Sonntag, 15. August 2010

1 Mord für 2

"Sleuth" ist ein Film von Kenneth Branagh aus dem Jahr 2007 und ist als Kammerspiel konzipiert. Das Drehbuch stammt von Harold Pinter, nach dem Theaterstück von Anthony Shaffer aus dem Jahr 1971. Die Musik zu dieser Neuverfilmung stammt von Patrick Doyle.

Der Film ist ein reines Zwei-Personen-Stück und erinnert vom Aufbau und von den Dialogen her, eher an eine Theateraufführung, was bei Kenneth Branagh als Regisseur nicht wundert. Wer so etwas nicht mag, der ist hier leider fehl am Platz. Allen anderen sei gesagt, hier erwarten einen knapp neunzig Minuten exzellentes Schauspielerkino mit wahrlich brillanten Dialogen.

Michael Caine und Jude Law stehen sich als Kontrahenten gegenüber und können beweisen, was in ihnen steckt. Gut, bei Michael Caine ist das keine große Überraschnung, seine Leistungen als Schauspieler sind unbestritten. Bei Jude Law war ich anfangs skeptisch, wurde dann aber erfreulicherweise doch eines Besseren belehrt. Er hat natürlich gegen den überragenden Caine kein leichtes Spiel, da dieser das Stück dominiert, aber er schlägt sich recht wacker und kann auch einigermaßen überzeugen.

Als Kulisse dient ein Designer-Haus mit allen möglichen technischen Mätzchen und variierender Beleuchtung, die allein schon sehenswert ist. Die Ausstattung ist überaus modern und beeindruckend, wohnen möchte man hier aber nicht. Es wirkt alles sehr kalt und seelenlos, lenkt aber dadurch nicht von den Darstellern ab, die sich hier ein wahres Psychoduell der Extraklasse liefern. Der alte Mann will den jungen Mann mit seinem Reichtum und seinem imposanten Anwesen einschüchtern, doch dieser erweist sich als hartnäckig und nicht so leicht zu bestechen. Schön übrigens, wie sich beide kleine Gehässigkeiten an den Kopf werfen, wie gesagt, die Dialoge sind brillant. Michael Caine scheint dabei ständig die besseren Karten zu haben und hat eine kindliche Freude daran, seinen jungen Rivalen zu manipulieren und zu demütigen.

Beide spielen miteinander, umkreisen sich und kommen sich zum Ende hin sogar sehr nahe. Aber keiner von beiden lässt sich dabei auch nur ansatzweise in die Karten schauen, was er wirklich bezweckt. So bleibt auch der Ausgang des Stückes bis zum Ende hin offen.

Insgesamt sehr sehenswert, aber nur für Freunde von Kammerspielen, die gut auf Action verzichten können.

Fontane Effi Briest

"Fontane Effi Briest" ist die Verfilmung des berühmten Romans von Theodor Fontane durch Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1974.

Fassbinder hat sich sehr eng an die Romanvorlage gehalten und sah seine Verfilmung hauptsächlich als Film über den Roman Fontanes und dessen Zeit. Festgehalten ist das alles in wunderbaren Schwarz-Weiß-Bildern, die eine ganz eigene Stimmung zaubern. Die Ausstattung und die Kostüme sind sehr erlesen und ergänzen den stimmigen Gesamteindruck perfekt.

Die Kamera fängt sehr schöne Bilder ein, teilweise wirken sie wie eingefroren, aber auch die gewollte Langsamkeit ist hier nur ein gelungenes Stilmittel. Besonders hervorzuheben ist der Einsatz von Fenstern und Spiegeln, die Effis Zustand des Eingesperrtseins demonstrieren. Sie ist in diesen Bildern stets gefangen und kann sich nicht befreien. Die Zwänge der gesellschaftlichen Konventionen werden als Gefängnis dargestellt, welches nicht zu überwinden ist. Am Ende wird Effi begreifen, dass auch Instetten noch viel mehr als sie selbst, diesen Zwängen unterlegen ist. Instetten, der aus falsch verstandenem Ehrgefühl den ehemaligen Geliebten seiner Frau im Duell erschossen hat, einen Mann, den diese tatsächlich nie geliebt hat, der seiner Frau das gemeinsame Kind entfremdet hat und der viel stärker im Korsett der Konventionen verankert ist.

Zusammenfassend gesagt, eine sehr gelungene Verfilmung des großen Meisters Rainer Werner Fassbinder und unbedingt sehenswert.

Ergänzt wird diese Arthaus-Veröffentlichung noch durch die 30-minütige Dokumentation "Rainer Werner Fassbinder, 1977".

Zerrissene Umarmungen

"Zerrissene Umarmungen" - "Los abrazos rotos" ist ein Film von Pedro Almodóvar aus dem Jahr 2009.

Pedro Almodóvar hat hier einen wunderbaren Film geschaffen, der sich mit Liebe, Leidenschaft, Eifersucht und Hass beschäftigt, also genau die Dinge, die bei Almodóvar immer wieder auftauchen. Hier erzählt er die Geschichte außerdem als Film im Film und das geplante Filmprojekt "Frauen und Koffer" handelt dabei von seinem eigenen Werk "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" aus dem Jahr 1988.

Es ist die Geschichte des Regisseurs Mateo Blanco (Lluis Homar) und seiner großen Liebe Lena (Penelope Cruz), die aber leider tragisch endet. Bei einem Autounfall stirbt Lena und Mateo erblindet. Da er mit seinem bisherigen Leben abschließen will, nennt er sich von da an Harry Caine und arbeitet als Drehbuchautor. Seine Agentin Judit (Blanca Portillo) und ihr Sohn Diego (Tamar Novas) kümmern sich um ihn. Eines Tages jedoch, viele Jahre später, wird er von seiner Vergangenheit eingeholt. Lena war die Geliebte des reichen Ernesto Martel (José Luis Gómez), der den Film produzierte in dem Mateo Regie geführt hat und Lena die Hauptdarstellerin war. Aus Eifersucht hatte Ernesto seinen schwulen Sohn, den er ansonsten verabscheute, dazu gezwungen, die Dreharbeiten zu filmen und zu überwachen. Als Mateo und Lena der gespannten Situation entfliehen, dreht Ernesto durch.

Pedro Almodóvar zeigt hier viele Arten der Liebe auf. Es gibt unter anderem eine Art Liebe aus Abhängigkeit und dann wieder eine Liebe aus wahrer Leidenschaft. Natürlich nicht zu vergessen die unerfüllte Liebe, die nur aus Hoffnung besteht. Erzählt wird das alles in sehr schönen Bildern und mit wunderbarer Musik unterlegt. Das Highlight ist natürlich die wundervolle Penelope Cruz, die einfach immer bezaubernd ist und immer schöner wird. Aber auch die anderen Darsteller sind durch die Bank gut besetzt und sehr glaubhaft in ihren Rollen.

Insgesamt möchte ich sagen, das ist ein Film, der sicher ein mehrmaliges Ansehen lohnt und einfach schön ist. Ganz große Empfehlung.

Der Schrecken der Medusa

"Der Schrecken der Medusa" (The Medusa Touch) ist ein Film von Jack Gold aus dem Jahr 1978.

Der Schriftsteller John Morlar (Richard Burton) liegt nach einem Mordversuch klinisch tot auf der Intensivstation in einer Londoner Klinik, einzig sein Gehirn arbeitet noch. Der französische Austauschkommissar Brunel (Lino Ventura) ermittelt in diesem Fall. Er lernt die Psychiaterin Dr. Zonfeld (Lee Remick) kennen, bei der Morlar Patient gewesen ist. Zonfeld erzählt Brunel, Morlar hätte Wahnvorstellungen gehabt. Er habe sich für den Tod vieler Menschen verantwortlich gefühlt. Sie habe ihm das anfangs nicht geglaubt, bis einige Dinge passierten, die auch sie nicht mehr ignorieren konnte. Anscheinend verfügte Morlar über telekinetische Fähigkeiten, die auch immer noch funktionieren. Und es gibt noch Orte, die in Gefahr sind...

Dieser Film zählt zu den wenigen Meisterwerken, die man nie wieder aus dem Kopf bekommt. Das liegt hier in erster Linie an der grandiosen Darstellung von Richard Burton, der allein mit seinem intensiven Blick einfach nur fesselt. Lino Ventura und Lee Remick sind ebenfalls brillant. Selbst die Nebenrollen sind sehr gut besetzt, zum Beispiel mit dem wunderbaren Derek Jacobi als Verleger. Das ist ein eher leiser Horrorfilm, der aber um so mehr überzeugen kann und obwohl er schon einige Jahre alt ist, scheinbar trotzdem kein bisschen gealtert ist. Richard Burton überzeugt selbst noch in der Klinik, auch wenn von ihm nicht mehr als seine Augen zu sehen sind. Und das Finale gehört ihm allein. Ich liebe diesen Film, der mir immer noch eine Gänsehaut verursacht. Von mir deshalb eine ganz große Empfehlung.

Tommy

"Tommy" ist ein Film von Ken Russell aus dem Jahr 1974, basierend auf der gleichnamigen Rockoper der Band "The Who", die 1969 von Pete Townshend geschrieben wurde.

Der Film beginnt mit Aufnahmen von Tommys Eltern, die sehr glücklich und verliebt sind. Captain Walker (Robert Powell) und seine Frau Nora (Ann-Margret) haben jedoch nur eine kurze Zeit des Glücks, denn es ist Krieg und Walker wird eingezogen. Einige Zeit später wird Nora mitgeteilt, dass ihr Mann abgeschossen wurde und verschollen ist. Kurz darauf kommt Sohn Tommy zur Welt. Ein paar Jahre später verbringt Nora die Ferien mit ihrem kleinen Sohn in einem Feriencamp und lernt dort den charmanten Aufreisser Frank (Oliver Reed) kennen und lieben. Sie leben fortan als Familie zusammen. Eines Nachts taucht der verschollen geglaubte Captain Walker wieder zu Hause auf und überrascht Nora und Frank im Schlafzimmer. Es kommt zum Streit und Frank erschlägt Walker. Tommy, der das mit angesehen hat, wird daraufhin blind, taub und stumm und nichts und niemand scheint ihn heilen zu können. Jahre vergehen, Tommy (Roger Daltrey) wird von seiner verzweifelten Mutter, die sich die Schuld an seinem Zustand gibt, zu immer neuen Ärzten und Scharlatanen gebracht, aber es gibt keine Besserung. Eines Tages wird Tommy durch eine Fügung auf einen Schrottplatz gelockt und entdeckt dort einen Flipperautomaten. Das ändert sein Leben, denn trotz seiner andauernden Beeinträchtigungen scheint er das Flipperspiel wie kein zweiter zu beherrschen. Er wird berühmt und die Familie wird reich. Nachdem ihn seine Mutter versehentlich durch einen Spiegel geworfen hat, kann Tommy auch wieder sehen, hören und sprechen. Er wird zu einer Art Messias, aber das Glück hat auch dunkle Seiten...

Ken Russell hat diesen Film in der ihm eigenen Weise mit vielen verrückten Ideen und Bildern vollgepackt, was das Ansehen zu einem Vergnügen macht. Sehr gut finde ich persönlich die Kugeln als immer wiederkehrendes Motiv im ganzen Film. Ann-Margret ist ein Traum. Ihre Darstellung der Mutter, immer am Rande der Verzweiflung und dem Alkohol zugetan, ist ein Genuß. Oliver Reed ist hier herrlich fies und teilweise unsympathisch, aber immer sehenswert. Seine Darstellung des Trinkers dürfte ihm nicht schwergefallen sein. Robert Powell, der Tommys Vater spielt, ist eine ganz wichtige Figur in diesem Film. Er spielte übrigens die Titelfigur Gustav Mahler in Ken Russells wunderbarem Film "Mahler" aus dem Jahr 1974. Roger Daltreys schauspielerisches Talent bleibt sehr überschaubar, trotzdem ist er in dieser Rolle die perfekte Besetzung. Die Nebenrollen sind ausnahmslos gut besetzt mit kleinen Auftritten von Tina Turner, Jack Nicholson, Elton John, Eric Clapton, Keith Moon und anderen.

Diese Special Collectors Edition ist absolut sehenswert und angereichert mit Interviews und Kommentaren der Beteiligten aus dem Jahr 2004. Es gibt sehr launige Anekdoten über die Gesangsaufnahmen und die Dreharbeiten, das ist sehr empfehlenswert und lohnend. Einziger und wirklich winziger Kritikpunkt von mir, der Film ist insgesamt etwas zu lang geraten. Im letzten Teil zieht es sich ein bisschen, das hätte gerne etwas straffer sein können. Trotzdem sehr empfehlenswert und für Fans von Ken Russell und der Musik von "The Who" ein Muss.

Die Klavierspielerin

"Die Klavierspielerin" ist ein Film von Michael Haneke aus dem Jahr 2001, nach dem gleichnamigen Roman von Elfriede Jelinek.

Erika Kohut (Isabelle Huppert), eine Frau um die Vierzig, Professorin am Wiener Konservatorium, lebt noch immer mit ihrer Mutter (Annie Girardot) zusammen, mit der sie sogar im gleichen Bett schläft. Von ihrer Mutter gedrillt, sollte sie eigentlich Konzertpianistin werden, aber schließlich ist sie "nur" Klavierlehrerin geworden. Ein Privatleben hat ihr ihre Mutter nie gestattet. Beide sind in einer Art Hassliebe miteinander verbunden.

Es geht um eine Frau, die von ihrer Mutter immer unter Druck gesetzt wurde, nie eigene Gefühle ausleben konnte, sondern immer nur funktionieren musste. Die Mutter beansprucht Erikas Aufmerksamkeit und Zuneigung nur für sich allein. Kontakte zu anderen Menschen versucht sie zu verhindern. Erika selbst ist nicht in der Lage Gefühle zu zeigen oder zu erwidern. Eine eigene Sexualität findet nicht statt, sie ist nur Voyeuristin. Mit ihren Klavierschülern ist sie streng und unbarmherzig, aber wahre Freude an der Musik kann sie selbst nicht empfinden, es scheint ihr eher zur Last geworden zu sein.

Im Laufe der Jahre ist sie kalt und versteinert geworden. Als der junge Walter (Benoît Magimel), einer ihrer Schüler, ihr seine Liebe gesteht, ist sie mit dieser Situation hoffnungslos überfordert. Sie kann sich ihm nicht hingeben, da sie das als Zeichen einer Schwäche auslegt, die sie nicht zulassen kann. Aus dieser Überforderung heraus, versucht sie ihn zu dominieren, wodurch sie Walter allerdings verschreckt. Als sie ihn bittet, sie zu schlagen und zu misshandeln, wandelt sich seine Liebe zu ihr in Abscheu. Im Grunde ihres Herzens sehnt sie sich nach Liebe und Zuwendung, aber die Umstände ihres Lebens hindern sie daran, das zu zeigen. Eine Katastrophe scheint unausweichlich.

Die Leistungen der Schauspieler kann man gar nicht genug loben, allen voran natürlich die fantastische Isabelle Huppert, die einem in ihrer Darstellung den Atem raubt. Ganz große Empfehlung für einen verstörend guten Film.

Das geheime Leben der Worte

"Das geheime Leben der Worte" ist ein Film der spanischen Regisseurin Isabel Coixet, die auch das Drehbuch geschrieben hat, aus dem Jahr 2005.

Der Film handelt von der jungen Frau Hanna (Sarah Polley), die in einer Fabrik arbeitet und ein tristes, freudloses und spartanisches Leben lebt. Eines Tages wird sie zu ihrem Chef gerufen, der sie auffordert einen Monat Urlaub zu nehmen, da sie seit vier Jahren ununterbrochen gearbeitet hat. Hanna möchte aber eigentlich gar keinen Urlaub und braucht eine Beschäftigung. Durch Zufall erfährt sie, dass auf einer Ölbohrinsel eine Krankenschwester gebraucht wird, um einen Schwerverletzten zu pflegen. Sie nimmt die Stelle an und trifft dort auf Josef (Tim Robbins), der nach einer Explosion schwerste Verbrennungen erlitten hat und vorübergehend erblindet ist. Hanna kümmert sich um Josef, der ständig versucht, etwas über sie zu erfahren und viel redet. Hanna allerdings bleibt verschlossen und sehr in sich gekehrt. Der Betrieb auf der Bohrinsel wurde vorerst eingestellt und es befinden sich dort nur wenige Männer. Der Koch Simon (Javier Cámara) versucht ständig die Stimmung etwas aufzuheitern, indem er jeden Tag ein Gericht aus einem anderen Land kocht. Ganz langsam nähern sich Hanna und Josef einander an und einen Tag bevor Josef in ein Krankenhaus an Land geflogen werden soll, erzählt ihm Hanna ihre Geschichte, nachdem sie auch Josefs Geheimnis erfahren hat.

Das ist ein sehr stiller und extrem bewegender Film über unglückliche Menschen, die auf der Flucht vor sich selbst und ihrem Leben sind. Jeder von ihnen geht anders damit um. Das Leben auf der Bohrinsel ist für sie wie eine Zuflucht. Hier scheinen sie sicher zu sein.

Der Film ist zwar traurig, aber nie deprimierend und er entlässt einen mit einem Gefühl der Hoffnung. Sarah Polley, Tim Robbins und Javier Cámara verkörpern ihre Rollen perfekt und machen diesen kleinen und ruhigen Film zu einem ganz besonderen Genuss. Absolut empfehlenswert.

Carrie

"Carrie" ist ein Horrorfilm von Brian De Palma aus dem Jahr 1976, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Stephen King, das 1973 als erster King-Roman veröffentlicht wurde. Sowohl für De Palma, als auch für King, bedeutete dieser Film den großen Durchbruch. Meine Rezension bezieht sich allerdings nur auf den Film. Da ich das Buch nicht gelesen habe, kann ich auch nicht beurteilen, wie es umgesetzt wurde. Ich beurteile den Film daher als ganz eigenständiges Werk.

Es geht um die junge Carrie (Sissy Spacek), ein unsicheres und schüchternes junges Mädchen, die mit ihrer religiös fanatischen Mutter (Piper Laurie) zusammen lebt. Als Carrie eines Tages beim Duschen nach dem Sportunterricht ihre erste Periode bekommt, ist sie zu Tode erschrocken über das Blut, das aus ihrem Körper läuft. Von ihrer Mutter nicht aufgeklärt und von ihren Mitschülerinnen wegen ihres panischen Verhaltens verhöhnt, macht sich bei Carrie eine starke Wut breit. Gleichzeitig bemerkt sie, dass sie die Fähigkeit besitzt, Dinge mit der Kraft ihrer Gedanken zu bewegen. Je mehr sie von den Mitschülern gedemütigt und verspottet wird, desto größer wird ihr Zorn. Sie lässt sich von einem Jungen gegen den Willen ihrer Mutter überreden, mit ihm zum Abschlussball in der Schule zu gehen und der Abend verläuft zunächst recht harmonisch. Carrie ist bezaubernd und wunderschön an diesem Abend und sie ist glücklich. Doch einige ihrer Mitschüler haben eine teuflische "Überraschung" für Carrie geplant und keiner von ihnen ahnt, welches Inferno damit losgetreten wird. Im Moment ihres bisher größten Glücks geschieht das Unfassbare und zum ersten Mal setzt sie ihre Kräfte bewusst ein.

Der Horror in diesem Film hat viele verschiedene Gesichter. Es geht nicht nur um die Kräfte, die in Carrie erwachen und die diese nutzt, um sich zu rächen, sondern es handelt sich um den alltäglichen Horror, dem junge Menschen ausgesetzt sind. Sei es in der Schule oder auch zu Hause. Darin bestehen auch die Faszination und der Erfolg dieses Films, denn es handelt sich um Situationen, die wohl beinahe jeder von uns auf die eine oder andere Art schon selbst erlebt hat, wenn auch hoffentlich in abgeschwächter Form. De Palma selbst meinte übrigens, Gut und Böse wären in diesem Film relativer Art.

Die Hauptdarstellerin Sissy Spacek liefert hier eine grandiose Darstellung ab, bis hin zur allerletzten Szene, bei der Brian De Palma sie eigentlich durch ein Double ersetzen wollte, aber Spacek darauf bestand, die Szene selbst zu spielen. Wer den Film schon kennt, wird die entsprechende Szene kennen und nie vergessen. Wer den Film noch nicht kennt, sollte sich auf einiges gefasst machen. Gerade wenn man glaubt, der Film sei vorbei und man könnte wieder ruhig atmen... Nein, mehr sei hier nicht verraten. Nur so viel, dieser Moment erzeugt bei mir immer wieder eine Gänsehaut, auch wenn ich ganz genau weiß, was passiert.

Neben Sissy Spacek und Piper Laurie glänzen hier noch die damaligen Jungstars Nancy Allen, Amy Irving und John Travolta. Die Filmmusik stammt hier erstmalig von Pino Donaggio, da De Palmas Lieblingskomponist Bernard Herrmann, der viel mit Alfred Hitchcock gearbeitet hatte, kurz zuvor verstorben war.

Brian De Palma, der zuvor bereits Filme wie z. B. "Sisters", "Phantom of the Paradise" und "Obsession" gedreht hat, widmete sich 1978 erneut dem Thema Telekinese in dem Film "The Fury". Bei der Gelegenheit möchte ich noch erwähnen, dass es immer ein großes Vergnügen ist, sich mit den Filmen von De Palma zu beschäftigen, denn der Mann ist schlicht und ergreifend ein Genie und seine Handschrift ist unverkennbar. Wer außergewöhnlich gut gemachte und intelligente Filme sehen will, der kommt an ihm nicht vorbei. Also nur ran, eine De Palma-Werkschau lohnt sich allemal. Besonders erwähnenswert ist noch das Making-Of des Films aus dem Jahr 2001, das sehr ausführlich ist.

Chefs Leckerbissen

"Chefs Leckerbissen" ist das Regiedebüt des spanischen Regisseurs Nacho Garcia Velilla.

Maxi (Javier Cámara) ist ein begnadeter Koch und betreibt ein kleines, aber feines Restaurant in Madrid. Er ist schwul und wird von seinen treuen Mitarbeitern, die alle genau so verrückt sind wie er, gerne als Zicke bezeichnet. Sein großer Traum ist ein Michelin-Stern. In der Küche herrscht gerne mal das Chaos, besonders wenn Maxis Kellnerin Alex mal wieder Stress mit Männern hat ("Schafft mir mal jemand die Besoffene vom Hals").

Eines Tages sieht sich Maxi aber plötzlich mit der Rolle des Vaters konfrontiert, denn seine Ex-Frau, mit der er vor seinem Coming-Out verheiratet war, stirbt. Von da an hat er einen Sohn und eine Tochter, die mit ihrem Vater auch nicht viel anfangen können. Zur gleichen Zeit zieht auch noch ein sehr attraktiver neuer Nachbar nebenan ein. Der ehemalige argentinische Fussball-Profi Horacio, hinter dem Maxis Kellnerin Alex her ist, hat aber eher Interesse an Maxi als an Alex. Die Dinge komplizieren sich zusehends. Maxis Kinder haben Probleme mit ihrem neuen Vater, Alex hat wie immer Probleme mit den Männern und Horacio hat Probleme damit, zu seiner Liebe zu Männern zu stehen. Und als wenn das noch nicht genug wäre, kündigt sich auch noch der Besuch eines Restaurantkritikers an, der über die Vergabe eines Michelin-Sternes entscheiden soll.

Javier Cámara, der bereits in Almodovar-Filmen glänzen konnte, spielt hier ganz wunderbar in dieser zauberhaften Komödie, die doch auch ganz ernste Themen behandelt, aber nie traurig oder lächerlich wird. Mich hat dieser Film total fasziniert und gepackt, ich möchte eine ganz große Empfehlung aussprechen für diesen fabelhaften Film, der aber nur im Original mit deutschen Untertiteln vorliegt. Davon sollte sich aber keiner abhalten lassen. Absolut sehenswert.

5 x 2

"5 x 2" ist ein Film von Francois Ozon aus dem Jahr 2004. Der Film befasst sich mit der Beziehung von Marion und Gilles, allerdings in umgekehrter Reihenfolge.

Wir lernen das Paar kennen, als es beim Scheidungsrichter sitzt und die entsprechende Scheidungsvereinbarung verlesen wird. Alles geht nüchtern über die Bühne, beiden sieht man die Strapazen der letzten Zeit an. Anschließend treffen sich beide vereinbarungsgemäß letztmalig in einem Hotelzimmer, keine sehr gute Idee, wie sich zeigt.

Die zweite Episode zeigt einen Dinner-Abend, die Krise ist schon offensichtlich, wird aber nicht erwähnt. Es findet auch hier keine wirkliche Kommunikation statt.

Die Geburt des Kindes ist ein erster Anhaltspunkt auf die Probleme des Paares. Gilles ist völlig überfordert mit der Situation und lässt seine Frau allein.

Die Hochzeit der beiden ist ein ausgelassenes Fest, alles könnte wunderbar sein, aber Gilles schläft völlig betrunken ein und Marion hat noch in der Hochzeitsnacht spontanen Sex mit einem Unbekannten, nur um dann sofort zu dem schlafenden Gilles zurückzukehren und ihm ihre Liebe zu versichern.

Den Schluß bildet das Kennenlernen der beiden im Urlaub in Italien. Man sieht die beiden zusammen in den Sonnenuntergang schwimmen. Ein sehr romantisches Bild, würde man nicht den weiteren Verlauf der Geschichte bereits kennen.

Warum die Beziehung zwischen Marion und Gilles letztendlich scheitern musste, wird nicht geklärt. Francois Ozon gibt wie üblich keine Antworten, die sind auch gar nicht nötig, sondern wirft viele Fragen auf, die jeder für sich beantworten muss. Fehlende Kommunikation mag ein Grund sein, ebenso die fehlende Bereitschaft, sich mit den Fehlern des Partners auseinanderzusetzen. Die Eltern von Marion haben sich arrangiert und leben in einer Art Hassliebe zusammen, aber das ist auch eine andere Generation. Im Fall von Marion und Gilles liegen die Dinge anders. Hier ist der Mann der deutlich schwächere Part, für den die einzige Art der Kommunikation der Sex scheint und selbst dabei wirkt er erbärmlich. Marion ist die stärkere Person, schon wenn sie ihm am Schluß erklärt, niemand hat gewonnen und niemand verloren, es ist einfach nur vorbei. Traurig, aber wahr.

Der Film wird aufgelockert durch einige schöne italienische Chansons und lebt vor allem von der grandiosen Darstellung der überaus wunderbaren Valeria Bruni-Tedeschi. Ich habe es in anderen Rezensionen schon erwähnt, ich habe eine große Schwäche für die Filme von Francois Ozon und möchte auch diesen Film hervorheben. Absolut sehenswert.