Samstag, 14. Februar 2015

Dracula Untold

"Dracula Untold" ist ein Film von Gary Shore aus dem Jahr 2014 und gleichzeitig sein Langfilmdebüt. Das Drehbuch stammt von Matt Sazama und Burk Sharpless, die hier ebenfalls ihr Debüt abliefern.

Der Film beschäftigt sich mit der Figur des Fürsten Vlad III., den es tatsächlich gegeben hat, und der im 15. Jahrhundert in Transsilvanien ein kleines Fürstentum in der Walachei regiert hat. Auf Grund seines Umgangs mit feindlichen Truppen im Krieg erhielt er den Namen "Vlad der Pfähler". Seine Lebensgeschichte inspirierte Bram Stoker um 1890 herum zu seinem Roman "Dracula". Die Handlung des Films ist aber selbstverständlich reine Fiktion.

Fürst Vlad (Luke Evans) führt ein ruhiges und friedliches Leben mit seiner Frau Mirena (Sarah Gadon) und seinem kleinen Sohn Ingeras (Art Parkinson). Seine Untergebenen lieben und achten ihn. Doch eines Tages trifft ein Abgesandter des türkischen Sultans Mehmed (Dominic Cooper) ein und fordert nicht nur den üblichen Sold, sondern zudem auch noch 1000 Jünglinge, die als Krieger für das Osmanische Reich ausgebildet werden sollen. Vlad weiß, was das für die Jungen bedeutet, hat er doch einst das gleiche Schicksal erleiden müssen. Seinem Sohn und den anderen Kindern will er das nicht zumuten und so lehnt er die Bitte des Sultans unmissverständlich ab, mit bösen Folgen.

Vlad verfügt in seinem Fürstentum nur über eine kleine Armee, die dem drohenden Angriff der übermächtigen Türken nichts entgegenzusetzen hat. Also macht er sich auf ins Reißzahngebirge, wo in einer Höhle ein Monster mit übernatürlichen Kräften haust. Der Mönch Lucian (Paul Kaye) hat ihm dessen Geschichte anvertraut, nachdem Vlad selbst in dieser Höhle war und erlebt hat, dass dort etwas Unheimliches vor sich geht. Der Vampir Caligula (Charles Dance) lebt dort seit Jahrhunderten und wartet darauf, von einem Menschen befreit zu werden, der sein Blut trinkt. Vlad lässt sich darauf ein, er erhält die Kräfte des Vampirs und ihm bleiben drei Tage, in denen er seinen Blutdurst unterdrücken muss. Sollte er das schaffen, würde aus ihm wieder ein Mensch werden, falls nicht, bliebe er auf ewig ein Vampir.

Ausgestattet mit übernatürlichen Kräften gelingt es Vlad im Alleingang, die Türken in Schach zu halten und ihre Truppen zu dezimieren. Doch Mehmed will Rache und schickt immer mehr Krieger in die Schlacht. In der Zwischenzeit hat Vlad das Problem, dass seine Untertanen seine Verwandlung bemerken und sich gegen ihn auflehnen. Eine entscheidende Schlacht steht an und die drei Tage sind fast vorbei. Vlad ist der Verzweiflung nahe, als seine Frau schließlich ein großes Opfer bringt und damit den Ausgang der Geschichte entscheidend beeinflusst.

Jetzt habe ich doch tatsächlich wieder mehr geschrieben als ich eigentlich wollte und muss zugeben, so hört sich das alles auch ganz gut an, den Film selbst kann ich aber trotzdem nicht wirklich empfehlen. Es gibt allerdings einen guten Grund, sich dieses Werk anzuschauen, nämlich Luke Evans. Der war mir bisher unbekannt, passt hier aber sensationell gut in seine Rolle und trägt mühelos den ganzen Film. Muss er aber auch, weil an seiner Seite weit und breit niemand ist, der auch nur ansatzweise interessant ist. Mitunter tat er mir schon ein bisschen leid, wenn er so allein durch die Kulissen gejagt wurde, um mit wehenden Haaren und grimmigem Gesichtsausdruck seine Stärke und Entschiedenheit auszudrücken, während ihm das Drehbuch ständig Knüppel zwischen die Beine wirft.

Optisch gesehen ist der Film recht gut gelungen, aber inhaltlich gibt es doch diverse Dinge, die mich eher meckern lassen. Von den teils sehr schwülstigen Dialogen mal abgesehen, sollte man nicht anfangen, irgendwelche Fragen zu stellen, es bringt einfach nichts. Auch das nervige und aufgesetzt fröhliche Familienleben verursacht mir eher Übelkeit, was zum großen Teil auch an der Darstellung der holden Filmgattin liegt. Immer nur mit weit aufgerissenen Augen, offenem Mund und herausquellendem Dekolleté unterwegs, wünschte ich mir ihren Abgang schon sehr früh. Offensichtlich wird heute oftmals nur noch nach Optik gecastet. Nun ja, wem es gefällt. Den Rest der Mannschaft muss man auch nicht weiter erwähnen, mit Ruhm bekleckert sich hier niemand, außer Charles Dance, der seiner Rolle noch wirklich einen Stempel aufdrücken kann und der schön diabolisch ist.

Wie gesagt, Luke Evans ist hier die treibende Kraft und ihm habe ich gerne zugesehen, auch wenn der Rest eher mau ist. Wünschenswert wären für ihn natürlich bessere Rollen, es müssen auch keine Blockbuster sein, denn schauspielerisch hat der Mann tatsächlich was drauf und er muss nun wirklich nicht in so einem Quark verheizt werden. Insgesamt gesehen gibt es hier von mir nur eine sehr eingeschränkte Empfehlung. Ach ja, den Epilog hätte man sich auch sparen können.


Dienstag, 3. Februar 2015

The Immigrant

"The Immigrant" ist ein Film von James Gray aus dem Jahr 2013. Das Drehbuch schrieb Gray zusammen mit Ric Menello.

Im Jahr 1921 kommen die beiden Schwestern Ewa (Marion Cotillard) und Magda (Angela Sarafyan) nach langer und beschwerlicher Schiffsreise in Amerika an, ohne Geld, aber voller Hoffnung. Sie haben ihre polnische Heimat verlassen und hoffen auf einen Neuanfang im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und auf Unterkunft bei Verwandten in New York. Doch Magda ist während der Überfahrt an Tuberkulose erkrankt und darf nicht einreisen, sondern bleibt auf der Krankenstation auf Ellis Island vorerst in Quarantäne.

Da Ewa kein Geld und keine Unterkunft hat, angeblich gibt es die Adresse ihrer Verwandten gar nicht, droht ihr die sofortige Abschiebung, doch davor rettet sie der charmante Bruno (Joaquin Phoenix), der sie mit zu sich nach Manhattan nimmt. Sie könne als Näherin arbeiten, ein bisschen Geld verdienen, um ihre Schwester zu unterstützen und nach ihrer Genesung zu sich zu holen. Bruno umgibt sich mit mehreren Frauen, um die er sich kümmert und die in einem Theater als Tänzerinnen arbeiten. Sehr schnell wird Ewa aber klar, dass Bruno ein Zuhälter ist und auch sie selbst wird zur Prostitution gezwungen, um Geld zu verdienen. Ewa fügt sich in ihr Schicksal, weil sie ihre Schwester nicht im Stich lassen will und ihre Verwandten, die sie dann doch noch ausfindig machen kann, sich als äußerst selbstsüchtig erweisen, die jede Hilfe verweigern.

Durch Zufall lernt Ewa Emil (Jeremy Renner) kennen, der als Magier Orlando auftritt, ohne zu wissen, dass er der Cousin von Bruno ist. Ewa fühlt sich zu dem sanften und verständnisvollen Emil hingezogen, der sich ebenfalls in sie verliebt, aber sie hat auch durchaus Gefühle für Bruno, der zwar einerseits charmant und zuvorkommend, aber andererseits auch aufbrausend und jähzornig sein kann. Beide Männer erkennen, dass sie um dieselbe Frau wetteifern und dabei kommt es zu einem folgenreichen Unfall, der alles verändert.

Wird es für Ewa eine glückliche Zukunft in Amerika geben und wird sie ihre geliebte Schwester wiedersehen können? Nein, das beantworte ich hier nicht. Wer wissen will wie es endet, der muss schon selbst nachschauen, auch wenn ich keine direkte Empfehlung für diesen Film aussprechen kann. Warum eigentlich nicht? Das ist schwierig zu beantworten. Ehrlich gesagt, hat mich der Film einfach nicht wirklich gepackt. Die Ausstattung ist toll, die Bilder von Kameramann Darius Khondji sind es ebenfalls und die Schauspieler können meistens auch überzeugen.

Marion Cotillard ist wunderbar wie immer, auch wenn sie hier nicht viel von ihrer Klasse zeigen kann. Joaquin Phoenix ging mir tatsächlich ein bisschen auf den Keks mit seiner überzogenen Darstellung, manch einer mag das großartig finden, mich nervte es ein wenig. Überrascht hat mich hingegen Jeremy Renner, der hier sehr positiv auffällt, das hatte ich eigentlich nicht erwartet. Aber trotz allem ist der Film mit knapp zwei Stunden Laufzeit etwas zu lang geraten und die Charaktere kommen dem Zuschauer niemals wirklich nahe, so schade das auch ist.

Dass Regisseur James Gray Drama wirklich beherrscht, das hat er bereits in seinem großartigen Spielfilmdebüt "Little Odessa" bewiesen, einem Film der noch heute, zwanzig Jahre später, zu meinen absoluten Lieblingen gehört. "The Immigrant" ist kein schlechter Film, er hat nur bei weitem nicht die Kraft und die Wucht, die "Little Odessa" so einzigartig gemacht hat. Das mag nicht gerade objektiv sein, ist aber meine Meinung. Kann man sich ansehen, muss man aber nicht unbedingt.


Sonntag, 1. Februar 2015

Lilting

"Lilting" ist ein Film von Hong Khaou (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2014 und gleichzeitig sein Langfilmdebüt.

In einem Seniorenheim in London lebt die verwitwete Junn (Pei-pei Cheng), eine Chinesin mit kambodschanischen Wurzeln, die zwar seit fast dreißig Jahren in England lebt, aber die Sprache nie gelernt hat. Ihr Sohn Kai (Andrew Leung) hat sich immer um alles gekümmert und sie schließlich in dem Seniorenheim untergebracht, wollte sie aber zu sich holen, wenn er eine größere Wohnung gefunden hat.

Doch plötzlich ist Kai tot, gestorben bei einem Verkehrsunfall und Junn bleibt allein zurück, auch wenn sie in ihren Tagträumen immer und immer wieder die letzte Begegnung mit ihrem Sohn wiederholt. An diesem Tag wollte Kai endlich seinen ganzen Mut zusammennehmen und ihr erklären, dass sein Freund und Mitbewohner Richard (Ben Whishaw) auch sein Lebensgefährte ist und das schon seit vier Jahren.

Richard besucht Junn, die ihn nicht mag und das auch nicht versteckt. Weil er mit Kai zusammengelebt hat, konnte sie nicht bei ihrem Sohn leben, das verzeiht sie ihm nicht. Wie tief das Verhältnis der beiden jungen Männer war, das weiß sie nicht oder will es nicht wissen. Aus Liebe zu seinem verstorbenen Geliebten möchte sich Richard um Junn kümmern, doch beide können sich nicht verständigen und die alte Frau ist äußerst abweisend.

Junn hat im Seniorenheim eine kleine Liebelei mit Alan (Peter Bowles) angefangen, der ebenfalls dort lebt. Auch diese beiden sprechen nicht die gleiche Sprache, scheinen aber glücklich miteinander zu sein. Richard engagiert die junge Vann (Naomi Christie), die als Übersetzerin tätig wird und Junn und Alan zur Seite steht. Doch die gerade erst aufkeimende Liebe bekommt Risse, je mehr beide voneinander erfahren. Wortlos waren sie scheinbar glücklicher.

Auch Richard versucht durch Vann, näher zu Junn vorzudringen und ihr von seinen Gefühlen für Kai zu erzählen. Beide sind gefangen in ihrer Trauer um den geliebten Menschen und müssen erst langsam lernen, den Verlust zu akzeptieren und sich gegenseitig zu respektieren und zu verstehen, auch ohne Worte.

Nein, das ist kein Wohlfühlfilm und das will er auch gar nicht sein. Hong Khaou verzichtet bewusst auf jeden Kitsch und erzählt seinen wunderbaren Film ganz ehrlich. Tränen fließen dabei auch, nicht nur bei den Beteiligten, sondern auch beim Zuschauer. Das liegt in erster Linie an Ben Whishaw, der so in seiner Rolle aufgeht, dass es wirklich herzzerreißend ist. Mich hat er hier jedenfalls absolut gepackt, auch wenn ich ihm bisher nicht wirklich viel abgewinnen konnte. Respekt für diese Darstellung.

Auch die anderen Schauspieler muss man einfach loben, dieser kleine, fast schon kammerspielartige Film ist ein wahres Highlight, das man nicht verpassen sollte. Unterlegt mit sehr zurückhaltender Musik und ausgestattet mit schönen Bildern kann ich diesen Film nur sehr empfehlen. Kamerafrau war hier übrigens Urszula Pontikos, die schon in Andrew Haighs "Weekend" mit ihrer Arbeit überzeugen konnte.

Insgesamt gesehen ein wirklich schöner und sehr berührender Film. Auf weitere Werke von Hong Khaou darf man gespannt sein. Ganz große Empfehlung.
  

Sonntag, 14. Dezember 2014

DVD-Veröffentlichung: Wilde Herzen

"Wilde Herzen" - "Les roseaux sauvages" von André Téchiné aus dem Jahr 1994 ist nun auch hierzulande endlich auf DVD erschienen und zwar bei Salzgeber. Zu sehen ist der Film in der französischen Originalfassung und in der deutschen Synchronfassung. Leider jedoch ohne deutsche Untertitel, was ich sehr bedaure. Ich persönlich mag keine französischen Filme mit deutscher Synchronisation, weil meistens die Stimmen etwas unglücklich gewählt sind, aber das ist nur meine Meinung und Meckern auf hohem Niveau. Freuen kann man sich über diese längst fällige Veröffentlichung und einen der schönsten Filme von André Téchiné aber in jedem Fall.

Zur Filmkritik geht es hier, damals noch mit der französischen Fassung: "Les roseaux sauvages"

Große Empfehlung von mir für einen ganz zauberhaften Film mit sensationellen Darstellern, die noch ganz am Anfang ihrer Karrieren standen. Man erlebt mit ihnen einen Sommer, den man nie wieder vergisst. Unbedingt anschauen.


Samstag, 13. Dezember 2014

Zärtlichkeit

"Zärtlichkeit" - "La tendresse" ist ein Film von Marion Hänsel (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013.

Der junge Belgier Jack (Adrien Jolivet) arbeitet als Skilehrer in den französischen Alpen. Als er sich bei einem Skiunfall das Bein bricht und keine Versicherung seinen Rücktransport nach Belgien übernimmt, machen sich seine geschiedenen Eltern auf den Weg, ihren Sohn abzuholen.

Lise (Marilyne Canto) und Frans (Olivier Gourmet) sind seit fünfzehn Jahren getrennt, aber einander immer noch in Freundschaft verbunden. Es fällt kein böses Wort zwischen ihnen, im Gegenteil, sie können über ihre kleinen Macken und Fehler lachen. Der stets überlegt handelnde Frans und die leicht chaotische Lise scheinen zwar sehr unterschiedlich zu sein, aber sie eint die Liebe zu ihrem Sohn Jack und die Erinnerung an ihre gemeinsame Vergangenheit.

Von Belgien aus führt sie der Weg auf einer neunstündigen Autofahrt nach Frankreich, wo Jack bereits aus dem Krankenhaus entlassen wurde und zusammen mit seiner Freundin Alison (Margaux Châtelier) wieder in seiner Unterkunft angekommen ist. Die Wege von Jack und Alison werden sich nun trennen und beide genießen noch die Zeit, die ihnen bleibt.

Nach einem letzten gemeinsamen Abend zu viert, geht es am nächsten Morgen zurück nach Frankreich. Jack macht es sich so gut es geht im Geländewagen seines Vaters bequem, während Lise mit dem Auto ihres Sohnes den beiden nachfährt. Unterwegs nimmt sie den Anhalter Léo (Sergi López) mit, einen Seemann, der auf dem Weg nach Norwegen ist. Léo übernimmt auch für einige Zeit das Steuer, damit Lise schlafen kann und verabschiedet sich bei einem Halt, um weiter per Anhalter Richtung Norden zu kommen.

Am späten Abend erreicht die Familie ihr Ziel, alle sind müde, aber glücklich über den Verlauf der Reise.

Mehr passiert nicht und das muss es auch nicht. Es gibt keine Dramen zu erleben, sondern einfach eine kleine, wenn auch getrennte Familie, die sich gegenseitig hilft und füreinander da ist. Das ist total unspektakulär und wunderschön. Wer auf Action steht, der ist hier definitiv im falschen Film. Mir hat dieser großartige kleine Film, der gerade mal rund 75 Minuten dauert, allerdings ausgesprochen gut gefallen. Wie erholsam, auch mal so eine leise Geschichte erleben zu können, in der praktisch kaum etwas geschieht und die doch von Anfang bis Ende fesselt, wenn man sich darauf einlassen kann.

Die Schauspieler sind ein Traum, allein schon wegen Marilyne Canto und Olivier Gourmet muss man diesen Film lieben. Und auch der immer wunderbare Sergi López verleiht seiner kleinen Rolle einen besonderen Zauber.

Die DVD ist bei Salzgeber erschienen, was ich sehr begrüße, denn sonst wäre dieser fabelhafte kleine Film wohl völlig untergegangen. Ganz große Empfehlung von mir.

 

Sonntag, 30. November 2014

Big Bad Wolves

"Big Bad Wolves" - "Mi mefahed mezeev hara" ist ein Film der beiden israelischen Filmemacher Navot Papushado und Aharon Keshales (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013.

So, bevor der November nun so ganz wortlos ausklingt, kommt hier noch schnell eine Empfehlung für einen sehr fiesen Rache- und Selbstjustiz-Thriller, bei dem einem das Lachen oftmals im Halse stecken bleibt. Zartbesaitete Zuschauer dürfen gerne wegschauen, die FSK18 ist hier durchaus gerechtfertigt.

Worum geht es? Ein Serienkiller entführt, missbraucht und tötet kleine Mädchen, denen er zudem noch die Köpfe abschneidet. Der Polizist Miki (Lior Ashkenazi) ist auf den Fall angesetzt und hat schon bald einen Verdächtigen, den er für den Täter hält. Der unscheinbare Lehrer Dror (Rotem Keinan) wird von Miki und seinen Kollegen geschlagen und misshandelt, nur leider wird das von einem Zeugen aufgenommen und ins Internet gestellt. Miki verliert seinen Job, aber er bleibt Dror auf der Spur.

Gidi (Tzahi Grad), der Vater des letzten Opfers, ist ebenfalls hinter Dror her und hat sich ein abgelegenes Haus gemietet, das einen großen Keller hat. Hier will er die Wahrheit aus dem Verdächtigen herausbekommen und vor allen Dingen erfahren, wo der Kopf seiner toten Tochter versteckt ist.

Miki entführt Dror, um ein Geständnis aus ihm herauszupressen. Gidi beobachtet das Geschehen und schließlich landen alle Drei in Gidis Keller. Dror wird gefesselt, während Gidi und Miki sich bereit machen, ihn zu foltern. Es soll ihm das angetan werden, was er mit den kleinen Mädchen gemacht hat. Dror beteuert weiterhin seine Unschuld, aber Gidi lässt nicht von seinem Plan ab. Miki überkommen langsam Zweifel an dem Vorgehen, doch die ganze Situation wird noch viel komplizierter und absurder, durch Anrufe von Gidis Mutter und den plötzlichen Besuch seines Vaters Yoram (Dov Glickman), der gleich tatkräftig ins Geschehen eingreift.

Jedes weitere Wort wäre hier zu viel, also belasse ich es bei dieser kurzen Beschreibung. Die Thematik ist natürlich grauenvoll und nicht zum Lachen, die Gewaltszenen sind zum Teil kleine Schockmomente, aber trotz allem ist der Film durchzogen von einem gewissen Humor, der allerdings schon wirklich sehr böse ist. Darf man über einen solchen Film lachen? Klar, wieso denn auch nicht? Mir hat der Film jedenfalls gut gefallen, die Story ist einfallsreich, schwankt perfekt zwischen Drama und Komödie, was bestimmt nicht allen gefällt und die Schauspieler sind erstklassig. Trockener und sehr fieser Humor paart sich hier mit einigen Grausamkeiten, die aber allemal zu verkraften sind.

Kein Film für jeden Geschmack, aber definitiv sehenswert. Der Zuschauer wird bis zum Schluss im Unklaren gelassen, ob Dror nun wirklich schuldig ist, was zusätzlich den Reiz erhöht. Allerdings gibt es mit der letzten Einstellung des Films eine ziemlich eindeutige Antwort auf diese Frage.


Samstag, 25. Oktober 2014

Liebe ist das perfekte Verbrechen

"Liebe ist das perfekte Verbrechen" - "L'amour est un crime parfait" ist ein Film der Brüder Arnaud und Jean-Marie Larrieu (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013 und basiert auf dem Roman "Die Rastlosen" von Philippe Dijan.

An der Universität von Lausanne unterrichtet der knapp fünfzigjährige Literaturprofessor Marc (Mathieu Amalric) kreatives Schreiben. Der attraktive Mann ist umgeben von hübschen jungen Studentinnen, die auch gerne mal bei ihm private Nachhilfestunden nehmen. Diese finden dann oft in seinem abgelegenen Chalet in den Bergen statt, wo Marc mit seiner Schwester Marianne (Karin Viard) lebt. Doch nun ist seine letzte Eroberung, die talentierte Studentin Barbara (Marion Duval) spurlos verschwunden und Marcs Leben wird auf den Kopf gestellt.

Ein junger Inspektor (Damien Dorsaz) taucht immer wieder in der Universität auf und stellt Fragen, auf die Marc keine Antworten hat. Marcs Vorgesetzter Richard (Denis Podalydès), der eine heimliche Affäre mit Marianne hat, macht Marc das Leben schwer und droht mit seinem Rausschmiss aus der Universität. Und dann erscheint auch noch die geheimnisvolle und schöne Anna (Maïwenn), die Stiefmutter von Barbara. Anna erklärt Marc, Barbara erst seit einigen Monaten zu kennen, nämlich seit der Hochzeit mit deren Vater, der aber bereits kurze Zeit später zu einem Geheimauftrag nach Mali reisen musste und von dem sie seit dieser Zeit nichts mehr gehört hat. Nun macht sie sich große Sorgen um Barbara, die ihre einzige Verbindung zu ihrer neuen Familie ist.

Marc verliebt sich in Anna, die so anders ist, als all die jungen Studentinnen, die ihn anhimmeln und sich ihm an den Hals werfen. Anna erwidert seine Gefühle und die beiden beginnen eine heimliche Liebesaffäre. Doch der Druck auf Marc wächst, denn die hübsche Studentin Annie (Sara Forstier) hat es auf ihn abgesehen und lässt sich nicht abwimmeln. Als Marc sich nicht auf sie einlassen will, kümmern sich die Schläger ihres Vaters um ihn.

Das Leben wird für Marc immer komplizierter. Er liebt Anna, aber er liebt auch seine Schwester Marianne, wobei dieses Verhältnis seltsam ungeklärt bleibt. Ein tragisches Ereignis in der Kindheit hat sie für immer zusammengeschweißt. Der junge Inspektor und die aufdringliche Annie werden für Marc zur Bedrohung. Er fühlt sich verfolgt und kann Traum und Realität nicht mehr unterscheiden. Ist er ein Mörder oder nur ein Schlafwandler? Passiert ihm das alles wirklich und kann Anna ihn retten oder ist doch alles ganz anders? Fragen über Fragen...

Mir hat der Film gefallen, auch wenn einiges nicht wirklich schlüssig ist. Man merkt dem Film aber deutlich an, dass er auf einer Buchvorlage beruht, die ich allerdings nicht kenne. Egal, er funktioniert auch so und das liegt an der wirklich hervorragenden Besetzung, die keine Wünsche übrig lässt. Der wunderbare Mathieu Amalric, die schöne Maïwenn und die fabelhafte Karin Viard machen diesen Film zu einem Erlebnis, das man nicht verpassen sollte.

Ganz besonders gelungen sind auch die Schauplätze und die tollen Bilder. Die Atmosphäre ist großartig, ob nun in der gläsernen Universität, in dem verschneiten Chalet oder zum Schluss im Bungalow am See. Einfach herrlich.

Von mir gibt es auf jeden Fall eine Empfehlung, wenn auch mit einer kleinen Einschränkung. Wer sich nicht auf die langsame Erzählung und die kleinen Unstimmigkeiten einlassen kann, der wird diesen Film sicher nicht mögen. Wer aber perfekte Schauspielleistungen sehen will, bitte sehr.


Freitag, 24. Oktober 2014

Oy Vey! My Son is Gay!!

"Oy Vey! My Son is Gay!!" ist ein Film von Evgeny Afineevsky aus dem Jahr 2009. Das Drehbuch schrieb Afineevsky zusammen mit Menahem Golan und Martin Guigui. Da tauchen bei mir schon die ersten Fragen auf: Gab es hier wirklich ein Drehbuch? Sehr vieles wirkt hier nämlich eher improvisiert. Das kann natürlich sehr positiv sein, in diesem Fall ist es das aber nicht. Nächste Frage: Warum sehe ich mir einen Film an, dessen Titel allein schon Schlimmes vermuten lässt? Keine Ahnung. Ehrlich, ich habe mir diesen Film wirklich ohne jede große Erwartungshaltung angeschaut und muss nun ganz klar sagen: Bitte verpassen. So einen Schrott habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Oder anders ausgedrückt: 'Oy Vey! Was für ein mieser Film!!'

Kommen wir aber zur Handlung. Nelson (John Lloyd Young) ist Mitte Zwanzig und Sohn einer jüdischen Familie in New York. Seine Mutter Shirley (Lainie Kazan) will ihn unbedingt mit einer hübschen jungen jüdischen Frau verheiraten, während sein Vater Martin (Saul Rubinek) dem ganzen Theater eher unbeteiligt gegenüber steht. Doch Nelson hat ein Geheimnis, von dem niemand etwas weiß. Er ist schwul und lebt mit seinem Partner Angelo (Jai Rodriguez) zusammen.

Immer wieder versucht Nelson seiner Mutter die Wahrheit zu sagen, aber diese ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um ihrem Sohn auch nur einmal zuzuhören. Als Shirley eines Tages uneingeladen in Nelsons Wohnung erscheint, trifft sie dort auf Angelo, der sich als Nelsons Innendekorateur ausgibt und auf Sybil (Carmen Electra), eine Nachbarin und gute Freundin. Shirley erkennt in Sybil natürlich sofort die vermeintliche Verlobte ihres Sohnes und akzeptiert sogleich, dass diese eine "Schickse" ist, also eine nicht jüdische Frau. Auch die Tatsache, dass Sybil ein Playmate ist, scheint sie nicht weiter zu stören. Endlich hat ihr Sohn eine Frau gefunden, den Rest wird sie ihrer Familie schon irgendwie schmackhaft machen.

Auf der Hochzeit seines Cousins platzt Nelson dann aber endlich mit der Sprache heraus und setzt damit eine Abfolge von absurden Handlungen in Gang, die ich hier nicht weiter erwähnen will.

Gut, soweit hört sich das alles gar nicht so furchtbar an, aber im Film selbst ist es tatsächlich unerträglich. Da haben wir auf der einen Seite ganz schreckliches Over-Acting von Lainie Kazan und Saul Rubinek, die schon nach kurzer Zeit richtig nerven und auf der anderen Seite einen fast im Koma spielenden John Lloyd Young, den das alles nicht zu interessieren scheint, was mit ihm und seiner Rolle passiert. Irgendwelche Emotionen zeigt er nie wirklich. Dafür darf sein Co-Star Jai Rodriguez ein bisschen Haut zeigen, aber natürlich nie zu viel. Da reicht dann eine plumpe "Oh Gott, was zieh ich bloß an-Nummer", in der er sich mehrfach umziehen darf. *Gähn*

Fremdschämen darf man sich dann auch noch bei sämtlichen Auftritten von Carmen Electra, die so bodenlos sind, dass mir hier die Worte fehlen. Sorry.

Abschließende Frage: Kann ich etwas Nettes über diesen Film sagen? Nein! Hier werden nur Klischees geboten, die eigentlich in der Wirklichkeit nicht mehr existieren sollten, aber ganz sicher bin ich mir da gerade nicht. Traurig und vor allen Dingen nicht lustig. So wie der ganze Film.


Donnerstag, 9. Oktober 2014

Some Velvet Morning

"Some Velvet Morning" ist ein Film von Neil LaBute (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013. Es ist ein Zwei-Personen-Stück und wer theaterhafte Inszenierungen mag, der ist hier genau richtig.

Die hübsche Velvet (Alice Eve) lebt in einem traumhaft schönen Stadthaus. Eines Tages klingelt jemand an ihrer Tür. Es ist Fred (Stanley Tucci), mit dem sie vor vier Jahren eine Affäre hatte. Nun erscheint er mit seinem Gepäck bei ihr und erklärt, nach 24 Jahren seine Frau verlassen zu haben. Fred will seine Beziehung zu Velvet wieder aufnehmen, aber die reagiert spröde auf seine Pläne und möchte Fred eigentlich schnell wieder loswerden.

Eine heikle Situation entsteht, denn Velvet hat eine Verabredung und Fred will sie nicht gehen lassen. Der scheinbar so freundliche und höfliche Mann zeigt durchaus teuflische Abgründe und die so unschuldig wirkende Velvet entpuppt sich als Hure, die gerade eine Verabredung mit Freds Sohn Chris hat, der ebenfalls verheiratet ist.

Ich mache es hier mal ganz kurz, immerhin dauert der Film auch nur etwa 80 Minuten. Es gibt hier vor allen Dingen sehr gute Dialoge, die den Zuschauer auch entsprechend gut unterhalten. Stanley Tucci und Alice Eve spielen sich die Seele aus dem Leib und überzeugen auf ganzer Linie. Am Ende gibt es dann noch einen geschickt eingesetzten Twist, der die Geschichte noch mal aus ganz anderer Perspektive erscheinen lässt. Gut gemacht.

Kleine Anmerkung noch zu den deutschen Untertiteln: Der Name "Velvet" sollte hier nicht wirklich mit "Samt" übersetzt werden. Schon klar, oder?

Insgesamt gesehen ein feiner kleiner Film, den ich Filmfans sehr ans Herz legen möchte. Nichts für die große Masse, muss es aber auch nicht sein.


Samstag, 27. September 2014

Longtime Companion

"Longtime Companion" - "Freundschaft fürs Leben" ist ein Film von Norman René aus dem Jahr 1989. Das Drehbuch stammt von Craig Lucas. Es geht um eine Gruppe von schwulen Freunden und um ihr Leben in den Jahren von 1981 bis 1989. Die Handlung spielt in New York und auf Fire Island.

Am 3. Juli 1981 erscheint in der New York Times ein Artikel, der sich mit einer neuen Krankheit befasst, dem sogenannten Schwulen-Krebs (Gay Cancer). Jeder in der Clique erfährt von diesem Bericht und man tauscht sich untereinander darüber aus. Ein gewisses Unbehagen macht sich breit, der eigene Körper wird misstrauisch beobachtet, ob sich eventuell irgendwelche Symptome der noch weitgehend unbekannten Krankheit bereits zeigen. Die offizielle Bezeichnung "Aids" kam erst später.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht der junge Fitness-Trainer Willy (Campbell Scott). Zusammen mit seinem besten Freund John (Dermot Mulroney) ist er zu Besuch auf Fire Island bei ihren Freunden David (Bruce Davison) und Sean (Mark Lamos). Hier lernt Willy den Medienanwalt Fuzzy (Stephen Caffrey) kennen und die beiden werden ein Liebespaar.

Im Jahr darauf ist John schwer erkrankt und liegt mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Er wird das erste Opfer, das die Clique an Aids verliert, aber das ist nur der Anfang. Es trifft immer mehr Männer aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Bis hin zum Jahr 1989 zeigt der Film aus jedem Jahr einen Tag und was in der Zwischenzeit passiert ist. Trauer und Verzweiflung werden gezeigt, aber auch die Wut und der Wille, etwas zu unternehmen.

Alles hat sich geändert, der Sex, das Lebensgefühl, aber die Freundschaft bleibt bestehen. Wer nicht erkrankt ist, der kümmert sich um kranke Freunde oder engagiert sich in Hilfsprojekten. Leicht ist es für keinen von ihnen, denn das Sterben geht weiter. Im letzten Teil, der 1989 spielt, sind es nur noch Willy und Fuzzy, die übrig geblieben sind und am Strand von Fire Island um ihre Freunde trauern.

Regisseur Norman René, der 1996 im Alter von 45 Jahren selbst an Aids verstarb, hat hier einen wunderbaren und sehr emotionalen Film geschaffen, den ich nur sehr empfehlen kann. Ja, er ist traurig, aber auch berührend und vor allen Dingen toll gespielt. Neben den oben schon genannten Schauspielern wirken unter anderem auch noch Patrick Cassidy, John Dossett, Brian Cousins und Mary-Louise Parker mit und sie alle sind fantastisch in ihren Rollen.

Filme wie dieser, die sich mit dem Thema Aids befassen, haben es immer schwer ein Publikum zu finden. Umso wichtiger ist es, auf solche Perlen aufmerksam zu machen, denn die werden gerne ignoriert. Vito Russo hat in seinem Buch "The Celluloid Closet" von 1987 auf einen Artikel der New York Times aus dem Jahr 1986 verwiesen, in dem es hieß, man solle "nicht in Panik geraten wegen Aids", weil es ja immer noch nur Risikogruppen betreffe. Das lasse ich jetzt mal so stehen. Ich hoffe jedoch, dass man sich dieses Statement mal durch den Kopf gehen lässt. Wie ignorant und dumm können Menschen nur sein?

Große Empfehlung aber für diesen Film, der es verdient hat angeschaut zu werden.