"Hedwig and the Angry Inch" ist ein Film von John Cameron Mitchell (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2001. Die Musik stammt von Stephen Trask. Mitchell war bereits seit 1994 mit den Arbeiten an "Hedwig" beschäftigt, ehe es im Jahr 1998 als Off-Broadway-Stück Premiere hatte und schon nach kurzer Zeit zum Erfolg wurde. Daraufhin entstand der Plan, den Stoff zu verfilmen, mit John Cameron Mitchell als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller. Ein gewagtes Experiment, das hundertprozentig funktioniert hat.
Die Geschichte von Hedwig wird durch die zahlreichen und wirklich großartigen Rock-Songs erzählt, schließlich sind wir hier in einem Musical, wenn auch in einem sehr besonderen. Keine Angst vor dem Wort Musical, das hier ist etwas völlig anderes.
Die Titelfigur Hedwig (John Cameron Mitchell) ist als Hansel in Ost-Berlin aufgewachsen, wo er mit seiner Mutter (Alberta Watson) gelebt hat, nachdem diese sich von Hansels Vater getrennt hatte. Der erwachsene Hansel verliebt sich 1988 in den amerikanischen Sgt. Luther Robinson (Maurice Dean Wint), der ihn heiraten und mit in die Staaten nehmen will. Zuvor muss sich Hansel jedoch einer Geschlechtsumwandlung unterziehen, bei der allerdings einiges schief geht. Robinson heiratet Hansel, der sich jetzt Hedwig nennt, und nimmt ihn mit nach Amerika, trennt sich aber bald von ihm, vor allem wegen der missratenen Operation.
Hedwig sitzt allein und verlassen in einem Trailer-Park fest und sucht nach einer Aufgabe. Schließlich gründet sie eine Band, wird deren Sängerin und tourt durch das Land. Sie verliebt sich in den jungen Tommy (Michael Pitt), der ihr ihre Songs klaut und damit als Tommy Gnosis Karriere macht. Hedwig wird verbittert, muss von ihrer Managerin Phyllis Stein (Andrea Martin) davon abgehalten werden, Tommy auf Schritt und Tritt zu folgen und auch ihre neue Beziehung zu Yitzhak (Miriam Shor) steht unter keinem guten Stern. Doch das ist noch nicht das Ende der Geschichte...
"Hedwig and the Angry Inch" ist ein überaus erfolgreiches Musical, das immer wieder durch die Presse geht. In Deutschland hat z. B. Sven Ratzke damit großen Erfolg als Hedwig feiern können und aktuell steht Neil Patrick Harris als Hedwig in New York auf der Bühne. Zu meiner großen Schande muss ich gestehen, die DVD bereits seit zwei Jahren zu besitzen und irgendwie vergessen zu haben. Nun endlich habe ich den Film gesehen und bin total begeistert davon. Wie konnte ich dieses Juwel nur so lange ignorieren? Ein echtes Versäumnis.
Die DVD ist immer noch nur als Import zu bekommen, verfügt aber über englische Untertitel, das sollte also kein Problem darstellen. Als Bonus gibt es unter anderem eine ausführliche Dokumentation über die Entstehung von "Hedwig" als Bühnenstück und als Film, sowie die einzelnen Songs. Das alles ist sehr gut gelungen.
Ich gerate hier ins Schwärmen und möchte wirklich jedem diesen Film empfehlen, dabei habe ich noch gar nicht die herausragende Leistung von John Cameron Mitchell erwähnt, der hier unglaublich brillant vor und hinter der Kamera agiert und die Songs auch noch selbst singt. Er ist dabei nicht nur wunderschön anzuschauen, sondern trägt das ganze Stück allein. Jede Gefühlsregung kann man in seinem Gesicht ablesen, von glücklich bis traurig, alles ist perfekt eingefangen. Er ist hier der Star, aber der Rest der Besetzung ist ebenso sehenswert.
Also, ran an den Film und viel Spaß mit "Hedwig and the Angry Inch". Es lohnt sich. Und wer sich hier fragt, wer ist eigentlich Mann oder Frau? Wen interessiert das überhaupt? Genießt den Film und die Musik.
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Sonntag, 27. April 2014
Montag, 9. Mai 2011
Burlesque
"Burlesque" ist ein Film von Steve Antin (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2010, der sich hauptsächlich auf seine Hauptdarstellerin Christina Aguilera und ihre Gesangs- und Tanznummern konzentriert.
Die junge Ali (Christina Aguilera) arbeitet als Kellnerin in einem Kaff in Iowa, doch sie träumt von einem besseren Leben und macht sich deshalb auf nach Los Angeles. Dort landet sie in der "Burlesque"-Lounge und ist von den Bühnenauftritten der Tänzerinnen begeistert. Die Chefin Tess (Cher) stellt sie aber vorerst nur als Bedienung ein, bis Ali sie von ihren Talenten überzeugen kann. Ali hat nämlich allein vom Zuschauen nicht nur alle Tänze auswendig gelernt, nein, sie ist auch noch eine ganz tolle Sängerin, das hat nur bislang keiner gemerkt. Schon gut, ich packe meinen Sarkasmus wieder beiseite. Bei dem Barkeeper Jack (Cam Gigandet) findet sie erstmal Unterschlupf, womit sie keine Probleme hat, weil sie ihn für schwul hält, was er aber nicht ist. Das führt dann natürlich zu den üblichen "lustigen" Verklemmtheiten auf beiden Seiten und außerdem hat Jack noch eine Verlobte in New York.
Der Club steht vor dem finanziellen Ruin, was Tess aber strikt ignoriert. Der schleimige Immobilienhai Marcus (Eric Dane) will Tess den Club abkaufen und ihr Ex-Mann Vince (Peter Gallagher) rät ihr dazu, das Angebot anzunehmen. Unter den Tänzerinnen entbrennt inzwischen ein heftiger Streit zwischen Nikki (Kristen Bell), die bisher die Nummer Eins war und Ali, die sich anschickt die neue Attraktion zu werden. Ali muss sich zudem auch noch zwischen zwei Männern entscheiden, nämlich dem reichen Schnösel Marcus, der das "Burlesque" abreißen und durch einen riesigen Bau ersetzen will, und dem armen Barkeeper Jack, der natürlich auch noch nebenbei Songs schreibt und Ali wirklich von Herzen liebt, schluchz.
So viel wollte ich zur Handlung eigentlich gar nicht schreiben, die ist nämlich sowieso völlig uninteressant und schon tausendmal besser erzählt worden. Die Story ist dünner als die Kostüme, die die Tanzmäuschen auf der Bühne tragen, aber wen kratzt das hier schon. Bei den Dialogen sollte man jedenfalls besser gar nicht so genau hinhören, die sind schon teilweise unerträglich blöd.
Warum mache ich mir also überhaupt die Mühe hier eine Kritik zu verfassen, wenn ich sowieso keine Musicals mag? Ganz einfach, weil der Film gar nicht so schlecht ist, wie ich eigentlich dachte. Das macht ihn noch lange nicht zu einem guten oder sehenswerten Film, aber es gibt ein paar Dinge, die mich durchaus überzeugen konnten. In erster Linie fand ich Stanley Tucci als schwulen Bühnenmanager Sean und engen Freund von Tess einfach hinreißend. Er ist definitiv die gute Seele des Clubs und des ganzen Films. In einer viel zu kleinen Rolle kann noch Alan Cumming gefallen, der hier aber ganz sträflich behandelt wird. Und natürlich ist da noch Cher, die zwar inzwischen ein bisschen monstermäßig aussieht, sorry Darling, aber sie ist nun mal Cher. Wenn sie allerdings singt "You Haven't Seen The Last Of Me", dann kann das schon fast als Drohung durchgehen.
Auf die Kostüme und das Frauenbild, das hier verkörpert wird, gehe ich nicht näher ein, das wäre dann doch zuviel der Ehre für diesen Quark. Insgesamt gesehen kann der Film einigermaßen gefallen, wenn auch nicht überzeugen, dafür ist die Story doch zu klischeehaft und peinlich. Wenn man den Kopf aber ausschaltet und sich nur auf die Musik konzentriert, ja, dann geht es durchaus. Ich bin aber trotzdem kein Fan von Christina Aguilera, denn manchmal schreit sie mehr, als sie singt, das ist jedenfalls meine Meinung. Ihre Fans sehen das sicher anders, ist ja auch in Ordnung so.
Von der schauspielerischen Seite her ist hier sicher einiges im Argen, aber das ist zu verschmerzen. Christina Aguilera ist ganz niedlich, auch wenn man ihr das naive Landei zu Beginn des Films natürlich keine Sekunde lang abnimmt, Cher kann aus bekannten Gründen keine Miene mehr verziehen, aber der wunderbare Stanley Tucci und der sehr schnuckelige Cam Gigandet sorgen dafür, dass man hier doch noch Freude am Film hat. Der Rest der Besetzung läuft eher unter ferner liefen, denn weder Kristen Bell, noch Peter Gallagher oder Alan Cumming bekommen den notwendigen Raum, um sich zu entfalten. Also von mir trotz allem nur eine eingeschränkte Empfehlung, denn die Story an sich ist einfach viel zu platt und nicht sehr zeitgemäß. Ganz nette Unterhaltung für einen Abend, aber auch nicht mehr.
Die junge Ali (Christina Aguilera) arbeitet als Kellnerin in einem Kaff in Iowa, doch sie träumt von einem besseren Leben und macht sich deshalb auf nach Los Angeles. Dort landet sie in der "Burlesque"-Lounge und ist von den Bühnenauftritten der Tänzerinnen begeistert. Die Chefin Tess (Cher) stellt sie aber vorerst nur als Bedienung ein, bis Ali sie von ihren Talenten überzeugen kann. Ali hat nämlich allein vom Zuschauen nicht nur alle Tänze auswendig gelernt, nein, sie ist auch noch eine ganz tolle Sängerin, das hat nur bislang keiner gemerkt. Schon gut, ich packe meinen Sarkasmus wieder beiseite. Bei dem Barkeeper Jack (Cam Gigandet) findet sie erstmal Unterschlupf, womit sie keine Probleme hat, weil sie ihn für schwul hält, was er aber nicht ist. Das führt dann natürlich zu den üblichen "lustigen" Verklemmtheiten auf beiden Seiten und außerdem hat Jack noch eine Verlobte in New York.
Der Club steht vor dem finanziellen Ruin, was Tess aber strikt ignoriert. Der schleimige Immobilienhai Marcus (Eric Dane) will Tess den Club abkaufen und ihr Ex-Mann Vince (Peter Gallagher) rät ihr dazu, das Angebot anzunehmen. Unter den Tänzerinnen entbrennt inzwischen ein heftiger Streit zwischen Nikki (Kristen Bell), die bisher die Nummer Eins war und Ali, die sich anschickt die neue Attraktion zu werden. Ali muss sich zudem auch noch zwischen zwei Männern entscheiden, nämlich dem reichen Schnösel Marcus, der das "Burlesque" abreißen und durch einen riesigen Bau ersetzen will, und dem armen Barkeeper Jack, der natürlich auch noch nebenbei Songs schreibt und Ali wirklich von Herzen liebt, schluchz.
So viel wollte ich zur Handlung eigentlich gar nicht schreiben, die ist nämlich sowieso völlig uninteressant und schon tausendmal besser erzählt worden. Die Story ist dünner als die Kostüme, die die Tanzmäuschen auf der Bühne tragen, aber wen kratzt das hier schon. Bei den Dialogen sollte man jedenfalls besser gar nicht so genau hinhören, die sind schon teilweise unerträglich blöd.
Warum mache ich mir also überhaupt die Mühe hier eine Kritik zu verfassen, wenn ich sowieso keine Musicals mag? Ganz einfach, weil der Film gar nicht so schlecht ist, wie ich eigentlich dachte. Das macht ihn noch lange nicht zu einem guten oder sehenswerten Film, aber es gibt ein paar Dinge, die mich durchaus überzeugen konnten. In erster Linie fand ich Stanley Tucci als schwulen Bühnenmanager Sean und engen Freund von Tess einfach hinreißend. Er ist definitiv die gute Seele des Clubs und des ganzen Films. In einer viel zu kleinen Rolle kann noch Alan Cumming gefallen, der hier aber ganz sträflich behandelt wird. Und natürlich ist da noch Cher, die zwar inzwischen ein bisschen monstermäßig aussieht, sorry Darling, aber sie ist nun mal Cher. Wenn sie allerdings singt "You Haven't Seen The Last Of Me", dann kann das schon fast als Drohung durchgehen.
Auf die Kostüme und das Frauenbild, das hier verkörpert wird, gehe ich nicht näher ein, das wäre dann doch zuviel der Ehre für diesen Quark. Insgesamt gesehen kann der Film einigermaßen gefallen, wenn auch nicht überzeugen, dafür ist die Story doch zu klischeehaft und peinlich. Wenn man den Kopf aber ausschaltet und sich nur auf die Musik konzentriert, ja, dann geht es durchaus. Ich bin aber trotzdem kein Fan von Christina Aguilera, denn manchmal schreit sie mehr, als sie singt, das ist jedenfalls meine Meinung. Ihre Fans sehen das sicher anders, ist ja auch in Ordnung so.
Von der schauspielerischen Seite her ist hier sicher einiges im Argen, aber das ist zu verschmerzen. Christina Aguilera ist ganz niedlich, auch wenn man ihr das naive Landei zu Beginn des Films natürlich keine Sekunde lang abnimmt, Cher kann aus bekannten Gründen keine Miene mehr verziehen, aber der wunderbare Stanley Tucci und der sehr schnuckelige Cam Gigandet sorgen dafür, dass man hier doch noch Freude am Film hat. Der Rest der Besetzung läuft eher unter ferner liefen, denn weder Kristen Bell, noch Peter Gallagher oder Alan Cumming bekommen den notwendigen Raum, um sich zu entfalten. Also von mir trotz allem nur eine eingeschränkte Empfehlung, denn die Story an sich ist einfach viel zu platt und nicht sehr zeitgemäß. Ganz nette Unterhaltung für einen Abend, aber auch nicht mehr.
Freitag, 31. Dezember 2010
Wäre die Welt mein
"Wäre die Welt mein" - "Were the World Mine" ist ein Film von Tom Gustafson aus dem Jahr 2008.
Timothy ist ein hübscher Junge und er ist offen schwul, was ihm das Leben an seiner Schule schwer macht. Zudem ist er verliebt in die Sportskanone Jonathon, der aber anscheinend unerreichbar für ihn ist. Seine Lehrerin Mrs. Tebbit plant eine Schulaufführung von Shakespeares Sommernachtstraum und Timothy soll die Hauptrolle, den Puck darstellen.
Von da an vermischen sich Traum und Wirklichkeit. Ein geheimnisvoller Zauber sorgt dafür, dass sich die Menschen spontan ineinander verlieben, Frauen in Frauen und Männer in Männer. Das sorgt für einige Verwirrungen in der spießigen kleinen Stadt, aber letztendlich findet jeder den Partner, den er wirklich liebt und auch Timothy kann endlich mit seinem Schwarm zusammen sein.
Das ganze ist als Musical arrangiert und auch wenn ich Musicals sonst nicht besonders mag, hier passt es sehr gut. Die Darsteller sind sehr sympathisch und süß, da kann man nicht meckern. Insgesamt gesehen ein niedlicher kleiner Film, mit hübschen Einfällen und schön ausgestattet, den man sich gerne anschauen kann. Sehr empfehlenswert.
Timothy ist ein hübscher Junge und er ist offen schwul, was ihm das Leben an seiner Schule schwer macht. Zudem ist er verliebt in die Sportskanone Jonathon, der aber anscheinend unerreichbar für ihn ist. Seine Lehrerin Mrs. Tebbit plant eine Schulaufführung von Shakespeares Sommernachtstraum und Timothy soll die Hauptrolle, den Puck darstellen.
Von da an vermischen sich Traum und Wirklichkeit. Ein geheimnisvoller Zauber sorgt dafür, dass sich die Menschen spontan ineinander verlieben, Frauen in Frauen und Männer in Männer. Das sorgt für einige Verwirrungen in der spießigen kleinen Stadt, aber letztendlich findet jeder den Partner, den er wirklich liebt und auch Timothy kann endlich mit seinem Schwarm zusammen sein.
Das ganze ist als Musical arrangiert und auch wenn ich Musicals sonst nicht besonders mag, hier passt es sehr gut. Die Darsteller sind sehr sympathisch und süß, da kann man nicht meckern. Insgesamt gesehen ein niedlicher kleiner Film, mit hübschen Einfällen und schön ausgestattet, den man sich gerne anschauen kann. Sehr empfehlenswert.
Sonntag, 5. Dezember 2010
Zero Patience
"Zero Patience" ist ein Film von John Greyson (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1993.
Sir Richard Francis Burton, ein bekannter Forscher aus dem 19. Jahrhundert, ist durch die Begegnung mit einem Jungbrunnen noch immer in erstaunlich guter Verfassung und arbeitet als Präparator am Natural History Museum in Toronto. Hier bereitet er gerade eine neue Ausstellung vor, die sich mit verschiedenen Seuchen und Krankheiten sowie deren Ursprung befasst. Bei seinen Recherchen stößt er auf Zero, den schwulen Flugbegleiter, der Anfang der Achtziger Jahre angeblich derjenige war, der Aids nach Nordamerika brachte. Bald darauf begegnet ihm auch Zeros Geist, den allerdings nur Burton sehen kann. Zero ist über Burtons Arbeit an dem Projekt aber wenig begeistert, denn der verdreht die Dinge so, wie er sie haben will.
Im Laufe der Geschichte wird Burton Zeros Geliebter und damit sozusagen bekehrt. Aber auch die an Aids Erkrankten erheben ihre Stimme und prangern deutlich die Pharma-Konzerne und die Politik an. Zero war natürlich nicht der Erste, der das Virus in sich trug, es war nur so bequem das zu behaupten. Es ist an der Zeit, die Geschichte neu zu erzählen und einige Vorurteile zu überdenken.
John Greyson setzt das hervorragend um mit vielen schönen und schrägen Einfällen, tollen Musiknummern, viel nackter Haut und sehr hübschen Darstellern. Das ganze ist definitiv gelungen und bei aller Leichtigkeit regt es auch zum Nachdenken an. Besser geht es nicht. Sehr empfehlenswert.
Sir Richard Francis Burton, ein bekannter Forscher aus dem 19. Jahrhundert, ist durch die Begegnung mit einem Jungbrunnen noch immer in erstaunlich guter Verfassung und arbeitet als Präparator am Natural History Museum in Toronto. Hier bereitet er gerade eine neue Ausstellung vor, die sich mit verschiedenen Seuchen und Krankheiten sowie deren Ursprung befasst. Bei seinen Recherchen stößt er auf Zero, den schwulen Flugbegleiter, der Anfang der Achtziger Jahre angeblich derjenige war, der Aids nach Nordamerika brachte. Bald darauf begegnet ihm auch Zeros Geist, den allerdings nur Burton sehen kann. Zero ist über Burtons Arbeit an dem Projekt aber wenig begeistert, denn der verdreht die Dinge so, wie er sie haben will.
Im Laufe der Geschichte wird Burton Zeros Geliebter und damit sozusagen bekehrt. Aber auch die an Aids Erkrankten erheben ihre Stimme und prangern deutlich die Pharma-Konzerne und die Politik an. Zero war natürlich nicht der Erste, der das Virus in sich trug, es war nur so bequem das zu behaupten. Es ist an der Zeit, die Geschichte neu zu erzählen und einige Vorurteile zu überdenken.
John Greyson setzt das hervorragend um mit vielen schönen und schrägen Einfällen, tollen Musiknummern, viel nackter Haut und sehr hübschen Darstellern. Das ganze ist definitiv gelungen und bei aller Leichtigkeit regt es auch zum Nachdenken an. Besser geht es nicht. Sehr empfehlenswert.
Dienstag, 17. August 2010
Nine
"Nine" ist ein Film von Rob Marshall aus dem Jahr 2009.
Erzählt wird die Geschichte des erfolgreichen italienischen Regisseurs Guido Contini (Daniel Day-Lewis), die Handlung spielt in den sechziger Jahren in Italien und soll eine Art Hommage an Fellini sein. Der gute Guido steckt in einer schweren Schaffenskrise, sein neuer Film "Italia" soll schon bald gedreht werden und es gibt noch nicht einmal ein Drehbuch. Gefangen in seiner Midlife-Crisis begegnet er in seinen Träumen den Frauen, die für ihn im Leben wichtig waren. Und da das ganze hier ein Musical ist, wird natürlich auch viel gesungen und getanzt. Wer, wie ich, mit Musicals nicht so viel anfangen kann, der sei schon mal gewarnt, es wird ziemlich kitschig und bunt.
Erzählt wird die Geschichte des erfolgreichen italienischen Regisseurs Guido Contini (Daniel Day-Lewis), die Handlung spielt in den sechziger Jahren in Italien und soll eine Art Hommage an Fellini sein. Der gute Guido steckt in einer schweren Schaffenskrise, sein neuer Film "Italia" soll schon bald gedreht werden und es gibt noch nicht einmal ein Drehbuch. Gefangen in seiner Midlife-Crisis begegnet er in seinen Träumen den Frauen, die für ihn im Leben wichtig waren. Und da das ganze hier ein Musical ist, wird natürlich auch viel gesungen und getanzt. Wer, wie ich, mit Musicals nicht so viel anfangen kann, der sei schon mal gewarnt, es wird ziemlich kitschig und bunt.
So haben also alle Frauen aus Guidos Leben nach und nach ihren Auftritt, sei es nun seine Mamma (Sophia Loren), seine Ehefrau Luisa (Marion Cotillard), seine Geliebte Carla (Penélope Cruz), sein Star Claudia ("Plastikpüppchen" Nicole Kidman), seine enge Vertraute Lilli (Judi Dench) und noch einige andere. Für die Musicalnummern wurden die Frauen zum Teil in ziemlich nuttige Kostüme gepresst und scheinen nur aus Brüsten zu bestehen, das ist wohl ein Zugeständnis an das männliche Publikum, sich diesen Film anzuschauen. Sehr fragwürdig, meiner Meinung nach.
Daniel Day-Lewis spricht seine Rolle mit lustigem italienischen Akzent und ist wie üblich hervorragend, aber doch in einem Musical irgendwie fehl am Platz. Seine Rolle verlangt von ihm, die ganze Zeit nur zu jammern und sich um sich selbst zu drehen, das nervt dann auch schnell. Dann ist man schon versucht, ihm wie die anderen Frauen ein lautes "Oh, Guido" zuzurufen. Die Damen meistern ihre Gesangs- und Tanznummern insgesamt ganz beachtlich, hier sei aber besonders Kate Hudson erwähnt. Sie hat den wohl besten Auftritt mit einem mitreißenden Song und einer wirklich sensationellen Darstellung. Hut ab!
Nach erneutem Anhören des Soundtracks muss ich zugeben, dass einige Lieder doch im Ohr bleiben. Neben der bereits erwähnten Kate Hudson überzeugen hier auch noch Marion Cotillard und selbst Nicole Kidman mit schönen Songs.
Nach erneutem Anhören des Soundtracks muss ich zugeben, dass einige Lieder doch im Ohr bleiben. Neben der bereits erwähnten Kate Hudson überzeugen hier auch noch Marion Cotillard und selbst Nicole Kidman mit schönen Songs.
Insgesamt ein Film, den man nicht unbedingt gesehen haben muss, außer man hat eine Vorliebe für Musicals. Ich hatte ihn mir aber schlimmer vorgestellt, von daher bin ich noch ganz milde in meinem Urteil und würde sagen, er ist doch anschaubar.
Sonntag, 15. August 2010
Tommy
"Tommy" ist ein Film von Ken Russell aus dem Jahr 1974, basierend auf der gleichnamigen Rockoper der Band "The Who", die 1969 von Pete Townshend geschrieben wurde.
Der Film beginnt mit Aufnahmen von Tommys Eltern, die sehr glücklich und verliebt sind. Captain Walker (Robert Powell) und seine Frau Nora (Ann-Margret) haben jedoch nur eine kurze Zeit des Glücks, denn es ist Krieg und Walker wird eingezogen. Einige Zeit später wird Nora mitgeteilt, dass ihr Mann abgeschossen wurde und verschollen ist. Kurz darauf kommt Sohn Tommy zur Welt. Ein paar Jahre später verbringt Nora die Ferien mit ihrem kleinen Sohn in einem Feriencamp und lernt dort den charmanten Aufreisser Frank (Oliver Reed) kennen und lieben. Sie leben fortan als Familie zusammen. Eines Nachts taucht der verschollen geglaubte Captain Walker wieder zu Hause auf und überrascht Nora und Frank im Schlafzimmer. Es kommt zum Streit und Frank erschlägt Walker. Tommy, der das mit angesehen hat, wird daraufhin blind, taub und stumm und nichts und niemand scheint ihn heilen zu können. Jahre vergehen, Tommy (Roger Daltrey) wird von seiner verzweifelten Mutter, die sich die Schuld an seinem Zustand gibt, zu immer neuen Ärzten und Scharlatanen gebracht, aber es gibt keine Besserung. Eines Tages wird Tommy durch eine Fügung auf einen Schrottplatz gelockt und entdeckt dort einen Flipperautomaten. Das ändert sein Leben, denn trotz seiner andauernden Beeinträchtigungen scheint er das Flipperspiel wie kein zweiter zu beherrschen. Er wird berühmt und die Familie wird reich. Nachdem ihn seine Mutter versehentlich durch einen Spiegel geworfen hat, kann Tommy auch wieder sehen, hören und sprechen. Er wird zu einer Art Messias, aber das Glück hat auch dunkle Seiten...
Ken Russell hat diesen Film in der ihm eigenen Weise mit vielen verrückten Ideen und Bildern vollgepackt, was das Ansehen zu einem Vergnügen macht. Sehr gut finde ich persönlich die Kugeln als immer wiederkehrendes Motiv im ganzen Film. Ann-Margret ist ein Traum. Ihre Darstellung der Mutter, immer am Rande der Verzweiflung und dem Alkohol zugetan, ist ein Genuß. Oliver Reed ist hier herrlich fies und teilweise unsympathisch, aber immer sehenswert. Seine Darstellung des Trinkers dürfte ihm nicht schwergefallen sein. Robert Powell, der Tommys Vater spielt, ist eine ganz wichtige Figur in diesem Film. Er spielte übrigens die Titelfigur Gustav Mahler in Ken Russells wunderbarem Film "Mahler" aus dem Jahr 1974. Roger Daltreys schauspielerisches Talent bleibt sehr überschaubar, trotzdem ist er in dieser Rolle die perfekte Besetzung. Die Nebenrollen sind ausnahmslos gut besetzt mit kleinen Auftritten von Tina Turner, Jack Nicholson, Elton John, Eric Clapton, Keith Moon und anderen.
Diese Special Collectors Edition ist absolut sehenswert und angereichert mit Interviews und Kommentaren der Beteiligten aus dem Jahr 2004. Es gibt sehr launige Anekdoten über die Gesangsaufnahmen und die Dreharbeiten, das ist sehr empfehlenswert und lohnend. Einziger und wirklich winziger Kritikpunkt von mir, der Film ist insgesamt etwas zu lang geraten. Im letzten Teil zieht es sich ein bisschen, das hätte gerne etwas straffer sein können. Trotzdem sehr empfehlenswert und für Fans von Ken Russell und der Musik von "The Who" ein Muss.
Der Film beginnt mit Aufnahmen von Tommys Eltern, die sehr glücklich und verliebt sind. Captain Walker (Robert Powell) und seine Frau Nora (Ann-Margret) haben jedoch nur eine kurze Zeit des Glücks, denn es ist Krieg und Walker wird eingezogen. Einige Zeit später wird Nora mitgeteilt, dass ihr Mann abgeschossen wurde und verschollen ist. Kurz darauf kommt Sohn Tommy zur Welt. Ein paar Jahre später verbringt Nora die Ferien mit ihrem kleinen Sohn in einem Feriencamp und lernt dort den charmanten Aufreisser Frank (Oliver Reed) kennen und lieben. Sie leben fortan als Familie zusammen. Eines Nachts taucht der verschollen geglaubte Captain Walker wieder zu Hause auf und überrascht Nora und Frank im Schlafzimmer. Es kommt zum Streit und Frank erschlägt Walker. Tommy, der das mit angesehen hat, wird daraufhin blind, taub und stumm und nichts und niemand scheint ihn heilen zu können. Jahre vergehen, Tommy (Roger Daltrey) wird von seiner verzweifelten Mutter, die sich die Schuld an seinem Zustand gibt, zu immer neuen Ärzten und Scharlatanen gebracht, aber es gibt keine Besserung. Eines Tages wird Tommy durch eine Fügung auf einen Schrottplatz gelockt und entdeckt dort einen Flipperautomaten. Das ändert sein Leben, denn trotz seiner andauernden Beeinträchtigungen scheint er das Flipperspiel wie kein zweiter zu beherrschen. Er wird berühmt und die Familie wird reich. Nachdem ihn seine Mutter versehentlich durch einen Spiegel geworfen hat, kann Tommy auch wieder sehen, hören und sprechen. Er wird zu einer Art Messias, aber das Glück hat auch dunkle Seiten...
Ken Russell hat diesen Film in der ihm eigenen Weise mit vielen verrückten Ideen und Bildern vollgepackt, was das Ansehen zu einem Vergnügen macht. Sehr gut finde ich persönlich die Kugeln als immer wiederkehrendes Motiv im ganzen Film. Ann-Margret ist ein Traum. Ihre Darstellung der Mutter, immer am Rande der Verzweiflung und dem Alkohol zugetan, ist ein Genuß. Oliver Reed ist hier herrlich fies und teilweise unsympathisch, aber immer sehenswert. Seine Darstellung des Trinkers dürfte ihm nicht schwergefallen sein. Robert Powell, der Tommys Vater spielt, ist eine ganz wichtige Figur in diesem Film. Er spielte übrigens die Titelfigur Gustav Mahler in Ken Russells wunderbarem Film "Mahler" aus dem Jahr 1974. Roger Daltreys schauspielerisches Talent bleibt sehr überschaubar, trotzdem ist er in dieser Rolle die perfekte Besetzung. Die Nebenrollen sind ausnahmslos gut besetzt mit kleinen Auftritten von Tina Turner, Jack Nicholson, Elton John, Eric Clapton, Keith Moon und anderen.
Diese Special Collectors Edition ist absolut sehenswert und angereichert mit Interviews und Kommentaren der Beteiligten aus dem Jahr 2004. Es gibt sehr launige Anekdoten über die Gesangsaufnahmen und die Dreharbeiten, das ist sehr empfehlenswert und lohnend. Einziger und wirklich winziger Kritikpunkt von mir, der Film ist insgesamt etwas zu lang geraten. Im letzten Teil zieht es sich ein bisschen, das hätte gerne etwas straffer sein können. Trotzdem sehr empfehlenswert und für Fans von Ken Russell und der Musik von "The Who" ein Muss.
Donnerstag, 12. August 2010
The Big Gay Musical
"The Big Gay Musical" ist ein Film von Casper Andreas (Regie) und Fred M. Caruso (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2009.
Der Film handelt von einem Off-Broadway-Stück namens "Adam und Steve - Eben so, wie Gott sie schuf". Die ersten Previews stehen an und die beiden Hauptdarsteller Paul und Eddie müssen sich mit privaten Problemen herumschlagen. Paul wurde gerade von seinem Freund verlassen und Eddie ist noch "Jungfrau" und hat seinen Eltern, die streng religiös sind, noch nichts von seinem Coming-Out erzählt. Das wird aber höchste Zeit, wollen sie sich doch seine Premiere nicht entgehen lassen.
Das Musical ist fantastisch, es erzählt die Schöpfungsgeschichte auf etwas andere Art. Die Engel sind heiß, sexy und männlich, haben Flügel und extrem knappe Shorts an und steppen. Das allein lohnt schon das anschauen. Gott selbst tritt auch auf (herrlich), um sich sein Werk anzusehen "Warum ist es so scheißdunkel hier unten?" Nachdem er Adam und Eva aus dem Garten Eden vertreiben musste, wegen der Apfelgeschichte, versucht er es nun eben mit Adam und Steve. Eva rebelliert allerdings gegen diese Entscheidung und verfasst daraufhin die "Bruthennen-Informations-Broschüre über einwandfreie Lebensweise", kurz "BIBEL" genannt. Tausende Jahre später weiß natürlich niemand mehr, wer dieses Werk tatsächlich verfasst hat.
Ohne hier zuviel verraten zu wollen, der Film ist ganz große Klasse und ein hinreißender Mix aus Komödie, Drama und Liebesgeschichte, schön anzuschauen, bewegend und auch brüllend komisch. "Versuche nicht, jemand zu sein, der Du nicht bist, sondern sei einfach Du selbst. Das ist alles was zählt."
Ich finde diesen Film ganz wunderbar, obwohl ich eigentlich keine Musicals mag, aber hier stimmt einfach alles. Und so furchtbar viel wird auch gar nicht gesungen. Absolut sehenswert.
Der Film handelt von einem Off-Broadway-Stück namens "Adam und Steve - Eben so, wie Gott sie schuf". Die ersten Previews stehen an und die beiden Hauptdarsteller Paul und Eddie müssen sich mit privaten Problemen herumschlagen. Paul wurde gerade von seinem Freund verlassen und Eddie ist noch "Jungfrau" und hat seinen Eltern, die streng religiös sind, noch nichts von seinem Coming-Out erzählt. Das wird aber höchste Zeit, wollen sie sich doch seine Premiere nicht entgehen lassen.
Das Musical ist fantastisch, es erzählt die Schöpfungsgeschichte auf etwas andere Art. Die Engel sind heiß, sexy und männlich, haben Flügel und extrem knappe Shorts an und steppen. Das allein lohnt schon das anschauen. Gott selbst tritt auch auf (herrlich), um sich sein Werk anzusehen "Warum ist es so scheißdunkel hier unten?" Nachdem er Adam und Eva aus dem Garten Eden vertreiben musste, wegen der Apfelgeschichte, versucht er es nun eben mit Adam und Steve. Eva rebelliert allerdings gegen diese Entscheidung und verfasst daraufhin die "Bruthennen-Informations-Broschüre über einwandfreie Lebensweise", kurz "BIBEL" genannt. Tausende Jahre später weiß natürlich niemand mehr, wer dieses Werk tatsächlich verfasst hat.
Ohne hier zuviel verraten zu wollen, der Film ist ganz große Klasse und ein hinreißender Mix aus Komödie, Drama und Liebesgeschichte, schön anzuschauen, bewegend und auch brüllend komisch. "Versuche nicht, jemand zu sein, der Du nicht bist, sondern sei einfach Du selbst. Das ist alles was zählt."
Ich finde diesen Film ganz wunderbar, obwohl ich eigentlich keine Musicals mag, aber hier stimmt einfach alles. Und so furchtbar viel wird auch gar nicht gesungen. Absolut sehenswert.
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