bezeichnete sie ihre Kunden auch schon mal als Nervensägen, aber niemand konnte ihr wirklich böse sein.

Bens Mutter wurde 2003 von ihrem Mann umgebracht, weil sie sich von ihm trennen wollte. Ihr Mann beging daraufhin Selbstmord. Dieses Ereignis hat Miriam nie überwunden, aber der Kontakt zu Ben wurde danach noch enger, weil beide unter dem Verlust litten.

Die junge Studentin Tamar Tal hatte über Miriam den Kurzfilm "The Iron Lady and the Photohouse" gedreht und war mit ihrer Arbeit bereits fertig, als sie Ben kennenlernte und ihn zusammen mit Miriam bei der Arbeit im Geschäft erlebte. Sie erkannte, dass die beiden etwas ganz Spezielles verbindet und begann daraufhin mit den Arbeiten an diesem Film.

In knapp 60 Minuten erlebt man zwei wunderbare Menschen, die man sofort ins Herz schließt. Miriam Weissenstein und ihr ganz zauberhafter Enkel Ben lassen den Zuschauer an ihrem Leben teilhaben wie gute Freunde. Ein unvergesslicher Film, der das Leben von Miriam Weissenstein würdigt, die im Alter von 98 Jahren verstorben ist. Ihr Enkel Ben führt das Geschäft in ihrem Sinne weiter.

Auf der DVD gibt es noch weitere sehenswerte Extras, darunter auch den Kurzfilm von Tamar Tal. Bitte nicht verpassen.

Samstag, 9. März 2013

Otto Preminger - Anatomie eines Filmemachers

"Otto Preminger - Anatomie eines Filmemachers" ist ein Film von Valerie A. Robins aus dem Jahr 1991. Das Drehbuch stammt von Thomas J. Wiener.

Der Schauspieler Burgess Meredith führt als Erzähler durch den Film und beleuchtet die Karriere von Otto Preminger über einen Zeitraum von fast fünfzig Jahren. Von den Anfängen als Schauspieler und Film- und Theaterregisseur in Wien bis hin zu seinen großen Erfolgen in Amerika.

Thematisch deckte Otto Preminger in seinen Arbeiten alles ab, Dramen, Komödien, Thriller und vieles mehr. Dabei hatte er seinen eigenen Kopf und eckte mit seinen Methoden häufig bei den Studiobossen an, was schließlich dazu führte, dass er seine eigene Produktionsfirma gründete und sich damit von Hollywood lossagte. Auch der ständige Ärger mit der Filmzensur und sein Kampf gegen die herrschenden Konventionen war ein Reizthema für ihn. Als unabhängiger Filmemacher hatte er viel mehr Möglichkeiten, die er gerne ausnutzte. Sein sezierender Blick und seine Lust an der Provokation sind einzigartig für die damalige Zeit.

Legendär sind seine Wutausbrüche am Set, ebenso wie seine Herzlichkeit. Beides konnte sich innerhalb von Sekunden ändern. Darüber berichten viele Weggefährten wie z. B. Peter Bogdanovich, Saul Bass, Michael Caine, Ken Howard, Deborah Kerr, George C. Scott, Frank Sinatra und James Stewart.

Sämtliche Filme können hier selbstverständlich nicht erwähnt werden, das würde den Rahmen sprengen, deshalb hier nur eine Auswahl: Laura, Der Mann mit dem goldenen Arm, Bonjour Tristesse, Anatomie eines Mordes, Der Kardinal, Bunny Lake is Missing, Exodus.

Gerade ist eine schöne DVD-Box erschienen "Otto Preminger - Meisterwerke", die neben den Filmen Sturm über Washington, Die heilige Johanna und Wolken sind überall auch diesen Dokumentarfilm enthält, der in gut zwei Stunden einen Einblick in die Arbeit von Otto Preminger bietet und sehr unterhaltsam geworden ist. Ich hatte viel Spaß dabei und kann den Film, so wie auch die ganze Box, nur sehr empfehlen. Eine schöne Anregung, sich ausführlicher mit den Filmen von Otto Preminger zu beschäftigen.

Sonntag, 3. März 2013

Vito

"Vito" ist ein Dokumentarfilm von Jeffrey Schwarz aus dem Jahr 2011 und beschäftigt sich mit dem Leben des Schwulen- und Aids-Aktivisten Vito Russo.

Vito Russo wurde am 11. Juli 1946 in New York geboren und starb am 7. November 1990 an den Folgen von Aids. Schon früh war er sich seiner Homosexualität bewusst, was weder für ihn, noch für seine Familie ein Problem darstellte. Doch die Zeiten waren damals für Schwule und Lesben noch schwierig, ein öffentliches Leben gab es für sie kaum. Homosexualität war immer noch geächtet. Schwule waren der Willkür der Polizei ausgesetzt, die in den einschlägigen Clubs nach Belieben Razzien durchführten und Schwule verhafteten. Ein erstes Aufbegehren gegen diese Schikane fand am 28. Juni 1969 in New York statt, der sogenannte Stonewall-Aufstand, den Vito Russo aus einiger Entfernung beobachtete.

Vito war klar, dass er sich für die Rechte der Schwulen einsetzten musste, denn schon lange empörte er sich über deren Behandlung in der Öffentlichkeit. Er wurde aktives und sehr geachtetes Mitglied der Schwulenbewegung, engagierte sich bei Demonstrationen und Kundgebungen. Seine Familie stand immer hinter ihm und unterstützte ihn. Er war ein brillanter Redner, eine charismatische Persönlichkeit und bald auch als Autor für schwule Themen und Filmkritiker beschäftigt.

Filme waren Vitos große Leidenschaft und besonders die Darstellung schwuler und lesbischer Charaktere im Film wurde sein Steckenpferd. Fast zehn Jahre arbeitete er an dem Buch "The Celluloid Closet", in dem er akribisch genau die Szenen heraussuchte, die Schwule und Lesben in hundert Jahren Filmgeschichte spielten, oft nur sehr verdeckt zu erkennen. Im Laufe der Jahre hielt er unzählige Vorträge zu diesem Thema, unterlegt mit den entsprechenden Filmausschnitten. Das fertige Buch wurde zunächst von vielen Verlagen abgelehnt, bis es schließlich im Jahr 1981 veröffentlicht wurde und auf Anhieb zu einem Bestseller wurde. Noch heute ist das Buch einzigartig und sehr zu empfehlen.

In San Francisco lernte Vito den eher schüchternen Jeffrey kennen, der die Liebe seines Lebens wurde. Beide waren sehr verliebt, konnten sich jedoch nie auf einen gemeinsamen Wohnsitz einigen, da Jeffrey New York nicht mochte. So pendelten sie über mehrere Jahre zwischen New York und San Francisco hin und her.

Und dann fing das große Sterben an, Aids kam auf und die zunächst noch unbekannte Krankheit forderte zahlreiche Opfer, wie allgemein bekannt ist. Da die Reagan-Administration das Thema lange Zeit totschwieg und kaum Mittel für die Erforschung der Krankheit zur Verfügung stellte, engagierte sich Vito auch hier wieder sehr stark, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu bekommen. Im März 1987 entstand daraus die Act Up-Bewegung, zu der neben Vito Russo auch der Schriftsteller Larry Kramer gehörte.

Doch Aids betraf Vito auch privat, denn Jeffrey erkrankte daran und starb schließlich und auch Vito selbst war erkrankt. Nach Jeffreys Tod gab Vito aber nicht auf, sondern setzte seinen Kampf mit aller Kraft fort. Bis zu seinem Tod war er in der Sache aktiv, so weit es seine Kräfte zuließen.

Vito Russo war eine beeindruckende Persönlichkeit und dieser wunderbare Dokumentarfilm setzt ihm ein verdientes Denkmal. Ohne Menschen wie ihn wäre die Welt sehr viel ärmer. Bitte nicht verpassen.

Neben Mitgliedern von Vitos Familie kommen auch noch Freunde und Weggefährten zu Wort, wie z. B. Larry Kramer, Armistead Maupin und Lily Tomlin, sowie auch Rob Epstein und Jeffrey Friedman, die Vitos Buch "The Celluloid Closet" 1995 als Film herausgebracht haben, siehe auch "The Celluloid Closet". Ebenfalls sehr empfehlenswert.

Sonntag, 17. Februar 2013

German Grusel - Die Edgar Wallace-Serie

"German Grusel - Die Edgar Wallace-Serie" ist eine Dokumentation von Oliver Schwehm (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2011.

Heute mal ein kleiner TV-Tipp. Diese wirklich fabelhafte Dokumentation war gerade bei Arte zu sehen und ist noch bei Arte+7 ein paar Tage verfügbar. Bitte unbedingt anschauen, es lohnt sich auf jeden Fall.

In sehr unterhaltsamen und informativen 58 Minuten werden die Edgar Wallace-Filme begutachtet, die von Ende der Fünfziger bis Anfang der Siebziger Jahre entstanden sind. Einige der bekanntesten Darsteller wie z. B. Joachim Fuchsberger, Karin Dor und Karin Baal kommen hier zu Wort und es werden zahlreiche Filmausschnitte gezeigt. Der Filmhistoriker Tim Bergfelder und der bekennende Fan und Kenner der Filmreihe Oliver Kalkofe erläutern den Hintergrund und die Entstehungsgeschichte dieser Krimis.

Vom Produzenten Horst Wendlandt ins Leben gerufen, dessen Neffe Felix ebenfalls zu Wort kommt, hat besonders Regisseur Alfred Vohrer den Stil der Filme geprägt. Trotz aller Verbrechen die zu sehen waren, dürfte auch der Humor nicht zu kurz kommen, das war in erster Linie die Aufgabe von Eddi Arent. Zahlreiche bekannte und damals auch noch unbekannte Schauspieler wurden in den Filmen besetzt und zu echten Berühmtheiten. Peter Thomas, der für die Musik zuständig war, erfand den legendären Anfang mit "Hallo, hier spricht Edgar Wallace", den Alfred Vohrer gesprochen hat.

Im Laufe der Jahre nutzte sich die Serie ein bisschen ab, das Publikum verlangte nach Neuerungen und es gab auch einige Nachahmer. Spätere Filme entstanden in Rom, in den legendären Cinecittà-Studios, damals das Film-Mekka in Europa. Die in Rom produzierten Filme unterschieden sich von den deutschen Filmen durch den Verzicht auf Humor. Die Mörder trugen hier auch ständig schwarze Handschuhe, ein späteres Stilmittel des Giallo, der in Italien mit den Edgar Wallace-Filmen geboren wurde und ein eigenes Film-Genre darstellt.

Eine sehr gelungene und äußerst sehenswerte Dokumentation, die einfach Spaß macht. Bitte nicht verpassen.

Dienstag, 12. Februar 2013

Jesus, Du weißt

"Jesus, Du weißt" ist ein Dokumentarfilm von Ulrich Seidl aus dem Jahr 2003.

Ulrich Seidl zeigt in diesem Film Menschen bei ihrem Gespräch mit Gott bzw. Jesus in der Kirche. Ohne Scheu reden sich die Gläubigen ihre Probleme von der Seele und blicken dabei direkt in die Kamera, als wären sie ganz allein. Sie reden über ihre Schwierigkeiten im Leben, ihre Probleme im Zusammenleben mit anderen und über alles, was ihnen auf der Seele liegt. Gott wird für sie zu einem Beichtvater, einem Psychiater, einem Lebensberater, auch wenn er keine Antwort geben kann.

Die Menschen ziehen Gott ins Vertrauen, machen ihn zu ihrem Komplizen, wenn ihr Handeln mal nicht so wirklich in Ordnung ist und besprechen sich mit ihm, wie mit einem guten Freund. Es herrscht eine große Intimität bei diesen Gesprächen, die wie selbstverständlich vorausgesetzt wird.

Es werden Dinge erzählt, die man vielleicht nur seinem besten Freund unter der Hand anvertrauen würde, aber da diese Menschen offensichtlich niemanden sonst haben, dem sie sich offenbaren können, wird Gott hier zum Vertrauten, der sich wortlos alles anhört, ohne zu urteilen.

Die einzelnen Schicksale werden hier nicht vorgeführt, sondern bleiben einfach so für sich stehen. Ulrich Seidl vermeidet jede Wertung, er zeigt die Dinge einfach so, wie sie sind. Der Zuschauer kann für sich entscheiden, was er davon hält, aber verurteilt werden muss hier niemand. Die Menschen leben ihren Glauben und erhoffen sich Verständnis für ihr Leben und ihre Entscheidungen, ganz egal wie diese auch ausfallen.

Ein ehrlicher Film, der zwar absurde Züge hat, aber den Menschen ihren Stolz lässt. Man muss sie nicht mögen, aber man spürt ihre Einsamkeit und Verzweiflung. Wenn sie im Gespräch mit Gott eine Linderung ihrer Qualen spüren, dann muss man das akzeptieren. So einen Film kann jedenfalls nur Ulrich Seidl schaffen. Das Filmland Österreich ist für seine begnadeten Filmemacher zu beneiden.

Mittwoch, 26. Dezember 2012

A Bigger Splash

"A Bigger Splash" ist ein Film von Jack Hazan (Regie und Kamera) aus dem Jahr 1973 über den britischen Maler David Hockney. Das Drehbuch schrieb Hazan zusammen mit David Mingay.

Zwischen 1971 und 1973 hat Jack Hazan den Künstler mit der Kamera begleitet. So entstand ein herausragender Einblick in die Kunstszene der Siebziger Jahre und ein sehr persönliches, fast intimes Portrait David Hockneys. Und doch ist das hier keine reine Dokumentation, wie man vielleicht erwarten könnte, sondern etwas zwischen einem Spielfilm und einem Künstlerportrait.

Jeder spielt hier eine Rolle, nicht nur David Hockney selbst, auch seine Freunde und Bekannten tauchen immer wieder in kleinen Szenen auf. Darunter unter anderem Peter Schlesinger, Celia Birtwell, Ossie Clark, der Kurator Henry Geldzahler, Hockneys Assistent Mo McDermott und der Galerist John Kasmin.

Der junge Peter Schlesinger war von 1966 bis 1971 Hockneys Lebensgefährte und hatte sich gerade von diesem getrennt. Dieser Bruch war für David Hockney nicht leicht zu verarbeiten, trotzdem taucht Schlesinger auch in diesem Film auf, weil Hockney noch ein Bild fertigzustellen hatte, auf dem Peter Schlesinger zu sehen ist. "Portrait of an Artist" aus dem Jahr 1972.

Neben den kleinen Spielszenen, bei denen man sich nie ganz sicher sein kann, ob sie echt oder gestellt sind, lässt Regisseur Hazan auch Hockneys von ihm abgebildete Freunde ihre Portraits lebensecht nachstellen. Die Schauplätze wechseln dabei zwischen London, New York und Kalifornien.

Mit dem fertigen Film war David Hockney zunächst gar nicht einverstanden, aber er konnte davon überzeugt werden, ihn so und nicht anders herauszubringen. Ein einzigartiges Experiment, das sehr gelungen ist und gleichzeitig ein schönes Zeitportrait darstellt. Sehr empfehlenswert.

Sonntag, 18. November 2012

Die Wohnung

"Die Wohnung" - "Ha-dira" ist ein Dokumentarfilm von Arnon Goldfinger (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2011.

Gerda Tuchler war die Großmutter von Arnon Goldfinger und ist im Alter von 98 Jahren verstorben. Die Familie macht sich nun daran, die Wohnung in Tel Aviv aufzulösen, in der Gerda Tuchler siebzig Jahre gelebt hat. In den 1930er Jahren aus Deutschland emigriert, sind Gerda und Kurt Tuchler in Israel nie wirklich heimisch geworden. Arnon Goldfinger und seine Mutter Hannah sichten den Nachlass und finden Spuren einer Geschichte, von der sie keine Ahnung hatten.

In siebzig Jahren sammelt sich so einiges an, besonders wenn man, wie Gerda Tuchler, nichts wegwerfen kann. Anfangs ist die Familie noch amüsiert über den Schnickschnack, den sie vorfindet. Kleidung, alte Pelze, Schuhe und unzählige Handschuhe gehören ebenso dazu, wie auch eine umfangreiche deutsche Bibliothek. Doch nach und nach kommt da immer mehr zum Vorschein. Alte Briefe und Fotos, die bisher niemand zur Kenntnis genommen hat, Zeitungsausschnitte aus der Zeit aus Berlin und vieles mehr. Und es tun sich Fragen auf, die niemand mehr beantworten kann.

Arnon Goldfinger hat fünf Jahre lang an diesem sehr persönlichen Film gearbeitet, der mit der Zeit immer größer und bedeutender wurde. Man merkt ihm an, wie sehr ihn das alles mitgenommen hat und auch wie sehr es ihn verunsichert hat. In erster Linie geht es hier um die Freundschaft seiner Großeltern zu dem deutschen Baron von Mildenstein und seiner Frau, die schon vor dem Krieg begann und auch nach Kriegsende fortgesetzt wurde. Ein ehemaliger Nazi als Freund einer jüdischen Familie? Wie konnte das sein und warum wusste niemand etwas darüber?

Es gelingt Arnon Goldfinger, die Tochter von den von Mildensteins aufzuspüren, die sich noch gut an dessen Großeltern erinnern kann. Mehrfach seien sie nach Kriegsende bei ihnen in Deutschland zu Besuch gewesen und sie hat nur die besten Erinnerungen daran. Es sei immer alles sehr fröhlich und unbeschwert gewesen. Der verblüffte Arnon Goldfinger, für den das alles Neuland ist, fragt Edda von Mildenstein nach dem Beruf ihres Vaters. Die beginnt daraufhin etwas herumzueiern, er wäre ja ursprünglich Ingenieur gewesen, dann Journalist, besonders Reisejournalist, aber mehr wisse sie auch nicht. Er war halt viel im Ausland. Über seine Rolle in der SS wisse sie nichts und darüber gebe es auch keine Beweise.

Arnon Goldfinger konfrontiert Edda mit Unterlagen aus dem Bundesarchiv und mit einem handgeschriebenen Lebenslauf ihres Vaters, die das Gegenteil beweisen, aber die Abwehr der Tochter bleibt bestehen. Welche Rolle von Mildenstein tatsächlich gespielt hat, lässt sich wohl nicht mehr herausfinden.

Das Schweigen der Opfer und der Täter behindert die Aufklärung vieler Dinge, nicht nur in diesem Fall. Eine alte Freundin von Gerda Tuchler stellt die entscheidende und wichtige Frage: "Warum stellt in Deutschland erst die dritte Generation Fragen?" Dem ist nichts hinzuzufügen, denn vieles wird nicht mehr ans Licht kommen, weil die Beteiligten alle nicht mehr am Leben sind und nicht mehr gefragt werden können.

Hier wird man jedenfalls Zeuge einer aufregenden Spurensuche, die der Regisseur Arnon Goldfinger sehr überzeugend verfilmt hat. Am Ende suchen er und seine Mutter auf dem jüdischen Friedhof Weißensee in Berlin nach einem Grab eines ihrer Vorfahren, das sie aber nicht finden können. Es bleibt vieles im Unklaren, aber es wurde auch sehr viel gefunden, mit dem niemand gerechnet hätte. Ganz große Empfehlung für diesen außergewöhnlichen Dokumentarfilm.

Dienstag, 11. September 2012

Anton Corbijn - Inside Out

"Anton Corbijn - Inside Out" ist ein Dokumentarfilm von Klaartje Quirijns (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2012.

Anton Corbijn ist ein Künstler, von dem bestimmt jeder schon mal gehört hat. Er ist berühmt für seine Schwarzweiß-Fotografien, er hat Plattencover gestaltet und Musikvideos gefilmt. Seit vielen Jahren arbeitet er auch oft mit den gleichen Bands zusammen, wie z. B. U2 und Depeche Mode, deren Karrieren er auch begleitet hat.

Diese Dokumentation wirft aber auch einen Blick auf den Mann hinter der Kamera, von dem man eigentlich nichts weiß. In rund 80 Minuten Laufzeit gelingt es Klaartje Quirijns, den Menschen Anton Corbijn dem Publikum näher zu bringen. Er ist scheu, mag keine Partys, lebt eher zurückgezogen, ist dabei aber sehr bodenständig und ausgesprochen sympathisch.

Anton Corbijn wurde 1955 als Sohn eines Pfarrers in einer kleinen Gemeinde in Süd-Holland geboren. Seine Eltern hatten nie viel Zeit für ihn und so schaffte sich der kleine Anton schon bald seine eigene Sicht auf die Welt. Über seine Liebe zur Musik, kam er zur Fotografie und sein besonderer Stil ist bis heute unverkennbar.

Unzählige Berühmtheiten und Bands hat er fotografiert, seine Bilder sind jetzt schon legendär. Anton Corbijn lebt für seine Arbeit und in diesem Film kann man ihn auch mal ganz privat erleben, jedenfalls soweit er das zulässt. Was man sieht, ist ein Mensch, der sich zwar inmitten dieser Berühmtheiten bewegt, dabei aber selbst ganz bescheiden geblieben ist und das auch in seinem normalen Leben weiterführt.

Man sieht ihn hier bei der Zusammenarbeit mit Lou Reed und Metallica für ihr gemeinsames Album "Lulu" und die Bilder, die Corbijn hierfür gemacht hat, sind unglaublich. Ebenso die Bilder von U2 am Strand, mit perfektem Licht, einfach wunderbar.

Die Dokumentation an sich fängt etwas gewöhnungsbedürftig an, überzeugt dann aber immer mehr und ist auf jeden Fall sehenswert. Natürlich werden auch die beiden Filme erwähnt, bei denen Anton Corbijn als Regisseur tätig war. Nach "Control", dem Film über Ian Curtis und die Band Joy Division gibt es auch einen Blick auf die Dreharbeiten zu "The American" mit George Clooney.

Was erfährt man sonst noch? Anton Corbijn verabscheut Digital-Kameras und arbeitet auch heute noch gern mit Polaroids. Was bleibt noch zu sagen? Anton Corbijn ist ein großartiger Künstler und anscheinend ein ganz wunderbarer Mensch, der mit diesem Film für seine Arbeit endlich mal entsprechend gewürdigt wird. Unbedingt anschauen.
 

Mittwoch, 4. Juli 2012

We were here

"We were here" - "We were here: Voices from the Aids-Years in San Francisco" ist ein Film von David Weissman (Regisseur und Produzent) und Bill Weber (Co-Regisseur) aus dem Jahr 2011 und beschäftigt sich mit dem Leben der Gay-Community in San Francisco in den Jahren zwischen 1976 und 1997.

Im Jahr 1976 ist die Welt in San Francisco noch in Ordnung, die Gay-Community wächst, hier geht es wesentlich liberaler zu, als an anderen Orten. Und doch, so langsam fallen erste Schatten auf dieses scheinbare Paradies. Eine merkwürdige Krankheit taucht auf und lässt sich bald schon nicht mehr ignorieren. Der "offizielle" Ausbruch von Aids ist dann erst 1981, vorher hat die Krankheit keinen Namen und da sie anscheinend hauptsächlich Homosexuelle trifft, wird sie von den Politikern und dem größten Teil der Bevölkerung sträflich vernachlässigt. Wohin das geführt hat, das ist allgemein bekannt bzw. sollte es sein. Schlimm genug.

David Weissman lässt in seinem Film vier Männer und eine Frau zu Wort kommen, die diese Zeit miterlebt haben und ausführlich darüber berichten können. Über ihr eigenes Leben, das ihrer Freunde und die Zeit an sich. Jeder von ihnen hatte mit Aids zu tun, ob nun als Freund, als Erkrankter oder als Krankenschwester. Sie wissen, wovon sie reden und das geht sehr zu Herzen. Innerhalb der Community gab es einen enormen Rückhalt für die Kranken, der so wohl nur in San Francisco sein konnte. Hier hat man sich gekümmert und sich nicht abgewendet. Lesbische Frauen haben zu Blutspenden aufgerufen, um ihren "Brüdern" zu helfen.

Die unglaubliche Ignoranz seitens der Regierung kann nicht oft genug angeprangert werden, hier ist alles schiefgelaufen. Religiöse Eiferer verdammten das schwule Leben, wünschten allen Homosexuellen den Tod an den Hals und fühlten sich durch Aids auch noch bestätigt. Das gemeine Volk war nicht weniger drastisch in seinen Bekundungen und verlangte oft genug die Kennzeichnung von Schwulen und Aids-Patienten. Wem sich hier nicht der Magen umdreht, der hat keinen.

Man sollte den Erzählungen der fünf Menschen genau zuhören und alles auf sich wirken lassen. Sie sind durch die Hölle gegangen und haben trotz allem ihren Lebensmut nicht verloren. Sie haben eine Zeit erlebt, die man kaum in Worte fassen kann und unzählige Freunde an diese Krankheit verloren. Eine ganze Generation ist hier gestorben und es wurde einfach zur Kenntnis genommen und kaum gehandelt. Wo bleibt hier die Menschlichkeit? Wie konnte das geschehen, wie konnten so viele ihren Blick abwenden?

Diesen wunderbaren und schmerzlichen Dokumentarfilm kann ich nur sehr empfehlen, gar keine Frage. Bleibt zu hoffen, dass er etwas bewirken kann, verdient hat er es. Tolles Projekt, unbedingt anschauen.

Sonntag, 3. Juni 2012

Paper Dolls

"Paper Dolls" - "Bubot Niyar" ist ein Film von Tomer Heymann (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2006. Es geht um eine kleine Gruppe von philippinischen Transvestiten bzw. Transsexuellen, die in Israel arbeiten, immer aber am Rand der Illegalität leben.

Sie arbeiten in der Altenpflege und kümmern sich hauptsächlich um ältere orthodoxe Juden, die auf fremde Hilfe angewiesen sind. Für die Israelis sind sie oft nur Menschen zweiter Klasse, die auch nur geduldet sind. Tagtäglich begegnet man ihnen mit Vorurteilen und Ablehnung. Sobald sie ihren Job verlieren oder ihr Patient stirbt, droht sofort die Abschiebung, weil sie kein Visum haben.

Doch in ihrer Freizeit, die nur sehr spärlich ist, verwandeln sie sich in die "Paper Dolls" und treten in kleinen Clubs mit ihrer Drag-Show auf. Für diese Momente leben sie und sind einander in tiefer Freundschaft verbunden. Hier gehören sie zusammen, teilen ihre Sorgen und fühlen sich als große Familie.

Tomer Heymann begleitet die Gruppe über einen langen Zeitraum und wird ganz selbstverständlich von ihnen aufgenommen. Bei Tomers Mutter Noa proben sie einen Auftritt für einen großen Club in Tel Aviv, der ernüchternd endet. Ihre Träume von einem größeren Publikum erfüllen sich leider nicht.

Der Film zeigt den ganz normalen Alltag der Gruppe mit den alten Menschen, die sie betreuen, der ständigen Angst vor Abschiebung und den Bombenanschlägen. Es geht nicht alles gut aus, einige müssen das Land verlassen, andere gehen nach England, die alten Menschen sterben. Das ist das Ende der "Paper Dolls", zumindest in Israel.

Der mehrfach ausgezeichnete Film von Tomer Heymann ist traurig, berührend und zu Herzen gehend. Ihm ist hier mit seinem Porträt dieser lebensfrohen kleinen Gruppe von Menschen etwas ganz Wunderbares gelungen, das man auf keinen Fall verpassen sollte.

Die DVD "Paper Dolls" kann man auf der Website von Tomer Heymann bestellen unter heymannfilms.com. Es lohnt sich auf jeden Fall und ich möchte an dieser Stelle noch auf den Film I Shot My Love aufmerksam machen, der ebenfalls sehr sehenswert ist. Ganz große Empfehlung für beide Filme und herzlichen Dank an Tomer Heymann für seine wunderbaren Filme.

Samstag, 2. Juni 2012

The Big Eden

"The Big Eden" ist ein Film von Peter Dörfler (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2011 und beschäftigt sich mit dem Leben von Rolf Eden.

Von Rolf Eden hat jeder schon mal gehört, nicht nur in Berlin, der Stadt in der er 1930 als Shimon Eden geboren wurde und in der er seit den Fünfziger Jahren auch wieder lebt. Er gilt als Playboy, erfolgreicher Geschäfts- und Lebemann mit ausgeprägtem Hang zu hübschen jungen Frauen, vorzugsweise blond. Gut, die Bezeichnung Playboy ist angesichts des Alters von Rolf Eden dann auch eher antiquiert.

Diese Dokumentation zeigt vor allen Dingen eins: Eden ist ein grandioser und eitler Selbstdarsteller und leider gibt ihm der Regisseur hier viel zu viel Gelegenheit, das auch zu beweisen. Da kann er dann gefühlte Ewigkeiten in die Kamera grinsen, sehr viel reden und seine Anzüge präsentieren. Nebenbei wird seine Lebensgeschichte erzählt, das wird es auch mal interessant, bevor wieder überflüssige Bilder von irgendwelchen Events oder von einem Friseurbesuch kommen.

Die Familie von Rolf Eden ist 1933 nach Palästina ausgewandert, er selbst kam als junger Mann mit einem Umweg über Paris wieder nach Berlin zurück. Mit den 6.000 DM Rückkehrerprämie und erstem selbstverdienten Geld eröffnete er 1957 seinen ersten Nachtclub. Eden hatte Erfolg mit allem, was er in die Hand nahm. Seine Clubs und Diskotheken waren Renner, es gab blanke Busen, Miss-Wahlen und einiges mehr.

Sieben Kinder hat er, natürlich von sieben verschiedenen Frauen. Auch sie kommen hier zu Wort und jeder sagt etwas Nettes über ihn. Sein jüngster Sohn, der zum Zeitpunkt dieser Dokumentation gerade mal dreizehn Jahre alt war, gibt mit seiner Sicht auf seinen Vater den besten Einblick in dessen Leben. Das ist für mich der stärkste Moment im ganzen Film gewesen.

Rolf Eden wird auch gerne in Talkshows eingeladen und gibt dann bevorzugt Weisheiten von sich, die ihn eher unsympathisch erscheinen lassen. Seine Statements zu Prostituierten z. B., die für ihre Arbeit schließlich Geld und Vergnügen bekommen, verursachen schon Übelkeit. Auch wenn alle Beteiligten schnell versichern, er meinte das ja gar nicht so. Ein schaler Nachgeschmack bleibt trotzdem.

Insgesamt gesehen eine Dokumentation, die man gerne verpassen darf. Rolf Eden freut sich, wenn er jeden Tag in der Zeitung erscheint, er hat sich auch über diesen Film gefreut. Schön für ihn, aber ich habe jetzt Kopfschmerzen.

Montag, 28. Mai 2012

Sing! Inge, sing!

"Sing! Inge, sing!" ist eine Dokumentation von Marc Boettcher aus dem Jahr 2011 über das Leben von Inge Brandenburg und ihre gescheiterte Karriere in Deutschland.

Inge Brandenburg (1929 - 1999) war eine deutsche Jazzsängerin, die mit einer wunderbaren Stimme und sehr viel Talent gesegnet war. Genützt hat ihr das Rückblickend wenig, weil die Zeit damals anscheinend nicht reif für sie war. Oder sollte man vielmehr sagen, das Publikum im Nachkriegsdeutschland konnte mit so einer selbstbewussten Künstlerin einfach nichts anfangen?

Unter schwierigen Umständen groß geworden, beide Eltern starben während des Krieges, Inge und ihre Geschwister wurden in Heime für schwer erziehbare Kinder gesteckt, kam Inge durch Zufall an die Musik, entdeckte den Jazz für sich und hatte dafür die perfekte Stimme. Im Ausland hatte sie große Erfolge, gewann Preise und wurde gewürdigt. Aber in Deutschland? Fehlanzeige. Man zwingt ihr Schlager auf, weil das Publikum die hören will. Inge weigert sich, dieses falsche Spiel mitzuspielen.

Die Engagements bleiben aus, Inge lebt von der Sozialhilfe. Sie trinkt, sie schimpft, sie will sich nicht anpassen. Ein Talent geht vor die Hunde, weil niemand da ist, der das entsprechend zu würdigen weiß und sich auf ihre Launen einlassen kann und will.

Das hier nur in der Kurzfassung, das ganze Schicksal der Inge Brandenburg erfährt man in dieser ausgesprochen gründlichen und auch sehr liebevollen Dokumentation von Marc Boettcher, dem man hierfür ausgesprochen dankbar sein muss. Zwei Stunden vollgepackt mit ihren großen Songs, mit Interviews von Weggefährten und großartigem Bildmaterial. Einfach sensationell.

Insgesamt gesehen eine Dokumentation, die man nicht verpassen sollte und eine Stimme, die nicht verklingen darf. Ich persönlich habe mit Jazz eher nichts am Hut, hatte aber trotzdem Gänsehaut. Sehr empfehlenswert.

Freitag, 6. April 2012

I Shot My Love

"I Shot My Love" ist ein Film von Tomer Heymann (Regie, Buch und Kamera) aus dem Jahr 2009. Der israelische Dokumentarfilmer folgt dabei mit seiner Kamera den beiden Menschen, die ihm am meisten bedeuten, seiner Mutter Noa und seinem Freund Andreas.

Im Jahr 2006 ist Tomer Heymann zusammen mit seiner Mutter erstmals in Berlin, wo er im Rahmen der Berlinale einen Preis für seinen Film Paper Dolls erhält. Noa Heymanns Eltern hatten siebzig Jahre zuvor Berlin verlassen, um sich vor den Nazis in Sicherheit zu bringen und flohen damals nach Israel.

Den Abend nach der Preisverleihung verbringt Tomer in der Panorama-Bar des "Berghain", wo er den jungen Tänzer Andreas kennenlernt. Ab jetzt läuft die Kamera und zeichnet immer wieder die Gespräche zwischen den beiden Männern auf, zeigt ihr Leben und ihre Familien. Die ersten Aufnahmen sind scheinbar nach der gemeinsam verbrachten Nacht entstanden. Es gibt zaghafte Fragen nach einem eventuellen Wiedersehen und eine deutlich spürbare aufkommende Verliebtheit auf beiden Seiten der Kamera.

Auch wenn Tomer und Andreas vorerst getrennte Wege gehen müssen, werden sie sich schon bald wiedersehen. Andreas zieht zu Tomer nach Tel Aviv und lernt dessen Familie kennen, die ihn herzlich aufnimmt. Tomer filmt weiter die Gespräche mit seiner Mutter und mit Andreas, fragt sie nach ihrem Leben, ihrer Haltung zu den Juden und den Deutschen usw. Tomers Mutter betont, keine Probleme damit zu haben, dass ihr Sohn einen deutschen Partner hat, aber in einem anderen Gespräch fragt sie ihn dann doch, ob er wohl der Richtige ist und ob ihre Leben nicht doch zu verschieden sind.

Noa Heymann wird krank, kommt ins Krankenhaus und muss operiert werden. Auch hier ist Tomer mit seiner Kamera immer dabei. Er und Andreas kümmern sich liebevoll um sie und bringen sie schließlich auch wieder nach Hause, wo sie weiter gepflegt wird.

Tomer und Andreas verbringen ein Weihnachtsfest bei Andreas' Eltern in Süddeutschland. Da wird es furchtbar verkrampft, auch wegen der Tatsache, dass Andreas als Kind von einem Priester sexuell missbraucht wurde, einem Freund der Familie. Der Herzlichkeit von Tomers Familie in Israel steht ein sehr sprödes Fest in Deutschland gegenüber, bei dem sich selbst der Zuschauer unwohl fühlt. Dieser Missbrauch ist auch ein weiteres Thema zwischen Andreas und Tomer, weil Andreas laut eigener Aussage immer wieder erstaunt ist, wie sehr ihn das alles immer noch beschäftigt und aufwühlt.

Am Ende der siebzig Minuten, die diese Dokumentation dauert, hat man viel über Tomer und Andreas erfahren, denn die Aufnahmen sind sehr persönlich, fast schon zu intim. Beide haben zusammen eine Wohnung in Tel Aviv bezogen und man wünscht ihnen, dass sie noch sehr lange sehr glücklich miteinander sein mögen. Ganz große Empfehlung für dieses schöne Projekt.

Samstag, 21. Januar 2012

Nico - Icon

"Nico - Icon" ist ein Dokumentarfilm von Susanne Ofteringer (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1995.

Der Film handelt von Christa Päffgen, die 1938 in Deutschland geboren wurde und im Juli 1988 auf Ibiza starb. Sie war ein einsames, aber wunderschönes junges Mädchen, das bereits im Alter von 16 Jahren für Modeaufnahmen engagiert wurde. Kurz darauf zog sie nach Paris, um dort für die Vogue zu modeln.

Bald schon spielte sie auch kleine Nebenrollen in Filmen, bevor sie nach New York ging und dort die Schule von Lee Strasberg besuchte. Später gehörte sie der Factory um Andy Warhol an und wurde Sängerin bei "Velvet Underground". Das hielt jedoch nicht lange, weil besonders Lou Reed, mit dem Nico - so war inzwischen ihr Künstlername - eine kurze Affäre hatte, für ihren Rauswurf aus der Gruppe sorgte. Die beiden Bandmitglieder John Cale und Sterling Morrison blieben Nico jedoch verbunden und halfen ihr bei ihren Soloprojekten.

Ihrer Musik blieb Nico treu und sie trat auch in späteren Jahren immer wieder in kleinen Clubs auf. Von ihrer einstigen Schönheit war allerdings kaum noch etwas übrig, diese hatte sie selbst immer gehasst. Sie gefiel sich in der Rolle eines Freaks und das wurde sie dann auch tatsächlich, denn der über Jahre andauernde Drogenkonsum hatte ihre Schönheit ausgelöscht.

Im Jahr 1962 wurde ihr Sohn Ari geboren, der Vater war Alain Delon, der dies jedoch immer bestritten hat, obwohl sich die Ähnlichkeit mit ihm nun wirklich nicht leugnen lässt. Ari wuchs bei seiner Großmutter Edith Boulogne auf, deren eigener Sohn (Alain Delon) daraufhin den Kontakt zu ihr abbrach. Ari zog später zu seiner Mutter, die ihn selbst an die Drogen brachte und mit ihm gemeinsam Heroin nahm.

Nico hatte im Laufe ihres Lebens viele Liebhaber, darunter unter anderem Philippe Garrel, Lou Reed, Jim Morrison und Jackson Browne. In dieser Dokumentation kommen auch noch einige ehemalige Mitglieder der Factory zu Wort, z. B. Jonas Mekas, Paul Morrissey und Billy Name.

Insgesamt gesehen ist diese Dokumentation ein sehr sehenswertes Projekt, das ich schon in den Neunziger Jahren geliebt habe und nun endlich auch auf DVD vorliegen habe. Zugegeben, die DVD ist schwer zu bekommen und auch etwas teurer, aber sie ist es wert. Das ist ein ganz großartiges Zeitdokument und verdient auf jeden Fall viele Zuschauer. Susanne Ofteringer hat hier einen sehr guten Film geschaffen und der Künstlerin Nico eine späte, aber verdiente Würdigung erwiesen. Ganz große Empfehlung deshalb von mir.

Samstag, 26. November 2011

Dream of Life

"Dream of Life" ist ein Film von Steven Sebring (Regie, Kamera und Drehbuch) aus dem Jahr 2008 und beschäftigt sich mit dem Leben von Patti Smith.

Über einen Zeitraum von elf Jahren hat der Fotograf Steven Sebring Patti Smith mit der Kamera begleitet. Herausgekommen ist ein intimes Portrait einer einzigartigen Künstlerin, die es kein zweites Mal gibt. Patti Smith ist eine Ikone der Punk- und Rockbewegung und gleichzeitig eine Stimme, die auf die Verfehlungen in den politischen Entscheidungen hinweist.

Ihre geistigen Vertrauten sind dabei unter anderem Allen Ginsberg, Arthur Rimbaud, William Blake und William Burroughs. Sie stand in Kontakt mit anderen Künstlern und Musikern, wie z. B. Sam Shepard, Bob Dylan, Michael Stipe und Robert Mapplethorpe, mit dem sie einige Jahre zusammen gelebt hat.

Diese kleine schmale Frau ist keine Schönheit im herkömmlichen Sinn und doch ist sie allein durch ihre enorme Ausstrahlung eine der schönsten Frauen, die es gibt. Eine tolle Frau, eine großartige Künstlerin, unglaublich vielseitig, mit Herz und Kopf und einer eigenen Meinung, die sie auch äußert. Dafür muss man sie lieben und ihre Musik sowieso. Ihre Stimme ist auch unverwechselbar und bleibt haften.

Insgesamt gesehen ein wundervolles Portrait einer Künstlerin, die sich nicht einordnen lässt, muss sie aber auch nicht. Patti Smith gehört zu der Gattung von Menschen, die es bald nicht mehr geben wird. Jemand, der seine Meinung offen sagt, egal wie die Reaktionen sind. Sie hat in ihrem Leben viel erlebt, hat Freunde und ihren Mann verloren und kämpft trotzdem weiter. Möge ihre Stimme nie verstummen.

Bei Amazon UK ist die DVD übrigens mit 159 Minuten angegeben, in Deutschland aber nur mit 109 Minuten. Ich werde mir bei Gelegenheit die englische Fassung besorgen und darüber berichten. Sehenswert ist die DVD aber auf jeden Fall auch so. Ganz große Empfehlung.

  

Sonntag, 20. November 2011

In Their Room

"In Their Room" ist ein Film von Travis Mathews aus dem Jahr 2009 und zeigt das Leben schwuler Männer in ihren Schlafzimmern.

Dabei gibt es Episoden aus San Francisco (20 Minuten) und aus Berlin (60 Minuten). Die Männer reden ganz offen über ihre Erfahrungen, ihre Vorlieben, ihre Affären, was sie antörnt und was nicht. Grenzen oder Hemmungen gibt es dabei nicht. Sie haben Sex, entweder allein oder zu zweit, alles ist möglich und die Kamera ist ganz selbstverständlich dabei.

Viel zu sagen gibt es darüber eigentlich nicht, aber das ist ein sehr mutiges und interessantes Projekt, hauptsächlich natürlich für die schwule Zielgruppe gemacht. Es ist emotional, packend und sehr sexy, mehr geht nicht. Die Männer gewähren intime Einblicke in ihr (Sex-) Leben und daran ist gar nichts verkehrt. Wer das nicht mag, der muss sich das ja nicht anschauen.

Wer sich allerdings schon beim Film "Hemmungslos" des Franzosen Claude Pérès gefragt hat, was das eigentlich soll, der kann sich hier die gleiche Frage stellen. Oder eben auch nicht, denn es muss doch nicht immer alles zu Tode diskutiert werden.

Die Bilder sprechen jedenfalls für sich, die Jungs sind größtenteils hübsch anzuschauen, mir hat es durchaus gefallen. Also kein Grund zu Verspannen, sondern eine echte Empfehlung.

Sonntag, 30. Oktober 2011

Im Himmel, unter der Erde

"Im Himmel, unter der Erde" ist ein Film von Britta Wauer (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2011 über den Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee.

Eine Frage drängt sich zuerst auf: Kann man überhaupt einen unterhaltsamen Film über einen Friedhof drehen? Nun, die Antwort darauf liefert der Film von Britta Wauer selbst ziemlich schnell: Ja, es geht und zwar sehr gut.

Vier Jahre Arbeit wurden hier investiert, es gibt auch einen entsprechenden Bildband und herausgekommen ist ein Film, wie er schöner nicht sein könnte. Viele verschiedene Geschichten werden erzählt, es gibt traumhaft schöne Bilder und genug Gründe, zu Lachen oder zu Weinen. Das vereint der Film alles ganz wunderbar und mit leichter Hand. Viele Menschen kommen zu Wort, die alle etwas mit dem Friedhof zu tun haben. Entweder sie arbeiten dort, besuchen die Gräber ihrer Angehörigen oder sie wohnen dort, wie die junge Familie, die tatsächlich eine Wohnung auf dem Gelände des Friedhofes bewohnt.

Der Friedhof wurde 1880 gegründet und ist auch heute noch in Betrieb. In der ganzen Zeit, auch zur Zeit der Nazidiktatur, wurde der Friedhof nie geschändet oder sonst irgendwie beschädigt. Über 115.000 Grabstellen befinden sich hier auf einem riesigen Arsenal, in dem die Natur letztlich die Oberhand gewonnen hat. Da auch hier, wie überall, die Gelder knapp bemessen sind, wäre es wünschenswert, diesen wunderbaren Ort in guten Händen zu wissen und mit entsprechenden Mittel auszustatten. Dieser geschichtsträchtige Ort sollte auch weiterhin erhalten bleiben.

Der Film gehört zweifellos zu den schönsten und bewegendsten Filmen, die ich je gesehen habe und bekommt von mir eine ganz große Empfehlung. Unbedingt anschauen, es lohnt sich auf jeden Fall. Zur DVD gibt es auch noch ein sehr interessantes Booklet, das noch weitere Informationen zum Film vermittelt.