"Parting Glances" - "Abschiedsblicke" ist ein Film von Bill Sherwood (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1986. Das unabhängig produzierte Low-Budget-Werk blieb leider der einzige Film von Bill Sherwood, der am 10.02.1990 im Alter von nur 37 Jahren an den Folgen von Aids starb.
Die Handlung spielt in New York, Mitte der Achtziger Jahre und umfasst einen Zeitraum von 24 Stunden. Michael (Richard Ganoung) und Robert (John Bolger) sind beide Ende Zwanzig und seit sechs Jahren ein Paar. Robert hat sich entschlossen, für längere Zeit beruflich nach Afrika zu gehen, was die Stimmung zwischen ihnen trübt, weil seine Abreise kurz bevor steht.
An diesem Abend steht noch ein Abendessen bei Roberts Boss an und später eine Abschiedsparty für Robert, die von ihrer gemeinsamen Freundin Joan (Kathy Kinney) in deren Loft veranstaltet wird. Außerdem kümmert sich Michael wie immer um seinen Ex-Lover, den Rock-Musiker Nick (Steve Buscemi), der an Aids erkrankt ist. Michael liebt Nick immer noch und das weiß auch Robert, zumindest ahnt er es. Das ist auch einer der Gründe, warum er sich entschlossen hat, für längere Zeit abwesend zu sein, wie er Michael später noch gestehen wird. Nick wird sterben und Robert fühlt sich nicht stark genug, Michael dabei zur Seite zu stehen und ihn aufzufangen.
In seinem bevorzugten Plattenladen lernt Michael den jungen Peter (Adam Nathan) kennen, der heimlich in ihn verliebt ist und später auch auf der Party bei Joan erscheint. Im Laufe des Abends ergeben sich viele Gespräche unter den Freunden, Erinnerungen kommen hoch und Träume und Wünsche für die Zukunft. Sogar Nick besucht die Party und Michael denkt an ihre gemeinsame Vergangenheit und Nicks verrückte Einfälle, wie z. B. damals auf Fire Island.
Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen, aber es ist zu viel passiert in dieser Nacht. Wird Robert tatsächlich abreisen und was ist mit Nick? Der hat schon wieder so einen verrückten Plan.
Bill Sherwood ging es in seinem Film um Freundschaft und Liebe. Zudem war es einer der ersten Filme, der schwules Leben in den Mittelpunkt stellte, ohne es besonders zu thematisieren. Hier hat keiner der Beteiligten ein Problem damit, schwul zu sein (warum auch), es ist einfach so. Ebenso wird auch auf die Aids-Erkrankung von Nick nicht weiter eingegangen. Das war eben die damalige Zeit, auch wenn sich bis dahin kein Film getraut hatte, das offen auszusprechen.
Dabei ist "Parting Glances" aber kein trauriges Drama geworden, sondern ein offener und lebensbejahender Film, der durchaus auch seine komischen Momente hat. Die Musikuntermalung ist sehr gelungen und reicht von klassischer Musik bis hin zu Bronski Beat. Perfekt.
Die Schauspieler sind alle sehr sehenswert, hier ist es aber vor allen Dingen Steve Buscemi, der den Film dominiert und eine tolle Darstellung zeigt. Wer sich für die Thematik interessiert und mal wieder in die Achtziger abtauchen will, bitte sehr. Von mir gibt es jedenfalls eine große Empfehlung, nur leider ist der Film sehr schwierig zu finden. Es lohnt sich aber, danach zu suchen.
Sonntag, 21. September 2014
Sonntag, 14. September 2014
Eastern Boys
"Eastern Boys" ist ein Film von Robin Campillo (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013. Kamerafrau war hier Jeanne Lapoirie.
Am Pariser Bahnhof Gare du Nord hängt eine Gruppe osteuropäischer junger Männer herum. In dem ganzen Trubel fallen sie nicht weiter auf, denn hier ist viel los. Reisende sind unterwegs, ebenso Berufstätige, Sicherheitspersonal und viele andere. Einer der jungen Männer ist Marek (Kirill Emelyanov), ein Junge mit einem hübschen Gesicht, der beinahe verletzlich und unschuldig wirkt. Der Geschäftsmann Daniel (Olivier Rabourdin), ein Mann Mitte Fünfzig, verfolgt Marek eine ganze Weile mit seinen Blicken, bis er es endlich wagt, den jungen Mann anzusprechen.
Marek spricht kaum französisch, man verhandelt auf Englisch. Für 50 Euro macht er alles, sagt Marek. Daniel ist ein bisschen verlegen, weiß nicht so ganz, worauf er sich hier einlässt. Doch schließlich gibt er Marek seine Adresse und man verabredet sich für den nächsten Abend. Als Daniel am Tag darauf die Tür seiner schicken Wohnung öffnet, steht dort nicht wie erwartet Marek, sondern die gesamte Gang. Deren Anführer "Boss" (Daniil Vorobyov) lässt keinen Zweifel aufkommen, wer hier jetzt die Oberhand hat. Es wird eine Party gefeiert und so ganz nebenbei die Wohnung ausgeraubt. Daniel muss wortlos mit ansehen, wie sämtliches Mobiliar und persönliche Gegenstände auseinander genommen werden. Auch Marek taucht auf und beide Männer werfen sich nur Blicke zu.
Am nächsten Tag erwacht Daniel wie aus einem Alptraum in seiner demolierten Wohnung. Was nicht geklaut wurde, das wurde zerstört, übrig blieb nur ein Trümmerfeld, um das sich Daniels Putzfrau nun kümmern muss. Am Abend steht dann überraschend Marek vor der Tür, bereit die Verabredung zum Sex nachzuholen. Daniel lässt ihn hinein und das ist der Beginn einer merkwürdigen Beziehung zwischen den beiden so unterschiedlichen Männern, die immer intensiver wird. Ist es erst nur der Sex, entwickelt sich bald schon echte Zuneigung und Daniel sorgt sich immer mehr um Marek, dessen richtiger Name Rouslan ist, und will ihn von der Straße holen und weg von der Gang. Er richtet ihm ein eigenes Zimmer ein, aber Rouslan hat als Illegaler in Paris noch ein weiteres Problem, denn "Boss" hat seine Papiere unter Verschluss und die liegen in einem Schließfach in einem Hotel außerhalb der Stadt.
Es wird noch ganz schön spannend, soviel kann ich schon verraten, mehr aber auch nicht. Der Film ist ein echtes Erlebnis, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Trotz einer Lauflänge von gut zwei Stunden stellt sich keine Langeweile ein. Mag der Anfang auch ein bisschen zäh wirken, wird man doch recht schnell in die Geschichte reingezogen und dann kommt man da sowieso nicht mehr raus. Absolut großartig.
Neben dem jungen Kirill Emelyanov als Rouslan/Marek und Daniil Vorobyov als fiesem "Boss", ist es vor allen Dingen Olivier Rabourdin als Daniel, der den Zuschauer hier wirklich von den Sitzen reißt. So eine fantastische Darstellung habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Was dieser Mann allein mit seinen Blicken ausdrücken kann, ist nahezu unbeschreiblich. Besser geht es eigentlich nicht.
Was soll ich noch sagen? Ran an den Film. Von mir gibt es auf jeden Fall eine ganz große Empfehlung, man muss sich aber schon auf den Film und die Handlung einlassen können.
Am Pariser Bahnhof Gare du Nord hängt eine Gruppe osteuropäischer junger Männer herum. In dem ganzen Trubel fallen sie nicht weiter auf, denn hier ist viel los. Reisende sind unterwegs, ebenso Berufstätige, Sicherheitspersonal und viele andere. Einer der jungen Männer ist Marek (Kirill Emelyanov), ein Junge mit einem hübschen Gesicht, der beinahe verletzlich und unschuldig wirkt. Der Geschäftsmann Daniel (Olivier Rabourdin), ein Mann Mitte Fünfzig, verfolgt Marek eine ganze Weile mit seinen Blicken, bis er es endlich wagt, den jungen Mann anzusprechen.
Marek spricht kaum französisch, man verhandelt auf Englisch. Für 50 Euro macht er alles, sagt Marek. Daniel ist ein bisschen verlegen, weiß nicht so ganz, worauf er sich hier einlässt. Doch schließlich gibt er Marek seine Adresse und man verabredet sich für den nächsten Abend. Als Daniel am Tag darauf die Tür seiner schicken Wohnung öffnet, steht dort nicht wie erwartet Marek, sondern die gesamte Gang. Deren Anführer "Boss" (Daniil Vorobyov) lässt keinen Zweifel aufkommen, wer hier jetzt die Oberhand hat. Es wird eine Party gefeiert und so ganz nebenbei die Wohnung ausgeraubt. Daniel muss wortlos mit ansehen, wie sämtliches Mobiliar und persönliche Gegenstände auseinander genommen werden. Auch Marek taucht auf und beide Männer werfen sich nur Blicke zu.
Am nächsten Tag erwacht Daniel wie aus einem Alptraum in seiner demolierten Wohnung. Was nicht geklaut wurde, das wurde zerstört, übrig blieb nur ein Trümmerfeld, um das sich Daniels Putzfrau nun kümmern muss. Am Abend steht dann überraschend Marek vor der Tür, bereit die Verabredung zum Sex nachzuholen. Daniel lässt ihn hinein und das ist der Beginn einer merkwürdigen Beziehung zwischen den beiden so unterschiedlichen Männern, die immer intensiver wird. Ist es erst nur der Sex, entwickelt sich bald schon echte Zuneigung und Daniel sorgt sich immer mehr um Marek, dessen richtiger Name Rouslan ist, und will ihn von der Straße holen und weg von der Gang. Er richtet ihm ein eigenes Zimmer ein, aber Rouslan hat als Illegaler in Paris noch ein weiteres Problem, denn "Boss" hat seine Papiere unter Verschluss und die liegen in einem Schließfach in einem Hotel außerhalb der Stadt.
Es wird noch ganz schön spannend, soviel kann ich schon verraten, mehr aber auch nicht. Der Film ist ein echtes Erlebnis, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Trotz einer Lauflänge von gut zwei Stunden stellt sich keine Langeweile ein. Mag der Anfang auch ein bisschen zäh wirken, wird man doch recht schnell in die Geschichte reingezogen und dann kommt man da sowieso nicht mehr raus. Absolut großartig.
Neben dem jungen Kirill Emelyanov als Rouslan/Marek und Daniil Vorobyov als fiesem "Boss", ist es vor allen Dingen Olivier Rabourdin als Daniel, der den Zuschauer hier wirklich von den Sitzen reißt. So eine fantastische Darstellung habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Was dieser Mann allein mit seinen Blicken ausdrücken kann, ist nahezu unbeschreiblich. Besser geht es eigentlich nicht.
Was soll ich noch sagen? Ran an den Film. Von mir gibt es auf jeden Fall eine ganz große Empfehlung, man muss sich aber schon auf den Film und die Handlung einlassen können.
Samstag, 13. September 2014
Peau d'âne
"Peau d'âne" (Eselshaut) ist ein Film von Jacques Demy (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1970 und beruht auf dem gleichnamigen Märchen von Charles Perrault aus dem Jahr 1694. Die Musik stammt von Michel Legrand.
Also ein Märchenfilm, aber ein ganz besonderer, der sich auch eher an ein erwachsenes Publikum wendet. In einem schönen und friedvollen Land (allein das ist heutzutage ja schon eine Utopie) lebt ein König (Jean Marais), der von seinen Untertanen geliebt und geachtet wird. Als die Königin erkrankt und schließlich stirbt, ist der König voller Trauer und zieht sich zurück. Auf ihrem Sterbebett hatte die Königin ihrem Mann das Versprechen abgenommen, sollte er jemals wieder heiraten wollen, dann nur eine Frau, die noch schöner wäre als sie selbst. Der König denkt nicht an eine erneute Heirat, aber seine Berater drängen ihn dazu, da er nur eine Tochter (Catherine Deneuve) hat und keinen männlichen Thronfolger.
Die Berater des Königs können keine Frau finden, die auch nur annähernd so schön ist wie die verstorbene Königin. Deshalb unterbreiten sie ihm den Vorschlag, seine Tochter zu heiraten, die die Schönheit ihrer Mutter geerbt hat. Als die Prinzessin davon erfährt, ist sie entsetzt und berät sich mit ihrer Patentante, der Fee Lilas (Delphine Seyrig), die auch schon einen Plan hat, den König auszutricksen. Die Prinzessin soll vor der Hochzeit Forderungen stellen, die der König nicht erfüllen kann, wie z. B. Kleider in der Farbe des Himmels oder des Mondes. Dem König gelingt all das tatsächlich und so fordert die Prinzessin schließlich die Haut seines Goldesels und auch dieser Wunsch wird ihr erfüllt.
Mit Hilfe der Fee kann die Prinzessin fliehen und sich mit der Haut des Esels bedecken. In einem Nachbarland wird sie fortan Schweine hüten und sich weiterhin unter der Eselshaut verbergen. Eines Tages kommt ein junger Prinz (Jacques Perrin) vorbei, der die Prinzessin in ihrer Hütte im Wald sieht und sich sofort in sie verliebt. Doch bevor es ein verdientes Happy-End gibt, sind noch einige Schwierigkeiten zu überwinden.
Was für ein schöner Film, den man hierzulande mal wieder suchen muss. Es gibt eine UK-Version in französischer Sprache mit englischen Untertiteln, die ich nur empfehlen kann. Der Film selbst ist wunderbar. Die Ausstattung ist ein Traum, herrlich bunt und kitschig, aber das im besten Sinn. Allein schon die Kostüme von Jean Marais sind ganz herrlich "Over the Top".
Neben Jean Marais glänzen vor allen Dingen die wunderbare Catherine Deneuve und die wie immer schöne Delphine Seyrig. Ganz große Empfehlung für einen leider zu unbekannten Film.
Also ein Märchenfilm, aber ein ganz besonderer, der sich auch eher an ein erwachsenes Publikum wendet. In einem schönen und friedvollen Land (allein das ist heutzutage ja schon eine Utopie) lebt ein König (Jean Marais), der von seinen Untertanen geliebt und geachtet wird. Als die Königin erkrankt und schließlich stirbt, ist der König voller Trauer und zieht sich zurück. Auf ihrem Sterbebett hatte die Königin ihrem Mann das Versprechen abgenommen, sollte er jemals wieder heiraten wollen, dann nur eine Frau, die noch schöner wäre als sie selbst. Der König denkt nicht an eine erneute Heirat, aber seine Berater drängen ihn dazu, da er nur eine Tochter (Catherine Deneuve) hat und keinen männlichen Thronfolger.
Die Berater des Königs können keine Frau finden, die auch nur annähernd so schön ist wie die verstorbene Königin. Deshalb unterbreiten sie ihm den Vorschlag, seine Tochter zu heiraten, die die Schönheit ihrer Mutter geerbt hat. Als die Prinzessin davon erfährt, ist sie entsetzt und berät sich mit ihrer Patentante, der Fee Lilas (Delphine Seyrig), die auch schon einen Plan hat, den König auszutricksen. Die Prinzessin soll vor der Hochzeit Forderungen stellen, die der König nicht erfüllen kann, wie z. B. Kleider in der Farbe des Himmels oder des Mondes. Dem König gelingt all das tatsächlich und so fordert die Prinzessin schließlich die Haut seines Goldesels und auch dieser Wunsch wird ihr erfüllt.
Mit Hilfe der Fee kann die Prinzessin fliehen und sich mit der Haut des Esels bedecken. In einem Nachbarland wird sie fortan Schweine hüten und sich weiterhin unter der Eselshaut verbergen. Eines Tages kommt ein junger Prinz (Jacques Perrin) vorbei, der die Prinzessin in ihrer Hütte im Wald sieht und sich sofort in sie verliebt. Doch bevor es ein verdientes Happy-End gibt, sind noch einige Schwierigkeiten zu überwinden.
Was für ein schöner Film, den man hierzulande mal wieder suchen muss. Es gibt eine UK-Version in französischer Sprache mit englischen Untertiteln, die ich nur empfehlen kann. Der Film selbst ist wunderbar. Die Ausstattung ist ein Traum, herrlich bunt und kitschig, aber das im besten Sinn. Allein schon die Kostüme von Jean Marais sind ganz herrlich "Over the Top".
Neben Jean Marais glänzen vor allen Dingen die wunderbare Catherine Deneuve und die wie immer schöne Delphine Seyrig. Ganz große Empfehlung für einen leider zu unbekannten Film.
Sonntag, 7. September 2014
Das finstere Tal
"Das finstere Tal" ist ein Film von Andreas Prochaska aus dem Jahr 2014. Das Drehbuch schrieb Prochaska zusammen mit Martin Ambrosch und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Willmann. Kameramann war hier Thomas W. Kiennast.
Ort der Handlung ist ein abgelegenes Tal in Südtirol, Ende des 19. Jahrhunderts. Im Spätherbst taucht ein Fremder (Sam Riley) wie aus dem Nichts im Dorf auf und bittet um Quartier für den Winter. Er ist nicht willkommen, aber mit einem kleinen Beutel voller Goldmünzen erkauft er sich die Zustimmung von Hans Brenner (Tobias Moretti), dem ältesten Sohn des Brenner-Bauern (Hans-Michael Rehberg). Der Fremde, der sich als Greider vorstellt, kommt aus Amerika und ist Fotograf. Er wird bei der Witwe Gader (Carmen Gratl) und ihrer jungen Tochter Luzi (Paula Beer) untergebracht.
Der alte Brenner ist inzwischen bettlägerig, hält aber noch alle Zügel in der Hand. Er bestimmt die Geschicke des Dorfes und seiner Bewohner und niemand wagt es, ihm oder seinen sechs erwachsenen Söhnen zu widersprechen, die vom Charakter her zwischen böse, gemeingefährlich und debil schwanken. Es herrscht eine bedrohliche Atmosphäre in diesem Tal, voller Furcht vor den Brenners.
Greider lebt sich bei den beiden Frauen ein und macht sich nützlich. Luzi wird schon bald den jungen Lukas (Thomas Schubert) heiraten und obwohl sich die beiden lieben, haben sie aus guten Gründen Angst vor der Hochzeit und dem was danach kommt. Die Braut gehört in der Hochzeitsnacht nämlich immer dem alten Brenner, schon seit Jahrzehnten. Eine alte Tradition, vom Brenner selbst eingebracht, der sich niemand widersetzen darf. Nur einmal soll sich ein junges Paar dagegen aufgelehnt haben, mit fürchterlichen Konsequenzen. Seitdem herrscht eisige Stille im Dorf und jeder nimmt das als gegebenes Schicksal hin.
Inzwischen ist der Winter eingezogen und das Tal ist abgeschnitten von der Außenwelt. Kurz hintereinander kommen zwei der Brenner-Söhne bei scheinbaren Unfällen ums Leben, aber Hans Brenner ahnt, dass Greider etwas damit zu tun hatte. Dann steht die Hochzeit von Luzi und Lukas an und Greider befreit das Mädchen aus der Gewalt der Brenner-Brüder, als sie auf dem Weg zum Hof des Alten sind. Nun sind die Fronten geklärt, die Brüder machen Jagd auf Greider und der hat nur noch seine lange geplante Rache im Kopf. Es kommt zu einem atemberaubenden Shoot-Out.
Wow, was für ein Film. Ich muss zugeben, dass ich schon ein wenig skeptisch war wegen der Besetzung mit Sam Riley und Tobias Moretti, denen ich bisher irgendwie nichts abgewinnen konnte, die hier aber beide wirklich gut besetzt sind und perfekt in ihre Rollen passen. Auch die anderen Schauspieler überzeugen sehr, allen voran die junge Paula Beer, die wirklich toll spielt, oder auch Erwin Steinhauer als Pfarrer, Hans-Michael Rehberg als Brenner und viele andere, die auch in den kleinsten Rollen sehenswert sind.
Gesprochen wird insgesamt nur wenig, viel wichtiger sind hier Blicke und Körpersprache. Und dann diese geniale Atmosphäre, die Bilder, die gedeckten Farben, die gesamte Ausstattung, einfach nur grandios. Mehr darüber erfährt man in einem sehr informativen Making-Of auf der DVD, das rund vierzig Minuten dauert und viele Eindrücke von den Dreharbeiten und der Entstehung des Films liefert. Kann ich nur empfehlen, ebenso wie den Audio-Kommentar von Andreas Prochaska, der sehr gelungen ist.
Ein Thema muss ich noch erwähnen und das ist die Musik. Da habe ich in vielen Kritiken gelesen, die würde nicht passen, die Zuschauer würden durch die modernen Songs aus dem Film gerissen und ähnliches. Das kann ich überhaupt nicht unterschreiben, ich finde die Musik extrem gut und gerade auch in der großen Shoot-Out-Szene hervorragend gewählt. Mir ging das gerade in dieser Szene sehr unter die Haut und hat sich zusammen mit den Bildern ins Gedächtnis eingebrannt. Sehr mutige Entscheidung, aber auf jeden Fall geglückt.
Andreas Prochaska hat erneut bewiesen, dass er ein großartiger Regisseur ist und einen ungemein packenden Film hingelegt, der mich schlicht und einfach begeistert hat. Bitte nicht verpassen.
Ort der Handlung ist ein abgelegenes Tal in Südtirol, Ende des 19. Jahrhunderts. Im Spätherbst taucht ein Fremder (Sam Riley) wie aus dem Nichts im Dorf auf und bittet um Quartier für den Winter. Er ist nicht willkommen, aber mit einem kleinen Beutel voller Goldmünzen erkauft er sich die Zustimmung von Hans Brenner (Tobias Moretti), dem ältesten Sohn des Brenner-Bauern (Hans-Michael Rehberg). Der Fremde, der sich als Greider vorstellt, kommt aus Amerika und ist Fotograf. Er wird bei der Witwe Gader (Carmen Gratl) und ihrer jungen Tochter Luzi (Paula Beer) untergebracht.
Der alte Brenner ist inzwischen bettlägerig, hält aber noch alle Zügel in der Hand. Er bestimmt die Geschicke des Dorfes und seiner Bewohner und niemand wagt es, ihm oder seinen sechs erwachsenen Söhnen zu widersprechen, die vom Charakter her zwischen böse, gemeingefährlich und debil schwanken. Es herrscht eine bedrohliche Atmosphäre in diesem Tal, voller Furcht vor den Brenners.
Greider lebt sich bei den beiden Frauen ein und macht sich nützlich. Luzi wird schon bald den jungen Lukas (Thomas Schubert) heiraten und obwohl sich die beiden lieben, haben sie aus guten Gründen Angst vor der Hochzeit und dem was danach kommt. Die Braut gehört in der Hochzeitsnacht nämlich immer dem alten Brenner, schon seit Jahrzehnten. Eine alte Tradition, vom Brenner selbst eingebracht, der sich niemand widersetzen darf. Nur einmal soll sich ein junges Paar dagegen aufgelehnt haben, mit fürchterlichen Konsequenzen. Seitdem herrscht eisige Stille im Dorf und jeder nimmt das als gegebenes Schicksal hin.
Inzwischen ist der Winter eingezogen und das Tal ist abgeschnitten von der Außenwelt. Kurz hintereinander kommen zwei der Brenner-Söhne bei scheinbaren Unfällen ums Leben, aber Hans Brenner ahnt, dass Greider etwas damit zu tun hatte. Dann steht die Hochzeit von Luzi und Lukas an und Greider befreit das Mädchen aus der Gewalt der Brenner-Brüder, als sie auf dem Weg zum Hof des Alten sind. Nun sind die Fronten geklärt, die Brüder machen Jagd auf Greider und der hat nur noch seine lange geplante Rache im Kopf. Es kommt zu einem atemberaubenden Shoot-Out.
Wow, was für ein Film. Ich muss zugeben, dass ich schon ein wenig skeptisch war wegen der Besetzung mit Sam Riley und Tobias Moretti, denen ich bisher irgendwie nichts abgewinnen konnte, die hier aber beide wirklich gut besetzt sind und perfekt in ihre Rollen passen. Auch die anderen Schauspieler überzeugen sehr, allen voran die junge Paula Beer, die wirklich toll spielt, oder auch Erwin Steinhauer als Pfarrer, Hans-Michael Rehberg als Brenner und viele andere, die auch in den kleinsten Rollen sehenswert sind.
Gesprochen wird insgesamt nur wenig, viel wichtiger sind hier Blicke und Körpersprache. Und dann diese geniale Atmosphäre, die Bilder, die gedeckten Farben, die gesamte Ausstattung, einfach nur grandios. Mehr darüber erfährt man in einem sehr informativen Making-Of auf der DVD, das rund vierzig Minuten dauert und viele Eindrücke von den Dreharbeiten und der Entstehung des Films liefert. Kann ich nur empfehlen, ebenso wie den Audio-Kommentar von Andreas Prochaska, der sehr gelungen ist.
Ein Thema muss ich noch erwähnen und das ist die Musik. Da habe ich in vielen Kritiken gelesen, die würde nicht passen, die Zuschauer würden durch die modernen Songs aus dem Film gerissen und ähnliches. Das kann ich überhaupt nicht unterschreiben, ich finde die Musik extrem gut und gerade auch in der großen Shoot-Out-Szene hervorragend gewählt. Mir ging das gerade in dieser Szene sehr unter die Haut und hat sich zusammen mit den Bildern ins Gedächtnis eingebrannt. Sehr mutige Entscheidung, aber auf jeden Fall geglückt.
Andreas Prochaska hat erneut bewiesen, dass er ein großartiger Regisseur ist und einen ungemein packenden Film hingelegt, der mich schlicht und einfach begeistert hat. Bitte nicht verpassen.
Sonntag, 31. August 2014
The Wolves of Kromer
"The Wolves of Kromer" ist ein Film von Will Gould aus dem Jahr 1998. Das Drehbuch stammt von Charles Lambert und Matthew Read und basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Charles Lambert.
Die Stimme eines Erzählers (Boy George) führt in die Geschichte ein: In den Wäldern rund um das kleine Dorf Kromer lebten einst zwei junge Wölfe namens Gabriel (James Layton) und Seth (Lee Williams), die sich ineinander verliebt hatten. Der junge Seth haderte noch mit seinem Wolfsein, für ihn war das alles noch neu und er hatte sich gerade erst vor seiner Familie geoutet. Der erfahrenere Gabriel nahm Seth unter seine Fittiche und sorgte für ihn. Beide hatten keinen Kontakt mehr zu ihren Familien, sie lebten als Ausgestoßene im Wald und die Menschen fürchteten sich vor ihnen, obwohl von ihnen keine Gefahr ausging.
Die alte und biestige Jungfer Fanny (Rita Davies) plante derweil, ihre kranke und vermögende Herrin Mrs. Drax (Rosemarie Dunham) zu vergiften, um sich ihr Erbe unter den Nagel zu reißen. Ihre ebenso verschlagene alte Freundin Doreen (Margaret Towner) half ihr dabei. Wenn sie nicht gerade Gemeinheiten austauschten, sabberten die beiden alten Schachteln dem örtlichen Priester (Kevin Moore) hinterher, der allerdings auch so seine Geheimnisse hatte.
Als es Mrs. Drax schlechter ging, erschien ihr Sohn Mark (David Prescott) zusammen mit seiner Frau Mary (Angharad Rees) und seinen beiden Kindern Polly (Leila Lloyd-Evelyn) und Kester (Mathew Dean), die überhaupt nicht davon angetan waren, in dieser Einöde gestrandet zu sein. Fanny und Doreen holten nun zum finalen Schlag aus und sorgten für das Ableben von Mrs. Drax, aber sie stellten es so dar, dass man die Wölfe für die Täter hielt.
Während Gabriel und Seth gerade einen Streit hatten und Seth ihre Beziehung überdenken musste, tat sich die Dorfgemeinschaft zusammen, um gemeinsam auf Wolfsjagd zu gehen, angeführt vom scheinheiligen Priester, der jedoch viel lieber an dem jungen Kester herumgeknabbert hätte. Kester konnte sich immer wieder den Übergriffen entziehen, er haderte auch mit der Entscheidung, Jagd auf die Wölfe zu machen. Er konnte nichts Böses an ihnen erkennen, aber die Bewohner des Dorfes waren nicht mehr aufzuhalten.
In einer verlassenen Kirche kommt es zum Showdown zwischen Gabriel, Seth und dem heuchlerischen Priester. Aber ist das schon das Ende der Geschichte? Nein, denn im Himmel kann man ja auch tanzen und so läuft dann auch "Spirit in the Sky" zum Abspann.
Natürlich wird die Botschaft dieses Films hier so ein bisschen mit der Keule verteilt, aber es gibt ja immer noch genug Holzköpfe, die auch das nicht kapieren. Es heißt, man müsse sich vor den "Wölfen" schützen und sie würden Krankheiten verbreiten, das darf dann jeder gerne für sich interpretieren. Ich mag diesen Film sehr, er ist toll gespielt, wenn auch leider viel zu unbekannt. Die beiden "Wölfe" James Layton und Lee Williams sind jedenfalls hübsch anzuschauen in ihren kuscheligen Felljacken und machen ihre Sache trotz fehlender Schauspielerfahrung sehr gut.
Insgesamt gesehen ein kleiner, aber feiner Film, den ich nur absolut empfehlen kann. Es lohnt sich.
Die Stimme eines Erzählers (Boy George) führt in die Geschichte ein: In den Wäldern rund um das kleine Dorf Kromer lebten einst zwei junge Wölfe namens Gabriel (James Layton) und Seth (Lee Williams), die sich ineinander verliebt hatten. Der junge Seth haderte noch mit seinem Wolfsein, für ihn war das alles noch neu und er hatte sich gerade erst vor seiner Familie geoutet. Der erfahrenere Gabriel nahm Seth unter seine Fittiche und sorgte für ihn. Beide hatten keinen Kontakt mehr zu ihren Familien, sie lebten als Ausgestoßene im Wald und die Menschen fürchteten sich vor ihnen, obwohl von ihnen keine Gefahr ausging.
Die alte und biestige Jungfer Fanny (Rita Davies) plante derweil, ihre kranke und vermögende Herrin Mrs. Drax (Rosemarie Dunham) zu vergiften, um sich ihr Erbe unter den Nagel zu reißen. Ihre ebenso verschlagene alte Freundin Doreen (Margaret Towner) half ihr dabei. Wenn sie nicht gerade Gemeinheiten austauschten, sabberten die beiden alten Schachteln dem örtlichen Priester (Kevin Moore) hinterher, der allerdings auch so seine Geheimnisse hatte.
Als es Mrs. Drax schlechter ging, erschien ihr Sohn Mark (David Prescott) zusammen mit seiner Frau Mary (Angharad Rees) und seinen beiden Kindern Polly (Leila Lloyd-Evelyn) und Kester (Mathew Dean), die überhaupt nicht davon angetan waren, in dieser Einöde gestrandet zu sein. Fanny und Doreen holten nun zum finalen Schlag aus und sorgten für das Ableben von Mrs. Drax, aber sie stellten es so dar, dass man die Wölfe für die Täter hielt.
Während Gabriel und Seth gerade einen Streit hatten und Seth ihre Beziehung überdenken musste, tat sich die Dorfgemeinschaft zusammen, um gemeinsam auf Wolfsjagd zu gehen, angeführt vom scheinheiligen Priester, der jedoch viel lieber an dem jungen Kester herumgeknabbert hätte. Kester konnte sich immer wieder den Übergriffen entziehen, er haderte auch mit der Entscheidung, Jagd auf die Wölfe zu machen. Er konnte nichts Böses an ihnen erkennen, aber die Bewohner des Dorfes waren nicht mehr aufzuhalten.
In einer verlassenen Kirche kommt es zum Showdown zwischen Gabriel, Seth und dem heuchlerischen Priester. Aber ist das schon das Ende der Geschichte? Nein, denn im Himmel kann man ja auch tanzen und so läuft dann auch "Spirit in the Sky" zum Abspann.
Natürlich wird die Botschaft dieses Films hier so ein bisschen mit der Keule verteilt, aber es gibt ja immer noch genug Holzköpfe, die auch das nicht kapieren. Es heißt, man müsse sich vor den "Wölfen" schützen und sie würden Krankheiten verbreiten, das darf dann jeder gerne für sich interpretieren. Ich mag diesen Film sehr, er ist toll gespielt, wenn auch leider viel zu unbekannt. Die beiden "Wölfe" James Layton und Lee Williams sind jedenfalls hübsch anzuschauen in ihren kuscheligen Felljacken und machen ihre Sache trotz fehlender Schauspielerfahrung sehr gut.
Insgesamt gesehen ein kleiner, aber feiner Film, den ich nur absolut empfehlen kann. Es lohnt sich.
Samstag, 30. August 2014
Vendredi soir
"Vendredi soir" ist ein Film von Claire Denis aus dem Jahr 2002. Das Drehbuch schrieb Denis zusammen mit Emmanuèle Bernheim. Kamerafrau war hier erneut Agnès Godard.
Ein Freitagabend in Paris. Laure (Valérie Lemercier) löst ihre Wohnung auf und packt alle ihre Sachen in Umzugskartons. Am nächsten Tag wird sie zu ihrem Freund und in dessen Wohnung ziehen. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt und man fühlt, dass Laure etwas unsicher ist. Der Abschied von ihrer Wohnung und dem Mietshaus fällt ihr schwer. Ist die Entscheidung für ein neues Leben wirklich richtig, gibt es eventuell einen Weg zurück?
Nachdem die Kartons gepackt sind, macht sich Laure auf zu einem Abendessen bei Freunden. Doch an diesem Abend herrscht in Paris ein Verkehrschaos, weil der öffentliche Personen-Nahverkehr streikt. Die Straßen sind überfüllt mit Autos und es geht höchstens schrittweise voran. Die Nachrichten im Radio wiederholen sich immer wieder und es wird empfohlen Anhalter mitzunehmen, die sonst in der Kälte nur zu Fuß unterwegs wären.
Da klopft Jean (Vincent Lindon) an die Seitenscheibe von Laures Auto und bittet darum, einsteigen zu dürfen. Sie lässt ihn herein und das ist der Beginn einer außergewöhnlichen Nacht, mit der keiner von ihnen gerechnet hat. Lange Zeit noch werden sie im Stau stehen, bevor sich endlich wieder etwas bewegt. Laure ruft von einer Telefonzelle aus ihre Freundin an und teilt ihr mit, nicht zum Abendessen erscheinen zu können. Nun hat sie kein festes Ziel mehr für diese Nacht, aber mit Jean einen Mann an ihrer Seite, der sie immer mehr elektrisiert.
Laure und Jean lassen sich fast wortlos durch die Nacht treiben und nehmen sich schließlich ein Hotelzimmer. Es wird kaum geredet, aber die Anziehung zwischen ihnen ist spürbar. Noch einmal werden sie das Zimmer verlassen, um etwas zu essen, aber dann verbringen sie eine leidenschaftliche Nacht zusammen. Am nächsten Morgen verlässt Laure das Hotel und den schlafenden Jean und läuft durch die Straßen von Paris. Wohin ihr Weg sie führen mag? Wer weiß das schon...
Mal wieder ein wunderbarer Film von Claire Denis, den es hierzulande nicht gibt und den ich mir deswegen im französischen Original mit englischen Untertiteln besorgt habe. Immerhin besser als nichts. Ist das deutsche Publikum aber wirklich nicht bereit für die Filme dieser herausragenden Regisseurin? Gut, in diesem Fall will ich mal nachsichtig sein, der ist wirklich nichts für jeden Geschmack, weil sich die meisten Zuschauer hier wohl tatsächlich langweilen dürften. Muss aber gar nicht sein, denn Claire Denis und Agnès Godard liefern hier wunderbare Bilder einer verzauberten Nacht, in der eigentlich sehr viel passiert, wenn man seine Augen und Sinne offen hat und auch Kleinigkeiten erkennen kann.
Auf jeden Fall sind Valérie Lemercier und Vincent Lindon toll besetzt und fesseln den Zuschauer von Beginn an mit ihrer Darstellung. Man ist ihnen ganz nahe und das in wirklich jeder Szene. Hervorragend gespielt. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich ein größeres Publikum für die Filme von Claire Denis begeistern könnte.
Ein Freitagabend in Paris. Laure (Valérie Lemercier) löst ihre Wohnung auf und packt alle ihre Sachen in Umzugskartons. Am nächsten Tag wird sie zu ihrem Freund und in dessen Wohnung ziehen. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt und man fühlt, dass Laure etwas unsicher ist. Der Abschied von ihrer Wohnung und dem Mietshaus fällt ihr schwer. Ist die Entscheidung für ein neues Leben wirklich richtig, gibt es eventuell einen Weg zurück?
Nachdem die Kartons gepackt sind, macht sich Laure auf zu einem Abendessen bei Freunden. Doch an diesem Abend herrscht in Paris ein Verkehrschaos, weil der öffentliche Personen-Nahverkehr streikt. Die Straßen sind überfüllt mit Autos und es geht höchstens schrittweise voran. Die Nachrichten im Radio wiederholen sich immer wieder und es wird empfohlen Anhalter mitzunehmen, die sonst in der Kälte nur zu Fuß unterwegs wären.
Da klopft Jean (Vincent Lindon) an die Seitenscheibe von Laures Auto und bittet darum, einsteigen zu dürfen. Sie lässt ihn herein und das ist der Beginn einer außergewöhnlichen Nacht, mit der keiner von ihnen gerechnet hat. Lange Zeit noch werden sie im Stau stehen, bevor sich endlich wieder etwas bewegt. Laure ruft von einer Telefonzelle aus ihre Freundin an und teilt ihr mit, nicht zum Abendessen erscheinen zu können. Nun hat sie kein festes Ziel mehr für diese Nacht, aber mit Jean einen Mann an ihrer Seite, der sie immer mehr elektrisiert.
Laure und Jean lassen sich fast wortlos durch die Nacht treiben und nehmen sich schließlich ein Hotelzimmer. Es wird kaum geredet, aber die Anziehung zwischen ihnen ist spürbar. Noch einmal werden sie das Zimmer verlassen, um etwas zu essen, aber dann verbringen sie eine leidenschaftliche Nacht zusammen. Am nächsten Morgen verlässt Laure das Hotel und den schlafenden Jean und läuft durch die Straßen von Paris. Wohin ihr Weg sie führen mag? Wer weiß das schon...
Mal wieder ein wunderbarer Film von Claire Denis, den es hierzulande nicht gibt und den ich mir deswegen im französischen Original mit englischen Untertiteln besorgt habe. Immerhin besser als nichts. Ist das deutsche Publikum aber wirklich nicht bereit für die Filme dieser herausragenden Regisseurin? Gut, in diesem Fall will ich mal nachsichtig sein, der ist wirklich nichts für jeden Geschmack, weil sich die meisten Zuschauer hier wohl tatsächlich langweilen dürften. Muss aber gar nicht sein, denn Claire Denis und Agnès Godard liefern hier wunderbare Bilder einer verzauberten Nacht, in der eigentlich sehr viel passiert, wenn man seine Augen und Sinne offen hat und auch Kleinigkeiten erkennen kann.
Auf jeden Fall sind Valérie Lemercier und Vincent Lindon toll besetzt und fesseln den Zuschauer von Beginn an mit ihrer Darstellung. Man ist ihnen ganz nahe und das in wirklich jeder Szene. Hervorragend gespielt. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich ein größeres Publikum für die Filme von Claire Denis begeistern könnte.
Mittwoch, 27. August 2014
Tom à la ferme
"Tom à la ferme" ist ein Film von Xavier Dolan aus dem Jahr 2013. Das Drehbuch schrieb Dolan zusammen mit Michel Marc Bouchard, dem Autor des gleichnamigen Theaterstücks. Xavier Dolan selbst ist hier nicht nur als Regisseur und Drehbuchautor tätig, sondern auch als Produzent und Hauptdarsteller und zuständig für den Schnitt und die Kostüme. Dies ist sein vierter Spielfilm und wie man aus der Vergangenheit weiß, meistert er diese Aufgaben perfekt. Die Musik stammt von Gabriel Yared, der Kameramann war André Turpin.
Der Mittzwanziger Tom (Xavier Dolan) kommt aus Montreal nach Québec aufs Land, um an der Beerdigung seines Lebensgefährten Guillaume teilzunehmen. Auf dem Hof von Guillaumes Familie trifft er zunächst auf dessen Mutter Agathe (Lise Roy), die nichts von Tom weiß und anscheinend noch nicht einmal etwas von der Homosexualität ihres Sohnes wusste. Agathe lebt dort zusammen mit ihrem anderen Sohn Francis (Pierre-Yves Cardinal), dem älteren Bruder von Guillaume, den dieser aber nie erwähnt hat. Tom gibt sich Agathe gegenüber lediglich als Freund und Kollege Guillaumes aus und wird noch in der ersten Nacht von Francis brutal dazu genötigt, auch bei dieser Version zu bleiben.
Der Mutter wird weiter vorgelogen, Guillaume hätte eine feste Freundin gehabt, seine Kollegin Sarah (Evelyne Brochu), die aber natürlich nicht zur Trauerfeier erscheint. Agathe ist deswegen außer sich. Aus gutem Grund kann Tom seine geplante Trauerrede nicht halten, um sich nicht zu verraten. Agathe erweist sich als sehr verständnisvoll, während Francis zunehmend die Nerven verliert. Die Fassade soll erhalten werden und Tom wird gezwungen, seinen Aufenthalt auf der abgelegenen Farm zu verlängern. Er schlüpft sozusagen in die Rolle seines verstorbenen Geliebten und nimmt dessen Platz in der Familie ein. Doch unter der Oberfläche brodelt es gewaltig, denn Francis erweist sich immer mehr als brutaler Zeitgenosse, dessen Verhältnis zu Tom zwischen Ablehnung und Zuneigung schwankt.
Tom muss einiges einstecken, doch eine Flucht kommt für ihn zunächst noch nicht in Frage. Er findet Gefallen an dem Familien- und Landleben und scheinbar auch an den Erniedrigungen durch Francis. Die beiden Männer kommen sich gefährlich nahe, es entwickelt sich ein perfides Spiel zwischen ihnen. Doch dann erscheint die ahnungslose Sarah, von Tom herbeigerufen, und die Situation wird explosiv.
Francis hat inzwischen das Auto von Tom zerlegt, Agathe reagiert gereizt auf die gefühllose Freundin ihres verstorbenen Sohnes und Tom erfährt im Ort, warum Francis überall ausgegrenzt wird. Nun wird es höchste Zeit, die Farm zu verlassen.
Xavier Dolan hat diesen Film nach seinem vorherigen Drama "Laurence Anyways" als leichte Fingerübung für zwischendurch und in sehr kurzer Zeit gedreht. Herausgekommen ist erneut ein ausgesprochen sehenswerter und sehr spezieller Film, der den Zuschauer von Beginn an packt. Die Atmosphäre ist perfekt eingefangen, die Bilder der Landschaft um den Hof der Familie sind grandios. Bei aller Beschaulichkeit spürt man die latente Bedrohung in jedem Bild, auch wenn sie sich nicht wirklich fassen lässt.
Die Schauspieler sind exzellent, neben Xavier Dolan, der hier erneut sein Können zeigt, sind es vor allen Dingen Lise Roy als verzweifelte Mutter, die wohl mehr weiß, als sie zugibt, als auch Pierre-Yves Cardinal als brutaler und grobschlächtiger Bruder, die vollkommen überzeugen können. Sie alle sind wunderbar anzuschauen und verleihen ihren Rollen echtes Leben.
Die Bilder sind ebenfalls wunderbar, die Weite des Landes, die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Tom und Francis, sowie ein Tango der beiden Männer in einer leeren Scheune. Mitunter reine Poesie, aber auch immer kraftvoll und irgendwie bedrohlich. Muss man selbst sehen, das kann man nicht in Worte fassen.
"Tom à la ferme" ist ein Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Noch ein Wort zum Titel, überall wird der Film unter diesem auch vertrieben, sei es dann auch in der jeweiligen Landessprache, wie z. B. als "Tom at the Farm". In Deutschland läuft er aber als "Sag nicht, wer du bist!". Wieso eigentlich? Soll das mehr Zuschauer anlocken? Ich finde diese Entscheidung ziemlich albern, den Film aber nicht, der ist sensationell. Ganz große Empfehlung.
Der Mittzwanziger Tom (Xavier Dolan) kommt aus Montreal nach Québec aufs Land, um an der Beerdigung seines Lebensgefährten Guillaume teilzunehmen. Auf dem Hof von Guillaumes Familie trifft er zunächst auf dessen Mutter Agathe (Lise Roy), die nichts von Tom weiß und anscheinend noch nicht einmal etwas von der Homosexualität ihres Sohnes wusste. Agathe lebt dort zusammen mit ihrem anderen Sohn Francis (Pierre-Yves Cardinal), dem älteren Bruder von Guillaume, den dieser aber nie erwähnt hat. Tom gibt sich Agathe gegenüber lediglich als Freund und Kollege Guillaumes aus und wird noch in der ersten Nacht von Francis brutal dazu genötigt, auch bei dieser Version zu bleiben.
Der Mutter wird weiter vorgelogen, Guillaume hätte eine feste Freundin gehabt, seine Kollegin Sarah (Evelyne Brochu), die aber natürlich nicht zur Trauerfeier erscheint. Agathe ist deswegen außer sich. Aus gutem Grund kann Tom seine geplante Trauerrede nicht halten, um sich nicht zu verraten. Agathe erweist sich als sehr verständnisvoll, während Francis zunehmend die Nerven verliert. Die Fassade soll erhalten werden und Tom wird gezwungen, seinen Aufenthalt auf der abgelegenen Farm zu verlängern. Er schlüpft sozusagen in die Rolle seines verstorbenen Geliebten und nimmt dessen Platz in der Familie ein. Doch unter der Oberfläche brodelt es gewaltig, denn Francis erweist sich immer mehr als brutaler Zeitgenosse, dessen Verhältnis zu Tom zwischen Ablehnung und Zuneigung schwankt.
Tom muss einiges einstecken, doch eine Flucht kommt für ihn zunächst noch nicht in Frage. Er findet Gefallen an dem Familien- und Landleben und scheinbar auch an den Erniedrigungen durch Francis. Die beiden Männer kommen sich gefährlich nahe, es entwickelt sich ein perfides Spiel zwischen ihnen. Doch dann erscheint die ahnungslose Sarah, von Tom herbeigerufen, und die Situation wird explosiv.
Francis hat inzwischen das Auto von Tom zerlegt, Agathe reagiert gereizt auf die gefühllose Freundin ihres verstorbenen Sohnes und Tom erfährt im Ort, warum Francis überall ausgegrenzt wird. Nun wird es höchste Zeit, die Farm zu verlassen.
Xavier Dolan hat diesen Film nach seinem vorherigen Drama "Laurence Anyways" als leichte Fingerübung für zwischendurch und in sehr kurzer Zeit gedreht. Herausgekommen ist erneut ein ausgesprochen sehenswerter und sehr spezieller Film, der den Zuschauer von Beginn an packt. Die Atmosphäre ist perfekt eingefangen, die Bilder der Landschaft um den Hof der Familie sind grandios. Bei aller Beschaulichkeit spürt man die latente Bedrohung in jedem Bild, auch wenn sie sich nicht wirklich fassen lässt.
Die Schauspieler sind exzellent, neben Xavier Dolan, der hier erneut sein Können zeigt, sind es vor allen Dingen Lise Roy als verzweifelte Mutter, die wohl mehr weiß, als sie zugibt, als auch Pierre-Yves Cardinal als brutaler und grobschlächtiger Bruder, die vollkommen überzeugen können. Sie alle sind wunderbar anzuschauen und verleihen ihren Rollen echtes Leben.
Die Bilder sind ebenfalls wunderbar, die Weite des Landes, die heftigen Auseinandersetzungen zwischen Tom und Francis, sowie ein Tango der beiden Männer in einer leeren Scheune. Mitunter reine Poesie, aber auch immer kraftvoll und irgendwie bedrohlich. Muss man selbst sehen, das kann man nicht in Worte fassen.
"Tom à la ferme" ist ein Film, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Noch ein Wort zum Titel, überall wird der Film unter diesem auch vertrieben, sei es dann auch in der jeweiligen Landessprache, wie z. B. als "Tom at the Farm". In Deutschland läuft er aber als "Sag nicht, wer du bist!". Wieso eigentlich? Soll das mehr Zuschauer anlocken? Ich finde diese Entscheidung ziemlich albern, den Film aber nicht, der ist sensationell. Ganz große Empfehlung.
Montag, 18. August 2014
Nordsee ist Mordsee
"Nordsee ist Mordsee" ist ein Film von Hark Bohm (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1976.
In Hamburg-Wilhelmsburg lebt der 14-jährige Uwe (Uwe Bohm, damals noch Uwe Enkelmann) zusammen mit seinen Eltern in einer Hochhaussiedlung. Seine Mutter (Herma Koehn) ist Kassiererin in einem Supermarkt und sein Vater (Marquard Bohm) arbeitet im Hafen, ist meistens betrunken und dann auch gewalttätig. Die meisten Prügel muss Uwe einstecken, aber auch seine Mutter bleibt nicht davon verschont. Stark fühlt sich Uwe nur in seiner Clique, deren Anführer er ist. Hier verschafft er sich Respekt, knackt Automaten und gibt den großen Boss.
Die kleine Gruppe von großmäuligen Jungs und Mädchen hat Spaß daran, andere zu schikanieren, wie z. B. den gleichaltrigen Asiaten Dschingis (Dschingis Bowakow), der zusammen mit seiner Mutter (Katja Bowakow) ebenfalls in der Siedlung wohnt und nur als "Schlitzauge" bezeichnet wird. Er ist für die Gang ein willkommenes Opfer und wird ständig von ihnen drangsaliert.
Nachdem die Gruppe erfolgreich einen Geldspielautomaten geknackt hat, verschwindet Uwe mit den erbeuteten Münzen, um sich davon ein Springmesser zu kaufen. Den anderen erzählt er später, sein Vater hätte das Geld bei ihm entdeckt und einkassiert. Zur gleichen Zeit findet Uwe heraus, dass sich Dschingis ein Floß gebaut hat. Um von sich selbst abzulenken, lenkt er die Aufmerksamkeit der Bande auf das Floß, das von diesen daraufhin zerstört wird. Als Dschingis das bemerkt, geht er auf die Gruppe los, die schnell das Weite sucht. Uwe unterliegt Dschingis bei einem Zweikampf und wird von ihm gezwungen, das Floß zu reparieren.
Am nächsten Tag muss Uwe vor seiner Gang unbedingt wieder den starken Macker markieren, um seine Stellung nicht zu gefährden und klaut ein Auto. Die kurze Spritztour endet allerdings äußerst unsanft, da ihn die Polizei einsammelt und zu seinem Vater nach Hause bringt, der ihn gleich wieder verprügelt. Daraufhin verbündet sich Uwe mit Dschingis und beide wollen von zu Hause abhauen. Sie lassen das Floß zu Wasser, aber damit kommen sie nicht weit. Erst mit einem gestohlenen Segelboot schaffen sie es, auf der Elbe zu bestehen. Doch das ist noch nicht das Ende ihrer Reise, sondern erst der Anfang. Wie es weitergeht? Wer weiß das schon...
Was für ein toller Film, auch heute noch. Ganz ehrlich, der hat die Zeit sehr gut überdauert und fesselt immer noch. Eine schöne Geschichte über Freundschaft und Abenteuer, aber auch über die Kraft, Gegensätze zu überwinden und Freundschaften zu schließen, die man so nicht erwartet hätte. Davon kann man gerade in der heutigen Zeit oft nur träumen, leider.
Für Uwe Bohm war das der erste Film und der Beginn einer großartigen Karriere, sowohl beim Film, als auch beim Theater. Ich sehe ihn immer gerne, solche guten Darsteller wie ihn gibt es leider viel zu selten. Neben ihm glänzen vor allen Dingen der junge Dschingis Bowakow und Marquard Bohm, der Bruder von Hark Bohm, als brutaler Vater. Auf ihn werde ich demnächst noch näher eingehen. Hier ist er extrem fies dargestellt, was perfekt zur Rolle passt, aber da gab es noch andere Rollen, die ihn in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.
"Nordsee ist Mordsee" ist auf jeden Fall ein Film, der auch heute noch sehr gut funktioniert, egal wie alt er ist. Meine Empfehlung: Unbedingt anschauen!
In Hamburg-Wilhelmsburg lebt der 14-jährige Uwe (Uwe Bohm, damals noch Uwe Enkelmann) zusammen mit seinen Eltern in einer Hochhaussiedlung. Seine Mutter (Herma Koehn) ist Kassiererin in einem Supermarkt und sein Vater (Marquard Bohm) arbeitet im Hafen, ist meistens betrunken und dann auch gewalttätig. Die meisten Prügel muss Uwe einstecken, aber auch seine Mutter bleibt nicht davon verschont. Stark fühlt sich Uwe nur in seiner Clique, deren Anführer er ist. Hier verschafft er sich Respekt, knackt Automaten und gibt den großen Boss.
Die kleine Gruppe von großmäuligen Jungs und Mädchen hat Spaß daran, andere zu schikanieren, wie z. B. den gleichaltrigen Asiaten Dschingis (Dschingis Bowakow), der zusammen mit seiner Mutter (Katja Bowakow) ebenfalls in der Siedlung wohnt und nur als "Schlitzauge" bezeichnet wird. Er ist für die Gang ein willkommenes Opfer und wird ständig von ihnen drangsaliert.
Nachdem die Gruppe erfolgreich einen Geldspielautomaten geknackt hat, verschwindet Uwe mit den erbeuteten Münzen, um sich davon ein Springmesser zu kaufen. Den anderen erzählt er später, sein Vater hätte das Geld bei ihm entdeckt und einkassiert. Zur gleichen Zeit findet Uwe heraus, dass sich Dschingis ein Floß gebaut hat. Um von sich selbst abzulenken, lenkt er die Aufmerksamkeit der Bande auf das Floß, das von diesen daraufhin zerstört wird. Als Dschingis das bemerkt, geht er auf die Gruppe los, die schnell das Weite sucht. Uwe unterliegt Dschingis bei einem Zweikampf und wird von ihm gezwungen, das Floß zu reparieren.
Am nächsten Tag muss Uwe vor seiner Gang unbedingt wieder den starken Macker markieren, um seine Stellung nicht zu gefährden und klaut ein Auto. Die kurze Spritztour endet allerdings äußerst unsanft, da ihn die Polizei einsammelt und zu seinem Vater nach Hause bringt, der ihn gleich wieder verprügelt. Daraufhin verbündet sich Uwe mit Dschingis und beide wollen von zu Hause abhauen. Sie lassen das Floß zu Wasser, aber damit kommen sie nicht weit. Erst mit einem gestohlenen Segelboot schaffen sie es, auf der Elbe zu bestehen. Doch das ist noch nicht das Ende ihrer Reise, sondern erst der Anfang. Wie es weitergeht? Wer weiß das schon...
Was für ein toller Film, auch heute noch. Ganz ehrlich, der hat die Zeit sehr gut überdauert und fesselt immer noch. Eine schöne Geschichte über Freundschaft und Abenteuer, aber auch über die Kraft, Gegensätze zu überwinden und Freundschaften zu schließen, die man so nicht erwartet hätte. Davon kann man gerade in der heutigen Zeit oft nur träumen, leider.
Für Uwe Bohm war das der erste Film und der Beginn einer großartigen Karriere, sowohl beim Film, als auch beim Theater. Ich sehe ihn immer gerne, solche guten Darsteller wie ihn gibt es leider viel zu selten. Neben ihm glänzen vor allen Dingen der junge Dschingis Bowakow und Marquard Bohm, der Bruder von Hark Bohm, als brutaler Vater. Auf ihn werde ich demnächst noch näher eingehen. Hier ist er extrem fies dargestellt, was perfekt zur Rolle passt, aber da gab es noch andere Rollen, die ihn in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen.
"Nordsee ist Mordsee" ist auf jeden Fall ein Film, der auch heute noch sehr gut funktioniert, egal wie alt er ist. Meine Empfehlung: Unbedingt anschauen!
Samstag, 16. August 2014
Nordstrand
"Nordstrand" ist ein Film von Florian Eichinger (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013.
Nach langer Zeit treffen sich die beiden Brüder Marten (Martin Schleiß) und Volker (Daniel Michel) im Haus ihrer Eltern an der Nordsee wieder. Viele Jahre lang hatten sie kaum Kontakt, doch nun verbringen sie ein Wochenende zusammen, auf Wunsch von Marten. Der ist auch die treibende Kraft, denn Volker ist nicht wirklich gerne hier. Das Haus ist seit vielen Jahren unbewohnt, die alten Möbel sind aber immer noch da.
Marten fängt erstmal an zu putzen, hat aber eigentlich ein anderes Anliegen an Volker. Sie sollen wieder eine Familie sein, das ist sein Wunsch. In ein paar Wochen wird ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen, dann soll das Familienleben wieder aufgenommen werden. In kurzen Rückblenden wird nur angedeutet, was damals passiert ist. Der Vater von Marten und Volker war ein gewalttätiger Mann und hat besonders den jüngeren Volker drangsaliert. Marten hat immer noch Schuldgefühle, weil er seinem kleinen Bruder nicht helfen konnte. Die Mutter hat lange Zeit weggesehen, bis sie ihren Mann eines Tages umgebracht hat.
Der gesundheitlich angeschlagene Marten will sich mit seinem Bruder versöhnen, der jedoch will nur sein Elternhaus möglichst schnell verkaufen und alles hinter sich lassen. Er trifft auf seine Jugendliebe Enna (Luise Berndt), die inzwischen verheiratet und Mutter ist. Wären die Dinge früher anders gelaufen, dann hätte aus ihnen ein Paar werden können, so aber bleibt nur die Erinnerung an alte Zeiten.
Das Wochenende vergeht und Marten bemüht sich nach Kräften, einen Kontakt zu Volker herstellen zu können, aber der igelt sich ein und gibt sich spröde. Werden die Brüder sich wieder näher kommen, trotz aller Konflikte?
Das Ende ist offen und es werden praktisch keine Fragen geklärt. Das ist ja nicht weiter schlimm, ich persönlich finde es gut, als Zuschauer auch gefordert zu werden und mir eigene Gedanken zu machen. Hier wird das allerdings schon zu sehr ausgereizt, weil einfach zu viele Dinge gar nicht erst erwähnt werden. Was genau ist denn damals geschehen und warum? Wie lange ist das alles her? Das ist mir alles viel zu schwammig.
Hinzu kommt, und das ist mein größter Kritikpunkt, dass man außer dem Geschnaufe und Gerotze der Hauptdarsteller kaum etwas von den Dialogen versteht, die die beiden vor sich hin murmeln. Soll das jetzt irgendwie authentisch wirken? Sorry, aber mich hat das nur extrem genervt. Die Geschichte an sich klingt ja durchaus interessant, sonst hätte ich mir den Film nicht ausgeliehen, aber die Umsetzung war gar nicht mein Fall.
Schade, die Thematik ist schon gut, denn fast jeder von uns trägt irgendwelche Narben aus der Kindheit mit sich, ob nun sichtbar oder unsichtbar, aber sie sind für immer da. Aus den oben genannten Gründen gebe ich hier aber nur eine eingeschränkte Empfehlung, so leid mir das auch tut.
Nach langer Zeit treffen sich die beiden Brüder Marten (Martin Schleiß) und Volker (Daniel Michel) im Haus ihrer Eltern an der Nordsee wieder. Viele Jahre lang hatten sie kaum Kontakt, doch nun verbringen sie ein Wochenende zusammen, auf Wunsch von Marten. Der ist auch die treibende Kraft, denn Volker ist nicht wirklich gerne hier. Das Haus ist seit vielen Jahren unbewohnt, die alten Möbel sind aber immer noch da.
Marten fängt erstmal an zu putzen, hat aber eigentlich ein anderes Anliegen an Volker. Sie sollen wieder eine Familie sein, das ist sein Wunsch. In ein paar Wochen wird ihre Mutter aus dem Gefängnis entlassen, dann soll das Familienleben wieder aufgenommen werden. In kurzen Rückblenden wird nur angedeutet, was damals passiert ist. Der Vater von Marten und Volker war ein gewalttätiger Mann und hat besonders den jüngeren Volker drangsaliert. Marten hat immer noch Schuldgefühle, weil er seinem kleinen Bruder nicht helfen konnte. Die Mutter hat lange Zeit weggesehen, bis sie ihren Mann eines Tages umgebracht hat.
Der gesundheitlich angeschlagene Marten will sich mit seinem Bruder versöhnen, der jedoch will nur sein Elternhaus möglichst schnell verkaufen und alles hinter sich lassen. Er trifft auf seine Jugendliebe Enna (Luise Berndt), die inzwischen verheiratet und Mutter ist. Wären die Dinge früher anders gelaufen, dann hätte aus ihnen ein Paar werden können, so aber bleibt nur die Erinnerung an alte Zeiten.
Das Wochenende vergeht und Marten bemüht sich nach Kräften, einen Kontakt zu Volker herstellen zu können, aber der igelt sich ein und gibt sich spröde. Werden die Brüder sich wieder näher kommen, trotz aller Konflikte?
Das Ende ist offen und es werden praktisch keine Fragen geklärt. Das ist ja nicht weiter schlimm, ich persönlich finde es gut, als Zuschauer auch gefordert zu werden und mir eigene Gedanken zu machen. Hier wird das allerdings schon zu sehr ausgereizt, weil einfach zu viele Dinge gar nicht erst erwähnt werden. Was genau ist denn damals geschehen und warum? Wie lange ist das alles her? Das ist mir alles viel zu schwammig.
Hinzu kommt, und das ist mein größter Kritikpunkt, dass man außer dem Geschnaufe und Gerotze der Hauptdarsteller kaum etwas von den Dialogen versteht, die die beiden vor sich hin murmeln. Soll das jetzt irgendwie authentisch wirken? Sorry, aber mich hat das nur extrem genervt. Die Geschichte an sich klingt ja durchaus interessant, sonst hätte ich mir den Film nicht ausgeliehen, aber die Umsetzung war gar nicht mein Fall.
Schade, die Thematik ist schon gut, denn fast jeder von uns trägt irgendwelche Narben aus der Kindheit mit sich, ob nun sichtbar oder unsichtbar, aber sie sind für immer da. Aus den oben genannten Gründen gebe ich hier aber nur eine eingeschränkte Empfehlung, so leid mir das auch tut.
Samstag, 2. August 2014
Magic Magic
"Magic Magic" ist ein Film von Sebastián Silva (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013. Kameramann war hier der grandiose Christopher Doyle.
Die junge und schüchterne Alicia (Juno Temple) besucht ihre Cousine Sara (Emily Browning), die in Chile studiert. Zusammen mit Saras Freund Agustin (Agustin Silva), dessen Schwester Bárbara (Catalina Sandino Moreno) und Agustins Freund Brink (Michael Cera) ist ein kleiner Urlaub auf einer Insel im Süden Chiles geplant. Doch während der Fahrt dorthin erhält Sara einen wichtigen Anruf und muss nach Santiago zurück. Alicia bleibt allein mit Saras Freunden zurück, die sie nicht kennt und die ihr nicht gerade das Gefühl vermitteln, besonders willkommen zu sein.
Auf der Insel und in dem rustikalen Ferienhaus angekommen, verstärkt sich bei Alicia das Unwohlsein. Sie kann Sara nicht erreichen, denn hier gibt es keinen Empfang. Bárbara zieht sich gleich zurück, sie interessiert sich allein für ihr Studium und will von den anderen nicht gestört werden. Agustin und Brink treiben derbe Späße und Alicia fühlt sich immer verlorener. Besonders der undurchschaubare Brink hat es auf sie abgesehen, weshalb Alicia sich zunehmend bedroht fühlt. Sie kann nicht schlafen, hat merkwürdige Visionen und kann schon bald nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden, ebenso wie der Zuschauer.
Als Sara zwei Tage später auf der Insel eintrifft, findet sie eine verstörte Alicia vor, deren Ängsten und Erzählungen sie keinen Glauben schenken kann, zumal Agustin und auch Brink sich scheinbar aufmerksam um Alicia zu kümmern scheinen. Die Situation eskaliert, als Agustin Alicia in Hypnose versetzt, was keiner der Anwesenden wirklich ernst nimmt, und Bárbara Alicia noch mit Tabletten versorgt, damit sie endlich schlafen kann.
Was dann passiert, das erzähle ich hier nicht. Zugegeben, das Ende ist schlimm, aber auch voller Rätsel. Regisseur Sebastián Silva erzählt seine Geschichte nicht bis zum Schluss, er lässt vieles offen. Das muss man als Zuschauer nicht mögen, ist aber künstlerische Freiheit des Autors und funktioniert hier eigentlich ganz gut.
Was bei diesem ungewöhnlichen Psychothriller überzeugt, sind vor allen Dingen die abgelegene Umgebung, die irgendwie latent bedrohliche Atmosphäre und die sehr guten Darsteller. Juno Temple ist hier die ideale Besetzung als Alicia, denn man merkt als Zuschauer schon schnell, dass sie nicht nur einfach labil ist, sondern wahrscheinlich ernste psychische Probleme hat. Mit Michael Cera als Brink hat sie einen fantastischen Gegenpart, der sich nie entschlüsseln lässt. Ob er nun tatsächlich schwul und heimlich in seinen Freund Agustin verliebt ist, wer weiß das schon.
Als Extra gibt es noch ein kleines Making-Of, das ich sehr empfehlen kann. Für den Film an sich gilt wie so oft bei mir, nichts für die große Masse, eher was für Freunde ungewöhnlicher Filme, die es auch aushalten können, wenn mal nichts passiert. Die sind dann hier aber genau richtig. Es lohnt sich.
Die junge und schüchterne Alicia (Juno Temple) besucht ihre Cousine Sara (Emily Browning), die in Chile studiert. Zusammen mit Saras Freund Agustin (Agustin Silva), dessen Schwester Bárbara (Catalina Sandino Moreno) und Agustins Freund Brink (Michael Cera) ist ein kleiner Urlaub auf einer Insel im Süden Chiles geplant. Doch während der Fahrt dorthin erhält Sara einen wichtigen Anruf und muss nach Santiago zurück. Alicia bleibt allein mit Saras Freunden zurück, die sie nicht kennt und die ihr nicht gerade das Gefühl vermitteln, besonders willkommen zu sein.
Auf der Insel und in dem rustikalen Ferienhaus angekommen, verstärkt sich bei Alicia das Unwohlsein. Sie kann Sara nicht erreichen, denn hier gibt es keinen Empfang. Bárbara zieht sich gleich zurück, sie interessiert sich allein für ihr Studium und will von den anderen nicht gestört werden. Agustin und Brink treiben derbe Späße und Alicia fühlt sich immer verlorener. Besonders der undurchschaubare Brink hat es auf sie abgesehen, weshalb Alicia sich zunehmend bedroht fühlt. Sie kann nicht schlafen, hat merkwürdige Visionen und kann schon bald nicht mehr zwischen Traum und Realität unterscheiden, ebenso wie der Zuschauer.
Als Sara zwei Tage später auf der Insel eintrifft, findet sie eine verstörte Alicia vor, deren Ängsten und Erzählungen sie keinen Glauben schenken kann, zumal Agustin und auch Brink sich scheinbar aufmerksam um Alicia zu kümmern scheinen. Die Situation eskaliert, als Agustin Alicia in Hypnose versetzt, was keiner der Anwesenden wirklich ernst nimmt, und Bárbara Alicia noch mit Tabletten versorgt, damit sie endlich schlafen kann.
Was dann passiert, das erzähle ich hier nicht. Zugegeben, das Ende ist schlimm, aber auch voller Rätsel. Regisseur Sebastián Silva erzählt seine Geschichte nicht bis zum Schluss, er lässt vieles offen. Das muss man als Zuschauer nicht mögen, ist aber künstlerische Freiheit des Autors und funktioniert hier eigentlich ganz gut.
Was bei diesem ungewöhnlichen Psychothriller überzeugt, sind vor allen Dingen die abgelegene Umgebung, die irgendwie latent bedrohliche Atmosphäre und die sehr guten Darsteller. Juno Temple ist hier die ideale Besetzung als Alicia, denn man merkt als Zuschauer schon schnell, dass sie nicht nur einfach labil ist, sondern wahrscheinlich ernste psychische Probleme hat. Mit Michael Cera als Brink hat sie einen fantastischen Gegenpart, der sich nie entschlüsseln lässt. Ob er nun tatsächlich schwul und heimlich in seinen Freund Agustin verliebt ist, wer weiß das schon.
Als Extra gibt es noch ein kleines Making-Of, das ich sehr empfehlen kann. Für den Film an sich gilt wie so oft bei mir, nichts für die große Masse, eher was für Freunde ungewöhnlicher Filme, die es auch aushalten können, wenn mal nichts passiert. Die sind dann hier aber genau richtig. Es lohnt sich.
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