Sonntag, 15. Mai 2011

Schläfer

"Schläfer" ist ein Film von Benjamin Heisenberg (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2005.

Johannes (Bastian Trost) tritt eine neue Stelle in einem Forschungsinstitut an. Noch vor seinem ersten Arbeitstag kontaktiert ihn eine Frau Wasser (Gundi Ellert) vom Verfassungsschutz. Er soll in deren Auftrag seinen zukünftigen Kollegen Farid (Mehdi Nebbou) ausspionieren, der aus Algerien stammt und eventuell ein Schläfer sein könnte, auch wenn noch nichts bewiesen wäre. Johannes lehnt es allerdings ab für den Verfassungsschutz zu arbeiten, weil er das nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann und doch hat dieser Kontakt bei ihm schon zu einer ziemlichen Verunsicherung geführt und er begegnet Farid mit Vorbehalten.

Die beiden Männer freunden sich an und verbringen auch privat Zeit miteinander. Es gelingt Johannes auch mit der Zeit immer besser, ganz unbefangen mit Farid umzugehen. Doch dann gerät ihre Freundschaft in Gefahr, denn beide lernen die junge Kellnerin Beate (Loretta Pflaum) kennen und Johannes verliebt sich in sie, aber Beate entscheidet sich für Farid. Zur gleichen Zeit wird Johannes von seinem Chef Professor Behringer (Wolfgang Pregler) bei der Belobigung eines Forschungsauftrages, an dem er zusammen mit Farid gearbeitet hat, übergangen und Farid allein streicht die Lorbeeren für dieses Projekt ein. Daraufhin nimmt Johannes wieder Kontakt zu Frau Wasser auf und bringt dadurch eine Lawine ins Rollen.

Der Film erzählt seine Geschichte sehr leise und bedächtig und verzichtet völlig auf große Effekte, was wirklich sehr gelungen ist. Die Figur des Johannes ist besonders überzeugend dargestellt, denn er wandelt sich vom unschuldigen Biedermann zum eigentlichen Täter, in dem er aus niederen Beweggründen (verletzte Eitelkeiten und gekränktes Ego) zum Verräter wird und den Freund denunziert. Das ist wahrlich ein starker Stoff und könnte so oder ähnlich jeden Tag geschehen.

Insgesamt gesehen ein sehr empfehlenswerter und nachdenklich stimmender Film, den Benjamin Heisenberg hier vorgelegt hat. Intelligent erzählt und großartig gespielt, besser geht es nicht.

Samstag, 14. Mai 2011

Dealer

"Dealer" ist ein Film von Thomas Arslan (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1999. Es ist der zweite Teil seiner Berlin-Trilogie, zu der noch die Filme "Geschwister" und "Der schöne Tag" gehören.

Can (Tamer Yigit) lebt zusammen mit seiner Freundin Jale (Idil Üner) und der gemeinsamen dreijährigen Tochter in Berlin. Er ist als Dealer auf den Straßen unterwegs und sein Boss Hakan verspricht ihm schon seit längerem, sich um seine Zukunft zu kümmern. Doch nichts passiert, Hakans Worten folgen keine Taten und auch Can kann sich zu keiner Veränderung in seinem Leben aufraffen. Jale hat jedenfalls die Nase voll von diesem Leben und sie verlässt Can, nachdem sie ihn wiederholt vor die Wahl gestellt hat.

Nachdem Hakan von Rivalen erschossen wurde, steigt Can endlich aus und versucht es mit einem normalen, wenn auch ungeliebten Job in einer Restaurantküche. Ein letztes Mal will er als Dealer arbeiten und die restlichen Drogen verticken, die er noch von Hakan hat, doch dabei wird er von der Polizei erwischt und landet im Gefängnis. Sein zögerliches Verhalten hat dafür gesorgt, dass er nun alles verloren hat und auch Jale erklärt ihm geradeheraus, keine vier Jahre auf ihn warten zu wollen.

Der Film ist mit ca. 75 Minuten Laufzeit relativ kurz gehalten, kann aber auf ganzer Linie überzeugen. Es gibt keinerlei Action-Szenen (warum auch?), kaum Dialoge, aber dafür lange und ruhige Einstellungen. Die Bilder sprechen für sich und sind überaus authentisch. Thomas Arslan weiß genau was er tut und er hat exakt den richtigen Blick für die wirklich wichtigen Dinge. Zudem hat er hier mal wieder ausgesprochen tolle Darsteller am Start, die ihre Rollen perfekt und glaubhaft verkörpern. Neben Tamer Yigit und Idil Üner möchte ich noch besonders Birol Ünel als Zivilpolizisten und Baki Davrak als Drogensüchtigen hervorheben. Wirklich eine großartige Besetzung und ein wunderbarer Film.

Insgesamt gesehen hat es Thomas Arslan geschafft, dass ich den Glauben an den deutschen Film noch nicht ganz verloren habe. Er kann seine Geschichten erzählen, ohne ständig eine unangenehme "Was bin ich doch wichtig"-Fahne schwenken zu müssen, wie so viele andere deutsche Regisseure es heutzutage tun oder glauben tun zu müssen, warum auch immer. Ich möchte sogar so weit gehen, ihn als einen modernen Fassbinder-Nachfolger zu bezeichnen, denn beiden Regisseuren ist der scharfe Blick auf die Situation ihrer Protagonisten und deren Umfeld gemein. Thomas Arslan schafft es ganz problemlos, kleine und unaufdringliche Geschichten zu erzählen, die einen trotzdem nicht mehr loslassen und faszinieren. Dafür muss man ihm unendlich dankbar sein. Bitte mehr davon.

Der Räuber

"Der Räuber" ist ein Film von Benjamin Heisenberg (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2010 und beruht auf dem gleichnamigen Roman von Martin Prinz.

Johann Rettenberger (Andreas Lust) hat sechs Jahre im Gefängnis verbracht wegen versuchten Bankraubes. Während dieser Zeit hat er ständig trainiert, im Hof ist er immer nur gelaufen und selbst in seiner Zelle hatte er ein Laufband stehen, auf dem er weiter und weiter gerannt ist. Nun ist der verschlossene und wortkarge Mann wieder in der Freiheit und trifft auf dem Arbeitsamt eine Freundin von früher. Erika (Franziska Weisz) lässt ihn bei sich einziehen, da sie seit dem Tod ihrer Mutter alleine in einer großen Wohnung lebt. Zwischen den beiden entwickelt sich eine zarte Liebesgeschichte, die aber von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, denn Johann kann sich nicht auf andere Menschen einlassen und Gefühle selbst nicht zeigen oder auch nur annehmen.

Johann nimmt als Außenseiter am Wiener Marathon teil, den er überraschend eindeutig gewinnt und ein üppiges Preisgeld dafür kassiert. Auch bei einem kurz darauf folgenden Berg-Marathon kann er als Sieger über die Ziellinie laufen. Einen aufdringlichen Bewährungsbeamten (Markus Schleinzer) der ihn nach dem Lauf verfolgt und nervt, tötet er im Affekt.

Das Laufen ist aber nicht seine einzige Obsession, denn er betätigt sich ebenso erfolgreich als Bankräuber, wobei ihm seine Laufkünste durchaus behilflich bei der Flucht sind. Zum Teil überfällt er auch schon mal zwei Banken nacheinander, aber das erbeutete Geld versteckt er nur unter seinem Bett. Es geht ihm scheinbar nur um den Kick, beim Laufen wie auch beim Überfallen der Banken.

Als er schließlich von der Polizei geschnappt wird, gelingt es ihm sogar, während des Verhörs aus dem Präsidium zu flüchten. Er flieht zu Fuß in das Wiener Umland und läuft um sein Leben, während Hundertschaften der Polizei ihm auf der Spur sind und ihn verfolgen. Bei seiner Flucht wird er allerdings von einem Rentner, dem er das Auto klaut, mit einem Messer schwer verwundet und stirbt bald darauf, nachdem er seine Verfolger aber zuvor erfolgreich abschütteln konnte.

Dem Film und dem Buch liegt eine wahre Begebenheit zu Grunde. In den Achtziger Jahren war Johann Kastenberger in Österreich als Serienbankräuber unterwegs, er war ebenfalls ein extremer Läufer, aber auch ein mehrfacher Mörder, darin unterscheidet sich der Film von der Wirklichkeit, die hier nur als Vorlage dient und auf die ich an dieser Stelle auch nicht näher eingehen will.

Der Film ist ein echtes Ereignis, packend und atemlos erzählt und von Kameramann Reinhold Vorschneider in perfekten Bildern eingefangen. Er ist stets an der Hauptfigur dran, auch wenn dieser sich nie wirklich fassen lässt. Überhaupt, Andreas Lust spielt diese Rolle mit einer fast unerträglichen und unglaublichen Präsenz, der man nur atemlos folgen kann. Er zeigt hier eine bewundernswerte Darstellung, die man nicht genug loben kann. Was Johann wirklich antreibt, das erfährt man nicht, aber er ist ein Getriebener, der läuft und läuft und selbst im Stillstand scheinbar nie zur Ruhe kommt. Er läuft vor sich selbst und dem Leben davon und man ist als Zuschauer bei jedem seiner Schritte dabei und schon allein vom Zuschauen kurzatmig, während Johann immer weiter läuft, seinem unausweichlichen Ende entgegen.

Insgesamt gesehen ein wirklich großartiger und sehr sehenswerter Film mit einem grandiosen Hauptdarsteller und gleichzeitig eine faszinierende Charakterstudie eines einsamen und in sich selbst gefangenen Menschen. Ich empfehle ebenfalls noch die Interviews mit den Beteiligten (Regisseur und Crew), die sich in den Extras auf der DVD befinden.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Monsters

"Monsters" ist das Spielfilmdebüt von Gareth Edwards aus dem Jahr 2010. Der Film ist mit einem sehr geringen Budget entstanden - wobei ich persönlich die Legende mit den angeblich nur 15.000 Dollar nicht wirklich glauben kann - und Edwards ist hier gleichzeitig für Regie, Drehbuch, Kamera und visuelle Effekte zuständig.

Zu Beginn des Films kann man lesen, dass vor sechs Jahren eine NASA-Sonde über Mexiko abgestürzt ist, die Spuren außerirdischen Lebens an Bord hatte. Diese Aliens haben sich im Laufe der Jahre zu riesigen krakenähnlichen Gebilden entwickelt und Teile Mexikos sind zur infizierten Zone erklärt worden. Also eigentlich gibt es da mehrere Zonen, aber ich habe irgendwann den Überblick darüber verloren, ist aber nicht weiter schlimm. Jedenfalls soll nun die Grenze zwischen Mexiko und Amerika geschlossen werden, um eventuelle Gefährdungen für die Amerikaner abzuhalten.

Der Fotograf Andrew (Scoot McNairy), der in Mexiko auf der Jagd nach Sensationsaufnahmen von Opfern der Aliens unterwegs ist, wird dazu verdonnert die Tochter seines Chefs sicher in die Staaten zu geleiten. Also schnappt er sich die junge Sam (Whitney Able) und versucht, sie auf einer der letzten Fähren Richtung Heimat unterzubringen. Für viel Geld ergattert er ein Ticket für die Fähre am nächsten Morgen. Nach einem lockeren Abend mit Sam, an dem Andrew vergeblich versucht diese anzubaggern, lässt er sich ziemlich betrunken auf einen One-Night-Stand mit einer Unbekannten ein. Am nächsten Morgen muss er allerdings feststellen, dass er beklaut wurde. Geld, Pässe und Tickets sind weg und damit die Ausreise aus Mexiko scheinbar aussichtslos. Sam besitzt aber noch ihren mit Diamanten besetzten Verlobungsring und damit können sie ein paar mexikanische Schlepper engagieren, die sie durch die infizierte Zone bis zur amerikanischen Grenze bringen sollen.

Das ganze mutet dann ein bisschen so an wie Barbie und Ken im Abenteuerurlaub. Durch ein paar Angriffe der Kraken-Aliens wird das Schlepper-Team allerdings schnell dezimiert und nur noch unsere beiden Hauptpersonen überleben. Die müssen sich dann alleine auf den Weg zur rettenden Grenze machen, wobei hauptsächlich Blondie durch ihre schwache Blase auffällt. Endlich auf der scheinbar sicheren Seite des riesigen Schutzwalls angekommen, wird schnell klar, dass die Aliens auch hier schon heimisch geworden sind. Während Susi und Strolch also auf einer verlassenen Tankstelle auf ihre Rettung warten, gibt sich ein Kraken-Alien-Pärchen vor ihren Augen einer Art Liebesspiel hin, was von unseren zwei Langweilern mit Verzücken zur Kenntnis genommen wird und in einem ausgiebigen Kuss endet. Endlich rückt dann auch US-Militär an und die vermeintliche Rettung naht. Das Ende des Films wurde übrigens schon in der Anfangssequenz vorweg genommen und ist etwas schwer zu deuten. Meiner Meinung nach ist es ein ziemlich endgültiges Ende, aber da lege ich mich nicht fest.

Es ist verdammt schwer, diesen Film zu beurteilen. Einerseits habe ich großen Respekt vor der Leistung von Gareth Edwards, der hier ein paar wirklich gute Ansätze zeigt und viele verschiedene Deutungen des Films möglich macht. Sei es nun politisch oder sozialkritisch, es gibt viele Interpretationsmöglichkeiten und das ist sehr lobenswert. Die Optik des Films ist größtenteils auch sehr gut geraten. Andererseits bietet er nur zwei komplett uninteressante Charaktere, die langweiliger und inhaltsloser nicht sein könnten und überflüssigerweise von einem Möchtegern-Helden und einer jungen Frau in knappen Klamotten verkörpert werden. Garniert wird das alles mit Dialogen zum Weglaufen und mit sehr verschwommenen Bildern von den Kraken-Monstern, die allenfalls blinken und leuchten und ein paar brunftige Töne von sich geben. Bei aller Liebe, aber hier wäre wesentlich mehr Mühe bei der Story nötig gewesen. So erfahren wir nur, dass unser Blondchen mit ihrem Verlobten nicht glücklich ist, aber nichts darüber was sie eigentlich in dieser Gegend zu suchen hatte, während unser Fotograf eine rührselige Geschichte von seinem sechsjährigen Sohn erzählen darf, den er nicht oft sieht, weil die Mutter des Kindes dagegen ist.

Insgesamt gesehen ein Film der mich nicht überzeugen kann, obwohl ich mir wirklich große Mühe damit gegeben habe. Schade, das hätte gut werden können, aber es ist letztlich wegen der doch sehr kränkelnden Story und der beiden fehlbesetzten Darsteller, deren Ausstrahlung leider komplett gegen Null tendiert, einfach ein Flop geworden.

Montag, 9. Mai 2011

Burlesque

"Burlesque" ist ein Film von Steve Antin (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2010, der sich hauptsächlich auf seine Hauptdarstellerin Christina Aguilera und ihre Gesangs- und Tanznummern konzentriert.

Die junge Ali (Christina Aguilera) arbeitet als Kellnerin in einem Kaff in Iowa, doch sie träumt von einem besseren Leben und macht sich deshalb auf nach Los Angeles. Dort landet sie in der "Burlesque"-Lounge und ist von den Bühnenauftritten der Tänzerinnen begeistert. Die Chefin Tess (Cher) stellt sie aber vorerst nur als Bedienung ein, bis Ali sie von ihren Talenten überzeugen kann. Ali hat nämlich allein vom Zuschauen nicht nur alle Tänze auswendig gelernt, nein, sie ist auch noch eine ganz tolle Sängerin, das hat nur bislang keiner gemerkt. Schon gut, ich packe meinen Sarkasmus wieder beiseite. Bei dem Barkeeper Jack (Cam Gigandet) findet sie erstmal Unterschlupf, womit sie keine Probleme hat, weil sie ihn für schwul hält, was er aber nicht ist. Das führt dann natürlich zu den üblichen "lustigen" Verklemmtheiten auf beiden Seiten und außerdem hat Jack noch eine Verlobte in New York.

Der Club steht vor dem finanziellen Ruin, was Tess aber strikt ignoriert. Der schleimige Immobilienhai Marcus (Eric Dane) will Tess den Club abkaufen und ihr Ex-Mann Vince (Peter Gallagher) rät ihr dazu, das Angebot anzunehmen. Unter den Tänzerinnen entbrennt inzwischen ein heftiger Streit zwischen Nikki (Kristen Bell), die bisher die Nummer Eins war und Ali, die sich anschickt die neue Attraktion zu werden. Ali muss sich zudem auch noch zwischen zwei Männern entscheiden, nämlich dem reichen Schnösel Marcus, der das "Burlesque" abreißen und durch einen riesigen Bau ersetzen will, und dem armen Barkeeper Jack, der natürlich auch noch nebenbei Songs schreibt und Ali wirklich von Herzen liebt, schluchz.

So viel wollte ich zur Handlung eigentlich gar nicht schreiben, die ist nämlich sowieso völlig uninteressant und schon tausendmal besser erzählt worden. Die Story ist dünner als die Kostüme, die die Tanzmäuschen auf der Bühne tragen, aber wen kratzt das hier schon. Bei den Dialogen sollte man jedenfalls besser gar nicht so genau hinhören, die sind schon teilweise unerträglich blöd.

Warum mache ich mir also überhaupt die Mühe hier eine Kritik zu verfassen, wenn ich sowieso keine Musicals mag? Ganz einfach, weil der Film gar nicht so schlecht ist, wie ich eigentlich dachte. Das macht ihn noch lange nicht zu einem guten oder sehenswerten Film, aber es gibt ein paar Dinge, die mich durchaus überzeugen konnten. In erster Linie fand ich Stanley Tucci als schwulen Bühnenmanager Sean und engen Freund von Tess einfach hinreißend. Er ist definitiv die gute Seele des Clubs und des ganzen Films. In einer viel zu kleinen Rolle kann noch Alan Cumming gefallen, der hier aber ganz sträflich behandelt wird. Und natürlich ist da noch Cher, die zwar inzwischen ein bisschen monstermäßig aussieht, sorry Darling, aber sie ist nun mal Cher. Wenn sie allerdings singt "You Haven't Seen The Last Of Me", dann kann das schon fast als Drohung durchgehen.

Auf die Kostüme und das Frauenbild, das hier verkörpert wird, gehe ich nicht näher ein, das wäre dann doch zuviel der Ehre für diesen Quark. Insgesamt gesehen kann der Film einigermaßen gefallen, wenn auch nicht überzeugen, dafür ist die Story doch zu klischeehaft und peinlich. Wenn man den Kopf aber ausschaltet und sich nur auf die Musik konzentriert, ja, dann geht es durchaus. Ich bin aber trotzdem kein Fan von Christina Aguilera, denn manchmal schreit sie mehr, als sie singt, das ist jedenfalls meine Meinung. Ihre Fans sehen das sicher anders, ist ja auch in Ordnung so.

Von der schauspielerischen Seite her ist hier sicher einiges im Argen, aber das ist zu verschmerzen. Christina Aguilera ist ganz niedlich, auch wenn man ihr das naive Landei zu Beginn des Films natürlich keine Sekunde lang abnimmt, Cher kann aus bekannten Gründen keine Miene mehr verziehen, aber der wunderbare Stanley Tucci und der sehr schnuckelige Cam Gigandet sorgen dafür, dass man hier doch noch Freude am Film hat. Der Rest der Besetzung läuft eher unter ferner liefen, denn weder Kristen Bell, noch Peter Gallagher oder Alan Cumming bekommen den notwendigen Raum, um sich zu entfalten. Also von mir trotz allem nur eine eingeschränkte Empfehlung, denn die Story an sich ist einfach viel zu platt und nicht sehr zeitgemäß. Ganz nette Unterhaltung für einen Abend, aber auch nicht mehr.

Sonntag, 8. Mai 2011

Geschwister

"Geschwister" ist ein Film von Thomas Arslan (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1997 und der erste Teil einer Berlin-Trilogie, zu der noch die Filme "Dealer" und "Der schöne Tag" gehören.

Der Film handelt von den drei Geschwistern Erol (Tamer Yigit), Ahmed (Savas Yurderi "Kool Savas") und Leyla (Serpil Turhan). Sie leben in Berlin-Kreuzberg und haben einen türkischen Vater und eine deutsche Mutter. Erol hat die Schule abgebrochen und eigentlich keine Ahnung, was er mit seinem Leben anstellen soll. Deshalb hat er sich entschlossen, in der Türkei seinen Militärdienst zu leisten, was innerhalb der Familie eher auf Unverständnis stößt. Ahmed und Leyla hingegen fühlen sich eher als Deutsche, was aber auch nicht weiter thematisiert wird. Sie sind einfach ganz normale Jugendliche, die die gleichen Probleme haben, wie alle anderen auch.

Der Film begleitet die Geschwister in ihrem alltäglichen Leben, zu Hause mit den Eltern, beim Treffen mit den Freunden, völlig unspektakulär, aber das im besten Sinne. Die Bilder die dabei entstanden sind, wirken sehr authentisch und nie gestellt. Bereits in diesem frühen Werk zeigt Thomas Arslan, was er in seinen späteren Filmen fortsetzt, nämlich nah an seinen Figuren zu bleiben und ihnen doch alle Freiheiten zu lassen. Die Geschichten sprechen für sich. Sehr gelungen und sehr empfehlenswert.

Die junge Serpil Turhan spielt übrigens auch die Hauptrolle in dem Film "Der schöne Tag",  dem letzten Teil der Berlin-Trilogie, den ich ebenfalls nur sehr empfehlen kann.

Samstag, 7. Mai 2011

Skin & Bone

"Skin & Bone" ist ein Film von Everett Lewis (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 1996. Bevor ich mich über diesen Film weiter auslasse, möchte ich gleich eine Warnung loswerden: Hände weg von diesem Müll.

Der Film handelt von drei Callboys (Harry, Dean und Billy), die in Los Angeles für die skrupellose und strunzdumme Ghislaine arbeiten. Selbstverständlich verstehen sich die Herren aber nicht als Stricher, sondern als "Schauspieler", was sie sich auch gebetsmühlenartig dauernd selbst vorsagen. Und da sie ja nun einmal alle "Schauspieler" sind, warten sie auch nur auf die Rolle ihres Lebens, gehen zu Castings und zum Vorsprechen und sind dann immer nur verwundert, wenn sie doch nur wieder ihre Klamotten ausziehen sollen. Himmel.

Also schön weiter im Job bleiben und die teilweise sehr ausgefallenen Wünsche der Kunden und Kundinnen erfüllen, sonst gibt es Ärger. Und falls einer mal aussteigen will, tja, das sieht Ghislaine gar nicht gerne und da reagiert sie immer ein bisschen ungehalten.

So, Schluss jetzt mit dem Quatsch. Der Film ist einfach unterirdisch, freundlich ausgedrückt. Ich zitiere hier mal wieder einen Text des DVD-Covers: "Bissig, zärtlich, fesselnd, ungemein berührend und sogar komisch." Von all dem habe ich nichts gesehen. Leider habe ich erst zu spät gelesen, wer hier Regie geführt hat. Von Everett Lewis habe ich bereits "Lucky Bastard" gesehen und der war schon ziemlich blöd, wirkt aber gegen diesen Film wie eine wahre Offenbarung. "Skin & Bone" stammt aus dem Jahr 1996, sieht aber viel älter aus, denn die Bild- und Tonqualität sind ausgesprochen schlecht, was aber wiederum zum Rest des Films passt, denn hier ist einfach alles nur furchtbar.

Im ganzen Film findet sich nicht eine sympathische Figur, die Darsteller sind mies, die Story ist grauenvoll und es gibt meilenweit kein Talent, weder vor noch hinter der Kamera. Es gibt zwar einige Nacktszenen, von denen aber keine einzige irgendwie erotisch ist. Die Schauwerte halten sich auch in Grenzen, denn besonders hübsch sind die Kerle alle nicht. Ich habe mich tatsächlich durch 110 sehr lange Minuten gekämpft und mir diesen unerträglichen Mist angetan, der so entsetzlich hohl und dämlich ist, dass man es kaum fassen kann. Vielleicht sollte sich Everett Lewis ein anderes Hobby suchen, von Filmen hat er jedenfalls keine Ahnung. Wie auch schon in "Lucky Bastard" gibt es auch hier wieder einen längeren und peinlichen Monolog, dieses Mal erzählt einer der Stricher, dass er als Junge mal einen Schokoriegel geklaut hat, mit ungeahnten und weitreichenden Folgen. Ich kann gleich nicht mehr...

Insgesamt gesehen natürlich keine Empfehlung für diesen Schwachsinn, denn dieser Film ist so doof, das glaubt man gar nicht. Ach, und "Ein Klassiker des Queer Cinema", wie uns die Aufschrift auf der Hülle vormachen will, ist das auf gar keinen Fall. Bitte verpassen, ich meine es nur gut.

Freitag, 6. Mai 2011

Der schöne Tag

"Der schöne Tag" ist ein Film von Thomas Arslan (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2001. Es ist der letzte Teil seiner Berlin-Trilogie, nach "Geschwister" und "Dealer".

Wir erleben einen Tag im Leben der jungen Deniz (Serpil Turhan), die in Berlin geboren und aufgewachsen ist, deren Eltern aber aus der Türkei stammen. Deniz ist einundzwanzig Jahre alt und Schauspielerin, arbeitet aber auch als Synchronsprecherin und aktuell an Eric Rohmers "Sommer". Mit ihrer Beziehung zu ihrem Freund Jan (Florian Stetter) ist sie unzufrieden und deshalb trennt sie sich an diesem Tag von ihm.

Sie begegnet mehrfach dem jungen Portugiesen Diego (Bilge Bingul) und beide beobachten sich gegenseitig, bevor sie endlich miteinander ins Gespräch kommen. Fast scheint es, als könnte hier eine neue Liebe entstehen, aber Diegos Freundin kommt am nächsten Tag von einem einjährigen Auslandsaufenthalt zurück nach Berlin. Zwischen Deniz und Diego ist zwar eine starke Verbindung spürbar, aber es soll wohl nicht sein.

Deniz besucht ihre Mutter (Hafize Uner), die seit dem Tod ihres Ehemanns allein lebt, aber nicht wirklich glücklich ist, was sie allerdings zu seinen Lebzeiten eher auch nicht war. Die Unterhaltung zwischen Mutter und Tochter ist insofern interessant, weil Deniz deutsch spricht und ihre Mutter immer auf türkisch antwortet. Deniz macht in ihren Aussagen klar, dass sie ein Leben, wie es ihre Mutter geführt hat, nicht leben will. Der Begriff  "Partnerschaft" sei ihr zu kalt. Später am Tag trifft sie sich noch mit ihrer Schwester Leyla (Selda Kaya), die nur auf der Durchreise ist und Deniz davon berichtet schwanger zu sein, aber das Kind wohl nicht bekommen zu wollen, weil sie zu sehr in ihren Beruf eingebunden ist. "Ich habe nicht studiert, um Hausfrau zu werden." Deniz rät ihr zwar, das Kind trotzdem zu bekommen, aber letztlich ist sie schon mit ihrem eigenen Gefühlsleben genug beschäftigt.

Am nächsten Morgen trifft Deniz im Cafe zufällig auf eine Dozentin (Elke Schmitter), mit der sie über das Leben und die Liebe philosophiert. Diese Szene wurde in vielen Rezensionen zu diesem Film stark kritisiert, ich kann daran aber nichts Negatives finden und enthalte mich da einer Äußerung. Insgesamt finde ich diesen Film überaus gelungen und sehr schön und gefühlvoll in Szene gesetzt. Selbst Berlin wirkt an diesem Sommertag warm und einladend, auch wenn ich die Stadt eigentlich nicht besonders mag.

Empfehlen kann ich den Film auf jeden Fall, aber nur den Zuschauern, die damit leben können, dass hier kaum etwas passiert. Obwohl das genau genommen nicht stimmt, denn es passiert eine ganze Menge im Leben dieser jungen Frau an diesem schönen Sommertag. Deniz ist ständig in Bewegung, sei es nun zu Fuß, mit der Straßenbahn oder mit der U-Bahn und ich hätte ihr noch stundenlang zuschauen können, einfach weil sie so bezaubernd ist. Ganz große Empfehlung deshalb von mir für diesen wunderbaren kleinen Film, der Thomas Arslan einfach hervorragend gelungen ist, schlicht und doch überwältigend.

Dienstag, 3. Mai 2011

Im Schatten

"Im Schatten" ist ein Film von Thomas Arslan (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2010.

Der Film handelt von dem Gangster Trojan (Misel Maticevic), der nach fünf Jahren aus dem Gefängnis entlassen wird. Er sucht seinen früheren Partner Richard Bauer (Peter Kurth) auf, den er nicht verraten hat und von dem er nun den Anteil an der Beute von damals einfordert. Doch Richard will ihn loswerden und hetzt zwei Killer auf Trojan. Trojan nimmt Kontakt zu der Pflichtverteidigerin Dora Hillmann (Karoline Eichhorn) auf, die er von früher kennt und die zwielichtigen Geschäften gegenüber nicht abgeneigt ist. Bald darauf plant Trojan mit seinem alten Kumpel Nico (Rainer Bock) einen Überfall auf einen Geldtransporter, den Deal hat Dora eingefädelt.

Ruhig und konzentriert wird der Überfall geplant und durchgezogen, alles läuft glatt. Trojan ist ein Meister seines Fachs, er zweifelt nicht, er handelt. Doch nach dem gelungenen Überfall gibt es Probleme, denn der korrupte Polizist Meyer (Uwe Bohm), dem nichts heilig ist, der auf eigene Rechnung arbeitet und dafür auch über Leichen geht, hat Dora und Trojan observiert und will nun ebenfalls einen Anteil an der Beute haben. Die Sache läuft aus dem Ruder und es gibt Tote.

Da habe ich mich doch gerade erst kürzlich darüber beschwert, dass mir Deutsche Produktionen meistens zu bedeutungsschwanger sind und habe mich über mangelnde schauspielerische Leistungen beklagt und dann landet plötzlich "Im Schatten" in meinem DVD-Player und die Welt sieht gleich wieder ganz anders aus. Es gibt sie also doch noch, die guten und anspruchsvollen Filme, die zudem noch über hervorragende Darsteller verfügen. Danke Thomas Arslan für dieses kleine und brillante Meisterwerk und für diese Besetzung. Was für eine Wohltat und was für ein Vergnügen, diesen Film sehen zu können.

Der Filmstil der "Berliner Schule", deren Vertreter Thomas Arslan ist, zeichnet sich durch Reduzierung der Handlung auf ein Minimum aus, wenn ich das mal so salopp formulieren darf. Der Film ist mit 85 Minuten Laufzeit knapp gehalten, es wird kaum gesprochen und es gibt auch nur eine sparsame Musikuntermalung. Die Figurenzeichnungen erscheinen zwar spärlich, aber man erfährt durch ihr Handeln genug über sie, wenn man zwischen den Zeilen liest, denn vieles wird hier nicht direkt, sondern indirekt vermittelt. Die kurze Liebesszene zwischen Dora und Trojan finde ich zwar eigentlich schon fast überflüssig, weil sie nichts zur Sache tut, aber das ist auch nur meine Meinung.

Der Film lebt in erster Linie von den großartigen Schauspielern, die diese Bezeichnung auch tatsächlich verdienen. Uwe Bohm ist wie üblich sensationell und in seiner Rolle auch herrlich fies. Er gehört für mich zu den absoluten Ausnahmetalenten in diesem Land. Misel Maticevic muss aber ebenso erwähnt und gewürdigt werden, er wird von Rolle zu Rolle besser und kann hier besonders deutlich zeigen, was in ihm steckt. Sein Blick auf die Welt um ihn herum spricht Bände, er ist ein Krimineller, der sich selbst nichts vormacht. Karoline Eichhorn, Peter Kurth und Hanns Zischler glänzen in den Nebenrollen, besser geht es kaum. Insgesamt muss die Besetzung einfach als grandios bezeichnet werden.

Der Film ist relativ ruhig gehalten, aber trotzdem spannend erzählt und nie langweilig. Es gibt viele Szenen, in denen kaum etwas passiert, die aber doch überzeugen können, einfach weil sie so hervorragend aufgebaut und ausgearbeitet sind, wie z. B. die vielen Autofahrten durch Berlin oder das trostlose Leben Trojans in den seelenlosen Hotelzimmern. Ich kann diesen fabelhaften Film jedenfalls nur sehr empfehlen, genau wie Thomas Arslans Film "Ferien", der mir ebenfalls sehr gut gefallen hat. Ein großes Publikum wird er wohl leider nicht erreichen, was angesichts der Qualität seiner Werke sehr schade ist. Hoffentlich ändert sich das einmal, das wäre wirklich wünschenswert. Ich freue mich jedenfalls schon auf weitere Filme von Thomas Arslan.

Sonntag, 1. Mai 2011

Shortbus

"Shortbus" ist ein Film von John Cameron Mitchell (Regie und Drehbuch) aus dem Jahr 2006.

James (Paul Dawson) und Jamie (PJ DeBoy) sind seit Jahren ein Paar und wollen etwas mehr Schwung in ihre Beziehung bringen. Dazu suchen sie die Paartherapeutin Sofia (Sook-Yin Lee) auf, die aber eher selbst Hilfe braucht, denn sie hat zwar mit ihrem Mann Rob (Raphael Barker) tollen Sex, aber sie hatte noch nie einen Orgasmus. James und Jamie laden Sofia daraufhin in den sehr freizügigen Nachtclub "Shortbus" ein, wo sie sich mal ein wenig umsehen soll. Dort trifft sie unter anderem auf die Domina Severin (Lindsay Beamish), die zwar im Umgang mit ihren Kunden sehr souverän ist, sich aber selbst nach einer festen Beziehung sehnt.

Das "Shortbus" ist ein Club mit vielen Möglichkeiten, es gibt Live-Musik, Gespräche, Schwule, Lesben und Heteros und sehr viel Sex. James und Jamie nehmen einen jungen Mann mit zu sich nach Hause und haben dort eine heiße Nacht. Die Szene mit der amerikanischen Nationalhymne darf man nicht verpassen, die ist absolut herausragend. Doch James ist depressiv und plant, sich umzubringen, was aber durch einen mehr als aufmerksamen Nachbar vereitelt wird.

Sofia und Severin freunden sich an und jede hilft der anderen, so gut sie es kann. Sie alle treffen immer wieder im "Shortbus" aufeinander und langsam aber sicher lösen sich alle Probleme. Das Ende ist zwar ein bisschen verkitscht, aber das darf es auch ruhig sein, denn hier wird niemand vorgeführt, sondern alles ist eben menschlich.

Der Film hat wegen seiner ausführlichen Sexszenen keine Jugendfreigabe und ist sicher nicht für jeden Geschmack geeignet, aber er ist weit davon entfernt pornografisch zu sein. Der Sex ist nun einmal Teil des Lebens und als solcher findet er hier auch statt. Wer sich daran nicht stört und es gibt auch wahrhaftig keinen Grund dazu, der wird mit einem zauberhaften kleinen Independentfilm belohnt, der mit den verschiedensten Charakteren aufwarten kann und wirklich zu Herzen geht. Die Besetzung ist wunderbar und selbst die kleinsten Nebenrollen können überzeugen. Ich kann diesen kleinen und sehr sehenswerten Film jedenfalls nur empfehlen.