Sonntag, 15. August 2010

Tommy

"Tommy" ist ein Film von Ken Russell aus dem Jahr 1974, basierend auf der gleichnamigen Rockoper der Band "The Who", die 1969 von Pete Townshend geschrieben wurde.

Der Film beginnt mit Aufnahmen von Tommys Eltern, die sehr glücklich und verliebt sind. Captain Walker (Robert Powell) und seine Frau Nora (Ann-Margret) haben jedoch nur eine kurze Zeit des Glücks, denn es ist Krieg und Walker wird eingezogen. Einige Zeit später wird Nora mitgeteilt, dass ihr Mann abgeschossen wurde und verschollen ist. Kurz darauf kommt Sohn Tommy zur Welt. Ein paar Jahre später verbringt Nora die Ferien mit ihrem kleinen Sohn in einem Feriencamp und lernt dort den charmanten Aufreisser Frank (Oliver Reed) kennen und lieben. Sie leben fortan als Familie zusammen. Eines Nachts taucht der verschollen geglaubte Captain Walker wieder zu Hause auf und überrascht Nora und Frank im Schlafzimmer. Es kommt zum Streit und Frank erschlägt Walker. Tommy, der das mit angesehen hat, wird daraufhin blind, taub und stumm und nichts und niemand scheint ihn heilen zu können. Jahre vergehen, Tommy (Roger Daltrey) wird von seiner verzweifelten Mutter, die sich die Schuld an seinem Zustand gibt, zu immer neuen Ärzten und Scharlatanen gebracht, aber es gibt keine Besserung. Eines Tages wird Tommy durch eine Fügung auf einen Schrottplatz gelockt und entdeckt dort einen Flipperautomaten. Das ändert sein Leben, denn trotz seiner andauernden Beeinträchtigungen scheint er das Flipperspiel wie kein zweiter zu beherrschen. Er wird berühmt und die Familie wird reich. Nachdem ihn seine Mutter versehentlich durch einen Spiegel geworfen hat, kann Tommy auch wieder sehen, hören und sprechen. Er wird zu einer Art Messias, aber das Glück hat auch dunkle Seiten...

Ken Russell hat diesen Film in der ihm eigenen Weise mit vielen verrückten Ideen und Bildern vollgepackt, was das Ansehen zu einem Vergnügen macht. Sehr gut finde ich persönlich die Kugeln als immer wiederkehrendes Motiv im ganzen Film. Ann-Margret ist ein Traum. Ihre Darstellung der Mutter, immer am Rande der Verzweiflung und dem Alkohol zugetan, ist ein Genuß. Oliver Reed ist hier herrlich fies und teilweise unsympathisch, aber immer sehenswert. Seine Darstellung des Trinkers dürfte ihm nicht schwergefallen sein. Robert Powell, der Tommys Vater spielt, ist eine ganz wichtige Figur in diesem Film. Er spielte übrigens die Titelfigur Gustav Mahler in Ken Russells wunderbarem Film "Mahler" aus dem Jahr 1974. Roger Daltreys schauspielerisches Talent bleibt sehr überschaubar, trotzdem ist er in dieser Rolle die perfekte Besetzung. Die Nebenrollen sind ausnahmslos gut besetzt mit kleinen Auftritten von Tina Turner, Jack Nicholson, Elton John, Eric Clapton, Keith Moon und anderen.

Diese Special Collectors Edition ist absolut sehenswert und angereichert mit Interviews und Kommentaren der Beteiligten aus dem Jahr 2004. Es gibt sehr launige Anekdoten über die Gesangsaufnahmen und die Dreharbeiten, das ist sehr empfehlenswert und lohnend. Einziger und wirklich winziger Kritikpunkt von mir, der Film ist insgesamt etwas zu lang geraten. Im letzten Teil zieht es sich ein bisschen, das hätte gerne etwas straffer sein können. Trotzdem sehr empfehlenswert und für Fans von Ken Russell und der Musik von "The Who" ein Muss.

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