"Barracuda - Vorsicht Nachbar!" ist ein Film von Philippe Haim aus dem Jahr 1997. Das Drehbuch schrieb Haim zusammen mit Nicolas Lartigue, Patrick Oliver Mayer und Marie Krüger.
Der hübsche junge Luc (Guillaume Canet) bezieht eine Wohnung in einem Mietshaus in Paris. Er ist guter Dinge, hat eine schöne Freundin namens Margot (Claire Keim), die ihm kurz darauf mitteilen wird, schwanger zu sein, worüber sich Luc besonders freut. Alles könnte so schön sein, doch dann lernt Luc seinen älteren Nachbarn Monsieur Clément (Jean Rochefort) kennen und der Horror beginnt.
Monsieur Clément lädt Luc zum Abendessen ein, um ihm seine Ehefrau Violette vorzustellen. Der ahnungslose Luc betritt also die Wohnung von Monsieur Clément, die er so bald nicht mehr verlassen wird und begegnet Madame Clément, einer Schaufensterpuppe, mit der sich ihr Ehemann rege unterhält. Erste Alarmglocken läuten bei Luc, als er dieses Szenario überblickt, doch für einen Ausweg ist es da schon zu spät.
Nach einem gescheiterten Fluchtversuch findet sich Luc in Monsieurs Badezimmer wieder, angekettet an das Waschbecken. Es gibt keine Chance zu entkommen und sämtliche Versuche in diese Richtung enden für Luc äußerst schmerzhaft. Monsieur Clément ist verrückt, er fantasiert sich eine Welt zusammen, die es nicht gibt, hält sich für einen erfolgreichen Stepp-Tänzer und hat Visionen von Fred Astaire, der zu ihm spricht. Er hat keine Kinder und keine Freunde, niemand kümmert sich um ihn. Angeblich wollte Violette keine Kinder, doch diese Lücke soll Luc nun füllen. Er bekommt sogar ein eigenes Zimmer, verborgen hinter einem Bücherregal, wo er allerdings angekettet bleibt.
Luc will den Glauben an die Freiheit nicht aufgeben, aber sein Wille wird langsam aber sicher gebrochen. Der Nervenkrieg mit Monsieur Clément lässt beide mürbe werden, aber der Alte ist ihm immer überlegen. Doch wie lange noch?
"Barracuda" ist ein Horrorfilm der speziellen Art. Er ist grotesk, fantastisch gefilmt und gespielt, aber das Lachen bleibt einem oft im Hals stecken, angesichts der Umstände. Wer Polanskis "Der Mieter" und "Ekel" kennt und auch mag, dem wird auch dieser Film zusagen. Alle drei Filme haben etwas extrem beunruhigendes an sich und ergänzen sich beinahe. Da hat Regisseur Philippe Haim alles richtig gemacht.
Die Schauspieler sind ein Traum und könnten nicht besser besetzt sein. Der großartige Jean Rochefort liefert eine grandiose Darstellung ab, sein jüngerer Kollege Guillaume Canet steht ihm aber in nichts nach. Beide machen diesen Film zu einem Vergnügen, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Aber Achtung, garantiert nichts für jeden Geschmack.
Sonntag, 29. Juni 2014
Samstag, 14. Juni 2014
Four
"Four" ist ein Film von Joshua Sanchez (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2012 und beruht auf dem gleichnamigen Theaterstück von Christopher Shinn, das dieser bereits im Alter von dreiundzwanzig Jahren geschrieben hat.
Die Geschichte handelt von vier Personen, die in der Nacht des 4. Juli, des Unabhängigkeitstages, in einer Stadt in Connecticut aufeinander treffen. Vier Menschen, auf der Suche nach Liebe und Bestätigung, auf der Suche nach ihrer sexuellen Identität und dem Sinn ihres Lebens. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Wer sich für kleine Independent-Filme begeistern kann, der ist hier genau richtig. Alle anderen dürfen gerne weitergehen.
Wer sind diese vier Personen? Da wäre zunächst June (Emory Cohen), ein Teenager der mit seiner sexuellen Orientierung hadert und der sich per Internet mit dem älteren Joe (Wendell Pierce) verabredet hat. Joe ist ein Afroamerikaner Mitte Vierzig und ein Familienvater. Seine Frau (Yolonda Ross) ist seit vielen Jahren depressiv, was aber nicht weiter thematisiert wird.
June und Joe verbringen den Abend zusammen, während Joes Tochter Abigayle (Aja Naomi King) sich mit dem Latino Dexter (E. J. Bonila) trifft, der sich immer noch vergebliche Hoffnungen auf eine Karriere als Basketballspieler macht, die er sich aber durch seine Vorstrafen selbst ruiniert hat. Abigayle und Dexter haben Sex miteinander, genau wie June und Joe. Jeder erwartet hier etwas anderes, möchte sich besser fühlen und den Alltag für einen kurzen Moment vergessen. Das funktioniert aber nicht immer.
June hat Probleme damit, sich zu seinem Schwulsein zu bekennen und hat Angst davor, es seinen Eltern zu sagen, auch wenn er sie sehr liebt. "Sei stolz auf dich, glaub an dich" gibt ihm Joe mit auf den Weg. Joe selbst lebt in einer schwierigen Situation, mit einer Frau, die seit Jahren schwach und krank ist und mit einer Tochter, die sich nicht traut, aus der familiären Situation auszubrechen.
Am Ende dieses Tages werden diese vier Menschen einiges über sich erfahren haben, dass ihnen vielleicht ein bisschen hilft, die Zukunft zu meistern.
Salzgeber sei Dank, diesen Film überhaupt zu veröffentlichen, denn sonst wäre diese kleine Perle doch unbekannt geblieben. Mit gerade mal 68 Minuten ist das Spielfilmdebüt von Joshua Sanchez zwar sehr überschaubar, aber auch sehr gut gelungen. Man merkt der Verfilmung das Bühnenstück durchaus an, was für mich aber kein Problem darstellt.
Mit den durchweg guten Darstellern ist das hier ein feiner kleiner Film geworden, der unbedingt sehenswert ist. Natürlich nicht für jeden Geschmack geeignet, aber das ist wie üblich auch eine Empfehlung für sich.
Die Geschichte handelt von vier Personen, die in der Nacht des 4. Juli, des Unabhängigkeitstages, in einer Stadt in Connecticut aufeinander treffen. Vier Menschen, auf der Suche nach Liebe und Bestätigung, auf der Suche nach ihrer sexuellen Identität und dem Sinn ihres Lebens. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Wer sich für kleine Independent-Filme begeistern kann, der ist hier genau richtig. Alle anderen dürfen gerne weitergehen.
Wer sind diese vier Personen? Da wäre zunächst June (Emory Cohen), ein Teenager der mit seiner sexuellen Orientierung hadert und der sich per Internet mit dem älteren Joe (Wendell Pierce) verabredet hat. Joe ist ein Afroamerikaner Mitte Vierzig und ein Familienvater. Seine Frau (Yolonda Ross) ist seit vielen Jahren depressiv, was aber nicht weiter thematisiert wird.
June und Joe verbringen den Abend zusammen, während Joes Tochter Abigayle (Aja Naomi King) sich mit dem Latino Dexter (E. J. Bonila) trifft, der sich immer noch vergebliche Hoffnungen auf eine Karriere als Basketballspieler macht, die er sich aber durch seine Vorstrafen selbst ruiniert hat. Abigayle und Dexter haben Sex miteinander, genau wie June und Joe. Jeder erwartet hier etwas anderes, möchte sich besser fühlen und den Alltag für einen kurzen Moment vergessen. Das funktioniert aber nicht immer.
June hat Probleme damit, sich zu seinem Schwulsein zu bekennen und hat Angst davor, es seinen Eltern zu sagen, auch wenn er sie sehr liebt. "Sei stolz auf dich, glaub an dich" gibt ihm Joe mit auf den Weg. Joe selbst lebt in einer schwierigen Situation, mit einer Frau, die seit Jahren schwach und krank ist und mit einer Tochter, die sich nicht traut, aus der familiären Situation auszubrechen.
Am Ende dieses Tages werden diese vier Menschen einiges über sich erfahren haben, dass ihnen vielleicht ein bisschen hilft, die Zukunft zu meistern.
Salzgeber sei Dank, diesen Film überhaupt zu veröffentlichen, denn sonst wäre diese kleine Perle doch unbekannt geblieben. Mit gerade mal 68 Minuten ist das Spielfilmdebüt von Joshua Sanchez zwar sehr überschaubar, aber auch sehr gut gelungen. Man merkt der Verfilmung das Bühnenstück durchaus an, was für mich aber kein Problem darstellt.
Mit den durchweg guten Darstellern ist das hier ein feiner kleiner Film geworden, der unbedingt sehenswert ist. Natürlich nicht für jeden Geschmack geeignet, aber das ist wie üblich auch eine Empfehlung für sich.
Unter Feinden
"Unter Feinden" ist ein TV-Krimi von Lars Becker (Regie und Drehbuch) und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Georg M. Oswald.
Erzählt wird die Geschichte der beiden Hamburger Hauptkommissare Mario Diller (Nicholas Ofczarek) und Erich Kessel (Fritz Karl), die seit zwanzig Jahren befreundet sind und zusammenarbeiten. Kessel kommt gerade erst aus der Entzugsklinik, aber sein Drogenproblem hat er immer noch nicht im Griff. Eigentlich sollen die beiden Kommissare einen libyschen Kriegsverbrecher observieren, als Kessel erneut von seiner Sucht übermannt wird. Er sieht ein paar junge Migranten, die auf dem benachbarten Basketball-Platz dealen und die er nach Stoff fragt.
Die Situation eskaliert, denn die jungen Männer erkennen sofort, einen Polizisten vor sich zu haben und geben sich unschuldig, woraufhin Kessel seine Waffe zückt und nur mit Mühe von dem herbeieilenden Diller zurückgehalten werden kann. Fluchtartig verlassen die beiden Polizisten den Basketball-Platz und stürmen in ihrem Auto davon. Als sich ihnen einer der jungen Männer provozierend in den Weg stellt, wird er von Kessel überfahren. Diller versucht die Nerven zu behalten und bringt den verletzten Mann eigenhändig ins Krankenhaus, verschwindet aber noch bevor man ihn entdecken kann.
Dillers Frau Maren (Birgit Minichmayr) arbeitet als Krankenschwester auf der Intensivstation dieses Krankenhauses und wird sich in den kommenden Tagen um den im Koma liegenden Patienten kümmern, ohne zu wissen, was ihr Mann mit diesem Fall zu tun hat. Diller und Kessel haben derweil die Staatsanwältin Soraya Nazari (Melika Foroutan) an der Backe, die in diesem Fall ermittelt und ziemlich hartnäckig ist. Diller tut wie immer alles, um seinen Kumpel zu schützen, aber der gerät immer mehr unter die Räder und in höchste Gefahr. Nebenbei müssen sich die beiden Kommissare aber auch noch um ihren eigentlichen Fall kümmern, was noch schwieriger wird, als eine wichtige Zeugin plötzlich "verschwindet".
Lars Becker zeigt Hamburg hier extrem grau, kalt und düster, was eine großartige Atmosphäre schafft für diesen sehr sehenswerten Krimi. Auch wenn die Handlung teilweise etwas überzogen und unglaubwürdig ist, die Dialoge sind brillant und die sehr guten Darsteller können so begeistern, dass man ihnen einfach alles abkauft. Absolut gelungen.
Die Hauptdarsteller in diesem Hamburg-Krimi sind übrigens alles österreichische Schauspieler und zwar nicht irgendwelche, sondern sozusagen die "Crème de la Crème" oder anders gesagt, "das Zitronencreme-Bällchen auf dem Kosakenzipfel". Mit Nicholas Ofczarek, Birgit Minichmayr und Fritz Karl ist der Film erstklassig besetzt und kann jederzeit überzeugen. Wie überaus angenehm, in einem Fernsehfilm mal solche Darsteller bewundern zu können. Ich muss hier ein bisschen ins Schwärmen geraten, aber die Leistungen der anderen Schauspieler schließen sich nahtlos an. Hier ist jeder perfekt besetzt.
Obwohl der Film für das Fernsehen produziert wurde, ist er nun auch auf DVD erhältlich, was ich sehr begrüße. Bitte unbedingt anschauen, ganz große Empfehlung.
Erzählt wird die Geschichte der beiden Hamburger Hauptkommissare Mario Diller (Nicholas Ofczarek) und Erich Kessel (Fritz Karl), die seit zwanzig Jahren befreundet sind und zusammenarbeiten. Kessel kommt gerade erst aus der Entzugsklinik, aber sein Drogenproblem hat er immer noch nicht im Griff. Eigentlich sollen die beiden Kommissare einen libyschen Kriegsverbrecher observieren, als Kessel erneut von seiner Sucht übermannt wird. Er sieht ein paar junge Migranten, die auf dem benachbarten Basketball-Platz dealen und die er nach Stoff fragt.
Die Situation eskaliert, denn die jungen Männer erkennen sofort, einen Polizisten vor sich zu haben und geben sich unschuldig, woraufhin Kessel seine Waffe zückt und nur mit Mühe von dem herbeieilenden Diller zurückgehalten werden kann. Fluchtartig verlassen die beiden Polizisten den Basketball-Platz und stürmen in ihrem Auto davon. Als sich ihnen einer der jungen Männer provozierend in den Weg stellt, wird er von Kessel überfahren. Diller versucht die Nerven zu behalten und bringt den verletzten Mann eigenhändig ins Krankenhaus, verschwindet aber noch bevor man ihn entdecken kann.
Dillers Frau Maren (Birgit Minichmayr) arbeitet als Krankenschwester auf der Intensivstation dieses Krankenhauses und wird sich in den kommenden Tagen um den im Koma liegenden Patienten kümmern, ohne zu wissen, was ihr Mann mit diesem Fall zu tun hat. Diller und Kessel haben derweil die Staatsanwältin Soraya Nazari (Melika Foroutan) an der Backe, die in diesem Fall ermittelt und ziemlich hartnäckig ist. Diller tut wie immer alles, um seinen Kumpel zu schützen, aber der gerät immer mehr unter die Räder und in höchste Gefahr. Nebenbei müssen sich die beiden Kommissare aber auch noch um ihren eigentlichen Fall kümmern, was noch schwieriger wird, als eine wichtige Zeugin plötzlich "verschwindet".
Lars Becker zeigt Hamburg hier extrem grau, kalt und düster, was eine großartige Atmosphäre schafft für diesen sehr sehenswerten Krimi. Auch wenn die Handlung teilweise etwas überzogen und unglaubwürdig ist, die Dialoge sind brillant und die sehr guten Darsteller können so begeistern, dass man ihnen einfach alles abkauft. Absolut gelungen.
Die Hauptdarsteller in diesem Hamburg-Krimi sind übrigens alles österreichische Schauspieler und zwar nicht irgendwelche, sondern sozusagen die "Crème de la Crème" oder anders gesagt, "das Zitronencreme-Bällchen auf dem Kosakenzipfel". Mit Nicholas Ofczarek, Birgit Minichmayr und Fritz Karl ist der Film erstklassig besetzt und kann jederzeit überzeugen. Wie überaus angenehm, in einem Fernsehfilm mal solche Darsteller bewundern zu können. Ich muss hier ein bisschen ins Schwärmen geraten, aber die Leistungen der anderen Schauspieler schließen sich nahtlos an. Hier ist jeder perfekt besetzt.
Obwohl der Film für das Fernsehen produziert wurde, ist er nun auch auf DVD erhältlich, was ich sehr begrüße. Bitte unbedingt anschauen, ganz große Empfehlung.
Sonntag, 8. Juni 2014
The Body
"The Body" - "El cuerpo" ist ein Film von Oriol Paulo aus dem Jahr 2012. Das Drehbuch schrieb Paulo zusammen mit Lara Sendium.
Inspektor Jaime Peña (José Coronoda) ist gerade erst aus dem Urlaub zurück, als man ihn spätabends noch zu einem ungeklärten Vorfall ruft. Der Nachtwächter des Leichenschauhauses ist in Panik aus dem Gebäude gerannt und direkt vor ein Auto gelaufen. Nun liegt er im Koma im Krankenhaus und Peña muss die Hintergründe untersuchen. Vor Ort stellt sich bald heraus, dass eine Leiche entwendet wurde. Die reiche Geschäftsfrau Mayka Villaverde (Belén Rueda), die erst am Morgen nach einem Herzinfarkt eingeliefert wurde, ist nicht mehr auffindbar.
Der Inspektor ruft den wesentlich jüngeren Ehemann der Toten, den Chemiker Álex Ulloa (Hugo Silva), noch in der Nacht an und bittet ihn ins Leichenschauhaus zu kommen. Álex fühlt sich dabei sehr unwohl und das aus gutem Grund. Er war es, der seiner Ehefrau ein Gift verabreicht hat, das nach acht Stunden zu einem Herzinfarkt führt und so gut wie nicht nachzuweisen ist. Um seiner herrischen Frau zu entgehen und mit seiner jungen Geliebten Carla (Aura Garrido) ein neues Leben anfangen zu können, hatte er sich zu diesem Schritt entschlossen. Doch nun ist der Leichnam von Mayka verschwunden und die Zeichen mehren sich, dass sie vielleicht noch am Leben ist und mit ihm spielt.
Álex weiß bald nicht mehr wo ihm der Kopf steht, der Inspektor setzt ihn extrem unter Druck, während im Leichenschauhaus merkwürdige Dinge vor sich gehen. Die Nacht wird noch sehr lang und ereignisreich, bis es am nächsten Morgen zu einer perfiden Aufklärung kommt, mit der wohl niemand gerechnet hat.
Der Hauptschauplatz ist hier das Leichenschauhaus, das geheimnisvoll und bedrohlich wirken kann. Mal fällt das Licht aus, dann geht die Sprinkleranlage an, es ist ein eher unheimlicher Ort. Durchbrochen wird das durch Rückblenden in die Vergangenheit von Mayka und Álex. Die Liebe zwischen der älteren Frau und ihrem jüngeren Mann war irgendwo auf der Strecke geblieben. Álex hoffte auf einen Neuanfang mit Carla, auch wenn er dafür seine Ehefrau töten musste. Doch dann kam alles ganz anders...
Hier zu viel zu erzählen wäre gemein, also lasse ich es bei diesen Anmerkungen. Das Ende ist sowieso viel zu genial, um es zu verraten. Ein erneutes Anschauen des Films funktioniert aber trotzdem, auch wenn man das Ende schon kennt. Einiges macht zwar keinen Sinn mehr, aber insgesamt klappt das doch sehr gut.
Das Spielfilmdebüt von Oriol Paulo darf man getrost als sehr gelungen bezeichnen. Mit einer guten Story und hervorragenden Darstellern hat er hier einen Thriller geschaffen, der bis zum Ende fesselt. Dabei können besonders José Coronado und Belén Rueda überzeugen, während Hugo Silva zwar seine Rolle gut spielt, mich aber eher an eine Schlaftablette erinnert. Das hätte gerne ein bisschen lebhafter sein können. Egal, der Film ist gut und spannend, also bitte anschauen.
Inspektor Jaime Peña (José Coronoda) ist gerade erst aus dem Urlaub zurück, als man ihn spätabends noch zu einem ungeklärten Vorfall ruft. Der Nachtwächter des Leichenschauhauses ist in Panik aus dem Gebäude gerannt und direkt vor ein Auto gelaufen. Nun liegt er im Koma im Krankenhaus und Peña muss die Hintergründe untersuchen. Vor Ort stellt sich bald heraus, dass eine Leiche entwendet wurde. Die reiche Geschäftsfrau Mayka Villaverde (Belén Rueda), die erst am Morgen nach einem Herzinfarkt eingeliefert wurde, ist nicht mehr auffindbar.
Der Inspektor ruft den wesentlich jüngeren Ehemann der Toten, den Chemiker Álex Ulloa (Hugo Silva), noch in der Nacht an und bittet ihn ins Leichenschauhaus zu kommen. Álex fühlt sich dabei sehr unwohl und das aus gutem Grund. Er war es, der seiner Ehefrau ein Gift verabreicht hat, das nach acht Stunden zu einem Herzinfarkt führt und so gut wie nicht nachzuweisen ist. Um seiner herrischen Frau zu entgehen und mit seiner jungen Geliebten Carla (Aura Garrido) ein neues Leben anfangen zu können, hatte er sich zu diesem Schritt entschlossen. Doch nun ist der Leichnam von Mayka verschwunden und die Zeichen mehren sich, dass sie vielleicht noch am Leben ist und mit ihm spielt.
Álex weiß bald nicht mehr wo ihm der Kopf steht, der Inspektor setzt ihn extrem unter Druck, während im Leichenschauhaus merkwürdige Dinge vor sich gehen. Die Nacht wird noch sehr lang und ereignisreich, bis es am nächsten Morgen zu einer perfiden Aufklärung kommt, mit der wohl niemand gerechnet hat.
Der Hauptschauplatz ist hier das Leichenschauhaus, das geheimnisvoll und bedrohlich wirken kann. Mal fällt das Licht aus, dann geht die Sprinkleranlage an, es ist ein eher unheimlicher Ort. Durchbrochen wird das durch Rückblenden in die Vergangenheit von Mayka und Álex. Die Liebe zwischen der älteren Frau und ihrem jüngeren Mann war irgendwo auf der Strecke geblieben. Álex hoffte auf einen Neuanfang mit Carla, auch wenn er dafür seine Ehefrau töten musste. Doch dann kam alles ganz anders...
Hier zu viel zu erzählen wäre gemein, also lasse ich es bei diesen Anmerkungen. Das Ende ist sowieso viel zu genial, um es zu verraten. Ein erneutes Anschauen des Films funktioniert aber trotzdem, auch wenn man das Ende schon kennt. Einiges macht zwar keinen Sinn mehr, aber insgesamt klappt das doch sehr gut.
Das Spielfilmdebüt von Oriol Paulo darf man getrost als sehr gelungen bezeichnen. Mit einer guten Story und hervorragenden Darstellern hat er hier einen Thriller geschaffen, der bis zum Ende fesselt. Dabei können besonders José Coronado und Belén Rueda überzeugen, während Hugo Silva zwar seine Rolle gut spielt, mich aber eher an eine Schlaftablette erinnert. Das hätte gerne ein bisschen lebhafter sein können. Egal, der Film ist gut und spannend, also bitte anschauen.
Il Futuro - Eine Lumpengeschichte in Rom
"Il Futuro - Eine Lumpengeschichte in Rom" ist ein Film von Alicia Scherson (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013 und beruht auf dem Roman "Lumpenroman" von Roberto Bolaño.
Die beiden Teenager Bianca (Manuela Martelli) und Tomas (Luigi Ciardo) sind nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Eltern auf sich allein gestellt. Sie leben weiterhin zusammen in der elterlichen Wohnung in Rom, wo gelegentlich eine Sozialarbeiterin nach ihnen sieht. Die wirtschaftliche Lage ist schlecht, das Geld wird immer knapper, also suchen sich die Geschwister eine Arbeit, die sie nach der Schule ausüben. Bianca jobbt als Aushilfe in einem Friseursalon, während ihr jüngerer Bruder Tomas in einem Fitness-Studio putzt.
Bianca kann nicht mehr schlafen, denn seit dem Unfall ihrer Eltern erscheinen ihr auch die Nächte hell wie am Tag. Die Wohnung versinkt immer mehr im Chaos, bis Tomas eines Tages zwei undurchsichtige junge Männer aus dem Fitness-Studio mit nach Hause bringt, die sich dort einnisten und den Haushalt wieder auf Vordermann bringen. Libio (Nicolas Vaporidis) und Boloñes (Alessandro Giallocosta), die beide mit Bianca schlafen, was aber nicht weiter thematisiert wird, haben einen Plan entwickelt, wie sie zu Geld kommen können. Dazu brauchen sie Biancas Hilfe, denn sie soll ihnen den Weg bereiten, um einen Tresor ausrauben zu können.
Die Zielperson ist der alternde Maciste (Rutger Hauer), ein früherer B-Movie-Star und Bodybuilder, der nach einem Unfall erblindet ist und nun allein in einer großen Villa lebt. Bianca wird als Prostituierte zu Maciste geschickt, doch nebenbei soll sie das Haus erkunden und den Tresor finden, in dem eine Menge Bargeld vermutet wird. Das gestaltet sich allerdings schwieriger als gedacht, denn zwischen Bianca und Maciste entwickelt sich eine zarte Liebesbeziehung und auch bei ihren Erkundungen des Hauses ist ihr der blinde Maciste scheinbar immer einen Schritt voraus.
Bianca lässt Maciste aus seinem Leben erzählen, taucht ein in eine Welt, die sie bisher nicht kannte und verliert ihr ursprüngliches Ziel immer mehr aus den Augen. Sie kümmert sich um den alten Mann, der seinerseits dem Leben wieder mehr abgewinnen kann. Beide profitieren voneinander, auch wenn es keine gemeinsame Zukunft geben wird. Am Ende ist Bianca reifer geworden und kann ihr Leben nun selbst in die Hände nehmen. Libio und Boloñes müssen die Wohnung verlassen, weil Bianca und Tomas nun allein zurechtkommen und keine krummen Geschäfte machen wollen. Sie haben eine Zukunft, auch wenn diese jetzt noch unklar erscheint.
Was für ein wunderbarer kleiner Film, der einem hier geboten wird. Toll und sehr sehenswert, aber wahrscheinlich nur für ein überschaubares Publikum. Ich finde ihn großartig, auch wenn gar nicht so viel passiert, aber die fabelhaften Bilder von Kameramann Ricardo DeAngelis sprechen für sich. Wenn dann noch beim Abspann der Song "Wing" von Patti Smith ertönt, dann lacht das Herz. Hier wurde alles richtig gemacht.
Neben der schönen jungen Manuela Martelli, die wirklich großartig spielt, ist es vor allen Dingen Rutger Hauer, der dem Film Nachdruck verleiht. Seine Darstellung des blinden alten Mannes und seine imposante Erscheinung passen hier einfach perfekt. Die Zärtlichkeit die er ausstrahlt, hätte man ihm gar nicht zugetraut, aber das macht für mich den Reiz dieser Rolle aus. Ganz toll gespielt.
Wie üblich eine große Empfehlung, wenn man auf Mainstream verzichten kann und Lust auf einen anderen Film hat, der nichts erklärt und das auch nicht muss.
Die beiden Teenager Bianca (Manuela Martelli) und Tomas (Luigi Ciardo) sind nach dem plötzlichen Unfalltod ihrer Eltern auf sich allein gestellt. Sie leben weiterhin zusammen in der elterlichen Wohnung in Rom, wo gelegentlich eine Sozialarbeiterin nach ihnen sieht. Die wirtschaftliche Lage ist schlecht, das Geld wird immer knapper, also suchen sich die Geschwister eine Arbeit, die sie nach der Schule ausüben. Bianca jobbt als Aushilfe in einem Friseursalon, während ihr jüngerer Bruder Tomas in einem Fitness-Studio putzt.
Bianca kann nicht mehr schlafen, denn seit dem Unfall ihrer Eltern erscheinen ihr auch die Nächte hell wie am Tag. Die Wohnung versinkt immer mehr im Chaos, bis Tomas eines Tages zwei undurchsichtige junge Männer aus dem Fitness-Studio mit nach Hause bringt, die sich dort einnisten und den Haushalt wieder auf Vordermann bringen. Libio (Nicolas Vaporidis) und Boloñes (Alessandro Giallocosta), die beide mit Bianca schlafen, was aber nicht weiter thematisiert wird, haben einen Plan entwickelt, wie sie zu Geld kommen können. Dazu brauchen sie Biancas Hilfe, denn sie soll ihnen den Weg bereiten, um einen Tresor ausrauben zu können.
Die Zielperson ist der alternde Maciste (Rutger Hauer), ein früherer B-Movie-Star und Bodybuilder, der nach einem Unfall erblindet ist und nun allein in einer großen Villa lebt. Bianca wird als Prostituierte zu Maciste geschickt, doch nebenbei soll sie das Haus erkunden und den Tresor finden, in dem eine Menge Bargeld vermutet wird. Das gestaltet sich allerdings schwieriger als gedacht, denn zwischen Bianca und Maciste entwickelt sich eine zarte Liebesbeziehung und auch bei ihren Erkundungen des Hauses ist ihr der blinde Maciste scheinbar immer einen Schritt voraus.
Bianca lässt Maciste aus seinem Leben erzählen, taucht ein in eine Welt, die sie bisher nicht kannte und verliert ihr ursprüngliches Ziel immer mehr aus den Augen. Sie kümmert sich um den alten Mann, der seinerseits dem Leben wieder mehr abgewinnen kann. Beide profitieren voneinander, auch wenn es keine gemeinsame Zukunft geben wird. Am Ende ist Bianca reifer geworden und kann ihr Leben nun selbst in die Hände nehmen. Libio und Boloñes müssen die Wohnung verlassen, weil Bianca und Tomas nun allein zurechtkommen und keine krummen Geschäfte machen wollen. Sie haben eine Zukunft, auch wenn diese jetzt noch unklar erscheint.
Was für ein wunderbarer kleiner Film, der einem hier geboten wird. Toll und sehr sehenswert, aber wahrscheinlich nur für ein überschaubares Publikum. Ich finde ihn großartig, auch wenn gar nicht so viel passiert, aber die fabelhaften Bilder von Kameramann Ricardo DeAngelis sprechen für sich. Wenn dann noch beim Abspann der Song "Wing" von Patti Smith ertönt, dann lacht das Herz. Hier wurde alles richtig gemacht.
Neben der schönen jungen Manuela Martelli, die wirklich großartig spielt, ist es vor allen Dingen Rutger Hauer, der dem Film Nachdruck verleiht. Seine Darstellung des blinden alten Mannes und seine imposante Erscheinung passen hier einfach perfekt. Die Zärtlichkeit die er ausstrahlt, hätte man ihm gar nicht zugetraut, aber das macht für mich den Reiz dieser Rolle aus. Ganz toll gespielt.
Wie üblich eine große Empfehlung, wenn man auf Mainstream verzichten kann und Lust auf einen anderen Film hat, der nichts erklärt und das auch nicht muss.
Sonntag, 1. Juni 2014
Test
"Test" ist ein Film von Chris Mason Johnson (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2013.
San Francisco, 1985. Der junge Frankie (Scott Marlowe) ist Mitglied einer erfolgreichen Modern Dance Company, auch wenn er hier vorerst nur als Ersatz fungiert. Es drängt ihn auf die Bühne und bald schon wird sein Traum wahr werden. Bis es soweit ist, muss er allerdings noch lernen, "wie ein Mann zu tanzen", so die Aussage seines Trainers Jerry (Chris Mason Johnson).
Frankies neueste und wichtigste Errungenschaft ist sein Walkman, der ihn überall hin begleitet. Durch ihn kann er abschalten und die Probleme um ihn herum für kurze Zeit vergessen. Aids hat Einzug in das Leben der Menschen gehalten und die Angst davor ist groß, ebenso wie die Unwissenheit über die Krankheit. Frankie fühlt sich zu seinem Kollegen Todd (Matthew Risch) hingezogen, der einen lockeren Lebensstil führt und nichts wirklich ernst nimmt. Bevor die beiden Freunde sich allerdings näher kommen, hat Frankie eine kurze Affäre mit dem etwas älteren Walt (Kristoffer Cusick), der jedoch wenig später positiv getestet wird und die Stadt verlässt.
Auch Frankie unterzieht sich diesem neuen Bluttest, dessen Ergebnis zwei lange Wochen auf sich warten lässt. In den Zeitungen wird darüber diskutiert, ob Schwule unter Quarantäne gestellt werden sollen, keine besonders angenehme Vorstellung und ein Zeichen dafür, wie viel Angst zu dieser Zeit in der Gesellschaft herrscht. Ein bisschen Humor gibt es aber auch, etwa wenn das erste Mal Kondome benutzt werden, die bis dahin eher keine Rolle beim Sex zwischen schwulen Männern gespielt haben.
Der gelernte Ballett-Tänzer Chris Mason Johnson erzählt in seinem kleinen und berührenden Film, der übrigens durch Crowdfunding finanziert wurde, eine Geschichte, die er wohl so oder ähnlich selbst erlebt haben könnte. Auf mich macht die Story jedenfalls den Eindruck, sehr persönlich zu sein. Wie auch immer, der Film ist sehr charmant, die Tänzer und ihre Choreographien sind ausgesprochen erotisch und der Soundtrack ist einfach genial.
Ein schöner Film, der den Zuschauer auf eine Zeitreise dreißig Jahre zurück in die Vergangenheit entführt. Sehr empfehlenswert und toll gespielt.
San Francisco, 1985. Der junge Frankie (Scott Marlowe) ist Mitglied einer erfolgreichen Modern Dance Company, auch wenn er hier vorerst nur als Ersatz fungiert. Es drängt ihn auf die Bühne und bald schon wird sein Traum wahr werden. Bis es soweit ist, muss er allerdings noch lernen, "wie ein Mann zu tanzen", so die Aussage seines Trainers Jerry (Chris Mason Johnson).
Frankies neueste und wichtigste Errungenschaft ist sein Walkman, der ihn überall hin begleitet. Durch ihn kann er abschalten und die Probleme um ihn herum für kurze Zeit vergessen. Aids hat Einzug in das Leben der Menschen gehalten und die Angst davor ist groß, ebenso wie die Unwissenheit über die Krankheit. Frankie fühlt sich zu seinem Kollegen Todd (Matthew Risch) hingezogen, der einen lockeren Lebensstil führt und nichts wirklich ernst nimmt. Bevor die beiden Freunde sich allerdings näher kommen, hat Frankie eine kurze Affäre mit dem etwas älteren Walt (Kristoffer Cusick), der jedoch wenig später positiv getestet wird und die Stadt verlässt.
Auch Frankie unterzieht sich diesem neuen Bluttest, dessen Ergebnis zwei lange Wochen auf sich warten lässt. In den Zeitungen wird darüber diskutiert, ob Schwule unter Quarantäne gestellt werden sollen, keine besonders angenehme Vorstellung und ein Zeichen dafür, wie viel Angst zu dieser Zeit in der Gesellschaft herrscht. Ein bisschen Humor gibt es aber auch, etwa wenn das erste Mal Kondome benutzt werden, die bis dahin eher keine Rolle beim Sex zwischen schwulen Männern gespielt haben.
Der gelernte Ballett-Tänzer Chris Mason Johnson erzählt in seinem kleinen und berührenden Film, der übrigens durch Crowdfunding finanziert wurde, eine Geschichte, die er wohl so oder ähnlich selbst erlebt haben könnte. Auf mich macht die Story jedenfalls den Eindruck, sehr persönlich zu sein. Wie auch immer, der Film ist sehr charmant, die Tänzer und ihre Choreographien sind ausgesprochen erotisch und der Soundtrack ist einfach genial.
Ein schöner Film, der den Zuschauer auf eine Zeitreise dreißig Jahre zurück in die Vergangenheit entführt. Sehr empfehlenswert und toll gespielt.
Sonntag, 25. Mai 2014
Any Day Now
"Any Day Now" ist ein Film von Travis Fine aus dem Jahr 2012. Das Drehbuch schrieb Fine zusammen mit George Arthur Bloom und beruht auf einer wahren Begebenheit.
West Hollywood, 1979. In einem Nachtclub tritt Rudy Donatello (Alan Cumming) regelmäßig als Drag Queen auf. Eines Abends bemerkt er bei seinem Auftritt einen schüchternen Mann im Zuschauerraum, mit dem er sich später noch treffen wird. Paul Fliger (Garret Dillahunt) ist geschieden, noch nicht geoutet und ein junger Rechtsanwalt, der im Büro des Staatsanwalts arbeitet. Rudy und Paul kommen sich schnell näher und die gegenseitige Anziehung zwischen den beiden scheinbar so verschiedenen Charakteren lässt sich nicht übersehen.
Als Rudys Nachbarin Marianna (Jamie Anne Allman) wegen Drogenbesitzes und Prostitution ins Gefängnis kommt, findet Rudy ihren vierzehnjährigen Sohn Marco (Isaac Leyva) allein in der Wohnung vor. Das Jugendamt steckt den Jungen, der am Down-Syndrom leidet, in ein Kinderheim, aus dem Marco aber in der Nacht wegläuft. Nur durch Zufall findet Rudy zusammen mit Paul den Jungen und will ihn bei sich aufnehmen. Sie besorgen sich die schriftliche Zustimmung von Marianna, um von nun an für Marco zu sorgen.
Rudy und Marco ziehen bei Paul ein, der Rudy als seinen Cousin ausgibt. Marco kommt auf eine Schule, die sich auf Kinder mit Behinderungen spezialisiert hat und er blüht zusehends auf. Es vergeht ein Jahr, in dem Rudy und Paul sich liebevoll um Marco kümmern und Rudy an seinem Traum, als Sänger aufzutreten arbeiten kann. Doch plötzlich ziehen dunkle Wolken auf, denn das Paar wird von vielen Menschen einfach nicht akzeptiert. Ein schwules Liebespaar will ein Kind aufziehen? Da steckt man das behinderte Kind eher in ein Heim, als es in liebevoller Obhut zu wissen. Geht es hier um das Wohl des Kindes? Nein, natürlich nicht. Die verlogene Gesellschaft kann halt nur nicht akzeptieren, was sie nicht versteht.
Paul und Rudy müssen vor Gericht einen aussichtslosen Kampf führen, in dem ihnen von allen Seiten Steine in den Weg gelegt werden. Dabei ist besonders erschreckend, wie viel Hass und Niedertracht ihnen währenddessen begegnet. Und in all diesem Schlamassel bleibt Marco auf der Strecke...
Achtung, Taschentuchalarm. Am Ende bleibt wohl kein Auge trocken, weil die Story doch sehr bewegend ist. Vielleicht haben heute nicht mehr ganz so viele Menschen ein Brett vorm Kopf wie noch vor über dreißig Jahren, aber es sind immer noch zu viele, die ihren Hass auf alles, was nicht ihren spießigen Vorstellungen entspricht, lauthals zum Ausdruck bringen müssen. Insofern ist der Film verdammt aktuell, auch wenn er Ende der Siebziger Jahre spielt.
Gespielt ist er übrigens ganz großartig, allein schon die Darstellung von Alan Cumming ist absolut sehenswert. Neben Garret Dillahunt und Isaac Leyva, die ebenfalls toll sind, kann man in den Nebenrollen noch Frances Fisher, Gregg Henry, Alan Rachins und Michael Nouri bewundern. Ausstattung und Musik sind exzellent gewählt, hier passt alles zusammen.
Die DVD ist als UK-Import zu bekommen, eine deutsche Veröffentlichung scheint mir eher unwahrscheinlich zu sein. Schade, denn der Film ist sehr gelungen und absolut sehenswert. Klare Empfehlung.
West Hollywood, 1979. In einem Nachtclub tritt Rudy Donatello (Alan Cumming) regelmäßig als Drag Queen auf. Eines Abends bemerkt er bei seinem Auftritt einen schüchternen Mann im Zuschauerraum, mit dem er sich später noch treffen wird. Paul Fliger (Garret Dillahunt) ist geschieden, noch nicht geoutet und ein junger Rechtsanwalt, der im Büro des Staatsanwalts arbeitet. Rudy und Paul kommen sich schnell näher und die gegenseitige Anziehung zwischen den beiden scheinbar so verschiedenen Charakteren lässt sich nicht übersehen.
Als Rudys Nachbarin Marianna (Jamie Anne Allman) wegen Drogenbesitzes und Prostitution ins Gefängnis kommt, findet Rudy ihren vierzehnjährigen Sohn Marco (Isaac Leyva) allein in der Wohnung vor. Das Jugendamt steckt den Jungen, der am Down-Syndrom leidet, in ein Kinderheim, aus dem Marco aber in der Nacht wegläuft. Nur durch Zufall findet Rudy zusammen mit Paul den Jungen und will ihn bei sich aufnehmen. Sie besorgen sich die schriftliche Zustimmung von Marianna, um von nun an für Marco zu sorgen.
Rudy und Marco ziehen bei Paul ein, der Rudy als seinen Cousin ausgibt. Marco kommt auf eine Schule, die sich auf Kinder mit Behinderungen spezialisiert hat und er blüht zusehends auf. Es vergeht ein Jahr, in dem Rudy und Paul sich liebevoll um Marco kümmern und Rudy an seinem Traum, als Sänger aufzutreten arbeiten kann. Doch plötzlich ziehen dunkle Wolken auf, denn das Paar wird von vielen Menschen einfach nicht akzeptiert. Ein schwules Liebespaar will ein Kind aufziehen? Da steckt man das behinderte Kind eher in ein Heim, als es in liebevoller Obhut zu wissen. Geht es hier um das Wohl des Kindes? Nein, natürlich nicht. Die verlogene Gesellschaft kann halt nur nicht akzeptieren, was sie nicht versteht.
Paul und Rudy müssen vor Gericht einen aussichtslosen Kampf führen, in dem ihnen von allen Seiten Steine in den Weg gelegt werden. Dabei ist besonders erschreckend, wie viel Hass und Niedertracht ihnen währenddessen begegnet. Und in all diesem Schlamassel bleibt Marco auf der Strecke...
Achtung, Taschentuchalarm. Am Ende bleibt wohl kein Auge trocken, weil die Story doch sehr bewegend ist. Vielleicht haben heute nicht mehr ganz so viele Menschen ein Brett vorm Kopf wie noch vor über dreißig Jahren, aber es sind immer noch zu viele, die ihren Hass auf alles, was nicht ihren spießigen Vorstellungen entspricht, lauthals zum Ausdruck bringen müssen. Insofern ist der Film verdammt aktuell, auch wenn er Ende der Siebziger Jahre spielt.
Gespielt ist er übrigens ganz großartig, allein schon die Darstellung von Alan Cumming ist absolut sehenswert. Neben Garret Dillahunt und Isaac Leyva, die ebenfalls toll sind, kann man in den Nebenrollen noch Frances Fisher, Gregg Henry, Alan Rachins und Michael Nouri bewundern. Ausstattung und Musik sind exzellent gewählt, hier passt alles zusammen.
Die DVD ist als UK-Import zu bekommen, eine deutsche Veröffentlichung scheint mir eher unwahrscheinlich zu sein. Schade, denn der Film ist sehr gelungen und absolut sehenswert. Klare Empfehlung.
Sonntag, 18. Mai 2014
Tabu
"Tabu - Eine Geschichte von Liebe und Schuld" ist ein Film von Miguel Gomes aus dem Jahr 2012. Das Drehbuch schrieb Gomes zusammen mit Mariana Ricardo.
Am Anfang ist die Rede von einem melancholischen Krokodil und wer sich hier schon unbehaglich fühlt, der hat noch Zeit zu gehen. Aber eigentlich ist alles ganz anders, ein trauriger Mann läuft durch Afrika, seine geliebte Frau ist gestorben und ihn hält nichts mehr am Leben. So geht er in den Fluss, wo das Krokodil schon auf ihn wartet. Später, so erfährt man, wird das Krokodil zusammen mit der verstorbenen Frau zu sehen sein, sie sitzen einträchtig nebeneinander. Doch das ist nur ein Film, den sich Pilar (Teresa Madruga) im Kino anschaut.
So beginnt der erste Teil des Films, der mit "Das verlorene Paradies" überschrieben ist. Pilar lebt in Lissabon, Tür an Tür mit der alten Aurora (Laura Soveral), die mit ihrer farbigen Haushälterin Santa (Isabel Cardoso) zusammen lebt. Pilar ist sozial engagiert und kümmert sich auch um ihre Nachbarin, die gerne ihr Geld im Spielcasino ausgibt und nur selten Besuch von ihrer einzigen Tochter bekommt. Die alte Frau ist zunehmend verwirrt, verdächtigt ihre Haushälterin, sie zu verhexen und sucht Hilfe bei Pilar.
Als Aurora ins Krankenhaus eingeliefert wird und im Sterben liegt, bittet sie Pilar darum, einen Mann namens Gian Luca Ventura (Henrique Espirito Santo) zu benachrichtigen. Sie verstirbt jedoch, bevor Gian Luca sie erreichen kann. Der alte Mann hat aber eine Geschichte zu erzählen, der Pilar und Santa gespannt zuhören und die direkt in den zweiten Teil des Films übergeht. "Aurora hatte eine Farm in Afrika, am Fuße des Monte Tabu".
"Das Paradies" spielt in Afrika, Ende der Fünfziger Jahre in der Kolonialzeit. Die junge Aurora (Ana Moreira) lebt sorglos in den Tag hinein und muss sich nach dem Tod ihres Vaters allein um die Farm kümmern. Sie sucht sich einen stattlichen Ehemann (Ivo Müller) aus, der ihr zwar haufenweise Geschenke macht, aber oft abwesend ist. Eines der Geschenke ist ein kleines Krokodil, das später noch oft eine Rolle spielen wird. Aurora lernt den jungen und sehr attraktiven Abenteurer Gian Luca Ventura (Carloto Cotta) kennen und zwischen ihnen entsteht eine Liebesbeziehung die auch andauert, als Aurora von ihrem Ehemann bereits schwanger ist.
Obwohl Aurora und Gian Luca sich für Monate trennen, bleibt ihre verbotene Liebe bestehen. Die inzwischen hochschwangere Aurora will mit ihrem Geliebten fliehen, doch auf ihrer Flucht stellt sich ihnen ein Freund von Gian Luca in den Weg. Aurora bringt ein Mädchen zur Welt und ein Mann ist zu beklagen, dessen Tod alles ändern wird. Aurora und Gian Luca müssen sich trennen und werden sich niemals wiedersehen.
Der Film ist komplett in Schwarz-Weiß gedreht, was hier sehr gut passt. Der zweite Teil läuft dann auch noch als Stummfilm, in dem nur Geräusche zu hören sind, aber keine Dialoge. Die Stimme des alten Gian Luca erzählt die Geschichte, die man als Zuschauer verfolgen kann. Dieses Melodram erinnert nicht nur vom Titel her an Friedrich Wilhelm Murnaus letzten Film "Tabu" aus dem Jahr 1931. Auch hier ist die exotische Kulisse Schauplatz einer tragischen Liebe, die nicht sein darf. Wer Murnaus Film nicht kennt, dem sei auch dieser sehr empfohlen. Doch bleiben wir bei dem Film von Miguel Gomes, der sich nicht scheut, ungewöhnliche Stilmittel aufzugreifen und damit sehr überzeugen kann.
Was soll ich sagen? Kein Film für jeden Geschmack, aber ein echtes Highlight. Viel gewagt und viel gewonnen. Schön, dass es so etwas noch gibt. Sehr empfehlenswert.
Am Anfang ist die Rede von einem melancholischen Krokodil und wer sich hier schon unbehaglich fühlt, der hat noch Zeit zu gehen. Aber eigentlich ist alles ganz anders, ein trauriger Mann läuft durch Afrika, seine geliebte Frau ist gestorben und ihn hält nichts mehr am Leben. So geht er in den Fluss, wo das Krokodil schon auf ihn wartet. Später, so erfährt man, wird das Krokodil zusammen mit der verstorbenen Frau zu sehen sein, sie sitzen einträchtig nebeneinander. Doch das ist nur ein Film, den sich Pilar (Teresa Madruga) im Kino anschaut.
So beginnt der erste Teil des Films, der mit "Das verlorene Paradies" überschrieben ist. Pilar lebt in Lissabon, Tür an Tür mit der alten Aurora (Laura Soveral), die mit ihrer farbigen Haushälterin Santa (Isabel Cardoso) zusammen lebt. Pilar ist sozial engagiert und kümmert sich auch um ihre Nachbarin, die gerne ihr Geld im Spielcasino ausgibt und nur selten Besuch von ihrer einzigen Tochter bekommt. Die alte Frau ist zunehmend verwirrt, verdächtigt ihre Haushälterin, sie zu verhexen und sucht Hilfe bei Pilar.
Als Aurora ins Krankenhaus eingeliefert wird und im Sterben liegt, bittet sie Pilar darum, einen Mann namens Gian Luca Ventura (Henrique Espirito Santo) zu benachrichtigen. Sie verstirbt jedoch, bevor Gian Luca sie erreichen kann. Der alte Mann hat aber eine Geschichte zu erzählen, der Pilar und Santa gespannt zuhören und die direkt in den zweiten Teil des Films übergeht. "Aurora hatte eine Farm in Afrika, am Fuße des Monte Tabu".
"Das Paradies" spielt in Afrika, Ende der Fünfziger Jahre in der Kolonialzeit. Die junge Aurora (Ana Moreira) lebt sorglos in den Tag hinein und muss sich nach dem Tod ihres Vaters allein um die Farm kümmern. Sie sucht sich einen stattlichen Ehemann (Ivo Müller) aus, der ihr zwar haufenweise Geschenke macht, aber oft abwesend ist. Eines der Geschenke ist ein kleines Krokodil, das später noch oft eine Rolle spielen wird. Aurora lernt den jungen und sehr attraktiven Abenteurer Gian Luca Ventura (Carloto Cotta) kennen und zwischen ihnen entsteht eine Liebesbeziehung die auch andauert, als Aurora von ihrem Ehemann bereits schwanger ist.
Obwohl Aurora und Gian Luca sich für Monate trennen, bleibt ihre verbotene Liebe bestehen. Die inzwischen hochschwangere Aurora will mit ihrem Geliebten fliehen, doch auf ihrer Flucht stellt sich ihnen ein Freund von Gian Luca in den Weg. Aurora bringt ein Mädchen zur Welt und ein Mann ist zu beklagen, dessen Tod alles ändern wird. Aurora und Gian Luca müssen sich trennen und werden sich niemals wiedersehen.
Der Film ist komplett in Schwarz-Weiß gedreht, was hier sehr gut passt. Der zweite Teil läuft dann auch noch als Stummfilm, in dem nur Geräusche zu hören sind, aber keine Dialoge. Die Stimme des alten Gian Luca erzählt die Geschichte, die man als Zuschauer verfolgen kann. Dieses Melodram erinnert nicht nur vom Titel her an Friedrich Wilhelm Murnaus letzten Film "Tabu" aus dem Jahr 1931. Auch hier ist die exotische Kulisse Schauplatz einer tragischen Liebe, die nicht sein darf. Wer Murnaus Film nicht kennt, dem sei auch dieser sehr empfohlen. Doch bleiben wir bei dem Film von Miguel Gomes, der sich nicht scheut, ungewöhnliche Stilmittel aufzugreifen und damit sehr überzeugen kann.
Was soll ich sagen? Kein Film für jeden Geschmack, aber ein echtes Highlight. Viel gewagt und viel gewonnen. Schön, dass es so etwas noch gibt. Sehr empfehlenswert.
Hurensohn
"Hurensohn" ist ein Film von Michael Sturminger (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2004 und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Gabriel Loidolt. Michael Glawogger hat am Drehbuch mitgearbeitet und Jürgen Jürges war der Kameramann.
Die junge Silvija (Chulpan Khamatova) ist aus Jugoslawien nach Wien gekommen, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben dort. Doch nun, es ist das Jahr 1980, sitzt sie allein mit ihrem kleinen Sohn Ozren da, nachdem sie sich vom Vater des Kindes im Streit getrennt hat. Aber Silvija lässt sich nicht unterkriegen, sie ist fest entschlossen, allein für sich und ihren Sohn zu sorgen. Sie arbeitet als Prostituierte, was für sie nie ein Problem darstellt, und sie verdient damit genug, um auf eigenen Beinen zu stehen.
Die Jahre vergehen, Ozren wächst heran und wird von seiner Mutter vergöttert. Wenn sie zur Arbeit geht, kümmern sich ihre verwitwete Schwester Ljiljana (Ina Gogálová) oder ihr Onkel Ante (Miki Manojlovic) um den Jungen. Die Kleinfamilie funktioniert perfekt und alle lieben den kleinen Ozren, der behütet aufwächst. Irgendwann nennt ihn jemand Hurensohn und Ozren kann mit diesem Wort nichts anfangen. Die verlegenen Erklärungsversuche von Onkel Ante helfen ihm auch nicht weiter, aber bald schon werden ihm andere Mitmenschen erklären, dass seine Mutter eben doch keine Kellnerin ist, wie sie ihm immer gesagt hat. Der kleine Ozren begreift immer noch nichts, bis ihm Peppi (Georg Friedrich), der im Nachtclub um die Ecke als "Mädchen für alles" arbeitet, auf die Sprünge hilft und ihn einen Blick in den Puff werfen lässt.
Als Ozren (Stanislav Lisnic) sechzehn Jahre alt ist, zieht Silvija aus der gemeinsamen Wohnung aus. Sie hat sich zu einer Edel-Prostituierten hochgearbeitet und empfängt ihre wohlhabenden Kunden nun in einer eigenen Wohnung. Tante Ljiljana und Onkel Ante sind wie immer für Ozren da, während sich Silvija nur selten sehen lässt, dann aber immer mit teuren Geschenken erscheint. Ozren arbeitet nun an Peppis Seite im Nachtclub als Hausmeister, was zu einem Streit mit seiner Mutter führt. Er soll sich nicht mit den gewöhnlichen Huren abgeben, doch gleichzeitig schließt sie ihn aus ihrem Leben aus.
Ozren will seine Mutter mit einem Geburtstagsgeschenk überraschen und sie besuchen, doch ihre Adresse hat sie vor ihm geheim gehalten. Er findet sie trotzdem nach einigen Anläufen heraus, zieht seine besten Sachen an und fährt mit dem Geschenk zu Silvija, die gerade einen Kunden erwartet und sorglos die Tür öffnet. Das Treffen endet in einer Tragödie.
Das ist mal wieder so eine kleine Filmperle aus Österreich, die man nicht verpassen sollte, die aber wohl leider viel zu unbekannt ist. Schade, denn diese ungewöhnliche Story um eine Liebe zwischen Mutter und Sohn, die unter widrigen Umständen spielt, ist absolut sehenswert. Die Atmosphäre ist glänzend eingefangen und erinnert durchaus an Fassbinder-Filme.
Die Schauspieler sind hervorragend besetzt, auch in den kleinen Rollen. Die schöne Chulpan Khamatova, der junge Stanislav Lisnic und auch der wunderbare Miki Manojlovic gehen in ihren Rollen auf und begeistern das Publikum. Georg Friedrich ist wie immer die einzig denkbare Besetzung als Peppi und einfach grandios. In einer Nebenrolle als Hure ist auch noch die wunderbare Maria Hofstätter zu erleben.
Hier passt alles zusammen, die Darsteller, die Geschichte, die Ausstattung und die Musik. Große Empfehlung von mir für diesen kleinen, zu Herzen gehenden, schönen und auch traurigen Film.
Die junge Silvija (Chulpan Khamatova) ist aus Jugoslawien nach Wien gekommen, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben dort. Doch nun, es ist das Jahr 1980, sitzt sie allein mit ihrem kleinen Sohn Ozren da, nachdem sie sich vom Vater des Kindes im Streit getrennt hat. Aber Silvija lässt sich nicht unterkriegen, sie ist fest entschlossen, allein für sich und ihren Sohn zu sorgen. Sie arbeitet als Prostituierte, was für sie nie ein Problem darstellt, und sie verdient damit genug, um auf eigenen Beinen zu stehen.
Die Jahre vergehen, Ozren wächst heran und wird von seiner Mutter vergöttert. Wenn sie zur Arbeit geht, kümmern sich ihre verwitwete Schwester Ljiljana (Ina Gogálová) oder ihr Onkel Ante (Miki Manojlovic) um den Jungen. Die Kleinfamilie funktioniert perfekt und alle lieben den kleinen Ozren, der behütet aufwächst. Irgendwann nennt ihn jemand Hurensohn und Ozren kann mit diesem Wort nichts anfangen. Die verlegenen Erklärungsversuche von Onkel Ante helfen ihm auch nicht weiter, aber bald schon werden ihm andere Mitmenschen erklären, dass seine Mutter eben doch keine Kellnerin ist, wie sie ihm immer gesagt hat. Der kleine Ozren begreift immer noch nichts, bis ihm Peppi (Georg Friedrich), der im Nachtclub um die Ecke als "Mädchen für alles" arbeitet, auf die Sprünge hilft und ihn einen Blick in den Puff werfen lässt.
Als Ozren (Stanislav Lisnic) sechzehn Jahre alt ist, zieht Silvija aus der gemeinsamen Wohnung aus. Sie hat sich zu einer Edel-Prostituierten hochgearbeitet und empfängt ihre wohlhabenden Kunden nun in einer eigenen Wohnung. Tante Ljiljana und Onkel Ante sind wie immer für Ozren da, während sich Silvija nur selten sehen lässt, dann aber immer mit teuren Geschenken erscheint. Ozren arbeitet nun an Peppis Seite im Nachtclub als Hausmeister, was zu einem Streit mit seiner Mutter führt. Er soll sich nicht mit den gewöhnlichen Huren abgeben, doch gleichzeitig schließt sie ihn aus ihrem Leben aus.
Ozren will seine Mutter mit einem Geburtstagsgeschenk überraschen und sie besuchen, doch ihre Adresse hat sie vor ihm geheim gehalten. Er findet sie trotzdem nach einigen Anläufen heraus, zieht seine besten Sachen an und fährt mit dem Geschenk zu Silvija, die gerade einen Kunden erwartet und sorglos die Tür öffnet. Das Treffen endet in einer Tragödie.
Das ist mal wieder so eine kleine Filmperle aus Österreich, die man nicht verpassen sollte, die aber wohl leider viel zu unbekannt ist. Schade, denn diese ungewöhnliche Story um eine Liebe zwischen Mutter und Sohn, die unter widrigen Umständen spielt, ist absolut sehenswert. Die Atmosphäre ist glänzend eingefangen und erinnert durchaus an Fassbinder-Filme.
Die Schauspieler sind hervorragend besetzt, auch in den kleinen Rollen. Die schöne Chulpan Khamatova, der junge Stanislav Lisnic und auch der wunderbare Miki Manojlovic gehen in ihren Rollen auf und begeistern das Publikum. Georg Friedrich ist wie immer die einzig denkbare Besetzung als Peppi und einfach grandios. In einer Nebenrolle als Hure ist auch noch die wunderbare Maria Hofstätter zu erleben.
Hier passt alles zusammen, die Darsteller, die Geschichte, die Ausstattung und die Musik. Große Empfehlung von mir für diesen kleinen, zu Herzen gehenden, schönen und auch traurigen Film.
Samstag, 17. Mai 2014
Atmen
"Atmen" ist ein Film von Karl Markovics (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2011 und gleichzeitig sein Regiedebüt. Kameramann war hier Martin Gschlacht.
Die Hauptfigur ist der neunzehnjährige Roman Kogler (Thomas Schubert), der eine fünfjährige Haftstrafe in einer Jugendstrafanstalt verbüßt. Der schweigsame und scheue junge Mann steht kurz vor einer Anhörung, durch die er aus der Haft entlassen werden könnte, doch will er das auch wirklich? Der Zuschauer erfährt nur langsam, was eigentlich mit Roman los ist, warum er im Alter von nur vierzehn Jahren verurteilt wurde und wie seine Vorgeschichte ist. Man muss sich hier auf eine sehr ruhig erzählte Geschichte einlassen, die aber immer dichter wird, je mehr man über Romans Leben erfährt.
Romans Mutter (Karin Lischka) übergab ihren Sohn noch als Baby dem Jugendamt und verschwand aus seinem Leben. In Kinder- und Jugendheimen aufgewachsen, ohne eine feste Bezugsperson, ist aus Roman ein Einzelgänger geworden, der sich nicht in der Gesellschaft auskennt. Die Aussicht auf ein Leben in Freiheit macht ihm Angst. Sein Bewährungshelfer Walter Fakler (Gerhard Liebmann) fordert ihn auf, sich eine Anstellung zu besorgen. Mit wenig Interesse bewirbt er sich bei der Bestattung Wien und wird angenommen. Was nach einem völligen Fehlschlag klingt, wird für Roman die Chance seines Lebens, denn im Umgang mit den Toten und den zuerst noch unfreundlichen Kollegen, wird aus dem schüchternen jungen Mann ein freier Mensch, der sich endlich seiner Vergangenheit stellen kann.
Roman begibt sich auf die Suche nach seiner Mutter. Er will von ihr wissen, warum sie ihn weggegeben hat. Ihre Antworten auf seine Fragen machen Roman klar, was in seinem Leben falsch gelaufen ist und erklären sein Handeln. Endlich kann er verstehen was passiert ist, warum er manchmal keine Luft bekommt und mit diesem Wissen seine Zukunft planen.
Ich will hier nicht weiter ins Detail gehen, dazu ist der Film viel zu gut, das muss sich jeder interessierte Zuschauer selbst ansehen. In ruhigen und unaufgeregten Bildern erzählt Karl Markovics hier die Geschichte eines jungen Mannes, die zu Herzen geht und fesselt. Kameramann Martin Gschlacht findet dafür wunderbare Bilder, die unter die Haut gehen.
Der junge Thomas Schubert ist grandios in seiner Rolle, er spricht zwar kaum, aber er kann allein durch Blicke seiner Figur eine enorme Tiefe verleihen. Was für eine Leistung, sehr außergewöhnlich und bemerkenswert. Neben den anderen wirklich guten Darstellern möchte ich noch besonders den wie immer unvergleichlichen Georg Friedrich erwähnen, der hier als Arbeitskollege Rudolf Kienast erst ein ziemliches Ekel ist und sich später als wahrer Freund erweist. Niemand kann das so gut darstellen wie er.
Also wer auf Action verzichten kann und Lust auf einen sehr guten Film hat, bitte sehr. "Atmen" ist für mich einer der besten Filme der letzten Jahre und ein weiterer Beweis dafür, dass Österreich wirklich begnadete Filmemacher hat. Ganz große Empfehlung.
Die Hauptfigur ist der neunzehnjährige Roman Kogler (Thomas Schubert), der eine fünfjährige Haftstrafe in einer Jugendstrafanstalt verbüßt. Der schweigsame und scheue junge Mann steht kurz vor einer Anhörung, durch die er aus der Haft entlassen werden könnte, doch will er das auch wirklich? Der Zuschauer erfährt nur langsam, was eigentlich mit Roman los ist, warum er im Alter von nur vierzehn Jahren verurteilt wurde und wie seine Vorgeschichte ist. Man muss sich hier auf eine sehr ruhig erzählte Geschichte einlassen, die aber immer dichter wird, je mehr man über Romans Leben erfährt.
Romans Mutter (Karin Lischka) übergab ihren Sohn noch als Baby dem Jugendamt und verschwand aus seinem Leben. In Kinder- und Jugendheimen aufgewachsen, ohne eine feste Bezugsperson, ist aus Roman ein Einzelgänger geworden, der sich nicht in der Gesellschaft auskennt. Die Aussicht auf ein Leben in Freiheit macht ihm Angst. Sein Bewährungshelfer Walter Fakler (Gerhard Liebmann) fordert ihn auf, sich eine Anstellung zu besorgen. Mit wenig Interesse bewirbt er sich bei der Bestattung Wien und wird angenommen. Was nach einem völligen Fehlschlag klingt, wird für Roman die Chance seines Lebens, denn im Umgang mit den Toten und den zuerst noch unfreundlichen Kollegen, wird aus dem schüchternen jungen Mann ein freier Mensch, der sich endlich seiner Vergangenheit stellen kann.
Roman begibt sich auf die Suche nach seiner Mutter. Er will von ihr wissen, warum sie ihn weggegeben hat. Ihre Antworten auf seine Fragen machen Roman klar, was in seinem Leben falsch gelaufen ist und erklären sein Handeln. Endlich kann er verstehen was passiert ist, warum er manchmal keine Luft bekommt und mit diesem Wissen seine Zukunft planen.
Ich will hier nicht weiter ins Detail gehen, dazu ist der Film viel zu gut, das muss sich jeder interessierte Zuschauer selbst ansehen. In ruhigen und unaufgeregten Bildern erzählt Karl Markovics hier die Geschichte eines jungen Mannes, die zu Herzen geht und fesselt. Kameramann Martin Gschlacht findet dafür wunderbare Bilder, die unter die Haut gehen.
Der junge Thomas Schubert ist grandios in seiner Rolle, er spricht zwar kaum, aber er kann allein durch Blicke seiner Figur eine enorme Tiefe verleihen. Was für eine Leistung, sehr außergewöhnlich und bemerkenswert. Neben den anderen wirklich guten Darstellern möchte ich noch besonders den wie immer unvergleichlichen Georg Friedrich erwähnen, der hier als Arbeitskollege Rudolf Kienast erst ein ziemliches Ekel ist und sich später als wahrer Freund erweist. Niemand kann das so gut darstellen wie er.
Also wer auf Action verzichten kann und Lust auf einen sehr guten Film hat, bitte sehr. "Atmen" ist für mich einer der besten Filme der letzten Jahre und ein weiterer Beweis dafür, dass Österreich wirklich begnadete Filmemacher hat. Ganz große Empfehlung.
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