"Miral" ist ein Film von Julian Schnabel aus dem Jahr 2010. Das Drehbuch stammt von Rula Jebreal und beruht auf ihrem eigenen Roman.
Beruhend auf wahren Begebenheiten erzählen der Roman, ebenso wie der Film die Geschichten von vier Frauen in einem Zeitraum von fünfzig Jahren. Hintergrund aller Geschichten ist der ständige Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern.
Im Jahr 1948 gründet Hind Husseini (Hiam Abbass) in Ost-Jerusalem ein Waisenhaus, das "Dar-Al-Tifl". Erst sind es 55 Kinder, später werden es weit über 1000 sein. Hind will den Kindern eine gute Erziehung und eine gute Ausbildung bieten. Im weiteren Verlauf erzählt der Film von Nadia, die jahrelang innerhalb der eigenen Familie missbraucht wurde und von Fatima, die Nadia im Gefängnis kennenlernt. Als Nadia aus dem Gefängnis kommt, heiratet sie Jamal (Alexander Siddig). Was für sie eine reine Vernunftehe ist, bedeutet für ihn wahre Liebe. Als die gemeinsame Tochter Miral zehn Jahre alt ist, begeht die labile Nadia Selbstmord. Jamal bringt seine Tochter daraufhin in das Waisenhaus von Hind, wo sie von nun an unter der Woche untergebracht ist.
Die erwachsene Miral (Freida Pinto) lernt den Politaktivisten Hani (Omar Metwally) kennen und lieben und zieht sich damit den Zorn von Hind und auch von Jamal zu, die ihr beide raten, sich aus politischen Dingen herauszuhalten. Aus Liebe zu Hani begibt sich Miral in Gefahr und muss dafür büßen, seelisch und körperlich. Doch ihr Weg führt sie immer wieder nach Hause zurück, sowohl zu Hind, als auch zu ihrem Vater Jamal.
Bei aller Liebe, aber das ist alles so schwülstig und kitschig, dass ich mehrfach mit den Augen gerollt habe. Es ist ja alles sehr gut gemeint, aber auch sehr anstrengend und mit knapp zwei Stunden definitiv zu lang. Die Musikuntermalung ist auch zu verkitscht und ebenso hart an der Schmerzgrenze wie auch die ganzen Bilder des Films. Ich will hier aber nicht eine weitere schlechte Kritik über dieses Werk schreiben, denn eigentlich mag ich Julian Schnabel und seine Filme ganz gern. Deshalb möchte ich besonders auf die Extras hinweisen, denn da gibt es noch sehenswerte und interessante Interviews mit Julian Schnabel (wie üblich im Pyjama) und Rula Jebreal, die alles wieder ein bisschen aufwerten.
An den Darstellern gibt es nichts auszusetzen, Freida Pinto und Hiam Abbass machen ihre Sache recht gut, wie auch der Rest der Besetzung. Willem Dafoe und Vanessa Redgrave sind nur zu Beginn ganz kurz zu sehen und wurden wohl hauptsächlich wegen ihrer Namen engagiert. Egal, sie sind immer sehenswert.
Insgesamt gesehen ein Film, der schwierig zu beurteilen ist. Das Thema ist natürlich immer noch aktuell und eine politische und vor allen Dingen zufriedenstellende Lösung gibt es auch heute noch nicht, aber mir war es alles in allem einfach zu einseitig und schwülstig. Ich würde gerne etwas anderes schreiben, aber ich gebe hier nur eine eingeschränkte Empfehlung.
Samstag, 11. Juni 2011
Freitag, 10. Juni 2011
Black Swan
"Black Swan" ist ein Film von Darren Aronofsky aus dem Jahr 2010. Das Drehbuch stammt von Andres Heinz und Mark Heyman.
Die junge und ehrgeizige Ballerina Nina (Natalie Portman) tanzt in einem New Yorker Ballettensemble und hofft auf die Hauptrolle in dem nächsten Stück, einer Neuaufführung von Tschaikowskis "Schwanensee". Der Choreograph Thomas (Vincent Cassel) möchte, dass die Hauptrolle die gleichzeitig den guten weißen Schwan und auch den bösen schwarzen Schwan darstellt, von ein und derselben Tänzerin verkörpert wird. Nina ist seine erste Wahl für den weißen Schwan, aber für die Darstellung des schwarzen Schwans fehlt es ihr seiner Meinung nach an Leidenschaft und Verführungskunst. Als die junge Tänzerin Lily (Mila Kunis) zum Ensemble kommt, sieht Nina in ihr sofort die Konkurrentin, denn Lily besitzt alle Eigenschaften, die der schwarze Schwan haben muss.
Nina lebt noch bei ihrer Mutter (Barbara Hershey), die einst selbst Tänzerin war und ihren Traum von einer Karriere aufgeben musste, als sie schwanger wurde. Nun hat sie sich zu einer Art Übermutter entwickelt und setzt alles daran, dass ihre Tochter den Weg geht, der ihr verschlossen blieb. Nina wird von ihr völlig vereinnahmt, lebt in einem pinkfarbigen Kinderzimmer mit lauter Stofftieren und unter ständiger Kontrolle. Doch nun muss sie sich das erste Mal in ihrem Leben richtig beweisen und aus sich herausgehen, um die Rolle ihres Lebens spielen zu können.
Hin- und hergerissen zwischen den Wünschen der Mutter und den Anforderungen von Thomas beginnt Nina zu halluzinieren, ihre sexuellen Fantasien zu erforschen und kann bald Traum und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden. Ihr entschiedener Drang zur Perfektion führt sie nicht nur an ihre Grenzen, sondern noch weit darüber hinaus, bis zum bitteren Ende.
Darren Aronofsky hat hier einen ziemlich perfekten Psychothriller hingelegt, der von Anfang bis Ende spannend erzählt ist und in wunderbaren, teils düsteren Bildern daherkommt. Atemlos verfolgt man Ninas Handeln und ihre Wandlung in einen schwarzen Schwan, wohl wissend, dass es böse ausgehen wird und sie eigentlich keine Chance hat, lebend aus dieser Geschichte herauszukommen. Ihr eigener Ehrgeiz und der ihrer Mutter haben sie schon früh zu einem Opfer gemacht. Die Entdeckung ihrer Sexualität kommt für sie zu spät und kann sie nicht mehr retten, ihr droht das gleiche Schicksal wie der erst kürzlich ausgemusterten Ballerina Beth (Winona Ryder), die sich quasi schon vom Leben verabschiedet hat.
Die Darsteller sind allesamt hervorragend, wobei besonders Natalie Portman zu erwähnen ist, die für diese Rolle völlig zu Recht den "Oscar" bekommen hat und sich hier die Seele aus dem Körper tanzt und spielt. An ihrer Seite brillieren noch Vincent Cassel, Barbara Hershey und Mila Kunis, die den Film wirklich sehenswert machen. Winona Ryder hat zwar nur eine kleine Rolle, ist aber ebenfalls erwähnenswert. Insgesamt gesehen ein schmerzhafter Film, der einen mitleiden und mitbluten lässt, was nicht immer schön, aber auf jeden Fall sehr stark ist. Der Horror ist hier ganz greifbar, aber man kann sich ihm nicht entziehen. Ganz großes Kino und wirklich sehr empfehlenswert. Und wer bis jetzt noch kein Fan von Natalie Portman war, der ist spätestens jetzt bekehrt, jede Wette.
Die junge und ehrgeizige Ballerina Nina (Natalie Portman) tanzt in einem New Yorker Ballettensemble und hofft auf die Hauptrolle in dem nächsten Stück, einer Neuaufführung von Tschaikowskis "Schwanensee". Der Choreograph Thomas (Vincent Cassel) möchte, dass die Hauptrolle die gleichzeitig den guten weißen Schwan und auch den bösen schwarzen Schwan darstellt, von ein und derselben Tänzerin verkörpert wird. Nina ist seine erste Wahl für den weißen Schwan, aber für die Darstellung des schwarzen Schwans fehlt es ihr seiner Meinung nach an Leidenschaft und Verführungskunst. Als die junge Tänzerin Lily (Mila Kunis) zum Ensemble kommt, sieht Nina in ihr sofort die Konkurrentin, denn Lily besitzt alle Eigenschaften, die der schwarze Schwan haben muss.
Nina lebt noch bei ihrer Mutter (Barbara Hershey), die einst selbst Tänzerin war und ihren Traum von einer Karriere aufgeben musste, als sie schwanger wurde. Nun hat sie sich zu einer Art Übermutter entwickelt und setzt alles daran, dass ihre Tochter den Weg geht, der ihr verschlossen blieb. Nina wird von ihr völlig vereinnahmt, lebt in einem pinkfarbigen Kinderzimmer mit lauter Stofftieren und unter ständiger Kontrolle. Doch nun muss sie sich das erste Mal in ihrem Leben richtig beweisen und aus sich herausgehen, um die Rolle ihres Lebens spielen zu können.
Hin- und hergerissen zwischen den Wünschen der Mutter und den Anforderungen von Thomas beginnt Nina zu halluzinieren, ihre sexuellen Fantasien zu erforschen und kann bald Traum und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden. Ihr entschiedener Drang zur Perfektion führt sie nicht nur an ihre Grenzen, sondern noch weit darüber hinaus, bis zum bitteren Ende.
Darren Aronofsky hat hier einen ziemlich perfekten Psychothriller hingelegt, der von Anfang bis Ende spannend erzählt ist und in wunderbaren, teils düsteren Bildern daherkommt. Atemlos verfolgt man Ninas Handeln und ihre Wandlung in einen schwarzen Schwan, wohl wissend, dass es böse ausgehen wird und sie eigentlich keine Chance hat, lebend aus dieser Geschichte herauszukommen. Ihr eigener Ehrgeiz und der ihrer Mutter haben sie schon früh zu einem Opfer gemacht. Die Entdeckung ihrer Sexualität kommt für sie zu spät und kann sie nicht mehr retten, ihr droht das gleiche Schicksal wie der erst kürzlich ausgemusterten Ballerina Beth (Winona Ryder), die sich quasi schon vom Leben verabschiedet hat.
Die Darsteller sind allesamt hervorragend, wobei besonders Natalie Portman zu erwähnen ist, die für diese Rolle völlig zu Recht den "Oscar" bekommen hat und sich hier die Seele aus dem Körper tanzt und spielt. An ihrer Seite brillieren noch Vincent Cassel, Barbara Hershey und Mila Kunis, die den Film wirklich sehenswert machen. Winona Ryder hat zwar nur eine kleine Rolle, ist aber ebenfalls erwähnenswert. Insgesamt gesehen ein schmerzhafter Film, der einen mitleiden und mitbluten lässt, was nicht immer schön, aber auf jeden Fall sehr stark ist. Der Horror ist hier ganz greifbar, aber man kann sich ihm nicht entziehen. Ganz großes Kino und wirklich sehr empfehlenswert. Und wer bis jetzt noch kein Fan von Natalie Portman war, der ist spätestens jetzt bekehrt, jede Wette.
Dienstag, 7. Juni 2011
Bandaged
"Bandaged" ist ein Film von Maria Beatty aus dem Jahr 2009, das Drehbuch stammt von Claire Menichi. Erwähnenswert ist hier noch, dass Abel Ferrara als ausführender Produzent und Jürgen Brüning als Produzent beteiligt waren.
Die Handlung spielt in einer heruntergekommenen Villa und in einer Zeit, die sich nicht genau bestimmen lässt. Das ist aber auch nicht weiter wichtig, also nehmen wir mal an es ist ungefähr Mitte des 20. Jahrhunderts. Die junge und hübsche Lucille (Janna Lisa Dombrowsky) lebt mit ihrem Vater, dem Chirurgen Arthur (Hans Piesbergen) und ihrer alten Tante Ingrid (Martine Erhel) zusammen. Ihr achtzehnter Geburtstag steht kurz bevor und Lucille möchte gerne Literatur studieren, was ihr Vater aber strikt ablehnt. Er will, dass sie Medizin studiert und ihm später bei seinen Forschungen helfen kann. Weil Lucille sich damit nicht anfreunden kann, unternimmt sie einen Selbstmordversuch, der allerdings nicht zu sehen ist, und erleidet dabei furchtbare Gesichtsverletzungen. Zu ihrer Pflege engagiert Arthur die Krankenschwester Joan (Susanne Sachsse), die nun rund um die Uhr auf Lucille aufpassen soll.
Im hauseigenen Labor ist Arthur seit Jahren damit beschäftigt, beschädigte Hautzellen wieder herzustellen und so versucht er auch Lucilles Gesicht selbst zu heilen. Der Tod seiner Frau ist ihm dabei Ansporn, auch wenn nicht klar wird, was eigentlich genau mit ihr geschehen ist. Inzwischen verlieben sich Lucille und Joan ineinander und es gibt ein paar erotische Momente zu sehen, aber sie werden schon bald ertappt und Joan muss das Anwesen verlassen. Arthur sperrt seine Tochter daraufhin in ihrem Zimmer ein, aber sie kann ihm doch entkommen. Was nun aus allen Beteiligten wird, das bleibt in der Schwebe, denn das Ende ist offen.
Ich mache es kurz, das ist ein kleines B-Movie, das man sehen kann, aber nicht muss. Alles wirkt sehr gekünstelt, ist aber bei weitem nicht trashig genug, um wirklich gut zu unterhalten. Doch ganz so schlecht ist der Film auch wieder nicht, er hat einen gewissen Charme und deshalb kommt hier kein Verriss von mir. Viel konnte ich über diesen Film nicht erfahren, aber es wurde mehrfach bemängelt, dass hier Englisch gesprochen wird, obwohl der Film aus Deutschland stammt. Meine Güte, wenn man sonst keine Probleme hat... Gut, das gesprochene Englisch klingt ein wenig hölzern, aber das hat mich persönlich gar nicht gestört. Passt alles eben zum B-Movie-Charakter.
Irgendwie mochte ich den Film trotz allem, auch wenn gar nicht furchtbar viel passiert. Die Story um den verrückten Chirurgen und seine Versuche im Labor ist nicht ausgereift genug, ebenso die Liebesgeschichte zwischen Lucille und Joan, aber es hat alles einen gewissen Reiz, auch wenn vieles eben nicht perfekt ist. Die Liebesszenen zwischen Lucille und Joan wirken allerdings schon ziemlich angestrengt. Von den Darstellern hat mir besonders Susanne Sachsse gut gefallen, die einfach hinreißend ist und den Film wirklich sehenswert macht. Ja, ich gebe es zu, den Rest kann man getrost vergessen, aber ich habe durchaus schon schlimmere Filme als diesen gesehen. Alles in allem eine eingeschränkte Empfehlung.
Die Handlung spielt in einer heruntergekommenen Villa und in einer Zeit, die sich nicht genau bestimmen lässt. Das ist aber auch nicht weiter wichtig, also nehmen wir mal an es ist ungefähr Mitte des 20. Jahrhunderts. Die junge und hübsche Lucille (Janna Lisa Dombrowsky) lebt mit ihrem Vater, dem Chirurgen Arthur (Hans Piesbergen) und ihrer alten Tante Ingrid (Martine Erhel) zusammen. Ihr achtzehnter Geburtstag steht kurz bevor und Lucille möchte gerne Literatur studieren, was ihr Vater aber strikt ablehnt. Er will, dass sie Medizin studiert und ihm später bei seinen Forschungen helfen kann. Weil Lucille sich damit nicht anfreunden kann, unternimmt sie einen Selbstmordversuch, der allerdings nicht zu sehen ist, und erleidet dabei furchtbare Gesichtsverletzungen. Zu ihrer Pflege engagiert Arthur die Krankenschwester Joan (Susanne Sachsse), die nun rund um die Uhr auf Lucille aufpassen soll.
Im hauseigenen Labor ist Arthur seit Jahren damit beschäftigt, beschädigte Hautzellen wieder herzustellen und so versucht er auch Lucilles Gesicht selbst zu heilen. Der Tod seiner Frau ist ihm dabei Ansporn, auch wenn nicht klar wird, was eigentlich genau mit ihr geschehen ist. Inzwischen verlieben sich Lucille und Joan ineinander und es gibt ein paar erotische Momente zu sehen, aber sie werden schon bald ertappt und Joan muss das Anwesen verlassen. Arthur sperrt seine Tochter daraufhin in ihrem Zimmer ein, aber sie kann ihm doch entkommen. Was nun aus allen Beteiligten wird, das bleibt in der Schwebe, denn das Ende ist offen.
Ich mache es kurz, das ist ein kleines B-Movie, das man sehen kann, aber nicht muss. Alles wirkt sehr gekünstelt, ist aber bei weitem nicht trashig genug, um wirklich gut zu unterhalten. Doch ganz so schlecht ist der Film auch wieder nicht, er hat einen gewissen Charme und deshalb kommt hier kein Verriss von mir. Viel konnte ich über diesen Film nicht erfahren, aber es wurde mehrfach bemängelt, dass hier Englisch gesprochen wird, obwohl der Film aus Deutschland stammt. Meine Güte, wenn man sonst keine Probleme hat... Gut, das gesprochene Englisch klingt ein wenig hölzern, aber das hat mich persönlich gar nicht gestört. Passt alles eben zum B-Movie-Charakter.
Irgendwie mochte ich den Film trotz allem, auch wenn gar nicht furchtbar viel passiert. Die Story um den verrückten Chirurgen und seine Versuche im Labor ist nicht ausgereift genug, ebenso die Liebesgeschichte zwischen Lucille und Joan, aber es hat alles einen gewissen Reiz, auch wenn vieles eben nicht perfekt ist. Die Liebesszenen zwischen Lucille und Joan wirken allerdings schon ziemlich angestrengt. Von den Darstellern hat mir besonders Susanne Sachsse gut gefallen, die einfach hinreißend ist und den Film wirklich sehenswert macht. Ja, ich gebe es zu, den Rest kann man getrost vergessen, aber ich habe durchaus schon schlimmere Filme als diesen gesehen. Alles in allem eine eingeschränkte Empfehlung.
Montag, 6. Juni 2011
Nachmittag
"Nachmittag" ist ein Film von Angela Schanelec (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2007. Die Handlung beruht lose auf dem Theaterstück "Die Möwe" von Anton Tschechow.
In einem Haus am See, irgendwo am Stadtrand von Berlin, lebt der ältere Alex (Fritz Schediwy). Sein junger Neffe Konstantin (Jirka Zett) kümmert sich um ihn und den Haushalt. Konstantins Mutter Irene (Angela Schanelec) ist Schauspielerin und kommt nur zu Besuch vorbei. Im Haus nebenan lebt die Familie von Agnes (Miriam Horwitz), die gerade ihre Ferien hier verbringt. Agnes und Konstantin waren einmal ein Paar, jetzt sind sie es scheinbar nicht mehr, aber sicher sind sie sich da beide nicht. Alles hängt in der Schwebe.
Konstantin will Schriftsteller werden, er schreibt unermüdlich, aber ist doch voller Zweifel und scheint an seinen eigenen Ambitionen zu scheitern. Ganz mit sich selbst beschäftigt, bemerkt er nicht, wie sehr Agnes um seine Aufmerksamkeit bettelt. Agnes möchte ihren Weg finden, etwas vom Leben haben, aber Konstantin hört ihr nicht zu, begreift nicht was sie sagt. Ein ähnlich gestörtes Verhältnis hat er zu seiner Mutter Irene. Je mehr Irene versucht, ihm näher zu kommen, desto mehr blockt er ab.
Irene hat ihren neuen Freund, den Schriftsteller Max (Mark Waschke) mitgebracht, für den sich besonders Agnes interessiert. Sie führt lange Gespräche mit ihm und fasst dann spontan den Entschluss, abzureisen. Eine Erklärung hierfür gibt es nicht, so wie es auch für alle anderen Beziehungen und ihre Komplikationen keine erklärenden Worte gibt. Es gibt keinen Anfang und auch kein Ende, es gibt nur ein paar Nachmittage am See.
Der Film beginnt auf einer Theaterbühne, auf der aber nicht gespielt wird. Die Handlung spielt dann in dem Haus am See und das ist die eigentliche Bühne für dieses Stück, das man durchaus als Theaterstück sehen kann, denn sämtliche Dialoge klingen sehr theaterhaft. Ich finde das sehr schön und habe keine Probleme damit, aber viele Zuschauer dürften davon abgeschreckt werden. Zudem wirken die durchgehend guten Schauspieler so, als wären sie tatsächlich gerade aus einem Tschechow-Stück herausgepurzelt.
Angela Schanelec erzählt ihren Film über den schleichenden Zerfall zwischenmenschlicher Beziehungen sehr ruhig und bedächtig, aber niemals langweilig. Kameramann Reinhold Vorschneider hat dazu wunderbare Bilder eingefangen, die überaus gelungen sind und einfach nur schön.
Insgesamt gesehen ein sehr sehenswerter Film, der mich jedenfalls begeistert hat. Wer eine Vorliebe für das Theater hat, der ist hier sicher gut bedient und wird Gefallen daran haben, alle anderen könnten vielleicht eher Probleme mit der Erzählweise und den Dialogen haben. Große Empfehlung.
In einem Haus am See, irgendwo am Stadtrand von Berlin, lebt der ältere Alex (Fritz Schediwy). Sein junger Neffe Konstantin (Jirka Zett) kümmert sich um ihn und den Haushalt. Konstantins Mutter Irene (Angela Schanelec) ist Schauspielerin und kommt nur zu Besuch vorbei. Im Haus nebenan lebt die Familie von Agnes (Miriam Horwitz), die gerade ihre Ferien hier verbringt. Agnes und Konstantin waren einmal ein Paar, jetzt sind sie es scheinbar nicht mehr, aber sicher sind sie sich da beide nicht. Alles hängt in der Schwebe.
Konstantin will Schriftsteller werden, er schreibt unermüdlich, aber ist doch voller Zweifel und scheint an seinen eigenen Ambitionen zu scheitern. Ganz mit sich selbst beschäftigt, bemerkt er nicht, wie sehr Agnes um seine Aufmerksamkeit bettelt. Agnes möchte ihren Weg finden, etwas vom Leben haben, aber Konstantin hört ihr nicht zu, begreift nicht was sie sagt. Ein ähnlich gestörtes Verhältnis hat er zu seiner Mutter Irene. Je mehr Irene versucht, ihm näher zu kommen, desto mehr blockt er ab.
Irene hat ihren neuen Freund, den Schriftsteller Max (Mark Waschke) mitgebracht, für den sich besonders Agnes interessiert. Sie führt lange Gespräche mit ihm und fasst dann spontan den Entschluss, abzureisen. Eine Erklärung hierfür gibt es nicht, so wie es auch für alle anderen Beziehungen und ihre Komplikationen keine erklärenden Worte gibt. Es gibt keinen Anfang und auch kein Ende, es gibt nur ein paar Nachmittage am See.
Der Film beginnt auf einer Theaterbühne, auf der aber nicht gespielt wird. Die Handlung spielt dann in dem Haus am See und das ist die eigentliche Bühne für dieses Stück, das man durchaus als Theaterstück sehen kann, denn sämtliche Dialoge klingen sehr theaterhaft. Ich finde das sehr schön und habe keine Probleme damit, aber viele Zuschauer dürften davon abgeschreckt werden. Zudem wirken die durchgehend guten Schauspieler so, als wären sie tatsächlich gerade aus einem Tschechow-Stück herausgepurzelt.
Angela Schanelec erzählt ihren Film über den schleichenden Zerfall zwischenmenschlicher Beziehungen sehr ruhig und bedächtig, aber niemals langweilig. Kameramann Reinhold Vorschneider hat dazu wunderbare Bilder eingefangen, die überaus gelungen sind und einfach nur schön.
Insgesamt gesehen ein sehr sehenswerter Film, der mich jedenfalls begeistert hat. Wer eine Vorliebe für das Theater hat, der ist hier sicher gut bedient und wird Gefallen daran haben, alle anderen könnten vielleicht eher Probleme mit der Erzählweise und den Dialogen haben. Große Empfehlung.
Sonntag, 5. Juni 2011
O Fantasma
"O Fantasma" ist der erste Spielfilm von Joao Pedro Rodrigues (Regie und Drehbuch) und stammt aus dem Jahr 2000.
Sérgio (Ricardo Meneses) ist ein junger Müllmann und lebt und arbeitet in Lissabon. Er ist verschlossen, redet kaum und sein einziger Freund scheint der Hund Lorde zu sein, der auf dem Hof der Müllabfuhr lebt. Nachts streift er durch die Strassen Lissabons, immer auf der Suche nach erotischen Begegnungen. Er versucht krampfhaft, seine sexuellen Fantasien auszuleben und wird dabei zunehmend rücksichtsloser.
Er verguckt sich in Joao (Andre Barbosa), bei dem er eines Tages Sperrmüll abholt. Immer wieder unternimmt Sérgio Versuche, Joao nahe zu sein, wird aber von diesem abgewiesen. Was dann passiert, kann man eigentlich nur Stalking nennen, den Sérgio bricht in Joaos Haus ein, durchsucht seine Mülltonne und nimmt als Andenken eine kaputte Badehose mit, die er fortan trägt und wie einen Fetisch verehrt. Aber das ist noch nicht alles...
Sérgio übernimmt die Verhaltensweisen eines Hundes, verhält sich immer merkwürdiger und ist bei seinen nächtlichen Streifzügen nun mit einem schwarzen Ganzkörper-Latexanzug bekleidet. Wie ein Hund ist er auf der Müllhalde unterwegs, um dort Nahrung zu finden.
Verstehen muss man das alles nicht, denn es ist schon ziemlich versponnen und der gute Sérgio hat definitiv einen an der Waffel. Andererseits haben die Bilder schon einen gewissen Reiz, wenn man sich darauf einlassen kann und die Geschichte so akzeptiert, wie sie ist. Mit Realität hat das alles gar nichts zu tun, muss aber auch nicht sein. Es ist schließlich die alleinige künstlerische Freiheit des Regisseurs, seine ganz spezielle Geschichte so zu erzählen, wie er es möchte.
Insgesamt gesehen kein Film für die große Masse, aber das muss ja nichts Schlechtes sein. Mir persönlich hat "To Die Like A Man", ebenfalls von Joao Pedro Rodrigues, besser gefallen, aber das ist eben Geschmackssache. Empfehlenswert sind beide Filme, auch wenn sie etwas sperrig sind.
Sérgio (Ricardo Meneses) ist ein junger Müllmann und lebt und arbeitet in Lissabon. Er ist verschlossen, redet kaum und sein einziger Freund scheint der Hund Lorde zu sein, der auf dem Hof der Müllabfuhr lebt. Nachts streift er durch die Strassen Lissabons, immer auf der Suche nach erotischen Begegnungen. Er versucht krampfhaft, seine sexuellen Fantasien auszuleben und wird dabei zunehmend rücksichtsloser.
Er verguckt sich in Joao (Andre Barbosa), bei dem er eines Tages Sperrmüll abholt. Immer wieder unternimmt Sérgio Versuche, Joao nahe zu sein, wird aber von diesem abgewiesen. Was dann passiert, kann man eigentlich nur Stalking nennen, den Sérgio bricht in Joaos Haus ein, durchsucht seine Mülltonne und nimmt als Andenken eine kaputte Badehose mit, die er fortan trägt und wie einen Fetisch verehrt. Aber das ist noch nicht alles...
Sérgio übernimmt die Verhaltensweisen eines Hundes, verhält sich immer merkwürdiger und ist bei seinen nächtlichen Streifzügen nun mit einem schwarzen Ganzkörper-Latexanzug bekleidet. Wie ein Hund ist er auf der Müllhalde unterwegs, um dort Nahrung zu finden.
Verstehen muss man das alles nicht, denn es ist schon ziemlich versponnen und der gute Sérgio hat definitiv einen an der Waffel. Andererseits haben die Bilder schon einen gewissen Reiz, wenn man sich darauf einlassen kann und die Geschichte so akzeptiert, wie sie ist. Mit Realität hat das alles gar nichts zu tun, muss aber auch nicht sein. Es ist schließlich die alleinige künstlerische Freiheit des Regisseurs, seine ganz spezielle Geschichte so zu erzählen, wie er es möchte.
Insgesamt gesehen kein Film für die große Masse, aber das muss ja nichts Schlechtes sein. Mir persönlich hat "To Die Like A Man", ebenfalls von Joao Pedro Rodrigues, besser gefallen, aber das ist eben Geschmackssache. Empfehlenswert sind beide Filme, auch wenn sie etwas sperrig sind.
Beau Travail
"Beau Travail" ist ein Film von Claire Denis aus dem Jahr 1999. Das Drehbuch schrieb sie zusammen mit Jean-Paul Fargeau. Die Handlung beruht zum Teil auf dem Roman "Billy Budd" von Herman Melville, der auch Grundlage der gleichnamigen Oper von Benjamin Britten ist.
Eine Truppe französischer Fremdenlegionäre ist in Djibouti stationiert. Sergeant Galoup (Denis Lavant) erzählt die Geschichte aus dem Off. Seine Zeit bei der Legion ist vorbei, er musste gehen, aber dazu später. Man sieht die Männer bei ihrer alltäglichen Arbeit, beim Training, beim Waschen und Bügeln, eben einfach Routine. Was sie dort eigentlich zu suchen haben, wer weiß das schon. Sie führen einen aussichtslosen Krieg gegen niemanden, außer vielleicht sich selbst.
Das ist alles in fantastischen Bildern eingefangen, man spürt die Hitze und den Wind auf der Haut, während im Hintergrund das Meer unglaublich blau leuchtet. Sergeant Galoup entwickelt inzwischen eine wahre Obsession für den Neuankömmling Gilles Sentain (Grégoire Colin), die bald auch nicht mehr seinem Vorgesetzten Commander Bruno Forestier (Michel Subor) verborgen bleibt. Galoup beschließt daraufhin, Sentain loszuwerden und setzt ihn wegen eines extra herbeigeführten Verstoßes in der Salzwüste aus, nur ausgestattet mit einem defekten Kompass. Als Forestier davon erfährt, muss Galoup die Legion verlassen. Wieder zurück in Frankreich findet er jedoch nicht ins Leben zurück, da die Legion sein ganzes Leben und seine Familie war. Nun, ohne Uniform, ist er ein Nichts und eben nichts unterscheidet ihn mehr von den anderen Menschen.
Als schönes Schlussbild sieht man Galoup einsam in einer Disco zu dem Song "The Rhythm of the Night" tanzen, erst zurückhaltend, dann aber immer offensiver. Ganz langsam kann er seine innere Beherrschung aufgeben und endlich mal gelöst sein. Was aus ihm wird, das erfahren wir hier nicht.
Claire Denis hat hier einen unglaublich ästhetischen und beeindruckenden Film präsentiert, in dem sie die männliche Schönheit wahrlich zelebriert und die Charaktere trotz ihrer Ambivalenz immer menschlich und glaubhaft zeigt. Gewalt und Begierde gehen hier Hand in Hand und Ähnlichkeiten zu beispielsweise Derek Jarmans "Sebastiane" aus dem Jahr 1976 drängen sich förmlich auf. Die Beziehung zwischen Galoup und Sentain erinnert mich auch ein bisschen an das Verhältnis zwischen Leutnant Seblon und dem Matrosen Querelle (Roman von Jean Genet, Verfilmung von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1982), auch wenn die Handlung hier eine andere ist. Gemeinsamkeiten gibt es trotzdem.
Insgesamt gesehen ein sehr sehenswerter, wenn auch sehr spezieller Film, der mich jedoch überzeugt hat. Besonders Denis Lavant ist mehr als nur einen Blick wert. Leider ist die DVD nur in der französischen Originalfassung mit englischen Untertiteln erhältlich, aber gesprochen wird sowieso nicht viel. Sehr empfehlenswert.
Eine Truppe französischer Fremdenlegionäre ist in Djibouti stationiert. Sergeant Galoup (Denis Lavant) erzählt die Geschichte aus dem Off. Seine Zeit bei der Legion ist vorbei, er musste gehen, aber dazu später. Man sieht die Männer bei ihrer alltäglichen Arbeit, beim Training, beim Waschen und Bügeln, eben einfach Routine. Was sie dort eigentlich zu suchen haben, wer weiß das schon. Sie führen einen aussichtslosen Krieg gegen niemanden, außer vielleicht sich selbst.
Das ist alles in fantastischen Bildern eingefangen, man spürt die Hitze und den Wind auf der Haut, während im Hintergrund das Meer unglaublich blau leuchtet. Sergeant Galoup entwickelt inzwischen eine wahre Obsession für den Neuankömmling Gilles Sentain (Grégoire Colin), die bald auch nicht mehr seinem Vorgesetzten Commander Bruno Forestier (Michel Subor) verborgen bleibt. Galoup beschließt daraufhin, Sentain loszuwerden und setzt ihn wegen eines extra herbeigeführten Verstoßes in der Salzwüste aus, nur ausgestattet mit einem defekten Kompass. Als Forestier davon erfährt, muss Galoup die Legion verlassen. Wieder zurück in Frankreich findet er jedoch nicht ins Leben zurück, da die Legion sein ganzes Leben und seine Familie war. Nun, ohne Uniform, ist er ein Nichts und eben nichts unterscheidet ihn mehr von den anderen Menschen.
Als schönes Schlussbild sieht man Galoup einsam in einer Disco zu dem Song "The Rhythm of the Night" tanzen, erst zurückhaltend, dann aber immer offensiver. Ganz langsam kann er seine innere Beherrschung aufgeben und endlich mal gelöst sein. Was aus ihm wird, das erfahren wir hier nicht.
Claire Denis hat hier einen unglaublich ästhetischen und beeindruckenden Film präsentiert, in dem sie die männliche Schönheit wahrlich zelebriert und die Charaktere trotz ihrer Ambivalenz immer menschlich und glaubhaft zeigt. Gewalt und Begierde gehen hier Hand in Hand und Ähnlichkeiten zu beispielsweise Derek Jarmans "Sebastiane" aus dem Jahr 1976 drängen sich förmlich auf. Die Beziehung zwischen Galoup und Sentain erinnert mich auch ein bisschen an das Verhältnis zwischen Leutnant Seblon und dem Matrosen Querelle (Roman von Jean Genet, Verfilmung von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1982), auch wenn die Handlung hier eine andere ist. Gemeinsamkeiten gibt es trotzdem.
Insgesamt gesehen ein sehr sehenswerter, wenn auch sehr spezieller Film, der mich jedoch überzeugt hat. Besonders Denis Lavant ist mehr als nur einen Blick wert. Leider ist die DVD nur in der französischen Originalfassung mit englischen Untertiteln erhältlich, aber gesprochen wird sowieso nicht viel. Sehr empfehlenswert.
Samstag, 4. Juni 2011
Villa Amalia
"Villa Amalia" ist ein Film von Benoit Jacquot (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2009 und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Pascal Quignard.
Die erfolgreiche Pianistin Ann (Isabelle Huppert) verfolgt heimlich ihren Mann Thomas (Xavier Beauvois) bis in einen Vorort, wo er sich mit einer anderen Frau trifft. Während sie die beiden beobachtet, wird sie selbst von einem alten Freund überrascht. Georges (Jean-Hugues Anglade) lädt sie in sein Haus ein und wird von nun an zu ihrem Vertrauten.
Ab jetzt überstürzen sich die Ereignisse, denn Ann löst ihr bisheriges Leben auf, mit allem was dazu gehört. Sie trennt sich nach fünfzehn Jahren von ihrem Mann, verbrennt ihre Noten, Fotos und persönliche Erinnerungen. Das Fremdgehen des Ehemannes ist nicht das ausschlaggebende dabei, das merkt man schnell, wenn auch der tatsächliche Grund für ihre Flucht im Dunkeln bleibt. Sie ist unberechenbar wie ein Vulkan, der gerade ausgebrochen ist, sprunghaft und doch bestimmt. Nachdem sie ihre Wohnung verkauft hat, ihr Konto gekündigt und ihr Telefon abgemeldet hat, reist sie durch Europa, bis sie schließlich in Italien verweilt und eine kleine heruntergekommene Behausung hoch oben über dem Meer, die "Villa Amalia" bezieht. Hier kommt sie erstmals seit langer Zeit zur Ruhe und verliebt sich ganz spontan in die junge Giulia (Maya Sansa).
Bei der Beerdigung ihrer Mutter trifft Ann auf ihren Vater, der die Familie früh verließ und endlich ergibt sich für sie die Möglichkeit, mit ihm über ihre Gefühle zu reden. Am Ende des Films ist Ann aber wieder in ihrem neuen Zuhause und was die Zukunft bringen wird, das steht in den Sternen.
Das ist ein sehr stiller Film, der vor allen Dingen von seinen wunderbaren Bildern lebt und mit der sehr stimmungsvollen Musik von Bruno Coulais unterlegt ist. Er ist gleichzeitig traurig und doch wunderschön, aber die Attraktion des Films ist natürlich die zauberhafte Isabelle Huppert, die mit ihrer unglaublichen Präsenz alles beherrscht. Bei dem Versuch die Kunst oder die Schönheit dieser Frau in Worte zu fassen, muss ich leider kapitulieren, sie ist einfach unbeschreiblich und wirklich atemberaubend schön.
Ann ist auf der Suche nach sich selbst. Das klingt abgedroschen, ist es aber nicht. Sie wirft ihr bisheriges Leben weg und da bleiben eben auch manchmal ein paar Menschen auf der Strecke. Manchmal führt man einen Wechsel bewusst herbei und manchmal passiert es auch einfach von ganz alleine. Man muss sein eigenes Handeln nicht immer erklären, es gibt Dinge, die man nun mal nur mit sich allein ausmachen muss.
Insgesamt gesehen ein wunderbarer Film, den ich nur sehr empfehlen kann und den sich alle Fans von Isabelle Huppert sowieso anschauen werden. Eine berührende Geschichte, tolle Bilder und eine fabelhafte Hauptdarstellerin, was will man mehr?
Die erfolgreiche Pianistin Ann (Isabelle Huppert) verfolgt heimlich ihren Mann Thomas (Xavier Beauvois) bis in einen Vorort, wo er sich mit einer anderen Frau trifft. Während sie die beiden beobachtet, wird sie selbst von einem alten Freund überrascht. Georges (Jean-Hugues Anglade) lädt sie in sein Haus ein und wird von nun an zu ihrem Vertrauten.
Ab jetzt überstürzen sich die Ereignisse, denn Ann löst ihr bisheriges Leben auf, mit allem was dazu gehört. Sie trennt sich nach fünfzehn Jahren von ihrem Mann, verbrennt ihre Noten, Fotos und persönliche Erinnerungen. Das Fremdgehen des Ehemannes ist nicht das ausschlaggebende dabei, das merkt man schnell, wenn auch der tatsächliche Grund für ihre Flucht im Dunkeln bleibt. Sie ist unberechenbar wie ein Vulkan, der gerade ausgebrochen ist, sprunghaft und doch bestimmt. Nachdem sie ihre Wohnung verkauft hat, ihr Konto gekündigt und ihr Telefon abgemeldet hat, reist sie durch Europa, bis sie schließlich in Italien verweilt und eine kleine heruntergekommene Behausung hoch oben über dem Meer, die "Villa Amalia" bezieht. Hier kommt sie erstmals seit langer Zeit zur Ruhe und verliebt sich ganz spontan in die junge Giulia (Maya Sansa).
Bei der Beerdigung ihrer Mutter trifft Ann auf ihren Vater, der die Familie früh verließ und endlich ergibt sich für sie die Möglichkeit, mit ihm über ihre Gefühle zu reden. Am Ende des Films ist Ann aber wieder in ihrem neuen Zuhause und was die Zukunft bringen wird, das steht in den Sternen.
Das ist ein sehr stiller Film, der vor allen Dingen von seinen wunderbaren Bildern lebt und mit der sehr stimmungsvollen Musik von Bruno Coulais unterlegt ist. Er ist gleichzeitig traurig und doch wunderschön, aber die Attraktion des Films ist natürlich die zauberhafte Isabelle Huppert, die mit ihrer unglaublichen Präsenz alles beherrscht. Bei dem Versuch die Kunst oder die Schönheit dieser Frau in Worte zu fassen, muss ich leider kapitulieren, sie ist einfach unbeschreiblich und wirklich atemberaubend schön.
Ann ist auf der Suche nach sich selbst. Das klingt abgedroschen, ist es aber nicht. Sie wirft ihr bisheriges Leben weg und da bleiben eben auch manchmal ein paar Menschen auf der Strecke. Manchmal führt man einen Wechsel bewusst herbei und manchmal passiert es auch einfach von ganz alleine. Man muss sein eigenes Handeln nicht immer erklären, es gibt Dinge, die man nun mal nur mit sich allein ausmachen muss.
Insgesamt gesehen ein wunderbarer Film, den ich nur sehr empfehlen kann und den sich alle Fans von Isabelle Huppert sowieso anschauen werden. Eine berührende Geschichte, tolle Bilder und eine fabelhafte Hauptdarstellerin, was will man mehr?
L'Enfant
"L'Enfant" ist ein Film der belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2005 und wurde in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.
Bruno (Jérémie Renier) und Sonia (Déborah Francois) sind ein junges Paar und leben in einer kleinen tristen Stadt in Belgien. Echte Zukunftsperspektiven gibt es hier nicht und so leben die beiden von Sozialhilfe und halten sich mit Brunos kleinen Gaunereien über Wasser. Aber dann ändert sich die Situation, denn Sonia bekommt ein Kind, den kleinen Jimmy. Als sie aus dem Krankenhaus kommt, hat Bruno kurzzeitig ihre Wohnung untervermietet, um an zusätzliches Geld zu kommen. Für seinen Sohn interessiert er sich nicht, will ihn nicht auf den Arm nehmen und ignoriert ihn größtenteils.
Aus einer Laune heraus verkauft Bruno den kleinen Jimmy an eine Kinderhändlerbande, weil er in ihm nur eine Ware sieht, die man zu Geld machen kann. Als er Sonia davon berichtet, bricht diese zusammen und muss ins Krankenhaus. Bruno kann das Kind zwar wieder zurückbekommen, aber dafür schuldet er der Bande jetzt eine Menge Geld und wird als Warnung erst einmal verprügelt. Der nächste Überfall, den Bruno zusammen mit dem jüngeren Steve (Jérémie Segard) begeht, gelingt nur zum Teil, denn die beiden können zwar eine Handtasche stehlen, werden aber verfolgt und Steve wird sogar von der Polizei gefasst. Zum ersten Mal in seinem Leben übernimmt Bruno nun Verantwortung und stellt sich der Polizei, um Steve zu entlasten. Als er im Gefängnis sitzt, bekommt er Besuch von Sonia und beide brechen in Tränen aus.
Der Film ist trotz allem nicht deprimierend, was ich sehr erstaunlich finde, er ist zwar eigentlich unendlich traurig und doch jederzeit fesselnd, eine ganz bemerkenswerte Leistung. Der Zuschauer wird sofort in die Handlung hineingeworfen und kann Bruno und Sonia erleben, wie sie miteinander herumtollen, das ergaunerte Geld gleich wieder mit vollen Händen ausgeben und sich um nichts wirklich Sorgen machen. Doch zumindest bei Sonia findet durch den kleinen Jimmy ein Umdenken statt, sie kümmert sich liebevoll um ihren Sohn, während Bruno keinen Zugang zu ihm findet.
Bruno ist ein fast unschuldig wirkender dummer Junge, ein kleiner Gauner, den man aber trotzdem lieber in den Arm nehmen möchte, als ihn verdientermaßen abzuwatschen. Hat er irgendwelche moralischen Bedenken, Skrupel oder Gewissensbisse als er seinen Sohn verkauft? Nein, hat er nicht, denn genau das ist sein Leben, alles ist eine Ware und alles hat seinen Preis. Erst spät scheint er zu begreifen, was er wirklich getan hat. Das ist bewegend, berührend und sehr ehrlich von den Dardenne-Brüdern umgesetzt worden.
Die beiden Hauptdarsteller sind absolut großartig in ihren Rollen, wobei besonders Jérémie Renier als Bruno sehr überzeugen kann und dafür sorgt, dass man seine Figur nicht sofort verurteilt. Warum aber diese jungen Menschen, die ja selbst noch fast Kinder sind und kaum für sich selbst sorgen können, unbedingt ein Kind in die Welt setzen müssen, das werde ich persönlich jedenfalls nie begreifen.
Insgesamt gesehen ein sehr empfehlenswerter Film, der unter die Haut geht und nachdenklich macht, aber ohne dabei zu bitter zu werden. Absolut gelungen.
Bruno (Jérémie Renier) und Sonia (Déborah Francois) sind ein junges Paar und leben in einer kleinen tristen Stadt in Belgien. Echte Zukunftsperspektiven gibt es hier nicht und so leben die beiden von Sozialhilfe und halten sich mit Brunos kleinen Gaunereien über Wasser. Aber dann ändert sich die Situation, denn Sonia bekommt ein Kind, den kleinen Jimmy. Als sie aus dem Krankenhaus kommt, hat Bruno kurzzeitig ihre Wohnung untervermietet, um an zusätzliches Geld zu kommen. Für seinen Sohn interessiert er sich nicht, will ihn nicht auf den Arm nehmen und ignoriert ihn größtenteils.
Aus einer Laune heraus verkauft Bruno den kleinen Jimmy an eine Kinderhändlerbande, weil er in ihm nur eine Ware sieht, die man zu Geld machen kann. Als er Sonia davon berichtet, bricht diese zusammen und muss ins Krankenhaus. Bruno kann das Kind zwar wieder zurückbekommen, aber dafür schuldet er der Bande jetzt eine Menge Geld und wird als Warnung erst einmal verprügelt. Der nächste Überfall, den Bruno zusammen mit dem jüngeren Steve (Jérémie Segard) begeht, gelingt nur zum Teil, denn die beiden können zwar eine Handtasche stehlen, werden aber verfolgt und Steve wird sogar von der Polizei gefasst. Zum ersten Mal in seinem Leben übernimmt Bruno nun Verantwortung und stellt sich der Polizei, um Steve zu entlasten. Als er im Gefängnis sitzt, bekommt er Besuch von Sonia und beide brechen in Tränen aus.
Der Film ist trotz allem nicht deprimierend, was ich sehr erstaunlich finde, er ist zwar eigentlich unendlich traurig und doch jederzeit fesselnd, eine ganz bemerkenswerte Leistung. Der Zuschauer wird sofort in die Handlung hineingeworfen und kann Bruno und Sonia erleben, wie sie miteinander herumtollen, das ergaunerte Geld gleich wieder mit vollen Händen ausgeben und sich um nichts wirklich Sorgen machen. Doch zumindest bei Sonia findet durch den kleinen Jimmy ein Umdenken statt, sie kümmert sich liebevoll um ihren Sohn, während Bruno keinen Zugang zu ihm findet.
Bruno ist ein fast unschuldig wirkender dummer Junge, ein kleiner Gauner, den man aber trotzdem lieber in den Arm nehmen möchte, als ihn verdientermaßen abzuwatschen. Hat er irgendwelche moralischen Bedenken, Skrupel oder Gewissensbisse als er seinen Sohn verkauft? Nein, hat er nicht, denn genau das ist sein Leben, alles ist eine Ware und alles hat seinen Preis. Erst spät scheint er zu begreifen, was er wirklich getan hat. Das ist bewegend, berührend und sehr ehrlich von den Dardenne-Brüdern umgesetzt worden.
Die beiden Hauptdarsteller sind absolut großartig in ihren Rollen, wobei besonders Jérémie Renier als Bruno sehr überzeugen kann und dafür sorgt, dass man seine Figur nicht sofort verurteilt. Warum aber diese jungen Menschen, die ja selbst noch fast Kinder sind und kaum für sich selbst sorgen können, unbedingt ein Kind in die Welt setzen müssen, das werde ich persönlich jedenfalls nie begreifen.
Insgesamt gesehen ein sehr empfehlenswerter Film, der unter die Haut geht und nachdenklich macht, aber ohne dabei zu bitter zu werden. Absolut gelungen.
Donnerstag, 2. Juni 2011
Seeing Heaven
"Seeing Heaven" ist ein Film von Ian Powell (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2010.
Der junge Callboy Paul (Alexander Bracq) ist bei seinen Kunden sehr begehrt, denn er ist jung, schön und wirkt dabei so unschuldig wie ein Engel. Beim Sex mit seinen Freiern hat er Halluzinationen, in denen er seinen verschwundenen Zwillingsbruder Saul sieht, der anscheinend in großer Gefahr ist. Paul versucht verzweifelt, die Wahrheit über Saul herauszufinden und ihm nahe zu sein. Dabei ist ihm fast jedes Mittel recht und er gerät an einen dubiosen Pornoregisseur, der so seine eigenen Pläne mit Paul hat.
Die "SISSY" schreibt dazu: "Seeing Heaven ist das Verkopfteste, was im Moment zu haben ist." Damit ist im Prinzip schon alles gesagt, denn verkopft ist der Film in der Tat. Er macht es einem auch nicht gerade leicht, aber wenn man sich tatsächlich auf die Geschichte einlässt, dann hat er wirklich einige starke Momente und kann durchaus überzeugen. Leider gelingt das nicht über die ganze Laufzeit, denn die eigentlich gute Idee der Suche des jungen Paul nach sich selbst, wurde nicht sehr glücklich umgesetzt. Der Film verheddert sich zu sehr und lässt den Zuschauer dabei relativ ungerührt zurück, was wirklich schade ist.
Der junge Hauptdarsteller ist optisch gut besetzt, aber er wirkt immer ein bisschen zu statisch, wirkliche Emotionen nehme ich ihm nicht ab. Ein großes Problem dieses Films sind aber die Dialoge, die sind durchgehend viel zu aufgeblasen und sollen immens wichtig klingen, passen aber vorne und hinten nicht in die Handlung und verwirren nur. Was den Film für mich rettet, das sind die Darsteller, die zwar nicht unbedingt durch ihre Schauspielkunst auffallen, aber dafür sehr sympathisch sind. Insgesamt gesehen ist der Film viel zu bemüht und das bricht ihm das Genick, aber irgendwie mochte ich ihn trotzdem, weil ich den guten Ansatz dahinter erkennen kann. Von mir trotz allem nur eine eingeschränkte Empfehlung, aber dafür eine ganz liebe.
Der junge Callboy Paul (Alexander Bracq) ist bei seinen Kunden sehr begehrt, denn er ist jung, schön und wirkt dabei so unschuldig wie ein Engel. Beim Sex mit seinen Freiern hat er Halluzinationen, in denen er seinen verschwundenen Zwillingsbruder Saul sieht, der anscheinend in großer Gefahr ist. Paul versucht verzweifelt, die Wahrheit über Saul herauszufinden und ihm nahe zu sein. Dabei ist ihm fast jedes Mittel recht und er gerät an einen dubiosen Pornoregisseur, der so seine eigenen Pläne mit Paul hat.
Die "SISSY" schreibt dazu: "Seeing Heaven ist das Verkopfteste, was im Moment zu haben ist." Damit ist im Prinzip schon alles gesagt, denn verkopft ist der Film in der Tat. Er macht es einem auch nicht gerade leicht, aber wenn man sich tatsächlich auf die Geschichte einlässt, dann hat er wirklich einige starke Momente und kann durchaus überzeugen. Leider gelingt das nicht über die ganze Laufzeit, denn die eigentlich gute Idee der Suche des jungen Paul nach sich selbst, wurde nicht sehr glücklich umgesetzt. Der Film verheddert sich zu sehr und lässt den Zuschauer dabei relativ ungerührt zurück, was wirklich schade ist.
Der junge Hauptdarsteller ist optisch gut besetzt, aber er wirkt immer ein bisschen zu statisch, wirkliche Emotionen nehme ich ihm nicht ab. Ein großes Problem dieses Films sind aber die Dialoge, die sind durchgehend viel zu aufgeblasen und sollen immens wichtig klingen, passen aber vorne und hinten nicht in die Handlung und verwirren nur. Was den Film für mich rettet, das sind die Darsteller, die zwar nicht unbedingt durch ihre Schauspielkunst auffallen, aber dafür sehr sympathisch sind. Insgesamt gesehen ist der Film viel zu bemüht und das bricht ihm das Genick, aber irgendwie mochte ich ihn trotzdem, weil ich den guten Ansatz dahinter erkennen kann. Von mir trotz allem nur eine eingeschränkte Empfehlung, aber dafür eine ganz liebe.
Sonntag, 29. Mai 2011
Coming Out
"Coming Out" ist ein Film von Heiner Carow aus dem Jahr 1989, das Drehbuch stammt von Wolfram Witt. Die Premiere des Films fand am 9. November 1989 in Ost-Berlin statt, zum Zeitpunkt des Mauerfalls.
Philipp (Matthias Freihof) ist Lehrer an einer Schule in Ost-Berlin und lernt seine Kollegin Tanja (Dagmar Manzel) kennen. Die beiden verstehen sich gleich sehr gut und es entwickelt sich eine feste Beziehung. Als Philipp zufällig einen früheren Jugendfreund trifft, wird ihm schlagartig bewusst, seine eigene Homosexualität jahrelang unterdrückt zu haben. Völlig verwirrt landet er in einer Schwulenbar und betrinkt sich. Dort sieht er zum ersten Mal den jungen Matthias (Dirk Kummer), eine fast schicksalhafte Begegnung, denn beide sehen sich schon bald wieder und beginnen eine Affäre.
Obwohl Philipp Matthias wirklich liebt, schafft er es nicht, öffentlich zu seinen Gefühlen zu stehen. Er hat Angst vor den Folgen, sowohl privat als auch beruflich. Seine Mutter macht ihm Vorwürfe, Matthias wendet sich enttäuscht ab und auch Tanja ist nicht mehr für ihn da. Philipps Versuche Matthias aufzuspüren laufen ins Leere und als er ihn schließlich findet, will Matthias nichts mehr von ihm wissen. Philipp ist verzweifelt und er beginnt langsam zu begreifen, dass er endlich den Mut haben muss, sich so zu akzeptieren, wie er ist.
Der Film kann heute schon als moderner Klassiker bezeichnet werden und ist natürlich gerade wegen seiner ungewöhnlichen Premiere bekannt, auch wenn die Thematik im allgemeinen Wendetrubel sicher etwas untergegangen ist, was sehr schade ist. Die Schauspieler sind großartig besetzt, besonders Matthias Freihof, der zeitgleich sein eigenes Coming Out hatte, und Dirk Kummer. Beide spielen ihre Rollen absolut perfekt und sind auch noch sehr hübsch anzuschauen. Schön sind auch die Szenen und Figuren in der Schwulenbar, darunter Michael Gwisdek als Kellner und Werner Dissel als alter Schwuler, der aus seinem Leben erzählt. Das ist wirklich gut gelungen.
Insgesamt gesehen eine ehrliche und berührende Geschichte und gleichzeitig ein tolles Zeitdokument. Kann ich nur sehr empfehlen, es lohnt sich.
Philipp (Matthias Freihof) ist Lehrer an einer Schule in Ost-Berlin und lernt seine Kollegin Tanja (Dagmar Manzel) kennen. Die beiden verstehen sich gleich sehr gut und es entwickelt sich eine feste Beziehung. Als Philipp zufällig einen früheren Jugendfreund trifft, wird ihm schlagartig bewusst, seine eigene Homosexualität jahrelang unterdrückt zu haben. Völlig verwirrt landet er in einer Schwulenbar und betrinkt sich. Dort sieht er zum ersten Mal den jungen Matthias (Dirk Kummer), eine fast schicksalhafte Begegnung, denn beide sehen sich schon bald wieder und beginnen eine Affäre.
Obwohl Philipp Matthias wirklich liebt, schafft er es nicht, öffentlich zu seinen Gefühlen zu stehen. Er hat Angst vor den Folgen, sowohl privat als auch beruflich. Seine Mutter macht ihm Vorwürfe, Matthias wendet sich enttäuscht ab und auch Tanja ist nicht mehr für ihn da. Philipps Versuche Matthias aufzuspüren laufen ins Leere und als er ihn schließlich findet, will Matthias nichts mehr von ihm wissen. Philipp ist verzweifelt und er beginnt langsam zu begreifen, dass er endlich den Mut haben muss, sich so zu akzeptieren, wie er ist.
Der Film kann heute schon als moderner Klassiker bezeichnet werden und ist natürlich gerade wegen seiner ungewöhnlichen Premiere bekannt, auch wenn die Thematik im allgemeinen Wendetrubel sicher etwas untergegangen ist, was sehr schade ist. Die Schauspieler sind großartig besetzt, besonders Matthias Freihof, der zeitgleich sein eigenes Coming Out hatte, und Dirk Kummer. Beide spielen ihre Rollen absolut perfekt und sind auch noch sehr hübsch anzuschauen. Schön sind auch die Szenen und Figuren in der Schwulenbar, darunter Michael Gwisdek als Kellner und Werner Dissel als alter Schwuler, der aus seinem Leben erzählt. Das ist wirklich gut gelungen.
Insgesamt gesehen eine ehrliche und berührende Geschichte und gleichzeitig ein tolles Zeitdokument. Kann ich nur sehr empfehlen, es lohnt sich.
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